„Sieht aus wie Autismus, ist es aber nicht“ - Was kann es sein?

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    • Als Kind hatte ich mir das mit meiner Intelligenz erklärt.
      Ich war ja schon mit 8 Jahren beim Psychiater und Schulpsychologen.
      Der Knackpunkt war, dass andere schlaue Leute nicht die Probleme hatten, welche ich meiner Intelligenz zuschrieb. Das war ein Erkenntnisprozess.
      „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“
      (Aristoteles, griechischer Philosoph, 384 - 322 v. Chr.)
    • Ich meine ja nicht „anders“ im Sinne jeder Andersartigkeit. Jeder ist ja anders.
      Sondern genau das, was ich weiter präzisierte:

      Cloudactive wrote:

      Ich finde schon, dass zu Autismus das Gefühl der Andersartigkeit gehört.
      Das ist mMn das zentrale Element.
      Es ist genau dieses „irgendwas stimmt nicht, aber was genau, kann man kaum in Worte übersetzen.“
      Eine Andersartigkeit von besonderer, spezifischer Qualitätsart.
      „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“
      (Aristoteles, griechischer Philosoph, 384 - 322 v. Chr.)
    • Pummelchen wrote:

      Und wenn man sich als Diagnostiker nicht so sicher ist, sagt man vielleicht eher nein, als noch weitere Termine mit Diagnostik zu verbringen, weil es ja für die gesamte Diagnostik nur eine Pauschale gibt und eben nicht unendlich Zeit dafür ist.
      Das könnte ich mir auch vorstellen. Es wäre unendlich viel Zeit dafür, aber leider spielt Wirtschaftlichkeit vermutlich auch bei der Diagnostik eine Rolle. Ich verstehe es trotzdem nicht, wie man "nein" sagen kann, wenn man sich nicht sicher ist. Wenn man sich nicht sicher ist, gehört es meiner Meinung nach erst recht weiter abgeklärt. Generell finde ich, dass man sollte offen zugeben sollte, dass man sich des- und deswegen nicht sicher ist und wenn alle anderen Möglichkeiten (auch weitere Fachgebiete, die Diagnostik betreiben) zu keinem Ergebnis kommen, aber ein klinisch relevanter Leidensdruck da ist, dann sollte meiner Meinung nach auch in Erwägung gezogen werden, offen mit dem Patienten zu diskutieren, ob er eine Diagnose möglicherweise für irgendwelche Ämter braucht. Denn im Prinzip steht es dann auf der Kippe, wieso sollte man dann nicht schauen, wie man dem Patienten am Besten helfen kann?

      Sinnvoll fände ich vorher auch, wenn man an weitere Ambulanzen oder Gebiete verweisen würde, um zu sagen, was man ansonsten abklären lassen sollte und den Klienten danach mit dem Bericht von dort wieder einzubestellen. Dabei sollten sich die Diagnostiker aber austauschen, denn sonst geht man erst zur Autismus-Diagnose, da heißt es dann "es ist wahrscheinlich eher was in Richtung soziale Phobie". Lässt man dann die soziale Phobie von einer Spezialistin abklären, heißt es womöglich, dass das eher was in Richtung Persönlichkeitsstörung ist und lässt man das wiederum abklären, kommt vielleicht wieder der Verdacht auf Asperger zutage. Der Klient wird hin- und hergeschickt, aber meiner Meinung nach total alleine gelassen, weil sich die einzelnen Diagnostiker nicht unterreinander kurzschließen bzw. offenbar überhaupt keine Handhabe besteht, was man mit Personen tut, die nur teilweise Kriterien von verschiedenen Störungen erfüllen, aber dennoch einen Leidensdruck haben. Wenn dann jedes Spezialgebiet sagt "ja, Sie haben Probleme, aber DAS haben Sie nicht" und man weggeschickt wird... was soll das bringen? :shake:
      Es muss sich dann doch mal jemand verantwortlich dafür fühlen, alle Ergebnisse zusammenzutragen und eine Entscheidung zu treffen, die Hand und Fuß hat und mit der Klient dann auch an Hilfsangebote und Therapiemöglichkeiten kommt. Das ist meiner Meinung nach das Wichtigste. Leider kommt man ohne Diagnosen an diese Angebote meines Erachtens nach nur schlecht dran.

      The post was edited 1 time, last by FruchtigBunt ().

    • FruchtigBunt wrote:

      Warst du damals auch an der Ambulanz in Köln? War das wirklich eine Ärztin oder eine Diplom Psychologin? Ist die noch an dieser Ambulanz tätig?
      Ja, ich war in Köln.
      Es war eine Ärztin. Dazu kam in einem anderen Termin noch der Professor V.
      Sie arbeitet nicht mehr an der Uniklinik in Köln.
      Mittlerweile habe ich häufig mit verschiedenen MitarbeiterInnen gesprochen und niemand hat mich wieder "rausgeworfen", also sind sie sich wohl einig :fun:


      FruchtigBunt wrote:

      [...] offen mit dem Patienten zu diskutieren, ob er eine Diagnose möglicherweise für irgendwelche Ämter braucht. Denn im Prinzip steht es dann auf der Kippe, wieso sollte man dann nicht schauen, wie man dem Patienten am Besten helfen kann?
      Das sehe ich kritisch. Es ist schließlich kein "Wunschkonzert". Wenn man Hilfe für die Ämter benötigt, dann kann man auch beim überweisenden niedergelassenen Arzt Atteste usw. bekommen, die Hilfsbedürftigkeit auch mit anderen Schlüsseln belegen können. Die Diagnose auszuschließen bedeutet nicht per se einem Hilfe zu verweigern. Man muss außerdem beachten, dass es in erster Linie eine Diagnostikstelle und keine Therapieeinrichtung ist, auch wenn man gern mehr Therapeutische Angebote vorhalten würde (da wirds dann zum Finanzierungsproblem).

      FruchtigBunt wrote:

      Sinnvoll fände ich vorher auch, wenn man an weitere Ambulanzen oder Gebiete verweisen würde, um zu sagen, was man ansonsten abklären lassen sollte und den Klienten danach mit dem Bericht von dort wieder einzubestellen.
      Solche Verweise fände ich auch sinnvoll. Aber auch hier gibt es dann den niedergelassenen Psychiater, der das koordinieren sollte. Deswegen gibt es auch auch den Bericht, damit auch der Bescheid weiß.

      FruchtigBunt wrote:

      Es muss sich dann doch mal jemand verantwortlich dafür fühlen, alle Ergebnisse zusammenzutragen und eine Entscheidung zu treffen, [...]
      Auch hier: der überweisende Arzt. Das mit den Überweisungen ist nicht nur dazu da, um Patienten zu ärgern und Mehraufwand zu betreiben (oder Menschen daran zu hindern, in die Spezialsprechstunde zu kommen).
    • FruchtigBunt wrote:

      Es muss sich dann doch mal jemand verantwortlich dafür fühlen, alle Ergebnisse zusammenzutragen und eine Entscheidung zu treffen, die Hand und Fuß hat und mit der Klient dann auch an Hilfsangebote und Therapiemöglichkeiten kommt. Das ist meiner Meinung nach das Wichtigste. Leider kommt man ohne Diagnosen an diese Angebote meines Erachtens nach nur schlecht dran.
      Das wäre dann wohl die Aufgabe des "normalen" Psychiaters, bei dem man in Behandlung ist. Spezialambulanzen prüfen halt nur eine Störung.
    • Capricorn wrote:


      (Paul Watzlawik sagte mal: "Man kann bei der Auswahl seiner Eltern nicht vorsichtig genug sein" :lol: )

      Ich hab zwar keine Ahnung, wer Paul Watzlawik ist, aber der Mann hat ganz gewiss Recht.
      "In das Popcorn, das Sie gerade essen, hat wer reingepisst!" (Kentucky Fried Movie)


      "Sind Sie Polizisten?" "Nein, Ma'am. Wir sind Musiker!" (The Blues Brothers)
    • Meso wrote:

      Es wurden folgende Untersuchungen zur Erfassung des kognitiv-mnestischen Leistungsniveaus durchgeführt: Wisconsin-Card-Sorting-Test (WCST-64), Memo-Test, Wechsler Intelligenztest, Aufmerksamkeits-Belastungstest (02), Traii-Making-Test (TMT), Contralied Oral Word Association Test (COWAT), Wortschatztest (WST). Es wurden folgende Untersuchungen zur Objektivierung psychopathalogischer Verhaltensmerkmale durchgeführt: Theory-of-Mind-Test (Augen-TOM-Test), Autismus-Quotient, Tests zur sozialen Kognition (EQ, SQ), Beck-Depressions-lnventar (BOl).
      (...) Psychopathalogisch finden sich Hinweise auf eine autistische Symptomatik bei auffällig schwach ausgeprägten empathischen Fähigkeiten sowie auffällig stark ausgeprägten analytischen und konstruktiven Fähigkeiten. Bezüglich der sozialen Kognition liegt der erreichte Wert im grenzwertigen Bereich.
      Diese Tests haben alle ihre Qualitäten. Mal mehr, mal weniger spezifisch oder sensitiv.
      Das Beck'sche Depressions-Inventar (BDI) z.B. ist ein reiner Selbstbeurteilungsfragebogen. So etwas eignet sich zum Beispiel bei Aufnahme in einer Spezialklinik und dann wieder zum Abschluss der dortigen Behandlung.
      Wenn sie gut war, sollte es im Selbstbeurteilungsbild eine erkennbare Besserung geben.

      Ansonsten gilt der ADOS (noch) als der beste verfügbare standardisierte Test. Und das trotz aller berechtigter Kritik!

      Alles zusammengesehen jedoch ändert nichts an der Tatsache, dass eine Autismusdiagnose im Grunde eine "klinische" Diagnose ist. Sie wird gestellt aufgrund längerfristigerer Beobachtung des Probanden und beruht auf viel Erfahrung beim Diagnostiker (ich sollte schreiben "Sie sollte gestellt werden...").
      Oder es läuft so:

      Meso wrote:

      Da sich der Diagnostiker nicht sicher war, wurde ich ich zu einem dritten Termin eingeladen, bei dem eine Testung statt fand.
      Wahrscheinlich sind sich alle hier schreibenden User einig, dass es so klingt, als sei bei @Meso nicht alles optimal gelaufen.

      Die Frage ist: Was macht das mit einem? Wie kann man sich darauf eingrooven? Geht das überhaupt? Wo bekommt man weitere Infos, wenn Autismus nicht "passt"?
      Sollte man Köln oder anderen Diagnostikstellen (auch Niedergelassene machen ja manchmal seltsame Sachen!) eine Rückmeldung geben? Wie könnte die aussehen?
      Wenn Wahlen etwas verändern würden, wären sie verboten :evil:
    • Hmmm echt schwierig was zu raten. Anscheinend befindet sich Meso in einem Überlappungsbereich zwischen mehreren Störungen. Aber AS scheint am besten zu passen.
      Es ist aber schon irgendwie irritierend, weil es zeigt halt echt, wie unsicher und vage das alles ist. Vielleicht sollte sie es auspendeln lassen... (Scherz).
      Es hat jetzt halt ein Arzt irgendetwas bei ihr bemerkt, was auf ihn AS-negativ wirkte. Aber andere sahen das anders, und man räumt ein, dass auch noch eine zweite Positiv-Diagnose woanders möglich wäre... also wäre dieser eine doch quasi überstimmt :roll: (ich weiß dass es keine Abstimmung ist, aber an irgendwas muss sie sich ja nun halten)

      @Meso Die Frage zu Schizophrenie noch, vom Startbeitrag: Ja gibt es ohne Wahn, zb die hebephrene Schizophrenie, aber ich erlebte die Leute da eher so aufgedreht, dramatisch, läppisch. Und die Fähigkeiten den Alltag zu bewältigen waren recht gering (Planung, Aufräumen ect). Ist aber nur mein Eindruck! Bin kein Experte. Denke aber, das wäre schon vorher aufgefallen.
      In dieser einen Tabelle der Differenzialdiagnosen zu AS, steht auch Schizophrenia simplex. Keine Ahnung was das ist.
      Dann gibts noch die Schizophrenie-nahen Persönlichkeitsstörungen (schizoide PS und schizotype PS).
      Vielleicht hilft dir das weiter (falls du es nicht eh schon kennst "Diagnostik und Differenzialdiagnose des Asperger-Syndroms im Erwachsenenalter"
      aerzteblatt.de/archiv/148614/D…droms-im-Erwachsenenalter )

      Gehst du denn zu einem Psychiater (zb wegen Depression/Medikamenten)? Dann könntest du das klären. Oder eben wenn du eine neue Therapie in der neuen Stadt machst. Sozialpsychiatrischer Dienst oä, wenn du nicht deswegen eine ganze Therapie machen magst... oder du legst dich halt auf AS fest?
    • Neoni wrote:

      "Diagnostik und Differenzialdiagnose des Asperger-Syndroms im Erwachsenenalter"
      aerzteblatt.de/archiv/148614/D…droms-im-Erwachsenenalter )
      Danke für den Artikel, sehr interessant:

      Sonst habe ich noch folgendes gefunden:

      https://www.aerzteblatt.de/archiv/63173/Das-Asperger-Syndrom-im-Erwachsenenalter wrote:

      Schwierig kann die differenzialdiagnostische Abgrenzung zur schizoiden und schizotypen Persönlichkeitsstörung sein. Bei beiden Störungen ziehen sich Betroffene aus zwischenmenschlichen Beziehungen zurück, sie sind in der Regel Einzelgänger. Der schizoide Typus besitzt eine emotionale Verflachtheit beziehungsweise Gleichgültigkeit, eine affektive Distanziertheit und eine verminderte Fähigkeit zur Freude. Die schizotypische Persönlichkeitsstörung ist gekennzeichnet durch ein „skurriles“ Verhalten mit oft magischen Denkinhalten und einem misstrauischen bis paranoiden Beziehungserleben. Beiden Störungen fehlen die für das Asperger-Syndrom typischen eingegrenzten Spezialinteressen sowie die Neigung zu stereotypem Verhalten.

      Auch schizophrene Psychosen können mit einem sozialen Rückzug und einem Mangel an Empathie einhergehen. Wichtige Unterscheidungsmerkmale sind Denkstörungen und Halluzinationen, die für die Schizophrenie charakteristisch sind. Die Symptomatik des Asperger-Syndroms kann man bereits im frühen Kindesalter beobachten, wohingegen zum Beispiel die hebephrene Schizophrenie meist nicht vor dem Jugendalter einsetzt. Der Erkrankungsbeginn ist auch wichtig bei der differenzialdiagnostischen Abgrenzung zu der ohne produktive Symptomatik einhergehenden Schizophrenia simplex.

      Insbesondere bei Frauen ist eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typus differenzialdiagnostisch abzugrenzen, da bei diesem Krankheitsbild ebenfalls Schwierigkeiten bezüglich der Empathiefähigkeit und des Erkennens nonverbaler Signale bestehen. Jedoch treten dabei meist starke Stimmungsschwankungen auf, wohingegen Spezialinteressen und das ausgeprägt rationale Denken in der Regel fehlen.
    • Hallo @Meso

      ich würde vorschlagen, zunächst mal zu analysieren, was Du brauchst und möchtest. Welche Konsequenzen welche Diagnose hat. Ob Du damit leben könntest, es eben nicht genau zu wissen.
      Damit meine ich nicht, dass Du Dir eine Diagnose raussuchen sollst.

      Wenn Du eine Autismus-Therapie beantragen willst, wäre eine eindeutige Diagnose schon von Vorteil. Wenn Du Dich gar nicht autistisch fühlst, und auch ansonsten wenig Probleme hast und nirgendwo irgendwas beantragen willst, ist es doch eigentlich egal.

      Während eines stationären Aufenthaltes hat mal ein Psychiater zu mir gesagt: Wir behandeln hier keine Krankheiten oder Zustände, sondern Menschen.

      Das ist m.E. wesentlich. Du bist möglicherweise Autistin, aber vor allem bist Du ein Mensch mit Bedürfnissen und Problemen. Die Zielsetzung sollte vielmehr sein, deine Bedürfnisse zu erfüllen und deine Probleme zu lösen, anstatt dich mit einer Diagnose zu beschriften. Verstehst Du was ich meine?
      Wenn es Dir ein dringendes Bedürfnis ist, genau zu wissen, was los ist, rate ich Dir, eventuell doch noch eine dritte Meinung einzuholen. Und ich kann empfehlen, so viele Biographien von Autisten zu lesen wie möglich. Du spürst irgendwann, ob es so ist oder nicht.

      Ich persönlich habe eine Weile gebraucht, um das alles zu verarbeiten und richtig zu kapieren. Zwischendurch habe ich mich ab und zu gefragt, ob die Diagnose stimmen kann - vermutlich, weil ich mich dagegen gewehrt habe und ein zu lösendes Problem einer tiefgreifenden Entwicklungsstörung vorgezogen hätte - aber inzwischen habe ich mein autistisches Gehirn akzeptiert und arbeite daran, mit mir und der Welt zurecht zu kommen. Manchmal fühle ich mich gar nicht autistisch, z.B. wenn ich alleine bin, dann bin ich eben einfach ich. Im Umgang mit anderen Menschen merke ich aber die Unterschiede.

      Wie fühlst Du Dich denn? Kannst Du Deine Situation von außen betrachten, und herausfinden, was das Kernproblem ist? Ich glaube, je länger Du darüber nachdenkst, desto verwirrter bist du. Fang noch mal von vorne an und vielleicht machst Du eine Liste oder eine Übersicht (mir würde das sehr helfen, vielleicht Dir auch).
      Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein.
      (Albert Einstein)
    • Ich kann für mich sagen: Ich brauche eine Diagnose. Ich kann für mich selbst nur abschließen im Denken, wenn ich weiß was es ist. Und dafür muss es für mich auch passen. Ich weiß nicht genau warum es für mich so ein extrem dringendes Bedürfnis ist, aber ich muss Gewissheit haben. Ich kann auch nicht damit umgehen, zu Leuten zu sagen: Ich bin anders mit X,Y,Z ...... und dann zu sagen, dass aber keiner weiß, weshalb ich psychisch Krank bin.
      ...in der Diagnostik... :nod:
    • Hallo @Aspielle

      vielen Dank für deine Nachricht. Wenn ich keine Probleme hätte und mich nicht seit Kindheit an nicht zugehörig fühlen würde, dann würde ich mich nicht damit beschäftigen und hätte diese Frage nicht gestellt. Mein Wunsch ist es, an meiner Situation und an mir etwas zu verbessern, da ich gerne in meinem gewünschten Bereich arbeiten möchte und somit auch ein eigenständiges Leben führen kann. Es gibt auch private Probleme, so wie ich mir mehr Kontakt zu anderen wünschen bzw. eine/n gute/n Freund/in gerne in meinem Leben hätte. Bis zu meinem Umzug Ende August war ich in therapeutischer Behandlung bei der PIA und bei einer Verhaltenstherapeutin, die auch einen Schwerpunkt Asperger hatte. In der neuen Stadt soll ich die Therapien fortführen bzw. erachte das als selbst sehr sinnvoll, damit ich meine Ziele erreichen kann. Nur stellt sich mir die Frage, nach welcher Art von Therapie ich eigentlich suchen soll. Ich hatte in der Vergangenheit leider auch schlechte Erfahrungen in Therapien gemacht, habe mich abgestempelt gefühlt oder wurde in etwas gedrängt, wie gefühlskalt zu sein, bei dem ich mich nicht wieder finde. Denn ich bin alles andere als gefühlskalt. In meiner Jugend wurden meine Probleme auf eine Hochbegabung geschoben. Aber ich habe dann gelernt, dass die gar nicht so meine Probleme haben und ich habe mich bei denen auch nicht wohl gefühlt. Mit mir alleine geht es auch gut, wenn ich meinem Tagesrhythmus nachgehen kann und vor allem meiner Leidenschaft des Zeichnen und Malens. Dann geht es mir gut. Meine Probleme sind hauptsächlich präsent in der Schule gewesen, später Studium und Arbeit. Ich habe auch kein Problem damit einen Vortrag vor vielen Menschen zu halten, solange es um ein Thema geht. Aber Kontakte innerhalb dieser Gruppen lief nie gut und endete meistens mit Mobbing. Ich konnte meine Ausbildung nicht beenden, weil ich aus dem Betrieb quasi geworfen wurde.

      Zu meinen Problemem gibt es reichlich Listen, von mir erstellt, aber auch die Eindrücke von den Menschen in meiner Umgebung. Es gibt nicht das eine Kernproblem, sondern es sind verschiedene Bereiche, bei denen ich Probleme habe. Die soziale Komponente belastet mich genauso schlimm wie, dass ich nicht so viel Energie anscheinend habe, wie andere Menschen haben, und den Rückzug im Alltag benötige. Und mein persönliches Kernproblem ist, dass ich mich nicht so in die Gesellschaft integrieren kann, wie ich es gerne würde. Biografien habe ich auch gelesen und war auch in 2 Selbsthilfegruppen.

      Ich betrachte den Master in meinem gewünschten Bereich und den Umzug in die neue Stadt als ziemlich meine letzte Chance, die ich habe und möchte jetzt alles "richtig" machen und mich verbessern. Und dann zahlt sich hoffentlich die ganzen Prozesse aus und ich schaffe den Sprung ins Berufsleben, ohne diesmal daran zur Grunde zu gehen.
    • @Meso
      Mein Vorschlag: Kontaktiere die Kölner Spezialambulanz. Erinnerst du dich noch an den Namen der Psychologin, bei der du das Erstgespräch hattest? Sie hatte ja Autismus bei dir nicht ausgeschlossen, wenn ich es richtig verstanden habe. Kontaktiere diese Psychologin und Prof. Vogeley (Dr. L. arbeitet meines Wissens ja nicht mehr dort) und bitte um eine Klärung deines Berichts und welche weiteren Schritte in deinem Fall empfehlenswert sind. Wenn dich die Ungewissheit bezüglich AS ja/nein zu sehr belastet, dann hole dir noch eine dritte Meinung ein (vorausgesetzt, es ist nicht zu viel für dich).
      "Jede Jeck is anders" (Kölsches Sprichwort)
    • Linnea wrote:

      thelord wrote:

      Ich hab zwar keine Ahnung, wer Paul Watzlawik ist, aber der Mann hat ganz gewiss Recht.
      hat er mit einem Schuss Humor:
      buecher.de/shop/glueck/anleitu…/detail/prod_id/20939158/

      ein vielgelesenes Buch von ihm ;)
      Auch wenn das Zitat von ihm, das @Capricorn hier eingebracht hat, natürlich nicht ganz ernst genommen werden sollte, steckt da sehr viel mehr Wahrheit drin als mir lieb ist.
      "In das Popcorn, das Sie gerade essen, hat wer reingepisst!" (Kentucky Fried Movie)


      "Sind Sie Polizisten?" "Nein, Ma'am. Wir sind Musiker!" (The Blues Brothers)
    • Capricorn wrote:

      Wie schon oben jemand sagte: Wenn du etwas mit dem 1. Diagnosebericht anfangen kannst, dann vergiss den 2. Bericht bald. Der scheint eilig und wenig aufeinander abgestimmt erstellt worden zu sein. Sehe ich jedenfalls so wie deine Therapeutin.
      Bin erst spät in den Thread eingestiegen - daher möchte ich um Nachsicht bitten, dass ich etwas spät auf den ein oder anderen Beitrag eingehe ;)

      On:
      Ich glaube, dass es Formulierungen gibt, die bei verschiedenen Personen, die sich in der Spezialambulanz in Köln vorstellen, gleich oder mindestens ähnlich lesen lassen. Ich denke, dass dies der Beurteilung nach gleichen Maßstäben geschuldet ist, d.h. die Diagnostiker dürfen nicht unterschiedliche Bewertungskriterien bei den Patienten anlegen. Dies kommt dann durch identische, möglicherweise standardisierte Formulierungen zum Ausdruck.

      Hinzu kommen dann jedoch die "frei formulierten" Aussagen, die sich individuell auf den jeweiligen Patienten beziehen. Hierdurch wirkt der Bericht möglicherweise etwas "verzerrt" - doch trügt dies. Ich gehe davon aus, dass es dem obigen von mir geschilderten Umstand geschuldet ist, dass einerseits einheitliche Bewertungskriterien in der Diagnosestellung zur Anwendung kommen (müssen) und andererseits auf die individuelle Problematik eingegangen wird. Dies ist nur scheinbar ein Widerspruch.
      Stolzer Papa von Autinaut (HFA) :nod: - und einander irgendwie ähnlich... und doch anders...
    • kastenfrosch wrote:

      FruchtigBunt wrote:

      Es muss sich dann doch mal jemand verantwortlich dafür fühlen, alle Ergebnisse zusammenzutragen und eine Entscheidung zu treffen, [...]
      Auch hier: der überweisende Arzt. Das mit den Überweisungen ist nicht nur dazu da, um Patienten zu ärgern und Mehraufwand zu betreiben (oder Menschen daran zu hindern, in die Spezialsprechstunde zu kommen).
      Ich habe den Eindruck, dass niedergelassene Psychiater damit eher überfordert sind. Sie sind ja meistens in den Spezialgebieten nicht so fit und schicken einen deswegen an eine Spezialstelle. Wenn man dann aber bei zwei Spezialstellen war, die selbst nicht ganz sicher sind und dann bekommt der "Generalist" (Psychiater) zwei Berichte von Fachstellen zurück, glaube ich nicht, dass er/sie unbedingt die fachlichen Kompetenzen hat, dann die entsprechenden Schlüsse zu ziehen. Ich glaube, dass man extrem gut spezialisiert (in beiden Spezialgebieten) sein müsste, um dann eine Abgrenzung vornehmen zu können, dass das aber der durchschnittliche niedergelassene Psychiater nicht leisten kann.
    • @Meso - ich bin ja kein Arzt, noch nicht mal habe ich irgendwas in der Richtung studiert... aber alles, was Du schilderst, klingt für mich nach Autismus. Just my two Cents (RW).....

      Wie gesagt, ich fühle mich an manchen Tagen überhaupt nicht autistisch.... und dann wieder ganz extrem. Kein Tag ist gleich, genauso wie kein Autist dem anderen gleicht.

      Ich hoffe, Du findest Deine Antworten.

      Zum Thema Therapie: Mir hilft die Schematherapie sehr. Habe die in der Klinik kennengelernt und meine neue Therapeutin arbeitet auch damit.
      Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein.
      (Albert Einstein)
    • Meso wrote:

      Da sich der Diagnostiker nicht sicher war, wurde ich ich zu einem dritten Termin eingeladen, bei dem eine Testung statt fand.

      Neuropsychologische Untersuchunq vom...
      Hmm, aber das liest sich für mich so, als ob sich die Diagnostiker in Köln in Deinem Fall wirklich schwer getan haben.

      Immerhin hat Prof. Vogeley in seinem Buch über Autismmus-Spektrum-Störung im Erwachsenenalter Anders sein Folgendes formuliert:

      Prof. Vogeley wrote:

      Testpsychologische Untersuchungen sind eine wichtige Ergänzung zu den Patientengesprächen. […] Sie ersetzen aber nicht die klinische Beurteilung durch den geschulten Arzt oder Psychologen und leisten nach unseren eigenen Untersuchungen keinen substanziellen Beitrag zur Diagnosestellung. Zwar konnten bestimmte Profile bei Gruppen von autistischen Personen gezeigt werden, allerdings sind die Schwankungen zwischen den untersuchten Personen so groß, dass im Einzelfall kein Beitrag zur Diagnose zu erwarten ist.