Arbeitgeber erwartet Tätigkeit, die wegen Behinderung nicht geleistet werden kann, aber Behinderung muss verschwiegen werden

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    • Arbeitgeber erwartet Tätigkeit, die wegen Behinderung nicht geleistet werden kann, aber Behinderung muss verschwiegen werden

      Mein Arbeitgeber möchte, dass meine Tätigkeit um einen Aspekt erweitert wird, den ich nicht leisten kann (möchte aus Paranoia "kryptisch" bleiben...). Ich teilte denen schon mit, dass ich, wenn ich die Tätigkeit ausüben müssen sollte, den Job eventuell gar nicht mehr ausüben könnte. Da es öfter zu Personalknappheit kommt und ich dann häufiger einspringe (spät oder am Wochenende), hoffte ich, dass das ausreichend wäre, um die Tätigkeit zu umgehen. Stattdessen wurde ich nun gefragt, wie ich diese Angst umgehen könnte. Natürlich kann ich sie nicht umgehen, sie ist pathologisch - aber das kann ich da ja niemandem erzählen, sonst darf man mir sogar fristlos kündigen, weil ich meine Behinderung verschwiegen habe :m(:

      Wie seht ihr das? Gibt es etwas, das man da sinnvoll tun kann? Ich habe schon wieder tagelang Bauchschmerzen, weil es mir vor Arbeitslosigkeit und Überschuldung graut. So schnell finde ich nicht wieder einen Job, den ich in meiner psychischen Konstitution ausüben kann, das zeigt die Erfahrung; das Studium läge dann auch wieder "brach". Wahrscheinlich müsste das Studium unterbrochen werden, um ALG II zu beziehen - und damit das gesamte kommende Semester verschenkt.

      Danke!

      ... Lissy
    • Chch wrote:

      wurdest Du gefragt, ob Du eine Behinderung hast? Bei der Einstellung oder später?
      Ne, das nicht. Aber mittlerweile wurde wurde ich bereits einmal durch meinen Psychiater für arbeitsunfähig erklärt und habe eine entsprechende AU vorgelegt... Mein Vertrag läuft eh Ende Dezember aus, wenn denen was nicht passt, können sie mir einfach keinen neuen geben (was ja noch immer besser wäre als eine Kündigung zum jetzigen Zeitpunkt). Das Problem ist nur, dass man (soweit ich weiß) eine Behinderung, die einen bei der Ausübung der aufgenommenen Tätigkeit behindern kann, angeben muss. Das könnte mir zum Verhängnis werden, wenn ich von sozialen Ängsten und Depressivität wusste, aber dennoch im Callcenter angefangen habe - da ich das verschwiegen habe, sei eine fristlose Kündigung legal, las ich :|
    • Wenn sie explizit nicht nachgefragt haben und auch im Vertrag nichts, bzw. keine genauen Angaben dazu gemacht worden sind, dann können sie dir erst mal absolut gar nichts.

      Du kannst Bafög beantragen. Hast du das mal versucht?

      Bei einer Behinderung kannst du z.B. durch Teilhabe ebenfalls Unterstützung erhalten.
    • Lissy wrote:

      aber das kann ich da ja niemandem erzählen, sonst darf man mir sogar fristlos kündigen, weil ich meine Behinderung verschwiegen habe
      War vorher absehbar, dass diese unpassenden Tätigkeiten auf dich zukommen werden? Steht es so im Vertrag? Wenn nicht, hast du (solltest du einen SBA oder eine Gleichstellung haben) nichts zu befürchten. Eine Anfrage beim Integrationsfachdienst deines Wohnortes könnte dir mehr Klarheit verschaffen, als auch für eine mögliche Vertragsverlängerung sorgen.
      AS, diagnostiziert am 14.06.2017
    • MangoMambo wrote:

      Du könntest dich falls es eine Behindertenbeauftragte oder Beratung gibt beraten lassen. Die haben Schweigepflicht, soweit ich weiß? Sonst gibt es auch außerhalb der Firma allgemeine Beratungsstellen.

      Leider haben wir sowas nicht. Ich habe nun, nachdem ich mit meinem Therapeuten darüber gesprochen hatte, vorsichtig mitgeteilt, dass ich bei dieser Tätigkeit sehr fehleranfällig wäre, erhielt noch keine Rückmeldung, hoffe aber, dass das Gegenangebot, dass ich stattdessen noch andere Aufgaben übernehmen könnte, ausreicht.

      AspiIT wrote:

      Wenn sie explizit nicht nachgefragt haben und auch im Vertrag nichts, bzw. keine genauen Angaben dazu gemacht worden sind, dann können sie dir erst mal absolut gar nichts.


      Du kannst Bafög beantragen. Hast du das mal versucht?

      Bei einer Behinderung kannst du z.B. durch Teilhabe ebenfalls Unterstützung erhalten.

      Dazu steht dort zum Glück nichts drin, also nichts Konkretes - aber durchaus, dass man auch für nichtexplizierte Tätigkeiten "paratstehen" müsse.

      Ja, Bafög wurde mir nach vier Semestern gestrichen, weil der Leistungsnachweis wegen der Behinderung nicht erbracht werden konnte. Nachdem ich nun sechs Semester versucht habe, ohne auszukommen, das wegen meiner stark eingeschränkten Erwerbsfähigkeit aber einfach nicht schaffe, werde ich im 11. nun darauf klagen, als Behinderte wieder Bafög zu erhalten.

      Darf ich fragen, inwiefern das mit der Teilhabe funktioniert? Ich erhalte ja leider keine Rente o.ä. (könnte ich wegen zu kurzer Einzahlzeit auch nicht), wäre es dennoch denkbar, dass ein Studium unterstützt wird?

      happily_alone wrote:

      Lissy wrote:

      aber das kann ich da ja niemandem erzählen, sonst darf man mir sogar fristlos kündigen, weil ich meine Behinderung verschwiegen habe
      War vorher absehbar, dass diese unpassenden Tätigkeiten auf dich zukommen werden? Steht es so im Vertrag? Wenn nicht, hast du (solltest du einen SBA oder eine Gleichstellung haben) nichts zu befürchten. Eine Anfrage beim Integrationsfachdienst deines Wohnortes könnte dir mehr Klarheit verschaffen, als auch für eine mögliche Vertragsverlängerung sorgen.

      Das ist gut zu wissen. Ich wusste nicht, dass der Integrationsfachdienst nicht nur eine Kündigung abwenden, sondern sogar eine Verlängerung bewirken kann. Offiziell schwerbehindert bin ich noch nicht, aber ich klage darauf, habe aktuell 40.
    • Lissy wrote:

      sonst darf man mir sogar fristlos kündigen, weil ich meine Behinderung verschwiegen habe
      Da sagt jeder deutsche Arbeitsrichter "Nein". Du bist nicht verpflichtet, bei Deiner Einstellung eine Krankheit oder Behinderung zu nennen, soweit sie Deine Arbeitsfähigkeit nicht beeinträchtigt (und zwar allein für die Aufgabe, für die Du eingestellt wirst, nicht für bei der Einstellung nicht absehbare Änderungen des Aufgabenbereichs). Du darfst auf die direkte Frage danach sogar lügen (gilt bei Frauen z.B. auch für die Frage nach einer bestehenden Schwangerschaft). Eine Kündigung käme allenfalls in Frage, wenn Deine bisherige Tätigkeit ersatzlos wegfällt und deshalb ohne die neue Aufgabe keine Beschäftigungsmöglichkeit mehr besteht. Vertragsverlängerung ist natürlich eine andere Sache, da könnte es schwierig werden.

      SBA muss nicht unbedingt sein, Gleichstellung reicht u.U. schon, und die bekommt man je nach Voraussetzungen mit geringerem GdB.