Nachteilsausgleich bei Prüfungen

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    • Nachteilsausgleich bei Prüfungen

      Hallo,

      ich habe im Rahmen meiner Umschulung bald Abschlussprüfungen (ich hatte vorher noch nie Prüfungen) und möchte einen Antrag auf Nachteilsausgleich für die schriftliche Prüfungen stellen (separater Raum, mehr Zeit, etc.).

      Meine Fragen:

      1.) Hat jemand vielleicht Erfahrungen mit Anträgen auf Nachteilsausgleich?
      2.) Was kann (mit Chance auf Bewilligung) beantragt werden? An der mündlichen Prüfung komme ich nicht vorbei, will aber beantragen, eine Vertrauensperson mitnehmen zu können.
      3.) Meine ambulante Psychiaterin hat mir bereits Unterstützung zugesagt, allerdings werden dann wieder sämtliche Diagnosen aufgeführt, die sich durch die Asperger Diagnose als nicht zutreffend herausgestellt haben, aufgeführt und Asperger taucht nicht auf. Kann ich mich auch an die Autismus Ambulanz in Köln wenden, bei der ich damals diagnostiziert wurde oder ist das nicht möglich, weil die Diagnostik schon 2010 stattfand?

      Vielen Dank!
      Viele Grüße

      lilime
    • Hi,

      ich war heute bei einem Jobcoach und der hat mir empfohlen zumindestens fur Klausuren vom Arzt ein Attest ausstellen zu lassen. Da muss die Asperger Diagnose drin stehen und was genau man braucht. Also wie viel Zeit mehr und so. Das wäre für die Prüfung auch nicht schlecht.

      Als ich meibe Prüfung von der 2 Jährigen Ausbildung hatte, haben wir due Sachen, die ich wegen meiber Sehbehinderung brauche formlos an die Ihk geschrieben. Also meibe Ausbilderin. Das haben die ohne Probleme bewilligt. Wenn ich noch was gebraucht hätte, hätte meine Ausbilderin nur anrufen müssen.
    • Darf ich fragen, weshalb konkret es bei AS einen Nachteilsausgleich gibt? Bitte versteht das nicht falsch, das mag sehr sinnvoll sein, ich bin nur nicht so "im Thema". Ich bin hier ja quasi Gast, ich habe keine AS-Diagnose, sondern "nur" ADHS (und Depressionen und Sozialphobie). Und ADHSlern (und Depressiven und Soziophobikern) gibt die Uni Münster scheinbar keine Nachteilsausgleiche, weil eine Konzentrationsschwäche ein Zeichen "allgemeiner geistiger Eingeschränktheit" sei, die nicht zu kompensieren sei (einem Intelligenzmangel ähnlich). Da ich vorhabe, dagegen zu klagen, interessiert mich natürlich, welche Symptome einen Nachteilsausgleich nun rechtfertigen können.

      Ich habe einen fachärztlichen und einen therapeutischen Nachweis darüber, dass ich 30% mehr Zeit erhalten sollte. Ohne diesen möchte ich keine Klausur mehr schreiben.
    • Es sollte unstrittig sein, dass ein eventueller Nachteilsausgleich auf die betreffende Person und ihre individuellen Schwächen maßgeschneidert sein muss.
      Ein Vorgehen wie "AS = Prüfungszeitverlängerung" wäre komplett unsinnig. Es gibt z.B. auch hochbegabte Aspies, die derart fokussiert arbeiten können, dass für sie eher eine Prüfungszeitverkürzung angebracht wäre ;) .
      Umgekehrt erinnere ich mich an den Fall eines Aspies, der trotz großzügiger Zeitverlängerung schlichtweg den Prüfungsstoff nicht beherrschte. Dem hätte man auch die 10-fache Zeit geben können, davon wäre es nicht richtiger geworden...
      Hier auch noch ein Thread mit ein paar Eindrücken aus dem Prüfungsausschuss: Nachteilsausgleich an der Hochschule für Aspergerautisten
    • Ich könnte mir vorstellen, dass der Nachteilsausgleich bei AS eher darin bestehen könnte, dass man eine Studienzeitverlängerung bekommt, z.B. wenn man nur wenige Veranstaltungen besuchen kann, weil man sonst überfordert wäre. Oder wenn man nachweisen kann, dass einen das AS im Alltag so sehr einschränkt, dass man für vieles mehr Zeit braucht.

      Eine Prüfungszeitverlängerung halte ich, wie Anachronist, eher für unsinnig.

      Depressive bekommen (zumindest bei uns) auch standardmäßig eine Studienzeitverlängerung, weil sie eben nicht so zügig studieren können wie andere. Das müsste doch auch an der Uni Münster so sein? Hast du dich da schon mal ausführlich beraten lassen (Beratungsstelle für chronisch kranke Studierende)?

      Was du dazu brauchst, ist ein Attest, dass du durch die Erkrankung in deiner Studierfähigkeit eingeschränkt bist. Das heißt im Klartext: Die Erkrankung schränkt dich so sehr ein, dass du nicht so schnell studieren kannst wie andere und deshalb mehr Zeit brauchst. (Es heißt nicht, dass du zu dumm wärst zum Studieren - bitte nicht missverstehen!)
      Idealerweise wird das Attest vom behandelnden Psychiater / Neurologen / Psychotherapeuten ausgestellt. Ein kurzes Attest vom Hausarzt wird nicht so gern gesehen, denn das könnte auch ein Gefälligkeitsattest sein (was es durchaus auch gibt, Studienzeitverlängerungen sind begehrt).

      Dass man gezwungen ist, seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen, ist leider kein Grund für eine Studienzeitverlängerung. Aber wie jemand in einem anderen Faden schon schrieb, vielleicht hast du die Möglichkeit, an ein Stipendium zu kommen?

      Und ganz generell: Such dir auf jeden Fall Verbündete. Ich weiß, das ist nicht so einfach, wenn man sich sein ganzes Leben lang allein durchgekämpft hat (bzw. sich allein durchkämpfen musste), dann glaubt man, man schafft es auch weiterhin allein.
      Aber vielleicht findest du doch jemanden, der sich im Uni-Dickicht auskennt und für dich kämpft. Vielleicht der/die Beauftragte für chronisch kranke Studierende, vielleicht eine Frauenvertreterin, vielleicht eine nette Mitarbeiterin im Prüfungsamt, vielleicht dein Arzt. Irgend jemand wird sich finden :nod:

      Nicht verzweifeln!!

      Und gerade fällt mir noch ein: Ein möglicher Nachteilsausgleich bei eingeschränkter Studierfähigkeit könnte auch sein, dass man für Seminararbeiten, Abschlussarbeiten etc. längere Abgabefristen bekommt.
      Und noch ganz wichtig: Bitte immer die Fristen einhalten, Anträge auf Verlängerung etc. rechtzeitig stellen! Das ist gerade bei Studierenden mit Depressionen oft ein Problem, sie melden sich zu spät. Wer die Fristen verpasst, hat keine Chance, selbst wenn sein Antrag noch so gut begründet ist.
      (So, das war jetzt hoffentlich das letzte Edit...)
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      The post was edited 4 times, last by Bitteleise ().

    • Die Studienzeit ist bei uns tatsächlich gar kein Problem - zumindest in meinem Studium nicht :) Wir könnten auch fünfzig Semester studieren... Aber Fakt ist, dass vor mir schon Leute mit denselben Diagnosen eine Prüfungszeitverlängerung erhalten haben, demtensprechend betrachte ich mich durchaus als diesen gegenüber benachteiligt. Und eine Konzentrationsschwäche einem Intelligenzmangel gleich darzustellen, finde ich mehr als fragwürdig... :nerved: Mein Therapeut hat gesagt, dass Legastheniker die von mir erbetenen Nachteilsausgleiche erhielten - aber von einer Legasthenie bin zumindest ich "leider" weit entfernt (auch wenn er das nicht glauben wollte :d )
      Mein Arzt hat schon erwogen, dass wir dagegen Klage erheben, weil die Begründung nicht nachzuvollziehen sei und ADHSler mit einer Zeitverlängerung in Klausuren einen durch ihre Symptome erlittenen Nachteil ausgleichen könnten. Aber man kann ja nicht jede staatliche Institution verklagen... :nerved: (Familienkasse, Versorgungsamt/Bezirksregierung, die Uni Münster, das Land NRW... :d )
    • Versuchs mal hiermit:

      studentenwerke.de/de/content/n…gsverfahren-und-nachweise

      "Behinderung" gilt auch für GdB unter 50!

      Was @Anachronist schreibt, ist natürlich auch korrekt. Meist fällt den Verantwortlichen nur die Schreibzeitverlängerung ein, aber der Nachteilsausgleich sollte der Behinderung "ihren Stachel ziehen", und das bedeutet, er muss an die Beeinträchtigung angepasst sein (bzw. sollte).

      Und aufgrund eigener Erfahrungen kann ich nur @Bitteleises Beitrag und den letzten Abschnitt darin unterstreichen: Rechtzeitig beantragen!

      Viel Erfolg!

      Nachtrag: Nein, LegasthenikerInnen bekommen an einigen Hochschulen auch keinen NTA. Es scheint doch viel Willkür vorzuherrschen.....

      Aber die Gleichsetzung von Konzentrationsschwäche mit Intellektdefizit ist schon eine kognitive "Glanzleistung" :sarcasm: der Uni.....
      Wenn Wahlen etwas verändern würden, wären sie verboten :evil:

      The post was edited 1 time, last by Capricorn ().

    • Würde dir denn eine Prüfungszeitverlängerung helfen? Falls ja, dann brauchst du eigentlich nur eine gute, auf die Einschränkung bezogene Begründung.

      D.h. du (bzw. dein behandelnder Arzt) musst so genau wie möglich (und medizinisch fundiert) begründen, inwiefern deine Erkrankung bzw. deren Symptome dich beim Schreiben einer Prüfung beeinträchtigen und dazu führen, dass du länger brauchst als andere. Diese Begründung unterschreibt dein Arzt. Dann sollte es eigentlich funktionieren.

      Wie Anachronist schon sagte, mit AS ist das schwierig zu begründen - meistens sind die Betroffenen überdurchschnittlich schnell, nicht zu langsam.

      Depression könnte evtl. ein Grund sein.

      Dass deine Uni ADHS nicht anerkennen will und es als Mangel an Intelligenz darstellt, ist eine Frechheit. Kannst du dir von irgendwoher (Selbsthilfegruppen, Verbände?) Infomaterial besorgen, aus dem hervorgeht, dass ADHS nichts mit mangelnder Intelligenz zu tun hat? Vielleicht lassen sie sich umstimmen.

      Dass du so lange studieren darfst, wie du willst, ist übrigens ein großer Vorteil.

      Nachtrag: Der Link von Capricorn ist gut, genau das meinte ich. Sammle dir seriöse Infos, dass es für ADHS Nachteilsausgleich gibt bzw. geben sollte. Geh mit diesen Infos zum / zur Beauftragten für chronisch kranke Studierende (Stichwort: Verbündete) und besprich die Sache noch mal. Wenn du ihn / sie überzeugt hast, dürfte es nicht mehr so schwer sein.

      Und auch wenn es schwer fällt: Denk daran, dass die Verantwortlichen in der Uni-Verwaltung nichts gegen dich persönlich haben. Sie wollen dir nicht schaden. Für sie macht es keinen Unterschied, ob sie dir einen Nachteilsausgleich gewähren oder nicht; sie haben nichts davon, wenn sie ihn dir verweigern. Für sie ist nur wichtig, dass die Entscheidung den Vorschriften entspricht bzw. im Vergleich zum bisherigen Vorgehen nicht allzu sehr aus dem Rahmen fällt.

      Nochmals Nachtrag: Falls der / die Beauftragte für chronisch kranke Studierende auch nach Vorlegen von Infomaterial noch der Meinung ist, es sollte keinen Nachteilsausgleich geben, würde ich um eine ausführliche Begründung bitten.
      Und falls dann tatsächlich eine Begründung kommt, die einzelnen Punkte zu widerlegen versuchen, evtl. mit Hilfe des Arztes.

      Falls die Beauftragte der Meinung ist, dass du einen Nachteilsausgleich haben solltest, dann soll sie es mit dir zusammen durchfechten. Und auch da: Bei Ablehnung von Seiten der Uni um eine ausführliche Begründung bitten, die Argumente zu widerlegen versuchen. Was du gut begründen / erläutern kannst, wird selten abgelehnt.
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    • Ich habe bei meiner Hochschule einen Nachteilsausgleich. Von mir wollten die einen Schwerbehindertenausweis sehen. Es wurde mündlich abgesprochen, welche Einschränkungen ich in Prüfungssituationen habe und anhand dessen wurde mir Zeitverlängerung gewährt und ein Prüfungsraum, in dem nur bummelig 20 Leute und keine 200 sitzen. Die 200 sitzen jeweils im Großlehrsaal bzw. Sporthalle. Richtig super. Wesentlich ruhiger und stressfreier. Das ist genau das, was ich persönlich bei meinen Schwierigkeiten brauche. Bei dir kann das auch anders sein. Nachweise hätten zwar gefordert werden können, wurden aber nicht. Diagnose steht jedenfalls nirgends drauf.
    • Thimor wrote:

      Nachweise hätten zwar gefordert werden können, wurden aber nicht. Diagnose steht jedenfalls nirgends drauf.
      Passt auch, denn NTAs gibt es ja auch für "chronisch Kranke", doch sollte der beantragte NTA zur Erkrankung/Einschränkung passen.
      Wenn Wahlen etwas verändern würden, wären sie verboten :evil: