Musik im Hirn und Sturm im Kopf - ist das die Hauptnahrung meiner Behinderungen?

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    • Musik im Hirn und Sturm im Kopf - ist das die Hauptnahrung meiner Behinderungen?

      Ich habe doch eine lange Leidensgeschichte, mein Asperger wurde ja erst im Alter von 44 Jahren bei mir entdeckt. Begonnen hatte es mit etwa 30 Jahren mit "Depressionen", irgendwann gegen Ende 30 das erste sogenannte Burnout, Anfang 40 das zweite. Mit 42 hatte man mich auf ADHS diagnostiziert. Dann mit 44 eben endlich als Aspie erkannt.

      Meine Laufbahn beinhaltete viele Hochs und Tiefs (na ja, Hochs vielleicht nicht ganz so viele) mit verschiedenen Klinikaufenthalten, verschiedenen Medikamenten, einer Vielzahl von Psychiatern und Psychologen, beruflichen Massnahmen u.v.a.m. und ich habe mich mein Leben lang als Alien gefühlt. Das wird sich wohl auch nicht mehr ändern; ich bin der Überzeugung, dass ich auf diesem Planeten, oder zumindest in der "Gesellschaft" einfach falsch bin.

      Nun, ich weiss jetzt seit einigen Monaten von meinem AS. Ich wusste zwar vorher schon einiges darüber, weil zumindest mein jüngerer Sohn (7) auch Aspie ist und wir uns daher schon länger damit beschäftigen. Aber wirklich auf mich selbst bezogen bin ich immer noch am Erkunden und Verstehen "meines" Aspergers. Es ist ja schon eine Erlösung, wenn man das ganze Leben "die" Antwort gesucht hatte, andererseits wird mir immer wieder die Erkenntnis ins Gesicht gedrückt, dass ich manche Dinge vielleicht nie werde ändern können.

      Wie wahrscheinlich die meisten von euch auch leide ich täglich unter diversen Einschränkungen und Mühen, ziemlich stark im sozialen und kommunikativen Bereich, aber noch stärker im Bereich der Wahrnehmung und Informationsverarbeitung. Und das ist der Punkt, an dem ich auf eure Meinung gespannt bin. Meine Theorie über mich selber, also ganz individuell ohne von oder auf Andere zu schliessen, ist dass der "Sturm" in meinem Kopf wohl meine grösste Beeinträchtigung und damit mein grösstes Problem darstellt. Dieser "Sturm" besteht aus "lebendigem Hirnmüll". Er entsteht durch laufend aufgenommene und erlebte Reize/Wahrnehmungen, Gefühle, Gedanken, meinen Tinnitus, meine Synästhesie (optisch -> akustisch), meine fast allgegenwärtige "musikalische Begleitung". Habt Ihr das auch, dass tagein, tagaus fast immer "nebenbei" Musik im Kopf läuft? Melodien, Sequenzen von Liedern und sonstigen Musikstücken, manchmal auch Geräuschsequenzen. Ich weiss nicht, ob mein Hirn das tut, um mich zu beruhigen (eine Art Stimming); manchmal beruhigt es mich, und manchmal lenkt es mich aber auch nur ab.

      Anlässlich meiner ADHS-Diagnostik von vor wenigen Jahren wurde ein etwa 50-seitiger Bericht erstellt inkl. vieler Grafiken, Hirnscans und sonstiger bildlicher Darstellungen. Speziell aufgefallen ist mir dabei die "Theta/Beta-Ratio". Man hat mir das so erklärt, dass auf diese Weise spezifisch "störende" Hirnwellen aufgezeigt werden. Hirnmüll eben, der meine "Rechnerleistung" dauernd unnötig belastet. Das, was mich beim Denken so ablenkt und es mir erschwert, klare Gedanken zu fassen. Das ist immer da, auch in "Ruhephasen" des Hirns. In der grafischen Darstellung sieht man rechts das entsprechend "kalte" Hirn des Durchschnittstypen (also NT). Dem gegenüber links mein nervöses sinnlos-aktives Hirn, das eben keine Ruhe kennt.
      Hirn.jpg

      Je länger, desto mehr vermute ich, dass darin der direkte Treiber meiner Leiden liegt. Ich glaube, all meine Beeinträchtigungen und die daraus entstehenden Probleme wären deutlich erträglicher, wenn ich den Hirnmüll ausmerzen oder zumindest dezimieren könnte. Klingt das für Euch plausibel?

      Demzufolge frage ich mich, was ich tun kann, um dagegen anzukämpfen. Versuche mit Methylphenidat waren nicht wirklich erfolgreich und ich musste wegen Herzrasen abbrechen. Mein Autismuscoach hat mir empfohlen, LTO3 zu probieren. Hab ich mir nun besorgt und nehme es seit gestern, mal abwarten ob ich eine Veränderung wahrnehme. Ich hatte mir auch überlegt, Risperidon zu testen, aber da machen mir die möglichen Nebenwirkungen zuviel Angst.

      Hat jemand sonstige Ideen, Erfahrungen, Anregungen, Tipps? Vielen Dank fürs Lesen. :)
      LG, der 1974er

      PS. die meisten Fettnäpfchen sind unsichtbar; bitte gib mir Bescheid, wenn ich eins getroffen habe :roll:
    • 1974 wrote:

      Habt Ihr das auch, dass tagein, tagaus fast immer "nebenbei" Musik im Kopf läuft? Melodien, Sequenzen von Liedern und sonstigen Musikstücken, manchmal auch Geräuschsequenzen.
      Ja! Und das ist mit das Beste in meinem Leben.
      Ich habe früher selber Musik gemacht und mir im laufe der Jahre einen wunderbaren Musikgeschmack erarbeitet - Orchestermusik des 20. und 21. Jahrhunderts. :]

      Mir macht es sehr viel Spaß die Musik mit meinem Gehirn zu verarbeiten oder neue Musik und Klänge zu erfinden.

      Hilfreich ist die Musik für mich auch. Mit "Minimal Music" kann ich mein Hirn wieder auf Kurs bringen (RW), nebenbei und schön laut gehört hilft sie mir mich zu konzentrieren. Wenn es eine Situation nicht erlaubt Musik zu hören, kann ich mich in Gedanken darauf konzentrieren und z.B. eine stressige Situation besser ertragen.

      Soweit erst mal eine andere Perspektive dazu, vielleicht kann ich später mehr beitragen.
    • Hast du schon Mal Achtsamkeitsmeditation oder Autogenes Training versucht?

      Ich habe ja selbst kein ADHS, aber Lärm im Kopf kenne ich auch.

      Mir hilft vor allem Bewegung. Stimming, Sport (Kampfsport und Joggen). Für wirkliche Übung der Meditation fehlt mir oft die Außdauer. Deshalb mache ich eher Meditationsläufe oder schaukle dabei im Sitzen. Das klappt gut.
    • Hi Kyamidos :)

      Vielen Dank für Deine Rückmeldung, das ist sehr interessant. Das klingt sehr vertraut, wie Du diese Wahrnehmung beschreibst, wahrscheinlich erleben wir das tatsächlich ähnlich.

      So wie sich das anhört, stört Dich die Musik im Kopf eigentlich nie, ist das richtig? Lenkt sie Dich nie ab resp. kannst Du sie abstellen?

      Orchestermusik, warum nicht :d hat sicher auch Stücke dabei, die mir gefallen würden.
      LG, der 1974er

      PS. die meisten Fettnäpfchen sind unsichtbar; bitte gib mir Bescheid, wenn ich eins getroffen habe :roll:
    • Hi MangoMambo ;)

      Dankeschön; ja, Meditation empfinde ich als angenehm, aber es "hält" nicht lange. Allerdings brauche ich dafür auch absolute und garantierte Ungestörtheit, ansonsten komme ich aus dem "Aufmerksamkeitsmodus" nicht raus.

      Fürs Stimming schäme ich mich ein bisschen, sogar wenn ich alleine bin. Sport vermisse ich schon lange, ich habe mir im Sommer 2018 aber das Bein so übel gebrochen, dass es noch immer nicht wirklich belastbar ist. Im Dezember ist eine abschliessende Operation geplant, hoffe ich kriege dann meine alte Beweglichkeit zurück...
      LG, der 1974er

      PS. die meisten Fettnäpfchen sind unsichtbar; bitte gib mir Bescheid, wenn ich eins getroffen habe :roll:
    • Vielleicht liegt da ein Teil des Problems?

      Ohne Stimming wäre ich da auch völlig aufgeschmissen. Als ich es besonders stark unterdrückt habe hat das bei mir sogar zu Selbstverletzung geführt.

      Es gibt ja auch Möglichkeiten sich ohne Bein zu bewegen. Das ausleben meines Bewegungsdrangs würde ich da als Schlüssel bezeichnen.
    • Wie hast Du es geschafft, Dich fürs Stimming nicht zu schämen? Ich habe manchmal ein echtes Bedürfnis danach; manchmal passiert es einfach automatisch und ich merke es kaum, und manchmal möchte ich gern, kann aber nicht. Mit Selbstverletzung habe ich auch Erfahrungen gemacht, vermutlich schon auch weil ich irgendwas nicht ausgehalten habe.

      Ich habe Mühe mit halben Sachen. Wenn Teile des Körpers nicht funktionieren, finde ich Sport frustrierend. Mir kommt nix interessantes in den Sinn, das ich ohne Bein machen könnte. :?

      Kann sein, dass das ein Teil des Problems ist.
      LG, der 1974er

      PS. die meisten Fettnäpfchen sind unsichtbar; bitte gib mir Bescheid, wenn ich eins getroffen habe :roll:
    • 1974 wrote:

      Habt Ihr das auch, dass tagein, tagaus fast immer "nebenbei" Musik im Kopf läuft? Melodien, Sequenzen von Liedern und sonstigen Musikstücken [...]
      Ja, sobald ich das Haus verlasse. Gegen die Begleitfauna ansummen hält mein Unterbewusstsein wohl für eine gute Idee. Je stressiger, desto lauter.
      What doesn't kill me makes me stranger.
    • Eismensch wrote:

      Gegen die Begleitfauna ansummen hält mein Unterbewusstsein wohl für eine gute Idee. Je stressiger, desto lauter.
      Was für eine erfrischende Beschreibung :lol: :lol: :lol: vielen Dank. Klingt plausibel für mich.
      LG, der 1974er

      PS. die meisten Fettnäpfchen sind unsichtbar; bitte gib mir Bescheid, wenn ich eins getroffen habe :roll:
    • 1974 wrote:

      Wie hast Du es geschafft, Dich fürs Stimming nicht zu schämen? Ich habe manchmal ein echtes Bedürfnis danach; manchmal passiert es einfach automatisch und ich merke es kaum, und manchmal möchte ich gern, kann aber nicht. Mit Selbstverletzung habe ich auch Erfahrungen gemacht, vermutlich schon auch weil ich irgendwas nicht ausgehalten habe.

      Ich habe Mühe mit halben Sachen. Wenn Teile des Körpers nicht funktionieren, finde ich Sport frustrierend. Mir kommt nix interessantes in den Sinn, das ich ohne Bein machen könnte. :?

      Kann sein, dass das ein Teil des Problems ist.
      Herausfinden, was ich dann mache und es erstmal alleine ganz bewusst tun. Sich überlegen, dass man nicht gesehen wird und es okay ist dabei, auch wenn es sich falsch anfühlt. Klingt doof, aber das muss man immer wieder üben, auch wenn es unangenehm ist und so neu lernen.
    • 1974 wrote:

      Fürs Stimming schäme ich mich ein bisschen, sogar wenn ich alleine bin.
      Das kenne ich von mir, als Kind wurde darüber hergezogen und es mir abtrainiert bzw. untersagt.
      Damals hatte ich einen relativ komplexen Bewegungsablauf meiner Gesichtsmuskukatur entwickelt, der natürlich dann wenn ich Stimming am meisten nötig hatte -in sozialen Stuationen- am auffälligsten war.
      Die Scham entwickelte ich sicherlich in diesem Zusammenhang, auch weil mir eben keine Alternativen ermöglicht wurden.
      Ich konnte sie erst durch Akzeptanz und Verständnis für - für mich wirksame Stims überwinden, daheim denke ich inzwischen nicht mehr darüber nach und auf der Straße hilft mir oft eine inzwischen wiedergewonnene und grundsätzliche LMAA Einstellung. Es tut ja keinem weh, wenn ich mit meinen Fingern immer die gleichen Bewegungsmuster durchfahre - mein direktes Umfeld hat sich jedenfalls damit arrangiert und meine Kinder freuen sich oft schon darauf mit Papa herumzuhopsen.

      Rein interessehalber:
      Wirkt sich deine Synästhesie, bzw. andere Sinnesreize auf die Musik im Kopf aus?
      Mein Gehirn kreiert manchmal aus vorhandenen akustischen Fragmenten sich über die Zeit verändernde Klangsequenzen. Das ist dann ein lebendiges, "rollendes", "wachsendes", wie in eine Hüllkurve gepacktes rhytmisches Signal. Dazu kann ich gut kobraartig dazu tanzen - wenn ich alleine bin. Ich finde meinen Bio-Psy-Trance-Generator super :d , leider kann ich ihn nicht bewusst aktivieren...

      Empfindest du deine Synästhesie manchmal als Störend, bzw. nützlich? Kannst du ihr entgegenwirken?
      Für meinen Fall habe ich ANC lieben gelernt. Da ich die von ihm unterdrückten Töne am intensivsten fühlen kann, ist die Wirkung im Gegensatz zu Kapselgehörschutz -welcher die hohen Frequenzanteile stärker dämpft- ein echter Gewinn an Ruhe in meinem Leben.
    • MangoMambo wrote:

      1974 wrote:

      Wie hast Du es geschafft, Dich fürs Stimming nicht zu schämen? Ich habe manchmal ein echtes Bedürfnis danach; manchmal passiert es einfach automatisch und ich merke es kaum, und manchmal möchte ich gern, kann aber nicht. Mit Selbstverletzung habe ich auch Erfahrungen gemacht, vermutlich schon auch weil ich irgendwas nicht ausgehalten habe.

      Ich habe Mühe mit halben Sachen. Wenn Teile des Körpers nicht funktionieren, finde ich Sport frustrierend. Mir kommt nix interessantes in den Sinn, das ich ohne Bein machen könnte. :?

      Kann sein, dass das ein Teil des Problems ist.
      Herausfinden, was ich dann mache und es erstmal alleine ganz bewusst tun. Sich überlegen, dass man nicht gesehen wird und es okay ist dabei, auch wenn es sich falsch anfühlt. Klingt doof, aber das muss man immer wieder üben, auch wenn es unangenehm ist und so neu lernen.
      Interessant, danke. Ich hab mir das gedanklich auch so ähnlich zurecht gelegt und es ist genau wie Du sagst, es fühlt sich falsch an. Auf einer Seite finde ich eben, ein solches Verhalten (Stimming) steht mir nicht zu, weil ich ja ach so intelligent bin. Wenn ich mich so "gehen lasse", habe ich das Gefühl, dass ich mich damit quasi über Andere lustig mache, die Stimming nötiger haben als ich. Auf der anderen Seite, je schlechter es mir geht, desto weniger kann ich mein Stimming verhindern, ab einem gewissen Punkt brechen alle Dämme.
      Ja ich weiss, ich habe in manchen Belangen immer noch Mühe, mein AS zu akzeptieren. Schliesslich hab ich ja auch fast 45 Jahre lang mein Bestes gegeben, "normal" zu sein. Letzten Endes liegst Du wohl richtig, ich muss mir das irgendwie verzeihen, damit ich weiter komme.

      MangoMambo wrote:

      Könntest du vielleicht Rudern oder Schwimmen?
      Ja, Schwimmen ist ne tolle Anregung, danke! :nod:
      LG, der 1974er

      PS. die meisten Fettnäpfchen sind unsichtbar; bitte gib mir Bescheid, wenn ich eins getroffen habe :roll:
    • 1974 wrote:

      Wie hast Du es geschafft, Dich fürs Stimming nicht zu schämen? Ich habe manchmal ein echtes Bedürfnis danach; manchmal passiert es einfach automatisch und ich merke es kaum, und manchmal möchte ich gern, kann aber nicht. Mit Selbstverletzung habe ich auch Erfahrungen gemacht, vermutlich schon auch weil ich irgendwas nicht ausgehalten habe.
      Die Frage ging zwar nicht an mich,a ber ich sehe es als offene Frage. Be mir ist es so, dass ich einerseits vor allem was habe, was keiner mitkriegt, zumindest rede ich mir das ein, also das ist eine bestimmte atmen Schluck Kombination, die ich eigentlich immer durchführen kann, selbst wenn ich mit Leuten unterwegs bin oder esse oder sonstwas. Dann gehe ich Muster, das kriegen nur Leute mit, die gezielt darauf achten. Dann gibt es eine Sache, bei der ich vermute, dass es als Verlagerung entstanden ist, weil es nicht so auffällt wie zu wackeln oder sonstwas, wenn andere anwesend sind. Ich kratze mich desöfteren am Kinn oder an der Backe, das wird den Leuten auffallen, aber ich nehme mal an nicht zu negativ, ich wurde zumindest noch nie darauf angesprochen. Das hilft mir sehr.
      Alles auffälligere mache ich dann, wenn halt keiner da ist, also beispielsweise wackeln oder klopfen wenn ich sehr aufgeregt bin springe ich herum oder oder. Der Vorteil ist, auch auf der Arbeit sieht das keiner, da ich ein eigenes Büro habe.
      Ich glaube dadurch, dass ich das so aufgetelt habe in Stimming für außen und Stimming für privat kann ich das ganz gut akzeptieren.
    • @Hutmacher
      Betr. Stimming: Danke, Du machst mir Mut. Die LMAA Einstellung hab ich leider noch nicht so drauf, kommt vielleicht noch. Mit den Fingern mache ich auch Sachen, das kann man häufig heimlich machen (unterm Tisch oder so), reicht mir aber häufig nicht. :roll:
      Aber meine Kinder hopsen auch liebend gern auf mir rum :lol: lange halte ich das nicht mehr durch, sie werden immer grösser und schwerer :d

      Zur Synästhesie und Musik im Kopf:
      Hahaha, ich musste grad schmunzeln. Wie geil, na klar, geniess die Show, wenn sie Dir gefällt :smug: :lol: 8-)
      Mir ist das Zusammenspiel zwischen meiner Synästhesie und der Musik im Kopf bisher unklar. Ich bin nicht sicher, ob sich diese "Kanäle" im Hirn kreuzen.

      Auf die Musik im Kopf habe ich einen gewissen Einfluss. Grundsätzlich läuft da dauernd bisschen was im Hintergrund, so wie ein leises, repetitives Radio; ich kann aber eine neue Melodie oder Sequenz einspeisen wenn ich möchte. Die läuft dann ein Weilchen... und alsbald dann wieder was anderes, so quasi die besten Hits aus meinen Erinnerungen; ausgewählt/abgespielt vom eingebauten Zufallsgenerator :lol:

      Mit der Synästhesie ist es ganz anders. Ich glaube, ich habe Null Einfluss darauf. Ich kann sie weder abschalten noch forcieren. Es hat Jahrzehnte gedauert, bis ich gecheckt habe, dass nicht alle die gleiche Wahrnehmung haben. Vielleicht finde ich meine Synästhesie deshalb in gewisser Weise faszinierend und manchmal versuche ich die Eindrücke auch tatsächlich zu geniessen.

      Im Alltag gibts Pro und Contra Synästhesie.

      Pro: Ich glaube, dass ich mir gewisse Dinge, die ich gesehen habe, besser merken kann als Andere; ich denke, dass mein Erinnerungsvermögen dann mehr hergibt, weil ein Wahrnehmungsfaktor mehr in ihr gespeichert ist. Ich habe das "Objekt" ja nicht nur gesehen wie alle Anderen, sondern auch "gehört". Auch wenn real gar kein Geräusch existiert hat. Eigentlich bin ich der Überzeugung, dass ich da einen Vorteil gegenüber Anderen hätte und davon profitieren sollte. Fragt sich bloss, wo man das einsetzen kann...

      Contra: ich habe eh schon Unmengen an Müll und Verwirrung im Oberstübchen. Manchmal denke ich, da müsste die Synästhesie als zusätzliche Wahrnehmung nicht auch noch sein, schon auch deswegen, weil mein Hirn diese Wahrnehmung quasi noch selber kreieren muss.

      An einen ANC Kopfhörer habe ich noch nie gedacht. Wäre aber vielleicht was :)
      LG, der 1974er

      PS. die meisten Fettnäpfchen sind unsichtbar; bitte gib mir Bescheid, wenn ich eins getroffen habe :roll:
    • @Zodd

      Ja danke für Deinen Einwurf, Du hast recht, ich unterscheide auch zwischen "öffentlichem" und "heimlichem" Stimming. Das "öffentliche", welches hoffentlich niemandem auffällt, ist z.B. sowas ähnliches wie Zähnemalmen oder ich "schreibe" alles was ich höre oder sage im 10-Finger-System auf - einfach z.B. auf meinem Bein, ohne Tastatur. Also ich tippe heimlich placebomässig :lol:
      Grad noch am Limit "öffentlich" ist etwa Im-Kreis-Laufen oder Hin-und-Her-Gehen.

      Das "heimliche" Stimming mache ich fast ausschliesslich, wenn ich nicht gesehen werde. Ausser es geht mir so mies, dass mir alles egal ist. Das ist dann z.B. im Stehen Hin-und-Her-Tapseln (von einem Fuss auf den Anderen) oder Wippen mit dem Oberkörper. Ich seh dann bestimmt aus wie ein Behinderter beim Tanzen. (bin ich ja auch... zwar nicht beim Tanzen, aber behindert) x(

      Grundsätzlich finde ich die Aufteilung sinnvoll, man will ja nicht auffallen... aber trotzdem habe ich die Scham noch nicht wegbekommen. Es ist mir auch unheimlich unangenehm, wenn ich in der Familie darauf angesprochen werde. Ich fühle mich mies, wenn sie mich für bescheuert halten.

      Für das miese Gefühl reicht es manchmal auch schon, wenn ich so angesehen werde: 8o
      LG, der 1974er

      PS. die meisten Fettnäpfchen sind unsichtbar; bitte gib mir Bescheid, wenn ich eins getroffen habe :roll:
    • 1974 wrote:

      Dieser "Sturm" besteht aus "lebendigem Hirnmüll". Er entsteht durch laufend aufgenommene und erlebte Reize/Wahrnehmungen, Gefühle, Gedanken, meinen Tinnitus, meine Synästhesie (optisch -> meine fast allgegenwärtige "musikalische Begleitung". Habt Ihr das auch, dass tagein, tagaus fast immer "nebenbei" Musik im Kopf läuft? Melodien, Sequenzen von Liedern und sonstigen Musikstücken, manchmal auch Geräuschsequenzen. Ich weiss nicht, ob mein Hirn das tut, um mich zu beruhigen (eine Art Stimming); manchmal beruhigt es mich, und manchmal lenkt es mich aber auch nur ab.
      Dieses Phänomen kenne ich auch.
      Mir ist aufgefallen, dass mein Hirn besonders Emotionen mit Melodien oder Melodiefragmenten asoziiert. Mein Kopf ist voll von Tönen und Melodien, die mit Sinneseindrücken und Emotionen asoziiert sind, die sich oftmals endlos drehen. Ich kann das nicht immer unterbrechen, will es auch nicht immer.
      Mir hilft strammes Marschieren und dabei die Schritte zählen, um aus diesen Endlosspiralen herauszukommen, damit ich mich auf etwas Anderes konzentrieren kann (Arbeit z.Bspl.).
      Das Zählen ist m.E. ein gänzlich gegensätzlicher Impuls, der völlig andere Hirnregionen beansprucht und aktiviert.
    • Danke @Coocy, das ist ein interessanter Vorschlag, muss ich mal ausprobieren.

      Und ja, Musik ist für mich so emotional, dass es teilweise nur schwer zu ertragen ist. Manche Musik ist nicht deswegen unerträglich, weil ich sie so schrecklich finde, sondern weil sie mich so mitnimmt. Obwohl ich davon ausgehe, dass NT's das auch haben, denke ich schon, dass wir wahrscheinlich noch etwas mehr Mühe damit haben.
      LG, der 1974er

      PS. die meisten Fettnäpfchen sind unsichtbar; bitte gib mir Bescheid, wenn ich eins getroffen habe :roll:
    • 1974 wrote:

      Habt Ihr das auch, dass tagein, tagaus fast immer "nebenbei" Musik im Kopf läuft? Melodien, Sequenzen von Liedern und sonstigen Musikstücken, manchmal auch Geräuschsequenzen. Ich weiss nicht, ob mein Hirn das tut, um mich zu beruhigen (eine Art Stimming); manchmal beruhigt es mich, und manchmal lenkt es mich aber auch nur ab.
      In meinem Kopf sind ständig irgendwelchen Melodien unterwegs. Manchmal hängt sich ein 'Ohrwurm' fest, weil ich im Radio etwas gehört habe, meist kommen sie aber von ganz allein. Meist sind es recht simple, repetetive Sequenzen und zu Hause kann ich dann auch gut im Rhythmus schaukeln.

      Wobei ich das entspannte Schaukeln erst üben musste. Als Kind wurde es sanktioniert und war strikt verboten, daher fiel es mir schwer, mir selbst zu erlauben, was mich beruhigt.
      ~ Es ist kein Zeichen von Gesundheit, an eine von Grund auf kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein. ~