Arbeitshilfe bei der Beurteilung psychischer Erkrankungen im SGB IX

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    • Arbeitshilfe bei der Beurteilung psychischer Erkrankungen im SGB IX

      In irgendeinem Thema hier hatte ich angeboten, einen Überblick über die so genannte Arbeitshilfe bei der Beurteilung psychischer Leiden zu geben.
      leider weiß ich nicht mehr wo und für wen, egal, ich schreib's jetzt auf und es darf lesen wer's möchte.

      Immer wieder wird diskutiert, ob es sich bei Autismus nicht um ein neurologisches Problem handelt und die autistischen "Störung"sbilder nicht besser bei den neurologischen Leiden eingruppiert werden sollten.

      Zum einen ist es jetzt de facto so, dass die ICD 10 die Autismus-Diagnosen bei den "F"-Diagnosen ansiedelt (seelische/psychische Leiden).
      Zum anderen haben Autisten ja keine rein neurologischen Probleme durch Asperger- oder Kannersyndrom - keine Sinnesausfälle (Auge/Ohr/Tastsinn...), keine Nervenlähmungen, keine MS.
      Die Schwierigkeiten entstehen durch kommunikative und Verhaltensauffälligkeiten, soziale Konflikte usw., und das sind Reizverarbeitungs- und Regulationsstörungen, die gehören definitionsgemäß zu den psychischen "Leiden".

      Jetzt zu den Bewertungskriterien:

      mehrere Fachärzte haben sich überlegt, ob und wie man Einschränkungen durch chronische seelische Leiden irgendwie vergleichen kann und welcher GdB für welche Einschränkung angemessen wäre.
      Die Ausführungen dazu - "Anhaltspunkte" und jetzt Versorgungsmedizin-Verordnung - sind knapp im Text, die Berichte der behandelnden Ärzte an die Versorgungsämter sind auch oft ultrakurz und kaum aussagekräftig, so dass den Berichten der Betroffenen selbst mehr Bedeutung zukommen sollte.

      Ein Arzt im Amt soll für die Einschätzung der Behinderung folgendes abfragen:

      geringe bis mäßige, aber noch nicht wesentliche Einschränkung der Erlebnis- und Gestaltungsfähigkeit, Lebensfreude bereits belastend eingeschränkt;
      leichte Beeinträchtigung der Alltagsbewältigung, der berufl. Tätigkeit oder in zwischenmenschlichen Beziehungen durch das Leiden;
      Kontakt zum Hausarzt oder Facharzt weg. der Störung, Indikation zur psychiatrischen oder psychotherapeutischen Behandlung je nach Umstand und Ausprägung evtl. gegeben = GdB 10 - 20


      Bei stärker behindernden Störungen sollten schon Ko-Erkrankungen und soziale Anpassungsstörungen beobachtbar sein.
      So heißt es:

      Lebensfreude erheblich bis stark eingeschränkt, der Leidensdruck ist deutlich;
      über die Zeitdauer sollten deutliche, zumindest mäßige Beeinträchtigungen der Alltagsbewältigung nachweisbar sein, auch im Beruf und/oder in den zwischenmenschlichen Beziehungen - z. B. sozialer Rückzug, Spannungen und Konflikte im unmittelbaren Bereich.
      Auch Fehlleistungen, die nicht durch mangelnde Intelligenz erklärlich sind, kommen vor.
      Zudem bestehen körperliche Beschwerden (Verspannungen, Schlafstörungen, Magen-Darm- und-Herz-Probleme) und die Indikation für eine Psychotherapie besteht eindeutig. Eventuell mit zusätzlicher Medikamentengabe. Der GdB beträgt dann 30-40.


      Hier mache ich erst mal Stopp, denn ich muss noch 27 Schafe scheren, die sonst wegen ihrer nassen Wolle nicht mehr vom Fleck kommen. :fun:
      Außerdem hat mein Bruder heute Geburtstag und will Party machen!
      Demnächst mehr bzw. es folgt der 2. und 3. Teil dieser Bewertungsrichtlinie.
      Wenn Wahlen etwas verändern würden, wären sie verboten :evil:
    • Das sind aber nicht die BMAS-Beiratsbeschlüsse sondern darunter liegende Kaffeekränzchenbeschlüsse, oder?
      Der interessantere Teil geht ja eh erst bei den 50 los. Ob das am Ende auch gegenüber mess- und beobachtbaren Behinderungen benachteiligt wird?
    • Waspie wrote:

      Das sind aber nicht die BMAS-Beiratsbeschlüsse sondern darunter liegende Kaffeekränzchenbeschlüsse, oder?
      Ich weiß, dass du viel Ahnung vom Thema hast, aber bitte nicht so despektierlich darüber schreiben!

      Es handelt sich um eine Arbeitshilfe.

      Die Beiratsbeschlüsse der leitenden Länderärzte und der Bundeswehrärzte hätte ich als solche kenntlich gemacht.
      Und diese Länder- und Bundärzte sind froh über die o.genannte Arbeitshilfe, weil sie auf dem Boden der VersMedV immer noch Bestand hat und eine wirkliche Arbeitshilfe für Ärztinnen und Ärzte im versorgungsmedizinischen Bereich darstellt.

      Außerdem habe ich geschrieben, dass ich aus Zeitmangel erst den ersten Teil dieser Arbeitshilfe hier einstelle.
      Ob der "interessantere Teil" wirklich erst ab 50 losgeht, ist zudem Betrachtungsweise.
      Wenn Wahlen etwas verändern würden, wären sie verboten :evil:
    • Wäre sie als Link verfügbar, hätte ich den Link gepostet.

      Im Prinzip beinhalten die Arbeitshilfen nichts anderes als das, was Richtlinien der jeweiligen Fachgesellschaften für eine qualitativ gute Untersuchung/Begutachtung vorschlagen.
      Nur dass zusätzlich die jeweiligen "Stufen" der Leiden den GdB in verschiedener Höhe zugeordnet sind.

      Daran ist nichts Geheimnisvolles oder Abgründiges - es hat sich nur jemand die Mühe gemacht, vergleichbare Bedingungen aufzulisten und diesen dann die passenden GdB zuzuordnen.

      FruchtigBunt wrote:

      ....gibst du gerade Behördeninterna raus?
      Trotz Smiley: mal wieder eine fruchtigbunte Unterstellung.
      Wenn Wahlen etwas verändern würden, wären sie verboten :evil:
    • Kleine Fortsetzung der Arbeitshilfe:

      "Schwere Störung mit mittelgradigen sozialen Anpassungsschwierigkeiten", GdB hierfür 50-70

      -Aufgrund weitgehenden Verlusts der Lebensfreude auch schwerer Leidensdruck; bei den schwereren Persönlichkeitsstörungen zeigt sich oft weniger offen dieser Leidensdruck, man findet dafür deutlich gestörte Beziehungsgestaltung im unmittelbaren und weiteren Umfeld.
      -Die Alltagsbewältigung sollte hier deutliche bis z.T. schwere Beeinträchtigungen aufweisen, die durchgängig vorhanden sein müssen (also z.B. über Jahre). Auch die privaten/häuslichen, die berufllichen und allgemein sozialen Aktivitäten sind hiervon betroffen.
      -Die Alltagsstrukturierung (was wiederum auf Punkt 2 einwirkt) ist nur mit großem Kraftaufwand oder mit Hilfe von außen möglich. Auch voll- oder teilstationäre Behandlungen sind bei dieser Ausprägung häufig und es ist eine ambulante psychiatrische bzw. psychotherapeutische Behandlung erforderlich. In der Regel ist hier auch die Indikation für Psychopharmakotherapie gegeben, wenngleich unter Umständen auch die Persönlichkeitsstörungen mit geringer Krankheits- und Behandlungseinsicht dazu gehören, die sich trotz Notwendigkeit der Therapie entziehen.
      -Am oberen Pol der Schweregradausprägung kommt schon die Betreuung für zumindest einige Aufgabenbereiche in Frage.


      Demnächst mehr, gehe jetzt erst mal Pilze sammeln ;)
      Wenn Wahlen etwas verändern würden, wären sie verboten :evil:
    • Capricorn wrote:

      Waspie wrote:

      Das sind aber nicht die BMAS-Beiratsbeschlüsse sondern darunter liegende Kaffeekränzchenbeschlüsse, oder?
      Ich weiß, dass du viel Ahnung vom Thema hast, aber bitte nicht so despektierlich darüber schreiben!
      Es handelt sich um eine Arbeitshilfe.

      Die Beiratsbeschlüsse der leitenden Länderärzte und der Bundeswehrärzte hätte ich als solche kenntlich gemacht.
      Und diese Länder- und Bundärzte sind froh über die o.genannte Arbeitshilfe, weil sie auf dem Boden der VersMedV immer noch Bestand hat und eine wirkliche Arbeitshilfe für Ärztinnen und Ärzte im versorgungsmedizinischen Bereich darstellt.

      Außerdem habe ich geschrieben, dass ich aus Zeitmangel erst den ersten Teil dieser Arbeitshilfe hier einstelle.
      Ob der "interessantere Teil" wirklich erst ab 50 losgeht, ist zudem Betrachtungsweise.
      Ja, ist etwas flapsig. Aber es ist ja schon die Frage ob das etwas Verbindliches ist oder ob das mehr ein Eigenprodukt und "Hobby" ist. Denn wenn es letzteres ist, dann wird das ja kaum ein Amt oder Gericht berücksichtigen, wenn man sie darauf hinweist.
      Der interessatere Teil deshalb, weil da die Schwerbehinderung losgeht. Aber ja, das ist Ansichtssache.
      Also nichts davon böse gemeint.
      Lass dir ruhig Zeit damit.
    • @Waspie
      Okay, Erklärung reicht:

      Waspie wrote:

      nichts davon böse gemeint - !
      Bei mir ja auch nicht.

      Verbindlich ist das SGB IX.

      Da die Ausführungen in der VersMedV aber in Bezug auf die psychischen Leiden ziemlich knapp sind und nicht alle im Versorgungsamt tätigen Ärztinnen und Ärzte Psychiater sind, ist die Arbeitshilfe sehr willkommen.
      Sogar im Sozialgericht wurde auf diese Arbeitshilfe Bezug genommen. Gerade die (interessierten) Sozialrichter sind oft dankbar, wenn die betreffenden Abschnitte in der VersMedV mit etwas Leben gefüllt werden.
      Wenn Wahlen etwas verändern würden, wären sie verboten :evil:
    • So, letzter Abschnitt von Teil I ("Neurosen", Persönlichkeitsstörungen, affektive Störungen, tief greifende Entwicklungsstörungen, Psychotraumata):

      "Schwere Störungen mit schweren sozialen Anpassungsschwierigkeiten (sehr selten) ........GdB 80-100

      -Gefühlsleben und Vitalität sind hochgradig eingeschränkt;
      -es entsteht ein Verlust der eigenständigen Alltagsstrukturierung und - bewältigung bis hin zur Verwahrlosung, so dass daraus die Notwendigkeit externer Hilfen (z.B. psychosoziale Betreuung) entsteht; in besonderem Umfang ( GdB 80-90) oder praktisch ständig ( GdB 100);
      -soziale isolierung, vorwiegend professionelle Kontakte (Arzt, Betreuer o.ä.)
      -nicht erwerbstätig oder allenfalls Tätigkeit in Werkstatt für angepasste Arbeit
      - psychiatrische Behandlung inkl. Psychopharmakotherapie stets vorhanden
      -häufig Bevollmächtigungen oder gesetzliche Betreuung für umfassende Aufgabenbereiche .................."

      Teil II beschreibt die Bewertung bei schizophrenen Psychosen.
      Der Text ist nochmal umfangreicher und spielt hier im Forum wohl keine große Rolle, deshalb spare ich ihn mir (und euch). Uff, bin echt geschafft.Gute N8cht.
      Wenn Wahlen etwas verändern würden, wären sie verboten :evil:
    • Capricorn wrote:

      (sehr selten)
      Soso. Sowas nennt sich dann "Arbeitshilfe". Theoretisch wird dann schon vorgegeben, wie häufig bestimmte Dinge vergeben werden dürfen. :shake: Aber gut, ist auch eine Art von Kostensteuerung, denn einen anderen Zweck wird dieser Hinweis nicht erfüllen. Wenn der Behandler die Einschränkungen der Teilhabe auflistet und es ist eine Einschränkung aus dem Bereich von GdB 80 - 100 dürfte es ja vollkommen irrelevant sein, ob das häufig ist oder nicht. Wichtig ist, ob es in dem Fall vorkommt oder nicht. :shake:

      The post was edited 2 times, last by FruchtigBunt ().

    • Capricorn wrote:

      Natürlich nicht, denn damit ist gemeint, dass diese schwere Ausprägung der Erkrankung relativ selten ist.

      Gute Nacht.
      Das ist doch vollkommen irrelevant, ob eine Erkrankung selten ist oder nicht. Es ist doch das zu beurteilen, was da ist oder siehst du das anders? :roll: Oder soll der Hinweis "selten" den Sachbearbeitern dabei helfen, einzuschätzen, ob die Feststellungen der Behandler eine Lüge sind oder nicht? :roll: Ich verstehe das wirklich nicht, wozu dieser Hinweis gut sein soll (außer zur Kostensteuerung).
    • liest sich deprimierend (80-100). Aber danke fürs einstellen, ist interessant nach was geguckt wird.


      Ich nehme an dass "selten" einfach nur ein Hinweis von Capricorn an die Leser hier ist. Meine Güte machst du immer einen Stress.
      Außerdem stimmt es dass es selten ist, sieht man an der Umfrage nebenan Umfrage - Welchen GdB habt Ihr? (wobei da ja nicht nach speziell GdB wegen psych. Erkrankungen gefragt wird). Da haben 80-100 nur 5 Leute. 50-70 haben dagegen 30 Leute.
    • Neoni wrote:

      Ich nehme an dass "selten" einfach nur ein Hinweis von Capricorn an die Leser hier ist.
      Das denke ich nicht. Dann hätte es @Capricorn doch als eigene Anmerkung gekennzeichnet.


      Neoni wrote:

      Außerdem stimmt es dass es selten ist
      Ich habe ja auch gar nicht in Abrede gestellt, dass es selten ist, sondern nur, dass ich es merkwürdig finde, dass sich eine solche Anmerkung in einer Arbeitshilfe befindet.