Aspies e.V. - ABA Positionspapier

Aspies e.V. versteht sich als Interessenvertretung autistischer Menschen und vertritt in Bezug auf Therapien die Haltung, dass diese die Lebensqualität von Autist/innen verbessern, ihr Selbstwertgefühl stärken und hohen ethischen Standards genügen müssen und natürlich autistischen Menschen in keiner Weise schaden dürfen. Aus diesem Grund haben wir in der Vergangenheit deutlich gegen die Festhaltetherapie und MMS Stellung bezogen und werden wir uns auch weiterhin in diesem Sinne engagieren. Therapien, die ausschließlich defizitorientiert sind und die autismusbedingten Stärken, die oft ebenfalls vorhanden sind, ignorieren, lehnen wir ab.

Es existieren mehrere Darstellungen autistischer Menschen, die glaubwürdig berichten, dass ihnen durch ABA-Therapeuten seelischer Schaden entstanden ist. Diesen Menschen erklären wir ausdrücklich unsere Solidarität und Unterstützung. Wir weisen darauf hin, dass gerade auch Autist/innen einen durch Grundgesetz und Behindertenrechtskonvention geschütztes Recht auf Menschenwürde, Selbstbestimmung und Respekt besitzen. Die Kritik an ABA stammt im Übrigen nicht nur von autistischen Menschen, sondern auch von Eltern und Fachkräften. Wir verweisen hier insbesondere auf den Regionalverband Mittelfranken von Autismus Deutschland, dessen Stellungnahme zu ABA (siehe unten) wir uns anschließen.

Soweit ABA-Anbieter

— autistische Menschen einer Intensivtherapie unterziehen, die dem therapierten Autisten kaum Gelegenheit zu einer selbstbestimmten Lebensgestaltung lässt.

— bei Angehörigen Schuldgefühle erzeugen, indem sie erklären, dass ABA die einzig sinnvolle Therapiemethode für das Kind sei und es dem Kind schade, wenn es nicht mit ABA therapiert werde,

— ihre Therapie so anlegen, dass auf den Willen des autistischen Menschen keine Rücksicht genommen wird und die von diesem Menschen zu erreichenden Ziele fremdbestimmt sind,

— mit direkter oder indirekter Bestrafung arbeiten, etwa, indem sie Autist/innen nur dann Zugang zu ihren Lieblingsgegenständen gewähren, wenn sie “Wohlverhalten” zeigen,

betrachten wir deren Vorgehen als ethisch in hohem Maße fragwürdig und als Verstoß gegen ein menschenwürdiges und respektvolles Verhalten gegenüber autistischen Menschen. Es gibt darüber hinaus auch nachweislich begründete Zweifel unter Fachkräften an der Wirksamkeit einer derart praktizierten ABA-Therapie.

Da der Begriff “ABA” vielfach mit dieser Intensivtherapie assoziiert wird, empfehlen wir Anbietern, die zwar den Begriff “ABA” verwenden, jedoch überwiegend mit anderen Ansätzen arbeiten, auf den Begriff “ABA” zu verzichten.

Wir werden weiterhin den Dialog mit allen Beteiligten suchen, schon im Sinne einer umfassenden Aufklärung. Grundvoraussetzung für einen solchen Dialog ist aber, dass wir Autist/innen als gleichberechtigte Partner anerkannt, unsere Würde respektiert und auf bevormundende oder fremdbestimmte Ansätze verzichtet wird.