Autismus und/oder Narzismus?

    This site uses cookies. By continuing to browse this site, you are agreeing to our Cookie Policy.

    • HCS wrote:

      FruchtigBunt wrote:

      'gaslighting'/'Manipulieren'/'andere Menschen lenken wollen'. Sowas machen Narzissten meiner Meinung nach nicht.
      Manmipulieren? Oh ja! das gehört gewissermaßen zum "Geschäftsmodell", zumindest bei meiner Schwiegermutter. Die Leute haben ja das Ziel, dass auch die anderen an ihre Grandiosität glauben, und da muss man halt etwas nachhelfen. Das kriegt nicht jeder gleich mit einem halben Volk und der zugehörigen Presse hin, aber es ist ja auch nicht jeder Narzisst gleich ein Trump.

      @HCS
      Ich würde jetzt nicht alles von deiner Schwiegermutter abhängig machen, aber ich kenne mich mit dem Thema zu wenig aus, um da weiter mitdiskutieren zu können. Zu Narzissmus habe ich bisher kaum etwas gelesen. Mir ist nur hängengeblieben, dass oft ein ganz mickriges Selbstwertgefühl dahintersteckt und die Personen sich eigentlich für sehr wertlos und klein halten und das dann kompensieren durch irgendwelche Größenphantasien. Von Manipulieren etc. stand in den Büchern, die ich zum Thema Narzissmus gelesen habe, nichts, aber vielleicht habe ich das auch schon wieder vergessen. Das eine war ein Buch von Sachse, das heißt "Persönlichkeitsstörungen verstehen - narzisstische PS" oder so ähnlich. Ich fand das eigentlich sehr gut geschrieben.
    • Chelidon_Hirundinis wrote:

      sucht ihr den Begriff: "Psychopat"?
      Die manipulieren viel.
      Ich hatte auch kurz überlegt, aber allein dieses Verhalten würde für mich nicht reichen, um jemanden als "Psychopat" einzustufen. Unter einem Psychopaten stelle ich mir jemanden vor, der vor allem rücksichtslos und brutal auftritt, aber weniger manipulierend und raffiniert, aber vielleicht bin ich da falsch informiert. Vor allem dachte ich, dass es bei Psychopathen um wesentlich heftigere Themen geht, als emotionale Manipulationen etc.

      Jetzt fällt mir der Begriff wieder ein: Ich meinte so etwas in Richtung "histrionische Persönlichkeitsstörung". Ich weiß nicht, ob der Begriff schon mal gefallen war. Aber so ganz passt das auch nicht. Es geht aber etwas in die Richtung.


      Seele und Gesundheit wrote:

      Wie die narzisstische so wünscht sich auch die histrionische Persönlichkeit möglichst viel Beachtung. Während die narzis­stische es durch distanzierte Überlegenheit, autonome Souveränität oder aristokratische Gesten versucht, bleibt die hysterische (= histrionische) Persönlichkeit in der Nähe derer, denen sie gefallen will. Zugehörigkeit zählt für sie mehr als Selbstbestimmung. Daher überlässt sie sich den Wogen der Gefühle und versucht durch lebhaftes Verhalten Reaktionen und Bindungsbereitschaft bei anderen zu bewirken. So wie sie selbst von Auffälligem zu verführen ist, verführt sie ihrerseits mit allen Mitteln, die gerade zur Verfügung stehen.

      The post was edited 2 times, last by FruchtigBunt ().

    • Der Begriff des "Psychopathen" wird heutzutage eigentlich nur noch in der Forensik genutzt. Das was früher gemeinhin unter Psychopatie verstanden wurde, wird heute als anti-soziale (oder auch dissoziale) PS beschrieben.
      "in truth, only atoms and the void" Sean Carroll (paraphrased Demokritos)
    • FruchtigBunt wrote:

      Ich würde jetzt nicht alles von deiner Schwiegermutter abhängig machen
      Mache ich ja nicht - Trump ist das deutlichere und (leider) sehr viel bedeutendere Beispiel. Und der ist ja nun auch ein großer Manipulator. Gehört nicht generell, aber in vielen Fällen dazu (ich habe mich natürlich auch ein wenig belesen), zumal emotionaler Mißbrauch nahestehender Personen regelmäßig dabei ist, und das ist eine besonders perfide Form der Manipulation.
    • HCS wrote:

      FruchtigBunt wrote:

      Ich würde jetzt nicht alles von deiner Schwiegermutter abhängig machen
      Mache ich ja nicht - Trump ist das deutlichere und (leider) sehr viel bedeutendere Beispiel. Und der ist ja nun auch ein großer Manipulator. Gehört nicht generell, aber in vielen Fällen dazu (ich habe mich natürlich auch ein wenig belesen), zumal emotionaler Mißbrauch nahestehender Personen regelmäßig dabei ist, und das ist eine besonders perfide Form der Manipulation.

      Kommt emotionaler Missbrauch bei Narzissmus tatsächlich laut Fachbüchern häufig vor? Ich hatte mal den Verdacht, dass meine Mutter narzisstisch sein könnte und das auch gegenüber einer Therapeutin geäußert, die dann aber meinte, dass sie das Narzisstische nicht sehen würde (ich frage mich, wie das anhand von fünf Sätzen gehen soll), es doch auch sein könnte, dass meine Mutter autistisch wäre. :yawn: Danach hatte ich mich nicht mehr weiter mit dem Thema beschäftigt. Ich habe meine Mutter neben auch als emotional missbrauchend erlebt. Einem Autisten würde ich niemals zuschreiben, dass er andere Menschen emotional missbraucht. Insofern wurde das Leid, das mir meine Mutter zugefügt hat, von dieser einen Therapeutin auch überhaupt nicht anerkannt, sondern es ging so in die Richtung "die wusste halt nicht, was ihr Verhalten bewirkt". Ich glaube aber, dass sie es nicht nicht wusste, weil sie autistisch ist, sondern dass sie es zu einem Teil nicht wusste bzw. verdrängte, weil sie selbst traumatisiert ist und zu einem anderen Teil, weil sie narzisstische Züge hat und bewusst in Kauf genommen hat, mich emotional zu manipulieren. :|

      Vielleicht hole ich mir doch nochmal ein paar Bücher zum Thema und beschäftige mich näher mit der Abgrenzung zwischen narzisstischer und histrionischer Persönlichkeitsstörung.
    • Offensichtlich scheint die Abgrenzung zwischen einer Histrionischen und einer Narzisstischen PS nicht immer so einfach:

      Wiki - Histrionische PS

      Zuweilen würde gem. dem o.g. Artikel auch eine ADHS fehldiagnostiziert.

      Hier ein interessantes Fachbuch im Zusammenhang mit der Gegenüberstellung / Abgrenzung Borderline zu NPS:

      Kernberg: Borderlinestörungen und pathologischer Narzissmus
      (Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft - ISBN 978-3-518-28029-4)

      Inhaltsangabe:

      "Otto F. Kernberg gibt in diesem Buch zunächst eine umfassende systematische Übersicht über die symptomatologischen, ich-strukturellen und dynamisch-genetischen Merkmale der Borderline-Persönlichkeitsstörungen. Danach geht er auf typische Übertragungs-Gegenübertragungs-Konstellationen bei Borderline-Patienten ein und stellt eine besondere modifizierte Form analytischer Psychotherapie als Behandlungsmethode der Wahl vor. Eine ausführliche Erörterung prognostischer und differentialdiagnostischer Fragen schließt sich an. Dem bei Borderline-Patienten so häufigen inneren Leeregefühl ist ein eigenes Kapitel gewidmet.

      Im zweiten Teil des Buches entwickelt Kernberg ein eigenes Konzept narzisstischer Persönlichkeitsstörungen, deren Ursache er in einer pathologischen Abwehrorganisation sieht, die tiefliegende archaische Trieb- und Beziehungskonflikte verdeckt. Die abschließenden Kapitel behandeln praktisch-klinische Probleme bei narzisstischen Persönlichkeitsstörungen und versuchen eine Klärung der Unterschiede zwischen normalem und pathologischem Narzissmus."
    • FruchtigBunt wrote:

      Kommt emotionaler Missbrauch bei Narzissmus tatsächlich laut Fachbüchern häufig vor?
      Häufig genug, dass eine Beschreibung des Verhaltens noch ganz ohne eigene Sachkenntnis bei Fachleuten sofort zu dem Verdacht führt. Wir sind ja bei meiner Schwiegermutter nicht selbst auf die Idee gekommen, das war eine Psychologin, bei der meine Frau während einer Kur zwei oder drei Termine hatte. Ihr jetziger Therapeut sieht das genauso.
    • Die Narzisstische Persönlichkeitsstörung umfasst verschiedene Typen von denen einer der allgemein gängige Vorstellung von nach Außen getragener Genialität und Größenwahn erfüllt.

      Nehmen wir als Beispiel aber eine Frau, die als Mädchen in den 1960er Jahren die typische Erziehung für Mädchen 'genossen' hat so wird sich der Narzissmus anders äußern. Sie hat gelernt, dass sie bescheiden, ruhig, eine gute Hausfrau (Köchin/Mutter) sein sollte und anderen helfen soll. Ihre 'Karriere' bezieht sich also auf diesen Bereich und in diesem möchte sie als perfekt nach außen gelten. Sie wird anderen gegenüber ihre Wut nicht zeigen sondern verstecken und dann auch sehr versteckt agieren. Dass sie immer im Mittelpunkt stehen muss wird anderen ev. nicht so auffallen...denn sie tut es ja während sie anderen hilft und ja 'ach so selbstlos' ist.

      Ich denke, dass man mit Diagnosen sehr vorsichtig sein sollte...auch und vor allem Menschen gegenüber, die man kennt. Viel wichtiger als dem anderen eine Diagnose zu verpassen ist, zu erkennen, was einen an dem Verhalten des anderen stört. Versucht man mit ihm darüber zu reden und ergibt sich keine Lösung so darf man in sich selbst mal schauen, wie man damit umgehen kann und möchte.
      Wie Lefty schon schrieb, dass sie nun etwas gelassener sein kann...so etwas kann man erreichen, wenn man erstens erkennt, dass man das Verhalten des anderen so nicht ok findet und so nicht behandelt werden möchte (Stärkung der eigenen Position, Selbstachtung, Mitgefühl mit sich selbst haben und Achtung vor dem eigenen Ich, den Gefühlen) und gegebenenfalls seine eigenen Trigger bearbeitet.
      „Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns.“
      Rumi
    • kikilino wrote:

      denn sie tut es ja während sie anderen hilft und ja 'ach so selbstlos' ist
      Was meinen Schwiegervater einmal zu der Bemerkung gegenüber seiner Frau veranlasste: "dann musst Du eben mal auf ein Öpferchen verzichten", was genau dieses Verhalten mE sehr treffend beschreibt.

      Das Kernproblem der Angehörigen, insbesondere der Kinder, ist zunächst einmal überhaupt zu erkennen, was da jahrzehntelang mit ihnen gespielt wurde (übrigens unabhängig davon, ob es sich um eine NPS im klinischen Sinne oder nur um deutliche narzisstische Züge handelt). Wer dann noch keine Depression hat, rutscht womöglich im Moment der Erkenntnis, dass ein Elternteil, an den man als Kind ja immer geglaubt hat, stets nur daran gedacht hat, sich selbst in Szene zu setzen und die Kinder nur Mittel zum Zweck waren, in eine hinein. Und die Erkenntnis, dass das schlechte Bild, das man vom anderen Elternteil hatte, nur durch Manipulation zustande kam, ist auch von Übel.
    • @HCS: die Bemerkung finde ich auch sehr treffend...musste schon schmunzeln, als ich sie las. :d

      Ja, diese Erkenntnis dass Eltern/ ein Elternteil einen nicht selbstlos liebt, dass man eigentlich Mittel zum Zweck war und ist verursacht einen enormen Schmerz und triggert meistens auch eine Existenzangst an die noch aus der Kindheit besteht. Deshalb ist es auch gut, dass oftmals diese Erkenntnis gar nicht statt findet weil der Mensch dazu noch gar nicht bereit wäre. Ich hätte diese Erkenntnis allein mit dem Verstand auch nicht gewinnen können. Also, was schief lief habe ich schon bemerkt...aber es ist nicht tief in mir angekommen; das war erst mittels einer emotionalen Technik möglich die mit Märchenbildern arbeitet.
      „Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns.“
      Rumi