Erfahrungen Diagnostik bei Marietta Seifer in Bremen gesucht

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    • Lex wrote:

      Na prima! Zwar kein dreifacher Rittberger aber dafür immerhin ein dreifacher Asperger! Gratuliere! *Handshake*
      Im Hinblick darauf, dass es sich beim Asperger-Syndrom um eine tiefgreifende Entwicklungsstörung handelt, finde ich Gratulationen eher befremdlich. Ich wage mal zu behaupten, dass Gratulationen bei anderen psychiatrischen Diagnosen so gut wie nie vorkommen. Diese Glorifizierung konnte ich bisher nur beim Asperger-Syndrom beobachten. Mir ist durchaus bewusst, dass bei vielen Personen mit dem Asperger-Syndrom auch Stärken einhergehen, insbesondere dann, wenn sie ihre (beruflichen) "Nischen" für sich entdeckt haben. Mir fällt aber immer wieder mal auf, dass die Einschränkungen, die mit dem Asperger-Syndrom einhergehen, von dem ein oder anderen User ausgeblendet werden.

      Abgesehen von der Glorifizierung habe ich natürlich Verständnis dafür, dass Personen erleichtert darüber sind, mit der AS-Diagnose endlich die Gewissheit zu haben. So war es bei mir auch der Fall. Mir ist mit der Bekanntgabe der Diagnose eine riesige Last von den Schultern gefallen. (RW) Die Vorwürfe, die von außen kamen und insbesondere die Selbstvorwürfe wurden seit der Diagnose deutlich reduziert.
    • Naja, der Autismusdiagnose"papst" höchstpersönlich pflegt immerhin ebenfalls, seinen Patienten zu gratulieren.
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.
    • Ich sehe die "Gratulation" auch eher zur Gewissheit und dazu, mit der Einschätzung des eigenen Seins richtig gelegen zu haben.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • MangoMambo wrote:

      solche Gratulationen kommen auch bei körperlichen Diagnosen vor und sind teilweise auch als Solidarisierung zu sehen. Beispiel: "Herzlich willkommen im Club der Menschen mit Schilddrüsenunterfunktion"
      Herzlich willkommen ist aber was anderes als herzliche Glückwünsche zur Schilddrüsenunterfunktion.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Sehe ich genauso. Gerade bei chronischen körperlichen Erkrankungen, die oft erst spät und nach langer "Odyssee" erkannt und diagnostiziert werden, wird deutlich, worum es sich eigentlich handelt. Nicht um Glückwünsche dazu, krank oder behindert zu sein, sondern zur Gewissheit. Dazu, jetzt gezielt an seinen Problemen arbeiten und dazu geeignete Hilfe finden zu können. Und dazu, dass man sich die ganze Zeit über nichts eingebildet hat, sich nicht nur "anstellt". Zudem kann die Diagnose, wie Grübler auch erwähnt, "entschulden", von Schuldgefühlen befreien. Auch das kann einen großen Unterschied machen.
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    • Leonora wrote:

      Ich sehe die "Gratulation" auch eher zur Gewissheit und dazu, mit der Einschätzung des eigenen Seins richtig gelegen zu haben.
      Hätte es in meiner Frühkindheit nicht bereits deutliche Anzeichen auf Autismus gegeben, wäre es nicht unwahrscheinlich, dass ich bis heute noch keinen Eigenverdacht auf Autismus hätte. Wahrscheinlich käme ich erst mit 40+ oder 50+ auf den Eigenverdacht, Autismus zu haben, nachdem ich sämtliche Lebenskrisen durchlaufen hätte. Oft sind ja diejenigen, die sehr spät diagnostiziert wurden, in den 50er oder 60er Jahren geboren.
    • Grübler_1988 wrote:

      Oft sind ja diejenigen, die sehr spät diagnostiziert wurden, in den 50er oder 60er Jahren geboren.
      Was an mehreren Sachen liegt:
      1. Es gab noch kein Aspergersyndrom. Normaler Autismus (LFA) wurde damals auch diagnostiziert.
      2. Zum Psychiater gingen nur sehr auffällige. Das Stigma war zu stark.
      3. Psychotherapien musste immer privat bezahlt werden. Die Krankenkassen übernahmen das nicht.


      Elbnah wrote:

      Aber gerade weil sie ohne Tests arbeitet und - insbesondere hier im (alten) Forum - ihre Kompetenz in Zweifel gezogen wurde, habe ich dann noch zweimal auf anderem Wege die Diagnose gesucht (Göttinger Studie, Autismus-Ambulanz Berlin). Die kamen zum gleichen Ergebnis.
      Es ist gut, dass Du das hast gegenchecken lassen. Frau Seifers Diagnosen werden nämlich nicht überall anerkannt.
      Hohe Zahlen bei der Editierungsanzeige zeigen nicht, dass ich permanent meine Meinung ändern würde. Ich habe nur Probleme Rechtschreib- und Grammatikfehler zu tolerieren und korrigiere diese daher, wenn ich sie sehe.
      Dennoch kann auch ich Tippfehler übersehen. In diesem Fall bitte ich um Nachsicht.
    • Ginome wrote:

      Es ist gut, dass Du das hast gegenchecken lassen. Frau Seifers Diagnosen werden nämlich nicht überall anerkannt.
      Ich hatte dabei allerdings erheblichen Streß und gerade auch in Berlin das miese Gefühl, jemanden einen Diagnoseplatz wegzunehmen, der noch auf seine Erstdiagnose wartet. Im Endeffekt hätte mir selbst die Diagnose von Frau Seifer gereicht, die Zweifel kamen erst durch das Forum hier.
    • Ich denke, es wird Zeit, sich von dem Gedanken zu trennen, dass nur die aufwändigeste Diagnostik eine korrekte Diagnose ergeben kann.

      Je interessierter am jeweiligen Menschen,
      Je umfassender gebildet zu Autismus
      Je bekannter die aktuelle Forschungslage
      Je umfassener Kenntnisse zur Differentialdiagnostik
      Je weniger Eigeninteresse
      desto eher korrekte Diagnose.

      Da wird ein Autismusexprte, der für seine Studien "geeignete" Probanden sucht und sich in Konkurrenz zu anderen um Fördermittel sieht und sich um nichts anderes mehr kümmert eher mal völlig daneben liegen als vllt eine sich jahrelang damit beschäftigen Mutter eines autistischen Kindes oder sogar ein Kumpel mit autistischer Schwester.

      Lehnt man den eigenen Autismus ab, wird man zweifeln. Es entwickelt sich kein "Gespür" dafür.
      Bzw nur, wenn mal wieder was nicht klappt bzw andere irritiert. Was wieder abgelehnt wird....
      Nimmt man ihn an, dann "sortiert" sich immer mehr mit der Diagnose und den einzelnen Hinweisen dazu und es findet sich Hilfreiches, um besser damit klarzukommen.

      Im ersten Fall das subjektive "wie traurig", im zweiten Fall "Es ist großartig, Gratulation, endlich".

      Dieses "großartig" weil so erleichternd und sortierend, hatte ich schon mal vorher. Als damals die PTBS erkannt wurde. Endlich stimmte "etwas", Erlebtes und Gefühltes sortierte sich, und ich konnte damit arbeiten und die Folgen wegarbeiten.

      Bei meinem Autismus kriege ich zwar die Ursachen nicht weg, aber der andere Umgang hilft jetzt, dass manche Folgen jetzt seltener auftreten bzw sie leichter anzunehmen und vor allem, anderen diese besser vermitteln zu können.
      Liebe braucht Mut
    • Ich denke eines der Hauptproblene ist, dass sich nicht richtig auseinanderdividieren lässt, welche Aspekte des eigenen Fühkens, Denkens, Handelns autismusbedingt sind und welche Aspekte auf "Aufzuchtsbedingungen" zurückzuführen sind. Zum Beispiel stamne ich aus einem akademisch gebildeten aber zwischrnmenschlich verkorksten Haushalt. Da wirkt das entsprechende Resultat zunächst auch ohne Autismusdiagnose nachvollziehbar.
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    • Happy to be wrote:

      Ich denke, es wird Zeit, sich von dem Gedanken zu trennen, dass nur die aufwändigeste Diagnostik eine korrekte Diagnose ergeben kann.

      Je interessierter am jeweiligen Menschen,
      Je umfassender gebildet zu Autismus
      Je bekannter die aktuelle Forschungslage
      Je umfassener Kenntnisse zur Differentialdiagnostik
      Je weniger Eigeninteresse
      desto eher korrekte Diagnose.

      Da wird ein Autismusexprte, der für seine Studien "geeignete" Probanden sucht und sich in Konkurrenz zu anderen um Fördermittel sieht und sich um nichts anderes mehr kümmert eher mal völlig daneben liegen als vllt eine sich jahrelang damit beschäftigen Mutter eines autistischen Kindes oder sogar ein Kumpel mit autistischer Schwester.
      Das sehe ich genauso. Dadurch erklären sich meiner Vermutung nach auch die merkwürdigen mündlichen "Wischi-waschi"-Aussagen, wenn Spezialambulanzen keine Positivdiagnose stellen, in Kombination mit den schriftlichen Berichten, in denen dann ein klarer Ausschluss steht. Schriftlich muss man halt eindeutig sein und kann nur einer Minderheit eine Positivdiagnose geben. Sonst würde man als Institut nicht mehr ernst genommen, vielleicht gar geschlossen werden. Und auch sehr diffuse Ergebnisse bei Studien könnten die Existenz des Instituts eventuell gefährden, da ist man mit Probanden mit ähnlichem Profil eher auf der "sicheren Seite". Das ist nicht irgendeiner "Bosheit" der Verantwortlichen geschuldet, das ist die Logik des Systems. Dass es Bereiche gibt, in denen ein Eigenverdacht sehr viel häufiger zutrifft als in anderen (wenn auch natürlich nicht immer), darauf nehmen die Strukturen keine Rücksicht. Schade ist nur, dass die Spezialambulanzen offenbar genau das in den meisten Fällen nicht offen kommunizieren. Nicht beispielsweise sagen, dass das Profil für ihr Institut nicht eindeutig genug ist, die Richtung des Eigenverdachts aber prinzipiell nicht falsch war. Auch, wenn im Abschlussbericht notwendigerweise etwas anderes stehen muss. Noch besser wäre die offizielle Anerkennung des BAP (Broader Autism Phenotype), Autismus ist schließlich ein Spektrum.

      Hilfreich wäre auch, wenn es mehr Diagnosen geben könnte, die keine Krankheiten bezeichnen, sondern "Zustände" (das sind Entwicklungsphasen, Schwangerschaft, Pubertät etc. ja auch, und das sind durchaus medizinische Themen). Dann könnten seriöse Mediziner und Psychologen das wertvolle Konzept Hochsensibilität ansprechen und müssten es nicht den Esoterikern überlassen. Ich denke, dann wären viele der "heißen" Diskussionen hier im Forum und auch viele Verunsicherungen bis hin zu Identitätskrisen vermeidbar.
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    • Ich finde unter solchen Umständem den Ausdruck "Ausschluss" zu absolut! Nur weil die etwas nicht bestätigen können, muss msn es doch nicht gleich ausschließen. Dafür müssten sie schon einen klaren Beweis finden, dass es nicht da ist.
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    • Lex wrote:

      Ich finde unter solchen Umständem den Ausdruck "Ausschluss" zu absolut! Nur weil die etwas nicht bestätigen können, muss msn es doch nicht gleich ausschließen.
      Ja. Sinnvoll wären beispielsweise Formulierungen wie "Der Verdacht konnte bei uns nicht bestätigt werden. Als wissenschaftliche Einrichtung legen wir vergleichsweise enge Diagnosekriterien an".

      Übrigens ist mir eingefallen, dass es im Bereich Persönlichkeitsstörungen sehr wohl verwandte offizielle Diagnosen ohne offiziellen Krankheitswert gibt, die Persönlichkeitsakzentuierungen. Wieso ist das bei Autismus nicht möglich? Weil es unter einer neurologischen Ursache läuft? Das wäre für mich als Grund nicht wirklich nachvollziehbar.
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    • Leonora wrote:

      Sinnvoll wären beispielsweise Formulierungen wie "Der Verdacht konnte bei uns nicht bestätigt werden. Als wissenschaftliche Einrichtung legen wir vergleichsweise enge Diagnosekriterien an".
      Wer soll denn sowas schreiben? Weder Köln noch Freiburg sind bekannt dafür, dass sie "eng" diagnostizieren würden.
      Die können ja auch nichts dafür, dass es Ärzte gibt die zu mindestens 90% eine positive Diagnose vergeben (mit der man dann nichts anfangen kann).
      Sinnvoller wäre es endlich einen diagnostischen Standard zu erschaffen an den sich dann auch alle halten. Das würde auch Ärztehopping unterbinden.
      Hohe Zahlen bei der Editierungsanzeige zeigen nicht, dass ich permanent meine Meinung ändern würde. Ich habe nur Probleme Rechtschreib- und Grammatikfehler zu tolerieren und korrigiere diese daher, wenn ich sie sehe.
      Dennoch kann auch ich Tippfehler übersehen. In diesem Fall bitte ich um Nachsicht.
    • Es gibt durchaus Ärzte, die schreiben, dass sie zu keinem endgültigen Ergebnis kommen konnten, den Verdacht also weder bestätigen noch entkräften konnten. Wenn etwas ausgeschlossen wird, wäre das aber im Grunde Grundlage dafür es z. B. abzulehnen, dass man nochmal sich darauf untersuchen darf bzw. die Kosten dafür getragen werden und würde auch Leute davor abschrecken es überhaupt nochmal zu versuchen bzw. in Betracht zu ziehen.

      Persönlichkeitsakzentuierungen sind keine Diagnose sondern lediglich Charakterzüge. Würde man das auch bei Autismus versuchen, würde es wieder heißen "autistische Verhaltensweisen" wäre eine Art Charakterzug, und das wäre unserer Sache abträglich, denn es würde all die Bemühungen um Aufklärungsarbeit zunichte machen.
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