Zwischen Überforderung und Begabung

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    • Zwischen Überforderung und Begabung

      Hallo!
      Ich besitze keine Autismus-Diagnose und bin mir auch ziemlich unsicher, ob ich das wirklich habe. Das liegt unter anderem daran, dass ich zwar an manchen Situationen verzweifle, aber andere ziemlich gut meistere.

      Kennt ihr das auch?

      Beispielsweise war ich gestern mit teilweise unbekannten Personen abends weg. Ich habe mich in (zugegebenermaßen intellektuelle) Gespräche eingebracht, habe gefühlt nicht zu viel oder zu wenig geredet und konnte meine Meinung mitteilen, aber mir auch die der anderen anhören. Habe auch einige Witze gemacht und mich wohl gefühlt. Und beim Verabschieden habe ich gemerkt, dass mich eine Freundin noch umarmen wollte, als ich schon am Gehen war.

      Letzte Woche war ich mit Freunden und deren Bekannten auf einem Stadtfest und habe mich maximal unwohl gefühlt. Ich war unglaublich gestresst von der Anreise, den Menschen, die ich nicht kannte, dem Ort, den ich nicht kannte, dem Wetter, den lauten Sitznachbarn..

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    • Mugwump wrote:

      Ich besitze keine Autismus-Diagnose und bin mir auch ziemlich unsicher, ob ich das wirklich habe. Das liegt unter anderem daran, dass ich zwar an manchen Situationen verzweifle, aber andere ziemlich gut meistere.

      Kennt ihr das auch?

      Hallo Mugwump,

      ich weiß ja nicht, woran Du selbst (oder andere Menschen) festmachst, dass Du Autistin sein könntest. Ich bin möglicherweise in einer ähnlichen Situationen wie Du, warte auch noch auf eine "offizielle" Diagnose (Termin im nächsten Januar). Das, was Du beschreibst, kenne ich auch sehr gut.
      Mein Leben ist auf der einen Seite gefühlt ein einziges Chaos mit ständigen Jobverlusten, ständigem Anecken und "Ins-Fettnäpfchen-Treten" und sehr gut kompatibel mit dem, was z. B. in Wikipedia zum Thema Asperger-Autismus steht.
      Auf der anderen Seite kann ich auch gut mit bekannten wie fremden Personen ausführliche Gespräche führen, einen netten Abend mit anderen Menschen haben, Vorträge halten und viele Dinge tun, die man dem "typischen Autisten" (den es so wohl nicht gibt) sicher erst einmal nicht zutraut. Es gibt im Autismus-Spektrum (nicht umsonst vermeidet man ja heutzutage die alte, etwas statische Einteilung) viele unterschiedliche Abstufungen, ganz verschiedene Ausprägungen. Ob Du Autistin bist oder sein könntest, können wahrscheinlich am ehesten Fachleute beurteilen (obwohl sich natürlich jeder auch mal irren kann).
      Hast Du denn vor, das mal untersuchen zu lassen?

      Viele Grüße aus dem "echten Norden"!
    • Hey @MonaLisa,
      das ist interessant zu hören, ich bin gespannt, was bei deiner Diagnose heraus kommt. Wo lässt du dich denn testen?

      Ich möchte das eigentlich schon ganz gern abklären lassen, aber meine akuelle Therapeutin hält da nichts von, deswegen bin ich gerade sehr zögerlich, was das Thema angeht.
    • Mugwump wrote:

      Hey @MonaLisa,
      das ist interessant zu hören, ich bin gespannt, was bei deiner Diagnose heraus kommt. Wo lässt du dich denn testen?

      Ich möchte das eigentlich schon ganz gern abklären lassen, aber meine akuelle Therapeutin hält da nichts von, deswegen bin ich gerade sehr zögerlich, was das Thema angeht.
      Hallo Mugwump,

      ich werde, da ich in Schleswig-Holstein wohne (das ist ja ein Dorf, da gibt´s ja außer viel schöner Natur nicht so viel... :d ) nach Lübeck an die Uni gehen, die wurde mir empfohlen. Dauert aber noch.

      Ob Du das abklären lässt, ist natürlich allein Deine Sache. Ich kann dazu nur sagen: Ich hatte (allerdings jetzt schon länger zurückliegend) mehrere Therapeuten wegen Zwängen, und von denen ist niemand auf die Idee gekommen, es könnte noch etwas anderes als eine Zwangsstörung sein. Will heißen: Therapeuten haben verschiedene Ausrichtung und manchmal auch "Scheuklappen". Ich habe mir z. B. auf Anraten einer (Job- und Lebens-)Beraterin ein Buch gekauft, in dem praktisch sämtliche Schwierigkeiten im Erwachsenenleben auf ein angebliches frühkindliches Trauma (Liebesentzug durch die Eltern) zurückgeführt werden (so ein Trauma konnte ich bei mir noch nicht finden, auch nach x-maligem Nachfragen nicht). Dieses Buch wurde von einer (ärztlichen) Psychotherapeutin geschrieben, und diese Therapeutin würde vermutlich bei jedem Patienten nach solchen Ereignissen graben...
      Wenn Dich das Thema Autismus belastet, dann hole eben die berühmte "Zweitmeinung" ein. :prof:
      Grüße aus dem Möwenland!
    • Mugwump wrote:

      Hallo!
      Ich besitze keine Autismus-Diagnose und bin mir auch ziemlich unsicher, ob ich das wirklich habe. Das liegt unter anderem daran, dass ich zwar an manchen Situationen verzweifle, aber andere ziemlich gut meistere.

      Kennt ihr das auch?
      Also das hab ich auch schon mal beobachtet. Wenn alles an so einem Abend stimmt, also die Leute zu 100%, das Ambinete, die Stimmung, die Planbarkeit des Abends und so weiter, dann fühle ich mich wohl und dann, nur DANN, qwir das ein guter Abend.
      Wenn ein Punkt nicht stimmt, dann (für mich) nicht. Das ist allerding ziemlich selten.
      Wenn ich im Vorgfeld schon weiss, dass mir da was nicht gefallen wird (meist ein jemand) dann ist die Sache für mich bereits gelaufen und ich warte nur noch, dass es vorbei ist und ich zu hause bin.
    • Für mich ist es typisch zwischen diesen Extremen zu leben.
      Langsam kriege ich heraus, was alles bei mir von emotional bis organisatorisch vorher gegeben sein muss, damit solche "magischen Momente" möglich werden könnten, und was in der jeweiligen Situation gegeben sein muss, damit sie möglich werden und etwas gelingt und sich auch so anfühlt wie "du kannst das ja doch" :m(: :d

      Da ist mittlerweile eine ziemlich lange Liste an sich gegenseitig bedingenden und aufeinander einwirkenden und wechselwirkenden Einzelaspekten zussmmen gekommen.

      Als Grafik für die Siruation gezeichnet ergibt das ein anspruchsvolles Flussdiagramm , nur zu mir wie eine Zeichnung einer komplizierten Elektronischen Schaltung.
      Und das geht soweit, dass sowas nur möglich wird, wenn die Temperatur bestimmte Werte nicht unter- oder überschreitet.

      Das Erarbeiten dieser hat mich mit oft gehörten Aussprüche wie "Du bist kompliziert/anspruchsvoll" versöhnt. Heute lache ich darüber - stimmt ja. Wenn auch anders und zu anderem als was allgemein darunter verstanden wird.

      Ich bin, um fas gerauszufinden, weg gegangenen von der psychologischen "warum"-Frage und betrachtete "technisch" WAS da war - bei mir und in der Stuation, als etwas gelang, wie viel davon, in welcher Stärke, von dem fehlte, bzw WAS an Hinderndem auftauchte in der Situation, das mal über das, was da war noch ausgeglichen werden konnte bzw. nicht mehr.

      Gestern erst hab ich festgestellt, wie sehr mir der "Arbeitstier"-Modus enorm hilft, vor allem, wenn intellektuell gearbeitet werden darf, eine Menge an Reizen auszublenden ...wenn so einiges andere natürlich auch noch stimmt.
      Aufgabenstellung klar/Leute nicht wertend zu "persönlichen Macken", mein "Strebergen" freundlich als hilfreich anerkennend für alle und ein bisschen belächelnd akzeptiert - ich durfte sein, wie ich bin.....
      Und dann switchten in mir während der Arbeit dieses Intellektuelle, das vereinfachend auf den Punkt bringen Könnende und der Blödelanteil frei hin und her. Kurz, ich war mal "angemessen sozial" in diesem Kontext :m(: :d

      Die Diagnose hat mir geholfen zu erkennen, wo eindeutige Schwächen sind. Die beachtet werden müssen. Wie damit besser umgehen, da half der Blick auf "Was war da, als es geklappt hat". Ndavon lässt sich eine Menge selbst herstellen bzw im Vorfeld "abchecken", um dann zu entscheiden.

      Ds übe ich gerade, weil noch langsam, mühsam und ich manches noch nicht gefunden bzw die Relevanz nicht erkannt habe.
      Besser als vorher ist es auf jeden Fall geworden, weil logisch erklärbar.
      "AS? Sie wirken gar nicht so" -"Danke für die Bestätigung und Anerkennung all der geleisteten Arbeit, die dahinter steckt :) ".
    • Mugwump wrote:

      Das liegt unter anderem daran, dass ich zwar an manchen Situationen verzweifle, aber andere ziemlich gut meistere.

      Kennt ihr das auch?
      Ich kenne sowas ähnliches aber etwas anders.

      Ich habe auch bestimmte Talente wie in der Kunst, das bezweifel ich auch nicht, aber anstatt darin wirklich gut zu sein, erlebe ich es eher das Leute dann wollen das ich das Talent beruflich nutze. Das habe ich sogar schon versucht aber dann war ich wieder nicht gut genug und man hat versucht mehr aus mir herauszuholen als ich leisten konnte, was dann in Überforderung und Lustlosigkeit endete. Aus dem Grund möchte ich auch beruflich nichts mehr mit Kunst machen sondern mir das nur noch für den Spaß aufheben wenn ich auch malen WILL und nicht weil andere es wollen.
    • Ob ich was gut schaffe oder nicht hängt ab von:

      - Tagesform (genug/wenig Schlaf, gesund/angeschlagen)
      - Wieviel Rückzug hab ich in der Situation
      - Wie laut, wuselig oder unstrukturiert ist es da (alles schlecht)
      - Wie viel Interaktion und welcher Art ist diese?
      - Mit wem bin ich in der Situation?

      So und dann kann ich auch einmal eine an sich recht ungünstige Situation durchstehen, da ich daran aus verschiedensten Gründen Freude habe. Z.b. war ich am Wochenende eine Nacht auf einem Campingplatz. Das habe ich nun schon ewig nicht mehr gemacht. Und fand es auch sehr anstrengend so eng an eng mit Menschen, dafür war man halt direkt am Strand. Ich habe das dort alles gut geschafft, bin nun danach aber vollkommen kaputt und brauche erstmal paar Tage Erholung. So ist das öfter nach anstrengenden Unternehmungen.