Selbstdiagnose

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    • @Linnea

      Witzig, dass sich dann alle wie die Tiere auf die Beleidigung stürzen, statt auf den Sachbeitrag einzugehen. Ich kanns nur wiederholen: Doppelmoral. An einer ehrlichen Diskussion, im Sinne eines Austausch und einer Auseinanderzusetzung von und mit Argumenten (!) (anstatt immer nur seine Meinungen herauszuposaunen und dabei zu behaupten dass man Tatsachen wiedergebe), daran sind hier die allerwenigsten interessiert, es wird aber ständig vorgegaukelt. Das merkt man vor allem daran, dass bestimmte User die Sachargumente meistens komplett ignorieren und sich nur Details raussuchen die sie irgendwie diskreditieren können, um ihr Weltbild zu verteidigen.

      @Lefty Ich wollte den Text hier grad spoilern, weil es zugegebenermaßen wirklich Offtopic ist, aber habe nicht herausgefunden wie das geht.
    • Eine gesittete Sprache ist eine absolute Grundvoraussetzung für eine Diskussion auf der Sachebene! Die muss also zuerst sichergestellt werden, danach kannst du dich dann aufregen, wenn Leute immer noch nicht inhaltlich auf deine Beiträge eingehen sollten!

      @Lefty Sorry, dass ich mich hier doch nochmal zu Wort melde. :oops: Bald isses wahrscheinlich eh alles im Papierkorb. :roll:
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    • Abendstern wrote:

      Eine gesittete Sprache ist eine absolute Grundvoraussetzung für eine Diskussion auf der Sachebene!
      Wer genau sagt denn das? Du wirfst mir doch immer wieder vor dass ich hier die moralischen Spielregeln vorgebe. Du machst gerade genau das gleiche. DEINEM Empfinden nach ist eine gesittete Sprache eine Grundvoraussetzung für eine Diskussion. Ich empfinde das anders, ich empfinde den Diskussionsstil von dir und manch anderen Usern als sehr viel beleidigender. Wieso misst du also mit zweierlei Maß?

      Außerdem finde ich deine Aussage schon wieder verlogen. Denn was du sagst, ist eine Utopie. Es gibt real keine rein sachlichen Diskussionen. Jede Aussage die man trifft hat immer (!) einen Beziehungsaspekt (siehe Kommunikationspsychologie). Das heißt jede Aussage enthält auch den Ausdruck von Emotionen bzw. Aggressionen (in fast allen Diskussionen eigentlich). Und diese werden entweder implizit oder explizit zum Ausdruck gebracht. Jetzt frage ich dich ganz direkt: Was denkst du ist sinnvoller in einer Diskussion - Emotionen nicht explizit zu äußern und gleichzeitig zu behaupten dass man die ganze Zeit sachlich ist (sodass es zu sehr subjektiv gefärbten Meinungen ohne Argumentationsgrundlage kommt), oder zu versuchen, seine Emotionen hin und wieder explizit zu verbalisieren, um sich dann um eine sachliche Argumentation (ungleich Meinung) zu bemühen? Ich will nicht sagen dass mir das immer gelingt, aber ich versuche zumindest meistens, letzteres zu erfüllen.

      Das führt mich auch zurück zum Thema: Eine Schwarz-Weiß-Betrachtung einer Autismus-Diagnose ist nichts, mit dem man konstruktiv arbeiten kann. Wer eine Diagnose möchte, ist ja daran interessiert an seinem Leidensdruck etwas zu verändern. Wenn Ärzte dazu tendieren, bestimmte Symptomatiken einfach zu labeln mit "Ja, Autismus" oder "Nein, irgendeine nicht näher benannte Persönlichkeitsstörung", dann ist damit keinem geholfen. Es geht darum, Erklärungsansätze (!) für Patienten zu finden, mit denen der Patient arbeiten kann. Wenn der Patient aber seine Gründe hat, mit einem bestimmten Ansatz (zB PS statt Autismus) nicht arbeiten zu können, sollte ein Arzt den Patienten doch eher ermutigen, selbst weiter nachzuforschen und sich ggf. noch mal woanders testen zu lassen.
    • Ich glaube das Grundproblem jetzt gerade geht darauf zurück, was eine Diagnose für unterschiedliche Leute bedeutet. Einige spontan überlegte Beispiele:
      • Bestätigung der eigenen Sicht (ich sehe mich als X),
      • In Schutz nehmend (es ist ok, dass ich so bin),
      • Gruppenzugehörigkeit (ich komme so gut mit den anderen mit Diagnose zurecht, ich will auch einer von denen sein),
      • Wissen (ich will wissen, was es genau mit meinen Verhaltensweisen auf sich hat),
      • Hilfe (wenn ich so bin, dann passen vielleicht spezielle Lösungskonzepte dafür auch für mich).
      Es gibt sicher noch eine ganze Reihe von weiteren Erklärungen und jeder Betroffene (ob NT oder nicht) wird vermutlich einer Diagnose ein oder mehrere solcher Bedeutungen zuschreiben. Wenn wir jetzt das Grundproblem vom Zutreffen bei Diagnosen dazu nehmen (true positive, false positive, true negative, false negative) dann wird es bereits unübersichtlich.

      Ich selbst habe schon viele Jahre Probleme mit Ärzten, die meinen Qualitätsmaßstäben nicht genügen, indem sie den aktuellen Forschungsstand oder sogar die aktuelle Leitlinie ignorieren, und es gibt keinen Grund zu glauben, dass das bei ASS anders sei. Im Gegenteil, man lese sich mal die aktuelle Leitlinie zur ASS Diagnostik durch und vergleiche das mit den Berichten hier aus dem Forum. Es wird hier wohl kaum jemand anzweifeln, dass mancher hier mit Diagnose sie bei anderen Diagnosestellen nicht bekommen hätte - sonst gäbe es nicht so viele Hinweise und Diskussionen im Diagnostikunterforum.

      Worauf will ich jetzt hinaus? Keine Ahnung, aber die Gruppe der Diagnostizierten eifersüchtig zu beschützen, indem Hürden zur Dazugehörigkeit propagiert werden, schließt alle mit einer falschnegativen Diagnose aus und ignoriert auch gleichzeitig, dass es sicher Menschen mit einer falschpositiven Diagnose gibt.


      MusicSexNature wrote:

      Es gibt real keine rein sachlichen Diskussionen.
      Das würde ich so nicht unterschreiben, in der uralten Disziplin der Rhetorik wurde (auch) versucht Diskussionen nach Argumenten und logischen Gesichtspunkten zu ordnen.

      The post was edited 1 time, last by Hendrik ().

    • Linnea wrote:

      MusicSexNature wrote:

      Zum Diskutieren. Ich bin hier für einen ehrlichen Diskurs
      Dazu gehört nicht, zu beledigen.
      Ansonsten ja, ein Austausch ist wichtig. Und man sieht ja, dass du eigentlich auch klarer diskutieren kannst ohne so derbe zu beleidigen.
      :d komisch, wie so fallen mir gerade das "ach gottchen" und diie "Blubb" ein. :d

      Manchmal gehen eben mit einem die Pferde durch/RW - nur eben bei unterschiedlicihen Menschen zu Unterschiedlichem miit etwas unterschiedlicherer , mal direkterer, mal indiirekterer Ausdrucksweise zu "emotiionale Unmutsbekundung" :d

      Wobei dann alle die Form, die sie wählen, für angemessen halten und die der anderen nicht.


      Hendik wrote:

      .....aber die Gruppe der Diagnostizierten eifersüchtig zu beschützen, indem Hürden zur Dazugehörigkeit propagiert werden, schließt alle mit einer falschnegativen Diagnose aus und ignoriert auch gleichzeitig, dass es sicher Menschen mit einer falschpositiven Diagnose gibt.
      genau.
      Auch habe ich mittlerweile die Vermutung, dass Unsicherheit zur eigenen Diagnose, und/oder Hinweise darauf, dass diese nicht stimmen könnte, und/oder Neid darauf, was andere Autist*innen hinkriegen, egal ob das jetzt an "anders betroffen", "trotz Schwächen erreicht, weil Umgang damit gefunden", oder "glücklichen Umständen" liegt, zu reflexhaftem "..dann kannst DU kein*e Autist*in sein" führt.
      Liebe braucht Mut
    • MusicSexNature wrote:

      Was denkst du ist sinnvoller in einer Diskussion - Emotionen nicht explizit zu äußern [...] oder zu versuchen, seine Emotionen hin und wieder explizit zu verbalisieren, um sich dann um eine sachliche Argumentation (ungleich Meinung) zu bemühen?
      Zunächst einmal gibt es einen Riesen-Unterschied zwischen dem "expliziten Verbalisieren von Emotionen" (z. B. "mich regt es enorm auf, dass...") und derben Beleidigungen ("du armer Trottel", "was du schreibst, ist widerwärtig / ekelerregend" etc.).

      Zu deiner Frage: Noch besser wäre es imo, wenn man seine Emotionen sich selbst explizit bewusst macht, um diese dann aus der Diskussion heraushalten zu können!
      Wäre bei deinem Schreibstil doch eigentlich auch ein Leichtes. Einfach die derben Beleidigungen vor dem Abschicken des Posts streichen und gut ist.
      Aber explizite Beleidigungen stehen zu lassen, das klingt so, als wäre die Provokation und das Beleidigen eben tatsächlich eines deiner Hauptanliegen beim Schreiben im Forum.

      -

      @Hendrik Interessante Auflistung, ich glaube, damit triffst du es ziemlich gut auf den Punkt. :thumbup:

      Aus Sicht von Ärzten haben Diagnosen allerdings einen ganz anderen Sinn (am ehesten noch der fünfte Punkt in deiner Liste), insofern ist es vielleicht einfach nicht die richtige Idee, sich so sehr an dieser Diagnose festzuklammern, wenn es einem um ganz andere Dinge aus der Liste geht. Also man nimmt quasi ein Spielzeug, was eigentlich nur den Ärzten gehört, macht damit Sachen, für die es nicht gedacht ist, und wundert sich dann, dass es Probleme gibt. :d
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    • Happy to be wrote:

      Das gilt aber auch für die Diagnosen. "Autismus nach Lehrmeinung XY".
      Ja. Auch bei den Fachkräften gibt es eine gewisse Dynamik, auf internationaler Ebene gar auch Unterschiede (→ ICD und DSM).



      Happy to be wrote:

      Zwei Gedanken dazu:
      1. Die Suche nach "Begründungen/Erklärungen" ist ja auch eine der "Symptome". Womit der Satz "die Gesellschaft wird autistischer" seine Beerechtigung bekäme.
      Warum bekäme der Satz seine Berechtigung?



      Happy to be wrote:

      2. Es ist ein Kennzeichen von Diskriminierung, wenn die einen das Berücksichtigen ihrer Bedürfnisse nicht gegenüber anderen begründen müssen, das als "Privilegien" einfach einfordern können, und die anderen sollen Begründungen liefern, und immer mehr, damit mal was überhaupt irgendwas ein bisschen berücksichtgt wird.
      Ich würde es nicht so sehen, dass es "die einen" gibt und die anderen. Es ist doch nicht wirklich so, dass man für "die einen" die Bedürfnisse stets befriedigt. "Die einen" sind doch keine graue Masse von Menschen, die alle gleich ticken. Deutschland galt vor vielen Jahren als das kinderfeindlichste Land Europas. Die asbachuralte Kirschbaum-Allianz-Werbung war oberflächlich ein Stück weit repräsentativ für den Alltag im Land. Hier eine Minute Polit-Kabarett, wo man Ende der 60er etwas beschrieben hat, also nix Bedürfnisse, sondern Mainstream für alle! Wer vom Mainstream abweicht, der muss sich erklären. Ein Stück weit ist das so, oder? :roll:



      Happy to be wrote:

      Dabei ist es völlig egal, um welche Gruppen es sich handelt. Tatsache ist, dass denen, die begründen sollen/müssen, warum sie ihre Eigenarten und Bedürfnisse berücksichtigt sehen wolllen, hier ÜBER das Begründen müssen eine "niedrigere Position" zugeschrieben wird aus der Sicht derer, die selbst nicht begründen müssen - nur um dann, wenn mal die Gründe nicht abgewehrt werden können, "Gegenargumente" zu hören bekommen, warum jetzt doch nicht berücksichtigt wird. "Zu Aufwändig, zu teuer, keine Strukturen dafür da, Zumutung gegenüber denen, die berücksichtigen sollen" usw. usw.
      Ich glaube das Problem ist:
      Geht man hin und macht bei jeder Sache eine Abstimmung, dann mag es MAL etwas anders sein, aber der Autist dürfte untergehen mit seinen Wünschen. Daher wird es dort, wo viele Menschen interagieren müssen, wohl immer so sein, dass man die Masse nicht wirklich dazu bewegen kann die Minderheit hinsichtlich ihres Einflusses zur Mehrheit zu machen.

      Und lass mal eine 30köpfige Gruppe von Autisten sich einig werden.
      Aber es gibt eben auch nicht nur Autisten, es gibt ja noch ganz ganz viele andere F-Diagnosen.
      Die Psychiatrie sagte bereits vor ca. 20 Jahren, dass jeder zweite bis dritte Bürger im Land auffällig sei aus den Augen der Fachleute betrachtet und damit wäre die "Neurotypie" auch nicht immer ganz sicher die Mehrheit an jedem Ort, ganz davon zu schweigen, dass "NT" eben sehr schwammig ist und oft als graue Masse beschrieben wird. "NT" ist quasi ein Vorurteil. :-p :d



      Happy to be wrote:

      Oder zwar offiziell gesagt wird, man wolle Gleichberechtigung, Inkusion usw., in Realiät aber weiter ausgegrenzt wird.
      Nimm doch mal die Autisten und so manche ihrer Aussagen. Schau dir den verlinkten Artikel an. Viele Autisten sind selbst nicht bereit etwas anderes neben sich zu dulden (→ Stichworte "diese dummen bösen unlogischen NTs"). Autisten haben über die Jahre oft darüber diskutiert wie es wäre, wenn die Welt weitgehend autistisch wäre und viele waren der Ansicht, dass dann "NT" der Unterdrückte wäre. Also von echter Neurodiversitäts-Ideologie kaum bis keine Spur, sondern vielmehr eine Art "NT 2.0" (= Mainstream). Ich finde zudem, dass Autisten seit Urzeiten ganz gut dokumentieren, dass sich innerhalb ihreresgleichen oft nicht bereit sind Andersartigkeiten und Bedürfnisse zu berücksichtigen.

      So viel erst mal... muss erstmal was wegbeissen gehen. :d
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    • Happy to be wrote:

      komisch, wie so fallen mir gerade das "ach gottchen" und diie "Blubb" ein.
      Das war mir klar, macht mir nichts und/denn ist mir einfach ein minikleines Ventil, wenn ich gerade sehr genervt bin.
      Nicht weniger und nicht mehr.
      Dann atme ich mal durch.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”

      (Sylvia Boorstein)
    • Shenya wrote:

      ich glaube, manch einer würde ähnliche Übereinstimmungen zu anderen Diagnosen finden, wenn er sich so intensiv damit befassen würde wie mit Autismus.
      Ich hatte mich schon für einen Psychohypochonder gehalten, da ich von sehr vielen Diagnosen Aspekte in mir fand.
      Das Gesamtbild passte nicht, so dass es nie zu einer Diagnose geführt hätte.

      Lefty wrote:

      Ich schreibe das, damit deutlich wird, wie schlecht es um meine Selbstwahrnehmung bestellt ist, denn möglicherweise ist das bei anderen, die einen Eigenverdacht auf AS haben, ähnlich.

      Mhh, zumindest sind die Diagnosen die ich mal bekam die, die ich von selber nicht in Betracht zog.
      Autismus hatte ich bei mir nicht in Betracht gezogen, u.a. da ich dachte, dass Autisten kein Bedürfnis nach Kontakt haben und ihre Gedanken nicht von Emotionen beeinflusst sind.
      Ich brauchte dafür einen Hinweis von aussen.
      Auch Depressionen (mittelschwere wurden mal erwähnt in einer Therapie) sah ich bei mir nie,
      da ich egal wie es mir ging, eigentlich immer Lebenskraft und konstruktive Ansätze in mir fand.

      @Pummelchen
      kannst Du Vollzitate bitte einkürzen, sie behindern den Lesefluss beträchtlich (ist auch Teil der Forenregeln (Regel 4.4.).
      Wenn wir den Kirschbaum spalten, finden wir dort keine Blüte.
      Es ist der Frühling, der die Blüten hervorbringt.

      Ama Samy

      The post was edited 5 times, last by ifi ().

    • Hendrik wrote:

      Ich glaube das Grundproblem jetzt gerade geht darauf zurück, was eine Diagnose für unterschiedliche Leute bedeutet. Einige spontan überlegte Beispiele:
      • Bestätigung der eigenen Sicht (ich sehe mich als X),
      • In Schutz nehmend (es ist ok, dass ich so bin),
      • Gruppenzugehörigkeit (ich komme so gut mit den anderen mit Diagnose zurecht, ich will auch einer von denen sein),
      • Wissen (ich will wissen, was es genau mit meinen Verhaltensweisen auf sich hat),
      • Hilfe (wenn ich so bin, dann passen vielleicht spezielle Lösungskonzepte dafür auch für mich).
      Es gibt sicher noch eine ganze Reihe von weiteren Erklärungen und jeder Betroffene (ob NT oder nicht) wird vermutlich einer Diagnose ein oder mehrere solcher Bedeutungen zuschreiben. Wenn wir jetzt das Grundproblem vom Zutreffen bei Diagnosen dazu nehmen (true positive, false positive, true negative, false negative) dann wird es bereits unübersichtlich.
      Schöne Zusammenfassung von Gedanken, die sicher viele von und in unterschiedlicher Gewichtung haben!

      ifi wrote:


      Ich hatte mich schon für einen Psychohypochonder gehalten, da ich von sehr vielen Diagnosen Aspekte in mir fand.Das Gesamtbild passte nicht, so dass es nie zu einer Diagnose geführt hätte.
      Man findet in vielen Krankheiten Aspekte, die auf einen Zutreffen, wenn man Auffällig im Verhalten ist. Aber genau deshalb ist es ja so wichtig, sich selbst zu reflektieren und zu gucken, ob es wirklich im Gesamtbild passt. Und daher kann ich z.B. auch für mich heute sagen, dass die mir verpasste Diagnose zwar in Teilen passt, aber nicht im Gesamtbild.

      Eine Diagnose ist ja erstmal nur ein Mittel für eine Abrechnungsmöglichkeit in der Psychiatrie oder auch allg. im Krankenhaus. Ich kann ja auch Adipös sein, das wird in jedem Arztbrief stehen, gerne mal als Ausrede genommen, wenn man keine Lust hat, die Ursachen von Beschwerden von Patienten zu finden und trotzdem macht diese Diagnose nichts mit mir. Ich habe sie, aber sie macht aus mir keinen schlechteren Menschen.
      Und zurück zur Psychiatrie muss eben angemerkt werden, dass diese sich rasant entwickelt und Horrorgeschichten von vor 5-10 Jahren heute oftmals undenkbar sind. Einfach weil sich die ganze Auffassung dazu geändert hat. Vor 20 Jahren sah es in Psychiatrien noch ganz anders aus. Und daher ist es gut, wenn man heute mehr mit und für den Patienten arbeitet. Dabei ist es aber auch wichtig, dass der Patient neutral an die Sache geht, denn es steht und fällt auch immer mit dem jeweiligen Personal des Tages.


      Und zurück zum originalen Thema: Ich habe auch nicht den gesamten Text gelesen und die skurrilen Ansichten am Schluss gesehen. Ich bleibe aber dabei, dass viele eher in der Lage sind, mit geeignetem Fachmaterial die richtig Diagnose für sich zu finden, als das es ein fremder Arzt tun könnte.
    • Pummelchen wrote:

      Ich bleibe aber dabei, dass viele eher in der Lage sind, mit geeignetem Fachmaterial die richtig Diagnose für sich zu finden, als das es ein fremder Arzt tun könnte.
      Na ja, so absolut kann ich dem nicht zustimmen. Fachleute sind generell schon wichtig. Ich würde ja auch nicht sagen, dass Menschen "mit geeignetem Fachmaterial" (aber ohne entsprechende Ausbildung) erdbebensichere Häuser bauen können (nein, da braucht es Physiker und Bauingenieure), und aus einer fremden Sprache kann man auch nicht so einfach übersetzen, wenn man ein bisschen "geeignete(s) Fachmaterial" hat, auch hier ist eine richtige Ausbildung vonnöten.

      Aber, im weiteren Sinn hat Pummelchen natürlich recht: Bei allem, was mit unserem Körper zu tun hat, sind wir als Betroffene in erster Linie die, die wissen, was mit ihnen los ist. Und die Liste der ärztlichen Fehldiagnosen, von A wie Augenarzt über den Orthopäden bis zu Z wie Zahnarzt, ist ja lang, Psychiater eingeschlossen. Den oft ganz ungebrochenen Glauben in die Richtigkeit psychiatrischer Diagnosen hier im Forum kann ich nicht ungeteilt nachvollziehen.
      "Ein Buch muss Wunden aufreißen, ja sogar welche hervorrufen. Ein Buch muss eine Gefahr sein." (E. M. Cioran)
      In: ders., Ébauches de vertige. Gallimard 2006 (=folio 4100) (trad.: FM)
    • FeankMatz wrote:

      Bei allem, was mit unserem Körper zu tun hat, sind wir als Betroffene in erster Linie die, die wissen, was mit ihnen los ist.
      Ganz klares Nein!
      Ich bezweifle mal fanz gant stark, dass ein Laie Krebs erkennen könnte. Gebrochenes Bein ok, aber welche Fraktur genau?
      Sorry Nein! Der Arztberuf hat seinen Sinn!
      Hohe Zahlen bei der Editierungsanzeige zeigen nicht, dass ich permanent meine Meinung ändern würde. Ich habe nur Probleme Rechtschreib- und Grammatikfehler zu tolerieren und korrigiere diese daher, wenn ich sie sehe.
      Dennoch kann auch ich Tippfehler übersehen. In diesem Fall bitte ich um Nachsicht.
    • FrankMatz wrote:

      Den oft ganz ungebrochenen Glauben in die Richtigkeit psychiatrischer Diagnosen hier im Forum kann ich nicht ungeteilt nachvollziehen.
      Wenn man die Diagnosen aus Sicht der Ärzte betrachtet, stellt sich die Frage nach dem "Glauben" gar nicht so richtig. Sie sind letztlich ein Werkzeug, das ist alles. Werkzeuge sind nichts, woran man "glaubt".

      Vielleicht wäre es besser, wenn solche Diagnosen einfach den Ärzten und den Krankenkassen vorbehalten blieben und der Patient von ihnen niemals erfahren würde. :d Dann würde niemand daraus seine Selbsterkenntnis / seinen "Seelenfrieden" ziehen, sondern stattdessen einfach Attwood oder sonst wen lesen, sich darin wiederfinden, sich bei Bedarf andere Leute suchen, die sich auch darin wiederfinden, um sich mit ihnen auszutauschen etc. - und gut ist. Braucht man doch keinen solchen "Diagnosezettel" für. :d

      Den braucht man vielleicht, wenn es um rechtliche / behördliche Dinge geht, aber dass in dem Kontext immer alles von "Fachleuten" abgesegnet sein muss, sollte eh jedem klar sein. :roll:
      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Morgenstern (Vor einem Moment) aus folgendem Grund: Beitragsqualität hochgeschraubt
      Hier gibt es nichts zu sehen, bitte gehen "Sie" weiter.
    • FrankMatz wrote:

      Den oft ganz ungebrochenen Glauben in die Richtigkeit psychiatrischer Diagnosen hier im Forum kann ich nicht ungeteilt nachvollziehen.
      Ich las mal vor Jahren einen Artikel über die Psychiatrie.
      Die Psychiatrie war von anderen medizinischen Bereichen teils nicht so richtig akzeptiert, vor allem in der Allgemeinmedizin fielen mir selbst in den 2000ern noch deutliche Spuren davon auf. Grob gesagt das Problem: Aber stimmt das? Liegt XY wirklich vor? Mir sagte mal ein Psychiater, wo das Verhältnis so locker war, dass gelacht und gescherzt wurde, dass das Asperger-Syndrom immer eine Verdachtsdiagnose sei nach dem Stand up-to-date, da es sich einfach nicht ausreichend beweisen lässt, dass wirklich ein Asperger-Syndrom die Ursache für das Verhalten eines Menschen ist. Er berichtete mir auch von einer jungen Frau, wo das Asperger-Syndrom wie maßgeschneidert wirkte, aber es stellte sich dennoch im Laufe der Psychotherapie heraus, dass nicht Autismus seit Urzeiten die Ursache war, sondern sehr wahrscheinlich ein Trauma der Kindheit. Ganz unbekannt ist es nicht, dass unterschiedliche Dinge im Endeffekt sich sehr ähneln. Erstaunt war ich vor Monaten. Birger Sellin, einst in den Medien lange vor der AS-Welle als "Rain Main Live" angekündigt worden. Es ist afaik bekannt, dass Birger Sellin ähnlich wie Axel Brauns durch eine Infektionskrankheit autistisch wurde, weil eine Entzündung aufs Gehirn schlug. Axel Brauns erzählte das selbst im Fernsehen. Zumindest im Falle einer Meningitis, so wie bei Birger Sellin, las ich damals auf einer Fachseite(?), dass diese Formen dem frühkindlichen Autismus sehr sehr stark ähneln, aber solche Fälle nicht(!) zum ASS zählen. Das ist insofern verblüffend und interessant, weil diese Fälle meines Wissens die ersten im Deutschen Fernsehen waren, lange vor Nicole Schuster. Allerdings kollidiert diese Sichtweise, wenn ich mir diverse Wikipedia-Artikel betrachte, wo andere Diagnosen wiederum bis zum kodierten Autismus führen können. Merkwürdigerweise wird auf Wikipedia berichtet, dass die nonverbale Lernstörung (im alten Forum für manch User eine alternative Beschreibung des Asperger-Syndroms!) mit F84.X kodiert werden kann (also wohlwissend, dass es eigentlich nicht zum Spektrum gehört. Noch wirrer wird es, wenn man sich vor Augen hält, dass vor Jahren berichtet wurde, dass mancherorts bei unklarer Kindheit die schizoide Persönlichkeitsstörung vergeben wird. Wenn ich so wie damals Psychiater reden und erklären höre, dann entsteht der Eindruck, dass man sich von Grenzen sehr bewusst ist, auch Andeutungen, dass psychiatrische Diagnosen in so einer Gesellschaft notwendig sind. Daher ist mir schon auch zu Ohren gekommen, dass Psychiater sagten "Kann ich ihnen helfen, wenn ich Diagnose XY ausstelle?". Das ist einerseits nett für die Person, anderseits "zerfickt" es ein Stück weit den Glauben an die Psychiatrie und rückt es in die Nähe der Homöopathie (übertrieben ausgedrückt).

      Der ungebrochene Glaube an die Richtigkeit psychiatrischer Diagnosen.
      Ich hab vor Jahren mal eine Diskussion in einer Ärztezeitung gelesen.
      Dabei ging es um ADHS und die extremen Anstiege.
      Ich hatte nicht den Eindruck, dass man dort die Basis "Psychiatrie hat recht" noch hatte.
      Man sprach von "Schuldoping" und dass die Zahlen niemals realistisch sein könnten.

      Zum Wochenende vor Jahren hatte ich mal die Gelegenheit mit einem Arzt über diverse Dinge zu diskutieren.
      Ich sprach das Thema ADHS an und fragte ihn wie er dazu steht.
      Er lächelte.
      Es ist nicht so, dass er erklärte, dass da nichts sei - doch, da ist zweifellos etwas.
      Aber er sah eben den Umgang mit der Ursache und Problematik so: Es ist einfach und bequem. ADHS und die Medikation mit MPH & Co.

      Dazu käme noch eine Diskussion mit einem Psychiater, der einst selbst an einer Uni-Klinik ADHS-Diagnostik betrieb.
      Mir kam da immer wieder der Eindruck, dass viele Leute hier im Forum so eine Diagnose ernster nehmen als es die Fachwelt tut.
      Weil bei der Psychiatrie schon die Notwendigkeit in so einer Gesellschaft betont wurde, aber eben auch die Grenzen, die es zweifellos gibt... und eben, dass die Psychiatrie fortlaufend Persönlichkeiten beschreibt.

      Was will ich ausdrücken?
      Nun, bei allgemeinmedizinischen Dingen, da geht es anders zu, oder?
      Bei der Psychiatrie, da sind Dinge ungewiss, es gibt keine wirklichen Beweise.
      Sicherlich ist das ein Grund für Kontroversen, aber auch für Zweifel, die die Leute zuweilen haben.

      Ich glaube aktuell, dass das mit den Schubladen, vor allem streng angewendet, nicht so richtig funzt.
      Und je mehr man drüber nachdenkt, desto dünner wird es mit der Glaubwürdigkeit.

      Das Problem nach den aktuellen Möglichkeiten wird wohl immer sein: Es sieht schon ganz danach aus, aber ist es wirklich das wonach es aussieht?
      Für die Gesellschaft im Himblick auf die Funktion dieser F-Diagnosen ist es glaube ich nicht so relevant, ob "echter" oder "unechter" Autismus vorliegt.
      Gerade bei F-Diagnosen können Probleme grob auch ähnlich sein, daher Differentialdiagnosen und bekannte Fehldiagnosen im Zuge von AS.

      ***

      Am Rande: Ich las mal, dass die Psychiatrie Ende der 60er Jahre einen Höhepunkt in Sachen Misstrauen erreichte. Es soll damals zu Forderungen gekommen sein, dass man auf feste Diagnosen verzichtet und den Fokus auf die reinen Symptome richtet.

      Am Rande#2: Vor Jahren gab es seitens der Medien Fake-Patienten. Man spielte Schizophrenie und man wurde eingewiesen. Interessant, dass Schizophrenen der Unterschied aufgefallen sein soll.

      Eigentlich habe ich es selbst so erlebt, dass die Psychiatrie erst um die Jahrtausendwende mehr Akzeptanz bekam. Für mich immer eine Hürde gewesen. Psychiater hatten im Volksmund häufig einen schlechten Ruf, die Psychiatrie selbst hatte einen schlechten Ruf. Und früher war es, wenn jemand wirklich zum Psychiater musste, dann gingen Menschen auf Distanz, denn diese Person musste (umgangssprachlich) nicht ganz bei Trost sein oder ganz schön ein Dachschaden haben.
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    • Ginome wrote:

      FeankMatz wrote:

      Bei allem, was mit unserem Körper zu tun hat, sind wir als Betroffene in erster Linie die, die wissen, was mit ihnen los ist.
      Ganz klares Nein!Ich bezweifle mal fanz gant stark, dass ein Laie Krebs erkennen könnte. Gebrochenes Bein ok, aber welche Fraktur genau?
      Sorry Nein! Der Arztberuf hat seinen Sinn!
      Es geht um Psychiatrische Erkrankungen, die mit Verhalten und Empfindungen zu tun haben. PSYCHOSOMATIK, nicht Somatik.
    • Er schrieb aber vom "Körper " in seinem Einwand.
      Und ginome bezog sich genau darauf.


      Mir geht es zum Teil wie ifi.
      Zum Teil vermutlich wegen der Komorbitäten.
      Und ja...Manchmal will man. ..Wie ich lange das adhs. ..etwas nicht sehen.
      Das mit dem depressiven Anteil ist auch bei mir immer wieder erwähnt worden, obwohl ich mich auch nicht dafür hielt aufgrund vieler konstruktiver BewältigungStrategien , kindlicher Freude und einigem mehr .
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”

      (Sylvia Boorstein)

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