Selbstdiagnose

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    • Pummelchen wrote:

      Den Mund zu halten, bedeutet für mich Leiden, weil ich nicht so sein darf wie ich bin

      Ich kenne keinen Ort auf der Welt, wo man so sein darf wie man will. Auch nicht unter Autisten darf jeder so sein wie er will. Allein zwischen den eigenen vier Wänden darf man wohl sein wie man will, wenn man nicht rücksichtslos Dinge tut, die wiederum andere (z. B. Nachbarn) in ihrer Lebensqualität schmälern.

      "den Mund nicht halten": Wenn jeder sich immer das Recht nehmen würde in allen Situationen den Mund aufzumachen, dann müsste jeder (auch wenn die Aussage falsch ist) stets damit Leben, dass jeder sich nicht den Mund verbieten lässt. Wenn der "NT" dann sagt:

      Achtung GIFs und sehr strenge Dialogfiktion! Open Sesame at your own risk!

      Herr Ente: « Hey Autist! Ihr seid doch alle gleich! Ihr seid doch für Ehrlichkeit und Auti-Direktheit, richtig? Dann mag ich dir an dieser Stelle sagen, dass ich Autisten verkehrt finde. Wir "NTs" sollten Nachteilsausgleich bekommen, wenn wir von Autisten umgeben sind, denn der Autist behindert uns. Der Autist ist ein Antagonist der Menschheit! Wo Autismus aufblüht dort verblüht Gesellschaft. Die Natur schickt ihn, um die zivilisierte Gesellschaft zu schwächen! Jeder weiß: Kain erschlug Abel, Kain war Autist! »

      Das war jetzt "etwas" übertrieben. :d Es war bewusst provokativ auf die Spitze getrieben, um zu verdeutlichen wie problematisch das sein kann und dass es manchmal besser ist nicht das zu sagen, was man gerade denkt. Es funktioniert meiner Meinung nach nicht, wenn jeder jedem stets mit Klartext begegnet ohne Rücksicht auf Verluste. Denn dann dürfte der Autist mehr denn je nicht so sein wie er ist oder gerne sein möchte, da vermutlich von "Klartext-Menschen" umzingelt wäre, die doch "nur" das tun, was richtig ist: Den Mund aufmachen!

      Allgemein im Hinblick auf die Diagnose (oder auch andere Diagnosen): Eine Diagnose mag Verhalten erklären und begründen können, aber es bedeutet in der Gesellschaft (inklusive "Autisten unter Autisten") nicht, dass deshalb Dinge grundsätzlich hingenommen werden oder okay sind. Früher hatte sich mal jemand über "intolerante NTs" beklagt. Während einer Fahrt mit Bus/Bahn schlug ein Autist immer gegen die Lehne der Sitze vor ihm. Wen wundert es, dass sich bald darauf jemand umdrehte und aufforderte damit umgehend aufzuhören? Dieser Autist beklagte, dass es den Menschen egal sei, dass er Autist sei und man kein Verständnis habe. Ich hatte damals den "NTs" recht gegeben. Denn in diesem Fall hatten ihre Bedürfnisse, die in so einem Fall auch meine Bedürfnisse gewesen wären, eindeutig Vorfahrt. Eine Diagnose ist in mancherlei Hinsicht sicherlich das "Eintrittsticket" für Berücksichtigungen, vor allem auf dem Sektor der Ämter. Aber auf dem zwischenmenschlichen Sektor bleibt vieles so wie es ist und das Erklärungsmodell (Diagnose) macht das, was andere stört, nicht erträglicher oder hinnehmbarer.
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    • dict.cc/englisch-deutsch/imposter.html

      Mit Imposter meinte ich einfach Leute, die vorgeben, AS zu haben, es aber nicht haben. Mal egal, ob sie selbst daran glauben oder ob sie im Grunde wissen, dass sie es nicht haben, oder es wissen könnten, wenn sie wollten.
      Es klingt negativ, aber ich habe ein, vielleicht auch gesundes, Misstrauen. Nicht jeder, der behauptet, AS zu haben, hat es auch wirklich, sowieso im Internet, da kann doch jeder alles erzählen, und die Menschen sind sehr vielfältig.

      Ich glaube, es gibt u.a. eine nicht geringe Anzahl an Menschen, die mit einzelnen ihrer Persönlichkeitszüge in ihrem Umfeld anecken, ohne dass es aber ein klinisch relevantes Ausmaß hat. Diese Persönlichkeitszüge können alle möglichen Ursachen haben, aber Asperger klingt für manche Menschen wohl attraktiver als einzugestehen, dass man vielleicht ein Egoist oder unsensibel oder sonst etwas ist, woran man sonst arbeiten könnte. Diese Leute werden dann auch gerne sagen, dass Asperger ja keine Behinderung sei (ist es für sie ja auch nicht), und sie würden sich wohl auch nicht ihrem Arbeitgeber gegenüber outen, sondern lieber nur im Internet oder im Freundeskreis, wo es "cool" ist, wo man damit kokettieren kann, "Alien" oder sonstwie exotisch zu sein.

      Dann gibt es auch Menschen mit schwieriger Vorgeschichte, die sich gerne in Rollen begeben, mit denen sie positive Aufmerksamkeit erhalten können. Mit Asperger beim Psychiater zu sitzen ist vielleicht irgendwie besser als mit histrionischer Persönlichkeitsstörung oder Borderline.

      Das sind, denke ich, die beiden größten problematischen Personengruppen, mit denen man hauptsächlich im Internet konfrontiert ist.
      Natürlich muss man sich hüten, vorschnelle Urteile zu fällen.


      Daneben gibt es auch ganz normale Leute "wie du und ich", die einfach Schwierigkeiten im Leben haben und AS dafür als Erklärung gefunden haben, und wo es auch passt, oder nicht ganz passt, je nachdem. So wie praktisch jeder irgendwann mal mit einem Verdacht angefangen hat und das dann abklären lässt. Bei manchen dauert es länger, bei andern geht es relativ schnell bis zur Klärung.

      Aber, um zurück zum Thema zu kommen, ich denke, es macht keinen Sinn, trotzig zu werden, wenn man keine AS-Diagnose bekommen hat. Man kann es bei einer zweiten Stelle nochmal versuchen, aber wenn mehrere Stellen sagen, es ist kein AS, dann ist es wohl halt so. AS selbst ist ein medizinisches Konstrukt, dann muss man auch das Urteil derer akzeptieren, die dieses Konstrukt geschaffen haben (Ärzte). Man kann das Konstrukt nicht selbst umdefinieren.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Da stimme ich dir absolut zu @Hyperakusis

      Ich kann wirklich sehr schwer meine Gedanken erklären, für mich macht es ja einfach Sinn. In dem was ich beschreibe, meine ich aber ausschließlich mich und mein Verhalten. Und ich bin in Teilbereichen sehr streng erzogen worden, weshalb ich grundsätzlich nie jemand schaden wollen würde. Ich laufe also auch nicht wie die Axt im Walde (RW) durch die Gegend. Aber manchmal halte ich dadurch auch den Mund, obwohl es angebracht wäre, etwas zu sagen. Und dann staut es sich wie ein Kessel auf, der dann explodiert, wenn es meist am unpassendsten ist. Und da würde ich mir schon wünschen, dass ich einfach ein besseres Gespür dafür hätte, wann ich eigentlich was sagen darf.
    • Was wäre denn, wenn ich morgen nun eine neue Diagnostik hätte und die positiv wäre? Ich würde mich endlich frei und als gesehen fühlen und mir die Hilfen suchen, die ich brauche und auch bekommen würde.

      Aber euch gegenüber würde ich mich immer als schlechterer Autist fühlen. Warum? Weil ihr durch solche Diskussionen einen Graben schafft, zwischen denen, die früh oder direkt richtig diagnostiziert wurden und denen, die einen Marathon hinter sich haben und lange leiden musste, sei es aus Pech oder extrem guter Maskierung wegen gutem Umfeld.
    • Shenya wrote:

      Der Burner war mal eine Person, die behauptet hat, DIS zu haben, und einer ihrer Anteile sei Autist. :m(:
      Ich glaube, dass die übertriebene "Laien-Psychiatrie" im Netz unter "Patienten-Leitung" auch dazu führen kann, dass es zukünftig wieder verstärkt ein Bedürfnis nach Fachquellen gibt. Weil es wird schon recht viel Abenteuerliches im Netz geschrieben und die Diagnose wird verbogen wie ein Stückchen Draht oder verformt wie Knetgummi. Sicherlich war es zu Zeiten, als man noch weitgehend nur vom Asperger-Syndrom sprach, schon so, dass AS in gewisser Hinsicht wie ein Spektrum wirkte, was ja auch dazu führte, dass Begriffe wie "Verwässerung", "Möchtegernautisten", "Wunschdiagnose", "Ärztehopping" usw. ins Spiel kamen. Ich meine, dass es aber heutzutage, wo man eher von Autisten allgemein spricht und das ASS quasi für Vielfalt und Unterschiede steht, noch deutlich schlimmer geworden ist.

      Du nennst das mit DIS. Ich erinnere mich, dass es im alten Forum mal einen Fall gab, der aber afaik am selben Tag noch endete oder wenige Tage darauf. Denn früher gab es in der Community einen Stammkern mit starker Abwehrreaktionen, wann immer etwas ins Board kam, das absolut nicht passt. Das ist heutzutage etwas anders. Heutzutage führen absurde Sichtweisen und Theorien zum Thema "Autismus" nicht mehr so stark dazu, dass "von allen Seiten gesteinigt" wird und derjenige bald darauf schreibt "Ich gehöre nicht mehr hier her!".


      ***
      Um auf den Artikel zurückzukommen, wo Autisten sagen wer/was sie sind und nicht die "NT-Fachwelt":
      Es existiert bis heute alles andere als Einigkeit unter den Autisten.
      Seit Urzeiten fetzen die Leute sich und bezeichnen die Beschreibung des anderen gar nicht mal so selten als falsch.
      Daher bin ich der Meinung, dass das nicht funktioniert, so wie der Autor des Artikels es sich offenbar vorstellt/wünscht.
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    • Linnea wrote:

      Was sind imposter?
      Ich denke es ist ein Tippfehler und sie meinte soetwas wie "in-Poster", "in" im Sinne von "etwas ist 'in'" (im Gegensatz zu "etwas ist 'out'")


      Pummelchen wrote:

      Der Diagnostiker ist darauf angewiesen, dass ich die richtigen Worte wähle. Während ich die Symptome stumm in mir abgleichen kann. Schaffe ich es nicht, meine Gedanken zu transportieren, oder der Diagnostiker schafft es nicht, meine Gedanken richtig zu lesen, falle ich aus einem Topf, in den ich vielleicht aber gehören würde, wenn er sie richtig gelesen hätte.
      Wenn du meinst, dass bei deiner Diagnostik etwas schief lief, dann kannst du eine zweite Meinung einholen. Öfter läuft wirklich etwas schief (un d zwar nicht, weil der Patient mit dem Ergebnis nicht zufrieden sei, wie oft unterstellt wird - sondern weil wirklich Mängel und Fehler passierten)


      Pummelchen wrote:

      Ich weiß, dass ich anders denke, wie andere, weil ich es jeden verdammten Tag erlebe. Und dann kommen da Menschen, die überhaupt nicht in meinen Kopf gucken können, die meine Gedanken nicht nachvollziehen können oder mich richtig verstehen und sagen mir (nach der Diagnostik), nein, du bist kein Autist. Weil du nicht in meine Strichliste passt. Und da zitiere ich gerne Greta Thunberg: How dare you??? Wie kann jemand fremdes meinen, besser über mich Bescheid zu wissen, als ich?
      Mir ist das neulich schonmal aufgefallen dass du denkst, es sei bei AS wichtig, auf welche Art du denkst. Das ist schon ein Teil, aber auch ein Teil sind sichtbare Merkmale (Autisten können sie aufgrund ihres Autismus meistens nicht sehen, aber Psychiater die darauf achten, können es (bzw sollten es können, siehe oben)): da geht es um so etwas wie: wirkt der Blickontakt und das hin- und her des Blickes "normal" und flüssig, , ist die Mimik "natürlich" (Blickkontakt und Ausprägung der Mimik können allerdings auch bei anderen Störungen abweichen), klappt der Sprecherwechsel automatisch oder holpert es da... ich kann es dir nicht so genau beschreiben, weil ich bei sowas ziemlich "blind" bin, allerdings NT-Psychiater merken im Gespräch anscheinend, wenn es da holpert (sie können das anscheinend auch nicht genau festnageln, aber soweit ich weiß kann ein Gespräch dann Unruhe oder Ärger auslösen, wenn Sprecherwechsel und Wechselseitigkeit in der Konversation, irgendwie klemmen). ich las diese Dinge mal in einem Buch (ich glaube aus Freiburg).
      Zusätzlich gibt es auch noch die Motorik (jetzt mal abgesehen von der Blick-Motorik, Mimik und Gestik): die wirkt bei AS oft irgendwie ungelenk und linkisch (ist aber kein Diagnosekriterium, kommt aber öfter vor).
      Es geht also nicht nur darum, wie jmd denkt.
      Ich glaube auch nicht, dass das jeder Psychiater richtig beurteilen kann. Wenn du also das Gefühl hast: deiner konnte es nicht, wie gesagt, zweite Meinung, völlig ok.
      Aber rein wie jmd denkt ist es nicht.

      Wie ich denke war nie mein Problem. Ich wusste, ich denke anders als die meisten, aber das war ok so, und ich hatte auch keine Probleme deswegen (und wenn, war es mir entweder egal, oder ich dachte um). Ich merkte nichtmal selbst, dass ich Mängel in interaktion und Kommunikation habe. Probleme machten mir Ängste und Zwänge, die sehr geringe Leistungsfähigkeit (sehr viel Rückzug nötig). die Probleme mit meinen Augen (ich dachte zumindest es käme von den Augen, und Stress), die Depression...
    • Pummelchen wrote:

      Was wäre denn, wenn ich morgen nun eine neue Diagnostik hätte und die positiv wäre? Ich würde mich endlich frei und als gesehen fühlen und mir die Hilfen suchen, die ich brauche und auch bekommen würde.

      Aber euch gegenüber würde ich mich immer als schlechterer Autist fühlen. Warum? Weil ihr durch solche Diskussionen einen Graben schafft, zwischen denen, die früh oder direkt richtig diagnostiziert wurden und denen, die einen Marathon hinter sich haben und lange leiden musste, sei es aus Pech oder extrem guter Maskierung wegen gutem Umfeld.
      Ich weise ja nur auf einige Tatsachen hin, so wie ich sie wahrnehme.
      Wenn es so wäre, das du morgen eine neue positive Diagnostik hättest, dann könnte es gut sein, dass du unter den vorletzten Absatz meines vorigen Beitrags fällst:

      Shenya wrote:

      So wie praktisch jeder irgendwann mal mit einem Verdacht angefangen hat und das dann abklären lässt. Bei manchen dauert es länger, bei andern geht es relativ schnell bis zur Klärung.

      Der Punkt ist doch nur, wieso und wovon du dich ggf. ansprechen lässt. Wenn ich von bestimmten Personengruppen schreibe und du dich angesprochen fühlst, dann weiß ich auch nicht, warum du das tust, wenn du da gar nicht dazugehörst.
      Dass es manchmal mit der Diagnostik länger dauert und manche auch Umwege gehen mussten, ist ja nicht das Thema.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Pummelchen wrote:

      Was wäre denn, wenn ich morgen nun eine neue Diagnostik hätte und die positiv wäre? Ich würde mich endlich frei und als gesehen fühlen und mir die Hilfen suchen, die ich brauche und auch bekommen würde.

      Aber euch gegenüber würde ich mich immer als schlechterer Autist fühlen. Warum? Weil ihr durch solche Diskussionen einen Graben schafft, zwischen denen, die früh oder direkt richtig diagnostiziert wurden und denen, die einen Marathon hinter sich haben und lange leiden musste, sei es aus Pech oder extrem guter Maskierung wegen gutem Umfeld.
      Ich weiß nicht, ob sich das auch auf meine Zeilen bezieht...

      ... aber meine Sichtweise deckt sich nicht unbedingt immer mit der der Masse.

      Ich vertrete die Meinung, dass Probleme/Schwierigkeiten/Defizite nicht größer oder kleiner werden, wenn das Kind mit dem Namen "Aspie" oder "Auti" getauft wird.
      Ich vertrete die Meinung, dass auch Probleme/Defizite/Grenzen etc. von Menschen dieselbe Bedeutung haben, die eine andere Diagnose haben oder KEINE Diagnose haben - und damit meine ich AUCH "NT"!

      Ich meide es daher vereinfacht gesagt auch zu sagen "Die Schmerzen des Autisten sind stärker als die Schmerzen des anderen Patienten." oder "Ich habe es schwerer als andere!". Letzteres würde ich nicht sagen, weil man damit ein Stück weit die Schwierigkeiten anderer abwinkt, verharmlost, gleichzeitig aber erwartet, dass die eigenen Schwierigkeiten berücksichtigt werden.

      Es ist leider aber sicherlich so, dass das "Kind" oft ein Namen von "großem Kaliber" haben muss, damit ein Mensch ernst genommen wird oder nicht als "Stell-dich-nicht-so-an!"-Simulant betrachtet wird.

      Und was die Diagnose angeht, so bin ich sehr skeptisch.
      Die Psychiatrie ist seit Urzeiten für ihre hohe Fehlerquote bekannt.
      Gefühlt hatten mindestens 50 Prozent der heutigen Aspies/Autisten zuvor andere Diagnosen, die falsch waren.
      Ich wüsste keinen Grund, weshalb das bei AS(S) ganz anders sein sollte.
      Eine weiterhin hohe Fehlerquote halte ich persönlich für sehr wahrscheinlich.
      Allerdings kann ein "Name" falsch sein, ein "Name" für bestimmte Probleme kann sich ändern, doch die eigentlichen Probleme/Symptome ändern sich dadurch nicht.




      Pummelchen wrote:

      Aber euch gegenüber würde ich mich immer als schlechterer Autist fühlen. Warum? Weil ihr durch solche Diskussionen einen Graben schafft, zwischen denen, die früh oder direkt richtig diagnostiziert wurden und denen, die einen Marathon hinter sich haben und lange leiden musste, sei es aus Pech oder extrem guter Maskierung wegen gutem Umfeld.
      Das ist imo falsch.

      1. Es gibt imo kein "ihr", "euch", es gibt auch (zumindest für mich) beim Thema auch kein Wir.

      2. Es gibt hier nicht DIE Meinung. Es gibt hier nicht zwei Seiten. Selbst wenn man meint, dass die Community in zwei Seiten (→ "echt", → "unecht") zweigeteilt sei, dann schaue man genauer zur "echten" Seite. Dort wird man nämlich keine Einheitsfront finden, sondern ebenso unterschiedliche Sichtweisen.

      3. Ich bin der Meinung, dass Selbsthilfe nicht nur "Wunderland" mit sich bringt. Daher wird man nicht alles immer bejahen können oder zu allem klatschen können. Ein Beispiel meinerseits wäre der verbreitete "Anti-NT-ismus". Ich habe die Erfahrung gemacht, die Beobachtung gemacht, dass man sich damit den Ast absägt, auf dem man ist. Man steht sich selbst im Wege. Man trägt selbst zur Förderung einer schlechten Welt bei. Diese Weitergabe von Erkenntnissen wird aber nicht gerade immer jubelnd aufgenommen. Manche sind dann verärgert. Es wäre doch aber verkehrt dort ja zu sagen, wo ein Ja eher kontraproduktiv wäre.
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    • Pummelchen wrote:

      Was wäre denn, wenn ich morgen nun eine neue Diagnostik hätte und die positiv wäre? Ich würde mich endlich frei und als gesehen fühlen und mir die Hilfen suchen, die ich brauche und auch bekommen würde.
      Da kann es sein, dass du Enttäuschungen erleben wirst. Die Tatsache, dass eine Diagnosestelle das "sieht", ändert nichts daran, dass andere das nicht sehen bzw nicht sehen wollen, oder iin Frage stellen.

      Letztendlich wird es an dir liegen, ob du den Autiismus bei diir erkennst, ihn in vielem in deinem Allteg wiedererkennst, wie er immer nach den gleichen Regeln und Mutern erfolgt, und überall, wo du nicht bewusst darauf achtest, zu kompensieren, sofort wieder "zuschlägt".

      Genauso mit den Hilfen. So manche gibt es gar nicht oder nicht vor Ort. DAnn ist weiiider angesagt, wiie bisher eigene Wege zu finden.


      sheyna wrote:


      Der Punkt ist doch nur, wieso und wovon du dich ggf. ansprechen lässt. Wenn ich von bestimmten Personengruppen schreibe und du dich angesprochen fühlst, dann weiß ich auch nicht, warum du das tust, wenn du da gar nicht dazugehörst.

      Dass es manchmal mit der Diagnostik länger dauert und manche auch Umwege gehen mussten, ist ja nicht das Thema.
      Sehr spannend.
      Jemand sagt "ich fühle mich schlecht, wenn sowas gesagt wird, weil...."

      Darauf wird geantwortet, wer sich angesprochen fühlt, könnte zu dieser Gruppe gehören, sonst würde er sich ja nicht angesprochen fühlen.

      Jetzt wundere ich mur, warum sich dann so viele hier darüber aufregen,, wenn falsche Bilder zu Autismus verbreitet werden - da muss man sich doch nicht angesprochen fühlen, wenn man nicht dazu gehört?
      Liebe braucht Mut
    • Neoni wrote:


      Wenn du meinst, dass bei deiner Diagnostik etwas schief lief, dann kannst du eine zweite Meinung einholen. Öfter läuft wirklich etwas schief (un d zwar nicht, weil der Patient mit dem Ergebnis nicht zufrieden sei, wie oft unterstellt wird - sondern weil wirklich Mängel und Fehler passierten)

      Pummelchen wrote:

      Ich weiß, dass ich anders denke, wie andere, weil ich es jeden verdammten Tag erlebe. Und dann kommen da Menschen, die überhaupt nicht in meinen Kopf gucken können, die meine Gedanken nicht nachvollziehen können oder mich richtig verstehen und sagen mir (nach der Diagnostik), nein, du bist kein Autist. Weil du nicht in meine Strichliste passt. Und da zitiere ich gerne Greta Thunberg: How dare you??? Wie kann jemand fremdes meinen, besser über mich Bescheid zu wissen, als ich?
      Mir ist das neulich schonmal aufgefallen dass du denkst, es sei bei AS wichtig, auf welche Art du denkst. Das ist schon ein Teil, aber auch ein Teil sind sichtbare Merkmale (Autisten können sie aufgrund ihres Autismus meistens nicht sehen, aber Psychiater die darauf achten, können es (bzw sollten es können, siehe oben)): da geht es um so etwas wie: wirkt der Blickontakt und das hin- und her des Blickes "normal" und flüssig, , ist die Mimik "natürlich" (Blickkontakt und Ausprägung der Mimik können allerdings auch bei anderen Störungen abweichen), klappt der Sprecherwechsel automatisch oder holpert es da... ich kann es dir nicht so genau beschreiben, weil ich bei sowas ziemlich "blind" bin, allerdings NT-Psychiater merken im Gespräch anscheinend, wenn es da holpert (sie können das anscheinend auch nicht genau festnageln, aber soweit ich weiß kann ein Gespräch dann Unruhe oder Ärger auslösen, wenn Sprecherwechsel und Wechselseitigkeit in der Konversation, irgendwie klemmen). ich las diese Dinge mal in einem Buch (ich glaube aus Freiburg). Zusätzlich gibt es auch noch die Motorik (jetzt mal abgesehen von der Blick-Motorik, Mimik und Gestik): die wirkt bei AS oft irgendwie ungelenk und linkisch (ist aber kein Diagnosekriterium, kommt aber öfter vor).
      Es geht also nicht nur darum, wie jmd denkt.
      Ich glaube auch nicht, dass das jeder Psychiater richtig beurteilen kann. Wenn du also das Gefühl hast: deiner konnte es nicht, wie gesagt, zweite Meinung, völlig ok.
      Aber rein wie jmd denkt ist es nicht.

      Wie ich denke war nie mein Problem. Ich wusste, ich denke anders als die meisten, aber das war ok so, und ich hatte auch keine Probleme deswegen (und wenn, war es mir entweder egal, oder ich dachte um). Ich merkte nichtmal selbst, dass ich Mängel in interaktion und Kommunikation habe. Probleme machten mir Ängste und Zwänge, die sehr geringe Leistungsfähigkeit (sehr viel Rückzug nötig). die Probleme mit meinen Augen (ich dachte zumindest es käme von den Augen, und Stress), die Depression...
      Ich lasse ja nochmal eine Diagnostik machen. Ich habe aber bisher auch immer noch keinen Bericht von der alten, so das ich gucken könnte, wo ich missverstanden wurde.

      Ich meine ansonsten natürlich nicht nur das Denken. Aber in den meisten Diskussionen geht es immer um das Verhalten. XY glaubt aufgrund seines Gefühls, Verhalten Autist zu sein. Aber das ist eben nicht die ganze Wahrheit, denn sonst wäre es ja auch nicht angeboren, sondern anerzogen.

      Hyperakusis wrote:

      Pummelchen wrote:

      Was wäre denn, wenn ich morgen nun eine neue Diagnostik hätte und die positiv wäre? Ich würde mich endlich frei und als gesehen fühlen und mir die Hilfen suchen, die ich brauche und auch bekommen würde.

      Aber euch gegenüber würde ich mich immer als schlechterer Autist fühlen. Warum? Weil ihr durch solche Diskussionen einen Graben schafft, zwischen denen, die früh oder direkt richtig diagnostiziert wurden und denen, die einen Marathon hinter sich haben und lange leiden musste, sei es aus Pech oder extrem guter Maskierung wegen gutem Umfeld.
      Ich weiß nicht, ob sich das auch auf meine Zeilen bezieht...
      ... aber meine Sichtweise deckt sich nicht unbedingt immer mit der der Masse.

      Ich vertrete die Meinung, dass Probleme/Schwierigkeiten/Defizite nicht größer oder kleiner werden, wenn das Kind mit dem Namen "Aspie" oder "Auti" getauft wird.
      Ich vertrete die Meinung, dass auch Probleme/Defizite/Grenzen etc. von Menschen dieselbe Bedeutung haben, die eine andere Diagnose haben oder KEINE Diagnose haben - und damit meine ich AUCH "NT"!

      Ich meide es daher vereinfacht gesagt auch zu sagen "Die Schmerzen des Autisten sind stärker als die Schmerzen des anderen Patienten." oder "Ich habe es schwerer als andere!". Letzteres würde ich nicht sagen, weil man damit ein Stück weit die Schwierigkeiten anderer abwinkt, verharmlost, gleichzeitig aber erwartet, dass die eigenen Schwierigkeiten berücksichtigt werden.

      Es ist leider aber sicherlich so, dass das "Kind" oft ein Namen von "großem Kaliber" haben muss, damit ein Mensch ernst genommen wird oder nicht als "Stell-dich-nicht-so-an!"-Simulant betrachtet wird.

      Und was die Diagnose angeht, so bin ich sehr skeptisch.
      Die Psychiatrie ist seit Urzeiten für ihre hohe Fehlerquote bekannt.
      Gefühlt hatten mindestens 50 Prozent der heutigen Aspies/Autisten zuvor andere Diagnosen, die falsch waren.
      Ich wüsste keinen Grund, weshalb das bei AS(S) ganz anders sein sollte.
      Eine weiterhin hohe Fehlerquote halte ich persönlich für sehr wahrscheinlich.
      Allerdings kann ein "Name" falsch sein, ein "Name" für bestimmte Probleme kann sich ändern, doch die eigentlichen Probleme/Symptome ändern sich dadurch nicht.




      Pummelchen wrote:

      Aber euch gegenüber würde ich mich immer als schlechterer Autist fühlen. Warum? Weil ihr durch solche Diskussionen einen Graben schafft, zwischen denen, die früh oder direkt richtig diagnostiziert wurden und denen, die einen Marathon hinter sich haben und lange leiden musste, sei es aus Pech oder extrem guter Maskierung wegen gutem Umfeld.
      Das ist imo falsch.
      1. Es gibt imo kein "ihr", "euch", es gibt auch (zumindest für mich) beim Thema auch kein Wir.

      2. Es gibt hier nicht DIE Meinung. Es gibt hier nicht zwei Seiten. Selbst wenn man meint, dass die Community in zwei Seiten (→ "echt", → "unecht") zweigeteilt sei, dann schaue man genauer zur "echten" Seite. Dort wird man nämlich keine Einheitsfront finden, sondern ebenso unterschiedliche Sichtweisen.

      3. Ich bin der Meinung, dass Selbsthilfe nicht nur "Wunderland" mit sich bringt. Daher wird man nicht alles immer bejahen können oder zu allem klatschen können. Ein Beispiel meinerseits wäre der verbreitete "Anti-NT-ismus". Ich habe die Erfahrung gemacht, die Beobachtung gemacht, dass man sich damit den Ast absägt, auf dem man ist. Man steht sich selbst im Wege. Man trägt selbst zur Förderung einer schlechten Welt bei. Diese Weitergabe von Erkenntnissen wird aber nicht gerade immer jubelnd aufgenommen. Manche sind dann verärgert. Es wäre doch aber verkehrt dort ja zu sagen, wo ein Ja eher kontraproduktiv wäre.
      Ich musste aber doch ein Wort wie Du oder Wir nehmen, weil ich im Moment eben noch außerhalb der Gruppe von Autisten stehe. Und da ich niemanden persönlich kenne, muss ich es Allgemein halten.
    • Führt nicht ein anderes Denken automatisch dazu, dass man anders kommuniziert, sowohl verbal als auch nonverbal?

      Vor jeder Kommunikation, die über Äußerungen des momentanen Befindens oder "Findens" im Sinne von spontan nach "erzeugt Lust-Unlust"- Folge-Bewertens geht ja normalerweise ein Denken voraus.
      Liebe braucht Mut
    • Dann möchte ich auch mal meine Sicht zu dem Thema beitragen. Ich habe den Artikel auch gelesen, nicht alles verstanden (wegen der Fremdsprache), aber doch genug. Mir stieß erstmal der Ton etwas unangenehm auf, dieser regelrechte Aufruf, es liest sich, als wolle jemand "eine Bewegung starten". Auf so einen Ton reagiere ich schon mal allergisch.

      Zum Inhaltlichen: Ich halte nichts von der Selbst-Diagnose. Deshalb, weil meine Selbstwahrnehmung und -einschätzung wirklich sehr schlecht ist.

      Bevor ich aus AS stieß, hatte ich mich auch über Borderline belesen. Ich hatte halt alles abgegrast an psychischen Störungen, was es so gibt. Bei Borderline hatte ich einige Punkte gefunden, die auf mich zutreffen und obwohl ich die Vorstellung, Borderliner zu sein, absolut erschreckend finde, habe ich nach der Lektüre von zwei Büchern darüber gedacht: na gut, dann bin ich wohl Borderliner (obwohl ich dieses "Etikett" überhaupt nicht passend für mich fand). Ich hab das sogar dem Therapeuten, bei dem ich zu dem Zeitpunkt in Behandlung war, "vorgeschlagen". Zum Glück hat er mich sehr irritiert angesehen und war verwundert, wie ich denn darauf käme. Er war sich sehr sicher, dass ich kein Borderline habe. (Ich hatte mich sogar in einem Borderline-Forum angemeldet, um mich auch dort abzugleichen - unangemeldet konnte man dort nichts lesen - und schnell festgestellt, dass ich dort überhaupt nicht hingehöre.)

      Ich schreibe das, damit deutlich wird, wie schlecht es um meine Selbstwahrnehmung bestellt ist, denn möglicherweise ist das bei anderen, die einen Eigenverdacht auf AS haben, ähnlich.

      Zu meinem weiteren "Werdegang":
      Der Privatarzt, der mich als erstes diagnostiziert hatte, sagte mir direkt an dem Tag der Diagnostik, ich würde die nötige Punktzahl für die Diagnose nicht erreichen, weil die stereotypen Verhaltensweisen und Spezialinteressen fehlen. Es gäbe dafür die Diagnose "sozial pragmatische Kommunikationsstörung", diese aber nur in den USA und nicht in Deutschland, deshalb würde er mir trotzdem AS diagnostizieren. Daraufhin habe ich (damals noch unter anderem Account, alles nachvollziehbar über meine Beiträge) sofort meinen Status hier in "AS" geändert. Ich war so erleichtert!
      Als das Gutachten nach etlichen Wochen dann endlich bei mir eintraf, stand nichts von Aspergersyndrom darauf, sondern diese Kommunikationsstörung (und ADS).

      Da zeitgleich eine neue Autismus-Ambulanz in meiner Stadt eröffnet worden war, hatte ich mich dort, zur doppelten Absicherung, auch noch angemeldet. Die Diagnostik ergab, dass ich nur ADS habe und kein AS. Daraufhin änderte ich meinen Status in "Interessierter" und verließ dann sogar das Forum. Ich habe es in dem Moment sofort akzeptiert und hatte inzwischen selbst schon daran gezweifelt, dass ich AS habe.

      Ich bin dann "zurück gekommen" ins Forum mit erneutem Eigenverdacht. Es hat mich halt doch nicht losgelassen, dass ich mich unter AD(H)S nicht hundertprozentig richtig einkategorisiert fühle (weil ich zusätzlich Probleme habe, die bei AD(H)S nicht beschrieben werden, die ich bei AS aber vorfinde) und das Forum war für mich ein wichtiger Ort geworden zum Austausch und auch gegen die Einsamkeit.

      Seit einigen Wochen schreibe und lese ich auch immer mal wieder in einem ADHS-Forum. Ich will die Diagnose bzw. die negativ-Diagnose akzeptieren. Im ADHS-Forum jedoch gibt es zwar definitiv viele Übereinstimmungen - ich zweifle auch nicht daran, dass bei mir ADS vorliegt (auch daran hatte ich zwischendurch gezweifelt, weil es doch arg viele Überschneidungen gibt und vieles, was bei mir die ADS-Diagnose ausgemacht hat, auch bei AS vorkommen kann), aber, was ich schon an anderen Stellen schrieb, ich fühle mich dort nicht richtig "passig". Ich kann das schlecht erklären, es hat etwas mit der Art der Kommunikation, der Ausdrucksweise und der Mentalität, möchte ich sagen, zu tun. Mir scheinen die AD(H)Sler "normaler" zu sein. Das zwischenmenschliche funktioniert bei ihnen hauptsächlich deshalb nicht, weil sie oft unbedacht mit etwas herausplatzen und sich dadurch "Feinde" machen, aber die anderen Kommunikationsprobleme (die hier teilweise weiter oben im Thread beschrieben wurden) scheinen nicht da zu sein oder zumindest nicht so schwer zu wiegen.

      Trotzdem würde ich nicht auf die Idee kommen, zu sagen: na gut, dann bin ich wohl doch ASler und mir einfach selbst den "Status" verpassen. Das wäre ein absolutes Unding für mich. Und ich würde es auch schlimm finden, wenn andere das tun würden.

      Wenn ich im Forum Beiträge lese, dann gucke ich immer, welchen Status derjenige hat, von dem ich gerade etwas lese, mit dem ich mich abgleichen will. Ich siebe dann beim Lesen die Beiträge von Usern ohne AS-Status regelrecht aus, d.h., diese Beiträge lese ich auch interessiert, aber ich gewichte sie nicht so hoch wie die Beiträge von Usern mit AS-Status (allerdings geht es mir ähnlich wie @Shenya, dass es ein paar wenige User gibt, bei denen ich den Status anzweifle - ich mache mir auch die Mühe, wenn ich Zweifel habe, über die erweiterte Suche die Themen und Beiträge dieser User danach zu durchforsten, ob sie irgendwo etwas darüber geschrieben haben, wann und wo sie ihre Diagnose erhalten haben.)

      Dass ich weiterhin gern eine AS-Diagnose hätte bzw. immer noch unsicher bin, ob ich nicht doch im "Spektrum" bin, liegt daran, dass ich mich, wie gesagt, bei ADS allein nicht komplett richtig eingeordnet fühle und an den sich widersprechenden Ergebnissen der beiden Diagnostiken. Mein Weg ist jetzt aber erstmal, mich von einem weder auf das eine noch auf das andere spezialisierten Psychiater begutachten zu lassen, damit dieser eventuelle andere Ursachen für meine Probleme aufdecken kann. Zudem möchte ich einen auf ADS spezialisierten Therapeuten aufsuchen. Auch dieser oder diese würde es ja sicher, hoffentlich, herausfinden, falls neben ADS weitere Störungen o.ä. vorliegen.

      Mich mit dieser Ungewissheit immer weiter im Kreis zu drehen, ist jedenfalls keine Option für mich, denn ich möchte mich irgendwann gern auch mal wieder mit etwas anderem befassen als mit der Frage, ob ich nun AS habe oder nicht. Das loszulassen, ist aber halt sehr schwer. Denn Gewissheit darüber zu haben, was das eigene Sein ausmacht bzw. worauf es gründet, wenn man eben nicht "normal" ist, das ist doch etwas sehr Wichtiges.

      Was meine Defizite und Probleme angeht: wie auch schon gesagt wurde, die gehen mit Diagnose nicht weg, daher probiere ich das eine oder andere aus und was sich als hilfreich erweist, das etabliere ich, und dann ist es egal, ob es eine Strategie ist, die bei AS empfohlen wird oder bei AD(H)S oder was auch immer.

      Mir hat das Forum sehr geholfen, einige Sonderbarkeiten an mir besser zu verstehen (warum ich z.B. nicht mehr "klargekommen" bin, als meine Schwester eine halbe Stunde zu früh zu Besuch bei mir erschien) - durch die negativ-Diagnose müsste ich dieses Verständnis meiner Selbst eigentlich wieder anzweifeln. Ich denke, das passiert auch, weshalb ich halt nicht aufhören kann, mich mit dem Thema zu beschäftigen. Was ich aber tun kann, ist, die Sonderbarkeiten zu akzeptieren. Selbst, wenn die Ursachen doch andere sind, als ich dachte, kann ich ja sagen: so reagiere ich aber nun mal auf Situationen, egal warum, es ist so und ich muss nun schauen, wie ich am besten damit zurecht komme.

      Ich merke beim Entwickeln dieses Textes, dass die Verunsicherung in mir wirklich groß ist und dass die negativ-Diagnose für mich wirklich ein Problem darstellt. Nichts desto trotz würde ich niemals sagen, ich sei im autistischen Spektrum, wenn dies nicht von fachlicher Seite aus verifiziert wurde.

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    • zaph wrote:

      Das klingt aber so, als könnte Dir nur eine Positivdiagnose Deinen Seelenfrieden herstellen.
      Das ist wohl so, und da ich dieses Dilemma allmählich erkenne, wende ich mich ja jetzt an einen Arzt, der mich mal grundsätzlich begutachten soll (also normaler Psychiater, ohne Spezialiserung auf AS oder ADHS).
    • Lefty wrote:

      Mich mit dieser Ungewissheit immer weiter im Kreis zu drehen, ist jedenfalls keine Option für mich, denn ich möchte mich irgendwann gern auch mal wieder mit etwas anderem befassen als mit der Frage, ob ich nun AS habe oder nicht. Das loszulassen, ist aber halt sehr schwer. Denn Gewissheit darüber zu haben, was das eigene Sein ausmacht bzw. worauf es gründet, wenn man eben nicht "normal" ist, das ist doch etwas sehr Wichtiges.
      Dein Beitrag liest sich angenehm besonnen und vernünftig. :)

      Was dem Zitat betrifft kann ich bestätigen dass es sehr schwer sein kann loszulassen von der Frage was man "hat". Ich denke dass wenn man will kommt man irgendwann an den Punkt (bei mir dauerte es mindestens 6 Jahre wenn nicht länger) wo man aufhört sich die Frage zu stellen ob man AS "hat" weil man, wenn man jahrelang sich mit sich selbst beschäftigt auf dieser Art, irgendwann weiß was genau mit einem los ist (dh Symptome/Eigenschaften-mäßig) und wenn man das weiß ist es für einen selber irrelevant ob es den Namen AS hat oder nicht. Das heißt, falls man Eigenschaften ABCDEFG hat und jemand (ein Arzt zum Beispiel) sagt dass das kein AS ausmacht dann hat man immer noch die Eigenschaften ABCDEFG, und wenn er sagt dass diese Eigenschaften ausreichen um jemanden zu einem "Asperger Autisten" zu machen dann hat man in diesem Fall nichts Zusätzliches bekommen zu den Eigenschaften ABCDEFG.

      In dem Artikel von der Frau am Anfang des Threads finde ich es schlecht sie das Wort "Autismus" für ihre Eigenschaften oder Schwierigkeiten benutzt, besonders weil sie keine Diagnose hat. Es tut mir Leid um den Begriff Autismus dass solche sogenannte leichte Fälle (die eine Reihe von meinetwegen angeborenenn Eigenschaften haben die sie Probleme verursachen bei der sozialen Anpassung) ermuntert werden durch die Medien sich als "Autisten" zu outen. Es kommt mir so vor dass jede(r) der/die sich als Autist sieht sich mit diesem Wort beschreiben darf. Ich stelle mir immer vor ich wäre Elternteil eines echten autistischen Kindes und musste sehen wie immer wieder verblüffend normale Menschen sich als "Autisten" beschreiben bzw outen und Forderungen stellen für sich als Autisten. Ich sah einmal eine Doku aus Indien wo der Arzt sagte "Wo Sprache ist ist kein Autismus". Das lässt sich auch vertreten. Dann wäre keiner von uns im Forum Autist. Vielleicht sehe ich das Ganze zu streng aber für mich ist das Wort "Autist" ein sehr heftiges Wort und bedeutet in erster paradigmatischer (oder ursprünglicher) Stelle jemanden der kaum ansprechbar ist oder zumindest sichtbar anders und komisch, eventuell nur bedingt zurechnungsfähig und wahrscheinlich in Bedarf von intensiver Betreuung.

      Ich spreche niemandem seine Symptome oder Eigenschaften ab ("ABCDEFG" im Beispiel oben) und denke es ist gut wenn darauf Rücksicht genommen wird und Selbstkenntnis darüber gewonnen durch die Betroffenen untereinander wie hier im Forum und dass sie Gemeinsamkeiten finden, und meinetwegen wenn Etiketten oder Begriffe dafür geschaffen werden ("Stereotypien", "Soziale Überforderung", usw) aber ich habe sehr große Probleme damit wie umgegangen wird mit den Wörtern "Autist" und "autistisch" in der Öffentlichkeit (Blogs zum Beispiel) . Meistens schäme ich mich für den Schreiber bei solchen Outings und Artikeln.
    • Unbewohnte Insel wrote:

      Ich denke dass wenn man will kommt man irgendwann an den Punkt (bei mir dauerte es mindestens 6 Jahre wenn nicht länger) wo man aufhört sich die Frage zu stellen ob man AS "hat" ...

      ...
      In dem Artikel von der Frau am Anfang des Threads finde ich es schlecht sie das Wort "Autismus" für ihre Eigenschaften oder Schwierigkeiten benutzt, besonders weil sie keine Diagnose hat.
      6 Jahre! Das ist eine lange Zeit. Und das, obwohl du die Diagnose erhalten hattest?

      Dass die Autorin selbst gar keine Diagnose hat, ist mir entgangen. Muss ich nochmal nachlesen. Dann ist der ganze Artikel umso kritischer zu werten, finde ich.
    • Man darf hier aber auch nicht vergessen, dass in Amerika eine ganz andere Kultur für Behinderung, Krankheit und Diagnostik besteht und daher mit unseren Anschauungen nicht so sehr vereinbar ist.

      Dort besteht auch ein viel größeres Wissen über Asperger, während hier in Deutschland das Bild eines geistig behinderten Menschen mit auffälligem Gang- / Verhaltensbild einfach schwer aus den Köpfen zu bekommen ist.