Methylphenidat

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    • @Tux: ich will hier jetzt nicht den Thread mit meinen Problemen sprengen (RW). Denn Thema sind hier Medikamente.
      Daher die Kurzfassung: Deadlines von außen wirken kontraproduktiv. Tatsächlich arbeite ich am besten ohne Deadlines. Das geht aber nicht in unserer Firma. Und meine Prioritäten Setzung kann ich sehr oft nicht einhalten, weil Ungeplantes kurzfristig rein kommt. Das kann ich dann aber nicht sofort bearbeiten, sondern brauche Stunden bis Tage um mich daran zu setzen... Entweder prokrastiniere ich dann, bis ich mit der Aufgabe anfangen kann. Oder in letzter Zeit ziehe ich meinen eigentlich Plan dann doch durch. So bleibt zwar auch das Neue liegen, aber immerhin arbeite ich dann an anderen Sachen. Und das begreifen und akzeptieren langsam meine Chefs.

      Zum Beispiel Müll rausbringen: in dem Fall würde ich sofort den Müll rausbringen, unterwegs bemerken, dass ich die Wäsche noch reinholen muss und dann auch hole. Dabei fallen mir die Pflanzen auf, welche ich dann gieße usw. Und das sieht für mich nach ADHS aus. Nur kann ich mich nicht daran erinnern, so als Kind gewesen zu sein.

      Wenn mir aber ADHS Medikamente beim Beginnen von unliebsamen Aufgaben eh nicht hilft, hat sich die Diskussion darum auch für mich erledigt.
    • Lefty wrote:

      Unliebsame Aufgaben erledigen, darauf hat es keine Auswirkung, wie du schon schriebst. Ich meine Antrieb so, dass ich ein bisschen gepusht bin. Bei der Arbeit ist das teilweise negativ. Einerseits profitiere ich da viel vom MPH, weil ich viel weniger Flüchtigkeitsfehler mache und Gesprächen besser folgen und besser reagieren kann, anderseits arbeite ich wie gehetzt, unter zu schnellem Tempo.
      Ich genieße die Arbeitszeit vor dem Frühstück und der ersten Dosis, weil ich dann noch schön ruhig und langsam arbeiten kann.
      Gerade bei Telefonaten aber möchte ich es nicht mehr missen. Die Telefonate auf der Arbeit kann ich mit MPH deutlich besser führen.
      Eine weitere sehr deutliche positive Wirkung des MPH bei mir ist die auf die "Affektlabilität".
      Gepusht bin ich von Elvanse nicht. Die Dauerfokussierung ist bei mir wesentlich besser. Ich kann lange Texte an einem Stück lesen, wo ich sonst mehrere Unterbrechungen drin habe und erst gucken muss wo ich stehen geblieben war und sehen musste, dass ich bereits gelesenes noch abrufbar ist.
      Bei Gesprächen rede ich weniger, bis gar nicht mehr dazwischen und Überlegungen, was ein wenig vorher gesagt worden war sind nicht mehr nötig und aufmerksames zuhören über einen längeren Zeitpunkt klappt auch ohne Gefahr zu laufen nur die Hälfte mit zu bekommen.
      Die Impulsivität ist also deutlich weniger.
      Der Gedankenverkehr, ach ich wollte ja noch und aufspringen und sofort nach jagen, ist nicht mehr, weniger gedankliches abschweifen und ich bin nicht mehr so leicht ablenkbar. Das Füsse wippen ist, wie das rumrutschen auch verschwunden, quasi stillgelegt.
      Das hin und her springen zwischen zwei oder mehreren Tätigkeiten, mache ich noch, aber es ist weniger anstrengend, weil konzentrieren wesentlich leichter ist.

      Die verbesserte Impulskontrolle wirkt sich bei mir auch positiv auf die Affektlabilität aus.
      Der dauerhafte Begleiter Flüchtigkeitsfehler hat es sich im Hintergrund gemütlich gemacht, genießt seine Freizeit u. hält öfters mal ein Schläfchen.

      Und ich kann konzetriert mit Fokus bis Hyperfokus meinem SI nachgehen, was sonst nur teilweise und in kurzen Abständen möglich ist.
      Alles in allem habe ich dann ein Funktionsniveau erreicht, wie es sein soll und nicht unerträglich, in den Wahnsinn treibend und darunter leiden, wie es ohne Medis der Fall ist. Folter aus, Leben an.

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    • Marnie wrote:

      Zum Beispiel Müll rausbringen: in dem Fall würde ich sofort den Müll rausbringen, unterwegs bemerken, dass ich die Wäsche noch reinholen muss und dann auch hole. Dabei fallen mir die Pflanzen auf, welche ich dann gieße usw. Und das sieht für mich nach ADHS aus. Nur kann ich mich nicht daran erinnern, so als Kind gewesen zu sein.
      So eine Situation könnte ich auch so von mir beschreiben. Ich kann auch sagen, dass ich als Kind besser meine Umwelt ausblenden konnte. Ich bin ablenkbarer geworden und auch reizempfindlicher. Was sich allerdings auch verändert hat ist, dass viel mehr Aufgaben dazugekommen sind im Vergleich zur Kindheit und die Priorisierung komplexer ist.
      "Auf der Metaebene lässt sich Abstand gewinnen zum Geschehen. [...] Und dabei zeigt sich, dass es andere Perspektiven, andere Erlebensweisen und viel mehr Möglichkeiten für Lösungen gibt, als sich der Mensch in seiner alten kleinen Welt hatte träumen lassen." (Brit Wilczek)
    • Marnie wrote:

      @Kayt: hast du eine ADHS Diagnose?
      Nein, wie gesagt, nur ASS, aber meine Diagnostikerin sah auch einige ADS-Aspekte an mir und es gibt da auch so manche "Spannungsfelder", die ich erlebe, die dazu passen.

      Zum Beispiel denke ich oft, dass es gut wäre, ein paar (mehr) "funktionale und gesunde" Routinen zu etablieren, weil dann einiges einfacher für mich wäre. Andererseits will ich aber auch machen wonach mir gerade ist. Und das, wonach mir gerade ist, betreibe ich meistens in einer eher exzessiven Form. Exzessiv oder gar nicht - und das ist nur leicht überspitzt. Wenn etwas meine Aufmerksamkeit bindet, dann finde ich es auch superschwierig zu einem anderen Task zu switchen, obwohl mich die andere Sache durchaus auch interessiert.

      Beispiel heute Abend: Mein Plan war eine Videoreihe zu wiederholen und dann Fragen dazu zu beantworten. Das Thema interessiert mich sehr, aber ich habe dann sehr viel Zeit mit diesem Thread verbracht. Psychoaktive Substanzen sind ein SI von mir, also wollte ich es genauer wissen und habe viel recherchiert und erst viel später mit den Videos begonnen und noch dazu viel es mir sehr schwer da richtig aufmerksam zu sein, weil ich auch ständig noch über das ganze Methylphenidatthema nachdachte.

      Oder ein anderes Spannungsfeld: Reize. Einerseits bin ich Input-Seeking. Ich bin ein Information-Sponge (RW), ich habe meistens über 80 Tabs gleichzeitig geöffnet, ich liebe wilde Muster und Farben, ich liebe es zu schaukeln etc. Aber andererseits reagiere ich auch auf viele Reize sehr empfindlich und mir wird viel schneller alles um mich herum zu viel als den meisten Menschen, die ich kenne. Ich gehe teilweise lost an mir bekannten Orten, kann gar keinen Input mehr sinnvoll verarbeiten, manchmal wie von einem Hyperfokus in das Gegenteil umschlagend. Ist das verständlich beschrieben?
      "Auf der Metaebene lässt sich Abstand gewinnen zum Geschehen. [...] Und dabei zeigt sich, dass es andere Perspektiven, andere Erlebensweisen und viel mehr Möglichkeiten für Lösungen gibt, als sich der Mensch in seiner alten kleinen Welt hatte träumen lassen." (Brit Wilczek)