Welche Hürden gibt es im Alltag für euch? Haben Ihr für euch Möglichkeiten entwickeln können, diese Herausforderungen zu kompensieren?

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    • Welche Hürden gibt es im Alltag für euch? Haben Ihr für euch Möglichkeiten entwickeln können, diese Herausforderungen zu kompensieren?

      Ich musste heute morgen in die Innenstadt, da ich neue Schuhe brauchte - und es schlichtweg der Horror. Die Sonne knallte und dazu die ganze Geräuschkulisse. In solchen Situation fange ich immer ganz stark zu schwitzen an, so dass ich fast komplett durchgenässt bin. Darum wiederum starren mich die Leute an. Und das ganze wir noch schlimmer. Geht es euch auch und habt ihr Lösungen dafür parat?
    • Also wirkliche Lösungen gibt es für das eigentliche Problem (das Überfordert-sein mit der Reizüberflutung) eigentlich kaum welche, außer in eine gegend fahren oder ziehen wo generell schonmal weniger menschen sind (Geschäfte gibt es auch in kleineren Ortschaften und nicht nur in Metropolen oder Einkaufscentern).
      Wenn das aber noch zu viel ist, kann man nur versuchen das problem zu umgehen. Im Internet kaufen und sich das dann zuschicken lassen.
      Nur noch selten überhaupt weggehen, so das man genug kraft hat das zu tun wenn man es denn tun muss. Ich zB gehe nur einmal die Woche in die Stadt und das auch nicht allein, und Samstags gehe ich einkaufen in einer anderen Stadt, auch nicht allein.
      Allein wäre das nervlich auch ein krampf für mich weil ich mir dann schutzloser vorkomme. Also den anderen mehr ausgesetzt.
      Keine Ahnung wie das kommt.
      Wenn man aber jeden tag arbeiten muss und dann auch raus muss, hat man vermutlich keine Energie für solche separaten Unternehmungen mehr.
    • pyromane wrote:

      Geht es euch auch und habt ihr Lösungen dafür parat?

      Ich bestelle vieles online, auch Schuhe.
      Und vermeide es in der Innenstadt einzukaufen.
      Wenn ich im Laden etwas gezielt kaufe dann am Liebsten, wenn ich im eigenen Rhythmus unterwegs sein kann und wieder weg kann, sobald ich es möchte.
      Wenn wir den Kirschbaum spalten, finden wir dort keine Blüte.
      Es ist der Frühling, der die Blüten hervorbringt.

      Ama Samy
    • Außer so Dinge wie Sonnenbrille gegen helles Licht, Kopfhörer und Ohrstöpsel nutzen gegen den Lärm, ggf Fidgets die einen ablenken, auf die man sich fokussieren kann.
      Ich habe zB. immer versvhiedene Fidgets mit. Diese Fifget Würfel mit Knöpfe, Schalter, Räder dran. Auch ein kleines Kugellabyrinth in einem Würfel dabei. Zudem ein Buch über Spinnen im Rucksack, das mich ablenkt (sind mein SI und Hobby).
      Wenn ich merke es wird zu viel, suche ich mir irgendeine Ecke, in der mich zumindest keiner anrempeln kann (also nicht mitten in der Einkaufsstraße sondern am Rand oder so) und blättere durch das Buch.
      Das hilft erstmal und gibt mir Zeit mich nochmals zu beruhigen für einen zweiten Versuch etwas in einem vollen Geschäft zu kaufen oder um zur Bushaltestelle zu gelangen.
      Wenn du mit jemanden gemeinsam im Auto hin fahren kannst könnte das helfen. Ich mache diese meist mit meinen Betreuer.
      Ansonsten halt Sonnenbrille, Ohrstöpsel, Fidget Toys und Stimming.
      Und halt im Internet bestellen.
    • Ja und nein, denn bislang hieß meine Lösung einfach aushalten und später wieder durchschnaufen. Aber Sonnenbrille und Kopfhörer sind viel besser. Ich würde drauf achten, dass die Kopfhörer ANC haben. Das ist die aktive Geräuschunterdrückung und hilft einfach nur unglaublich gut.
      Wenn man auf eine Party geht, gibt es immer ein Risiko.
    • pyromane wrote:

      Ich musste heute morgen in die Innenstadt, da ich neue Schuhe brauchte - und es schlichtweg der Horror. Die Sonne knallte und dazu die ganze Geräuschkulisse. In solchen Situation fange ich immer ganz stark zu schwitzen an, so dass ich fast komplett durchgenässt bin. Darum wiederum starren mich die Leute an. Und das ganze wir noch schlimmer. Geht es euch auch und habt ihr Lösungen dafür parat?
      Schuhe kaufen finde ich sehr übel. Ich habe in der Nähe von meinem arbeitsplatz riesige Einkaufsmöglichkeiten, da gehe ich nie hin, kleinere Geschäfte in kleinen Orten sind die Wahl, vor allem, wenn ich zufällig an Ihnen vorbei laufe und mir einen Ruck gebe, dann kann meine Abwehr sich nicht schnell genug aufbauen und ich kann es mit Glück schnell abschließen. Am besten gleich zwei Paar Schuhe oder noch mehr kaufen als reserve, wenn die anderen dann irgendwann kaputt sind.
    • ich achte außerdem sehr auf die uhrzeit. z.b. wenn möglich unter der woche vormittags in die stadt. möglichst garnicht am wochenende, erst recht nicht zwischen oktober und dezember/ januar (weihnachtsgeschäft).
      lebensmittel einkaufen geht dann auch meist besser, ansonsten nach 20.15 uhr (für viele immer noch fernsehzeit). kleine läden bevorzugen (die auswahl ist zwar kleiner, aber der stress auch, zu viel auswahl stresst mich und verleitet eh nur zu unnötigem konsum)

      ggf. nehme ich auch betreuer o.ä. mit, die gerade bei großen läden die navigation übernehmen (zum gewünschten artikelstandort hinkommen kann mich schon sehr stressen, ich habe gerade bei reizüberflutung probleme, mich zu orientieren)
    • pyromane wrote:

      Geht es euch auch und habt ihr Lösungen dafür parat?
      Kleidung bestelle ich wenn möglich online oder aus dem Katalog. Sonst bin ich immer unter der Woche oder Samstag zur Ladeneröffnung da, damit noch nicht so viele Menschen unterwegs sind. Ich kaufe bevorzugt in Outdoor- oder Arbeitskleidungsläden, da diese einen kleineren oft ruhigeren Kundenkreis haben.
      Ein großer Teil meiner Kleidung derzeit kommt aus einem Katalog für Arbeitskleidung, es ist bequem, funktional und hält lange, außerdem sieht es gut genug aus für ein wenig Kundenkontakt.
    • Ich kenne das auch wenn ich zum Beispiel in Läden bin oder es mir allgemein zu viel wird. Ich muss dann einfach nach einer gewissen Zeit gehen. Ansonsten werde ich sehr zappelig und das steigert sich die ganze Zeit oder ich kann auch aggressiv werden oder ich bekomme kaum noch was mit so dass ich auch nicht mehr rechtzeitig reagieren könnte wenn mir jemand entgegengelaufen kommt. Dann muss ich mich meistens von meiner Mutter führen lassen falls sie dabei ist. Und was dagegen tun kann ich nicht nur manchmal an meine Grenzen gehen wenn das nötig ist aber das raubt mir extrem viel Kraft.
    • Ich bezieh mich auf die Thread-Überschrift, weil ich genau so einen Thread gesucht habe (also nicht auf die spezielle Fragestellung im Eingangsbeitrag).

      Ich probiere etwas Neues aus, um mit bestimmten Situationen umzugehen: morgen bin ich mit meiner Familie "in der Stadt" verabredet und als ich mir die einzelnen Schritte vom Aufstehen bis zum Ankommen am Ziel aufgeschrieben habe (auch das führe ich gerade erst ein), spürte ich enorme Unruhe in mir - weil ich plötzlich vor Augen hatte, was da alles auf mich zukommt, insbesondere, dass ich eine Strecke fahren muss, die ich fast nie fahre und dann die Umsteige-Haltestellen, beide an sehr verkehrsreichen Stellen. Dann noch dran denken, direkt vor dem Ankommen am Ziel zum Geldautomaten zu gehen...

      Ich hab seit einigen Monaten immer mal wieder auf Fotos zurück gegriffen, um mich auf etwas einzustellen.

      Da hab ich jetzt für morgen folgendes gemacht: hab eine Notiz-App installiert (auf dem Handy), wo ich zu den Notizen Fotos darstellen lassen kann. Für den Weg morgen hab ich mir einzelne Notizen gemacht und hab mir im Internet Fotos von dem jeweiligen Ort herausgesucht, auf dem Handy gespeichert und dieses Foto dann der Notiz angehängt.

      Außerdem hab ich ein Foto von meiner Mutter, meiner Schwester und mir ebenfalls an eine Notiz gehängt.

      Wenn ich die App öffne, erscheint mir jetzt der gesamte Ablauf mit Stichworten und den Fotos auf dem Display, sodass ich schon sehe, was auf mich zukommt.
      Als letzte Notiz hab ich "Zuhause" mit einem Foto von meinem Wohnbereich :)

      Als ich das fertig gestellt hatte, hab ich mich schon viel sicherer gefühlt :o Und morgen hab ich dann für unterwegs halt auch diese visuelle Unterstützung. Im Normalfall nämlich sag ich mir permanent vor, wo ich aussteigen muss, dass ich noch Geld abheben muss (ich hab zwar immer einen Zettel dabei, wo ich mir für solche nicht-Alltags-Fahrten alles aufgeschrieben habe, aber trotzdem hab ich dann immer Angst, doch zu früh oder zu spät auszusteigen.)
      Ich werd morgen sehen, ob es mit den Bildern statt Worten besser funktioniert.

      Die mentale Vorbereitung auf die Orte durch Ansehen der Fotos jedenfalls hat schon mal was gebracht :]

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    • Ich bin nur Verdachtsautistin, deswegen ist das jetzt mit Vorsicht zu genießen (RW).
      Ich habe den Eindruck, dass es mir manchmal hilft, wenn meine Reizschwelle schon etwas höher ist, als im entspannten Zustand. Also wenn ich morgens schon joggen war und mit jemandem gesprochen habe, ist es einfacher, auch reizstärkere Dinge zu machen, ich bin dann schon abgehärteter.

      Allerdings ignoriere ich auch teilweise sehr konsequent meine Belastungsgrenzen. Saß auch schon total fertig in der Mensa(zu viele Leute), in meinem Zimmer(zu viel Chaos) und auch in der Innenstadt beim Einkaufen. Da kann ich absolut nichts raten.
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      Mugwump wrote:

      Ich bin nur Verdachtsautistin, deswegen ist das jetzt mit Vorsicht zu genießen (RW).
      Ich habe den Eindruck, dass es mir manchmal hilft, wenn meine Reizschwelle schon etwas höher ist, als im entspannten Zustand. Also wenn ich morgens schon joggen war und mit jemandem gesprochen habe, ist es einfacher, auch reizstärkere Dinge zu machen, ich bin dann schon abgehärteter.
      Das ergibt für mich sehr viel Sinn. Ich habe übrigens auch keine Diagnose.

      Mugwump wrote:

      Allerdings ignoriere ich auch teilweise sehr konsequent meine Belastungsgrenzen. Saß auch schon total fertig in der Mensa(zu viele Leute), in meinem Zimmer(zu viel Chaos) und auch in der Innenstadt beim Einkaufen. Da kann ich absolut nichts raten.
      So geht es mir auch.
      Wenn man auf eine Party geht, gibt es immer ein Risiko.