Autismus vs Introvertiertheit

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    • WelleErdball wrote:

      Wer sensibel oder introvertiert ist der versteht per se ja ganz klar Gestiken & Mimiken, der kann intuitiv richtig reagieren, der hat keine Spezialinteressen,
      Was Gestiken und Mimiken angeht stimmt das aber ich denke wohl dass es Introvertierte gibt die Spezialinteressen haben, es sei denn dass per definitionem nur jemand der anderweitig autistisch ist Spezialinteressen haben "darf", eben weil "Spezialinteresse" als etwas ausschließlich "autistisches" definiert wird, aber in dem Fall wäre es eine Tautologie dass Introvertierte keine SIs haben wenn sie nur introvertiert sind.

      Es gibt doch viele introvertierte hochbegabte NTs die eine große Leidenschaft für zum Beispiel Mathematik oder Musik oder Archäologie haben, die das als ihren Lebensinhalt betrachten und die am Glücklichsten sind wenn sie mit Formeln oder Noten oder Ausgrabungen zu tun haben. Vielleicht bei NTs ist es eher ein Symptom von der Kombination Intelligenz+Introversion ein Spezialinteresse zu haben, während bei Autisten auch geistig eher begrenzte Personen zu Spezialinteressen neigen (wegen ihrer sozialen Schwächen) .
    • Shenya wrote:

      Ich glaube, mich hätte keiner gewählt, aber ich wurde auch gar nicht erst vorgeschlagen. Gründe könnten sein: sehr ruhiges Verhalten, niedriger Status in der Klasse
      Es spielt auch eine Rolle, ob man nur ruhig oder auch schüchtern ist. "Schüchtern" ist allerdings ein Adjektiv, das wohl niemand der mich kennt mit mir verbinden würde, trotzdem haben sie zugegebenermaßen sehr lange diskutiert, ob sie das Risiko eingehen können, mich bei einer Großveranstaltung da vorne hinzustellen. Als es dann soweit war, hatte ich das nötige Selbstbewusstsein, um mich vor 150 Leute zu stellen und die Veranstaltung zu leiten, so dass es beim nächsten Mal keine Bedenken mehr gab.
    • FrankMatz wrote:

      Klassensorecher war ich nie. Das hätte bei mir auch nicht gepasst, da Klassensorecher bis zur Oberstufe doch eher die Lauten, die Tonangeber, die Mackertypen sind.

      Ja, eine Person muss ja schon recht präsent und anerkannt sein bei unterschiedlichen Charakteren in der Klassengemeinschaft, um eine Mehrheit für dieses Amt zu bekommen.

      Ich war viel zu unsicher und unbeachtet in der Gesamtklassengemeinschaft um je auch nur ansatzweise von mir oder anderen in der Rolle der Klassensprecherin gesehen zu werden.
      Wenn wir den Kirschbaum spalten, finden wir dort keine Blüte.
      Es ist der Frühling, der die Blüten hervorbringt.

      Ama Samy
    • Teddy1 wrote:

      @Mugwump
      Dieses Beispiel (im Artikel) ist dermaßen bekloppt. Wer tagsüber viel redet, auf Bühnen steht etc. ist abends froh, wenn er seine Ruhe hat. Da es aber eine Frau ist, lässt die sich sicher einreden sie wäre introvertiert.
      Introvertiert ist wirklich was anderes. Das erinnert mich an Single-Datingsendungen, in denen dann jemand sich vorstellt und meint er wäre schüchtern aber es sich dann rausstellt, dass die Person doch nicht schüchtern ist. Selbstwahrnehmung und Wirklichkeit liegen hier etwas weit auseinander.

      H. M. Murdock wrote:

      Leonora wrote:

      Eine Autistin wäre anders als die Autorin des Artikels kaum zur Klassensprecherin gewählt worden.
      Bin bis jetzt ja "nur" VA... Ich bin mal zum Klassensprecher gewählt worden! ....... Aber auch nur, weil mir einer meiner "lieben" Klassenkammeraden eins auswischen wollte. :lol: Er hat die Stimmzettel verlesen und obwohl kaum einer (wahrscheinlich eher keiner) für mich gestimmt hat, hat er meinen Namen vorgelesen. Fanden einige ganz lustig, daß ich Trottel Klassensprecher war... :nerved: Habe mich aber auch nicht getraut die Wahl abzulehnen... :m(:
      Ich war auch schon mal Klassensprecher. Bei solchen Wahlen kommt es oft vor, dass eigentlich niemand Lust drauf hat diesen Posten zu übernehmen und man dann einen Notnagel findet, der es doch macht. Angenehm fand ich die Tätigkeit als Klassensprecher damals nicht - ich war teilweise komplett überfordert damit.
    • da_hooliii wrote:

      Ich war auch schon mal Klassensprecher. Bei solchen Wahlen kommt es oft vor, dass eigentlich niemand Lust drauf hat diesen Posten zu übernehmen und man dann einen Notnagel findet, der es doch macht. Angenehm fand ich die Tätigkeit als Klassensprecher damals nicht - ich war teilweise komplett überfordert damit.
      Schon interessant, was für unterschiedliche Konstellationen es wohl gibt bzgl. "Rolle im Klassenverband".
      Auch als Notnagel wäre ich nicht in so ein Amt gerutscht denke ich. Ich wäre von mir aus nie auf die Idee gekommen, je in diese Position zu kommen, sowas war jenseits meines Vorstellungsvermögens, vorgeschlagen wurde ich dementsprechend auch nie.
      Es gab allerdings auch immer Kandidaten, die es gemacht haben.
      Wenn wir den Kirschbaum spalten, finden wir dort keine Blüte.
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      Ama Samy

      The post was edited 1 time, last by ifi ().

    • Ich wurde tatsächlich auch einmal zur Klassensprecherwahl aufgestellt und bekam ein paar wenige Stimmen. Das was allerdings in der Grundschule, etwa in der dritten Klasse. In späteren Jahren wäre für mich (und vermutlich auch meine Mitschüler) der Gedanke, dazu vorgeschlagen zu werden oder mich gar selbst zu melden, undenkbar gewesen. Ob ich mir den Job zugetraut hätte? In der Grundschule sicher. Mit Erwachsenen war ich damals nicht schüchtern und diskutierte viel selbstbewusster als mit Gleichaltrigen. Darauf, dass ich auch gegenüber der Klasse in Rechtfertigungsdruck geraten könnte und dann vielleicht keinen Rückhalt hätte, wäre ich in dem Alter nicht gekommen. Ohne konkrete Erfahrung wäre mir das wohl auch später nicht klar gewesen, aber da war ich ohne schon viel unsicherer.

      Generell war die Atmosphäre in der Grundschule bei uns deutlich entspannter und ich über meine "beste Freundin" einigermaßen in die Klasse integriert. Ab und zu gab es auch mal Mobbingsituationen, aber insgesamt ein "Leben und Leben Lassen". In den späteren Schuljahren nahm ich meinen Status als viel prekärer wahr. Wobei in der Oberstufe der sehr große Jahrgang eine gewisse Anonymität bot, was ich damals als angenehm empfand.

      In meinen Schulen war das Klassen- bzw. Jahrgangssprecheramt übrigens durchgehend beliebt, es gab immer "echte" Wahlen mit mehreren Kandidaten. Dass Autisten an Ämter kommen, die niemand machen möchte, habe ich aber auch schon mitbekommen. Meinem Vater (der meiner Einschätzung nach aus heutiger Sicht ziemlich sicher Autist war) passierte das mehrfach. Und ich denke auch, dass Autisten in der Schulzeit nicht zwingend Außenseiter sind. Kommt halt sehr auf die jeweilige Konstellation an.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.

      The post was edited 1 time, last by Leonora ().

    • Ich kann gerade nicht zitieren, aber die Überlegung von Unbewohnte Insel zum komplexen Verhältnis von "Spezialinteressen" (ich sehe den Begriff kritisch, weil er meinem Eindruck nach oft pathologisierend verwendet wird) zu Hochbegabung und Autismus halte ich für sehr interessant und treffend. Vielleicht ist das der Hauptgrund für die nicht seltene Verwechslung von Autismus und Hochbegabung bei Kindern, die für das Selbstwertgefühl und den Lebensverlauf langfristig fatal sein kann. Im Vergleich dazu erscheint es mir wesentlich "harmloser", Autismus "nur" mit Introversion oder HSP zu verwechseln.
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    • ifi wrote:

      Ja, eine Person muss ja schon recht präsent und anerkannt sein bei unterschiedlichen Charakteren in der Klassengemeinschaf
      V.a. das "präsent" trifft es mE gut. Unsere langjährige Klassensprecherin war nie der Typ Lautsprecher, aber eben präsent - und ist heute, nach über 40 Jahren, immer noch diejenige, die den Stammtisch organisiert.
    • Leonora wrote:

      Eine Autistin wäre anders als die Autorin des Artikels kaum zur Klassensprecherin gewählt worden. Dazu fehlen, obwohl es Ausnahmen geben mag, meistens die strategischen und sozial-kommunikativen Fähigkeiten.

      Leonora wrote:

      Dass Autisten an Ämter kommen, die niemand machen möchte, habe ich aber auch schon mitbekommen.
      Ich war in der Berufsschule auch mal Klassensprecher. In meinem Fall lag es daran, dass die Klasse aus zwei Berufsgruppen bestand und ich zwar wegen der Berufszugehörigkeit zu Gruppe B gehörte, aber gleichzeitig als Einzige neutral war, die anderen hatten eine Art Kleinkrieg gegen Gruppe A. Die Idee war, dass ein Klassensprecher aus Gruppe A und einer aus Gruppe B gewählt wurde. Gruppe A wollte Gruppe B aber eins auswischen und darum haben die alle mich gewählt. So kann man auch als Aspie Klassensprecher werden :m(:
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      Im Übrigen bin ich der Meinung, dass das Teilnehmer-Limit von Privatkonversationen verdoppelt werden sollte.