Jobwechsel, ich hab mich getraut

    This site uses cookies. By continuing to browse this site, you are agreeing to our Cookie Policy.

    • Ich würde mich auch sehr freuen, wenn Du mir das Dokument per PN schickst. :)
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • @Ryu (klappt, siehste, einfach nicht superschnell weitertippen sondern WARTEN, haha) Deine alte Bewerbung - sie ist der Hammer. Ich hab mich dermaßen köstlich weg gelacht, aber im positiven Sinne. Sowas braucht das Land - Leute die kreativ sind. Im Prinzip enthält sie alles notwendige, verpackt mit Humor, der aber nicht zu peinlich ist. Wo ist das Problem.... Ja, sie ist wahrscheinlich gegen die Regeln aller Berufsberater-Bewerbungen. Aber sie ist von DIR. Sie gefällt mir sehr gut, ich liebe sie. Sie wird anders sein als hunderte andere Bewerbungen und vielleicht grad deswegen jemandem auffallen. Klar, einem Bankchef wird das jetzt nicht zusagen, Leute mit Chefbesenstiel im Hintern werden damit vielleicht Probleme haben, aber die will ich auch nicht als Chef.
    • Erstmal herzlichen Glückwunsch zu Jobwechsel. Ich weiß mit was für Gedanken sowas verbunden ist und denke Glückwünsche sind da immer angebracht.
      Würdest du mir die Bewerbung auch zusenden? Da ich derzeit nicht weiß ob mir etwas ähnliches die nächsten Wochen bevorsteht wäre Anregung nicht verkehrt.
      Ich danke dir.
    • @DarkLizard
      Es wäre schön, wenn du mir dein Anschreiben auch mal per PN schickst. Ich habe zwar zurzeit einen Job, aber ich war schon sehr lange Zeit arbeitslos und habe sehr viele vergebliche Bewerbungen hinter mir. Ich bin neugierig, wie du es geschafft hast und gratuliere dir auch zum neuen Job! :thumbup:
      Ist da wer?
    • @DarkLizard, vielen Dank für Deine Nachricht. Die Bewerbung finde ich zugleich sehr gelungen und sehr mutig. Ich glaube, dass für unkonventionelle Kandidaten eine solche individuelle, untypische Bewerbung eine gute Strategie ist. Gewissermaßen gleich ein kleiner Test für die Offenheit und Toleranz des potenziellen Arbeitgebers. Aber kommt natürlich auch sehr auf die Branche an. Im Handwerk und in MINT-Bereichen erscheint mir das besonders aussichtsreich.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • Herzlichen Glückwunsch zur neuen Arbeitsstelle.
      Am 4. November fange ich auch bei einem neuen Arbeitgeber im öffentlichen Dienst an und bin total aufgeregt.
      Ich weiß dass die Aufgaben mir absolut zusagen aber trotzdem habe ich am Anfang meist ein mulmiges Gefühl.
      In dem Betrieb in dem ich bisher noch angestellt bin habe ich meine Ausbildung gemacht und bin insgesamt 7 Jahre (3 Jahre Ausbildung + Arbeitszeit) dort.
      Ich finde das ist eine lange Zeit und ich habe 1 Jahr gebraucht um mir darüber bewusst zu werden ob ich weiterhin mit minimalen Gehaltserhöhungen und durch die neue personelle Organisation mehr Aufgaben arbeiten will oder ob ich wieder zu dem gehe wofür ich eigentlich ausgebildet wurde. Ich habe mich dann für zweites Entschieden.
      Entscheidung. Das Problem ist die Entscheidung.
      - Matrix Reloaded, Neo
      privates Projekt: www.farmagent.de
    • Ihr Lieben,

      ich möchte Euch noch ein Fazit des Jobwechsels geben, wie es so läuft. Damit ihr nicht denkt ich hätte den Besten Job aller Zeiten bekommen und bin rundum zufrieden und glücklich - das ist nicht so.

      Beim Vorstellungsgespräch war der Chef (alter Mann um die 70) super freundlich, ich konnte mich gut unterhalten und fühlte mich wohl. Ich habe ihn auf die schlechten Bewertungen auf einer Plattform angesprochen, wo man Arbeitgeber bewerten kann. Er hat alle nachvollziehbar und schlüssig erklärt warum dieser und jener sich beschwert haben könnte. Es fanden sich 9 negative Bewertungen über diesen Arbeitgeber, was bei einer Mitarbeiterzahl von 100 auch nicht umwerfend ist. Ich dachte mir also ich glaube ihm, wird schon nicht so schlimm sein.

      An meinem ersten Arbeitstag wurde ich kurz und knapp begrüßt und ins Lager zum Aufräumen gesteckt. Ohne Betriebsführung, ohne direkt angrenzende Mitarbeiter kennen zu lernen, ohne gezeigt zu bekommen wo Toilette oder Küche ist - halt so die Dinge die man eigentlich wissen sollte. Ich hab kein Problem damit ein Lager aufzuräumen, das tun "Neue" meist irgendwie um sie irgendwo abzustellen weil man grade keine Zeit für sie hat. Als ich mit Aufräumen fertig war wusste ich nicht was ich tun sollte, ich hatte keine Ahnung wen ich ansprechen soll, wie ich den Chef erreichen kann und fühlte mich absolut verloren. Ich mag es nicht, wenn ich nichts zu tun habe und stehe ungerne rum, aber irgendwie musste ich es tun.

      Mein Schreibtisch der mir gezeigt wurde war überhäuft mit allerlei Kram, den der Bürokollege darauf abgestellt hat. Der Tisch wurde mir zugewiesen mit der Info, dass das mein vorläufiger Schreibtisch sei und ich mich da nicht einrichten dürfe, weil mein Platz später woanders wäre (Fazit nach 6 Wochen: Ich habe immer noch den vorläufigen Schreibtisch mit allerlei Kram drauf, den ich nicht einrichten darf).

      Als ich mich dann nach der ganzen Schlepperei mal für zwei Minuten hingesetzt habe um etwas zu trinken kam der Chef um die Ecke und fuhr mich an, warum ich hier sitzen würde - wenn ich nichts zu tun hätte müsste ich ihm das sagen, und überhaupt soll ich an diesem Tisch nicht sitzen, weil mein Platz woanders wäre. Ups, dachte ich, was soll das jetzt.

      Die Aufräumaktion im Lager erwies sich natürlich als unnütz, weil der Chef jetzt auf die Idee kam dass der meiste Kram sowieso dort nicht hingehört und woanders hin sortiert werden muss (wenn ich etwas hasse, ist es, Arbeit umsonst zu machen oder doppelt, das regt mich sowas von auf). Ich bekam den Bürokollegen an die Hand der mir helfen sollte den Kram in den Keller zu bringen. Der Bürokollege war schlauer, er verkrümelte sich an seinen Schreibtisch sobald der Chef weg war und ließ mich den Kram alleine schleppen.

      Die ersten zwei Wochen verbrachte ich mit angeschnauzt werden, Weihnachtspost packen, Aufräumaktionen und Mitarbeiter befragen (wo befindet sich dies und jenes, wie wird dies oder jenes gehandhabt, wie finde ich mich zurecht, worauf muss ich aufpassen).

      Da trennte ich die Mitarbeiter schonmal in brauchbar und Vollidiot (wichtig, bevor ich von denen auch noch angemeckert werde).

      Irgendwann bekam ich dann sogar ein Telefon, damit der Chef mich überwachen kann, ob ich grad was zu tun habe oder nicht. Leider ohne Telefonliste aller Mitarbeiter, die hab ich jetzt nach 6 Wochen immer noch nicht, muss mir mühsam jede wichtige Person in dem Laden zusammen suchen. Die wichtigste Person ist sowieso der Chef.

      Ich befinde mich sogar derzeit in dem Bereich wo ich eigentlich arbeiten soll, der sich leider in einer Halle mit Lackdämpfen befindet - sowas wollte ich eigentlich umgehen, aber nun ist es so, kann ich nichts dran ändern. Wo ich die Lösemittel der Druckerei los bin hab ich jetzt Lackdämpfe. Oder Dieselabgase, denn es kümmert dort keinen ob man die dafür vorgesehenen Absaugschläuche nutzt oder nicht. Nicht selten ist es neblig in der Halle wegen der Dieselabgase - da kann ich mich doch glatt glücklich schätzen nur die Lackdämpfe zu haben.

      Ein paar Eindrücke der Wutausbrüche vom Chef:

      " Ich habe Sie in Halle 1 mehrfach nur rumstehen sehen, so geht das nicht" (war die ganze Zeit am Fahrzeug reinigen und stand nie rum - was ich gelernt habe ist, Widersprechen ist tödlich, also lieber lassen.

      "SIEEEE haben hier gar nichts zu sagen, es wird gemacht wie ich das sage" - ich habe mich verteidigt, war auch schlecht. Da hüpft der kleine alte Mann mit hochrotem Kopf rum wie ein kleines Kind "ABER ICH WILL, ich will, ich will aber"

      "Ich sehe Sie immer am tun und machen, das ist aber irgendwie alles unwichtig, es gäbe viel wichtigeres zu tun"

      "Warum haben sie kein Fahrzeug um über den Hof zu fahren, wenn sie 500 Meter laufen ist das bezahlte Arbeitszeit, sie brauchen ein Fahrzeug" (es gibt da nur Dieselfahrzeuge, überlege man sich den Wahnsinn für zwei Minuten Fahrtzeit über den Hof).

      "Warum haben Sie Fahrzeug X zum Fahren über den Hof? Das ist viel zu gut dafür, holen sie sich ein anderes"

      "Ich sehe Sie hier ständig hin und herlaufen, ich hoffe Sie haben etwas zu tun"

      "LASSEN SIE SOFORT DEN BESEN STEHEN, sie sind zu teuer zum Fegen, das macht Mitarbeiter XY" (haben wir nicht alle mal gelernt, den Arbeitsplatz sauber zu verlassen?)

      Chef ruft mich an, ich melde mich mit meinem Namen und "Hallo" - er: "Lassen sie verdammt noch mal das Hallo weg, der Name reicht mir"

      "Ich will nicht dass Sie mir die Tür aufhalten, lassen Sie das"

      Lassen wirs mal dabei. Jedenfalls war ich nach 3 Wochen in der Firma nervlich am Ende. Man bekommt kaum Infos und Hilfe von den anderen Kollegen. Nicht weil sie unfreundlich wären, sie trauen sich nicht. Alles was sie mir sagen könnte falsch sein und den Zorn des Chefs auf sich ziehen. Also helfen und sagen sie nichts. Ich wollte aus dieser Firma wieder raus, war auch Probearbeiten, der Job lag mir aber gar nicht. Und die Bezahlung jetzt ist ziemlich gut.

      Die drei Kollegen mit denen ich nahe zusammen arbeite geben mir nach und nach immer mehr Überlebensstrategien mit. Dass man am besten woanders was zu tun hat wenn man den Chef kommen sieht. Dass man niemals widersprechen darf, die erste Regel ist, dass der Chef IMMER Recht hat. Ich solls mir anhören und wieder vergessen wenn der Chef weg gegangen ist. Ich nahm es immer persönlich wenn er an mir was zu meckern hatte, aber es ist besser, wenn man das nicht tut. Die Leute die da 15 Jahre sind haben schon einige Zusammenstöße mit dem Chef überstanden wo aufs tiefste beleidigt wurde - man muss lernen darüber zu lachen.

      Ich hab keine Ahnung ob ich das kann. Jedenfalls versuche ich dem Chef aus dem Weg zu gehen wo es geht - weil es immer einen Grund gibt dass er was zu meckern hat, egal wie gut man seine Arbeit macht.

      Im Vorstellungsgespräch wurde gesagt nach 4 Wochen im Betrieb bekäme man eine Schulung für die Geräte dort, die man bedienen können muss. Ich habe bis heute keine erhalten. Ich frage einfach bei jedem Gerät nach wie es funktioniert und irgendwann werde ich sie alle können, dauert halt. Normal dürften die Mitarbeiter ohne Sicherheitsausrüstung diese Geräte auch gar nicht nutzen. Aber es ist klar, dass es keine Sicherheitsausrüstung gibt, wenn es auch keine Schulung gibt. Schulungen gibt es, aber nicht für die Mitarbeiter - die sind für Leute die dafür bezahlen diese Schulungen zu bekommen (Betriebsfremde die woanders mit diesen Geräten arbeiten müssen).

      Eins hört man aber von allen Mitarbeitern: Im Vorstellungsgespräch war es so wahnsinnig nett. Und ist man einmal da, mutiert er zum Monster.

      Ich bleibe vorerst da, versuche meinen Weg dort zu finden. Im Prinzip hoffen alle Mitarbeiter, dass die letzte Stunde des Chefs irgendwann geschlagen hat. Die Nachfolge steht - allesamt menschlich, mit denen hat man schon jetzt ab und an zu tun.

      Die Vorteile sind: Ich habe keinen Produktionsstress mehr, habe immer absolut pünktlich Feierabend, die Aufgaben sind abwechslungsreich, die Bezahlung gut.

      The post was edited 1 time, last by DarkLizard: Rechtschreibfehler korrigiert ().

    • anfangs konnte ich das nicht, durch meine Kollegen bekommt man langsam aber immer mehr Tips wie man mit dem Chef umzugehen hat. Einfach über sich ergehen lassen und weghören. Wenn man sich dann darüber mit den Kollegen zusammen lustig machen kann hilft das auch. Dass die Atmosphäre nicht gut ist, ist klar. Aber da es mein dritter Chef in Folge ist, der irgendwo ne Macke hat, bin ich wenig überzeugt nochmal einen "freundlichen" zu bekommen.