Depression durch Routine

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    • Depression durch Routine

      Hallo,

      wieder will ich mich eigentlich innerlich auf so einen Text vorbereiten, setze mich jetzt aber doch vor ein gefürchtet leeres Textfeld; ohne zu wissen, wie ich die Gedanken gerade irgendwie erklären soll.

      Ganz undifferenziert und so plakativ wie möglich erstmal eine These; hinterher der Versuch einer Herleitung:

      Je schneller sich Routinen bilden, desto eher sind Menschen depressionsgefährdet.


      Vorgeschichte: Seit fast 15 Jahren mache ich Therapie. Ja, vielleicht kann ich mir rückblickend auch ein paar Erfolge eingestehen. Aber im Allgemeinen scheine ich mir selbst fast immer noch so labil, anders und unfunktional wie vor der Therapie. Scheinbar hat sich jede z.B. verhaltenstherapeutische Handlungsoption nahezu sofort zu einer Routine oder ins dysfunktionale Gegenteil gewandelt, statt mich einen Schritt vorwärts zu bringen. Es ist, als würde ich ein pathologisches Gummiband dehnen, um aus einer "Komfortzone" heraus zu kommen und eine grundsätzliche Veränderung zu bewirken. Entweder schlägt dieses Gummiband aber mit seiner ganzen Energie sofort zurück oder ich ermüde beim Veränderungsversuch. Ersteres wäre die Metapher für "Ausbruchsversuch durch Aktionismus", Letzteres für eine geplante, stetige Veränderung.

      Trotz aller Versuche, mich zu verändern, scheine ich bis heute in mir selbst gefangen zu sein; wie im Film "Und täglich grüßt das Murmeltier"; unfähig, nachhaltig etwas ändern zu können.

      Was hat das mit meiner These zu tun? Mein ganzes Leben ist wie eine elendige, öde, leere Routine, in der ich mir selbst vorkomme wie ein Zombie unter Zombies. Routine fühlt sich an wie Tod, Lähmung, Zeitlupe, Leere. Das Gegenteil wäre Begeisterung, Neugier, Abwechslung, Veränderung, ...

      Ich weiß, dass die These völlig unterkomplex ist und sämtliche Aspekte außer Acht lässt. So weiß ich nicht, ob ich (Mit-)Ursache und Wirkung der Depression vertausche. Ich weiß dagegen, dass es ein neurologischer Mechanismus ist, Routinen zu bilden. Dass es normal ist, gegen einen "inneren Schweinehund" zu kämpfen, wenn Menschen ihr Verhalten verändern wollen. Dass Depressionen und Persönlichkeitsstörungen nie nur von einem Faktor ausgelöst werden.

      Ich weiß, dass es auch keine einzelne Antwort gibt, die alle meine Probleme löst; egal, wieviel "Rechenleistung" oder Energie ich darauf verwende, "die Schere zu finden, um aus dem Gummibandgefängnis raus zu kommen". Und dennoch habe ich - wie gerade jetzt auch - das Gefühl, diese Überlegung wäre so essentiell für die weitere Therapie und eine wirkliche Veränderung, dass ich sie so differenziert und detailliert wie möglich aufschreiben will. Aber auch diese Idee wird - wie so viele andere vorher - beim nächsten Therapietermin nur noch ein seltsames Gedankenecho sein, das mir gar nicht wert scheint, es nochmal besonders zu beschreiben.

      Mich begeistert kaum noch etwas. Und wenn, dann nur sehr kurze Zeit. Anschließend ist die Begeisterung über gegangen zu "ist doch eigentlich ganz normal, nicht begeisterungswürdig" oder von einer neuen Begeisterung - z.B. eine der tausenden Interessen - verdrängt worden. Kann ich mich für nichts begeistern, weil ich depressiv bin oder bin ich unter anderem depressiv, weil jede Begeisterung so extrem schnell in eine neurologisch energiesparende Routine gewandelt wird?

      Der Text ist derzeit schon lang und ich versuche, es später fokussiert weiter zu beschreiben. Vielleicht versteht jemand, was ich hier versuche zu erklären oder kennt das von sich? Und hat vielleicht sogar eine Idee?

      LG
      raven
    • Ich hatte diesen thread mal im Hinterkopf behalten, hatte aber nicht sofort eine Antwort parat.

      raven wrote:

      Je schneller sich Routinen bilden, desto eher sind Menschen depressionsgefährdet.
      Ich würde sagen: nicht grundsätzlich. Bei Autismus sind Routinen auch was Wichtiges, was den Alltag erleichtert und durch diese Erleichterung erst möglich macht, dass man auch Dinge tun kann, die Freude machen.
      Aber es gibt auch einen Zustand, wo zuviel Routine wirklich depressiv machen kann.
      Also dieser Zustand:

      raven wrote:

      Mein ganzes Leben ist wie eine elendige, öde, leere Routine, in der ich mir selbst vorkomme wie ein Zombie unter Zombies. Routine fühlt sich an wie Tod, Lähmung, Zeitlupe, Leere. Das Gegenteil wäre Begeisterung, Neugier, Abwechslung, Veränderung, ...
      Jedenfalls glaube ich das, obwohl ich auch nicht sicher bin, ob die Depression Folge des freudlosen Zustands ist oder der freudlose Zustand Folge der Depression.

      Bei mir fehlte lange die Energie, mich darum zu kümmern, was mir Freude macht, weil ich zu viel Energie für Arbeit und Funktionieren verbraucht habe. Wenn man langjährig nicht darauf geachtet hat, was einem Freude macht, dann ist es schwer, damit wieder anzufangen. Weil man sich gar nicht vorstellen kann, dass es etwas geben könnte, was Spaß macht. Es kann also länger dauern. Aber vor allem muss erstmal der Zustand verändert werden, dass alles andere zu viel Energie verbraucht. Also muss man tatsächlich Dinge im Alltag vereinfachen, sodass sie weniger Energie brauchen.

      raven wrote:

      Aber im Allgemeinen scheine ich mir selbst fast immer noch so labil, anders und unfunktional wie vor der Therapie. Scheinbar hat sich jede z.B. verhaltenstherapeutische Handlungsoption nahezu sofort zu einer Routine oder ins dysfunktionale Gegenteil gewandelt, statt mich einen Schritt vorwärts zu bringen. Es ist, als würde ich ein pathologisches Gummiband dehnen, um aus einer "Komfortzone" heraus zu kommen und eine grundsätzliche Veränderung zu bewirken. Entweder schlägt dieses Gummiband aber mit seiner ganzen Energie sofort zurück oder ich ermüde beim Veränderungsversuch. Ersteres wäre die Metapher für "Ausbruchsversuch durch Aktionismus", Letzteres für eine geplante, stetige Veränderung.

      Bin nicht sicher, ob ich das komplett verstanden habe, aber meine Überlegung dazu wäre, dass du einfach noch nicht die Voraussetzungen geschaffen hast, etwas zu verändern. Es gibt noch etwas, was dich blockiert oder hindert. Vielleicht hast du auch noch nicht herausgefunden, was dir wirklich fehlt im Leben (oder was zu viel ist).
      Das braucht viel Nachdenken, und eine Therapie ist auch im Grunde dafür da, um einem beim Nachdenken zu helfen.

      raven wrote:

      Aber auch diese Idee wird - wie so viele andere vorher - beim nächsten Therapietermin nur noch ein seltsames Gedankenecho sein, das mir gar nicht wert scheint, es nochmal besonders zu beschreiben.
      Das kenne ich auch gut. Bin deshalb dazu übergegangen, Probleme, die mir im Alltag auffallen, zumindest in Stichworten aufzuschreiben, und manchmal, wenn eins dieser Probleme akut wird, mache ich mir intensiver Gedanken darüber, versuche das schriftlich auszuformulieren und schicke es dann meiner Therapeutin, um beim nächsten Termin darüber zu reden. Schreiben ist (für mich) einfacher als Reden. Beim Reden kommt mir nämlich auch plötzlich alles ganz belanglos vor, weil ich nicht mehr alle Teile des Problems sehe in dem Moment.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Bei mir ist es umgekehrt: Je mehr Routine ich habe um so stabiler und lebensfreudiger bin ich.

      Man muss eine Routine haben, die funktioniert, die einem ermöglicht zu tun, was man liebt und sich weiter zu entwickeln.

      Da Entwicklung von Struktur und Routine ein Teil vieler Therapien für Depressionen ist, nehme ich an, dass Routine auch anderen Menschen hilft ihr Leben auf die Reihe zu bekommen (RW) und ihre Ziele zu erreichen.


      Ach ja: die üblichen Therapeutischen Strategien kann ich auch vergessen. Hat mir nicht geholfen. Stattdessen habe ich aufgehört aus der Komfortzone kommen zu müssen. Ich muss das nicht, aber ich kann meine Komfortzone versuchen zu erweitern. Wenn ich etwas tun will, was außerhalb meiner Komfortzone ist, überlege ich, wie es sein müsste, damit ich mich damit wohlfühle und wenn ich um Hilfe fragen kann. Dann versuche ich das umzusetzen. In vielen Fällen funktioniert das, auch wenn es oft so etwas länger dauert, aber ich fühle mich dafür dabei wohl und mir geht es psychisch gut damit.

      The post was edited 1 time, last by MangoMambo ().

    • MangoMambo wrote:

      Wenn ich etwas tun will, was außerhalb meiner Komfortzone ist, überlege ich, wie es sein müsste, damit ich mich damit wohlfühle und wenn ich um Hilfe fragen kann
      Das ist super. Das probiere ich mal aus. Danke :)

      Bei mir ist das so, die Depressionen lähmen mich... es gibt nur eine Sache, die mir dann wirklich hilft, mein SI, die Pferde. Ich komme mir aber manchmal etwas blöd vor, wenn ich nichts unternehme außer arbeiten, schlafen und reiten gehen. Alles darüber hinaus stresst mich aber zu sehr, weil ich auf der Arbeit so viel Energie verbrauche....

      Routinen mag ich, da weiß ich, was auf mich zukommt. Ich hasse Überraschungen und Entscheidungen. Da komme ich gar nicht mit zurecht. Eine Entscheidung, die getroffen werden muss, kann mich eher in Depressionen stürzen, als ständig die gleichen Routinen. Die können mich eventuell irgendwann langweilen, dann ist der Zeitpunkt gekommen, wo ich sie ändern kann.
      Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein.
      (Albert Einstein)
    • Aspielle wrote:

      Ich komme mir aber manchmal etwas blöd vor, wenn ich nichts unternehme außer arbeiten, schlafen und reiten gehen. Alles darüber hinaus stresst mich aber zu sehr, weil ich auf der Arbeit so viel Energie verbrauche....
      Naja das ist aber ziemlich normal. Die meisten die ich kenne die arbeiten und ein Pferd haben machen unter der Woche sonst (fast) nichts. Wann auch? Die Stundenanzahl am Tag ist ja begrenzt.
      Mein Pferd ist zum Glück eher faul veranlagt und steht im Offenstall, die hält es auch aus mal nicht bewegt zu werden weswegen ich seit sie "fertig" ist (hab sie als Jungpferd gekauft, ist aber schon 5 Jahre her) nicht mehr fast täglich hinfahre damit ich auch noch was anderes machen kann. Ist bei mir nämlich auch so dass das sonst alle Energie blockt.
      You’ll stop caring what people think about you when you realize how seldom they do.
    • Zebra wrote:

      Ist bei mir nämlich auch so dass das sonst alle Energie blockt.
      Beim Pony zu sein ist oft das einzige, was mir keine Energie raubt sondern welche gibt.... es ist somit das Vernünftigste, möglichst oft da zu sein. Aber für meine übrigen sozialen Kontakte die kein Pferd auf dem Hof haben, ist das eher ungünstig. Vielleicht braucht man gar nicht so viele soziale Kontakte...

      Jedenfalls, die Routine, z.B. jeden Montag und Dienstag zur Reitstunde zu fahren, macht mich nicht depressiv, im Gegenteil. Routinen machen nur dann depressiv, wenn sie einem nicht gut tun, denke ich. Wenn man also keine Routine braucht, um stabil zu bleiben, und sich tödlich langweilt, wenn immer das gleiche passiert. Das trifft aber für viele Autisten gar nicht zu, denke ich. Für mich persönlich sind nur Routinen depressionsfördernd, die ich nicht selbst gewählt habe und die mir unangenehm sind. Wenn man sich z.B. selbst eine Routine ausdenkt, kann das sehr gesund und angenehm sein.
      Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein.
      (Albert Einstein)
    • Hallo.


      Danke für eure Antworten. Bisher habe ich doch nicht mehr geschrieben, weil ich diese Überlegung noch nicht weiter sortieren konnte. Weil ich gerade unterwegs bin, kann ich gerade nur kurz antworten, was mir noch eingefallen ist. Vielleicht ist es sogar sinnvoller, einzelne Gedanken als neue Ideen dazu zu schreiben, sodass sich die Überlegung tatsächlich langsam entwickelt.


      Ich sehe es auch so, dass Routinen den Alltag entlasten. Daher ist es vermutlich sinnvoll, zwischen positiver Routine und dem negativen Gegenteil "Eintönigkeit" zu unterscheiden; das ist nämlich eigentlich was ich meine.


      Gerade fallen mir noch drei wissenschaftlich bekannte Thesen/Fakten ein:
      1) Das Gehirn beginnt bei Reizmangel von außen zu halluzinieren; beschäftigt sich also selbst.
      2) Zwischen null Prozent Stress und maximalem Stress gibt es einen Bereich optimaler Leistungsfähigkeit.
      3) Negatives bleibt stärker im Gedächtnis als Positives, weil das evolutionär sinnvoll war -> Selektive Wahrnehmung.


      Was ist, wenn wochenlange Arbeitsunfähigkeit, keine Freundschaften, der Rückblick auf millionen misslungene Veränderungs- und Anpassungsversuche und auf Therapie und Ärzte reduzierte soziale Kontakte so routiniert bzw eintönig sind, dass der Alltag kaum noch externe Reize verursacht? Dass dadurch so viel "Rechenzeit" übrig ist, dass ich zwar nicht halluziniere, aber jede Erfahrung sofort eine Schublade findet? Und dass die negative Bewertung durch die selektive Wahrnehmung dann automatisch selbstverstärkend wird? Dass dadurch der Versuch, durch Beschäftigung mit Projekten und Interessen sich irgendwann so verzweifelt verselbstständigt, dass so selbst "Hobbys" und "Freizeit" zu einer Überforderung, Zwang und einer Art Burnout führen und damit letztendlich in die Depression?


      Von mir weiß ich, dass Situationen, die ich vorher als überfordernd befürchtet habe quasi den ausreichend antreibenden Stresslevel erzeugt haben, um mich hinterher als positiv und funktional erleben zu können. Demnach müsste also ein Ausweg aus der depressiven Paralyse sein, für unregelmäßige "Turbulenzen" zu sorgen. Aber wie könnten die aussehen? Und wie lassen sich diese Herausforderungen so gestalten und dosieren, dass sie genug Antriebsstress erzeugen aber nicht überfordern?


      Hoffentlich versteht ihr, was ich meine, trotz des langen Textes. Vielleicht kann ich es irgendwann noch einfacher ausdrücken.


      raven
    • Das ist genau das Problem wogegen mir Routine hilft. Gegen Eintönigkeit und zur Vorbeugung von BoreOut etc.

      Sich selbst eine positive Routine erstellen die einen weiterbringt und interessante tolle Aktivitäten beinhaltet. Die Struktur gibt, Stress vermeidet und Spaß bringt.

      Sonst bin ich so gestresst, dass ich mich nicht mehr zu spaßigen Dingen aufraffen kann, dann wird mein Leben langweilig und traurig.
    • Shenya wrote:

      Ich würde sagen: nicht grundsätzlich. Bei Autismus sind Routinen auch was Wichtiges, was den Alltag erleichtert und durch diese Erleichterung erst möglich macht, dass man auch Dinge tun kann, die Freude machen.
      Aber es gibt auch einen Zustand, wo zuviel Routine wirklich depressiv machen kann.
      So sehe ich das auch.

      Ich hatte auch schon so ein ermüdendes Gefühl wenn der Alltag garkeine Abwechslung bringt oder nie was aufregendes schönes passiert auf das man sich in der Woche freuen kann.
      Ich habe deswegen meinen Alltag so gestaltet, das ich ein paar wenige (sogar routinierte aber ausbrechende) Höhepunkte in der Woche habe zB das ich Montags mit meiner Mutter in die Stadt gehe, oder Samsags in eine andere Stadt zum Einkaufen. Manchmal machen wir auch Sonntags was, wenn wo etwas wie ein Antikmarkt stattfindet oder sowas in der art. Oder wir sind auch schonmal ins Gartencenter gefahren. Manchmal entschließen wir uns auch essen zu gehen. Das plane ich zwar auch irgendwie schon Tage zuvor bzw mache mir Gedanken darüber ob und wie es machbar ist, aber es findet eben nicht immer statt und auch nicht gleich (immer selbes Restaurant oder so). Das hilft mir den generellen Alltag der im Moment eigentlich immer gleich ist nicht als Einheitsbrei zu sehen und ich fühle mich deswegen auch wenig gestresst. Das einzige was mir schwer fällt ist das ich öfter im Haushalt was vergesse zu machen weil ich dafür keinen richtigen Plan habe. Ich nehme mir meist am Tag vorher vor am nächsten Tag nur wäsche zu waschen oder so, das klappt dann meistens auch weil dann nicht noch viele andere Dinge warten die ich machen muss. Gestern zB war echt ein vollgepackter Tag, sehr ansträngend, und heute Morgan hab ich Halsschmerzen?! Das ist doch nicht normal? In den letzten jahren hab ich sowas aber gehäuft, ich habe einen eher stressfreien Alltag und sobald ich sehr ausgelastet bin, richtet sich mein Körper gegen mich -.-
      Darum macht es mir angst wieder zu arbeiten. Auch wenn es nur in einer Behindertenwerkstatt ist. Ich kann mich vielleicht wieder an diesen neuen Alltag gewöhnen, aber vermutlich werde ich erstmal krank davon, bekomme Ausschlag oder wie es jetzt aussieht eine Erkältung.
    • raven wrote:

      Von mir weiß ich, dass Situationen, die ich vorher als überfordernd befürchtet habe quasi den ausreichend antreibenden Stresslevel erzeugt haben, um mich hinterher als positiv und funktional erleben zu können. Demnach müsste also ein Ausweg aus der depressiven Paralyse sein, für unregelmäßige "Turbulenzen" zu sorgen. Aber wie könnten die aussehen? Und wie lassen sich diese Herausforderungen so gestalten und dosieren, dass sie genug Antriebsstress erzeugen aber nicht überfordern?
      Wenn du das herausgefunden hast, gibt mir Bescheid.

      Bei mir ist es auch so, dass ich mich sehr oft gestresst fühle durch anstehende Termine, oft berufliche Termine, aber auch private. Gleichzeitig, bzw. später, geben mir diese Termine aber auch manchmal ein gutes Gefühl. Wenn es ein beruflicher Termin war, den ich gut bewältigt habe, fühle ich mich stärker und besser danach. Wenn es ein privater Termin war, der Spaß gemacht hat, fühle ich mich auch besser. Aber auch oft müde, brauche dann einen oder mehrere Tage Erholung.

      Es ist also sauschwer, genau das richtige Maß zu finden. Wenn die Müdigkeit zu viel wird, dann kann man sich nicht mehr ausreichend erholen. Bei zu viel beruflichem Stress ist nicht mehr genug Energie da für schönere private Dinge.

      Ich möchte gerade versuchen, den Stress vor solchen Terminen weniger stark zu empfinden, also mir weniger Gedanken darüber zu machen, entspannter oder gelassener zu bleiben. Dafür hilft es mir, wenn ich mich rund um die Termine so einrichte, dass möglichst nichts schief gehen kann. Ich sorge dafür, dass ich nichts vergessen kann (einschließlich dem Termin selbst, die stehen also mit vorheriger Erinnerung im elektronischen Kalender), und ich bereite mich möglichst gut vor. Außerdem versuche ich daran zu denken, dass es meistens nicht so schlimm ist, wie man befürchtet, so aus der Lebenserfahrung heraus.

      Ich versuche auch, obwohl das manchmal schwer ist, die Dinge mehr als Herausforderung zu betrachten, die man wie ein Abenteuer zu bewältigen hat, und nicht nur als angstmachendes Pflichtprogramm.


      Wenn man jetzt gar nicht mehr arbeitet, hat man den Nachteil, dass berufliche Erfolgserlebnisse fehlen, dafür den Vorteil, dass man mehr Zeit und Kraft hat, sich privat gut einzurichten. Ich denke, ich könnte auch gut ohne Arbeit leben, leider ist es finanziell halt dann nicht so toll.


      RegenbogenWusli wrote:

      Darum macht es mir angst wieder zu arbeiten. Auch wenn es nur in einer Behindertenwerkstatt ist. Ich kann mich vielleicht wieder an diesen neuen Alltag gewöhnen, aber vermutlich werde ich erstmal krank davon, bekomme Ausschlag oder wie es jetzt aussieht eine Erkältung.
      Falls es die Behindertenwerkstatt wird: der Vorteil dabei ist, dass man nicht gezwungen werden kann, hinzugehen. Du kannst die zwei Jahre Berufsbildungsbereich durchlaufen, und wenn dir dann bescheinigt wird, dass du nicht arbeitsfähig für den allg. Arbeitsmarkt bist, kannst du auch danach zu Hause bleiben. Es gibt dann zwar keine Rente, aber die Rente, die du in der Werkstatt erreichst, ist auch meistens nicht hoch genug, dass man später ohne zusätzliche Grundsicherung auskommen könnte, deshalb macht es finanziell am Ende kaum einen Unterschied. Du gehst also nur in die Werkstatt, wenn es dir auch etwas bringt, z.B. weil du es magst, die Leute dort zu treffen, oder tagsüber eine Beschäftigung zu haben.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Vulkan wrote:

      MangoMambo wrote:

      Bei mir ist es umgekehrt: Je mehr Routine ich habe um so stabiler und lebensfreudiger bin ich.
      So geht es mir auch. Hätte ich weniger Routinen würde ich depressiv werden.
      Das trifft auch auf mich zu. Mir fehlen in einigen Bereichen Routinen, was mich eher depressiver sein lässt.
      Wenn meine Routinen gestört werden, destabilisiert es mich.
      Ist da wer?

      Bums Bums Corona brauch ich nicht Hopsassa!
    • Shenya wrote:

      Falls es die Behindertenwerkstatt wird: der Vorteil dabei ist, dass man nicht gezwungen werden kann, hinzugehen. Du kannst die zwei Jahre Berufsbildungsbereich durchlaufen, und wenn dir dann bescheinigt wird, dass du nicht arbeitsfähig für den allg. Arbeitsmarkt bist, kannst du auch danach zu Hause bleiben. Es gibt dann zwar keine Rente, aber die Rente, die du in der Werkstatt erreichst, ist auch meistens nicht hoch genug, dass man später ohne zusätzliche Grundsicherung auskommen könnte, deshalb macht es finanziell am Ende kaum einen Unterschied. Du gehst also nur in die Werkstatt, wenn es dir auch etwas bringt, z.B. weil du es magst, die Leute dort zu treffen, oder tagsüber eine Beschäftigung zu haben.
      So wie man mir das gestern gesagt hatte, sollte ich nach den 12 Wochen bzw 3 Monaten schon beurteilt werden, was die Arbeitsfähigkeit angeht. Ich versuche mal zu widerholen das der Mann mir sagte, das war in etwa so: "Sie sind ja hier hergekommen, damit wir herausfinden können, ob Sie für den 1. Arbeitsmarkt geeignet sind oder nicht. Das wird in der Dia-Am in einer 12-wöchigen maßnahme überprüft. Beginn ist immer um 8uhr, zuerst für eine Stunde, dann für 4 und später dann für 8 Stunden. Die Gruppe ist klein und es werden verschiedene Bereiche ausprobiert und auch auf die Wünsche und Vorstellungen was man machen kann und möchte eingegangen. Das ganze wird von der Arge finanziert bzw vom Arbeitsamt. Danach muss man mal weitersehen wie es wird, ob dann die Werkstatt was für Sie ist, was Sie dann die nächsten 2 Jahre machen können. Das würde dann LVR oder so tragen"
      Ich weiß nicht mehr ob er LVR oder Landschaftsverband oder sowas sagte (vielleicht ist das ja das gleiche), ich fragte mich nur was dann danach sein soll, also nach den 2 Jahren. So lange will ich ja auch garnicht hier bleiben, ich möchte ja nachdem das alles geregelt ist nach Nürnberg umziehen, ich denke mal das ich von hier in eine andere WfbM dann quasi umsiedeln kann.
      Ich hoffe ich finde einen Bereich in denen die sie im Angebot haben die zu mir passen.
      Ich sagte ihm das ich handwerklich gern was machen würde weil ich selber ja viel male und bastel, aber bitte nicht an lauten Maschinen, mir fällt alles grobmotorische recht schwer, feinmotorische Dinge kann ich besser. Ich sagte ihm auch das mit dem gezeigt bekommen anstatt erklärt und er meinte das würde dem Leiter dort auch gesagt werden damit er sich darauf einstellen kann. Er sagte auch das ich sagen kann wenn ich nicht mehr kann, mir zu viel wird etc, darauf würde wohl Rücksicht genommen werden. Weil ich auch sagte das mir bei einer Tätigkeit wo ich echt stundenlang nur sitzen oder nur stehen muss, mir der Rücken weh tut.
      Meine Angst liegt im großen and ganzen eher darin das man mich versuchen will in eine Ausbildung oder ähnliches zu drängen nur weil ich Fachhochschulreife geschafft habe. Viele denken dann "Da muss doch Potential drin sein das der jenige auch mehr schafft als nur Aushilfstätigkeiten" aber ich habe garnicht den Wunsch nach Herausforderung oder sowas.
      Ich hab damals nur deswegen diese Schule gemacht weil man mir sagte es sei besser sich weiter zu bilden und sich zu spezialisieren, vorallem wenn man was mit Kunst machen will, denn damals sagte ich ich wolle Comic-zeichner werden. Das ist aber kein richtiger Beruf. Das ewige am PC malen ist eh nichts für mich, das mag ich als Hobby machen aber nicht über 6 Stunden jeden Tag für den rest meines lebens, das schaffe ich körperlich nicht mehr. Das konnte ich damals vor 10 jahren aber mein Rücken macht das heute einfach nicht mehr mit, und meine Hände auch nicht.
    • RegenbogenWusli wrote:

      Das wird in der Dia-Am in einer 12-wöchigen maßnahme überprüft.
      Aha, also DIA-AM ist noch nicht die Werkstatt, das findet noch außerhalb der Werkstatt statt. Dabei wird geprüft, ob eine Ausbildung möglich ist, ob ein einfacher Arbeitsplatz auf dem allg. Arbeitsmarkt möglich ist, oder ob eine Qualifizierung in der WfbM besser ist. Wenn die WfbM als Ergebnis rauskommt, kann man dort zwei Jahre Berufsbildungsbereich durchlaufen (Kostenträger Agentur für Arbeit oder Rentenversicherung). In den meisten Fällen wechselt man danach in den Arbeitsbereich (Kostenträger Eingliederungshilfe). Man kann aber auch nach dem Berufsbildungsbereich noch auf den allgemeinen Arbeitsmarkt wechseln, und im Prinzip auch zu jedem späteren Zeitpunkt, wenn man eine geeignete Stelle findet.
      Spätestens ab dem Wechsel vom Berufsbildungsbereich in den Arbeitsbereich gilt man als dauerhaft voll erwerbsgemindert. Die Arbeit in der WfbM ist dann freiwillig.
      Der Status im Berufsbildungsbereich ist meistens noch offen, es gilt als Rehamaßnahme, es gibt entweder Übergangsgeld oder ein kleines, eher symbolisches Ausbildungsgeld. Später im Arbeitsbereich gibt es Arbeitslohn.


      RegenbogenWusli wrote:

      Viele denken dann "Da muss doch Potential drin sein das der jenige auch mehr schafft als nur Aushilfstätigkeiten" aber ich habe garnicht den Wunsch nach Herausforderung oder sowas.
      Wobei es auch gut sein kann, manchmal Herausforderungen anzunehmen. Nur muss man rechtzeitig merken, wenn es nicht geht und sich nicht überfordern.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Shenya wrote:

      Aha, also DIA-AM ist noch nicht die Werkstatt, das findet noch außerhalb der Werkstatt statt.
      Ja so in der art hab ich das auch verstanden, da sollen irgendwelche verschiedene Tests gemacht werden und man soll bestimmte Bereiche durchlaufen um zu sehen was für Fähigkeiten man hat. Das soll auch alles auf dem gelände stattfinden wo ich dort gestern schon war, also nicht in irgendeiner Firma.
      Und das soll 12 Wochen sein so wie ich das verstanden habe.
      Danach würde also das mit den 2 Jahren kommen. Ich finde das irgendwie "doppelt-gemoppelt" ich bin zwar nicht dagegen, aber ich empfinde das etwas seltsam das man erst dieses 3-monatsding macht um zu sehen "Ja der kann normal auf dem 1. Arbeitsmarkt arbeiten oder nicht" was in dem Bildungsbereich der sogar 2 Jahre dauern kann dann auch gesagt wird also ja oder nein. Ich hatte mir jetzt vorgestellt das erstmal so zu machen und dann sehen was die sagen, und dann schauen was mir in dem Bildungsbereich gesagt wird (ich kann mir nicht vorstellen das da rauskommt das ich für den 1. Arbeitsmarkt geeignet sein soll) was ich dort machen kann. Ich hoffe jedenfalls das sie mich nicht wieder in den 1. Arbeitsmarkt bringen wollen, ich will nicht wieder so viele Probleme haben wie ich früher immer hatte nur weil ich nicht so mitkam wie es gewünscht war.

      Shenya wrote:

      Der Status im Berufsbildungsbereich ist meistens noch offen, es gilt als Rehamaßnahme, es gibt entweder Übergangsgeld oder ein kleines, eher symbolisches Ausbildungsgeld. Später im Arbeitsbereich gibt es Arbeitslohn.
      Ja ich glaube in diesem Diam-dings gibt es noch garkein Geld. Das heißt ich muss weitere 3 Monate durchhalten. Die Rehaberaterin hatte mir gesagt ich solle am besten warten bis ich in der Werkstatt bin und dann mich bei dem Jobcenter wegen ALGII melden weil die mich dann nicht in irgendwas anderes vermitteln können, ich bin dann ja bereits da drinn. Zumindest hatte ich das so verstanden.

      Shenya wrote:

      Wobei es auch gut sein kann, manchmal Herausforderungen anzunehmen. Nur muss man rechtzeitig merken, wenn es nicht geht und sich nicht überfordern.
      Das hängt vielleicht von der Herausforderung ab. Ich habe oft das gefühl das die Leute denken wenn man etwas geschafft hat halten sie es für einen Dauerzustand zu dem man generell fähig ist, aber vieles ist es bei mir eben nicht, ich kann sowas nur in Ausnahmefällen leisten wenn ich die Energie dafür habe, und nicht als Standart. Ich habe das Gefühl das das so auch bei den Schulabschlüssen gedacht wird die ich geschafft habe. Das war aber nicht so, denn das ich das nur durch fremde Hilfe geschafft habe (Leute die mir bei Hausaufgaben geholfen haben, ihre Freizeit nutzten um mir das ein oder andere zu erklären, meine Hausaufgaben kontrollierten) und dann noch die Nachprüfung in Englisch habe ich diese Schulabschlüsse überhaupt bekommen. Das wäre ohne diese Hilfen garnicht so weit gekommen. Das habe ich dem Mann dort gestern auch gesagt.
      Die einzige Schule die ich sozial und auch arbeitstechnisch gut gepackt habe war die Förderschule. Die Hauptschule habe ich so kurz wie ich da war arbeitstechnisch auch im Alleingang geschafft aber sozial war es so schlimm das ich öfter krank machen musste weil ich das einfach nicht aushielt jeden Tag mir diesen Druck da anzutun und immer vor Mobbing buchstäblich weglaufen musste und angst hatte irgendwo wieder angegriffen zu werden, was dort regelmäßig passierte.
    • Hallo,

      ich stehe vor großen Veränderungen in meinem Leben, die einerseits unbedingt erforderlich sind, um aus der Depression herauszukommen, andererseits tu ich mich genau so schwer in der Umsetzung. Zunächst möchte ich mich für den langen und ausführlichen Text im Vornherein entschuldigen. Seit über einen Jahr befinde ich mich in einem weitreichenden Entwicklungsprozess und daher denk ich, kann ich mit dem einen oder anderen Gedanken zu diesem Thread beitragen.


      raven wrote:

      Ganz undifferenziert und so plakativ wie möglich erstmal eine These; hinterher der Versuch einer Herleitung:

      Stimmt, hier werden ganz wichtige Aspekte nicht berücksichtigt. Wenn ich depressiv bin, ist die Depression nicht die Wurzel sondern der Austrieb des Problems.


      raven wrote:

      Es ist, als würde ich ein pathologisches Gummiband dehnen, um aus einer "Komfortzone" heraus zu kommen und eine grundsätzliche Veränderung zu bewirken.

      Ich denke, dass ist ein ausschlaggebender Faktor. Du solltest analysieren, was ist Deine Komfortzone genau? Ist das eine noch vorhandene und eigentlich gescheiterte Beziehung, die dich auffrisst, die du allerdings gewöhnt bist oder dir evtl. einen finanziellen Rückhalt gibt? Ist es eine Wohnung, die du so gut nie verlässt? Es gibt so viele Komfortzonen, die vorher Beschriebenen sind nur Beispiele. Es gibt Komfortzonen, die man positiv erweitern kann (wie bereits angesprochen) und es gibt trügerische Komfortzonen, die man unbedingt verlassen sollte, weil die einfach psychisch krank machen (können). Ich bin ein sehr ängstlicher Mensch, und daher tu ich mich schwer meine Komfortzone zu verlassen.

      raven wrote:

      Je schneller sich Routinen bilden, desto eher sind Menschen depressionsgefährdet.

      Stimme ich nicht zu, Routinen sind nichts negatives, besonders für Autisten. Ich lese aus folgenden Zitat etwas anderes heraus. Ich bin einfach mal so direkt und schreibe frei weg, was mir als erstes dazu eingefallen ist. Bitte nicht falsch verstehen, ich möchte hier niemanden beleidigen, natürlich muss das nicht zutreffen.


      raven wrote:

      Was hat das mit meiner These zu tun? Mein ganzes Leben ist wie eine elendige, öde, leere Routine, in der ich mir selbst vorkomme wie ein Zombie unter Zombies. Routine fühlt sich an wie Tod, Lähmung, Zeitlupe, Leere. Das Gegenteil wäre Begeisterung, Neugier, Abwechslung, Veränderung, …

      Ich lese hier eine Ziellosigkeit heraus. Ich fühle mich genau so, wenn ich depressiv bin. Ohne Ziel macht die Routine, Fleiß und Anstrengung keinen Sinn. Hast du etwas, was du kurz-, mittel- und langfristig erreichen willst? Wenn ja, solltest du Dir überlegen, was dich konkret daran hindert. Oft sind es auch äußere Einflüsse, wie zum Beispiel Familie und Freunde, die dagegen arbeiten - aus vermeintlich gut gemeinten Gründen oder auch aus egoistischen Gründen. Was sind deine persönlichen Gründe, diese Ziele nicht verfolgen zu können? Fehlt es an Mut? Bist du allgemein ein eher ängstlicher Mensch? Selbst wenn das Ziel noch so groß zu sein scheint, du solltest es versuchen, dann musst du dich später nicht vor dir selbst rechtfertigen, es nicht zumindest versucht zu haben. Nichts ist schlimmer, wie bereuen.

      Wenn kein Ziel vorhanden ist, kann man sich welche setzen (-; - und wenn es nur kleine Ziele sind....

      Und ich lese noch was anderes heraus: Wie sieht es im sozialen Umfang aus? Hast du einen guten Freund, der dir auch mal den "Kopf wäscht", dich aber auch überwiegend unterstützt. Ich weiß, wenn man anders ist, ist es schwer Anschluss zu finden, aber es ist möglich. Einen weiteren wichtigen Aspekt lese ich auch kaum: Liebe und Zärtlichkeiten. Ohne Zuwendung auf Dauer zu leben, stell ich mir schwer vor. Ich weiß, wo von ich spreche, seit Jahren "verhungere" emotional.
      Kann dich deine Familie aufbauen? Um Hilfe zu bitten, erfordert sehr viel Überwindung, aber probiere es mal aus.

      raven wrote:

      Ja, vielleicht kann ich mir rückblickend auch ein paar Erfolge eingestehen.
      Sehr gut, rede das nicht klein sondern nutze diese Erfolge um dein Selbstbewusstsein zu stärken. Du hast was geschafft, und auf das kannst du stolz sein :) . Ich denke auch an deinem Selbstbewusstsein solltest du arbeiten.


      raven wrote:

      Entweder schlägt dieses Gummiband aber mit seiner ganzen Energie sofort zurück oder ich ermüde beim Veränderungsversuch.

      Lass mich raten, du bist kein besonders geduldiger Mensch und du willst mehrere Änderungen auf einmal umsetzen? Und letztendlich siehst du vor lauter Bäume den Wald nicht mehr? Wenn das so ist, rate ich Dir ein Problem nach dem anderen anzugehen und zwar langsam und mit Geduld, step by step. Sich zu verändern ist ein langer Prozess, der seine Zeit braucht.

      raven wrote:

      Trotz aller Versuche, mich zu verändern, scheine ich bis heute in mir selbst gefangen zu sein;
      Kannst du genau definieren, was du wirklich verändern willst oder willst du dich nur so anpassen, dass du wie "normal" wirkst? Ganz ehrlich, ich bin ziemlich kritisch, was diese "ich-möchte-"normal"-werden"-Therapien betrifft. Ich habe mich im Laufe meines Lebens so gut angepasst, dass ich mich selbst nicht mehr kenne und ich damit unglücklich bin. Diese Anpasserei macht nicht glücklich - mich zumindest nicht. Es sollte eher darum gehen, Wege zu finden, in der "normalen" Welt recht gut zurecht zu kommen, ohne sich selbst zu vergessen, vielleicht durch ein Coaching für den Alltag? Wenn man sich selbst nicht annehmen und akzeptieren kann wie man ist, wird es nie ein anderer tun.

      Ich denke, es spielt auch eine Rolle, welcher Typ von Mensch man ist? Ist man ein Macher, Träumer, Logiker, Emphatiker? Das wird im Kindesalter geprägt. Ein Macher tut sich mit Veränderungen logischerweise leichter.


      raven wrote:

      Gerade fallen mir noch drei wissenschaftlich bekannte Thesen/Fakten ein:
      1) Das Gehirn beginnt bei Reizmangel von außen zu halluzinieren; beschäftigt sich also selbst.
      2) Zwischen null Prozent Stress und maximalem Stress gibt es einen Bereich optimaler Leistungsfähigkeit.
      3) Negatives bleibt stärker im Gedächtnis als Positives, weil das evolutionär sinnvoll war -> Selektive Wahrnehmung.
      Bis auf Punkt 1 stimme ich fast allen zu. Punkt eins verstehe ich statt halluzinieren als Träumereien. Träumereien sind übrigens eine normale Reaktion des Gehirns auf eine (lebens-)bedrohliche Situation. Negativ wird es allerdings wenn man auf einmal und plötzlich wieder auf den Erdboden zurückkommt....


      raven wrote:

      Dass dadurch der Versuch, durch Beschäftigung mit Projekten und Interessen sich irgendwann so verzweifelt verselbstständigt, dass so selbst "Hobbys" und "Freizeit" zu einer Überforderung, Zwang und einer Art Burnout führen und damit letztendlich in die Depression?

      Wenn ich Urlaub habe, nehme ich mir ja immer ganz viele Dinge vor, die ich gerne machen will. Der Alltag sieht dann allerdings anders aus. Ich faulenze dann tagelang und natürlich setz ich nichts von dem um, was ich mir vorgenommen habe. Dann naht das Ende des Urlaubs...und was passiert? Ich möchte alles noch tun was ich mir vorgenommen habe und die Zeit läuft mir davon. Das heißt, Stress und Frust kommt auf. Vielleicht sollte man sich nicht so viel vornehmen? Nach einer Prio-Liste vorgehen?
    • @Orchidee

      Orchidee wrote:

      Wenn ich Urlaub habe, nehme ich mir ja immer ganz viele Dinge vor, die ich gerne machen will. Der Alltag sieht dann allerdings anders aus. Ich faulenze dann tagelang und natürlich setz ich nichts von dem um, was ich mir vorgenommen habe. Dann naht das Ende des Urlaubs...und was passiert? Ich möchte alles noch tun was ich mir vorgenommen habe und die Zeit läuft mir davon. Das heißt, Stress und Frust kommt auf. Vielleicht sollte man sich nicht so viel vornehmen? Nach einer Prio-Liste vorgehen?

      Ja, so geht es mir auch. Weil meine Routine gebrochen ist im Urlaub. Deshalb mag ich Urlaub nicht. Ich nehme mir da nichts mehr vor und suche schon vorher nach Hilfe im Alltag für die Zeit, weil ich dann nicht Mal mehr den Haushalt hinbekomme. :oops: