Bafög im elften Semester - nach sechs Semestern ohne Förderung

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    • Bafög im elften Semester - nach sechs Semestern ohne Förderung

      Nach langem Überlegen habe ich mich nun entschieden, mich mit dem Bafög-Amt "anzulegen".

      Wie vielleicht einige wissen, wurde mir nach dem 4. Semester, da ich aufgrund meiner Behinderung den Leistungsnachweis nicht erbringen konnte, der Bafög-Höchstsatz gestrichen. Meine Behinderung wurde nicht als solche anerkannt. Ich habe nicht geklagt o.ä., weil ich panische Angst davor hatte, dass man erkennt, dass ich zu weniger als 50% studierfähig bin - und alles von mir zurückfordert. Ich hatte nämlich gelesen, dass man für Bafög zu mindestens 50% studierfähig sein müsse und das Amt andernfalls gerne mal Leistungen zurückfordere.

      Da ich nicht bereit war noch bin, dieses zumindest strukturell "hart erkämpfte" Studium abzubrechen, "prostituiere" ( ;) ) ich mich seitdem in zig Jobs, bei den meisten im Vorhinein wissend, dass ich sie nicht sinnvoll ausüben können werde, was bereits zu zig Kündigungen und viel psychischem Stress und damit einer Verschlimmerung meiner Symptome führte. Aktuell muss ich in Teilzeit nebenbei arbeiten - im letzten Semester schaffte ich 5 CP, wenn ich Glück habe, schreibe ich meine Hausarbeit noch fertig, so dass ich ganze 11 CP erworben habe - aber selbst das nur mit "Extrawürsten", blamablem Ausheulen beim Dozenten und vielem Fehlen/Ausnutzen des Nichtvorhandenseins von Anwesenheitspflicht.

      In meiner Verzweiflung kontaktierte ich den Behindertenbeauftragten der Uni Münster. Der riet mir, mich an die zentrale Studienberatung zu wenden. Die riet mir doch tatsächlich dazu, wieder Bafög zu beantragen! Es könne Sonderregelungen für Fälle wie meinen geben, selbst im elften Semester.

      Vor einigen Tagen stieß ich dann hierauf: vdk.de/deutschland/pages/mitgl…achteilsausgleich_studium

      Dieser Beitrag bewog mich nun vor dem Hintergrund der Äußerung der Studienberatung dazu, einen erneuten Bafög-Antrag zu stellen. Zudem werde ich nun nach Ewigkeiten des Reflektierens, ob ich mir weitere monatliche Kosten "ans Bein binden" will, Mitglied beim VdK.

      Natürlich wird der Antrag abgelehnt werden, der Widerspruch wohl auch. Um eine Klage werde ich nicht herumkommen. Auch ist mir klar, dass ich eine Klage nicht unbedingt gewinnen werde, aber die Chance besteht. Zu verlieren habe ich sehr wenig - zu gewinnen sehr viel - wenn man sich den oben verlinkten Beitrag ansieht, wohl realistischerweise 10 Jahre Bafög-Förderung und damit stressarmes Studieren ohne die Notwendigkeit, nebenbei in psychisch wahnsinnig anstrengenden Jobs zu arbeiten. Hinzu kommt, dass womöglich ein "Exempel statuiert" werden kann, was mir immer eine gewisse Zusatzmotivation einbringt. Auch eine etwaige volle Rückforderung ist mir mittlerweile egal - ich bin in Insolvenz, eine etwaige volle Rückforderung verschwände in selbiger. Selbiges gälte für die Krankenversicherung, würde man rückwirkend Semester annullieren und mir eine teurere Krankenversicherung aufzwängen. Ich habe mir nicht ausgesucht, "behindert" zu sein.

      Vielleicht hilft das ja dem einen oder anderen weiter ;) Ich werde berichten, wie es damit weitergeht.
    • Ich habe damals auch über eine Sonderregelung Bafög länger bekommen, als ursprünglich von denen geplant.
      Allerdings wäre es nicht passiert, wenn ich nicht persönlich mit demjenigen gesprochen hätte.

      Ich habe damals den Antrag bei der Asta abgegeben und mir wurde gesagt, nur so und so viel Semester. Ich war völlig verzweifelt und habe es auch so kommuniziert. Dann hat er angefangen nach Lösungen zu suchen, hat rumgefragt und hat eine Grauzone gefunden, um mir zusätzliche 4 Semester mehr zu geben.

      Ich würde also immer persönlich versuchen, meistens ist es eine Auslegungssache und hängt sehr vom Sachbearbeiter ab. Wichtig ist nur, ohne Anspruchshaltung, sondern offen, sachlich, aber verzweifelt genug rüberzukommen.

      Also einfach die Wahrheit erzählen, aber nichts fordern...
    • Sonne wrote:

      Ich habe damals auch über eine Sonderregelung Bafög länger bekommen, als ursprünglich von denen geplant.
      Allerdings wäre es nicht passiert, wenn ich nicht persönlich mit demjenigen gesprochen hätte.

      Ich habe damals den Antrag bei der Asta abgegeben und mir wurde gesagt, nur so und so viel Semester. Ich war völlig verzweifelt und habe es auch so kommuniziert. Dann hat er angefangen nach Lösungen zu suchen, hat rumgefragt und hat eine Grauzone gefunden, um mir zusätzliche 4 Semester mehr zu geben.

      Ich würde also immer persönlich versuchen, meistens ist es eine Auslegungssache und hängt sehr vom Sachbearbeiter ab. Wichtig ist nur, ohne Anspruchshaltung, sondern offen, sachlich, aber verzweifelt genug rüberzukommen.

      Also einfach die Wahrheit erzählen, aber nichts fordern...
      Du magst grundlegend recht haben - aber es fällt mir offen gestanden sehr schwer, meine Anspruchshaltung nicht durchblicken zu lassen ;)
    • Lissy wrote:

      Sonne wrote:

      Ich habe damals auch über eine Sonderregelung Bafög länger bekommen, als ursprünglich von denen geplant.
      Allerdings wäre es nicht passiert, wenn ich nicht persönlich mit demjenigen gesprochen hätte.

      Ich habe damals den Antrag bei der Asta abgegeben und mir wurde gesagt, nur so und so viel Semester. Ich war völlig verzweifelt und habe es auch so kommuniziert. Dann hat er angefangen nach Lösungen zu suchen, hat rumgefragt und hat eine Grauzone gefunden, um mir zusätzliche 4 Semester mehr zu geben.

      Ich würde also immer persönlich versuchen, meistens ist es eine Auslegungssache und hängt sehr vom Sachbearbeiter ab. Wichtig ist nur, ohne Anspruchshaltung, sondern offen, sachlich, aber verzweifelt genug rüberzukommen.

      Also einfach die Wahrheit erzählen, aber nichts fordern...
      Du magst grundlegend recht haben - aber es fällt mir offen gestanden sehr schwer, meine Anspruchshaltung nicht durchblicken zu lassen ;)
      Warum glaubst du denn, dass du einen "Anspruch" darauf hast? Mit der Einstellung wird man meistens abgewiesen und kriegt nur das Nötigste...
    • Clear wrote:

      Sonne wrote:

      Warum glaubst du denn, dass du einen "Anspruch" darauf hast? Mit der Einstellung wird man meistens abgewiesen und kriegt nur das Nötigste...
      ist das Nötigste nicht der Anspruch den man braucht?
      Ne, das Nötigste hat sie ja schon bekommen. Um jemanden dazu zu bringen, eine Sonderregelung anzuwenden, die nicht offensichtlich ist, muss man deutlich freundlicher rüberkommen...
    • Na ja, vier Semester bei einer erwarteten Studiendauer von zehn bis zwölf Semestern empfinde ich nicht als das "volle Nötigste", damit war nicht einmal die Regelstudienzeit abgedeckt - aber ich verstehe natürlich, was du meinst.

      Mir ist klar, dass das provokativ rüberkommt, und falls sich davon jemand "auf den Schlips getreten" fühlt, tut mir das leid - aber ich frage einen ALG II-Empfänger ja auch nicht, wie er denn zu dem Gedanken kommt, auf seine Unterstützung einen "Anspruch" zu haben. Das Vorhandensein des Bafög-Konzepts ist der Grund dafür, dass man mir unter keinen Umständen, da ich an meiner Uni für meine Fächer immatrikuliert bin, ALG II zahlt - ungeachtet dessen, dass ich angeblich Anspruch auf ein "menschenwürdiges Existenzminimum" haben soll, und auch ungeachtet meiner Behinderung.

      Mein Anspruch wurde fälschlicherweise viel zu früh gecancelt, meine Behinderung ignoriert, das hat mich zu enorm viel psychischem Stress bis zu akuter Suizidalität und zig Kündigungen und schlussendlich in meine Insolvenz gebracht. Da zu äußern, dass ich die Ansicht vertrete, dass ich auf eine weitere Förderung einen "Anspruch zu haben habe", den ich notfalls auch gerichtlich durchzusetzen versuchen werde, notfalls auch metainstanziell, halte ich für durchaus legitim.
    • Mich musst du überhaupt nicht überzeugen, mir geht es ganz pragmatisch um deine Erfolgschancen.

      Auch der ALG2-Empfänger wird mit dieser Haltung nur das bekommen, was nicht verweigert werden kann.

      Du hast ja den Anspruch gecancelt bekommen, weil du die Auflagen nicht erfüllt hast. So sieht es von außen aus.

      Wenn du deine persönliche Situation als Sonderfall berücksichtigt werden willst, dann musst du genau so auftreten - dass du weißt, dass du die Auflagen nicht erfüllt hast und sie formal (!) Recht haben. Aber ob sie bitte nicht tiefer schauen möchten (!).

      Wenn dein Gegenüber das Gefühl hat, er darf entscheiden, ob er dir helfen soll, dann wird er sich in den meisten Fällen dafür entscheiden. Wenn du die Hilfe erzwingen willst, wird er blockieren.

      Das hat nicht mal was mit NT zu tun, die meisten Aspies sind genau so.
    • Sonne wrote:

      Mich musst du überhaupt nicht überzeugen, mir geht es ganz pragmatisch um deine Erfolgschancen.

      Auch der ALG2-Empfänger wird mit dieser Haltung nur das bekommen, was nicht verweigert werden kann.

      Du hast ja den Anspruch gecancelt bekommen, weil du die Auflagen nicht erfüllt hast. So sieht es von außen aus.

      Wenn du deine persönliche Situation als Sonderfall berücksichtigt werden willst, dann musst du genau so auftreten - dass du weißt, dass du die Auflagen nicht erfüllt hast und sie formal (!) Recht haben. Aber ob sie bitte nicht tiefer schauen möchten (!).

      Wenn dein Gegenüber das Gefühl hat, er darf entscheiden, ob er dir helfen soll, dann wird er sich in den meisten Fällen dafür entscheiden. Wenn du die Hilfe erzwingen willst, wird er blockieren.

      Das hat nicht mal was mit NT zu tun, die meisten Aspies sind genau so.
      Ja, klar, du meinst das nicht negativ, sorry, falls das falsch rüberkam.

      Ich habe nur mehr die dringende Vermutung, dass das Bafög-Amt hier ohne Klage null Spielraum hat. Und selbst wenn mein Sachbearbeiter mir entgegenkäme, wäre das sicher allenfalls ein Semester unter hohen leistungsbezogenen Auflagen, die ich in meiner Situation nicht erfüllen kann. Daher möchte ich es sogar auf eine Klage "anlegen" - auf dass man die Situation erkennt und eine deutliche Verlängerung legitimiert, ähnlich der o.g.

      Frage mich nur, ob ich das alleine durchziehen soll, oder lieber doch via PKH einen Anwalt engagieren... Im worst case verlöre ich beide Klagen (Schwerbehinderung und Bafög), erhalte damit weder Kindergeld noch Bafög und darf dann noch die doppelten Anwaltskosten tragen.
    • Sonne wrote:

      Mit PKH würdest du doch die Kosten bezahlt bekommen?

      Eine Klage ist sehr langwierig, das wird Jahre dauern. Wenn du diese Zeit investieren willst, deine Entscheidung...
      Ich las leider mehrfach, dass man im Falle des Verlierens die eigenen Anwaltskosten auch bei bewilligter PKH zahlen müsse... Korrektur: es geht wohl um die Anwaltsgebühren der gegnerischen Partei. Ich frage mich, wie die auf die Idee kommen, alles zu übernehmen, nur die Anwaltskosten der Gegnerpartei selbst zahlen zu müssen, die ich weniger beeinflussen kann :nerved: Von wie viel Geld redet ma da eigentlich? 1000€? Da würde ich Jahre abzahlen... und schaffte ich das nicht, "flöge" ich aus meiner Insolvenz.

      Könnte ich sichergehen, die Anwaltskosten unter keinen Umständen zahlen zu müssen, würde ich das Risiko als "Backup"-Option zum Kindergeld eingehen.

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    • Habe gerade nachgeschaut, hast Recht! Gut zu wissen...

      Die eigenen Kosten muss man nicht zahlen, aber die Anwaltskosten der Gegenseite...

      Dann würde ich definitiv über den Sachbearbeiter gehen und keine Klage riskieren. Den den gegnerischen Anwalt wirst du in jedem Fall zahlen müssen, wenn du verlierst. Egal, ob du einen eigenen Anwalt nimmst oder nicht.
      Und ohne PKH auch noch die Gerichtskosten.
    • Wie sähe es denn mit einer Rechtsschutzversicherung aus? Wenn ich die jetzt abschlösse, davon ausgehend, dass ich in der Bafög-Angelegenheit klagen muss, fiele die Klage unter den Versicherungsschutz? Noch ist ja nichts klar, nicht einmal der Antrag gestellt...
    • Sonne wrote:

      Habe gerade nachgeschaut, hast Recht! Gut zu wissen...

      Die eigenen Kosten muss man nicht zahlen, aber die Anwaltskosten der Gegenseite...

      Dann würde ich definitiv über den Sachbearbeiter gehen und keine Klage riskieren. Den den gegnerischen Anwalt wirst du in jedem Fall zahlen müssen, wenn du verlierst. Egal, ob du einen eigenen Anwalt nimmst oder nicht.
      Und ohne PKH auch noch die Gerichtskosten.
      Hinsichtlich der Kosten des gegenerischen Anwalts bezieht sich das freilich auf die Gebühren, die der Anwalt nach RVG abrechnen kann. Wenn der Anwalt mit seinem Mandanten eine Honorarvereinbarung getroffen hat (=mehr Geld für den Anwalt), ist dieses zusätzliche Honorar nicht erstattungsfähig.
      "In das Popcorn, das Sie gerade essen, hat wer reingepisst!" (Kentucky Fried Movie)


      "Sind Sie Polizisten?" "Nein, Ma'am. Wir sind Musiker!" (The Blues Brothers)
    • thelord wrote:

      Sonne wrote:

      Habe gerade nachgeschaut, hast Recht! Gut zu wissen...

      Die eigenen Kosten muss man nicht zahlen, aber die Anwaltskosten der Gegenseite...

      Dann würde ich definitiv über den Sachbearbeiter gehen und keine Klage riskieren. Den den gegnerischen Anwalt wirst du in jedem Fall zahlen müssen, wenn du verlierst. Egal, ob du einen eigenen Anwalt nimmst oder nicht.
      Und ohne PKH auch noch die Gerichtskosten.
      Hinsichtlich der Kosten des gegenerischen Anwalts bezieht sich das freilich auf die Gebühren, die der Anwalt nach RVG abrechnen kann. Wenn der Anwalt mit seinem Mandanten eine Honorarvereinbarung getroffen hat (=mehr Geld für den Anwalt), ist dieses zusätzliche Honorar nicht erstattungsfähig.
      Wichtig! Um die Verbreitung falscher Infos zu verhindern: weitere Recherche ergab, dass die Kosten bei einer Klage vor dem Sozialgericht gegen eine Behörde, ob nun Versorgungsamt oder Bafög-Amt, wohl auch im Falle des Verlierens nicht vom Kläger zu übernehmen sind (Quelle: rechtsanwaltsgebuehren.de/Infos/KT0.html - falls unerwünscht, bitte löschen, danke).

      Damit steht für mich fest, dass ich es im Bedarfsfall auf eine Klage ankommen lassen werde. Dennoch werde ich der Einfachheit halber versuchen (unwissend, ob ich das nur halbwegs hinbekomme), mich mit dem Sachbearbeiter zu einigen.
    • Danke!

      Ergänzung: in der Bafög-Angelegenheit besteht doch ein finanzielles Risiko, da es sich nicht um eine Klage vor dem Sozialgericht, sondern um eine vor dem Verwaltungsgericht handelt :nerved: Dennoch greift auch hier zumindest die PKH, so dass allenfalls die gegnerischen Anwaltskosten getragen werden müssen. Ich werde das Risiko im Bedarfsfall dennoch eingehen - immerhin bin ich trotz aller Paranoia (sehr) guter Dinge, entweder den GdB von 50 zu erhalten, die Familienkasse dazu zu kriegen, mir so Kindergeld zu zahlen, oder eben schlussendlich die Familienkasse zu verklagen. Außerdem werde ich nicht signifikant weniger arbeiten, so dass der Streitwert im Vergleich dazu, als würde ich nur 450€ im Monat verdienen, sinkt, und mit ihm die Anwaltskosten.