Aus den Augen, aus dem Sinn?

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    • Aus den Augen, aus dem Sinn?

      Wenn zwei Menschen ein engeres Verhältnis zueinander haben, sei es Eltern/Kind, Freunde oder Partner, dann ist es bei NTs üblich, dass man den Kontakt auch dann aufrecht erhält, wenn man nicht persönlich mit dem anderen zusammen ist. Sei es wegen der geographischen Distanz, oder weil man sich wegen Beruf, Familie oder Hobbys nicht so viel Zeit nehmen kann. Für die meisten NTs ist es ein Problem, dass ein AS, nachdem man eine schöne Zeit miteinander verbracht hat, einfach gehen kann und sich dann nicht mehr meldet. Ein NT fragt sich dann, was dieses Schweigen bedeuten soll. Bin ich ihm/ihr so egal? Ist er/sie froh, mich nicht mehr um sich haben zu müssen? Hat er/sie nur Zeit mit mir verbracht, weil er/sie eh nichts besseres zu tun hatte? etc. Andererseits ist es aber so, wenn man sich dann nach Tagen, Wochen oder gar Monaten wieder trifft, dass ein AS sich verhält, als ob gerade mal ein Tag vergangen wäre. Er freut sich einen wieder zu sehen. Es ist schön, wieder Zeit mit ihm zu verbringen. Dann trennt man sich wieder und -zack- herrscht Funkstille.

      Ein NT hinterfragt dieses Verhalten. Warum? Wieso? Habe ich was falsch gemacht? Für einen AS scheint das überhaupt kein Problem zu sein. Wenn man zusammen ist, ist es gut. Wenn nicht, ist es auch gut. Ein AS scheint einfach sein Leben ohne den anderen weiterzuleben ohne an ihn zu denken, und wenn man sich wieder trifft, freut er sich trotzdem riesig.

      Es würde mich sehr interessieren, was eure eigenen Gedanken und Erfahrungen sind, wenn ihr mit einem Menschen aus eurem engen sozialen Umfeld keinen persönlichen Kontakt habt, sei es vorübergehend oder für immer. Denkt ihr an diese Person auch wenn sie nicht anwesend ist und wenn ja, was für Gefühle habt ihr dabei? Vermisst ihr diese Person? Trauert ihr, weil euch die schöne Zeit, die ihr miteinander verbracht habt, fehlt? Oder denkt ihr: "Schön, dass es diesen Menschen in meinem Leben gibt", ohne über ein weiteres Treffen nachzudenken? Oder denkt ihr gar nicht an ihn, nach dem Motto "aus den Augen, aus dem Sinn"?

      Folgender Artikel hat mich bewogen diesen Thread zu eröffnen. Hier ein Zitat daraus, das ich ehrlich gesagt nur schwer nachvollziehen kann.

      ...Meine Partnerin hatte mich nach fast 11 Jahren verlassen. Von jetzt auf gleich. Nun, es kam genau so heraus, wie ich gesagt hatte. Sie war weg. Punkt. Es gibt kein nachtrauern. Was war, ist gewesen...

      Ist das für AS normal? Weg ist weg! Was war, ist gewesen! Punkt. Kein Nachtrauern, kein Bedauern, kein Vermissen? Oder habt ihr ganz andere Erfahrungen gemacht?
    • Ich trauer derzeit ziemlich stark. Das kommt Jahre später. Liegt vielleicht auch daran, weil ich grad Therapie mache und empathischer bin. Im Moment kann ich mich nicht so in meine Welt zurückziehen und dicht machen. Gefühle sind: Traurigkeit, Vermissen, Sehnsucht, Schuld bzw. Reue. Ich war vorhin beinahe am Heulen, wegen einem Freund den ich nicht mehr besuchte, weil ich etwas falsch verstanden habe bzw. ihn einfach nicht mehr besucht habe.
      When nothing goes right ... go left.
    • Romi wrote:

      Für einen AS scheint das überhaupt kein Problem zu sein. Wenn man zusammen ist, ist es gut. Wenn nicht, ist es auch gut. Ein AS scheint einfach sein Leben ohne den anderen weiterzuleben ohne an ihn zu denken, und wenn man sich wieder trifft, freut er sich trotzdem riesig.
      Ja, das beschreibt so ziemlich meine Erfahrungen.
      Ich habe kein Problem damit, dass man sich mal 1 Monat oder auch 1 Jahr nicht sieht und würde beim Wiedersehen immer gern dort anknüpfen, wo wir uns beim letzten Mal verabschiedet haben.
      Es klappt nur immer weniger im Laufe der Zeit. Die anderen Leute verändern sich rasant, ich habe dann manchmal das Gefühl, es wäre nicht mehr der selbe Mensch, auf den ich mich gefreut habe. Aber nach ein paar Tagen hat sich mein Weltbild über die Person dann ausreichend aktualisiert und dann ist es wieder wie früher.

      Ich denke relativ oft an die Personen, die ich so kennengelernt habe und dass ich sie gern mal wieder sehen würde. Aber einfach so hingehen oder gar anrufen fällt mir wahnsinnig schwer. Das Treffen muss dann auch schon einen weiteren Zweck haben und sei es nur eine Geburtstagsfeier oder ein gemeinsamer Kinobesuch.
      Trauern kann man es nicht nennen, wenn ich an schöne gemeinsame Zeiten denke. Vielleicht ein wehmütiges Erinnern.
      Mit zunehmenden Alter habe ich auch einfach nicht mehr die Nerven z.B. nach der Arbeit noch Jemanden zu treffen. Das Ruhebedürfnis wird größer.
      _,.-o~^°´`°^~o-.,_Ich ess Blumen...,.-o~^°´`°^~o-.,_
      Im Übrigen bin ich der Meinung, dass das Teilnehmer-Limit von Privatkonversationen verdoppelt werden sollte.
    • Vielleicht liegt es daran, dass Kontakte zu halten, anstrengend ist. Selbst nur eine Mail zu schreiben, ist ein großer Aufwand, es geht nicht so leicht von der Hand. Man weiß nicht, was man schreiben soll.

      Als Beispiel: ich habe zwei Schwestern, die ich im Großen und Ganzen gut leiden kann. Wir wohnen aber ca. 80 km entfernt, daher sehen wir uns nur alle paar Wochen mal, manchmal auch Monate. Wir haben alle den Wunsch, dazwischen mehr Kontakt zu halten, aber es funktioniert nicht. Meine Schwester hat whatsapp eingerichtet, aber da schreibt auch nur alle paar Wochen jemand was. Ich denke öfter mal, ich sollte was schreiben, aber mir fällt gar nichts ein. Nur wenn es einen konkreten Anlass gibt, wenn etwas geklärt werden muss, dann wird was geschrieben. Aber dazwischen nur sowas wie "hallo wie gehts, was machst du gerade", das erscheint uns wohl allen irgendwie sinnlos. Solange man nichts hört, wird schon alles in Ordnung sein.
      Alles wird galaktisch gut.
    • @Shenya's Beispiel mit ihren Schwestern trifft es sehr gut. Es gibt da schon ein paar Verwandte, zu denen ich gern engeren Kontakt halten würde und Leute, zu denen ich gern eine Freundschaft aufbauen würde, aber ich weiß nie so recht, was ich sagen/schreiben soll und ob das auch angemessen ist und am Ende lasse ich es dann lieber sein. Zumal ich auch immer befürchte, dass die mich womöglich gleich besuchen wollen oder mich zu sich einladen, was mir dann aber wieder sehr schnell zu viel wird. Das sind dann so Momente, wo ich mich wie in mir gefangen fühle. Ich würde zwar gern, aber AS grätscht mal wieder voll dazwischen und deswegen schaffe ich es einfach nicht, dauerhafte Freundschaften aufzubauen. :(
    • Interessantes Thema. Spricht mich direkt an, auch als nur VA.
      Bei mir ist es häufig so, dass ich tatsächlich Menschen von heute auf morgen aus meinem Leben streichen kann, ohne dass es etwas mit mir macht. Mir fehlt dann einfach nichts. Und ich bin da oft auch so hart, dass ein einfaches Grüßen im Vorbeigehen nicht mehr drin ist (mal abgesehen davon dass ich eh immer mit Musik in den Ohren und Blick nach unten unterwegs bin). Und wer einmal aus meinem Leben gestrichen wurde, kommt nicht mehr zurück. Das gilt für einige ehemalige Freunde/Bekannte sowie meine Familie. Die sind raus. Ok, manchmal dauert es, bis ich das mit meiner inneren Überzeugung zusammenbekomme, aber von Trauern etc kann da keine Rede sein. Es ist eher die Umstellung von Gewohnheit zu was anderem, so hatte ich es anfang des Jahres mit einer Freundin, die mich ziemlich enttäuscht hat, mit der ich aber nahezu täglich zumindest Whatsappkontakt hatte. Dieses tägliche Schreiben fehlte am Anfang schon, aber ich hab mich dran gewöhnt, dass es eben nicht mehr ist.

      Bei anderen kann ich zum Teil gut damit umgehen, sie nur alle paar Wochen/Monate mal zu sehen/sprechen bzw. hab eher ein Problem, wenn die sich zu häufig treffen wollen. Da müssen dann manchmal Ausreden meinerseits her, weil ich weiß, denen zu erklären dass mir das zu viel ist, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Sie würden es nicht verstehen/nachvollziehen können. Aber ich hab eben durch meinen Job den ganzen Tag mit Menschen zu tun und bin dann einfach nur noch froh alleine in meinen vier Wänden zu sein, weil mir so ein Arbeitstag eben unheimlich Kraft raubt.

      Es kommt auch höchst selten vor, dass ich jemanden anschreibe bei Whatsapp, wenn ich keine konkrete Frage oder Anliegen habe. Also insgesamt kann ich sagen, ich kann gut damit leben, Menschen die ich mag/mir wichtig sind nur alle paar Wochen zu sehen/hören und das selten die Initiative von mir ausgeht.

      Romi wrote:


      Für einen AS scheint das überhaupt kein Problem zu sein. Wenn man zusammen ist, ist es gut. Wenn nicht, ist es auch gut. Ein AS scheint einfach sein Leben ohne den anderen weiterzuleben ohne an ihn zu denken, und wenn man sich wieder trifft, freut er sich trotzdem riesig.
      Passt bei mir auch genauso.
    • Ich habe so eine Art eBrieffreundschaft mit einem Kommilitonen von mir.
      Wir schreiben uns eigentlich fast jede Woche, manchmal auch 2x die Woche, manchmal erst nach 2 Wochen wieder.
      Der Inhalt ist eben das, was wir seit der letzten Mail gemacht haben, sowohl privat als auch auf der Arbeit - da kommt Einiges zusammen!
      Oder was wir gerade in der Zeitung gelesen haben und wo Gedanken dazu aus dem Kopf raus wollen.
      Auf manche Themen kann ich direkt was antworten, andere werden nur gelesen und abgehakt.
      Ein NT ist er auch nicht, vielleicht klappt es daher so gut.
      _,.-o~^°´`°^~o-.,_Ich ess Blumen...,.-o~^°´`°^~o-.,_
      Im Übrigen bin ich der Meinung, dass das Teilnehmer-Limit von Privatkonversationen verdoppelt werden sollte.
    • Also das mit dem "nicht mehr an jemanden denken" trifft bei mir nicht zu. Ich denke oft an Personen, die ich nicht mehr sehe, es führt nur nicht dazu, dass ich Kontakt aufnehme. Was soll man da auch sagen? Ein Gespräch "einfach nur so", finde ich schwierig.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Das geht mir sehr ähnlich wie Shenya's und Windtänzerins Beispielen. Im Verwandtenkreis nicht unbedingt, aber ich habe zwei gute Bekannte (m/w) kennen gelernt, die allerdings sehr weit von mir entfernt leben. Freunde würde ich es gerne nennen, da ich es jedoch nicht schaffe mich regelmäßig zu melden, sind es wohl keine richtigen Freundschaften. Ich vermisse sie, aber einfach so anschreiben, das geht mir bei nicht. Ich weiss nie so recht was ich einfach so schreiben soll/kann/darf. Nur bei einem konkretem Anlass geht das, SmallTalk-Dinge sind schlicht unmöglich. :|
      Wenn allerdings die entsprechenden Personen von sich aus mich anschreiben (in WhatsApp oder so), schreibe ich auch etwas zurück - danach ist wieder Funkstille. :|
    • Romi wrote:

      ...Meine Partnerin hatte mich nach fast 11 Jahren verlassen. Von jetzt auf gleich. Nun, es kam genau so heraus, wie ich gesagt hatte. Sie war weg. Punkt. Es gibt kein nachtrauern. Was war, ist gewesen...
      Ist das für AS normal? Weg ist weg! Was war, ist gewesen! Punkt. Kein Nachtrauern, kein Bedauern, kein Vermissen? Oder habt ihr ganz andere Erfahrungen gemacht?
      Normal würde ich es nicht nennen, eher das es öfters so ist. Kenne genug NTs die genauso was machen.

      Ich persönlich kenne das aber auch von mir. Ist irgendwie schon komisch, wenn man drüber nachdenkt.
      Grüße aus der Pegasus Galaxie. :)
    • Shenya wrote:

      Vielleicht liegt es daran, dass Kontakte zu halten, anstrengend ist. Selbst nur eine Mail zu schreiben, ist ein großer Aufwand, es geht nicht so leicht von der Hand. Man weiß nicht, was man schreiben soll.
      So geht es mir auch. Auf der einen Seite möchte ich schon den Kontakt halten, aber es ist auch als VA sehr anstrengend für mich.
    • Habe ich vorhin glatt vergessen: Wenn ich temporär keinen Kontakt zu einem Menschen habe, vergesse ich ihn nicht einfach. Ich denke trotzdem an ihn. Wenn ich mich aber (aus welchen Gründen auch immer) von jemanden trenne (oder er sich von mir), dann trauere ich dem nicht groß hinterher. Dann ist das Thema für mich erledigt und fertig. Auch wenn jemand stirbt, trauere ich nicht groß (aber eine große Ausnahme gibt es; da trauere ich auch nach Jahren noch). Was aber nicht heißt, dass ich die Verstorbenen vergessen würde; ich erinner mich gern an gemeinsame Erlebnisse und denk an ihren Geburtstagen oder anderen besonderen Tagen an sie.
    • Puh, also bei mir ist, zumindest beim beenden einer Beziehung, eher das Gegenteil.
      Ich leide dann ziemlich bzw. litt (mittlerweile bin ich verheiratet).

      Ich habe/hatte eine beste Freundin. 25 Jahre lang.
      Dann zog sie weiter weg. Seitdem ist der Kontakt eingeschlafen. Sie führt jetzt ein anderes Leben. Bei uns passt dieses „auseinander gelebt“ perfekt.
      Ich finde es ok.
    • Ist bei mir auch so. Weg ist weg. Leute, die ich nicht oft sehe vergesse ich und mit denen schreib ich auch nicht.
      Wenn ich Menschen wiedersehe fühlt es sich an als wäre keine Zeit seit dem letzten Treffen vergangen.
      Ich kann gut Mitmenschen umgehen
    • @Romi

      Ich habe vor Kurzem das Verhalten bzw. die Gefühle überdacht, welche ich zu meiner Ursprungsfamilie habe. Dabei musste ich feststellen, dass ich bis vor Kurzem mich auch so verhalten hatte bzw. diese "Nicht-Gefühle" in mir waren. Ich lebe seit über 15 Jahren nicht mehr zu Hause. Wenn ich meine Familie besucht habe, war ich dort präsent, die Familie war für mich präsent. Sobald ich aber dort nach einem Besuch die Wohnung verlassen habe, war die Familie für mich quasi wie gestorben. Ich habe kein 'Gefühl' mit nach Hause genommen.

      Ich bin mir mittlerweile ziemlich sicher, dass ich aufgrund von Urängsten und Bindungstraumatisierung viele Jahrzehnte lang nicht fähig war, eine konstante Bindung zu Menschen aufrechtzuerhalten. War die Person außer Sichtweite, konnte ich vermutlich nicht mehr darin vertrauen, dass sie zurückkommt und habe sie deshalb quasi selbst ausgelöscht. Bewusst habe ich das nie so gemacht. Ich habe bis vor Kurzem auch nicht darüber nachgedacht. Es war einfach normal für mich. Meine Familie habe ich bis dahin nie vermisst. Ich vermute, dass das ein Mechanismus meiner Seele war, um die Ängste auszuhalten. Erst seit zirka einem Jahr hat sich das rückblickend schleichend verändert.
      Dann vor Kurzem bekam ich teilweise ganz schreckliche Ängste, dass meine Eltern sterben könnten. Als ich sie besuchte, waren die emotionalen Schmerzen fast unerträglich. Ich konnte mir dort nicht vorstellen, dass ich jemals wo anders gewesen war als dort. Als ich dann nach Hause gefahren bin, spürte ich immer häufiger ganz schlimme emotionale Schmerzen. Über die letzten Monate habe ich den Eindruck, dass meine Familie bzw. mein Heimatort wie eine Art "sicheres Gefühl" in mir verankert sind. Auch wenn ich mehrere Wochen nicht telefoniere oder mich nicht melde, habe ich das Gefühl, dass eine Art gedankliche Bindung bestehen bleibt. Ich vermute, dass das eine extrem starke Weiterentwicklung für mich ist.
      Ich weiß nicht, ob das direkt etwas mit Autismus zu tun hat oder eher bedingt ist durch die Traumatisierungen.

      In Partnerschaften tendiere ich mittlerweile leider zum anderen Extrem und habe eine starke Tendenz auch in der Fernbeziehung immer emotional präsent zu sein. Das ist so stark, dass ich mich teilweise selbst verliere und irgendwie zu vergessen scheine, dass ich selbst existiere. Das war auch schon bei einer Partnerschaft davor ähnlich. In den Partnerschaften davor war es anders.

      Generell würde ich aber sagen, dass ich nach einer Zeit langen Kontaktabbruchs oder einer Kontaktpause in der Regel kein Problem damit habe, genau dort einzusteigen, wo man sich vorher verabschiedet hat. Ich mag die Person noch genauso, auch wenn ich mich vorher wochenlang nicht gemeldet habe (bespielsweise bei Freundschaften bzw. Bekanntschaften). Mittlerweile gefällt es mir auch, durch Telefonate Freundschaften aufrechtzuhalten, aber früher war das für mich nicht interessant. Ich telefoniere sowieso nur extrem ungerne. Möglicherweise liegt das auch daran, dass die Person ja aus meinen Augen ist und dann ist es so ein krasser Einfall in mein Leben, die Person dann am Telefon zu haben, aber auch wieder nur so halb, weil sie ja dann nicht richtig da ist. Vielleicht habe ich mit diesem komischen Zwischenzustand beim Telefonieren Probleme.

      Das ist meine Sicht als Frau mit Asperger. Aus einer anderen Perspektive kann ich sagen, dass ich ein ähnliches Verhalten von einem Partner (möglicherweise mit autistischen Zügen) auch schon als extrem verletzend erlebte. Z. B. war ich mal in einer Partnerschaft, in dem ich trotz Fernbeziehung eine starke emotionale Nähe auch während der Zeit verspürte, in der man nicht zusammen war. Die Person erlebte das überhaupt nicht so. Als ich mich einmal beklagte, dass es mich verletzt, wenn das Handy einfach ausgeschaltet wird für mehrere Stunden bzw. Tage und ich die Person vermisse während der Tage oder teilweise sogar Wochen, wo man sich nicht sehen konnte, sagte sie mir sowas wie "wenn du weg bist, bist du weg. Dann gibt es dich für mich nicht" (so in der Art). Mich hat diese Aussage damals einfach extrem verletzt. :( Die Beziehung ging dann auch unter anderem deswegen zu Ende, weil ich so unter diesem Gefühl gelitten habe, während der "Nicht-Sehen-Zeit" so extrem ignoriert zu werden.

      Mittlerweile übe ich aber genau das Gegenteil, nämlich mich selbst besser abzugrenzen. Wenn ich dann tatsächlich die Person mal für ein paar Stunden "vergesse" (sie ist dann nicht präsent in meinen Gedanken) bekomme ich aber starke Schuldgefühle. Alles kompliziert. :yawn: :o
      Irgendwie bräuchte ich so ein Mittelding: Die wichtigen Personen sollten immer präsent sein, damit ich eine Art Sicherheit habe, aber es soll mich auch nicht so krass belasten, dass ich mir nicht anders zu helfen weiß, als Kontakte zu kappen. Generell ist es bei mir so, dass ich ees kaum schaffe, mehr als eine Person präsent in mir zu haben, wenn ich sie nicht sehe. So ist es z. B. schon schwierig, gleichzeitig eine innere Verbindung zu Partner und meiner Ursprungsfamilie aufrecht zu halten. Wenn dann auch noch eine Freundschaft oder Bekanntschaft dazu kommt, wird es total kompliziert und ich würde am liebsten eine Person davon "rauswerfen". :roll: :oops: Es fühlt sich dann so an, als könnte das mein Gehirn oder mein Ich nicht ertragen. :shake:

      Was das Ende von Partnerschaften betrifft, war es bei den früheren Partnerschaften so, dass die Person nach der Trennung für mich wirklich wie gestorben war. Mittlerweile weiß ich aber, dass ich die Person nicht liebte. Ein anderer Partner hatte mich so krass betrogen, dass ich mit diesem Menschen nichts mehr zu tun haben wollte. Da habe ich trotzdem sehr gelitten nach der Trennung, weil mich sehr viel verbunden hatte mit der Person. Ich habe aber weitere Kontakte unterbunden. Bei einer späteren Partnerschaft habe ich mehrere Monate danach ziemlich heftig gelitten und konnte überhaupt nicht loslassen. Das war die Person gewesen, die mir immer präsent gewesen war und dann sagte, wenn ich weg bin, existiere ich nicht. :|

      Ich glaube, dass bei mir dieses "aus den Augen, aus dem Sinn" abhängig ist von der Sympathie und Liebe ist, die man für eine Person empfindet bzw. wie wichtig einem jemand ist, aber auch davon, wie man gerade in seinem Leben aufgestellt ist. Und möglicherweise auch davon, ob man sowas wie Bindungsängste hat und wie gut man deswegen mit Bindungen klarkommt. Ich habe aber noch nicht so oft über das Thema nachgedacht. Das ist vermutlich noch etwas unvollständig. Ich finde es jedenfalls spannend.

      The post was edited 2 times, last by FruchtigBunt ().

    • Mir kam eben gerade beim Lesen der anderen Antworten ein Gedanke, der zum Thema passt. Zumindest für mich.
      Ich komme ja relativ gut klar, meine engeren Freundschaften Tage/Wochen/Monate lang nicht zu sehen ohne sie zu vergessen. Und ich habe bei diesen paar wenigen Menschen eben auch das Vertrauen, dass es ohne große Schwierigkeiten weiter geht wenn wir uns dann wieder sehen. Und vielleicht habe ich dieses positiv gestimmte Gefühl, weil ich im Alltag, speziell im Beruf, den ganzen Tag von Menschen umgeben bin. Also, dass ich dann keine Gesellschaft brauche, dass ich mich nicht verpflichtet fühle, meine Freunde trotz des sozialen Overloads zu treffen. Sodass im Umkehrschluss eben die Treffen mit meinen Freunden was besonderes sind, weil sie eben stattfinden, weil ich es will, nicht weil ich es muss.
      Dazu hatte ich vor kurzem einen Spruch im Internet entdeckt: "Ich mag Menschen, die alleine sein können. Weil sie selektiv sind. Sie wählen dich, weil sie mit dir zusammen sein wollen und nicht aus Notwendigkeit."


      Und so empfinde ich mich selbst. Ich kann gut alleine sein, aber ich kann die Zeit mit Freunden, die ich freiwillig wähle, durchaus auch genießen. Stresst mich zwar je nach Unternehmung auch, aber nicht so, wie die alltäglichen sozialen Situationen.


      Weiß jetzt nicht ob es für andere auch passend zu Thema ist, aber für mich passt es irgendwie schon.
    • Windtänzerin wrote:

      Wenn ich temporär keinen Kontakt zu einem Menschen habe, vergesse ich ihn nicht einfach. Ich denke trotzdem an ihn.
      Dann hast du es gut.^^ Oder auch nicht, je nachdem wie man es sieht. :d

      Windtänzerin wrote:

      Wenn ich mich aber (aus welchen Gründen auch immer) von jemanden trenne (oder er sich von mir), dann trauere ich dem nicht groß hinterher. Dann ist das Thema für mich erledigt und fertig.
      So soll es eigentlich ja auch sein.

      Windtänzerin wrote:

      Auch wenn jemand stirbt, trauere ich nicht groß
      Geht mir ähnlich, ich glaube bei meinem Hund wäre das wohl aber was anderes.
      Grüße aus der Pegasus Galaxie. :)
    • Ich habe das auch so bei meinem Mann( AS) erlebt . Wenn ich ihn fragte ,ob er traurig wäre ,wenn ich ihn verlasse,kam darauf nur : Na schön wäre das nicht ,aber das Leben geht weiter ,Reisende soll man nicht aufhalten .Das Thema wäre auch nach 18 Jahren durch *wumm.
      So etwas will ich als Nt-Frau überhaupt nicht hören . Ich bin ein Mensch ,der sehr emotional ist und auch trauert .Aber so empfindet er das nun mal .Mein Sohn ( auch AS) ist hingegen sehr emotional .
    • Romi wrote:

      ... Ein NT fragt sich dann, was dieses Schweigen bedeuten soll. ... Andererseits ist es aber so, wenn man sich dann nach Tagen, Wochen oder gar Monaten wieder trifft, dass ein AS sich verhält, als ob gerade mal ein Tag vergangen wäre.
      nix bedeutet es. Ich habe andere Dinge im Kopf. Alltagsbewältigung. Überlastungsvermeidung.


      Romi wrote:

      ... Oder denkt ihr: "Schön, dass es diesen Menschen in meinem Leben gibt", ohne über ein weiteres Treffen nachzudenken?
      ja


      Romi wrote:



      ...Meine Partnerin hatte mich nach fast 11 Jahren verlassen. Von jetzt auf gleich. Nun, es kam genau so heraus, wie ich gesagt hatte. Sie war weg. Punkt. Es gibt kein nachtrauern. Was war, ist gewesen...

      Ja, so ähnlich.



      Eingrenzen muss ich die Sache doch. An manche Menschen hânge ich mein Herz (heißt das so?), dann vermisse ich sie schon etwas. Denke an sie. Trauere bei Verlust. Aber lange nicht so, wie NTs es tun. Es wird über die Logik abgewickelt und rutscht nicht in Gefühlsduselei ab.
      Ich bin ne Ulknudel... aber ich kann auch ernst ^^