"Was Asperger 2020 wissen müssen" - Eure Meinung

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    • "Was Asperger 2020 wissen müssen" - Eure Meinung

      youtube.com/watch?v=sgFZ-NTdBqE&t=285s

      Ich bin schon vor längerer Zeit auf dieses Video gestoßen und frage mich: Wie steht ihr zu den Aussagen?

      Persönlich kann ich dem gar nicht zustimmen.
      Ich bin ein selbstbewusster Mensch und erleichtert mit der Diagnose mehr Verständnis für meine Bedürfnisse entwickelt zu haben und habe in Selbsthilfegruppen viele hilfreiche Tipps bekommen, welche mich privat und beruflich weiter gebracht haben, als ich je vor der Diagnose gedacht hätte. :)
    • Arrogant, anmaßend, selbstgerecht. Wie verdreht ist es denn, mangelndes Selbstvertrauen als angebliche Hauptursache der Probleme auszumachen und gleichzeitig den Leuten vorzuwerfen, sie wollten "in ihrem Autismus verharren"? Super Hilfe :sarcasm: für jeden, dessen Problem das tatsächlich ist. Und dann die Behauptung, das sei bei allen so: nein, mangelndes Selbstvertrauen in fachlicher Hinsicht ist sicher nicht nur bei mir kein Problem. Und im sozialen Bereich ist der Begriff falsch - nicht mangelndes Selbstvertrauen, sondern realistische Selbsteinschätzung (bei mir, bei manchen mag das anders sein). Ich habe den Stuß nach einer Minute abgebrochen.
    • Der Beitrag ist wahrscheinlich nicht böse gemeint, sondern soll Autisten Mut machen. Aber so kommt es bei mir nicht an, klingt eher wie „draufhauen“. Bei dem strengen Tonfall schalte ich meine Ohren grundsätzlich auf Durchzug (rw)
    • Also ich finde gut was er sagt. Es macht wenig Sinn wenn man immer nur um sich und die eigenen Probleme kreist. Mir gelingt aber leider der Kontakt zu anderen nicht so wie ich will. Ob er auch dafür eine Lösung hat? :)
    • Bei mir fängt das Video seltsamer weise bei den letzten Minuten erst an. Ich find die Sitzposition und diesen dunklen Raum seltsam und immer wieder dieses du dud du LOL das find ich irgendwie irritierend.
      Ich glaube er versucht irgendwie ein Motivationscoach zu sein. Ja es soll eigentlich eine Hilfe sein, ich hab nur die letzten paar Sätze gesehen die nicht so waren wie der Anfang den manche hier schon erklärten. Da war mehr die Rede von, man soll versuchen selber sich zu helfen und nicht sich so sehr auf andere verlassen und man soll auch nicht auf den Rat hören von anderen die das gleiche Problem haben.
      Das finde ich irgendwie irreführend. 1. kann man sich kaum selber helfen, nicht jeder findet selbst die Antwort auf alles, und 2. sind viele Hilfsangebote doch nicht immer schlecht oder unhifreich und nocht alle Ärzte und Ämter einem negativ gegenüber eingestellt?
      Ich denke man sollte sowas mit Hilfe von anderen zusammen angehen, also sich denen die Hilfe geben können nicht allein entgegenstellen, dann hat man die meisten Chancen.
    • @HCS Motivationscoach war auch mein Gedanke, aber das Bild und die Stimmung passten für mich nicht in dem Video: alles so dunkel... Motivation verbinde ich mit Licht und Helligkeit, „es muss dem Zuhörer ein Licht aufgehen“, hell wirkt freundlich
    • Momentan befinde ich mich in einer Phase, wo er mit seinem Ratschlag offene Türen einrennt: Ich treibe mich weniger in Selbsthilfeforen herum, als noch vor 10 Jahren. Ich interagiere viel mehr mit unterschiedlichen Leuten innerhalb und außerhalb des Internets. Ich hab kein Interesse daran, mich in meinem Elend bestätigen zu lassen. Häufig muss ich sogar aufpassen, damit ich mich nicht überanstrenge, beispielsweise wenn ich bei einer Veranstaltung wieder einen Overload bekomme und zusammenbreche. Das Risiko gehe ich manchmal ein und manchmal nicht.
      Ich würde diese Riskiobereitschaft durchaus weiterempfehlen. Es ist schwierig, das richtige Maß zu finden, aber ich hätte viele Chancen verpasst, hätte ich nur die eine Strategie verfolgt.

      An dem Ratschlag, weniger schüchtern zu sein habe ich daher nichts auszusetzen. Weiters erzählt er auch, dass er viele schüchterne Aspies kennt. Unnötig ist seine Botschaft also auch nicht.

      Ist Schüchternheit das größte Problem, oder gibt es andere? Wenn Schüchternheit ein lösbares Problem ist, dann ist das nicht so wichtig.

      Sind Selbsthilfeforen kontraproduktiv? Uns als Forengemeinschaft sollte das Thema interessieren.

      Diamant wrote:

      Der Beitrag ist wahrscheinlich nicht böse gemeint, sondern soll Autisten Mut machen. Aber so kommt es bei mir nicht an, klingt eher wie „draufhauen“. Bei dem strengen Tonfall schalte ich meine Ohren grundsätzlich auf Durchzug (rw)
      Nicht jeder Mensch kann mit derselben Botschaft gut umgehen. Den einen ist jemand zu agressiv, den anderen redet jemand zu hochgestochen, zu langweilig, oder was auch immer. Daher ist es gut, wenn eine Botschaft auf verschiedene Weisen kommuniziert wird.
      Ich will damit sagen: Ich kann dein Problem nachvollziehen, aber niemand kann es allen Leuten recht machen.
      "Igitt, die Muse hat mich geküsst." ~ ein autistischer Künstler
    • Sepia wrote:

      Ich kann dein Problem nachvollziehen, aber niemand kann es allen Leuten recht machen.
      Ich freue mich, wenn Botschaften Menschen erreichen und helfen (allgemein). Mich spricht dieser spezielle Tonfall (in dem Video) nicht an, weil ich ihn mit negativen Erinnerungen verbinde, aber dafür kann der Sender der Botschaft natürlich nichts.
    • sepia wrote:

      Sind Selbsthilfeforen kontraproduktiv? Uns als Forengemeinschaft sollte das Thema interessieren.
      Solange dort konstruktive Selbst-Hilfe stattfindet, können sie imo sehr produktiv sein.
      Problematisch wird es natürlich, wenn es, wie du schreibst, nur noch darum geht, "sich in seinem Elend zu bestätigen". Angesichts des ganzen "Elends", was sich in solch einem Forum auf einem Haufen bündelt, besteht die Gefahr wahrscheinlich immer...
      Teile dieser Signatur könnten die Bevölkerung verunsichern.
    • Diamant wrote:

      aber das Bild und die Stimmung passten für mich nicht in dem Video: alles so dunkel... Motivation verbinde ich mit Licht und Helligkeit, „es muss dem Zuhörer ein Licht aufgehen“, hell wirkt freundlich
      Ja das sehe ich auch so. Das ganze wie es wirkt hat eher das gegenteil, vonwegen alles ist böse, jeder will mir was, darum muss ich mir selbst helfen blah und Weltuntergangsstimmung.


      sepia wrote:

      Das Risiko gehe ich manchmal ein und manchmal nicht.
      Ich würde diese Riskiobereitschaft durchaus weiterempfehlen.
      Ich denke das mit der Risikobereitschaft ist echt etwas was jeder für sich individuell ausmachen muss. Ob man risikobereit ist oder nicht ist nich autismusbedingt sondern meines Erachtens generell ein Charakterzug der entweder vorhanden ist oder nicht.
      Ich war schon immer ein Mensch der nicht risikobereit war, alles lieber dann machte wenn vorher geplant und durchdacht wenn es was neues war. Das kann durch den Autismus verstärkt bei mir sein aber nicht nur Autisten sind so, und ich habe damit auch kein Problem, mir macht sowas nichts aus so zu sein. Ich habe zum Beispiel kein großes problem damit wenn jemand anderes etwas plant und ich nur mitfahre und mit dabei bin. Ich kann es nur garnicht leiden wenn man mir anbietet das zu machen und echt wenige Minuten vorher das ganze absagt oder meint jemand anderen lieber mitnehmen zu wollen anstatt mich wie es ja eigentlich geplant war. Das ist mir in freundschaftlichen Dingen noch nie passiert aber in beruflichen und endete immer in Meltdowns.
      Wie gesagt, diese risikorelewannten Tätigkeiten sind sehr individualabhängig. Ich denke in einem gewissen ausgewählten Rahmen kann ich mir das auch mal erlauben zB wenn ich ein neues Restaurant mal austesten will, aber bei den meisten anderen Dingen bin ich da ganz anders.


      sepia wrote:

      Sind Selbsthilfeforen kontraproduktiv? Uns als Forengemeinschaft sollte das Thema interessieren.
      Ich finde die Frage auch interesannt, gerade weil es halt hier so ein Forum ist.
      Ich kann das mit NEIN beantworten. Ich wäre heute nicht so weit wenn ich nicht in diesem Forum wäre.
      In anderen Foren hab ich nie so viel gezielte Hilfe, tipps und auch Anleitungen wie was warum etc bekommen.
      Ich weiß nicht was für Erfahrungen der User in dem Video gemacht hat, vermutlich keine guten oder nützlichen. Ich kann mir nicht vorstellen das er jemals den Weg hier ins Frum gefunden hat oder er war dermaßen entteuscht von dem was er hier fand das er sich missverstanden fühlt und es gibt auch viele Leute die immer so verbittert werden.
    • sepia wrote:

      Ich hab kein Interesse daran, mich in meinem Elend bestätigen zu lassen.
      Meines Wissens mache ich das auch nicht. Ich fühle mich auch nicht Elend, sondern suche konstruktive Ratschläge von Menschen mit ähnlichen Problemen und mehr Lebenserfahrung.

      sepia wrote:

      Weiters erzählt er auch, dass er viele schüchterne Aspies kennt. Unnötig ist seine Botschaft also auch nicht.
      Ich habe bis jetzt bei Aspies eine ähnliche Verteilung von Schüchtern erlebt, wie bei NTs. Ich selbst bin wie gesagt nicht schüchtern, auch wenn meine Körpersprache mal so wirkt. Ich finde es sehr schwierig, dass er mich mit "du" anspricht und davon ausgeht, dass alles gesagte auf mich und viele/die Mehrheit der Autisten zutrifft.

      sepia wrote:

      Ich will damit sagen: Ich kann dein Problem nachvollziehen, aber niemand kann es allen Leuten recht machen.
      Erwarte ich auch nicht, ich wollte nur Feedback dafür haben, wie andere das ganze empfinden, und ob ich da einfach komisch bin.


      HCS wrote:

      mangelndes Selbstvertrauen als angebliche Hauptursache der Probleme auszumachen und gleichzeitig den Leuten vorzuwerfen, sie wollten "in ihrem Autismus verharren"? Super Hilfe für jeden, dessen Problem das tatsächlich ist. Und dann die Behauptung, das sei bei allen so: nein, mangelndes Selbstvertrauen in fachlicher Hinsicht ist sicher nicht nur bei mir kein Problem.
      Danke, genau das wollte ich ausdrücken mit:

      MangoMambo wrote:

      Persönlich kann ich dem gar nicht zustimmen.
      Ich bin ein selbstbewusster Mensch und erleichtert mit der Diagnose mehr Verständnis für meine Bedürfnisse entwickelt zu haben und habe in Selbsthilfegruppen viele hilfreiche Tipps bekommen, welche mich privat und beruflich weiter gebracht haben, als ich je vor der Diagnose gedacht hätte.
    • Ich hätte gerne mehr über diesen Mann erfahren. Wer ist das und wie war sein Werdegang? Er scheint Autist zu sein. Seine Art ist stark gewöhnungsbedürftig.
      Wow, er kennt tausende von Autisten und ist wohl ein Oberchecker, der genau weiß was gut für mich ist.
      Selbstbewusstsein kriegt man nicht geschenkt, das muss man sich nehmen, ist eine alte Weisheit.

      Der Mann hat das Zeug zum Guru.
      When nothing goes right ... go left.
    • Autist zu sein hat meiner Meinung nach schon einen Vorteil. Man ist als Autist emotional völlig unabhängig. Mir würde so eine Unabhängigkeit wahrscheinlich gut tun, aber andererseits wäre ich dann ein anderer Mensch. Daher bleibe ich lieber so, wie ich bin, trotz aller emotionaler Höhen und Tiefen. (RW)
    • Er verallgemeinert viel und spricht in einem äußerst eingeschränktem Rahmen. Das Video ist immerhin nur 5min lang. Selbst bei einem 40min Vortrag würde man noch einiges auslassen und die Thematik nur limitiert schildern.
      Wenn man das geschilderte aber nur als einen Teilaspekt aufnimmt, dann finde ich es schon ziemlich treffend. Wenn man sich hier im Forum mal ein wenig umschaut, dann trifft dieser Teilaspekt auf ziemlich viele zu.
      -So treibt das Bedürfnis der Gesellschaft, aus der Leere und Monotonie des eigenen Innern entsprungen, die Menschen zueinander; aber ihre vielen widerwärtigen Eigenschaften und unerträglichen Fehler stoßen sie wieder voneinander ab.

      -Fear and desire hold the power to disrupt one's rhythm. Desire clouds one's vision, while fear stills one's step.