"Du bist doch nicht behindert!" bzw. "Autismus ist doch keine Behinderung!"

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    • @AspiIT ich denke ich habe eine für dich interessante Ressource gefunden, in welcher du deine ToM Defizite einordnen und verstehen kannst:

      http://www.psy.lmu.de/epp/studium_lehre/lehrmaterialien/lehrmaterial_ss10/wintersemester1011/lehrmat_kristen/seminar2kristen08/ref_theory_of_mind.pdf wrote:

      - Kinder unter 4 Jahren sind imstande täuschende Effekte zuproduzieren, jedoch ohne Verständnis epistemischerKonsequenzen- Einbettung von „false belief“ Aufgaben in einenTäuschungskontext → Verständnis der Mehrheit der 3-Jährigen,dass Personen, die „ausgetrickst“ werden, etwas Falsches sagen→ jedoch nicht, dass sie eine falsche Überzeugung habenkonzeptuelle Defizite bei Kindern unter 4 Jahren in einerstrategischen Täuschungsaufgabe

      siehe oben wrote:

      4-5-Jährige: Grundbegriffe mentalistischer Alltagspsychologie - Vorhersagen von konkreten Handlungen/ Handlungserklärungen und emotionalen Reaktionen (z.B. Überraschung) - kausale Verknüpfung zw. Zuständen und Handlungen, zw. Zugang zu Informationen, Zustandekommen von Wissen / Überzeugungen - Unterscheidung zw. Aussehen und Realität

      siehe oben wrote:

      Zw. 4 und 6 Jahren wesentliche Erweiterungen undDifferenzierungen! 6-Jährige: - „second order belief“ – Verständnis, dass eine Überzeugung über eine Überzeugung einer anderen Person falsch sein kann(Perner & Wimmer, 1985) - schlussfolgerndes Denken - Unterscheidung zw. aktuellen Lernereignissen und Vorwissen (Taylor et al., 1994)
    • FruchtigBunt wrote:

      @Platypus
      Das heißt, die These, dass alle Autisten Probleme mit der ToM hätten, kann man getrost mal über den Haufen werfen? :o
      Nein, so einfach nicht. Aber man muss wie bei allen Aspekten der Diagnostik sehr genau hinschauen, und das Gesamtbild einbeziehen. Klar ist nur, dass die Einschränkungen in der ToM kein spezifisches Merkmal für Autismus ist.

      Kayt wrote:

      Das Thema ist also durchaus komplexer.
      Ganz genau :) Ob jemand Sally den Ball im Korb oder in der Truhe suchen lassen würde, kann beeinflusst sein von Entwicklungsstand, hohem oder niedrigem IQ plus oder minus Autismus (und auch noch von anderen normabweichenden Zuständen). Dass du die Frage richtig beantwortest, heißt nicht, dass deine ToM grundsätzlich nicht eingeschränkt ist, und auch nicht, dass du keine Autistin sein kannst.
    • Seitdem ich - vor ein paar Wochen erst - verstanden habe, dass alle anderen Menschen um mich herum auch wirklich denken/Gedanken haben wie ich, und nicht nur etwas von mir wollen (das hab ich früh verstanden, weil es mir "nachdrücklich" gezeigt wurde), hat sich meine soziale Gehemmtheit sehr verstärkt. Ich fühle mich sehr schwindelig von der Erkenntnis, und wünschte fast, es sei nicht passiert. Natürlich war meine Fehlerquote hoch, bzw war ich sowohl zurückgezogen bis sozial isoliert, als auch im nicht vermeidbaren Kontakt extrem angepasst/viel zu nachgiebig und habe alles auf mich bezogen.
      Ich schreibe das mal hier her, weil es ja mit theory of mind zu tun hat, wenn ich das richtig verstanden habe. Und weil ich es im "echten Leben" niemandem erzählen kann.
    • Für mich ist eine Behinderung im Sozialen. und auch eine erhebliche einschränkung in der wahrnehmung der verschiedenen Reize.
      Unsere Sinnesorgane funktionieren, nehmen die Reize der umwelt auf, sie werden jedoch anders / nicht zusammenhängend weiterverarbeitet.

      Ohne die massive kontaktstörung und die probleme in den lebenspraktischen tätigkeiten wäre vielen von uns ein schöneres leben beschieden...
      Aspie Adventure :)
    • Mir kommt insgesamt so die Frage:

      Angenommen, Asperger wäre keine Behinderung sondern einfach nur eine Art "way of life", warum gibt es dann dieses Selbsthilfeforum? Warum gibt es hier dann eine Rubrik mit "Überlebensstrategien"? Und warum haben von uns dann so viele eine so lange und anstrengende Therapiegeschichte hinter sich bzw. sind noch mittendrin?

      Ich hab nicht so viel Ahnung von dem, was normale Menschen unter "Lifestile" verstehen, aber so wie ich das bisher kapiert habe, ist "Lifestile" in der Regel was, was man sich ausgesucht hat, was man so haben will und was Spaß macht.


      Und das hat mit meinem Leben als jemand mit Asperger nicht wirklich so viele Gemeinsamkeiten... Zumindest nicht oft. :-/
      Die Welt wäre sehr langweilig, wenn alle Vögel fliegen könnten... :)
    • Vielleicht war "way of life" die falsche Formulierung. Aber so ungefähr kriege ich das schon oft von Bekannten bzw. Leuten aus der Familie gesagt. Halt so, als wäre Asperger das neue "Hipster" oder was auch immer und jedenfall was, was man angeblich nur hat, weil das halt gerade "in" ist...

      Meine Frage war auch eher rhetorisch gemeint, d.h. ich wollte gar nicht wirklich eine Antwort darauf. Vermutlich war ich einfach nur sauer auf die Leute in meinem Umfeld, die denken, dass ich mir das Asperger-Sein ausgesucht habe, weil ich es lustig finde und weil es angeblich gerade in Mode ist. Und das finde ich einfach nur bescheuert. Weil ich mir diese ganzen Probleme nicht ausgesucht habe. Und weil ich auch sehr wenig Spaß damit habe. Weil ich oft das Gefühl habe, dass das ganze Leben ein einziger Kampf ist und wenn dann jemand kommt und sagt, "Asperger" gibt es gar nicht bzw. das ist keine Behinderung sondern einfach nur so ein Begriff der halt gerade "in" ist und hinter dem man sich verstecken kann, dann macht mich das irgendwie wütend.
      Die Welt wäre sehr langweilig, wenn alle Vögel fliegen könnten... :)
    • @MathePinguin Ich würde nun doch definitiv mal sehr kritisch mein Umfeld prüfen an deiner Stelle. Und ich würde auch grundsätzlich sehr viel zurückhaltender mit dem Auten vorgehen. Meine Familie habe ich nur sehr partiell informiert, und auch darüber hinaus gibt es selten die Notwendigkeit, anderen meine Diagnose zu unterbreiten. Ist wie mit einer Blasenentzündung: Wenn ich die habe, nenne ich auch niemandem die Diagnose, sondern gehe halt alle Nase lang zur Toilette und gut. Ich muss das doch niemandem erklären. Umgekehrt möchte ich auch normalerweise nicht die Diagnosen anderer erzählt bekommen mit der Erwartung, "angemessen" zu reagieren, im Gegenteil, ich finde das immer unangenehm distanzlos.
      Dass man die Diagnose verarbeiten muss und das Bedürfnis hat, mit anderen darüber zu reden, ist glaube ich normal und auch gut, aber eigentlich ist auch klar, dass das nur mit sehr wenigen ausgewählten Menschen funktioniert. Eine Therapie ist da nach meiner Erfahrung sehr hilfreich und nimmt auch einiges von dem Druck, sich auten zu wollen.
      Such dir Pinguine und Pinguinversteher :)
    • Platypus wrote:

      Ist wie mit einer Blasenentzündung: Wenn ich die habe, nenne ich auch niemandem die Diagnose, sondern gehe halt alle Nase lang zur Toilette und gut.
      :lol: Der ist gut.

      Ist so eine Sache mit dem outen oder nicht. Mancher platzt, wenn er es nicht tut (da gehöre ich dazu, meine Tochter auch), da selektiert man ein wenig, aber grundsätzlich fällt es schwer, nicht offensiv damit umzugehen. Spätestens, wenn ich eine dumme Ausrede bringen müsste, um nicht AS als Grund zu nennen, warum etwas nicht möglich ist, ziehe ich Offenheit vor. Ist natürlich auch eine Frage des Umfelds (da gab es noch keine Probleme, außer dem üblichen "sowas hat doch jeder mal") und des Alters - mit 62 verbaue ich mir keine goldene berufliche Zukunft mehr, indem ich mich als Aspie zu erkennen gebe.
    • @Surprised Ich meinte damit, dass es hilfreich sein kann, wöchentlich einen festen Termin zu haben, der einem einen Rahmen bietet, wo man mit jemand Verständigem (=Psychotherapeut, mit dem man gut klarkommt) über all das reden kann, was einem so durch den Kopf geht gerade in den Wochen und Monaten nach der Diagnose. All diese Momente der Selbsterkenntnis, das Bedürfnis, nicht nur sich selbst endlich besser zu verstehen, sondern auch von den anderen endlich verstanden zu werden, indem man ihnen die Erklärung liefert... Ich hatte und habe auch sehr oft das Bedürfnis, mich zu auten, bin aber froh, einn Rahmen zu haben, in dem ich meine vielen Gedanken dazu äußern kann und eine Rückmeldung bekomme, so dass ich nicht dem teilweise starken inneren Druck nachkommen muss, das alles in meinem Umfeld "loszuwerden". So kann ich mir immer erst mal in Ruhe überlegen, ob ich Person xy in Umfeld qr wirklich informieren will und sollte, oder ob ich in erster Linie einfach mein Erleben teilen und verstanden werden will. Wenn letzteres, überlege ich mir gut, ob diese Person die richtige ist dafür, oder ob ich es ein paar Tage aufschieben kann bis zur Therapie, oder ob der Druck zu groß ist, ich dann aber wenigstens eher mit meinem Partner rede, der Bescheid weiß. Dem will ich das aber nach Möglichkeit auch nicht alles aufbürden, daher ist die Therapie sehr hilfreich für mich. Entlastet mich und mein Umfeld :d
      Ist es jetzt verständlicher?
    • @Platypus Kann schon sein, dass da was dran ist. Jetzt musst du mir nur noch sagen, wo es solche verständigen Therapeuten gibt...

      Platypus wrote:

      Such dir Pinguine und Pinguinversteher
      Sehr schön formuliert! Aber wir leben hier nicht in Pinguin-City, sondern in einem mitteleuropäischen Zoo, der sich Deutschland nennt. Und da sind Pinguine und Pinguinversteher seltener als am Südpol.
      Ich hab mein ganzes Leben lang versucht, ein Storch zu sein. Und jetzt weiß ich seit ein paar Jahren, dass ich ein Pinguin bin. Wieso sollte ich das verstecken? Klar, ich gehe damit auch nicht von Haustür zu Haustür und es ist auch nicht mein Status auf Whatsapp, aber selbst wenn ich es den Leuten nicht sage. Früher oder später falle ich auf!

      Ich hatte jahrelang Zoff mit den Leuten aus meiner Familie. Eben weil ich ein Pinguin bin und kein Storch wie alle anderen. Und die haben sich von mir provoziert gefühlt, weil die dachten, ich mache das alles mit Absicht. Natürlich hab ich jetzt die Hoffnung, dass die Diagnose für die Leute in meinem privaten Umfeld eine ähnliche Erklärung/"Erleichterung" ist wie für mich.

      Ich glaube, dass die Dosis da sehr wichtig ist. Wem man was und wie viel erzählt, da hast du recht. Wie bei Vegetariern und Veganern. Es ist nervig, wenn man ewig lange Vorträge gehalten bekommt, warum jetzt wer was nicht isst. Und natürlich kann man sagen: Sucht euch halt Freunde, die zu euren Ernährungsgewohnheiten passen. Aber oft gibt es halt auch Leute im Bekanntenkreis, da passt alles - nur eben nicht das essen. Und dann kann es die Beziehung schon vor einer mittelschweren Krise bewahren, wenn man sagt: "Das sieht total lecker aus, allerdings bin ich Vegetarier. Aber ich probiere total gerne vom Salat!" Als wenn man einfach nur da sitzt und nichts isst. Oder gar nicht erst zum Treffen kommt, nur weil das Essen nicht stimmt.

      Vielleicht bin ich da auch einfach noch in der Ausprobier-Phase. Mit wem ich über was reden kann. Wie viel ich überhaupt drüber reden will. Wie viel ich das Gefühl habe, drüber reden zu müssen. Und zum Ausprobieren gehören halt Erfolge und Misserfolge gleichermaßen...
      Die Welt wäre sehr langweilig, wenn alle Vögel fliegen könnten... :)
    • Platypus wrote:

      Eine Therapie ist da nach meiner Erfahrung sehr hilfreich und nimmt auch einiges von dem Druck, sich auten zu wollen.
      Meine Therapeuten haben mir immer dazu geraten, mich möglichst zu outen, damit Beziehungen besser funktionieren. Also in der Familie und gegenüber anderen Leuten, mit denen ich oft zu tun habe.
      Ich selbst möchte mich outen, damit ich mehr so sein kann, wie ich bin und nicht immer etwas verstecken oder verschweigen muss. Es nimmt den Druck weg, den ich immer hatte, alles richtig zu machen.
      Das Outen hat teilweise gut funktioniert, manchmal auch nicht so gut. Aber ich denke, dass Asperger eine Behinderung ist, über die man andere am besten aufklärt, weil man sonst die Kontakte nicht so gut aufrecht erhalten kann und es meistens einfach irgendwann scheitert, oder man muss sich so sehr verbiegen, dass man sich deswegen nicht mehr wohl fühlt. Was mich angeht, kann es daher fast jeder wissen, aber natürlich erzähle ich es nicht der Verkäuferin in der Bäckerei oder so, aber ich sage es jedem, mit dem sich nähere Kontakte ergeben. Lediglich am Arbeitspatz bin ich zurückhaltender.
      Die Reaktionen darauf sind mir mittlerweile auch nicht mehr so wichtig, entweder jemand kann damit umgehen oder eben nicht, aber ich habe dann keinen Druck mehr, oder nicht mehr so viel. Manche brauchen auch Zeit, um über die Info nachzudenken.
      Deshalb glaube ich persönlich nicht, dass es ein guter Rat ist, es möglichst niemandem mehr zu erzählen, dass man Asperger hat.

      MathePinguin wrote:

      Ich hatte jahrelang Zoff mit den Leuten aus meiner Familie. Eben weil ich ein Pinguin bin und kein Storch wie alle anderen. Und die haben sich von mir provoziert gefühlt, weil die dachten, ich mache das alles mit Absicht. Natürlich hab ich jetzt die Hoffnung, dass die Diagnose für die Leute in meinem privaten Umfeld eine ähnliche Erklärung/"Erleichterung" ist wie für mich.
      Zoff hatte ich nicht, aber sicher waren Familienmitglieder von mir manchmal enttäuscht oder irritiert*, weil ich Dinge nicht so gemacht habe wie erwartet. In meinem Fall habe ich den Vorteil, dass die meisten meiner Familie ähnliche Charakterzüge haben wie ich, obwohl ich bisher die einzige mit Diagnose bin. D.h. sie waren zwar enttäuscht oder irritiert, aber sie haben mich immer so genommen wie ich bin. Meine Familie will von der Diagnose auch gar nicht so viel wissen, die wehren eher ab oder schweigen sich aus darüber, aber das ist insofern jetzt nicht so schlimm, weil ich auch ohne akzeptiert werde.
      In deinem Fall hätte ich auch die Hoffnung, dass die Nennung der Diagnose etwas verbessert. Vielleicht musst du sie noch mehr aufklären, ihnen Bücher ausleihen oder Infos verlinken usw.
      Oder mal eine Weile abwarten, bis sie die Info akzeptiert haben.


      *zum Beispiel, weil ich nie was mit meinen Patenkindern gemacht habe, nicht einmal mich mit ihnen unterhalten (obwohl ich sie mag, aber in Gegenwart von Kindern verstumme ich einfach, ich kann nicht auf sie zugehen). Oder weil ich die eine oder andere Familienfeier lieber ausgelassen habe. Ich frage mich noch, ob ich es wohl bringen kann, mal die Hochzeiten meiner Nichte und Neffen nicht zu besuchen, wenn es soweit ist..... schätzungsweise wäre das dann doch zu viel des Guten.
      Alles wird galaktisch gut.
    • @MathePinguin
      Was du schreibst, kann ich hundertprozentig nachvollziehen. Zu meiner Herkunftsfamilie habe ich aus dem Grunde quasi keinen Kontakt mehr.
      Der Punkt ist einfach, dass es lauter Fakten sind:
      • Für Nichtbetroffene ist es extrem schwer, sich in unsere Wahrnehmung hineinzuversetzen, mindestens so schwer für sie wie es für uns ist, uns in sie hineinzuversetzen - und wir haben immerhin jahrzehntelange tägliche Übung darin.
      • Wir sind deutlich in der Minderheit, leben aber in einer an der Mehrheit ausgerichteten Welt.
      • Wir leben in einer Kultur, wo Menschen als Daseinsberechtigung irgendeine Funktion erfüllen müssen. Funktioniert man nicht, ist eine Rechtfertigung notwendig, deren Akzeptanz teilweise usgehandelt werden muss.
      • Wir haben Probleme, die man uns nicht ansieht bzw. die als Unwilligkeit, Egoismus... gewertet werden.
      Das ist alles totaler Mist. Daran werden wir uns oft stoßen und fluchen, mit dem Schicksal hadern, verzweifeln. Aber man kann auch Wege für sich suchen, um sich nicht immer wieder in die Opferposition bringen zu müssen. Letztlich muss jeder für sich seinen Weg ausloten zwischen Mimikry, Rückzug und Offensive, und seine Ziele anpassen müssen an seine Fähigkeiten, Energiereserven und Umweltbedingungen. Letztere kann man teilweise durchaus beeinflussen. Natürlich ist es schöner, wenn das gewohnte Umfeld einen versteht und wohlwollend oder neutral auf die Diagnosenennung reagiert. Wenn nicht, ist das sehr frustrierend. Man muss wie immer selbst entscheiden, wie man mit enttäuschten Erwartungen umgeht.

      Einen verständnisvollen Therapeuten findet man mit Geduld und Mut zur Enttäuschung. Verständnisvolle Mitmenschen ebenfalls. Ich habe nüchtern betrachtet ziemlich oft in meinem Leben so richtig in die Sch.... gegriffen. Quasi zu 99 %. Aber wenn man nicht nur dreimal reinlangt und dann sagt "Iiihh, mach ich nicht mehr", sondern halt stur wieder reinpackt, hat man die 99 mal irgendwann hinter sich und findet dann das eine Goldstück. Und dann langt man halt wieder 99 mal rein... Ist halt so.

      @Shenya Ich finde es recht fragwürdig, als Therapeutin pauschal zum Auting zu raten (so kam das jetzt für mich rüber?). Ich denke, man muss das sehr genau abwägen und absolut situationsbezogen entscheiden. Grundsätzlich habe ich selbst überhaupt kein Problem damit, die Diagnose zu nennen, im Gegenteil. Aber es ist halt einfach nicht immer günstig. Was habe ich damit gewonnen, wenn ich es jedem sage, wenn ich dann jedes Mal erklären muss, was es ist, was es bedeutet, und dann darüber diskutieren muss, ob die Diagnose überhaupt richtig sein kann, es nur eine Modediagnose ist, ich mich wichtig machen oder drücken will etc.? Ich wäge da sehr genau ab. Dss ich "anders" bin, merkt man bei mir auch deutlich - aber warum müsste ich dazu automatisch eine Schublade mit Etikett liefern? Ich muss doch nicht von vorneherein sagen, dass ich Autistin bin, um mich nicht auf Familienveranstaltungen zu tummeln oder früher zu gehen. Es reicht, wenn ich freundlich, aber bestimmt sage, dass mir das zuviel wird. Ich muss das doch nicht begründen. Klar wollen die das. Aber mit welchem Recht? Leuten, denen ich vertraue und die mir persönlich wichtig sind, denen erkläre ich, was los ist. Aber nur denen. Trotzdem sind auch mit diesem sehr selektiven Vorgehen einzelne "rausgeflogen", die ich offenbar falsch eingeschätzt hatte. Denen heule ich dann aber keine Träne nach...
    • @Platypus

      ich musste bei deinen 99% sehr lachen, genau so ist es.
      Was das Outing angeht, dosiere ich mittlerweile. Erst mal vorsichtig antesten - Greta sei Dank findet sich ja schnell die Überleitung zum Thema - um dann auf die Reaktionen zu achten und dann evtl mehr.
      Umfassend können das glaube ich die wenigsten verstehen. Weil es ja alle Seins-Bereiche durchdringt, vom Denken ins Fühlen, in das was auf einen einwirkt und wann wie stark und warum in welcher Kombination....

      ih fühle mich manchmal behindert durch Unverständnis anderer oder deren Unwillen, ein "Anders" in seinem Vorhanden-Sein zu akzeptieren.
      Zu mir fühle ich manches, das mir schwer fällt, oder mir einfaach nicht möglich ist, dann fühlt sich das auch schon mal als "ich bin behindert" an - so ca 3 Minuten.
      Insgesamt fühlt sich AS nicht als "behindert" aus mir selbst heraus an. Manchmal sogar im Gegenteil.
      Und sobald ich mit anderen Aspies zusammen bin, ist es weg.

      Was ich interessant finde, sobald mir die Unterschiede bewusst werden, ich diese klar benennen und abgrenzen kann, und zwar aus meiner Perspektive und aus der Perspektive, wie es sein muss für die, die nicht so "ticken" bzw nicht von dem einen oder anderen betroffen sind, verschwindet das "behindert" komplett.
      Hier hab ich mir heute wieder was "weggearbeitet."
      Gedanken/Erkentnisse kommen immer in Fetzen (zentrale Kohärenz)

      Es bleibt einfach nur, wie gut für mich und für andere damit umgehen, dass ich für andere so anders bin und die anderen für mich so anders.
      Wenn die wollen, der Rest fällt eben unter eben diese Neunundneunziger, denen ich mich mich nicht antun muss und die mir erst recht nicht :d
      "AS? Sie wirken gar nicht so" -"Danke für die Bestätigung und Anerkennung all der geleisteten Arbeit, die dahinter steckt :) ".