Asperger und (C)PTBS

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    • Linnea wrote:

      Wer jede Nacht schreien lässt, hat aber meistens schon eine rigorose Haltung.
      Bei mir war das so.
      Später kamen halt Schläge.U.A.


      (Hyperakusis hat mich noch nicht gelesen, daher bin ich noch etwas hier. :oops: )
      Bei mir auch.

      Und doch, Schreien lassen von Babys (!) erzeugt Panik und Todesangst bei jedem Baby. Babys haben noch kein Zeitgefühl und bei ihnen fühlt sich auch eine Minute wie eine Ewigkeit an. Noch dazu verstehen sie noch nicht, dass die Eltern im Nebenzimmer sind. Sie fühlen sich verlassen und haben Überlebensangst.

      Das Konzept des Schreien basiert ja darauf, dass Babys irgendwann aufgeben. Damit zerstört man das Urvertrauen...

      Welche Auswirkungen das Ganze allerdings auf das Leben hat, sieht man erst im Nachhinein.

      Viele haben einfach einen "normalen" Knacks und Bindungsprobleme.

      Wenn das Kind sich allerdings dauerhaft abschottet, haben wir den gleichen Ausgangszustand beim normalen autistischen Baby.
    • Shenya wrote:

      Neoni wrote:

      Das mit dem Drittel war ja früher auch anders. Da lagen die "Quoten" höher, bei 50%-70%.
      Ich kenne eigentlich nur die Zahl mit dem Drittel, solange ich im Thema drin bin. Wann war das dann?
      Hier ist eine Aussage von Vogeley, in einem Artikel von 2014. Es bezieht sich dann also mindestens auf die Zeit vor 2014. Da waren es 30 bis 50%

      spiegel.de/gesundheit/diagnose…ueberlaufen-a-959494.html

      Diese umfasst pro Patient insgesamt etwa zehn Stunden an Tests und Befragungen. "Von der Anmeldung bis zum Erstgespräch dauert es in der Regel ein Jahr", sagt Kai Vogeley, Leiter der Autismus-Sprechstunde an der Universitätsklinik Köln. Nur zwischen 30 und 50 Prozent der Patienten, die sich wegen des Verdachts auf Autismus vorstellen, bekommen die Diagnose. Von ihnen haben rund 90 Prozent ein Asperger-Syndrom.


      In der Autismus-Leitlinie steht:
      S70 ASS-Leitlinien awmf.org/leitlinien/detail/ll/028-018.html

      Studien, die Populationen dieser Spezialsprechstunden ausgewertet haben, zeigen eine Rate mit einer breiten Streuung von 30 – 70% an tatsächlichen Diagnosen aus dem Autismus-Spektrum nach Überweisung an eine solche Spezialsprechstunde (Kamp-Becker et al. 2013). Dies ist vergleichbar zu anderen Spezialsprechstunden im Kinder-/Jugend-und Erwachsenen-psychiatrischen Bereich.



      Hier im Forumm werden immer so die 30% betont, als Beweis dafür, dass sich viele verrennen. Die Quoten liegen aber gar nicht immer bei 30% (auch in Köln nicht, und das schwankt auch in den Jahren), und die Quoten decken sich mit anderen Diagnosen.

      Dass die Quoten früher höher waren wurde mir gesagt vom Psychiater. Ob das nur an der Stelle so ist, oder allgemein, weiß ich natürlich nicht, halte es aber für gut denkbar. Es hieß aber auch von der Therapeutin, dass man merkt, dass die stark-AS-Verdächtigen jetzt schon langsam alle diagnostiziert sind, und es sich einpendelt auf das normale Maß (das meinte ich mit dem Abarbeiten der in der Kindheit Unerkannten). Deswegen kam ich drauf.

      The post was edited 2 times, last by Neoni ().

    • Sonne wrote:

      Und doch, Schreien lassen von Babys (!) erzeugt Panik und Todesangst bei jedem Baby. Babys haben noch kein Zeitgefühl und bei ihnen fühlt sich auch eine Minute wie eine Ewigkeit an. Noch dazu verstehen sie noch nicht, dass die Eltern im Nebenzimmer sind. Sie fühlen sich verlassen und haben Überlebensangst.

      Das Konzept des Schreien basiert ja darauf, dass Babys irgendwann aufgeben. Damit zerstört man das Urvertrauen...

      Welche Auswirkungen das Ganze allerdings auf das Leben hat, sieht man erst im Nachhinein.
      ja.
      ich muss nun abdriften, sonst geht es zu tief.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”

      (Sylvia Boorstein)
    • Linnea wrote:

      Sonne wrote:

      Und doch, Schreien lassen von Babys (!) erzeugt Panik und Todesangst bei jedem Baby. Babys haben noch kein Zeitgefühl und bei ihnen fühlt sich auch eine Minute wie eine Ewigkeit an. Noch dazu verstehen sie noch nicht, dass die Eltern im Nebenzimmer sind. Sie fühlen sich verlassen und haben Überlebensangst.

      Das Konzept des Schreien basiert ja darauf, dass Babys irgendwann aufgeben. Damit zerstört man das Urvertrauen...

      Welche Auswirkungen das Ganze allerdings auf das Leben hat, sieht man erst im Nachhinein.
      ja.ich muss nun abdriften, sonst geht es zu tief.
      Ich weiß ganz genau, wie es dir geht. Ich habe gelernt, mich abzuschirmen, weil meine Kinder schon größer sind.

      Aber damals hat es mir jedes Mal das Herz zerrissen, wennich darüber gelesen und diskutiert habe... :cry:

      Neulich ist es wieder hochgekommen, als das mit Autismus kam und ich mein Leben durchleuchtet habe... Es hat so weh getan :cry:
    • ja.
      und ich lese grade in dem Adhs- Buch "Jetzt reden wir".und es nimmt mich so mit, sodass ich immer pausieren muss.
      Aber so ist PTBS sowieso..man kann nur peu a pu etwas heilen..etwas zulassen. Sonst kippt man um.
      Immer achtsam.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”

      (Sylvia Boorstein)
    • Linnea wrote:

      ja.
      und ich lese grade in dem Adhs- Buch "Jetzt reden wir".und es nimmt mich so mit, sodass ich immer pausieren muss.
      Aber so ist PTBS sowieso..man kann nur peu a pu etwas heilen..etwas zulassen. Sonst kippt man um.
      Immer achtsam.
      Eigentlich bei jeder tief eingebrannten traumatischen Erfahrung...

      Aber gerade bei PTBS muss man sehr vorsichtig sein.
      Ich hoffe, du bist in einer guten therapeutischen Behandlung...
    • Jaain.
      Aber ich lernte, beizeiten zu gehen, wenn etwas zuuuuu nahe kommt.
      Seit ich vor Jahren für Monate dissoziierte, achte ich bei den ersten Anzeichen möglichst darauf.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”

      (Sylvia Boorstein)
    • @Nowhere Mat
      Ich hatte zunächst eine komplexe Traumafolgestörung (bin mir nicht mehr sicher, ob da 'posttraumatisch' dabei stand) diagnostiziert bekommen. Später wurde von zwei auf Asperger bei erwachsenen Frauen spezialisierten Diagnostikerinnen Asperger festgestellt mit dem Hinweis, dass vermutlich zusätzlich eine komplexe Traumafolgestörung vorliegt. Bis jetzt habe ich keine Person gefunden, die sich in beiden Disziplinen so gut auskennt, als dass sie beide Diagnosen gesichert diagnostizieren könnte. Meine Psychiaterin hat beide Diagnosen schriftlich übernommen, inhaltlich hat sie aber keine Ahnung davon und kam auch schonmal auf die Schiene, mir zu erzählen, dass ich nun nur noch Autismus hätte und sonst nichts (ohne fundierte Begründung, sondern vermutlich gefußt auf Vorurteilen bzw. der irrsinnigen Vorgabe, dass man nicht beides parallel vergeben dürfte).
      Die Problematik für mich ist, eine/n Behandler/in zu finden, die auf der Höhe des Standes der Forschung ist und mich mit beiden Diagnosen behandeln könnte. So langsam glaube ich nicht mehr dran.

      Ein Großteil der Behandler hat vollkommen unzureichende Kenntnisse über komplexe Traumafolgestörungen. Die sind in den Diagnostikkatalogen noch nicht abgebildet. Die Literatur ist dazu dennoch recht weit forangeschriten und hochinteressant.

      The post was edited 1 time, last by FruchtigBunt ().

    • FruchtigBunt wrote:

      Meine Psychiaterin hat beide Diagnosen schriftlich übernommen, inhaltlich hat sie aber keine Ahnung davon und kam auch schonmal auf die Schiene, mir zu erzählen, dass ich nun nur noch Autismus hätte und sonst nichts (ohne fundierte Begründung, sondern vermutlich gefußt auf Vorurteilen bzw. der irrsinnigen Vorgabe, dass man nicht beides parallel vergeben dürfte).
      Die Problematik für mich ist, eine/n Behandler/in zu finden, die auf der Höhe des Standes der Forschung ist und mich mit beiden Diagnosen behandeln könnte. So langsam glaube ich nicht mehr dran.
      Oh weh. Manchmal frage ich mich, ob diese Psychiater überhaupt was können. Meine Psychiaterin ist auch nicht besser. Predigt mir zusätzlich, ich solle ganz auf Alkohol verzichten, obwohl da gar kein Problem vorliegt (wahrscheinlich findet sie es besser, wenn man irgendein Medikament nimmt). Das Problem mit den Behandlern ist mir auch schon bewußt geworden und ich bin schon mal froh, wenn ich überhaupt einmal eine halbwegs vernünftige Diagnose bekommen kann :nerved:
      For mash get SMASH!
    • @Nowhere Mat
      Möglicherweise ist es hilfreicher, nicht wie verrückt nach der Person zu suchen, die wirklich umfangreiche Kenntnisse über CPTBs und Asperger hat, sondern sich selbst durch Lesen entsprechender Fachliteratur ein Stück weit selbst zum Experten zu machen. Ich sage nicht, dass man sich damit selbst therapieren kann, aber man kann zumindest sehr schnell merken, wenn jemand vollkommen abstruse und überholte Dinge zu dem Thema sagt. Dann kann man die Notbremse ziehen und sich vor Re-Traumatisierungen schützen. Ich finde fast nichts schlimmer, als jemand, der meine Traumatisierungen aus Unkenntnis leugnet. Das ist einer meiner Trigger und hat bei mir Dissoziationen und völliges Dekompensieren zur Folge. Momentan versuche ich ein Stück weit, alleine an Dingen zu arbeiten, die ich sowohl mit der CPTBS, als auch mit Asperger verbinde. Ich habe den Eindruck, dass das nicht so schlecht ist. Da ich nicht die Ansicht teile, dass Traumatisierungen und Asperger vollkommen unterschiedliche Ursachen haben, fühle ich mich mit den Erkenntnissen, die ich bei der Auseinandersetzung mit der Literatur und den Arbeitsblättern gewinne, besser und sicherer, als wenn mir jemand auf Teufel komm raus Therapien andrehen oder versagen will mit Verweis auf bestimmte Diagnosen. Ich versuche, zu schauen was mir hilft und auf mich selbst zu hören. Ich nehme gerne Hilfen in Anspruch, aber manchmal halte ich es für sinnvoller, Abstand zu halten, von unqualifizierten Helfern, die mehr Schaden anrichten, als dass man stabisiert wird oder persönlich weiterkommt.
    • Linnea wrote:

      Jaain.
      Aber ich lernte, beizeiten zu gehen, wenn etwas zuuuuu nahe kommt.
      Seit ich vor Jahren für Monate dissoziierte, achte ich bei den ersten Anzeichen möglichst darauf.
      Ich würde gerne genauer wissen, wenn es für dich OK ist. Was meinst du genau unter "für Monate dissoziierte"?
      Der Begriff wird etwas unterschiedlich benutzt, ich nehme an, du meinst die "krankhafte" Bedeutung?
      In der Psychologie ist es sonst ein Zustand der Abspaltung, dass man keinen Zugang zu seinen Gefühlen hat und das Leben auf "Autopilot" lebt. Das haben ja viele Menschen.

      Ich bin mir sicher, dass du etwas anderes meinst, was man unter einer Derealisation/Depersonalisation versteht?
    • Ich fände es von Interesse, Behandler zu listen, die mit dem Thema CPTBS (im amerikanischen als DESNOS bezeichnet) firm sind. Sowohl stationäre als auch ambulante Angebote fänd ich hilfreich. Weiß jemand, ob und wo man gezielt nach solchen Behandlern suchen könnte?
    • Sonne wrote:

      Jetzt hat @Diamant was ins Rollen gebracht.

      Ich denke mit meinem Freund darüber nach, welche Symptome von ASS nicht durch die ganz frühe Abschottung von Innen- und Außenwelt erklärbar sind...

      Bisher konnte ich alles, was uns eingefallen ist, damit erklären...
      Ich bin mir keiner Schuld bewusst. :shake: :d
      Habt ihr schon eine Antwort gefunden, welche Symptome das sein könnten?
    • Diamant wrote:

      Sonne wrote:

      Jetzt hat @Diamant was ins Rollen gebracht.

      Ich denke mit meinem Freund darüber nach, welche Symptome von ASS nicht durch die ganz frühe Abschottung von Innen- und Außenwelt erklärbar sind...

      Bisher konnte ich alles, was uns eingefallen ist, damit erklären...
      Ich bin mir keiner Schuld bewusst. :shake: :d Habt ihr schon eine Antwort gefunden, welche Symptome das sein könnten?
      Noch nicht. Ich habe jemanden gefragt, der sich auch viel mit Theorie beschäftigt... Mal schauen, was kommt.

      Mir ist übrigens eingefallen, dass es noch einen weiteren Faktor gibt - die Reizüberflutung. Sie ist nur leider auch mit beiden Ursachen erklärbar...
      Bei Traumautisierung ist es völlig logisch, dass das Nervensystem übererregt und besonders wachsam ist (wegen der möglichen Bedrohlichkeit). Und auch das Merken der vielen Details könnte damit erklärt sein...

      Auch Gerechtigkeitssinn hat mein Freund gebracht, aber auch den könnte man mit dem Sicherheitsbedürfnis erklären - da man selbst fair behandelt werden will, behandelt man auch andere fair.
      Natürlich läuft es nicht auf der bewussten Ebene ab, sondern ganz tief im Unterbewusstsein...
    • FruchtigBunt wrote:

      Ich fände es von Interesse, Behandler zu listen, die mit dem Thema CPTBS (im amerikanischen als DESNOS bezeichnet) firm sind. Sowohl stationäre als auch ambulante Angebote fänd ich hilfreich. Weiß jemand, ob und wo man gezielt nach solchen Behandlern suchen könnte?
      Die beste Klinik, die ich dazu kenne, ist die Klinik am Waldschlösschen in Dresden. Inwieweit da auf autismusbedingte Eigenheiten eingegangen werden kann, weiß ich aber nicht genau, und schätze, es kommt auf die zuständige Einzeltherapeutin an.
      Eine wundervolle ambulante Therapeutin mit einer Menge Erfahrung in komplexen Traumafolgestörungen ist Micaela Götze, allerdings ebenfalls in Dresden und privatärztlich niedergelassen.
    • Sonne wrote:

      Vor allem, ob man es überhaupt unterscheiden muss...

      Woraus schließt man, dass ASS angeboren sind bzw. seit frühester Kindheit bestehen müssen?
      Au Backe. Happy to be habe ich schon 2x geraten, endlich mal ein Fachbuch zu lesen, dann wäre diese Fragen nämlich schon längst beantwortet. Aber offenbar ist sie dazu nicht in der Lage. Vielleicht du wenigstens.
      Es ist einfach der aktuelle Stand der Forschung und die grundlegende Definition von Autismus, dass er seit der frühen Kindheit vorliegen muss. Wie kann man Autismus haben wollen und das nicht wissen? Ihr könnt euch doch eine Diagnose nicht einfach zurechtbiegen, wie es euch in den Kram passt.

      Es ist natürlich elementar, es zu unterscheiden, soweit möglich. Die Behandlung ist doch völlig anders, es geht in einer Autismustherapie um andere Dinge als in einer Traumatherapie. Nowhere Mat wies ja auch schon darauf hin, dass die richtige Diagnose wichtig ist.

      Welchem Mehrwert habt ihr, die ihr der Meinung seid, man müsste es nicht unterscheiden, von einer AS-Diagnose? Das wüsste ich schon gern.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Dass Autismus seit der frühen Kindheit bestehen muss, widerspricht doch meinen Gedanken nicht?

      Es geht, wie du bestimmt gelesen hast, um die Folgen einer Traumatisierung im ganz frühen Alter, die die gleiche Gehirnentwicklung zur Folge hat.

      Auch muss eine genetische Prädisposition vorliegen, damit das Gehirn so stark reagiert. Die starke Sensibilität ist tatsächlich angeboren (zumindest ist es als Einziges schlüssig). Die Auswirkungen der starken Sensibilität sind unterschiedlich. Bei einem ist sie so extrem, dass das Gehirn gar nicht anders kann, als sich zu schützen.
      Bei anderen würde es ohne eine starke Traumatisierung schaffen, zwar überfordert, aber nicht so stark, dass es abschotten muss - normale Hochsensibelität.

      Bei nicht HSP würden die gleichen Rahmenbedingungen eben nicht zu einer Traumatisierung führen.

      Wie du dich erinnerst, ist die Definition von PTBS, dass der Auslöser so katastrophale Ausmaße haben muss, dass so gut wie alle darauf mit Trauma reagieren würden.

      Deswegen rede ich hier von einer Traumatisierung und nicht von PTBS, weil hier nur besonders sensible Menschen reagieren würden.

      Sich hinter der "Forschung" in diesem Fall zu verstecken und alles abzustreiten, macht wenig Sinn, weil gerade Entstehung von Autismus so wenig erforscht wurde und noch ganz am Anfang ist.
      Bis vor kurzem hatten Asperger noch keine Gefühle, dass sie mehr fühlen als der Rest, ist erst seit kurzem durchgesickert.

      Genau wie Lehrbuchbeschreibungen zu Autisten unvollständig sind und nur Extremfälle beschreiben.

      Das Interview mit Henry Markram ist dir bestimmt bekannt.