Asperger und (C)PTBS

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    • Tauriel wrote:

      thelord wrote:

      Aber erklärt das auch, dass mir Mimik entgeht, ich Gesten häufig nicht verstehe und ich beim Augenpartientest den Eindruck gewinne, dabei völlig blind zu sein?


      Fakt ist jetzt, dass man mir nun gesagt hat, es liege kein Vollbild von AS vor, und es könne auch nach der Elternteil-Befragung nicht sicher gesagt werden, ob es sich um angeborene Symptomatiken handele. AS-Diagnose wird also nicht vergeben. Es handele sich um eine komplexe Traumafolgestörung.

      Ja, das ist sicherlich richtig. Aber kann man daraus zwangsläufig folgern, dass es sich nicht um AS handeln kann?

      Hätte ich anderenorts dennoch eine AS-Diagnose bekommen?

      Wenn das Unterbewusstsein die Blockade durchgehalten hätte, wäre ich dann jetzt ein Autist, weil es dann keine andere plausible Erklärung gäbe?
      Vollbild? :roll:
      sagte der Arzt auf deine Fragen hin das? 8o -->

      thelord wrote:

      Und um auch den Shitstorm voranzubringen (OK, nicht zu ernst zu verstehen): Ich habe erfahren müssen, dass unser Bewusstsein nur das ist, was unser Unterbewusstsein uns bewusst sein lässt. Mehr nicht. Vielleicht (!) glaubt mancher auch nur, nicht traumatisiert zu sein und flüchtet sich in andere Erklärungen, warum er dieses oder jenes nicht kann. Wer vermag das zu sagen?
      :? Das kann man zu allem sagen :thumbdown: despektierlicher Satz zu einem Patienten. :frown:
      "Du denkst nur das du dich schlecht fühlst - du fühlst dich aber in Wirklichkeit gar nicht so weil du halt Sklave deines Unterbewusstseins bist und ich hier (den Arzt meine ich) der einzige bin der das unterscheiden kann was in deinem Sein und in deinen Beobachtungen zu dir selbst die Wirklichkeit ist und was nicht ! " :sarcasm: x( (Ich mag keine Ärzte, das wisst ihr schon :frown: )

      ... Ich habe den Eindruck der Arzt hat da was vermischt. Und nicht unabhängig von deinem Erlebnis in der Kindheit getestet? Deine Fragen oben finde ich nicht unberechtigt.
      NEIN, das hat die Diagnostikerin nicht gesagt, diese Sätze sind wirklich und ausschließlich von mir.

      Und sie beruhen auf dem, was ich erlebt habe. Wenn ich vor zweieinhalb Jahren gefragt worden wäre, ob ich in meinem Leben etwas wirklich traumatisches erlebt habe, hätte ich voller Überzeugung "Nein" gesagt. Einige Monate wusste ich es besser/schlechter.

      Und die Folgen waren schon in meiner derzeitigen Lebenssituation heftig genug. Ich mag nicht darüber nachdenken, was gewesen wäre, wenn dies vor 10 Jahren hochgepusht wäre.

      Denn es ist eine Sache, die Wahrheit zu kennen, damit klar zu kommen, eine andere.


      Nur: Wenn ich jemand bin, bei dem das Unterbewusstsein die Erinnerung an etwas, das man damals nicht einsortieren konnte, total abblockt über einen sehr langen Zeitraum, dann kann ich mir nicht vorstellen, dass ich das exclusiv habe.
      "In das Popcorn, das Sie gerade essen, hat wer reingepisst!" (Kentucky Fried Movie)


      "Sind Sie Polizisten?" "Nein, Ma'am. Wir sind Musiker!" (The Blues Brothers)
    • @Shenya
      Ich wollte nur sagen, dass ich absolut verstehe, was du sagen willst, auch wenn ich diese Erfahrungen aufgrund nur kurzer Zeit hier nicht gemacht habe. Es klingt sehr schlüssig und ich fand deinen Beitrag sehr wertschätzend und sachlich geschrieben.

      @thelord
      Ich habe dich auch so verstanden, dass es deine Erkenntnis ist, dass einige ihre Traumautisierungen noch gar nicht bewusst kennen. Diese Erfahrung habe ich miterlebt, eine Frau Mitte 30 im Kurs hat erst vor paar Jahren Erinnerungen bekommen, dass sie als Kind missbraucht wurde.

      Es ist gar nicht so selten, dass die Psyche es so lange verdrängt, bis das Unterbewusstsein beschließt, dass es jetzt an der Zeit ist...
    • thelord wrote:

      Aber erklärt das auch, dass mir Mimik entgeht, ich Gesten häufig nicht verstehe und ich beim Augenpartientest den Eindruck gewinne, dabei völlig blind zu sein?
      Erstmal danke für deinen ehrlichen Beitrag.
      Bei mir ist es sogar so, dass ich bei der Mimikerkennung ziemlich gut bin, mit dem Augenpartietest kaum Probleme habe.
      Habe mal gelesen, dass Schwierigkeiten bei der Mimikerkennung eher mit Alexithymie als mit Autismus zusammenhängen. Aber ich denke, da besteht noch Forschungsbedarf.

      thelord wrote:

      Ja, das ist sicherlich richtig. Aber kann man daraus zwangsläufig folgern, dass es sich nicht um AS handeln kann?
      Nach Ockham's Razor schon. Wenn man bereits eine schlüssige Erklärung für etwas hat, ist es ein Umweg, sich nochmals eine kompliziertere Erklärung auszudenken. Aber das ist kein 100%iger Ausschluss, sondern nur eine (Un-)wahrscheinlichkeit.

      thelord wrote:

      Hätte ich anderenorts dennoch eine AS-Diagnose bekommen?
      Schon möglich, aus meiner Sicht ist es aber gut, dass deine Diagnosestelle nicht einfach eine Asperger-Diagnose vergeben hat, sondern darauf hingewiesen hat, dass es eben auch vom Trauma kommen kann. Du kannst dann immer noch versuchen, dieses Trauma besser zu verarbeiten, um zu sehen, was vielleicht danach an Schwierigkeiten noch übrig bleibt.

      thelord wrote:

      Wenn das Unterbewusstsein die Blockade durchgehalten hätte, wäre ich dann jetzt ein Autist, weil es dann keine andere plausible Erklärung gäbe?
      Es wäre möglich. Deshalb ist auch bei gestellten Diagnosen nicht sicher, dass diese immer stimmen.

      thelord wrote:

      Vielleicht (!) glaubt mancher auch nur, nicht traumatisiert zu sein und flüchtet sich in andere Erklärungen, warum er dieses oder jenes nicht kann.
      Ich habe schon öfter überlegt, ob in meiner Kindheit irgendetwas vorgefallen sein könnte, an das ich mich nicht mehr erinnere. Es wäre schon möglich. Es ist aber so, dass in meiner Familie weitere Asperger-Verdachtsfälle sind, auch bei weitläufigeren Verwandten, die in einem anderen Umfeld aufgewachsen sind als ich. Ich müsste dann annehmen, dass diese auch alle ein Trauma erlitten hätten, und das ist dann auch wieder nicht so wahrscheinlich. Bei Geschwistern könnte man noch annehmen, dass sie alle das gleiche erlebt haben, weil sie im gleichen Umfeld aufgewachsen sind, aber bei Großtanten, Neffen und Nichten funktioniert diese Annahme nicht mehr.
      Dieser Gedanke spricht dann wieder mehr für AS.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Shenya wrote:

      Ich denke, es gibt schon ein Problem mit der Abgrenzung Trauma/Autismus, und zwar natürlich vor allem bei frühen Traumata. Es nutzt nichts, das einfach wegzuwischen mit dem Hinweis, shenya hat ein Problem mit VAs. Man könnte sich dem ja stattdessen auch mal stellen und mindestens für sich selbst überlegen, wie man das abgrenzt.
      Um genau diese Abgrenzung geht es in diesem Thread und zu genau diesem Zweck habe ich einen Artikel verlinkt mit einer Grafik um eine schnelle Unterscheidung vornehmen zu können.

      Shenya wrote:

      Ein interessantes Thema wäre auch, wie man Trauma überhaupt definiert, was alles darunter fällt, und was eine PTBS im Gegensatz dazu ist.
      Das finde ich hier im Zusammenhang dieses Thread ziemlich unerheblich. Es geht nicht um Deutungen und Definitionen. ich habe eine Diagnose diesbezüglich: Komplexe Posttraumatische Belastung. Wie ein Trauma entsteht habe ich übrigens nebenbei schon erklärt, hier in dem Thread, in einer Antwort an Cloudactive (meine ich – müßte ich nachsehen).

      Shenya wrote:

      Also, wenn du dir über deinen AS-Verdacht sicher bist, musst du dich von mir nicht angegriffen fühlen. Zumal es mir gar nicht um deine Person ging, aber ich merke, du fühlst dich persönlich angegriffen, deshalb schreibe ich das. Mein Beitrag war aber ganz allgemein gemeint.
      Das ist nicht immer leicht. Du hast mich vor Monaten schon mal unter "solche Leute" gepackt (RW), was Leute bezeichnete, die kein AS hätten und das Forum bevölkerten.

      Über meinen AS-Verdacht habe ich schon viel gesprochen. Klar – man liest nicht alles, was jeder schreibt aber glaube mir, der ist sehr gut begründet. Die Doppelbelastung KPTBS und (wahrscheinlich) AS ist ein hartes Los weil ich zwar high functioning bin, durch das KPTBS aber kaum was damit anfangen konnte, in meinem Leben und bis vor kurzen nicht mal ansatzweise eine Behinderung oder Störung anerkannt bekam. Deshalb mußt du verstehen, dass ich etwas empfindlich bin.

      Shenya wrote:

      Ich finde übrigens, dass mein Beitrag in diesen thread gut reinpasste. Hier haben sich viele mit Trauma/PTBS zusammengefunden, d.h. die Ansprechpartner für mein Thema waren da. So war es naheliegend, hier zu schreiben. Außerdem wollte ich keine riesengroße Diskussion in einem eigenen thread aufziehen. Ich wollte es nur hier mal loswerden.
      Ich finde, dazu hätte ein eigener Thread besser gepasst, aus vielen gründen. Ein paar habe ich schon genannt. Ein weiterer ist, dass du dann bestimmt mehr Meinungen dazu sammeln könntest. Ich persönlich hätte gar nichts gegen so einen Thread auch wenn ich bestimmt rege drin posten würde.

      Shenya wrote:

      Ich denke, man muss bei jedem Thema, das man eröffnet, damit rechnen, dass Leute da was reinschreiben, und dass einem nicht immer alles gefällt, was geschrieben wird. Das liegt in der Natur der Sache. Ich habe oft in anderen Foren den Hinweis gelesen, dass man kein Hausrecht hat in seinem thread, sondern dass eben alle threads öffentlich sind und jeder da schreiben kann, was er möchte (natürlich solange es nicht gegen Forenregeln verstößt).
      Ich habe nicht gesagt, dass irgendetwas hier gegen Forenregeln verstieß, noch habe ich irgendwas geflagt oder sonstwie einen Hammer geschwungen (RW), der über die Ebene dieser Diskussion kreiste. Ganz klar, dass alle Threads irgendwann quer laufen (RW) nur dieser Kommentar stellte den ganzen Thread infrage, samt meiner eigenen Anwesenheit. da mußte ich schon reagieren.
      For mash get SMASH!
    • Ockhams Rasiermesser ist denke ich nicht bei der Medizin (inkl Psychiatrie) anzuwenden. Das bezieht sich doch auf reine Naturwissenschaften (zb Physik). Es wäre ziemlich schlimm wenn ein Arzt immer nur das, was am häufigsten vorkommt, diagnostiziert (es ist am wahrscheinlichsten), oder nicht mehr weiter untersucht, sobald er die erste Krankheit gefunden hat.
    • Das kann man für alle Lebenslagen verwenden, weil es eine Aussage über Logik ist.
      Aber man kann keine 100%igen Aussagen damit machen, sondern nur über Wahrscheinlichkeiten.
      Übrigens gehen alle Ärzte so vor. Die wahrscheinlichste Diagnose wird gestellt und eine Behandlung vorgeschlagen. Wirkt die Behandlung nicht, schaut man erst weiter und macht ggf. noch andere Untersuchungen.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Da gehts nicht um Logik, sondern um Effizienz bei der Forschung.
      Um Wahrheit geht es auch nicht, denn die einfachste Lösung ist nicht immer die Richtige.
      Was würdest du denn von einem Arzt halten, der sagt: Das können Sie nicht haben, das ist zu unwahrscheinlich? (Beispiel: AS bei Frauen).
      Also von einem Arzt erwartet man schon mehr Mühe und Sorgfalt.

      Ich kann nicht beurteilen, wie sehr die Symptome von Kindheitstrauma durch Missbrauch (meist emotionaler Missbrauch) und Autismus sich ähneln. Laut Cookys Text. ähnelt es sehr den Symptomen bei Borderline; nur dass beim reinen Boderline die Beziehunsprobleme im Vordergrund stehen würden (Idealisierung/Entwertung), und beim Kindheitstrauma durch Missbrauch, die Probleme mit der Affektregulation (heftige Ausraster bis hin zur Selbstverletzung, Impulsivität). Verwechslung besteht dann also um diese "heftige" Autismus-Version (wo die Leute immer wieder sich sehr heftig benehmen mit Meltdowns usw).

      Ich denke bei 'Trauma' übrigens nicht zuerst an Missbauch, sondern an einen Unfall oder so.
    • Neoni wrote:

      Um Wahrheit geht es auch nicht, denn die einfachste Lösung ist nicht immer die Richtige.
      Ja, aber damit eine komplizierte Erklärung (= kombinierte Diagnose) einer einfacheren Erklärung (Einzeldiagnose) vorgezogen wird, muss der "Gewinn" durch die kompliziertere Erklärung hoch genug sein, soll heißen, die Auffälligkeiten des Patienten müssen wirklich wesentlich besser durch die kombinierte Diagnose erklärt werden.

      Wenn man sich daran nicht hält, kommen am Ende alle mit so Diagnosen wie "Mischung aus Autismus, sozialer Phobie, schizoider Persönlichkeitsstörung, PTBS, Anpassungsstörung und ADHS" raus. Das mag dann zwar tatsächlich näher an der "Wahrheit" sein als eine Einzeldiagnose, aber dafür kann kein Behandler mehr etwas damit anfangen... :roll:
      Wenn man es noch weiter auf die Spitze treibt, kann man auch gleich für jeden Patienten eine neue, eigene Störung im ICD einführen... :roll:

      Soll nicht heißen, dass ich generell gegen Mehrfachdiagnosen wäre, aber ich denke, dass "Einfachheit" durchaus ein Kriterium ist, dem man hier Beachtung schenken sollte...
      Wenn ich mit verschiedenen Einzeldiagnosen jeweils nur maximal 60% der Auffälligkeiten eines Patienten erklärt kriege, mit einer Doppeldiagnose aber 95% - klar, dann sollte letztere vergeben werden.
      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Morgenstern (Vor einem Moment) aus folgendem Grund: Beitragsqualität hochgeschraubt
      Hier gibt es nichts zu sehen, bitte gehen "Sie" weiter.
    • @Neoni Schon mal mit einer seltenen Erkrankung beim Arzt gewesen? (Und ich meine nichts psychisches und auch nicht AS) Bei mir hat es 8 Jahre gedauert vom Auftreten der schwereren Symptome bis zur richtigen Diagnose. Und ich hab schon von Leuten gehört bei denen das noch länger gedauert hat.
      Man wird immer erst mit einfachen, wahrscheinlichen Lösungen abgefertigt, und das wird denen im Medizinstudium auch so beigebracht. Immer erst an das wahrscheinliche zu denken.
      You’ll stop caring what people think about you when you realize how seldom they do.
    • Abendstern wrote:

      Wenn man sich daran nicht hält, kommen am Ende alle mit so Diagnosen wie "Mischung aus Autismus, sozialer Phobie, schizoider Persönlichkeitsstörung, PTBS, Anpassungsstörung und ADHS" raus. Das mag dann zwar tatsächlich näher an der "Wahrheit" sein als eine Einzeldiagnose, aber dafür kann kein Behandler mehr etwas damit anfangen...
      Wenn man es noch weiter auf die Spitze treibt, kann man auch gleich für jeden Patienten eine neue, eigene Störung im ICD einführen...
      Es soll eben das vergeben werden, was der Arzt meint dass der Patient wirklich hat, nicht das, was am handlichsten ist.
      Sonst müsste man annehmen, viele Leute haben nur deshalb Autismus-Diagnosen, weil das halt unter den derzeit verfügbaren Diagnosen die ist, die die meisten Symptome abdeckt, aber nicht, weil sie wirklich Autisten sind. Vielleicht ist das auch tatsächlich so... bloß ist es eben nicht das, was das Beste für den Patienten ist (da sich die Behandlungsmethoden eben schon unterscheiden könnten im speziellen Fall).


      Zebra wrote:

      @Neoni Schon mal mit einer seltenen Erkrankung beim Arzt gewesen? (Und ich meine nichts psychisches und auch nicht AS) Bei mir hat es 8 Jahre gedauert vom Auftreten der schwereren Symptome bis zur richtigen Diagnose. Und ich hab schon von Leuten gehört bei denen das noch länger gedauert hat.
      Das glaube ich schon, aber gut ist das doch nicht. Dass es oft so ist, weiß ich schon, wenn man eine Depression hat, liegen typischerweise sämtliche Beschwerden -angeblich- daran (ähnliches kennen dann Leute mit Übergewicht oder Alkoholsucht), das ist aber nicht das, was man als Patient möchte. Im schlechtesten Fall ist das lebensgefährlich. Wenn bei jmd Autismus übersehen wird, weil eine andere Störung in der Bevölkerung häufigeer ist und bereits diagnostiziert ist, kann das ja auch sehr viel Leid bis hin zu Suizid verursachen, daher finde ich das gefährlich, und nicht richtig, das "Sparsamkeitsprinzip" (Ockhams Rasiermesser) bei Diagnosen von Patienten zu verwenden. Eigentlich ist das was aus der Forschung. Ich kann mir ehrlich auch nicht vorstellen, dass angehende Ärzte das so lernen ("der Patient hat das, an was Sie als erstes denken" so in der Art)
    • @Neoni
      Du willst dir gar nicht vorstellen, was die Ärzte wirklich lernen und was sie im Beruf denken. Die meisten denken tatsächlich nicht, sondern arbeiten mit Schema F.
      Nicht nur meine Meinung, ein befreundeter älterer Arzt hat es mir auch gesagt...
    • In vielen Fällen funktioniert es aber auf diese Weise, nämlich in all den Fällen, in denen die wahrscheinlichste Diagnose auch die richtige ist.
      Dadurch wird viel Zeit eingespart, und dem Patienten werden Untersuchungen erspart, auch manche Beunruhigung wird vermieden, wenn man bei einem Husten zuerst an eine Erkältung oder Allergie denkt und nicht an Lungenkrebs.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Shenya wrote:

      In vielen Fällen funktioniert es aber auf diese Weise, nämlich in all den Fällen, in denen die wahrscheinlichste Diagnose auch die richtige ist.
      Dadurch wird viel Zeit eingespart, und dem Patienten werden Untersuchungen erspart, auch manche Beunruhigung wird vermieden, wenn man bei einem Husten zuerst an eine Erkältung oder Allergie denkt und nicht an Lungenkrebs.
      Ja, und die Patienten, bei denen Lungenkrebs nicht erkannt wurde, haben halt Pech gehabt :irony:
    • Nee, das sollte dann natürlich nicht jahrelang dauern, bis man merkt, dass es die Allergie nicht ist. Aber bei Lungenkrebs hat man in den meisten Fällen eh verloren..... :sarcasm:
      (nee, ist nicht witzig...)
      Alles wird galaktisch gut.
    • Ich finde es auch blöd, dass diese Smileys so grinsen...

      Ja, die Lösung wäre, ERST die einfachste Lösung anzunehmen, es so auch zu kommunizieren und dann ZÜGIG weiteruntersuchen, wenn es nicht besser wird.

      Leider scheitert es meistens am Schritt 2 und 3. Der Patient informiert sich selbst nicht, vertraut blind den Aussagen der Ärzte und das war es.
      Und wenn man doch wieder kommt und weitere Untersuchungen will, wird man als hysterisch und hypohondrisch abgestempelt...
    • Es ging nicht um Husten, wo man nicht an Erkältung denkt sondern an Lungenkrebs (immer das Schlimmste annehmen), sondern es ging darum dass angeblich ein Trauma, eine Autismus-Diagnose ausschließen soll, weil das nicht so wahrscheinlich ist... die Begründung ist einfach haltlos. Nur weil etwas nicht so wahrscheinlich ist wie etwas anderes, ist es nicht unzutreffend. Das ist unlogisch.
      Und übrigens es klingt auch ignorant, ein Trauma mit Husten zu vergleichen, was nicht so schlimm wie Autismus wäre (Lungenkrebs).

      Ich verstehe deine Bedenken und teile sie sogar teilweise (dass es hier im Forum oft mehr um Trauma und Störungen aus diesem Bereich geht, als um AS), aber Ockhams Rasiermesser wird die Leute nicht überzeugen ("Du hast kein AS weil das unwahrscheinlich ist")
    • Ich finde ja, nur die Diagnose (oder Kombination) stimmt, die schlüssig alle Besonderheiten erklärt.
      Meistens sind es mehrere Faktoren - bei mir z. B. HB und HS. Ich habe jahrelang gedacht, alles wäre mit HB und HS erklärbar, allerdings finde ich mich hier im Forum und in Beschreibungen von HB-Autisten endlich wieder...
    • Sonne wrote:

      Leider scheitert es meistens am Schritt 2 und 3. Der Patient informiert sich selbst nicht, vertraut blind den Aussagen der Ärzte und das war es.
      Und wenn man doch wieder kommt und weitere Untersuchungen will, wird man als hysterisch und hypohondrisch abgestempelt...
      Oder das Problem ist, dass der Patient nicht mehr wiederkommt, sondern stattdessen eine Ärzte-Odyssee beginnt, also bei jedem Arzt wieder Schritt 1 durchläuft... manchmal wär's besser, beim ersten Arzt zu bleiben und den so lange zu nerven, bis er genau hinschaut. Aber ja, es ist nicht immer komplikationslos, das weiß ich aus eigener Erfahrung.

      Neoni wrote:

      sondern es ging darum dass angeblich ein Trauma, eine Autismus-Diagnose ausschließen soll, weil das nicht so wahrscheinlich ist...
      Nicht ganz richtig.
      Sondern: wenn ich bestimmte Auffälligkeiten habe, und wenn ein klar vorhandenes Trauma in der frühen Kindheit vorliegt, und wenn dieses Trauma die Auffälligkeiten erklären kann, dann ist es wahrscheinlicher anzunehmen, dass das Trauma allein die Ursache ist. Es wäre ein Umweg, anzunehmen, dass da zusätzlich auch noch ein Autismus da ist. Die Theorie mit den wenigsten Annahmen ist oft die richtige.

      Jetzt sagen manche, das Trauma erklärt aber nicht alle Auffälligkeiten. Und das ist der Knackpunkt. Ich denke, ein Trauma kann viel mehr erklären als man gemeinhin annimmt. Sogar eine veränderte Wahrnehmung. Linnea hatte es im anderen thread verlinkt. Auch sind tatsächlich auch Traumatisierte schlechter in Mimikerkennung. Sind oft Außenseiter. Und vieles mehr.
      Das muss ein Arzt dann anschauen und überlegen (zusammen mit dem Patienten im Optimalfall), ob das Trauma alles erklären kann oder nicht. Je früher das Trauma stattfand, desto schwieriger ist das.
      Bei einem späteren Trauma kann man schauen, was war vorher schon auffällig, und was danach. Aber bei einem frühen Trauma geht das nicht. Es ist doch naheliegend, dass die Abgrenzung dann schwierig ist.

      Ich verstehe übrigens nicht, warum die Feststellung dieser Dinge ein Angriff sein könnte. Ist es nicht normal, verstehen zu wollen, wie sich etwas entwickelt haben könnte und welche Diagnose am ehesten zutreffen könnte? Ich war immer ziemlich offen der Frage gegenüber, was ich wirklich habe. Die Sichtweise, es könnte nur Autismus sein, ist mir fremd, oder dass das Reden über Möglichkeiten verschiedener Diagnosen eine Beleidigung sein könnte.
      Ich habe an Autismus auch erst zu 99% geglaubt, als es mir immer wieder bestätigt wurde. Zu 1% kommen dann doch mal wieder Gedanken, ob es doch was anderes sein könnte. Autismus ist für mich weder die bessere noch die zutreffendere Diagnose. Wenn mir ein Arzt schlüssig erklären würde, dass ich z.B. eine ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung habe (was mir als Alternative am ehesten in den Sinn kommt bei mir), dann würde ich damit arbeiten und schauen, inwieweit ich damit weiterkomme. Nur wäre der Zeitpunkt jetzt dafür etwas spät bei mir, weil ich jetzt schon einige Jahre mit der Asperger-Diagnose lebe und ich dann wieder einige bereits gemachte Annahmen über den Haufen werfen müsste. Aber im Jahr meiner Asperger-Diagnose wäre ich noch für alles offen gewesen, man hätte es nur gut mit mir besprechen müssen.
      Daran fehlt es aber offenbar auch oft in den Diagnosestellen, dass der Ausschluss von AS nicht ausreichend tief und ausführlich begründet wird. Aber eigentlich müsste das dann halt auch der Psychiater vor Ort machen, also der, der die Weiterbehandlung übernimmt. Und das geht auch nur, wenn man mit dem offen und vertrauensvoll kommunizieren kann.
      Alles wird galaktisch gut.