Nehmt ihr bewusst die Mimik einer anderen Person an in dem Versuch, Nähe herzustellen oder sie zu verstehen?

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    • @Lefty
      Ich mache das nur zuhause, alleine. Es funktioniert. Ich fühle dann etwas und auch die Veränderungen bei den verschiedenen Mimiken. Im Alltag, wenn jemand dabei ist, kann ich sowas nicht machen. Aber wenn ich etwas wiedererkenne, kann ich das Gefühl erinnern.
      Menschen haben meist einen Grundausdruck im Gesicht. Wenn ich den nachahme kann ich begreifen, ob der Mensch eher ernst, fröhlich, depressiv oder ängstlich etc. ist.
      When nothing goes right ... go left.
    • Ich mache das auch, allerdings nicht in Abwesenheit einer Person (glaub ich), sondern im direkten Kontakt. Auch die Sprechweise übernehme ich, wie @FrankMatz und @FruchtigBunt ebenfalls beschrieben haben. Ich glaube, dass ich all das entwickelt habe, um mich Menschen wie ein Chamäleon anpassen zu können. Es ist ein Automatismus geworden. Und tatsächlich bin ich darin sehr gut - wenn ich genügend Energie habe. Geht es mir schlecht, habe ich diese Fähigkeit nicht.

      Dabei fühle ich mich auch nicht zwangsläufig schlecht. Wenn ich die Personen sympathisch finde, macht es mir manchmal sogar Spaß. Es gefällt mir, wenn es mir gelingt, dazuzugehören.

      Der große Nachteil einer sehr guten Anpassungsfähigkeit ist aber, dass man irgendwann nicht mehr weiß, wer man eigentlich ist. Der Kern der eigenen Identität geht regelrecht verloren. Das ist ein trauriges Gefühl totaler Diffusion. Und es macht immer wieder einsam innendrin. Kennt das sonst noch jemand?
      Angry young woman, there’s no way back, so just keep walking.
      Yoko Ono
    • Ich hatte vergessen zu schreiben, dass ich Fotos dazu brauche. Bei der Begegnung mit der Person ist mir die Zeit zu kurz. Da bin ich schon froh, wenn ich vereinzelt einen Gesichtsausdruck wahrnehme. Den könnte ich später aber nicht mehr gut rekonstruieren.
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    • RegenbogenWusli wrote:

      ...da achte ich auf den gesichtsausdruck nur bedingt und mir fallen auch nur extremere Gesichtsausdrücke auf so das ich mir denken kann da was drin zu sehen. Bei minimalen Veränderungen im Gesicht merke ich diese nichtmal und das was gesagt wird ist für mich wichtiger.
      Kenne ich. :d

      RegenbogenWusli wrote:

      Ich merke manchmal das ich auch Gesichtsausdrücke mache aber ich habe keine Ahnung ob der andere die warnimmt oder was er denken könnte oder wie ich dann gerade aussehe, keine Ahnung.
      Kenne ich. Ich mache auch teils meinen Ausdruck verändern, meist aber nicht bewusst und was ich meist höre ist dann warum ich meine Stirn runzel. :?

      Lefty wrote:

      Es ging mir um "extreme" Gesichtsausdrücke - sonst würden sie mich ja nicht so nachhaltig beschäftigen.
      Das ist schon klar, aber selbst diese nehme ich meist nicht so wahr.
      Grüße aus der Pegasus Galaxie. :)
    • Ich habe das phasenweise auch schon gemacht Aber nicht um der Person nahe zu sein, sondern um nicht ich selbst zu sein.
      Und damit weniger angreifbar zu sein Denn wenn erwas daran als falsch beurteilt wird dann werde nicht ich persönlich kritisiert .

      Es dauerte dann aber noch sehr lange bis ich begriff daß ich nicht jedes Verhalten von anderen auf mich beziehen darf.
      Vieles nicht so persönlich nehmen darf usw

      Soweit ich weiß, nennt sich dieses Nachahmen von Mimik, Verhaltensweisen usw. 'Spiegeln'.
    • Ja, das Gehirn hat Spiegelneuronen. Bei Autisten ist deren Funktion angeblich gestört (hier ein schon älterer Spektrum-Artikel, weiß nicht, wie aktuell diese Aussagen noch sind).

      Wenn man spürt, dass man automatisch (und damit ja irgendwie bewusst) die Redeweise oder Körpersprache anderer Personen übernimmt, sind das dann auch Spiegelneuronen, die da aktiv sind, oder eine automatisierte Übung? Bei der Aktivität von Spiegelneuronen ist man sich ja wahrscheinlich nicht bewusst, dass man gerade spiegelt. Weil es ein ganz intuitiver Vorgang ist.

      Wenn Autisten also spiegeln, kann das jemals ein unbewusster Vorgang werden (durch jahrzehntelanges Lernen zb) oder bleibt es immer bestenfalls eine gut automatisierte Handlung? Wie ein Bewegungsablauf, den man sehr gut kann.

      Ich entscheide mich zB nicht aktiv dazu, andere Menschen zu spiegeln, aber ich spüre deutlich, wenn ich es tue. Ich mache das oft. Der Vorgang selbst läuft dann aber heutzutage recht automatisch ab, ich muss also nicht über jedes Detail nachdenken. Wie es früher war, weiß ich nicht mehr.
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    • Das mit den Spiegelneuronen stimmt wohl nicht:
      tagesspiegel.de/wissen/kontrov…-geklaert/11798792-2.html
      "Kontrovers wird mittlerweile auch die Rolle von Spiegelneuronen bei Autismus diskutiert. (...)
      Doch auch hier wecken Untersuchungen erhebliche Zweifel. Die Neurowissenschaftlerin Antonia Hamilton von der Universität von Nottingham sichtete 2013 etliche Studien zu dem Thema für das Fachblatt „Developmental Cognitive Neuroscience“. Ihr Fazit: „Es gibt wenig Hinweise für eine umfassende Störung des Spiegelneuronensystems bei Autismus.“ Hingegen häufen sich die Hinweise, dass viele Menschen mit Autismus gar keine Probleme haben, die Handlungen anderer zu verstehen. Die Kontroverse um die Spiegelneuronen wird wohl weitergehen."

      Hier ist auch noch ein Artikel aus dem Jahr 2010, also die Meinungen gehen da auseinander.
      n-tv.de/wissen/Spiegelneuronen-arbeiten-article872478.html

      Ich glaube, dass meine Spiegelneuronen ganz normal funktionieren.
      Alles wird galaktisch gut.

      The post was edited 2 times, last by Shenya ().

    • BlaueStunde wrote:

      Ich mache das auch, allerdings nicht in Abwesenheit einer Person (glaub ich), sondern im direkten Kontakt. Auch die Sprechweise übernehme ich, wie @FrankMatz und @FruchtigBunt ebenfalls beschrieben haben. Ich glaube, dass ich all das entwickelt habe, um mich Menschen wie ein Chamäleon anpassen zu können. Es ist ein Automatismus geworden. Und tatsächlich bin ich darin sehr gut - wenn ich genügend Energie habe. Geht es mir schlecht, habe ich diese Fähigkeit nicht.

      Dabei fühle ich mich auch nicht zwangsläufig schlecht. Wenn ich die Personen sympathisch finde, macht es mir manchmal sogar Spaß. Es gefällt mir, wenn es mir gelingt, dazuzugehören.

      Der große Nachteil einer sehr guten Anpassungsfähigkeit ist aber, dass man irgendwann nicht mehr weiß, wer man eigentlich ist. Der Kern der eigenen Identität geht regelrecht verloren. Das ist ein trauriges Gefühl totaler Diffusion. Und es macht immer wieder einsam innendrin. Kennt das sonst noch jemand?
      Ja, und zwar genau so! Ist mir jemand sympathisch, beginne ich oft den Dialekt zu adaptieren, spiegel die Mimik soweit wie mir möglich und etliche andere Sachen. Das hat mich jetzt auch zwei "Freundschaften" gekostet, da sie überhaupt nicht darauf klar gekommen sind, dass ich früher ja so gut und "ohne" Probleme funktioniert habe und jetzt "angeblich" Autist bin und mich mal von meiner "schwachen" Seite gezeigt habe - sehr enttäuschend, aber mir egal, da ich diese Wechsel der sozialen Kontakte im Leben schon zu oft hatte und mich daran schon gewöhnt habe. Und von diesen Malheuren haben die so genannten Freundschaften ja auch nie was mitbekommen, wie auch - die kritischen Momente habe ich immer gut verbergen können - und das führte dann wohl auch zu dem Ergebnis, wie du es beschreibst - "Der Kern der eigenen Identität geht regelrecht verloren."

      Ich denke mal, das ist einerseits der innere Wunsch, Ablehnungen zu vermeiden und sich best möglich auf das Gegenüber einzustellen und anderseits(, zumindest bei mir so,) unter dem Radar zu fliegen und nicht zu sehr mit den Eigenheiten aufzufallen - dazu zu gehören eben, nicht anders zu sein. Mittlerweile weiß ich ja, ich bin anders und darf das auch sein.

      Ich versuche das mittlerweile etwas einzudämmen, was aber nur bedingt funktioniert. Hast es ja schon selber geschrieben: Es hat sich allmählich zum Automatismus entwickelt. Hier muss ich dich mal was Fragen, machst du das immer noch? Also ich meine, seitdem dir bekannt ist, dass du Aspie bist?
    • Weil das Thema "Spiegelneuronen" aufkam, ich kann mir, wenn ich mir z.B. den Thread Gefühle bei Filmen? durchlese, nicht vorstellen, dass Asperger-Betroffene ein defektes Spiegelneuronen-System haben. Sehr viele beschreiben, was auch ich von mir kenne, dass sie bei manchen Filmszenen sehr stark emotional reagieren. Also so, als würde ihnen selbst das zustoßen, was sie da sehen, und da, denke ich mal, sind dann die Spiegelneuronen aktiv.
    • T3Am3R wrote:


      Ich versuche das mittlerweile etwas einzudämmen, was aber nur bedingt funktioniert. Hast es ja schon selber geschrieben: Es hat sich allmählich zum Automatismus entwickelt. Hier muss ich dich mal was Fragen, machst du das immer noch? Also ich meine, seitdem dir bekannt ist, dass du Aspie bist?

      Ja, ich mache das immer noch. Ich kann es nicht mehr abstellen. Bei Menschen, die mir besonders nah und vertraut sind (mein Mann und meine beiden Freundinnen), bin ich am authentischsten, glaube ich. Ich bin jetzt 41 Jahre alt und habe den größten Teil meines Lebens so verbracht. Ich weiß nicht, ob ich das starke Spiegeln je wieder abschalten kann. Vielleicht mit der Zeit und ganz langsam.

      Aber das ist ja andererseits auch sinnvoll, ganz behutsam vorzugehen – das Spiegeln macht ja einen erheblichen Teil des Identitätsgefühls aus, auch wenn es "unecht" ist. Und man muss ja erstmal genügend eigene Identität herausarbeiten, bevor man etwas abschalten kann. Sonst wäre da eine Leerstelle irgendwie. Ich merke das zumindest bei mir: Ich habe mehrfach versucht, jetzt bewusst das echte Ich nach außen zu zeigen, aber weil ich nicht genau weiß, wer das ist, kann ich es gar nicht. Das Ergebnis war große Verzweiflung. Jetzt gehe ich sanfter vor. Erlaube mir zum Beispiel, mit den Fingern zu stimmen, wann ich will. Das ist nicht auffällig, aber es verankert mich irgendwie ein bisschen in mir selbst. Baby Steps...


      @Lefty Ja, das geht mir nämlich auch so bei Filmen, und sogar auch bei Büchern und manchen Zeitungsberichten. Ich las mal im Zug einen Artikel über ein kleines Kind, welches vom IS einer tödlichen Hitzefolter unterzogen wurde. Und bekam mitten im Bordrestaurant einen plötzlichen Heulkrampf. Die Beschreibung des Leids des armen Kindes traf mich wie ein Vorschlaghammer. Bin dann geflüchtet aufs WC und war komplett außer mir. Das ist ein halbes Jahr her, aber allein der Gedanke daran wühlt mich immer noch auf.

      @Shenya Ach toll, danke für die Links!
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