Was passiert nach der Diagnose?

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    • Ljos wrote:

      Hallo!

      Ende Dezember weiß ich endgültig, ob ich mich im Spektrum befinde oder nicht.

      Nun stelle ich mir die Frage: Was passiert danach?

      Der Ärztin, die meine Diagnostik durchführt, hat mir extra noch dieses Jahr Termine zur weiteren Abklärung gegeben, damit ich noch während meiner Ausbildung Hilfe bekommen kann. Die ist nächstes Jahr im Sommer fertig.

      Nun frage ich mich: Was passiert nach der Diagnostik? Wohin wendet man sich, um Hilfe zu erlangen? Gibt es Leute, die einem am Arbeitsplatz helfen können, gewisse Anpassungen zu machen, sodass das Arbeitsleben einfacher wird? Findet man mit einer Diagnose, wenn man weiß, dass man gewisse Hilfe braucht/Anpassungen benötigt, überhaupt noch einen Job?

      Die Ärztin hat mir außerdem eine Broschüre für Autismus am Arbeitsplatz mitgegeben. Dort stehen Infos für Arbeitgeber aber auch für den Betroffenen selbst drin. Finde es dennoch sehr unübersichtlich x(

      Ich weiß, dass es Autismus Zentren gibt, aber irgendwie kommt mir das alles noch so unübersichtlich vor.

      Viele Grüße,
      Ljos

      Wenn du die Diagnose erhalten hast, beinhaltet sie auch die zu behandelden Problembereiche, Umfang und deren Wichtigkeit. Bei einem Therapeuten kann dieser dann die benötigten Therapiemaßnahmen durchführen und dir helfen. Du kannst über die Teilhabe finanzielle Zuschüsse zur Therapie beantragen.

      Für die berufliche Integration gibt es die sogenannten Integrationshelfer. Diese unterstützen dich bei der Integration bzw. Reintgration in die Berufswelt. Gewisse Anpassungen sind was für Anpassungen?

      Zur Arbeitsplatzsuche:

      Was für einen Beruf hast du nach deiner Ausbildung erlernt? In der IT finden Autisten i.d.R immer einen Job. Die analytischen Fähigkeiten sind sehr gefragt. Einige Unternehmen, wie SAP haben eigene Abteilungen für diesen Zweck. Wie es in anderen Berufszweigen ist, kann ich dir nicht sagen.

      In einem Autismuszentrum (ATZ) kannst du u.a. die Therapie machen. Sofern du ein autismusspezifisches betreutes Wohnen benötigst, wirst du dort ebenfalls fündig. Welche zusätzliche Unterstützungen die unterschiedlichen ATZ anbieten, kann ich dir nicht sagen. Sie bieten i.d.R. auch Unterstützungen für Arbeitgeber an, z.B. Inhouse Schulungen um den Mitarbeiten, die autismusspezifischen Warnehmung und kommunikativen Facetten zu vermitteln und so auftretende Missverständnisse von Anfang an zu reduzieren.
    • Ljos wrote:

      Je nachdem war ich auch am überlegen einen GdB zu beantragen - allerdings habe ich noch nicht ganz verstanden, was der mir bringt, wenn er unter 50 ausfällt. Eigentlich doch gar nichts - oder?
      Auch unter 50 kann meines Wissens nach mit Hilfe des Integrationsfachdienstes deine besonderen Bedürfnisse am Arbeitsplatz umgesetzt werden. Darunter fällt auch z.B. ein ruhiger Arbeitsplatz, wenn du ihn benötigst um deine Arbeit konzentriert machen zu können. So wie ich das verstanden habe kommt dann jemand und erarbeitet mit dir und deinem Chef Lösungen. Wie gut das in der Praxis funktioniert kann ich dir nicht sagen, aber laut meines Psychiaters ist genau diese Stelle dafür da.
      Vielleicht reicht eine Diagnose oder ein GdB aber alleine schon aus, damit dein Chef deine Probleme ernster nimmt.
    • Vielleicht ist es jemandem von Nutzen: Hier ein Flowchart inklusive 16-seitigem Dokument (in englischer Sprache) des "National Institutes for Health and Care Excellence (NICE)" aus dem Vereinigten Königreich zum Thema, was mit Erwachsenen nach der Diagnose zu tun ist. Ich habe das Flowchart gerade zufällig gefunden.
    • Ally wrote:

      Mir wurde noch empfohlen, einfach in die Amublanz der psychiatrischen Klinik zu gehen, doch da ist die Hemmschwelle für mich sehr hoch.
      Das kann ich überhaupt nicht empfehlen. Verstehe ich "psychiatrische Klinik" richtig als "Psychiatrie"? Ich bin mal mit dem naiven Gedanken in die Ambulanz der hiesigen Psychiatrie gegangen, es handele sich bei einer Psychiatrie um eine Art Polyklinik für das Gehirn. Das ist aber völliger Bullshit. Eine Psychiatrie ist eine Aufbewahrung für Menschen, die sich selbst oder andere gefährden.

      In der Psychiatrie wurde null Diagnostik gemacht. Ich habe eine Cannabis-Psychosen-Diagnose erhalten, weil ich kiffe, um nachts schlafen zu können, und weil ich Depression als Diagnose ablehnte, da dies nach meiner Befürchtung mit dem "gelben Zettel" für den Arbeitgeber nicht passen könnte. Etwas anderes fiel denen leider nicht ein.

      Die haben mir dann Quetiapin verschrieben, was mich zwar schlafen ließ, aber zu immensen Konflikten in meinem Umfeld führte, auch mit meiner Familie. Liest man im Internet nach, dann bestätigt sich, dass Quetiapin bei Autisten genau solche Wirkungen hat.

      Langer Rede kurzer Sinn: Vorsicht mit Psychiatern und Psychiatrien. Ist eigentlich eher eine Art Knast – und keinesfalls eine Institution, in der Autisten geholfen werden kann.
    • Ally wrote:

      per Headset zu telefonieren? Dann kannst du damit Musikhören und wenn jemand anruft, klingelt es im Headset,
      Wir nutzen noch die alten Kabeltelefone, also nicht über den Computer oder Online Telefonie um zu telefonieren. Das macht das ganze viel schwieriger.

      Platypus wrote:

      Ich würde dir also auf jeden Fall nach der Diagnose die Beantragung eines GdB empfehlen und einen Gang zur Agentur für Arbeit. Dieses Coaching zB erarbeitet die individuellen Stärken und Schwächen, unterstützt bei Bewerbungen, und AA und Coach kommunizieren auch mit Arbeitgebern.
      Das hilft mir auf jeden Fall weiter! Ich war einmal dort zum Jobcoaching, weil ich wissen wollte, was eventuell in Frage käme als Beruf für mich. Ich wusste schon, dass ich Mediengestalter machen möchte, aber er riet mir damals davon ab, weil man keine hohen Chancen hat, dort eine Ausbildung zu bekommen. Habe ich aber. Weil die Leute begeistert von meinem Talent für die Gestaltung waren.

      AspiIT wrote:

      Was für einen Beruf hast du nach deiner Ausbildung erlernt?
      Mediengestalterin Digital und Print, Fachrichtung Gestaltung und Technik mit der Fachrichtung Digital. Ich arbeite aber durchaus auch an vielen Printprodukten im Betrieb, also sammle ich in beidem Erfahrung.

      AspiIT wrote:

      In einem Autismuszentrum (ATZ) kannst du u.a. die Therapie machen. Sofern du ein autismusspezifisches betreutes Wohnen benötigst, wirst du dort ebenfalls fündig.
      Ja, da habe ich mich auch schon etwas informiert... Es gibt eines in meiner Nähe, die bieten sowas auch an. Aber ohne schriftliche Diagnose werde ich da erst mal nicht mehr machen... betreutes Wohnen wäre wahrscheinlich eine Alternative für mich. Ich weiß nicht, ob ich das alles alleine managen könnte. Wahrscheinlich nicht.

      Platypus wrote:

      Das ist übrigens der Anbieter des Coachings:
      Oh, danke! Sehr interessant!
    • Ginkgo wrote:

      Auch unter 50 kann meines Wissens nach mit Hilfe des Integrationsfachdienstes deine besonderen Bedürfnisse am Arbeitsplatz umgesetzt werden. Darunter fällt auch z.B. ein ruhiger Arbeitsplatz, wenn du ihn benötigst um deine Arbeit konzentriert machen zu können.
      Oder sie berücksichtigen AS zumindest gleich mit. Ich bin gerade mal wieder (hoffentlich kurzfristig - das Problem mit der Befristung an der Uni) arbeitslos, und als ich da den Bescheid vom Amt vorgelegt habe, hat die Dame nicht rumdiskutiert, sondern gefragt, was bei mir AS-bedingt nicht geht, und hat das gleich mit aufgenommen - mit der Anmerkung, sie hätte schon den einen oder anderen Autisten gehabt. Da reicht es, überhaupt einen GdB zu haben. Das sind keineswegs alles sture Bürokraten.
    • @Ljos:

      Du hast bestimmt die Möglichkeit übernommen zu werden. Sie waren begeistert? Die Begeisterung verschwindet doch nicht von heut auf morgen einfach so.

      Du kannst bei einem ATZ auch Termine für "nur" Beratungsgespräche vereinbaren und zusammen erarbeitet ihr eine für dich passende Lösung. Mach bitte nicht den gleichen Fehler wie ich. Haben daraus gelernt.