Autismus als ähnliches Anderssein wie Homosexualität u.ä.?

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    • Autismus als ähnliches Anderssein wie Homosexualität u.ä.?

      Hallo miteinander,

      ich habe ewig überlegt, welchen Titel ich der ganzen Sache gebe und hoffe, dass der jetzige niemanden kränkt, verletzt o.ä.

      Ich habe gestern in der Süddeutschen Zeitung den Artikel zu Autismus "Anderssein als Superkraft" gelesen, von dem hier sueddeutsche.de/leben/autismus-1.4617443?reduced=true leider nur die ersten Zeilen zu lesen sind.

      Darin war u.a. davon die Rede, dass aktuell sehr viele Leute gerne als Autisten diagnostiziert werden würden, weil Autismus in der Gesellschaft als "bessere" Diagnose als z.B. eine Zwangsstörung wahrgenommen werde und Autismus daher zu einer Art "Königsklasse" der psychiatrischen Diagnosen aufgestiegen sei. So komme es zu vielen Eigendiagnosen am heimischen Küchentisch.
      Auch hier im Forum denke ich mir bei so mancher Neuvorstellung, dass im Prinzip letzteres passiert ist, also es bisher eine Diagnose am Küchentisch gab. Und je nachdem an welchen Arzt die Person dann gerät gehört sie anschließend zur "Königsklasse" oder eben nicht.

      Mich persönlich hat an dem Text gestört, dass Autismus als hippe Modediagnose beschrieben wurde, die sich Leute gerne selbst zuschreiben. Es ist Fakt, dass gerade die Zahl der Menschen mit (selbst-)diagnostiziertem Autismus steigt. Und ich überlege mir, ob das nicht vielleicht eine ähnliche Entwicklung ist, wie ehedem, als Menschen, die sich schon ihr ganzes Leben zu Menschen gleichen Geschlechts hingezogen fühlten, erfuhren, dass es was gibt, was sich Homosexualität nennt und dass sie das betrifft? Also wo das Kind plötzlich einen Namen hatte (RW)? Und dass nun durch Greta und Co. mehr Menschen auf die Idee kommen, dass der Name für ihr Anderssein eben Autismus lautet?
      Noch heute höre ich in manchen konservativen Kreisen, dass Homosexualität eine "neue Mode" sei und ich überlege, ob es der Autismusdiagnose aktuell ähnlich ergeht?

      Und weiter ob es hinsichtlich des Andersseins sowieso viele Parallelen zwischen Autismus und Homosexualität gibt? Also ich denke da so ans Outing/Auting, an mögliche Diskriminierung, an Abweichungen in der persönlichen Lebensplanung etc.

      Und zum Schluss nochmal: Ich will hier niemanden auf den Schlips treten (RW) und hoffe auf sachliche Beiträge. Danke!
      Surprised by the joy of life.
    • Surprised wrote:

      Noch heute höre ich in manchen konservativen Kreisen, dass Homosexualität eine "neue Mode" sei und ich überlege, ob es der Autismusdiagnose aktuell ähnlich ergeht?
      Wer meint, Homosexualität sei eine Mode, hat wohl nicht verstanden, wie Sexualität funktioniert. Jemand fühlt sich zu jemand oder etwas anderem sexuell angezogen oder nicht. Dieses "oder nicht" bedeutet in der Regel, dass sich die Person abgestoßen fühlt. Mich stoßen beispielsweise Männer einfach ab. Da kann kein Trend etwas dran ändern. Ich erinnere mich noch sehr gut, als Homo oder Bi sein in der linksalternativen Szene als neue Normalität betrachtet wurde und Heteros in diesen Kreisen zu Außenseitern wurden. Das war Mitte der 80er. Heutzutage kann man etwas ähnliches mit Trans- und Cisgender beobachten. Allerdings ist es leichter, eine Transgender-Identität für sich selbst zu erfinden, als eine homoerotische Neigung.

      Was Autismus betrifft: ja, ich höre immer wieder, wie Leute den Terminus auf sich selbst beziehen und anscheinend einfach meinen, sie seien etwas eigenartig. Allerdings gibt es für die vielen Selbstdiagnosen am Küchentisch auch einen ganz einfachen Grund: die Diagnose ist für viele Leute relativ kompliziert, besonders für Ältere. Der "Autismus-Boom" entstand vor allen Dingen in den letzten Jahren, als Asperger mehr öffentliche Wahrnehmung fand und viele Ältere sind undiagnostiziert. Die Ambulanzen sind oft überlastet und man möchte so wie so erstmal lieber die Jüngeren testen, weil es sich bei Älteren "nicht mehr lohnt" – zumindest entsteht oft dieser Eindruck. Dadurch treten häufig Selbstdiagnosen auf und manch ein Laie steigt durch Eigeninformation vielleicht sogar zu höherer Expertise auf als mancher Arzt oder Professor.
      For mash get SMASH!
    • Surprised wrote:

      Autismus in der Gesellschaft als "bessere" Diagnose als z.B. eine Zwangsstörung wahrgenommen werde
      Mein Gefühl ist da eigentlich ganz anders. Es gibt so viele Vorurteile gegenüber Autismus und eine Zwangsstörung kann man heilen etc.

      Es ist einfach heute eher die Möglichkeit da etwas von Autismus zu erfahren und man muss keine Angst haben zwangssterilisiert oder institutionalisiert zu werden mit der Diagnose.
      Deshalb wird mehr darüber gesprochen.

      Ich finde solche Artikel sehr traurig.

      Wenn dich das Thema interessiert kann ich dir das Buch "Geniale Störung" empfehlen. Fand ich super spannend zur Entwicklung der Diagnose und der Sicht der Gesellschaft darauf.
    • Surprised wrote:

      Und weiter ob es hinsichtlich des Andersseins sowieso viele Parallelen zwischen Autismus und Homosexualität gibt?
      Nein.

      Der Unterschied ist eigentlich klar. Homosexuelle haben keinerlei klinisch relevanten Einschränkungen.
      Sie lieben nur anders und das mit dem Kinderwunsch kann man auch regeln.
      Autisten hingegen sind in vielerlei Hinsicht eingeschränkt / behindert.

      Dass Hinz und Kunz heutzutage Autisten sein wollen und sich selbst "diagnostizieren" ist eine andere Sache.
      Hohe Zahlen bei der Editierungsanzeige zeigen nicht, dass ich permanent meine Meinung ändern würde. Ich habe nur Probleme Rechtschreib- und Grammatikfehler zu tolerieren und korrigiere diese daher, wenn ich sie sehe.
      Dennoch kann auch ich Tippfehler übersehen. In diesem Fall bitte ich um Nachsicht.
    • Wenn Autismus nur ein leichtes Anderssein mit Superpower wäre, dann würde Autismus ganz sicher nicht im ICD als tief greifende Entwicklungsstörung aufgeführt. Da sollte jeder Autist der das anders sieht, vielleicht nochmal einen realistischen Blick insbesondere auf seine Kindheit und sein frühes Erwaschsenenalter richten.
      Autismus hat schon noch etwas mit Leidensdruck zu tun und auch damit, dass sich das Anderssein wie ein roter Faden durch das gesamte Leben zieht. Nur ist der rote Faden in der Kindheit sicher dicker und im laufe des Lebens wird er dünner, verschwindet aber nie ganz. Er kann auch im Laufe des Lebens mal zwischendurch wieder dicker werden, wenn die Kompensationsfähigkeiten aus Erschöpfungszuständen nachlassen.
      Man kann sich den Autismus natürlich als Superpower schön reden oder schön denken, damit man nicht mehr soviel darunter leidet, aber das ändert nichts an den Fakten der Beeinträchtigungen in bestimmten Bereichen.
      Wer Glück hat und sehr begabt ist, der kann mehr kompensieren, so lange er die Kraft dazu hat. Das sind aber längst nicht alle Autisten. Viele entwickeln auch komorbide (begleitende) Störungen, unter denen sie dann leiden.
      Es gibt auch sehr viele Autisten, die hier im Forum und auch sonst im Internet aufgrund ihrer Beeinträchtigungen, sich garnicht selbst zu Wort melden können, oder so rasch so dermaßen anecken, dass sie schnell wieder von den Plattformen verschwunden sind.

      Ich denke nicht, dass man Autismus sinnvoll mit Anderssein, wie z.B. Homosexualität vergleichen kann.
    • Nein, ich finde den Vergleich Autismus / Homosexualität sehr unpassend. Das hat nichts miteinander zu tun und ist auch in den Auswirkungen nicht vergleichbar.

      Ich stelle aber auch fest, dass viele Leute meinen, zum Spektrum zu gehören, weil es gerade anscheinend angesagt ist, Autist zu sein... das ist absolut lächerlich und beleidigt die Menschen, die unter ihren Symptomen (ich nenne das jetzt einfach mal so) leiden und auf Hilfe angewiesen sind. Ich kann auch einfach nicht begreifen, wieso man dieses Schicksal (ja, ich empfinde das so, obwohl ich mich weder schäme noch minderwertig fühle) anstreben sollte, wenn man ein "normales" Leben haben kann. Das ist doch keine neue Frisur!

      Die selbsternannten Autismus-Experten gehen mir gewaltig auf die Nerven, wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Klappe halten!
      Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein.
      (Albert Einstein)

      The post was edited 1 time, last by Aspielle ().

    • Lichterfreund wrote:

      Wenn Autismus nur ein leichtes Anderssein mit Superpower wäre, dann würde Autismus ganz sicher nicht im ICD als tief greifende Entwicklungsstörung aufgeführt. Da sollte jeder Autist der das anders sieht, vielleicht nochmal einen realistischen Blick insbesondere auf seine Kindheit und sein frühes Erwaschsenenalter richten.
      Autismus hat schon noch etwas mit Leidensdruck zu tun und auch damit, dass sich das Anderssein wie ein roter Faden durch das gesamte Leben zieht. Nur ist der rote Faden in der Kindheit sicher dicker und im laufe des Lebens wird er dünner, verschwindet aber nie ganz. Er kann auch im Laufe des Lebens mal zwischendurch wieder dicker werden, wenn die Kompensationsfähigkeiten aus Erschöpfungszuständen nachlassen.
      Man kann sich den Autismus natürlich als Superpower schön reden oder schön denken, damit man nicht mehr soviel darunter leidet, aber das ändert nichts an den Fakten der Beeinträchtigungen in bestimmten Bereichen.
      Wer Glück hat und sehr begabt ist, der kann mehr kompensieren, so lange er die Kraft dazu hat. Das sind aber längst nicht alle Autisten. Viele entwickeln auch komorbide (begleitende) Störungen, unter denen sie dann leiden.
      Es gibt auch sehr viele Autisten, die hier im Forum und auch sonst im Internet aufgrund ihrer Beeinträchtigungen, sich garnicht selbst zu Wort melden können, oder so rasch so dermaßen anecken, dass sie schnell wieder von den Plattformen verschwunden sind.

      Ich denke nicht, dass man Autismus sinnvoll mit Anderssein, wie z.B. Homosexualität vergleichen kann.
      Danke dir. :)

      Wenn Autismus nur eine Superkraft wäre und ein Anderssein, dann würde ich jetzt sicher keinen Antrag auf Feststellung des GdB stellen.
    • Ich kann den Artikel nicht lesen, da steht, ist nur für Abonnenten.

      Aber ich stimme den bisherigen Aussagen zu.
      Ein Vergleich mit Homosexualität ist nicht angebracht.

      Ich hatte diese Aussage von Greta mal gelesen, Autismus als Superkraft, aber ich schreibe das ihrer Jugend zu. Wenn man jung ist und gerade ins Leben startet, ist es vermutlich schöner, es so zu sehen, als zu denken, "ich habe eine Behinderung und werde xyz in meinem Leben wahrscheinlich nicht machen können".
      Alles wird galaktisch gut.
    • Aspielle wrote:

      Ich stelle aber auch fest, dass viele Leute meinen, zum Spektrum zu gehören, weil es gerade anscheinend angesagt ist, Autist zu sein
      Wo stellst Du das denn fest? Also ich kenne niemanden - hier im Forum tauchen zwar gelegentlich mal Leute auf, wo man den Eindruck hat, aber die sind meist schnell wieder weg. In großem Umfang - nein, aber die Diskussion um die "Fake-Autisten" taucht ja nun regelmäßig wieder auf, kürzlich verstieg sich sogar jemand zu der mE absurden Behauptung, hier im Forum seien "bis zu 90%" keine echten Autisten. Es wird sicherlich den einen oder anderen geben, der ein weniger "populäres" psychiatrisch relevantes Problem hat, aber sich selbst lieber als Autist sieht - aber das sind ja auch Leute mit einem realen Problem (wenn auch einem anderen).

      @Lichterfreund Ich spare mir das Vollzitat - so sehe ich es auch.
    • Surprised wrote:

      Ich habe gestern in der Süddeutschen Zeitung den Artikel zu Autismus "Anderssein als Superkraft" gelesen, von dem hier sueddeutsche.de/leben/autismus-1.4617443?reduced=true leider nur die ersten Zeilen zu lesen sind.
      An welchem Tag ist der Artikel erschienen? Ich habe ihn in der gestrigen Ausgabe nicht finden können. Am Freitag war er auch nicht drin. Oder ist der nur digital verfügbar?
    • Surprised wrote:

      Darin war u.a. davon die Rede, dass aktuell sehr viele Leute gerne als Autisten diagnostiziert werden würden, weil Autismus in der Gesellschaft als "bessere" Diagnose als z.B. eine Zwangsstörung wahrgenommen werde und Autismus daher zu einer Art "Königsklasse" der psychiatrischen Diagnosen aufgestiegen sei.
      Also ich fühle ich eigentlich nicht so.
      Ernstgenommen wurde ich von meinen Mitmenschen (außer vielleicht ärzten und selbst da gibt es ausnahmen) nie so wirklich, egal ob mit diagnose oder ohne.

      Vielleicht ist Königsklasse das falsche Wort.
      Es ist nur eher als Behinderung unter den Menschen angesehen als als psychische Krankheit.
      Menschen nehmen meiner Erfahrung nach mehr Rücksicht auf einen Behinderten (habe das selber damals oft genug erlebt als ich noch einen Freund hatte aus der Schule, der hatte eine Behinderung und wurde mehr oder weniger immer besser behandelt als ich und alles wurde auf die Behinderung geschoben was ich unfair fand, ich habe mich in einigen Teilen mit ihm geähnelt aber nicht bei allem, aber ich hatte vergessen das ich damals eine AS Diagnose bekommen hatte, das war nach der Zeit im Heim).
      Wenn sie hören man hat eine Psychische Krankheit soll man einfach Medikamente nehmen oder in die Psychiatrie zurück gehen wenn das auch nichts hilft und sonst nichts weiter, mit anderen Worten, schluck doch medis damit du normal funktionierst.


      Surprised wrote:

      Mich persönlich hat an dem Text gestört, dass Autismus als hippe Modediagnose beschrieben wurde, die sich Leute gerne selbst zuschreiben. Es ist Fakt, dass gerade die Zahl der Menschen mit (selbst-)diagnostiziertem Autismus steigt. Und ich überlege mir, ob das nicht vielleicht eine ähnliche Entwicklung ist, wie ehedem, als Menschen, die sich schon ihr ganzes Leben zu Menschen gleichen Geschlechts hingezogen fühlten, erfuhren, dass es was gibt, was sich Homosexualität nennt und dass sie das betrifft? Also wo das Kind plötzlich einen Namen hatte (RW)? Und dass nun durch Greta und Co. mehr Menschen auf die Idee kommen, dass der Name für ihr Anderssein eben Autismus lautet?
      Noch heute höre ich in manchen konservativen Kreisen, dass Homosexualität eine "neue Mode" sei und ich überlege, ob es der Autismusdiagnose aktuell ähnlich ergeht?
      Also die Neue Mode ist höchsten die tatsache das diese Dinge heute öffentlich mehr gezeigt werden, man redet nicht mehr in Hinterzimmern darüber.
      Homosexuelle (und auch Transgender wie ich) müssen sich nicht mehr verstecken und Menschen die psychische Krankheiten und/oder Behinderungen haben werden auch nicht mehr weggesperrt wie früher wo sich die Menschen noch dafür zu schämen hatten.
      Ich glaube für Behinderte hat man nach dem Zweiten Weltkrieg wenig getan. Noch Jahrzehnte danach wurden Menschen versteckt und weggesperrt weil die Eltern es als Scham empfunden so ein Kind überhaupt zu haben.
      Vermutlich hat man den Eltern nie was anderes erzählt so das diese Einstellung teilweise heute noch existiert, wenn auch nicht mehr so wie vor 30+ Jahren.

      Zum Thema, ich vermute das Leute aber auch heute noch so denken wie du es beschrieben hast.
      Ich habe es ja ende der 90er selber erlebt. Ich war 12-13 und man machte mir nichts als Vorwürfe und beschimpfte mich und meine Mutter aufs Übelste weil man meine Mutter für mein Verhalten verantwortlich machen wollte. Also angeblich war ihr Einfluss, ihr Nichtimstandesein mich gescheit zu erziehen dafür verantwortlich das ich ein Junge sein wollte und nur am malen war und mich noch wie ein 6-jähriges Kind verhielt und sonst auch eher ungebildet war.
      Man nannte mich deswegen ständig geisteskrank und zurückgeblieben.
      Als dann die AS-diagnose kam, hieß es von einem Tag auf den anderen das ich ja garnichts dafür kann, es ist ja eine Behinderung und ich bin halt so. Weiter malen und ein Junge sein durfte ich aber deswegen trotzdem nicht. Das änderte sich erst kurz danach als ich ins Heim kam.


      Surprised wrote:

      Und weiter ob es hinsichtlich des Andersseins sowieso viele Parallelen zwischen Autismus und Homosexualität gibt? Also ich denke da so ans Outing/Auting, an mögliche Diskriminierung, an Abweichungen in der persönlichen Lebensplanung etc.
      Ich könnte mir hier nur Pralelen bei eher hochfunktionalen Autisten und dem Umgang mit der eigenen "abweichenden Sexualität" vorstellen.
      Leute die gut kompensieren können, auch wenn es immer ein krampf war (wenn man jung ist hat man eventuell die Kraft die ja irgendwann weggeht) können es ggf teilweise verbergen, auch wenn sie ja merken das sie anders sind, und da kommt nun auf einmal mehr und mehr Info in die Gesellschaft eben genau über diese Thematik und Leute fühlen sich bestätigt, eine menge Leute, die nun alle auf einmal denken "Endlich hat das Verstecken ein Ende".
      So ging es schon damals vielen homosexuellen Menschen in den 80ern. Ich glaube die leute die sich damals für ihre Sexualität bekannt haben waren da meist eher noch die Künstler, in der Szene (egal ob Kunst oder auch Musik) sind die Leute offener damit umgegangen weil man da eh extrovertierter sein durfte als im "normalen Leben".
      Mein vater ist glaube ich eher ein urkonservativer mensch auch wenn er das auf den ersten blick garnicht so zeigt.
      Man merkt es aber doch an seinem Verhalten.
      In den 80er oder 90er Jahren trug er mal ein rosa Hemd. Einmal sprach ihn ein Kind an ob er denn schwul sei.
      Er fagte das Kind wie es denn darauf komme, und das Kind meinte, er trägt ja ein rose Hemd, sowas tragen doch Schwule.
      Seitdem hat er dieses Hemd nie wieder getragen, so unangenehm war ihm das :m(:
      Er wollte jedenfalls nicht in diese Schublade gesteckt werden, selbst wenn das durch ein Kind passiert das eigentlich keine Ahnung davon hat und nur das Gelaber von den Eltern aufgeschnappt hat.


      Nowhere Mat wrote:

      Wer meint, Homosexualität sei eine Mode, hat wohl nicht verstanden, wie Sexualität funktioniert.
      Ich vermute eher das mit "Mode" bezieht sich mehr auf das öffentlich damit umgehen, nicht das "Heute bin ich schwul weil es ja so toll ist und in 3 tagen wenn es wieder out ist bin ich wieder hertero".
      Es kann vielleicht Menschen geben die echt denken "Achte heute will ich diesen Trend mitmachen, machen ja alle" aber mei was soll denn das für einen Sinn haben?
      Retorische Frage: Sind die leute echt so blöd? :fun: :m(:
      Ich glaube nicht das das viele menschen echt machen.

      Vielleicht sollte man das auch positiv sehen.
      Die menschen die davon wirklich betroffen sind, erfahren jetzt vielleicht zum ersten mal davon und haben die Möglichkeit das testen zu lassen um dann ihr Leben vielleicht anders, besser, für sie angenehmer zu gestalten als das vorher der Fall war.


      Surprised wrote:

      Ich habe gestern in der Süddeutschen Zeitung den Artikel zu Autismus "Anderssein als Superkraft" gelesen,
      Ich halte von der Bezeichnung garnichts.
      Ich kann zwar irgendwie verstehen das die "Nicht-autisten" es als was tolles ansehen manche Dinge zu können die sie eigentlich nicht so gut können, aber das trifft ja auch wieder nur auf wenige Autisten zu und noch viel weniger können das zu einem echten Vorteil machen wie zB wenn man mehr Gerüche warnimmt als andere und man das beruflich nutzen kann.
      Für die meisten ist das aber eher eine Belastung in viele Lebenssituationen. Ich erlebe das ja auch ständig wenn ich wo hingehe und andere Menschen teffe. Sehr unangenehm, es tut sogar in der Nase weh.
      Mit geräuschen ist es genauso, mit Licht ebenfalls, also als Superkraft sehe ich sowas nicht.
      Bislang konnte ich an mir noch keine wirkliche Fähigkeit finden die mich berufstechnisch weiter bringt. Ich kann zwar gut malen, aber das kann ich auch nicht 8 h pro Tag 5 Tage die Woche machen :-/
      Wenn ich mehrere Stunden am Stück male tun mir mehrere Gelenke an Händen, Fingern, Armen, Schulter und der Rücken weh, und das kann ich nicht jeden Tag machen, das würde dann schnell zu Entzündungen führen und vielleicht chronisch werden, ist als beruflich ungeeignet für mich.
      Die meisten Nichtautisten können sich das kaum vorstellen. Die sehen nur die paar tollen Beispiele von menschen die super gut Rechnen können oder einen Fehler in einem Algorythmus oder wie das heißt auf anhieb erkennen und darum gold wert für jedes IT-Unternehmen sind, aber die große, die übergroße Masse an Autisten die nichts der gleichen können werden komplett übersehen.


      MangoMambo wrote:

      Wenn Autismus nur eine Superkraft wäre und ein Anderssein, dann würde ich jetzt sicher keinen Antrag auf Feststellung des GdB stellen.
      Sehe ich auch so, ich wäre dann sicher auch Porschedesigner geworden, wie es mir mein Okel mal sagte als ich 10 war und ein Auto malte :m(:


      HCS wrote:

      Wo stellst Du das denn fest? Also ich kenne niemanden - hier im Forum tauchen zwar gelegentlich mal Leute auf, wo man den Eindruck hat, aber die sind meist schnell wieder weg.
      Das habe ich mich auch gefragt, aber dann fiehl mir ein, das ich ja kaum unter andere Menschen gehe, andere hier aber schon, allein schon durch eine regelmäßige Arbeit. Da könnte ich mir vorstellen das er/sie sowas schonmal mitbekommen hat.
    • Es gibt viele Menschen, die in irgendeiner Form "anders" sind und es dadurch schwer haben. Z. B. würde ein Kind mit einem missgebildeten Gesicht es schwerer haben, Freunde zu finden. Aber wenn es Glück hat, merken die anderen irgendwann: Der sieht zwar anders aus, aber innerlich ist er ja doch wie wir. Er lacht über die selben Dinge wie wir, er spielt so mit uns wie andere Kinder, wir interagieren auf gleiche Weise, wir verstehen uns und so weiter. Einen ähnlichen Effekt erlebt man bei vielen Menschen, die irgendwie "anders" sind. Selbst Leute, die z. B. einen anderen ethnischen oder kulturellen Hintergrund haben, die eine körperliche Behinderung haben, die Vegetarier oder Veganer sind, selbst die, die einer anderen Religion oder Gesellschaftsschicht angehören oder an denen sonst etwas anders sind, bei all denen wird man in der gemeinsamen Interaktion letztlich feststellen, dass "wir" in vieler Hinsicht gar nicht soo verschieden sind. Und dass auch eine Art gegenseitige Anpassung, Gleichwerdung erfolgt im Verlauf der Gruppenbildung und / oder gesellschaftlichen Integration.

      Doch bei Autisten funktioniert dieses System in der Regel nicht, denn bei Ihnen ist in der Interaktion etwas grundsätzlich anders, fremd wirkend. Ihre Chancen auf Akzeptanz sind nur gegeben bei Leuten, die in gleichem Maße Mr. Spock, Data und Co. akzeptieren würden, obwohl deren Auftreten einfach nicht zum natürlichen Auftreten der Menschen passt. Die Unterschiede im Spielverhalten, im Arbeitsverhalten, in der verbalen und nonverbalen Kommunikation usw. werden vom Autisten selber oft gar nicht oder nur geringfügig wahrgenommen, sind aber so gravierend, dass eine Ausgrenzung oft automatisch erfolgt und kaum verhindert werden kann. Und hier ist es eben selten so, dass eine längere Zeit des Zusammenseins die Dinge verbessert sondern es ist oft eher umgekehrt, da das Fremdartige bleibt und mit der Zeit um so mehr heraussticht, wenn ein Zeitpunkt eintritt, wo man meint man müsste über die erste "Fremdelphase" bereits hinaus sein und andere haben in der Zeit längst Freundschaften miteinander geschlossen. Da ist die Gruppenintegration quasi misslungen, selbst wenn er formal gesehen der selben Gruppe angehört.

      Von daher sage ich auch Autismus ist gravierender, auch wenn bestimmte Dinge wie z. B. das Verheimlichen parallel vorhanden sein können. Vergleichbar schlechte Chancen der sozialen Integration haben allerdings Menschen mit geistiger Behinderung, da auch sie nicht in üblicher Weise sozial interagieren können, da sie dafür quasi nicht smart genug sind. Manche von ihnen haben allerdings eine sehr hohe emotionale Kompetenz (EQ), was schon hilfreich sein kann.
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.

      The post was edited 1 time, last by Lex ().

    • Mit Superkraft würde ich es nicht in Verbindung bringen. Den Vergleich mit Homosexualität finde ich nicht schlecht.
      Für mich ist Autismus weder Behindrung, noch Krankheit. Einfach eine andere Art zu sein, zu denken und wahrscheinlich einige andere Verbindungen im Gehirn.
      Homosexualität ist ja auch einfach eine andre Art zu denken und sein (einfach ausgedrückt, kanns grad nicht besser erklären).
      Homosexuelle habens bestimmt auch nicht immer einfach (meist geringre Partnerwahl, teils Ausgrenzung von Gesllschaft).
      Ich denke die heutige Welt überfordert viele Autisten (sowie NTs, auch wenn in geringerem Ausmass). Früher gabs keine Technik, keine Autos, keine Kassen, keine Lampen, weniger Menschen etc. Da sind Autisten früher vieleicht besser zurechtgekommen (sprich ich denke eher das Umfeld ist schwierig für Autisten und nicht Autisten selbst (frühkindliche schliesse ich jetzt mal aus)
    • Nalia wrote:

      (sprich ich denke eher das Umfeld ist schwierig für Autisten und nicht Autisten selbst (frühkindliche schliesse ich jetzt mal aus)
      Das ist unlogisch. Erstens, dass du einen Teil der Autisten ausschließt, zweitens dass du die Umwelt als Ursache der Schwierigkeiten bezeichnest und nicht den Autismus selbst. Autisten, auch die hochfunktionalen, haben abgesehen davon in jeder Umgebung durchaus relevante Schwierigkeiten, man denke nur an die Probleme, überhaupt Freundschaften zu schließen.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Nalia wrote:

      Mit Superkraft würde ich es nicht in Verbindung bringen. Den Vergleich mit Homosexualität finde ich nicht schlecht.
      Für mich ist Autismus weder Behindrung, noch Krankheit. Einfach eine andere Art zu sein, zu denken und wahrscheinlich einige andere Verbindungen im Gehirn.
      Homosexualität ist ja auch einfach eine andre Art zu denken und sein (einfach ausgedrückt, kanns grad nicht besser erklären).
      Homosexuelle habens bestimmt auch nicht immer einfach (meist geringre Partnerwahl, teils Ausgrenzung von Gesllschaft).
      Ich denke die heutige Welt überfordert viele Autisten (sowie NTs, auch wenn in geringerem Ausmass). Früher gabs keine Technik, keine Autos, keine Kassen, keine Lampen, weniger Menschen etc. Da sind Autisten früher vieleicht besser zurechtgekommen (sprich ich denke eher das Umfeld ist schwierig für Autisten und nicht Autisten selbst (frühkindliche schliesse ich jetzt mal aus)
      Auch ohne Autos und Technik könnte ich keinen Blickkontakt halten, hätte eingeschränkte Motorik, bräuchte Stimming, würde mich in der Gesellschaft mit Kommunikation nicht zurecht finden und wäre mit einigen Alltagsaufgaben überfordert.
    • ich denke, Leute finden "Asperger" toll, weil sie es mit anderen Sachen vermengen und verwechseln:
      - Hochbegabung
      - "Nerd" sein
      - "so wie Einstein "

      oder "Inselbegabung"
      und mittlerweile taucht in vielen Fernsehserien jemand auf, der Autist UND genial ist.....

      das findet man toll und möchte das lieber haben als eine "soziale Phobie".
      "Asperger ist eine unsichtbare Behinderung." "Oh, sieht man dir gar nicht an." "Ähhh....genau" :irony:
    • Rhianonn wrote:

      ich denke, Leute finden "Asperger" toll, weil sie es mit anderen Sachen vermengen und verwechseln:
      - Hochbegabung
      - "Nerd" sein
      - "so wie Einstein "

      oder "Inselbegabung"
      und mittlerweile taucht in vielen Fernsehserien jemand auf, der Autist UND genial ist.....

      das findet man toll und möchte das lieber haben als eine "soziale Phobie".
      und Hochsensibilität...
    • Shenya wrote:

      Nalia wrote:

      (sprich ich denke eher das Umfeld ist schwierig für Autisten und nicht Autisten selbst (frühkindliche schliesse ich jetzt mal aus)
      Das ist unlogisch. Erstens, dass du einen Teil der Autisten ausschließt, zweitens dass du die Umwelt als Ursache der Schwierigkeiten bezeichnest und nicht den Autismus selbst. Autisten, auch die hochfunktionalen, haben abgesehen davon in jeder Umgebung durchaus relevante Schwierigkeiten, man denke nur an die Probleme, überhaupt Freundschaften zu schließen.
      Für mich ist es nicht unlogisch, hat für mich mit der Intelligenz zu tun.


      MangoMambo wrote:

      Auch ohne Autos und Technik könnte ich keinen Blickkontakt halten, hätte eingeschränkte Motorik, bräuchte Stimming, würde mich in der Gesellschaft mit Kommunikation nicht zurecht finden und wäre mit einigen Alltagsaufgaben überfordert.
      Was genau du mit eingeschränkter Motorik meinst weiss ich nicht so genau. Ich selbst bin schusselig, dass stört mich jedoch meist nicht und bin teils überrascht, dass es andren nicht so geht.
      Stimming stört doch niemanden?
      Kommunikation finde ich auch oft schwierig.
      Ich bin in der Regel nicht überfordert mit Alltagsaufgaben (sofern man Arbeit weglässt), kann da also nicht mitreden. Ist aber durchaus ein Punkt, den ich so nicht bedenken kann.
    • @Nalia
      durch den Autismus...
      • Habe ich Probleme mit grob und Feinmotorik
      • Fehlt mir das selektive Hören
      • Habe ich kein Durstgefühl
      • Habe ich Überempfindlichkeiten gegenüber Licht, Geräuschen und Gerüchen
      • Sind meine Exekutiven Funktionen eingeschränkt
      • Ist meine Theory of Mind eingeschränkt
      • Habe ich Probleme Gefahren zu erkennen
      • Habe ich Probleme meine Mimik, Körpersprache und Prosodie zu steuern und diese bei anderen zu erkennen
      • Brauche ich Stimming, das stört manchmal andere und ist auffällig
      • ...