"Du bist doch nicht behindert!" bzw. "Autismus ist doch keine Behinderung!"

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    • Sonne wrote:

      Ich weiß nicht, woher es kommt, dass man als Asperger unbedingt seinen Alltag nicht auf die Reihe kriegen MUSS.
      In den Diagnosekriterien steht das so drin. In der ICD-10 steht was von "klinisch relevant", und im DSM-V steht "symptoms limit and impair every day functioning".

      Ohne solche Einschränkungen dürfte es demnach keine Diagnose geben.

      Wenn dein Freund nun eine besonders nachsichtige Freundin braucht, einen angepassten Arbeitsplatz und Probleme mit den Exekutivfunktionen hat, dann könnte man das schon als Behinderung ansehen. Subjektiv beurteilt das dein Freund für sich selbst und sagt vielleicht, er fühlt sich nicht behindert, aber objektiv wird er wohl Einschränkungen haben, denn ohne keine Diagnose.

      Äußerlich auffällige Menschen haben es sicher leichter, eine Diagnose zu bekommen. Ich habe meine Kompensationsfähigkeiten hauptsächlich in ein unauffälliges Gesprächsverhalten investiert. Ob das immer so schlau ist, sei dahingestellt, zumal es nur in relativ vorhersehbaren Standardsituationen funktioniert. Natürlich sieht ein Fachmann schon Auffälligkeiten, nur eben Otto Normalo auf der Straße sieht nichts.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Ich habe auch extra nach ICD-10 Kriterien gegoogelt, nirgendwo stand, dass es so stark beeinflussen muss, dass man in keinem Beruf arbeiten oder keine Beziehung führen kann oder nur eins von beidem bewerkstelligen kann.

      aerzteblatt.de/archiv/148614/D…droms-im-Erwachsenenalter

      Nachsichtig bin ich definitiv gar nicht, abgesehen davon hatte er, wie gesagt, mehrere lange Beziehungen vor mir.

      Im Thread Beziehungen haben viele angegeben, dass sie schon mehrere Beziehungen hatten. Man muss halt passende Menschen finden und es ist häufig Glückssache.

      In der Verhaltenstherapie, die er nach der Diagnose gemacht hat und die speziell auf Autisten ausgerichtet war, ging es genau darum - Stressfaktoren im Alltag erkennen und lernen, sie zu vermeiden bzw zu minimieren.

      The post was edited 1 time, last by Sonne ().

    • Sonne wrote:

      Ich habe auch extra nach ICD-10 Kriterien gegoogelt, nirgendwo stand, dass es so stark beeinflussen muss, dass man in keinem Beruf arbeiten oder keine Beziehung führen kann oder nur eins von beidem bewerkstelligen kann.

      aerzteblatt.de/archiv/148614/D…droms-im-Erwachsenenalter

      Nachsichtig bin ich definitiv gar nicht, abgesehen davon hatte er, wie gesagt, mehrere lange Beziehungen vor mir.

      Im Thread Beziehungen haben viele angegeben, dass sie schon mehrere Beziehungen hatten. Man muss halt passende Menschen finden und es ist häufig Glückssache.

      In der Verhaltenstherapie, die er nach der Diagnose gemacht hat und die speziell auf Autisten ausgerichtet war, ging es genau darum - Stressfaktoren im Alltag erkennen und lernen, sie zu vermeiden bzw zu minimieren.
      Der von dir verlinkte Artikel ist sehr gut, vielen Dank! Er erklärt ausführlich, was mit klinischer Relevanz gemeint ist, etwas was Shenya versucht hat, dir anhand von Beispielen aus ihrem Leben anschaulich zu machen.
      Niemand behauptet "dass man in keinem Beruf arbeiten oder keine Beziehung führen kann oder nur eins von beidem bewerkstelligen kann."; dass sind aber nun mal Shenya Handicaps. Andere Autisten haben andere Behinderungen und Einschränkungen.
      Relevant ist, dass solche vorhanden sein müssen, um eine Diagnose im Bereich von ASS zu rechtfertigen.
    • Eine medizinische Diagnose setzt meinem Informationsstand zufolge voraus, dass die Kriterien in einer Form ausgeprägt sind, dass sie Krankheitswert haben. Ansonsten sind es autistische Persönlichkeitszüge. Wenn ich in der Lage bin, mir selbstständig ein durchschnittliches Privat- und Berufsleben mit zu meinen intellektuellen Fähigkeiten passender Berufsausbildung und Berufstätigkeit aufzubauen, intime Beziehungen eingehen und gestalten, Hobbies und Freundschaften knüpfen und pflegen kann und mich gut sozial einbinden kann, dann habe ich vielleicht autistische Züge, aber ich bin dann nicht autistisch in dem Sinne, dass meine Kompensationsbemühungen nicht ausreichen würden oder so kräftezehrend sind, dass sie mich in eine Erschöpfung treiben, wenn ich nicht auf für andere Leute "normale" Dinge verzichte und meine Teilhabe entsprechend einschränke.

      Wenn ich autistisch bin, ist es gar keine Option, nicht nach einigermaßen passenden Umgebungen zu suchen, denn sich selbst dauernd anzupassen kostet auf Dauer zu viel Kraft und macht irgendwann auch somatisch krank. Die passende Umgebung einschließlich Menschen zu finden, und dass diese dann auch immer so passend bleibt, ist wiederum mit zusätzlicher Anstrengung verbunden und mit einer großen Portion Glück.

      Die eigene auf Selbstwirksamkeit ausgerichtete Einstellung ist zweifelsohne wichtig, aber der springende Punkt ist die Energie. Wenn ich autistisch bin (Stichwort: Krankheitswert), dann bleibt vor lauter Anpassung und Kompensation irgendwann nicht mehr genügend davon übrig, um eben alles zu kompensieren, sich anzupassen und selbstständig immer wieder für geeignete Lebensumstände zu sorgen, um einerseits "normale Teilhabe" zu erreichen und andererseits ein autistisch artgerechtes Leben zu leben.

      @MathePinguin Ich denke, das Unverständnis mancher Menschen wird man als implizite Dreingabe dieser Diagnose lernen müssen zu akzeptieren. Ich gehe damit so um, dass ich mir gut überlege, wen und in welcher Situation ich darüber informiere: "Was ist mein Ziel, was erwarte ich vom anderen? Ist ein Auting sinnvoll und hilfreich bei der Zielerreichung? Wie sind die Aussichten, dass die andere Person meine Erwartungen erfüllen kann und will?" Ich denke, je nach bereits gemachter Lebenserfahrung muss man entsprechende Erfahrungen tatsächlich auch erst machen, um das besser einschätzen zu können :?
      Die Aussage "Du bist Autistin, ja und?!" werte ich für mich als positiv, genau: "Na und?! Ich bin ich, Autismus gehört dazu, und gut. Ich habe wie jeder andere das Recht, dass meine Grenzen geachtet und meine Bedürfnisse nicht mit Füßen getreten werden, gestehe mir also selbstverständlich zu, für mich selbst angemessen einzustehen und Dinge anzusprechen, wenn sie für mich ein Problem darstellen." Ob sich dann immer eine befriedigende Lösung findet, ist die andere Frage, aber das geht ja grundsätzlich allen Menschen so. (Da hole ich mir jetzt aber auch zB Unterstützung, die mir als Schwerbehinderter zusteht.)

      Dass du dir Verständnis wünschst, ist total nachvollziehbar, und ich denke, es ist Teil der zu leistenden "Trauerarbeit" und Entwicklungsarbeit (wir sind tiefgreifend entwicklungsgestört), dass man lernt zu akzeptieren, dass wir dieses Verständnis nicht immer und nicht von jedem, von dem wir es erwarten oder brauchen, bekommen. Das ist einfach so :cry:
      Hier im Selbsthilfeforum verstehen dich zumindet viele :nod: (Tröstsmiley fehlt immer noch...)

      @Shenya Genau, da steht's, das meinte ich.

      (Bearbeitungen sind Tippfehler - Handytastatur... :nerved: )

      The post was edited 4 times, last by Platypus ().

    • Ja, und Shenya hat ausdrücklich gesagt, dass sie sich wundert, dass jemand, der arbeiten kann, eine Beziehung hat usw, überhaupt eine Diagnose bekommt.

      Darauf habe ich geantwortet. Dass überhaupt Beeinträchtigungen da sein müssen, ist ja klar. Hier ging es um das Ausmaß. Bzw dass man auch außerhalb der geeigneten Umgebung (die meistens sehr spezifisch sein muss) sich unbedingt behindert fühlen muss.
    • Dann sind wir definitiv einer Meinung. Jeder darf gerne seine persönliche Definition vom Autismus behalten, solange er die Diagnose des anderen nicht in Frage stellt. Wie ich mich erinnere, ist es auch gegen die Regeln.
    • Shenya wrote:

      Ich denke oft, dass ich die Diagnose wahrscheinlich "gerade so" noch bekommen habe (wenn man mit mir spricht, fällt wirklich gar nicht viel auf), deshalb bin ich oft verwundert, wenn ich von Leuten lese, die angeblich eine Diagnose haben, aber so wunderbar mit allem zurechtkommen und ein normales Leben führen.

      Sonne wrote:

      Ja, und Shenya hat ausdrücklich gesagt, dass sie sich wundert, dass jemand, der arbeiten kann, eine Beziehung hat usw, überhaupt eine Diagnose bekommt.

      Ich wundere mich nicht darüber, dass jemand eine Diagnose bekommt, der arbeiten kann und eine Beziehung hat, sondern dass jemand eine Diagnose bekommt, der anscheinend/scheinbar keine Schwierigkeiten damit hat. Dass es Vollzeit arbeitende und verheiratete Autisten gibt, ist mir ja nicht unbekannt. Aber in der Regel haben die damit trotzdem durchaus ihre Schwierigkeiten.
      Diese tirilitirila-es-ist-alles-so-wunderbar irritiert mich.
      Wobei ich nichts dagegen habe, dass man sich mal freuen kann, wenn etwas gut läuft. Wäre ja traurig, wenn nicht.

      Sonne wrote:

      Zum Glück sind die Diagnostiker einer anderen Meinung, wie man hier lesen kann.
      Und es wird nicht nach Ausmaß von Kompensationsstrategien bzw Fähigkeiten von Vermeidung unnötiger Stressfaktoren diagnostiziert.
      Die Diagnostiker schauen schon, ob Beeinträchtigungen relevant sind. Oft hört man den Begriff "Leidensdruck", aber eigentlich sind damit nur Beeinträchtigungen gemeint. Ein Diagnostiker kann aber schon unterscheiden, ob jemand als Informatiker im stillen Kämmerlein arbeitet oder als Entertainer auf der Bühne (nur um ein Extrembeispiel zu bringen). Beim Entertainer wird er sich dann anschauen, wie der das macht, ob er in irgendeiner Form darunter leidet, ob irgendwelche Dinge nicht gehen. Beim Informatiker wird er auf andere Dinge schauen, z.B. warum er Informatiker geworden ist, ob er schon mal was anderes probiert hat, oder ob er Schwierigkeiten in anderen Bereichen hat.
      Alles wird galaktisch gut.
    • @MathePinguin,

      ja, ich kenne diesen Satz auch.

      Sowohl meine Kinder, als auch mich betreffend.
      Früher hat mich das auch sehr verunsichert, ich habe an der Diagnose gezweifelt, oder war gekränkt und verärgert.
      Mittlerweile weiß ich:
      Menschen, die uns gut kennen, sagen so etwas ohnehin nicht.

      Die kennen uns und unsere Stärken und Schwierigkeiten ja schon gut.
      Manche Menschen sagen so etwas als "Kompliment". (ich verstehe zwar immer noch nicht, wo das Kompliment dabei ist, aber ich glaube jenen, die meinen, dass es so gemeint ist.)
      Ich arbeite gerade daran, mich nicht für meine Diagnose zu rechtfertigen.
    • Vielleicht kam es zu einfach rüber - mein Freund musste für Extrawurst auf der Arbeit kämpfen - vor allem Einzelbüro. Er hat unter Geräuschpegel im normalen Büro sehr gelitten.
      Auch hat er seit der Diagnose und Therapie einiges im Alltag angepasst, um nicht zu leiden.
      Vorher hatte er einen deutlich stärkeren Leidensdruck.

      Genau das meine ich - würde jemand vor diesen ganzen Veränderungen zur Diagnostik gehen, würde er nach eurer Definition die Diagnose bekommen, weil er stark leidet.
      Geht jemand mit Ende 30 oder später zur Diagnostik, der einen Weg für sich gefunden hat, wie es funktionieren kann, damit er nicht mehr leidet - wäre er kein Autist mehr?
      Vollkommen unlogisch aus meiner Sicht.

      Ich würde eher danach gehen, wie es ihm außerhalb dieser angepassten Umgebung gehen würde bzw gegangen ist.
      Und wie er im Kontakt mit normalen Menschen ist und nicht mit seinen Freunden, die er ja deswegen zu Freunden hat, weil sie ihn verstehen bzw es passt.

      Wie stark eckt jemand an und hat dadurch einen Leidensdruck? Wenn er gezwungen ist, in einer nicht passenden Umgebung zu sein?


      Das war überhaupt der Grund, wie ich auf den Verdacht bei mir kam - weil ich weiß, wie ich außerhalb der richtigen Umgebung bin bzw in Gruppen.

      Und das ist der Grund, warum ich den Verdacht früher mehrfach von mir gewiesen habe - weil ich JETZT, seit paar Jahren, keinen bzw weniger Leidensdruck habe.

      Nachdem ich von anderen Autisten mehrfach darauf angesprochen wurde, habe ich angefangen, mich mit der Thematik außerhalb vom sichtbaren Leidensdruck im Hier und Jetzt zu beschäftigen.

      The post was edited 1 time, last by Sonne ().

    • Sonne wrote:

      Genau das meine ich - würde jemand vor diesen ganzen Veränderungen zur Diagnostik gehen, würde er nach eurer Definition die Diagnose bekommen, weil er stark leidet.
      Geht jemand mit Ende 30 oder später zur Diagnostik, der einen Weg für sich gefunden hat, wie es funktionieren kann, damit er nicht mehr leidet - wäre er kein Autist mehr?
      Nein, das habe ich ja versucht zu erklären, ein (guter) Diagnostiker würde die Schwierigkeiten immer sehen, auch wenn man einen Weg gefunden hat, damit umzugehen. Gerade die Notwendigkeit, einen Weg zu finden, spricht ja für Schwierigkeiten.
      Aber dann kann man auch nicht sagen, es gibt keine Beeinträchtigungen oder keine Behinderung. Man kann nur sagen, man hat einen Weg gefunden, damit umzugehen. Auch ein Rollstuhlfahrer kann gut zurechtkommen, z.B. weil sein Wohn- und Arbeitsumfeld rollstuhlgerecht ist, trotzdem wird niemand behaupten, er hätte keine Behinderung mehr deswegen.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Shenya wrote:

      Sonne wrote:

      Genau das meine ich - würde jemand vor diesen ganzen Veränderungen zur Diagnostik gehen, würde er nach eurer Definition die Diagnose bekommen, weil er stark leidet.
      Geht jemand mit Ende 30 oder später zur Diagnostik, der einen Weg für sich gefunden hat, wie es funktionieren kann, damit er nicht mehr leidet - wäre er kein Autist mehr?
      Nein, das habe ich ja versucht zu erklären, ein (guter) Diagnostiker würde die Schwierigkeiten immer sehen, auch wenn man einen Weg gefunden hat, damit umzugehen. Gerade die Notwendigkeit, einen Weg zu finden, spricht ja für Schwierigkeiten.Aber dann kann man auch nicht sagen, es gibt keine Beeinträchtigungen oder keine Behinderung. Man kann nur sagen, man hat einen Weg gefunden, damit umzugehen. Auch ein Rollstuhlfahrer kann gut zurechtkommen, z.B. weil sein Wohn- und Arbeitsumfeld rollstuhlgerecht ist, trotzdem wird niemand behaupten, er hätte keine Behinderung mehr deswegen.
      Ganz genau! Danke für dein geduldiges Erklären, @Shenya
    • Shenya wrote:

      Sonne wrote:

      Genau das meine ich - würde jemand vor diesen ganzen Veränderungen zur Diagnostik gehen, würde er nach eurer Definition die Diagnose bekommen, weil er stark leidet.
      Geht jemand mit Ende 30 oder später zur Diagnostik, der einen Weg für sich gefunden hat, wie es funktionieren kann, damit er nicht mehr leidet - wäre er kein Autist mehr?
      Nein, das habe ich ja versucht zu erklären, ein (guter) Diagnostiker würde die Schwierigkeiten immer sehen, auch wenn man einen Weg gefunden hat, damit umzugehen. Gerade die Notwendigkeit, einen Weg zu finden, spricht ja für Schwierigkeiten.Aber dann kann man auch nicht sagen, es gibt keine Beeinträchtigungen oder keine Behinderung. Man kann nur sagen, man hat einen Weg gefunden, damit umzugehen. Auch ein Rollstuhlfahrer kann gut zurechtkommen, z.B. weil sein Wohn- und Arbeitsumfeld rollstuhlgerecht ist, trotzdem wird niemand behaupten, er hätte keine Behinderung mehr deswegen.
      Ok, mit dieser Definition kann ich leben.

      Jetzt würde mich nur interessieren, mit welcher Begründung man sich als behindert ansehen müsste, wenn man gut im Alltag zurechtkommt?

      GdB gibt es ja, glaube ich, beim Autismus nur, wenn man offensichtliche Beeinträchtigungen im Hier und Jetzt nachweisen kann, oder?

      Ein Rollstuhlfahrer würde sie bekommen, weil er mobil sehr eingeschränkt ist, in der Praxis, nicht nur in der Theorie.

      Würde man beim Autisten auch so sehen, er hat eine Behinderung, weil er theoretisch eingeschränkt wäre?

      Bzw wann spricht man von einer Beeinträchtigung, die wir in vielen Bereichen zwangsläufig haben, und wann von einer Behinderung?

      Ich habe nach dem Unfall einen kaputten Fuß und kann vieles nicht machen. Meinen Alltag habe ich so eingerichtet, dass es mich nicht stört. Aber natürlich muss ich auf einiges verzichten.

      Für mich ist es eine Beeinträchtigung, aber keine Behinderung, weil ich im Alltag gut zurecht komme und auch psychisch nicht darunter leide, keinen Sport mehr machen zu können...
    • Sonne wrote:

      Ein Rollstuhlfahrer würde sie bekommen, weil er mobil sehr eingeschränkt ist, in der Praxis, nicht nur in der Theorie.
      Der Rollstuhlfahrer wäre auch behindert wenn er in Barrierefrei-City leben würde.

      Die Diagnosekriterien sind bei Autismus nunmal so, dass klinisch relevante Einschränkungen vorhanden sein müssen.
      Da gibt es imho auch nichts dran rumzudiskutieren.
      Hohe Zahlen bei der Editierungsanzeige zeigen nicht, dass ich permanent meine Meinung ändern würde. Ich habe nur Probleme Rechtschreib- und Grammatikfehler zu tolerieren und korrigiere diese daher, wenn ich sie sehe.
      Dennoch kann auch ich Tippfehler übersehen. In diesem Fall bitte ich um Nachsicht.
    • Ginome wrote:

      Sonne wrote:

      Ein Rollstuhlfahrer würde sie bekommen, weil er mobil sehr eingeschränkt ist, in der Praxis, nicht nur in der Theorie.
      Der Rollstuhlfahrer wäre auch behindert wenn er in Barrierefrei-City leben würde.
      Die Diagnosekriterien sind bei Autismus nunmal so, dass klinisch relevante Einschränkungen vorhanden sein müssen.
      Da gibt es imho auch nichts dran rumzudiskutieren.
      Das Thema Diagnose wurde schon geklärt, es müssen theoretische Beeinträchtigungen bestehen bzw praktische bestanden haben.

      Das hat Shenya ja gut erklärt.

      Meine Frage war jetzt eine andere.
    • Sonne wrote:

      Ginome wrote:

      Sonne wrote:

      Ein Rollstuhlfahrer würde sie bekommen, weil er mobil sehr eingeschränkt ist, in der Praxis, nicht nur in der Theorie.
      Der Rollstuhlfahrer wäre auch behindert wenn er in Barrierefrei-City leben würde.Die Diagnosekriterien sind bei Autismus nunmal so, dass klinisch relevante Einschränkungen vorhanden sein müssen.
      Da gibt es imho auch nichts dran rumzudiskutieren.
      Das Thema Diagnose wurde schon geklärt, es müssen theoretische Beeinträchtigungen bestehen bzw praktische bestanden haben.
      Das hat Shenya ja gut erklärt.

      Meine Frage war jetzt eine andere.
      :m(:
    • Kopfschmerzen? Gute Besserung.

      Ansonsten würde es mich interessieren, was an meiner nächsten (!) Frage so unglaublich verärgernd für dich war.

      Die Diagnostikfrage hat sich ja erledigt, ich stimme der letzten Definition von Shenya zu.
    • Tatsächliche vs. theoretische Einschränkungen – das ist auch eines meiner Dauerdenkthemen. Dazu hab ich auch meiner Diagnostikerin etliche Fragen gestellt, damit ich's überhaupt für mich sortieren kann.

      Beispiel Thema Job:

      Ich bin seit 15 Jahren im Berufsleben, seit 10 Jahren freiberuflich. Mein Beruf hat im weiteren Sinne mit meinem all-time-SI Sprache zu tun. Glück gehabt. Als ich noch in Festanstellung Vollzeit gearbeitet habe, war das aufgrund der kommunikativen Natur meines Jobs unheimlich anstrengend. Nach etwa 2 Jahren begann es zu bröckeln, nach 3 Jahren bin ich emotional quasi kollabiert. Abends immer Alkohol zur Selbstmedikation. Tägliche Panikattacken. Beruhigungsmittel im Büro. Nach einem Jobwechsel bin ich dann noch am ersten Tag im neuen Job abgehauen. Wirklich weggelaufen. Es ging einfach nicht mehr.

      Seitdem arbeite ich freiberuflich und habe gute Aufträge. Mein Sprach-SI erspüren auch meine Kunden, deshalb habe ich einen guten Ruf. Nach außen hin sieht das erfolgreich aus. Tatsächlich kann ich aber nur weiterarbeiten, weil ich mir spezielle Bedingungen geschaffen habe. Muss ich mal 3 Tage in einem Kundenworkshop verbringen, bin ich danach völlig fertig. Ich plane meine Auftragslage und meine Termine sehr, sehr sorgfältig.

      In der Zwischenzeit habe ich ein Kind bekommen und festgestellt, dass diese Doppelbelastung meine Arbeitsfähigkeit noch einmal deutlich reduziert. Und auch meine soziale Belastbarkeit. Ich kann mit den Ressourcen also immer nur begrenzt viele Bereiche am Laufen halten. Arbeite ich viel mit Kunden, bin ich ansonsten als Mensch nicht zu gebrauchen.

      So einiges kann nach außen "gut" oder "erfolgreich" aussehen.


      Ich würde sehr gern noch mehr Beispiele von anderen hier lesen. Wo seid ihr behindert und wo nicht?

      Sitze ich mit meinen zwei guten Freundinnen zusammen, fühle ich mich nicht behindert. Da fühle ich mich meist entspannt und ich selbst.
      Angry young woman, there’s no way back, so just keep walking.
      Yoko Ono
    • Ich habe einen SBA bekommen, weil ich ohne die ganzen inklusiven Extrawürste nicht arbeitsfähig wäre. Unter ganz bestimmten Umständen, die zum Glück gegeben sind, bin ich es aber. Wenn die mal wegfallen sollten, kann ich aber mit dem Integrationsfachdienst hoffentlich wieder dahin kommen.
      Ich empfinde diesen Umstand schon als Behinderung bzw. Beeinträchtigung, auch wenn ich derzeit im Alltag ganz gut zurecht komme und sowohl einen Vollzeitjob als auch eine Partnerschaft habe.