Großes Interesse an zwischenmenschliche Vorgänge?

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    • Großes Interesse an zwischenmenschliche Vorgänge?

      Ich habe keine Asperger Diagnose, aber wollte mich mit meinem Anliegen mal an euch wenden.

      Ich verwende beim Sprechen keine Gestik und ich achte auch nicht auf die Körpersprache meines Gegenübers. Augenkontakt halte ich aus Respekt ab und zu, aber es fällt mir schwer und manchmal konzentriere ich mich auch so sehr darauf, dass ich den Gesprächsinhalt nicht mehr verstehe.

      Ich kann auch nur vertrauten Menschen in die Augen schauen.

      Allerdings bin ich extrem gut darin Dinge zu interpretieren und verstehe auch Ironie und Sarkasmus in Geschichten usw.
      Im Alltag fällt mir das Ganze hingegen schwer. Es ist nicht so, dass mich andere Menschen nicht interessieren. Ich habe ein großes Interesse an Psychologie und Pädagogik und liebe es zwischenmenschliches Verhalten zu analysieren. Meine ganze Gedanken kreisen sich darum, wie sich manche Menschen mir gegenüber verhalten und warum sie sich so verhalten.

      Ich muss immer über alles rational nachdenken, weil ich das alles nicht intuitiv wahrnehme.

      Kennt ihr das zufällig auch?
    • Hallo Maja,

      aus diesem Interesse, besser der Notwendigkeit endlich zu durchblicken, "wie Menschen allein und miteinander funktionieren", ergaben sich mein Studium und später der Beruf.
      Damals wusste ich ja nicht, dass ich eine Aspie bin und wollte nur verstehen und können, was andere auch können, egal wie.
      Die Diagnose bekam ich erst vor knapp zwei Jahren.
      In den nächsten Tagen stelle ich dir, wenn du magst, mal etwas Literatur zusammen, die mir auf die Sprünge geholfen hat/RW.

      Letztendlich hab ich jahrelang NTs erklärt, wie NTs funktionieren :lol:
      Dass ich allerdings in vielen Situationen nicht durchschaute....hatte sich mit der Diagnose erklärt.
      Heute nehme ich die Unterschiede AS-NT deutlicher wahr und kann immer besser "übersetzen".

      Das ist sehr interessant. Es sind mehr Gemeinsamkeiten, aber die Unterschiede im Detail dann.... mittlerweile denke ich "spannend" und oft auch "lustig".

      Bin gerade in einer Fortbildung zu "Arbeit mit Menschen", danach immer völlig platt/RW und werde frühestens Montag hier was zusammenstellen können.
      "AS? Sie wirken gar nicht so" -"Danke für die Bestätigung und Anerkennung all der geleisteten Arbeit, die dahinter steckt :) ".
    • Maja.010 wrote:

      Ich muss immer über alles rational nachdenken, weil ich das alles nicht intuitiv wahrnehme.

      Kennt ihr das zufällig auch?
      Ich muss auch rational darüber nachdenken, aber ich habe kein Bedürfnis danach, es oft zu tun.

      Dieses Jahr bekam ich eine Bestätigung meiner AS-Diagnose. Dazu gehörte das Ansehen eines Kurzfilms, dessen Handlung an Seifenopern erinnert. Aufgabe war es, die Intentionen der Figuren zu erklären. Die Psychologin meinte dazu ich würde außerordentlich analytisch darüber nachdenken und das sei für Asperger Autisten typisch.
      "Igitt, die Muse hat mich geküsst." ~ ein autistischer Künstler
    • Maja.010 wrote:

      Ich habe keine Asperger Diagnose, aber wollte mich mit meinem Anliegen mal an euch wenden.

      Ich verwende beim Sprechen keine Gestik und ich achte auch nicht auf die Körpersprache meines Gegenübers. Augenkontakt halte ich aus Respekt ab und zu, aber es fällt mir schwer und manchmal konzentriere ich mich auch so sehr darauf, dass ich den Gesprächsinhalt nicht mehr verstehe.

      Ich kann auch nur vertrauten Menschen in die Augen schauen.

      Allerdings bin ich extrem gut darin Dinge zu interpretieren und verstehe auch Ironie und Sarkasmus in Geschichten usw.
      Im Alltag fällt mir das Ganze hingegen schwer. Es ist nicht so, dass mich andere Menschen nicht interessieren. Ich habe ein großes Interesse an Psychologie und Pädagogik und liebe es zwischenmenschliches Verhalten zu analysieren. Meine ganze Gedanken kreisen sich darum, wie sich manche Menschen mir gegenüber verhalten und warum sie sich so verhalten.

      Ich muss immer über alles rational nachdenken, weil ich das alles nicht intuitiv wahrnehme.

      Kennt ihr das zufällig auch?

      Ich bin nicht in der Lage Gestik, Mimik, Körpersprache zu verstehen. Körpersprache verwirrt mich und trägt dazu bei, dass ich einem Gespräch nicht mehr folgen kann. Minimale Körpsprache hat darauf keinen Einfluss. Augenkontakt halte ich, dann allerdings das ganze Gespräch über. Das könnte irgendwann beim Gegenüber wie ein "durchbohren" ankommen. Daher kann es vorkommen, dass ich zwischendurch mal wo anders hin sehe. Ich respektiere jeden und den Respekt kann man bei mir auch nicht verlieren.

      Bei mir kommt man mit interpretieren nicht wirklich weit und es führt Missverständnissen Das Verhalten meines Gegenübers zu analysieren ist auf die schnelle nicht möglich. Bis ich da mal was verstanden habe, können schon mal Wochen vergehen. Im Gespräch mit meinem Gegenüber sorgt unerklärliches Verhalten für einen Bahnhof im Kopf mit dauerhaften Verkehr, wie zu besten Hauptverkehrszeit einer Großstadt > 600.000 Einwohner. Dann ist richtig was los, nur mein Zug kommt halt nicht.

      Wenn meine Gedanken sich ausschließlich um das Verhalten mir gegenüber drehen, dann bin ich bis zum Lebensende mit Aufgaben versorgt.
      Intuition, habe ich schon mal gehört, ist bei mir eher nicht vorhanden. Halb spontan funktioniert. :)
    • Maja.010 wrote:

      ... Meine ganze Gedanken kreisen sich darum, wie sich manche Menschen mir gegenüber verhalten und warum sie sich so verhalten.
      ...
      Ich habe das nicht so ausgeprägt, oft überschreitet dieses Verhalten meine Wahrnehmungsschwelle nicht.
      Aus der Literatur und Betroffenenberichten weiß ich aber, dass viele "typische" Asperger-Autisten da besonders sensibel sind, und z.B. in ihrer Schulklasse permanent mitbekommen das da "was läuft", ohne es verstehen zu können.
    • Ich hab das von shnoing zitierte stark ausgeprägt, seit der 9. Klasse (Umzug, Internat, sehr verstärktes Mobbing) bewusst und mit den verschiedensten philosophischen Konzepten durchleuchtet gemacht. Das hat den Vorteil, sich ein Gefühl von Kontrolle und Sicherheit verschaffen zu können. Und den Nachteil, vor allem wenn die Theorien als wichtiger/echter/glaubhafter erlebt werden als Gefühle, innerlich immer einsamer, hilfloser und abhängiger zu werden.
      Mir war nicht klar, dass es ok und richtig ist, meinen eigenen Standpunkt als wichtigstes Kriterium zu werten, und von dort freiwillige und zeitlich begrenzte "Ausflüge" zu den angenommenen Standpunkten anderer zu unternehmen. Statt mich ständig im Analysieren der Menschen um mich herum zu erschöpfen.
    • Maja.010 wrote:

      Ich habe ein großes Interesse an Psychologie und Pädagogik und liebe es zwischenmenschliches Verhalten zu analysieren. Meine ganze Gedanken kreisen sich darum, wie sich manche Menschen mir gegenüber verhalten und warum sie sich so verhalten.
      Das ist bei mir auch so, früher noch mehr als jetzt. Es ist wohl im Grunde eine Notwendigkeit, gerade wenn man viele Dinge nicht versteht, und führt dazu, dass man versucht, sich über Literatur und genaue Beobachtung mehr Kenntnisse zu verschaffen. Betrifft allerdings mehr Frauen als Männer. Frauen haben mehr die Veranlagung, zwischenmenschliche Abläufe verstehen zu wollen. Obwohl es Männern auch nicht schaden könnte. Der Vorteil für Frauen ist, dass sie dadurch weniger Konflikte haben, der Vorteil für Männer ist, dass sie besser in Kontakt mit sich selbst bleiben.
      Die Aussage Männer-Frauen soll aber nur eine Tendenz darstellen, es gibt etwas seltener auch Frauen, die sich weniger für das Verhalten der Mitmenschen interessieren, und Männer, die stark versuchen, sich anzupassen. Es ist vermutlich auch eine Frage, wie sozial man eingestellt ist oder wie man erzogen wurde oder welche Vorbilder man hatte oder.... keine Ahnung was.
      Alles wird galaktisch gut.