Meine Eltern meinen ich wäre nicht autistisch

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    • Meine Eltern meinen ich wäre nicht autistisch

      Meine Eltern meinen, dass ich nicht autistisch bin, weil ich ja alles ganz gut kompensieren kann. Aber ich finde mich einfach in einem Artikel über Autismus extrem wieder:

      autismus-kultur.de/autismus/as…drom-bei-erwachsenen.html


      In dem Artikel heißt es:


      "Asperger verstehen soziale Interaktionen nicht intuitiv – wir müssen das bewusst lernen, ähnlich einer Fremdsprache oder der Erforschung einer anderen Spezies."

      Das beschreibt genau meine Situation und was ich schon mein ganzes Leben lang versuche anderen zu erklären.


      " Und wir haben bei der Entschlüsselung dieser Rätsel enorme Leistungen erbracht – die leider niemand bemerkt. Denn anderen Leuten scheint es nie gut genug zu sein."

      Das ist auch genau das, was ich immer beschreibe. Ich habe das Gefühl mich extrem angestrengt zu haben, während dies für andere eine Selbstverständlichkeit ist und sie noch mehr von mir erwarten.

      " Manche Asperger-Autist*innen perfektionieren ihre Fähigkeiten im Laufe der Jahre so gut, dass sie praktisch nicht mehr als autistisch erkennbar sind.
      Das Problem: Der Preis dafür ist hoch. All diese Dinge müssen wir auf der Grundlage des Verstands und nicht auf der Grundlage von Intuition tun. Die ständige Anstrengung zehrt an den Kräften, Burnout und Depression können die Folgen sein."

      Das würde erklären warum ich nach 8 Stunden Schule schon depressive Symptome zeige und es mir ohne einen richtigen Grund nennen zu können in Gesellschaft nach einer Zeit richtig schlecht geht.


      " In einer Umgebung mit vielen Reizen (zum Beispiel Schule, Supermarkt) werden wir manchmal von der Menge an sensorischem Input überflutet: Alles ist zu viel, es fühlt sich sehr unangenehm an, wir können nicht mehr funktionieren."

      Dieses Gefühl der Überforderung habe ich jeden Tag.


      " Andere arbeiten sehr hart daran, so normal wie möglich zu wirken. Das erfordert große Anstrengung. Außerdem bleibt oft (bewusst oder unbewusst) das schlechte Gefühl, dass die anderen das wahre Ich nicht kennen und nicht mögen würden"

      Ich bin eigentlich permanent damit beschäftigt zu versuchen wie die anderen zu sein und kenne dieses Gefühl.

      "Es ist deprimierend, wenn es keinen erkennbaren Ort auf der Welt gibt, wo du dazugehörst. Wenn alle anderen automatisch wissen, wie sie sich in einer sozialen Situation verhalten sollen und du das Handbuch nie bekommen hast.
      Wenn man immer wieder versucht, Freunde zu finden, einen Job zu finden und zu behalten, unabhängig zu leben, das eigene Leben auf die Reihe zu kriegen, und dabei immer wieder scheitert, bekommt man das Gefühl, ein einziger Misserfolg zu sein."

      Das sind genau meine Gedanken, meine Gefühle.

      " Und natürlich löst es Angst aus, wenn die Außenwelt weitgehend unberechenbar und sensorisch schmerzhaft ist. Wenn Leute ständig von dir verlangen, dass du Dinge tust, die an den Grenzen der eigenen Fähigkeiten (oder jenseits davon) liegen (zum Beispiel ein Gespräch im Supermarkt, ein Telefonat, die Nutzung überfüllter Züge), du dir Mühe gibst, und trotzdem abfällige Reaktionen bekommst, dann löst das Angst aus."

      Das sind so sehr meine Empfindungen 8o


      " Ängste und Depressionen entstehen aus der Interaktion mit der Umgebung heraus. Deshalb kann eine autistische Person in einer Umgebung gut zurechtkommen, und in einer anderen zusammenbrechen."

      Das stimmt, ich merke wie abhängig ich von dem Verhalten meines Umfelds bin.

      Kann es denn wirklich so ein Zufall sein, dass ich mich damit total identifizieren kann?
    • Würde es funktionieren, wenn du deinen Eltern sagst, du willst es dennoch abklären lassen, auch wenn sie nicht daran glauben?
      Vielleicht auch mit Hilfe gerade dieses Artikels und deinen Gedanken dazu?
      Alles wird galaktisch gut.
    • Maja.010 wrote:

      Kann es denn wirklich so ein Zufall sein, dass ich mich damit total identifizieren kann?
      Das kann viele Gründe haben. Es gibt vieles, was für den Laien wie Autismus aussieht, aber im Gegensatz dazu gut behandelbar ist. Auf Basis eines einzelnen Artikels lässt sich jedenfalls keine belastbare Einordnung treffen. Auch die ganzen Online-Tests liefern nicht mehr als einen Verdacht. Letztlich liefert nur eine Diagnostik ein (einigermaßen) belastbares Ergebnis.

      Maja.010 wrote:

      Meine Eltern meinen, dass ich nicht autistisch bin, weil ich ja alles ganz gut kompensieren kann.
      Als Deine Eltern haben sie bestimmt auch Momente erlebt haben, wo die Kompensation nicht mehr funktioniert hat. Vielleicht sind ihnen diese nicht bewusst. Die perfekte Kompensation (über lange Zeit) gibt es jedenfalls nicht. Aber das wird ein Diagnostiker im Gespräch herausarbeiten.
    • Maja.010 wrote:

      Das ist auch genau das, was ich immer beschreibe. Ich habe das Gefühl mich extrem angestrengt zu haben, während dies für andere eine Selbstverständlichkeit ist und sie noch mehr von mir erwarten.
      Dieses Problem hatte ich auch immer, wo ich immer das gefühl hatte eine art Behinderung zu haben, aber weil ich ärztlich nichts vorweisen konnte, konnte ich dazu nie was sagen.
      Ich denke wenn man bei einem Arzt war und es dann quasi bestätigt hat, glauben einem andere mehr das man defizite hat, und gehen anders mit einem um.
      Das Problem ist nur oft, das man sich überlegen muss ob man das will, denn oft behandeln einen die Leute als wäre man geistig behindert und dumm, was bei vielen Aspies ja nicht so ist.
      Es gibt aber scheinbar nur diese zwei Behandlungsarten, man muss sich entscheiden was man will bzw was man aufsich nehmen will und leisten kann.
      Das ist sehr individuell und muss jeder für sich herausfinden.


      Maja.010 wrote:

      Das würde erklären warum ich nach 8 Stunden Schule schon depressive Symptome zeige und es mir ohne einen richtigen Grund nennen zu können in Gesellschaft nach einer Zeit richtig schlecht geht.
      Ist es für dich denn nicht möglich in der Schule dich auf den Inhalt der Stunde zu konzentrieren anstatt auf das Sozialverhalten der Leute?
      Ich mein in dem Fall ist ja ersteres wichtiger als zweiteres. Das zweite ist ggf erst in den Pausen wichtig.
      Ich hatte das damals so gehabt, ich hatte auch nur einen Schulfreund, mit dem ich manchmal nach der Schule zu ihm nachhause fuhr, aber da er auch eine Behinderung hatte verstand ich mich gut mit ihm, ich musste mich auch nicht im Verhalten verstellen.
      Das einzige Problem was ich damals öfter hatte war das ich nicht gut schlafen konnte, ich ging schon früher ins Bett, oft ca zwischen 9 und 10uhr abends weil ich ja um 6:30uhr aufstehen musste was echt an die Substans ging, und ich hatte trotzdem das Gefühl nicht genug Energie zu haben.
      Demnächst muss ich in diese Maßnahme wo herausgefunden werden soll ob ich für den ersten Arbeitsmarkt tauge, da muss ich auch wieder so früh raus, da hab ich jetzt schon nicht den Nerv für, ich weiß auch noch nicht wie sich das bei den Testungen und später an dem Arbeitsplatz zeigen wird, ob ich ständig müde bin oder sowas...
      Es würde meine Theorie bestätigen das ich für den 1. Arbeitsmarkt auch deswegen nicht geeignet bin, diese ganzen anderen sozialen Probleme mal ausgelassen.


      Maja.010 wrote:

      und dabei immer wieder scheitert, bekommt man das Gefühl, ein einziger Misserfolg zu sein."

      Das sind genau meine Gedanken, meine Gefühle.
      Dieses, genau dieses Gefühl hatte ich auch irgendwie mein Leben lang. Jemand meinte mal ich würde in Selbstmitleid baden.
    • Ich fange mal mit dem Ende deines Beitrags an:

      Maja.010 wrote:

      Kann es denn wirklich so ein Zufall sein, dass ich mich damit total identifizieren kann?

      Ja, könnte es. Aber...

      Maja.010 wrote:

      Meine Eltern meinen, dass ich nicht autistisch bin, weil ich ja alles ganz gut kompensieren kann.

      Ich habe schon häufiger gelesen, dass grade bei Frauen (unterstelle ich ob deines Nutzernamens mal) die Diagnose auch deswegen so schwer ist, weil die noch stärker Verhaltensweisen von Nicht-Autisten abschauen und deswegen "ganz normal" wirken.

      Nehmen wir mal den netten Herrn links unter meinem Nutzernamen als Beispiel: Kompensation funktioniert bei mir so gut, dass ich eigentlich höchstens drei Mal im Jahr wirklich einen Overflow habe. Zwischendurch kompensiere ich so "gut", dass in meinem direkten Umfeld bislang nur eine Person wirklich was gemerkt hat, und die hatte (familiär begründet) Vorwissen über Autismus und wusste, worauf sie achten muss.

      So, wie du nicht mit 100%iger Sicherheit Autismus bei dir selbst diagnostizieren kannst, können andere Leute - so nah sie dir sein mögen - zu 100% ausschließen, dass du Teil des Spektrums bist. Du kannst den Verdacht äußern, "betroffen" zu sein, deine Eltern den Verdacht, dass dem nicht so ist - wirklich feststellen kann das nur ein Profi.
      Bei (Rück-) Fragen oder Bezugnahme bitte zitieren oder mit @ anschreiben, sonst übersehe ich das. —— Searching Kim from PLZ 38...
    • Ich würde auch sagen, wenn DU selbser das Gefühl hast das du im Spektrum bist, dann lass es professionell überprüfen.
      Wenn die Ärzte die Eltern anhören wollen, sollen sie das auch tun, und fragen warum sie glauben das du nicht im Spektrum bist.
      Sollten sie zu jenen Eltern gehören die gewisse Dinge nicht als Krankheit abtun wollen (wie es ja häufiger mal vorkommt), würden das die Ärzte die sich damit auskennen auch erkennen und als solches abhaken. Die Ärzte erleben solche Aussagen selber auch nicht zum ersten mal.
    • Auch wenn es fies klingt, dir sollte es zu einem gewissen Teil egal sein was deine Eltern dazu denken. Ich meine damit nun nicht, alles über Bord zu werfen (Rw) sondern das du dich davon nicht zu sehr beeinflussen lassen solltest.
      Meine Mutter und ich nehme mal stark an, auch mein Vater, gehen damit nicht wirklich konform. Mein Vater wohl eher als meine Mutter, aber die ist immer noch fest der Meinung das das ja alles wieder wird und nur vorübergehend ist. :evil:

      Und über deine Frage: Zufälle sollen gut geplant sein. :d :fun:
      Spaß bei Seite, natürlich kann es sehr gut sein, dass du damit konform gehst. Das wird wohl auch der Grund sein, warum du hier bist.
      Grüße aus der Pegasus Galaxie. :)
    • @Maja.010
      Deine Situation kann ich nachvollziehen, also denke wg meinen erfahrungen. Ich habe praktisch mit jetzt 56 jahren eine "tadellose" autistenkarriere hingelegt, vorallem was meinen beruf betrifft, als Filmausstatter habe ich richtig gut aspergerisch? gearbeitet , war ja auch offensichtlich.
      naja , inzwischen bin sowieso grundberentet und arbeitsunfähig, das hat diverse Ursachen und ist o.k.
      also für mich , aber (wahrscheinlich) nicht für meine Eltern, seit einem Jahr versuche ich meiner ganzen Wahlfamilie mein notwendiges (als Zeuge vor Gericht) "outing" zu erklären, und erst jetzt , auch beim lesen hier dämmert mir worum es meinen Eltern geht. Sie machen sich schlicht Sorgen weil sie bescheid wissen,
      aber sogar ich habe es wohl intuitiv richtig gemacht und meinen Eltern den Elternfragebogen zur Diagnose einfach ungelesen geschickt und ihnen gesagt , das jede ihrer spontanen Einschätzungen dann auch richtig sind , ich es aber nicht vorher lesen will.
      ich kann das schlecht formulieren, weil ich auch ein wenig naiv bin, zum glück.
      aber vielleicht verstehst Du dass ich es gut finde wenn aus schlechten Erfahrungen gute werden, oha - so viele Erfahrungen , da muss man immer mehr gute machen LGTomi

      (was solls, meine Eltern lesen eh mit)
    • früher gabs Autismus nicht, da war einer so wie ich, und wandelte durch die Nacht- die war schön keine Sonne die blendet keine Menschen die stören , ich war nachts fast allein. ich bin ein Nachtmensch aber seit letztem Jahr bin ich laut Diagnose auch Autist, ich trau der Diagnose aber nicht so ganz, ich Zweifel daran, 1ne Expertin ist mir zu wenig, und experten zu einem Thema finden auch immer den Grund zu ihrem Thema, die können nix anderes diagnostizieren.
    • Maja.010 wrote:

      Meine Eltern meinen, dass ich nicht autistisch bin, weil ich ja alles ganz gut kompensieren kann.
      Darum wird in der Diagnostik ja auch sehr großen Wert auf die Kindheit gelegt - wo man eben noch nicht gelernt hat zu kompensieren.
      Also lass sie sich mal in Erinnerung rufen, wie Du so mit 5-6-7 Jahren warst. Am besten gar nicht mit dem Fokus auf fragen, sondern allgemein fragen, wie Du so als Kind warst, wie sie Dich wahrgenommen haben, was besonders auffiel - positiv wie negativ.

      Meine Mutter war auch der festen Überzeugung, ich wäre ein normales Kind gewesen, als ich wegen der Diagnose gefragt habe. Aber in den nächsten Monaten hat sie bei dem Thema Kindheit immer mal Dinge erwähnt, die das Gegenteil davon waren. Z.B mich irgendwo hochheben, damit ich besser sehen kann - ging gar nicht. Kaum waren die Hände an meinem Körper - *schrei*.
      _,.-o~^°´`°^~o-.,_Ich ess Blumen...,.-o~^°´`°^~o-.,_
      Im Übrigen bin ich der Meinung, dass das Teilnehmer-Limit von Privatkonversationen verdoppelt werden sollte.