GdB ja oder nein?

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    • GdB ja oder nein?

      Hallo,

      ich weiß, daß es zu dem Thema schon dutzende Threads gibt und ich habe auch schon wirklich viele gelesen. Schlau bin ich immer noch nicht....

      Macht es Sinn einen Antrag zu stellen wenn kein GbB über 50 herauskommen würde? Hat man mit 30 überhaupt irgendwelche Vorteile? Ich bin zwar stark Kurzsichtig und Schwerhörig, aber die "Gebrechen" werden ja nicht addiert.

      Im Beruf würde mir das nichts nützen, ich bin selbständig.

      Kurzum: Lohnt sich der Aufwand? Und gibt es Nachteile wenn man aktenkundig ist?

      Grüße
      Hush
    • Für einen GdB von 30-40 gibt es einen kleinen Steuerfreibetrag, ein paar hundert Euro pro Jahr. Als Angestellter kann man sich noch gleichstellen lassen, dann hat man fast alle Rechte wie ein Schwerbehinderte. Für dich würde das also nichts nützen.
      Ist da wer?
    • kim wrote:

      Für einen GdB von 30-40 gibt es einen kleinen Steuerfreibetrag, ein paar hundert Euro pro Jahr.
      Aber auch nur, wenn man deshalb nicht voll arbeiten kann o.ä. Bedingung ist
      - (Teil-)Verrentung oder
      - eingeschränkte Mobilität oder
      - Berufskrankheit
      Kommt bei AS also nur die Verrentung als Anspruchsgrundlage in Frage.
      Normalerweise bringt ein GdB <50 steuerlich also nix. Für einen Selbständigen ist er damit eigentlich sinnlos.

      The post was edited 1 time, last by HCS ().

    • HCS wrote:

      Für einen Selbständigen ist er damit eigentlich sinnlos.
      Solange er selbständig ist, stimmt das. Muss er jedoch die Selbständigkeit irgendwann einmal aufgeben, aus welchem Grund auch immer, kann es eine enorme Hilfe sein, im Reha-Bereich der Arbeitsagentur/ des Jobcenters betreut zu werden und nicht allen "Härten" ausgeliefert zu sein. Jobs, die wirklich ungeeignet wären, kann man dann viel eher ablehnen.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • HCS wrote:

      kim wrote:

      Für einen GdB von 30-40 gibt es einen kleinen Steuerfreibetrag, ein paar hundert Euro pro Jahr.
      Aber auch nur, wenn man deshalb nicht voll arbeiten kann o.ä. Bedingung ist......
      Normalerweise bringt ein GdB <50 steuerlich also nix. Für einen Selbständigen ist er damit eigentlich sinnlos.
      Nein, so stimmt das nicht. Kannst du hier nachlesen.
      Da steht nix von "nicht voll arbeiten".

      Und die einzelnen GdB werden nicht zusammengerechnet, das stimmt. Allerdings empfehle ich, die jeweiligen gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu "sammeln". Alle Ärzte, die wichtige Einschränkungen behandeln (bei dir @Hush wären das z.B. Augen- und HNO-Ärzte) angeben und die Diagnosen und - was noch viel wichtiger ist - die dadurch hervorgerufenen Einschränkungen bestätigen lassen.

      Beim Sehfehler wäre es erst dann GdB-relevant, wenn selbst mit Ausgleich keine 100% Sehkraft vorläge. Tests daher immer mit Brille/Linse/Sehhilfe!
      Beim Hören ist es schon einschränkend, wenn ohne Hörhilfen kein Normalhören möglich ist. Die Hörtests werden dabei immer ohne Hörhilfen (außer bei Cochleaimplantaten) durchgeführt.

      Am schwierigsten ist erfahrungsgemäß die Beschreibung des autistischen Alltags. Den lebt man ja und kein Arzt steht 24/7 xneben einem und attestiert das alles. Also schön anschaulich darstellen , wenn man mal beim Arzt/Hausarzt ist, wie es normalerweise mit autistischen Schwierigkeiten abläuft. Dann können die Ärzte es auch schriftlich weitergeben, und so läuft ja meistens die Sachverhaltsermittlung.
      Wenn Wahlen etwas verändern würden, wären sie verboten :evil:
    • Vielen Dank für die Antworten.

      Capricorn wrote:

      Beim Sehfehler wäre es erst dann GdB-relevant, wenn selbst mit Ausgleich keine 100% Sehkraft vorläge. Tests daher immer mit Brille/Linse/Sehhilfe!
      Ich sehe auf einem Auge mit Sehilfe 100%, auf dem anderen mit Sehhilfe nur 40%, dazu kein räumliches Sehen. Also null Tiefenwahrnehmung. Ich komme damit allerdings ziemlich gut klar.

      Mein Gehör ist jetzt nicht superschlecht. Ich habe Schwierigkeiten beim Sprachverständnis. Wenn es leise ist und nur ein Mensch redet geht das ohne Hörgeräte super. Wenn mehrere Menschen gleichzeitig reden verstehe ich nichts. In Kneipen oder so könnte ich mich nicht unterhalten.

      Braucht man da sowas wie ein zusammenfassendes Gutachten eines Arztes? Ich hatte das so verstanden, daß ich die Befunde vom Augenarzt, vom HNO-Arzt und von der Autismusdiagose dem Antrag beilege.

      Tatsächtlich könnte der GdB mal relevant sein falls ich aus irgendeinem Grund meinen Beruf nicht mehr ausüben könnte. Daran hatte ich gar nicht gedacht.
    • Befunde sind gut, wenn sie sich auf körperliche "Gebrechen" beziehen.

      Bei Autismus wirst du nur mit der Diagnose Aspergersyndrom nicht weit kommen, siehe hier:

      "3.5 Verhaltens- und emotionale Störungen mitBeginn in der Kindheit und Jugend
      Die Kriterien der Definitionen der ICD 10-GM Version 2011 müssen erfüllt sein. Komorbide psychische Störungen sind gesondert zu berücksichtigen.*
      Eine Behinderung liegt erst ab Beginn der Teilhabebeeinträchtigung vor. Eine pauschale Festsetzung des GdS nach einem bestimmten Lebensalter ist nicht möglich.

      3.5.1 Tief greifende Entwicklungsstörungen(insbesondere frühkindlicher Autismus, atypischerAutismus, Asperger-Syndrom)

      Bei tief greifenden Entwicklungsstörungen ohne soziale Anpassungsschwierigkeiten beträgt der GdS. . . . ..... ....... . . . . . . . . . .10 - 20
      mit leichten sozialen Anpassungsschwierigkeitenbeträgt der GdS. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30 - 40
      mit mittleren sozialen Anpassungsschwierigkeitenbeträgt der GdS. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50 - 70
      mit schweren sozialen Anpassungsschwierigkeitenbeträgt der GdS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .80 - 100

      Soziale Anpassungsschwierigkeiten liegen insbesondere vor, wenn die Integrationsfähigkeit in Lebensbereiche (wie zum Beispiel Regel-Kindergarten, Regel-Schule, allgemeiner Arbeitsmarkt, öffentliches Leben, häusliches Leben) nicht ohne besondere Förderung oder Unterstützung (zum Beispiel durch Eingliederungshilfe) gegeben ist oder wenn die Betroffenen einer über das dem jeweiligen Alter entsprechende Maß hinausgehenden Beaufsichtigung bedürfen.

      Mittlere soziale Anpassungsschwierigkeiten liegen insbesondere vor, wenn die Integration in Lebensbereiche nicht ohne umfassende Unterstützung(zum Beispiel einen Integrationshelfer als Eingliederungshilfe) möglich ist.
      Schwere soziale Anpassungsschwierigkeiten liegen insbesondere vor, wenn die Integration in Lebensbereiche auch mit umfassender Unterstützung nicht möglich ist."

      "Lebensbereiche" bedeuten hier
      -Schulische und berufliche Bildung, Arbeitsleben, familiäres Leben

      Wie du siehst, wird es bei dir erfreulicherweise keinen hohen GdB brauchen. Ich rate dir, trotzdem zu "sammeln", also jetzt schon mal einen "Grundstock an GdB"s zu erwerben. Unter Umständen gibt es ja bereits eine Steuerermäßigung. ;)


      achso, das oben war ein Auszug aus den Versorgungsmedizinischen Grundsätzen, nach denen sich das Ausmaß der Einschränkungeneinschätzen lässt

      * also auch Ticstörungen, Depressionen, Zwänge etc.
      Wenn Wahlen etwas verändern würden, wären sie verboten :evil:

      The post was edited 1 time, last by Capricorn ().

    • Ich selbst finde übrigens die Möglichkeit, viele kulturelle Veranstaltungen zum vergünstigten Preis besuchen zu können, auch keineswegs zu verachten.
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    • Gewiss, gewiss....aber das ist Anbieter-abhängig.

      Einer gewährt eine Ermäßigung ab 50%, der nächste erst ab Gdb 70, der nächste nur bei "B" für die Begleitperson...usw.
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    • Ja, das stimmt natürlich. Merkzeichen habe ich nicht (hatte ich auch nicht beantragt), und ich habe auch schon häufiger erlebt, dass es die Ermäßigung erst ab GdB 70 oder höher gibt, oder halt nur die Begleitperson (bei Merkzeichen "B") frei ist. Meiner Erfahrung bieten aber doch recht viele Stellen eine allgemeine Schwerbehindertenermäßigung an. Hier im Forum wurde das schon diskutiert, danach ist die Vorgehensweise wohl regional ziemlich unterschiedlich.
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    • Capricorn wrote:

      Nein, so stimmt das nicht. Kannst du hier nachlesen.
      Da steht nix von "nicht voll arbeiten".
      ??? Da steht genau das, was ich geschrieben habe - denn das einzige, was bei AS in Frage kommt, ist die (Teil-)Verrentung, und das heißt: nicht voll arbeiten.

      All die aufgezählten Vorteile gibt es praktisch nur dann, wenn man einen GdB ab 50 aufwärts hat.
    • Leonora wrote:

      HCS wrote:

      Für einen Selbständigen ist er damit eigentlich sinnlos.
      Solange er selbständig ist, stimmt das. Muss er jedoch die Selbständigkeit irgendwann einmal aufgeben, aus welchem Grund auch immer, kann es eine enorme Hilfe sein, im Reha-Bereich der Arbeitsagentur/ des Jobcenters betreut zu werden und nicht allen "Härten" ausgeliefert zu sein. Jobs, die wirklich ungeeignet wären, kann man dann viel eher ablehnen.
      Das allerdings ja. Aus einem ganz ähnlichen Grund bin ich ja überhaupt zur Diagnostik gegangen und habe dann auch einen GdB beantragt, nämlich um ihn "vorrätig" zu haben, wenn ich ihn für die Teilzeit brauche.
    • HCS wrote:

      ??? Da steht genau das, was ich geschrieben habe - denn das einzige, was bei AS in Frage kommt, ist die (Teil-)Verrentung, und das heißt: nicht voll arbeiten.

      All die aufgezählten Vorteile gibt es praktisch nur dann, wenn man einen GdB ab 50 aufwärts hat.
      Bitte was, bitte wie...? Feststellungsverfahren von Behinderung/Schwerbehinderung haben doch gar nichts mit der Erwerbstätigkeit zu tun.
      Wenn Wahlen etwas verändern würden, wären sie verboten :evil:
    • "Komorbide psychische Störungen sind gesondert zu berücksichtigen."

      Wenn es denn berücksichtigt wird. Der Gutachter hat bei mir beschlossen, dass meine bipolare Störung nicht weiter zu berücksichtigen ist, obwohl ich jahrelang nicht ohne ständige Krankheitsphasen bin. Das finde ich schon ziemlich fies.
      Ist da wer?
    • Hört sich auch fies an.
      @kim
      Kannste nicht unter Hinweis auf diesen Teil oben, den du zitiert hast, einen Widerspruch einlegen oder wenigstens einen Änderungsantrag stellen und genau das nach-beurteilen lassen?
      Wenn Wahlen etwas verändern würden, wären sie verboten :evil:
    • Capricorn wrote:

      Bitte was, bitte wie...? Feststellungsverfahren von Behinderung/Schwerbehinderung haben doch gar nichts mit der Erwerbstätigkeit zu tun.
      Nun, da sagt der Gesetzgeber was anderes:

      EStG §33b wrote:

      (2) Die Pauschbeträge erhalten
      1.behinderte Menschen, deren Grad der Behinderung auf mindestens 50 festgestellt ist;
      2.behinderte Menschen, deren Grad der Behinderung auf weniger als 50, aber mindestens auf 25 festgestellt ist, wenn
      a)dem behinderten Menschen wegen seiner Behinderung nach gesetzlichen Vorschriften Renten oder andere laufende Bezüge zustehen, und zwar auch dann, wenn das Recht auf die Bezüge ruht oder der Anspruch auf die Bezüge durch Zahlung eines Kapitals abgefunden worden ist, oder
      b)die Behinderung zu einer dauernden Einbuße der körperlichen Beweglichkeit geführt hat oder auf einer typischen Berufskrankheit beruht.
      Deutlich genug? Denn eine Rente kriegt man ja wohl nur wegen teilweiser EU.
    • @Capricorn
      Meine Klage läuft schon. Ich versuche jetzt noch mal so eine Art "Gegengutachten" von meinem Psychiater zu bekommen als letzten Strohhalm. Ich habe leider das Gefühl, dass ich mich bei niemandem so richtig verständlich machen kann, auch meine Anwältin hat nicht wirklich kapiert, was ich eigentlich sage.
      Ist da wer?
    • "b) die Behinderung zu einer dauernden Einbuße der körperlichen Beweglichkeit geführt hat"

      Ja ok, das hatte ich vergessen. Diesen Punkt hake ich immer an bei meiner Steuererklärung, weil ich einen Wirbelsäulenschaden habe.
      Ist da wer?