Arbeitshilfe bei der Beurteilung psychischer Erkrankungen im SGB IX

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    • Rhianonn wrote:

      oder der Psychiater hat eine nicht verifizierte Arbeitshypothese.....
      ....ja klar. - So eine richtig hohe Meinung habe ich nun auch nicht gerade von den psychiatrisch tätigen Ärzten.

      Aber ich gehe allgemein von der durchschnittlichen Indikation nach sorgfältiger (hoffentlich!) Diagnosestellung aus.

      Einzelfälle, die ganz anders gelagert sind, immer einkalkulierend.
      When you're hot, you're hot - and when you're not, you're not (Jerry Reed)
    • Danke, hatte ganz vergessen, darauf einzugehen.

      Weitgehender Verlust der Lebensfreude? Schon bei 50? Wie stellen die sich dann vor, was ist dann bei 100? Dauerhafte stationäre Unterbringung wegen kontinuierlicher Suizidalität aufgrund kompletten Lebensfreudeverlustes?

      Wir vermüllen zu Hause relativ stark, hat sich etwas durch Methylphenidat gebessert. Deutliches Chaos, können uns nicht von "Unwichtigem" trennen, manchmal wird Müll tagelang nicht entsorgt... (mein Freund ist mir da sehr ähnlich), der Garten ist verwahrlost - das ist dann doch ein Indiz für eine Schwerbehinderung (also 50-100)?

      Tagesstruktur haben wir auch nicht. Aufstehen irgendwann mittags bis nachmittags, ich liege nicht selten noch Stunden unproduktiv im Bett und kann mich zu nichts aufraffen.

      Wenn für 30-40 schon regelmäßige Hausarztbesuche als Indiz zählen, müssten die Einnahme dreier bis vierer Psychopharmaka und eine viereinhalbjährige, weiterhin fortgeführte Psychotherapie, die zu einer geringfügigen Besserung führten, dann doch klare Indizien für mindestens 50 sein, oder nicht?

      Kann man die Autoaggressionen bei Bestimmtwerden nicht auch als krankhaft, für einen hohen GdB sprechend werten? Hätte ich diese nicht (und die reichen bis zu deutlicher Selbstverletzung), hätte ich schon längst einen (teil-)stationären Therapieversuch unternommen. Aber alleine beim Gedanken an zwangsweise Urin- oder Blutkontrollen, Ausziehen vor Ärzten, Vorgaben, zu bestimmten Zeiten zu schlafen oder Dinge zu essen (erst recht "zu meinem eigenen Wohl" -> Trigger "Hauptschule", in die ich bei Bedarf von der Polizei gezerrt worden wäre), "koche" ich innerlich so sehr, dass ich schreien oder Möbel kaputtschlagen könnte..

      Auch fand ich in der Arbeitshilfe leider nichts zu Kündigungen/Jobproblemen, die nicht für eine komplette Erwerbsunfähigkeit/Notwendigkeit einer betreuten Tätigkeit ausreichen. Wenn ich bereits als Spülerin, als Verkaufshilfe, als Warenverräumerin, Garderobenaushilfe, als Produktionshilfe, als Nachhilfelehrerin, als Transkriptionistin, als Verkehrsbefragerin und in mehreren Callcentern arbeitete und dabei mehrere Kündigungen und oft Kritik einheimste, einmal unmittelbar nach Tätigkeitsbeginn einen Arbeitsunfall erlitt und auch meinen aktuellen Job auf meine Behinderung ausrichten muss (Arbeitszeiten, -pensum) und mehrfach behinderungsbedingt ausgefallen bin, muss das doch auch zählen? Auch Vollzeitarbeit wäre mir nicht möglich (womöglich in einem einen Studienabschluss voraussetzenden Job, aber solche stehen mir ja nicht offen). Da ich als Schülerin als Lektorin arbeitete, kam ich sehr gut zurecht - aber es gibt viele Lektoren, die selbst mit Dr. keine Anstellungen oder Aufträge finden.

      Man sollte die soziale Isolation, die Minderwertigkeitsgefühle, den starken Mangel an Sozialkontakten und den Kontaktabbruch zu den Geschwistern nicht vergessen...
    • Lissy wrote:

      Weitgehender Verlust der Lebensfreude? Schon bei 50? Wie stellen die sich dann vor, was ist dann bei 100? Dauerhafte stationäre Unterbringung wegen kontinuierlicher Suizidalität aufgrund kompletten Lebensfreudeverlustes?
      Ja, genau so.

      Ich würde an deiner stelle die wichtige Punkte auf dein Leben übertragen und so kurz wie möglich (vielleicht tabellarisch) ans Gericht bzw. via Anwalt ans Gericht schicken oder an den (Gut)Schlechtachter.
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      The post was edited 1 time, last by Capricorn ().

    • Capricorn wrote:

      Ja, genau so.
      Ich würde an deiner stelle die wichtige Punkte auf dein Leben übertragen und so kurz wie möglich (vielleicht tabellarisch) ans Gericht bzw. via Anwalt ans Gericht schicken oder an den (Gut)Schlechtachter.

      Eine Tabelle wäre sehr gut gewesen - mangelnde Prägnanz wird scheinbar nicht gerne gesehen... Leider hatte ich die Zusammenfassung schon abgeschickt. Zum Glück nur knapp vier Seiten, ich hoffe und denke, dass mein Anwalt daraus was Nettes "basteln" kann.


      Capricorn wrote:

      Inpulskontrollverlust?Das wird unter ADHS eingeordnet.

      Stimmt - aber wirklich als alleinig ADHS? Habe noch nie gelesen oder mitbekommen, dass ein ADHS-Betroffener so "austickt"...
    • Gut zu wissen - in der Theorie finden schwerwiegende Symptome ja weitestgehend diagnoseunabhängig Berücksichtigung. Ich erachte dieses Symptom schon als sehr gravierend.

      Gilt das mit dem weitestgehenden Verlust der Lebensfreude eigentlich für alle "psychisch Behinderten"? Insbesondere als Autist ist es doch möglich, teilhabebezogen stark eingeschränkt zu sein, aber auch gesellschaftsunabhängig ein gutes Maß an Lebensqualität zu behalten, oder nicht?
    • Das ist vielleicht individuell unterschiedlich stark, das Verhältnis Lebensfreude / Teilhabeeinschränkung.

      Aber wenn ich an starke Zwänge denke oder deutliche Depressionen oder Psychosen von einiger Dauer, da sinkt mit der Teilhabeeinschränkung schon sehr das Ausmaß an Lebensfreude.
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    • Ich muss noch mal betonen, dass die "Arbeitshilfe" nicht ausschließlich autistische Verhaltensweisen/Diagnosen einschließt.

      Es gibt ja noch einige andere psychische Beschwerdenbilder mehr.
      Auch bei Aspies.
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    • Capricorn wrote:

      Schwere Störung mit mittelgradigen sozialen Anpassungsschwierigkeiten", GdB hierfür 50-70
      Wie kann man denn nun begründen, dass man bei vorliegenden schweren Störungen mit mittelgradigen sozialen Anpassungsschwierigkeiten lieber den GdB 70 als den GdB 50 hätte? Also woran wird entschieden, ob es eher der obere oder der untere Wert wird?
      Surprised by the joy of life.
    • Einfach:: Je mehr, desto!

      Also je weniger gut oder nicht ohne Hilfen jemand im Alltag klarkommt, desto eingeschränkter wird der/diejenige betrachtet.

      Ab GdB 80 finden sich fast ausschließlich frühkindliche, nicht sprechende AutistInnen mit sehr hohem Unterstützungsbedarf an.

      Bei erwachsenen Aspies ist es wie mit der späten Diagnose: Meistens hat man sich - mehr oder weniger gut - bis ins Erwachsenenalter durchgeschlagen, was ja grundsätzlich schon mal eine Integrationsleistung darstellt. Also wird ein höherer GdB für Erwachsene schwer zu bekommen sein.


      Ich beispielsweise würde nachfragen, was alles an Hilfsprogrammen wie Pflegegrade, Ergotherapie, Autismustherapie (Sozialtrainings) oder ambulantes betreutes Wohnen so läuft.
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