Desorientierung

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    • Desorientierung

      Ich weiß grad nicht mehr, was ich tun soll. Nach meinem Verdacht, dem Asperger-Syndrom sehr nah zu sein, bin ich desorientiert. Ich bin w45, insolvent, ohne Sozialkontakte ausser Familie. Meine Selbstdiagnose erklärt alle meiner Schwierigkeiten, die ich die letzten 25 Jahre in meinem Leben hatte. Liebe Menschen wenden sich ab, ich habe nie verstanden, warum. Ich dachte bis vor einiger Zeit, alle Menschen sind wie ich. Nun weiß ich, alle Menschen sind nicht wie ich. Was soll ich tun? Ich krieg' keinen Anfang hin. Depressionen/Tagesklinik hab' ich durch. Niemand fragt nach der Ursache... &ich bin nicht gut darin, meine Defizite (doofer Begriff) zu artikulieren.
      • Was ratet Ihr mir?
    • Genau das macht mir Angst. Es ergeben sich soviele Fragen daraus... Anmelden für eine Diagnostik? Stimme zu. Der Weg ist also: Wie? Es tut mir leid, ich bin... Wenn ich Eure Beiträge lese, empfinde ich Hochachtung. Ihr seid alle so geerdet, wissend, was Ihr wollt, Euer Ziel ist.
    • Ich würde an deiner Stelle in ein Autismuskompetenzzentrum o.ä. gehen, dort bekommt man i.d.R. schneller einen Termin als in einer Diagnostikstelle. Du schreibst, dass du in Südostniedersachsen wohnst. Vielleicht helfen dir diese Links:

      autismus-niedersachsen.de/?page_id=312

      zak-hannover.de/beratung/peer-counseling


      Edit:

      SanEve wrote:

      Was soll ich tun?
      Ausgehend von deiner Frage würde ich dir gerne eine Gegenfrage stellen: Was bräuchtest du denn?
      Surprised by the joy of life.
    • SanEve wrote:

      Anmelden für eine Diagnostik? Stimme zu. Der Weg ist also: Wie?
      Naja, also z.B. indem du da, s.u., anrufst und einen Termin vereinbarst.

      Autismus - Sprechstunde

      Leitung der Sprechstunde
      Dr. J. Ladwig

      Information zur Terminvergabe unter:
      ☎ 0511 532 3167
      09:00 Uhr bis 14:00 Uhr

      Wir bieten eine gründliche Diagnostik hinsichtlich
      eines Asperger-Syndroms sowie komorbider
      Störungen an und beraten bezüglich möglicher
      Behandlungsstrategien.
      (URL: mhh-psychiatrie.de/poliklinik-campus)

      Dann wird das wahrscheinlich ewig dauern bis der Termin ist, bis dahin würde ich mir kundige Gesprächspartner suchen, vielleicht mal in eine Selbsthilfegruppe gehen oder thematisch passende Bücher lesen. Ich glaube letzteres haben viele hier in ihrer Anfangszeit gemacht. Es tut einfach gut, beim Lesen zu merken, dass man nicht alleine ist mit seinem Erleben. Oft gibt es in der Bücherei ein paar Bücher über Autismus ansonsten manche auch recht günstig bei Amazon oder ähnlichen Anbietern, z.B. amazon.de/Buntschatten-Flederm…hatten%2Caps%2C196&sr=8-1 (Habe ich persönlich nicht gelesen, kenne aber wen der das Buch gut fand.)
      Bücher von Christine Preißmann oder das Buch "Aspergirls" können auch eine erste Hilfe sein, um sich etwas zu erden.
      Surprised by the joy of life.
    • @Surprised Keine Ahnung. Ich weiß nur, daß ich handeln muss.
      Termin vereinbaren: Gute Idee, aber ich traue Medizinern nicht mehr. Ich weiß, dass das nicht hilfreich ist, aber ich bin wohl nicht gut darin, mich, meine Gedanken, mein Leben&mein Elend zu beschreiben.
      Ich habe in den letzten Monaten Tony Attwoods "Ein Leben mit dem Asperger Syndrom" als auch Christine Preißmanns "Überraschend anders - Mädchen &Frauen mit Asperger" gelesen.
      @Linnea Nicht? Ok.
    • Mir fiel das am Anfang auch schwer, mich zu entscheiden, welche Schritte ich gehen will.
      Ich habe ein Jahr Zeit verloren, weil ich von meiner Diagnostikstelle zuerst nur eine Telefonnummer hatte, und keine Mailadresse. Anzurufen war mir nicht möglich. Ein Jahr später fand ich irgendwo die Mailadresse und habe hingeschrieben. Danach ging es mit der Diagnostik bei mir sehr schnell, so ca. 3 Monate. Dauert heute länger.
      Aber nach der Diagnose hatte ich wieder das Problem, dass ich nicht wusste, wie ich weitermachen sollte. Da musste sich dann erst über Jahre noch ein bisschen mehr Leidensdruck aufbauen, und außerdem hat mein Hausarzt dann mal gesagt "Gehen Sie doch zu Dr. (Name)", als ich ihm sagte, dass ich nicht weiß, ob ich ich zu einem Psychiater soll oder zu einem Therapeuten, und ggf. zu welchem. Mit diesem Satz "gehen Sie doch zu..." ging das plötzlich ganz einfach. Da habe ich mich sogar getraut anzurufen, weil es nur die Terminvereinbarung für einen gewöhnlichen Arzttermin war, keine Diagnostik.
      Inzwischen habe ich keine großen Schwierigkeiten mehr, die Dinge anzugehen und mir Hilfe zu organisieren. Wenn man mal weiß, wohin man sich wenden kann, ist es nicht mehr so schwer.

      Also ich würde dir auch raten, zuerst eine Diagnostik zu machen. In manchen Autismuskompetenzzentren geht das, aber nicht in allen. Ansonsten geht es in den Autismusambulanzen der verschiedenen Unikliniken. Notfalls auch bei einem niedergelassenen Psychiater, aber nur, wenn er sich ein bisschen auskennt und sich die Diagnostik zutraut.

      Wenn man erstmal die Diagnose hat, kann man überlegen, welche Hilfe im Alltag man braucht. Dafür ist der sozialpsychiatrische Dienst dann ein guter Ansprechpartner.
      Alles wird galaktisch gut.
    • SanEve wrote:

      Ihr seid alle so geerdet, wissend, was Ihr wollt, Euer Ziel ist.
      Cool, wusst ich noch gar nicht ;) :d

      Ich bin weiblich, 45 und habe keine Ahnung, was ich werden will, wenn ich mal erwachsen werde, falls das jemals passieren sollte.
      Die paar Dinge, die ich in meinem Leben "erfolgreich hingekriegt" habe, waren allesamt an Unwahrscheinlichkeit grenzende Zufälle.

      Die Zeit zwischen ernsterem Selbstverdacht (ziemlich viele Punkte im Aspie-Quiz) und dem tatsächliche Aufbringen des Mutes, mit einer Diagnostik-Stelle zu telefonieren: 2 Jahre... :oops:
    • Ich würde dir, wie schon einige meiner Vorschreiber geschrieben haben auch empfehlen dich einer Diagnostik zu unterziehen, dann hättest du auf jeden Fall Gewissheit.

      Ich habe seinerzeit auch mal einen Selbsttest gemacht und jetzt befinde ich mich in der Diagnostikphase.
    • Shenya wrote:

      Mir fiel das am Anfang auch schwer, mich zu entscheiden, welche Schritte ich gehen will.

      Shenya wrote:

      wieder das Problem, dass ich nicht wusste, wie ich weitermachen sollte. Da musste sich dann erst über Jahre noch ein bisschen mehr Leidensdruck aufbauen
      scheint bei mir auch so..

      Shenya wrote:

      und mir Hilfe zu organisieren. Wenn man mal weiß, wohin man sich wenden kann, ist es nicht mehr so schwer.
      das kann ich mir dann auch vorstellen..noch tappse ich da herum.

      Beim Psy.soz.Dienst bin ich ja unter den Fittichen einer Therapeutin, die, nach 1,5 Jahren etwa, denkt, ich sei AS kombiniert mit ADhs und Hb,
      wie nicht wenige ASler, die sie erlebt hat in ihrer Laufbahn.
      Aber sie diagnostiziert nicht offiziell, also sie macht nicht die Testung wie in der Klinik.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”


      (Sylvia Boorstein)
    • SanEve wrote:

      Es ergeben sich soviele Fragen daraus... Anmelden für eine Diagnostik? Stimme zu. Der Weg ist also: Wie? Es tut mir leid, ich bin... Wenn ich Eure Beiträge lese, empfinde ich Hochachtung. Ihr seid alle so geerdet, wissend, was Ihr wollt, Euer Ziel ist.
      ich kann deine verwirrung auch gut verstehen.
      vielleicht hilft es dir, erstmal alle fragen und gedanken aufzuschreiben* (ruhig erstmal wild durcheinander, so wie sie dir gerade in den kopf kommen, da darf auch "was ess ich gleich" neben "was soll nach dem diagnosetermin passieren" stehen)
      wenn du die erste gedankenflut aufgeschrieben hast, kannst du die ganzen gedanken anfangen zu ordnen: z.b: gedanken über alltagsplanung, diagnoseverlauf, sportplan, familienfeier-planen oder sonstwas... du wirst selbst merken/ sehen, welche kathegorien passend sind. und dann kannst du schauen, ob es dabei dinge gibt, die sich planen lassen, welche wo du erstmal zwischenschritte planen musst usw.... das kann man analog auf verschiedenen zetteln machen oder auch digital oder auch gemischt (ich habe mal den zettel mit allem handschriftlichen gescannt und dann die sätze mit paint ausgeschnitten und in gruppen zusammenkopiert) Das kann dir helfen, "deinen kopf aufzuräumen". Ich kenne es jedenfalls gut, dass es sich alles viel besser anfühlt, wenn es auf papier ist als wenn es in meinem kopf "herumwabert".
      man kann auch postIts an die wand kleben o.ä.

      zu deinem eindruck von hier sind alle geerdet kann ich auch nur den kopf lachend schütteln. ich hab voll das chaos im kopf. ich hab meine betreuung gekündigt und kein wirklich gutes gefühl für die neue, ich habe seit einer woche nicht geduscht (ertrage die reize gerade nicht), ich schaffe es kaum aus dem haus, weil mir ständig alles zu viel erscheint, ich bin dauernd totmüde, ich fahre montag in "urlaub" mit jemanden, die mir hilfreich sein sollte aber sich gerade eher als anstrengende klette erweist (aus meiner sicht heraus zumindest), ich wollte heute in die natur fahren aber hab es nicht geschafft, aufzustehen, den plan jetzt anpassen fällt mir irrsinnig schwer. meine familie erwartet, dass ich auf eine hochzeit komme, ich habe mich jagen lassen und unter viel zu viel kraftaufbringung kleidung besorgt nur um jetzt festzustellen, dass ich absagen möchte weil ich eigentlich die ganze zeit wusste, dass ich nicht will aber dachte, ich müsste (weil es sich so gehört usw)
      tja, gibt noch viele andere gedanken, die mich "wuseln"- geerdet ist das nicht....

      aus der ferne sieht es bei anderen menschen im leben häufig viel besser aus als es in wirklichkeit ist


      Nachtrag:
      Das Aufschreiben ist auch für Ärzte, Therapeuten usw. häufig sehr hilfreich, man kann auch den Zettel einfach nur "rüberschieben", so mache ich es jedenfalls (hat mir eine autismusexpertin geraten ;) )
    • Neue Tipps habe ich nicht, sondern würde dir auch die geben, die schon da stehen.
      Aber ich "oute" mich als weitere Person mit sehr großem Chaos im Kopf sowie mittlerem Chaos und geringer Funktionalität im Alltag. Erdung?? Nee...
    • akelei wrote:

      Ich bin weiblich, 45 und habe keine Ahnung, was ich werden will, wenn ich mal erwachsen werde, falls das jemals passieren sollte.
      Ich werde nächsten Monat 60 und weiß auch noch nicht, was ich mal werden will, wenn ich groß bin. ;)

      @SanEve - Frage so schnell wie möglich nach einem Termin für die Diagnostik, weil es über ein Jahr werden kann, bis es soweit ist. Falls du dich dann doch anders entscheidest, ist das kein Problem. Aber zu lange grübeln und nachdenken, bringt eher nur mehr Frust und Unsicherheit.
      ~ Es ist kein Zeichen von Gesundheit, an eine von Grund auf kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein. ~
    • Dankeschön @all... & Entschuldigung für meine späte Reaktion auf Eure hilfreichen Antworten. Ich war irgendwie überwältigt in den Einblick in Eure Gedanken & Erfahrungen. "Geerdet" - damit meinte ich, dass ich beim Lesen Eurer Beiträge den Eindruck gewonnen habe, das Ihr Euren Weg bereits kennt... & das bewundere ich. Ich stehe gefühlt ganz am Anfang & wie ich dachte: Allein. Aber... Danke dafür, dass ich mich nicht mehr allein fühle. Nicht nur, dass ich nach so vielen Jahren eine plausible Erklärung dafür habe, was los ist&warum ich anders als alle anderen um mich herum die Welt sehe&empfinde, muss ich ALLES neu beurteilen. Alles ist in Frage gestellt, alles ist auf den Kopf gestellt.
      Danke für Euren Rat zu einer Diagnose. Weiblicher 70er-Jahrgang: Was für eine Herausforderung... Angst... Bestimmt mein Dasein.

      @Surprised Danke für die hilfreichen Links. Was ich bräuchte? Ich weiß es nicht. Ich bin so anders als mein Umfeld... Also: Normalität? (Jaja, ich weiß: Was ist normal? Sei selbstbewusst; steh' zu Dir, blablabla) Entschuldigung...&danke Dir...

      @Shenya Dankeschön für Dein Einblick in Deine Erfahrungen. Ich verschwende auch Zeit, obwohl ich im Moment gefühlt nicht anders kann...

      @all Ich danke Euch für Eure Hilfe&dankeschön auch an alle, die ich hier nicht persönlich genannt habe. Die letzten Tage habe ich mit meinem neuen Bild zugebracht. Die Inspiration gilt Euch allen.

      @akelei Danke Dir... Bin wohl auch in der "Ruf-endlich-an"-Phase...

      @kastenfrosch Dieses Ding mit den Post-Its ist super, danke. Ich verhaspele mich immer in meinem OrdnungsDing&min. 3 Ringordnern. Dann ist nach einiger Zeit alles "vergessen", weil geordnet nicht gleichbedeutend ist mit ORGANISIERT...

      Danke an Euch alle...