Dauer der Klage auf Schwerbehinderung vor dem SG

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    • Gut zu wissen - mein Therapeut war damals ja hochgradig irritiert, als ich meinen Autismusverdacht äußerte... ich sei doch viel zu emotional und mitfühlend für eine Autistin.

      Meine Hoffnung oben war, dass der Brief an meinen Anwalt, in dem steht, dass eine Rücknahme der Klage "dringend erwogen werden" solle, von einer Justizangestellten verfasst wurde und nicht zwangsläufig die Meinung der Richterin widerspiegelt. Einige der Gutachtenmängel müsste man schon beim Überfliegen erkennen können, daher wäre es schon heftig, dieses Gutachten als Jurist als derart unumstößliche Basis einer Ablehnung anzuerkennen, dass man "dringend" zur Klagerücknahme rät...

      Genau: dass jemand nicht dumm ist, dürfte alleine anhand von Gesprächen ersichtlich sein. Okay, vielleicht ist es ohne IQ-Test nur schwer festzustellen, ob ich nun eher einen IQ von 140 als einen von 115 habe, aber darum geht es schlussendlich ja nicht, auch ein IQ von 100 wäre ja kein Ausschlussgrund für eine Autismusdiagnose. Und wenn sie mich in irgendwelche Statistiken einfließen lassen wollen, klappt das eben einfach mal nicht :nerved: Telefonieren meide ich ja wie der Teufel das Weihwasser, aber die meisten haben zum Glück Internetpräsenzen.

      Wie lange dauert es wohl, bis ich vor dem LSG klagen kann? Waspie schrieb ja mal, das Verfahren dauere bereits 2,5 Jahre und sei noch nicht abgeschlossen?
    • Lissy wrote:


      Meine Hoffnung oben war, dass der Brief an meinen Anwalt, in dem steht, dass eine Rücknahme der Klage "dringend erwogen werden" solle, von einer Justizangestellten verfasst wurde und nicht zwangsläufig die Meinung der Richterin widerspiegelt.
      Eine derartige Äußerung kommt IMMER vom Richter. Einer Justizangestellten steht so eine "Empfehlung" gar nicht zu. Die mag den Brief unterschrieben haben, den du bekommen hast, aber die schreiben nur das, was der zuständige Richter denen aufträgt.
      Nobody expects the spanish inquisition!
    • Lissy wrote:

      Ne, leider nicht, deshalb meinte ich ja, ich müsse mich noch um einen Termin bei der Spezialambulanz kümmern. Das wird aber wohl bestenfalls auch nur eine knappe Diagnose, ich bin sicher einer der Grenzfälle...
      Warum denkst du, dass du ein Grenzfall bist?

      In welcher Region wohnst du denn? Wegen der Spezialambulanz
    • thelord wrote:

      Eine derartige Äußerung kommt IMMER vom Richter. Einer Justizangestellten steht so eine "Empfehlung" gar nicht zu. Die mag den Brief unterschrieben haben, den du bekommen hast, aber die schreiben nur das, was der zuständige Richter denen aufträgt.
      Genau so ist es. Die Justiz(fach)angestellten sind die, die u.a. alle Schreibarbeiten für Richter erledigen. Und zwar genau so wortwörtlich, wie es vom Richter in Auftrag gegeben wurde. Das ganze ist also die Meinung des Richters. Und in den meisten Fällen auch ein sehr großer Hinweis auf den Ausgang des Verfahrens und damit die Entscheidung, wer vermutlich die Kosten des Verfahrens tragen muss. Aber ich kenne deinen Fall nun nicht genauer, daher Allgemein beschrieben.

      Lissy wrote:

      Ne, leider nicht, deshalb meinte ich ja, ich müsse mich noch um einen Termin bei der Spezialambulanz kümmern. Das wird aber wohl bestenfalls auch nur eine knappe Diagnose, ich bin sicher einer der Grenzfälle...
      Du solltest dich lieber Heute als Morgen um einen Termin kümmern, wenn es für diese Sache von Bedeutung ist. Die Wartezeiten werden immer länger. Du hast Glück, wenn du vielleicht aufgrund der Gerichtssache einen Termin für dieses Jahr bekommst.
    • Für einen Grenzfall halte ich mich, weil niemand außer mir, der mich real je kannte, einmal erwog, dass ich Autistin sein könnte - Psychiater, Psychotherapeut und Hausärzte inklusive, mein Therapeut war sich sogar sehr sicher, dass ich keine Autistin bin. Das "Aspie-Quiz" (lustigerweise über 10 Jahre nahezu konstantes Ergebnis) ergab, dass ich "sehr wahrscheinlich" Autistin sei - allerdings ließen sich fast alle Symptome auf ADHS, Zwangsstörungen, Depressionen, "Hochsensibilität", Hochbegabung und Ängste zurückführen, von den reinen Asperger-Symptomen traf fast keines zu.

      Ich wohne nahe Münster in Westfalen.
      Danke, jetzt muss ich zur Arbeit, aber ich werde am Wochenende gleich eine Mail verfassen und an die Autismusambulanz in Münster schicken.

      Ehrlich, ich hatte einen siebundzwanzigseitigen Widerspruch und ein dreizehnseitiges Schreiben für meinen Gutachter verfasst - die darin geschilderten Symptome sind in jedem Fall mehr als ausreichend für mittelgradige soziale Anpassungsschwierigkeiten.
      Sehe ich es richtig, dass die Richterin einem Gutachten, das neurologisch/physiologisch erwartungsgemäß (man glaubte mir ja ewig nicht, dass ich physisch gesund bin :nerved: ) unauffällig war und dessen wichtiger, also Gesprächsanteil lediglich eine halbe Stunde dauerte, mehr Glauben schenkt als meinen fast vierzig Seiten, in denen ausführlich gravierende behinderungsbedingte ichbezogene, psychosomatische, familiäre, allgemeine soziale, schulische/studentische und berufliche Schwierigkeiten erläutert wurden, darüberhinaus expliziert wurde, dass ich aus mehreren Jobs flog, nicht in Vollzeit arbeiten kann, weder zu Kollegen noch zu Kommilitonen Kontakt aufbauen kann, keine Freunde habe und unter Beziehungsproblemen leide, und fest zugesagt wurde, dass ich bei Bedarf gerne weitere Nachweise einreiche und andere Menschen (ehemalige Arbeitgeber etc.) involviert werden können?

      Das ist nicht koscher. Und es widerstrebt mir massiv, dass ich den Richter nicht einmal anschwärzen kann, weil er seinen Job nicht richtig macht.
      Auch frage ich mich, was der Grund dafür ist - Bequemlichkeit? Oder doch ein deutlich falsches Bild von psychischen Erkrankungen?

      Mein Psychotherapeut hatte mir angeboten, meine Schreiben zu lesen und zu unterzeichnen, dass ich mir nichts aus den Fingern gesogen habe. Aber wahrscheinlich fiele das wieder unter Gefälligkeitsleistungen, dabei kann ich mir nicht einmal ein Privatgutachten leisten. :nerved:
      Sorry, ich wiederhole mich. :yawn:

      Was tue ich, falls ich die Klage verliere und der Anwalt keine Lust mehr hat? Besteht die Möglichkeit, in der nächsten Instanz doch durch den VdK unterstützt zu werden, wenn ich noch Mitglied werde? Dazu riet mein Psychiater jüngst
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    • Lissy wrote:

      Sehe ich es richtig, dass die Richterin einem Gutachten, das neurologisch/physiologisch erwartungsgemäß (man glaubte mir ja ewig nicht, dass ich physisch gesund bin ) unauffällig war und dessen wichtiger, also Gesprächsanteil lediglich eine halbe Stunde dauerte, mehr Glauben schenkt als meinen fast vierzig Seiten, in denen ausführlich gravierende behinderungsbedingte ichbezogene, psychosomatische, familiäre, allgemeine soziale, schulische/studentische und berufliche Schwierigkeiten erläutert wurden, darüberhinaus expliziert wurde, dass ich aus mehreren Jobs flog, nicht in Vollzeit arbeiten kann, weder zu Kollegen noch zu Kommilitonen Kontakt aufbauen kann, keine Freunde habe und unter Beziehungsproblemen leide, und fest zugesagt wurde, dass ich bei Bedarf gerne weitere Nachweise einreiche und andere Menschen (ehemalige Arbeitgeber etc.) involviert werden können?
      Jep.

      Ist so.
      Vor zwei Jahren habe ich einem anderen Antragsteller mal zuliebe nachgewiesen, dass der Gutachter in seinem Fall nachgewiesenermaßen die VersMedV falsch ausgelegt hatte.
      Das hat die Richterin nicht beeindruckt.
      Sie sei keine Ärztin und müsse (sic!) daher ihrem Gutachter folgen. Auch wenn der die VersMedV falsch interpretiere.

      Lissy wrote:

      Ehrlich, ich hatte einen siebundzwanzigseitigen Widerspruch und ein dreizehnseitiges Schreiben für meinen Gutachter verfasst - die darin geschilderten Symptome sind in jedem Fall mehr als ausreichend für mittelgradige soziale Anpassungsschwierigkeiten.
      Schick es bitte nicht ab - oder hast du schon?
      Dann erwarte davon keine Änderung hinsichtlich deiner Beurteilung.

      Lissy wrote:

      Und es widerstrebt mir massiv, dass ich den Richter nicht einmal anschwärzen kann, weil er seinen Job nicht richtig macht.
      Aus seiner Sicht macht er den Job super. Er führt ihn zielstrebig einem vorläufigen Ende zu.

      Vor dem LSG werden diese Fälle aber doch intensiver auseinander genommen.
      Deshalb nochmal: Geh' vors LSG.

      Lissy wrote:

      Mein Psychotherapeut hatte mir angeboten, meine Schreiben zu lesen und zu unterzeichnen, dass ich mir nichts aus den Fingern gesogen habe.
      Immerhin etwas.
      Noch besser wäre es, wenn er selbst alles aufzählte, was dir auf den Nägeln brennt, und dann unter seinem Namen abschickt.
      When you're hot, you're hot - and when you're not, you're not (Jerry Reed)

      "Man sieht nur mit der Lupe gut" - Prinzessin Petronia (ihr in den königlichen Mund gelegt von Katharina Greve)
    • Lissy wrote:

      Was tue ich, falls ich die Klage verliere und der Anwalt keine Lust mehr hat? Besteht die Möglichkeit, in der nächsten Instanz doch durch den VdK unterstützt zu werden, wenn ich noch Mitglied werde? Dazu riet mein Psychiater jüngst
      Theoretisch ja. Weshalb sollte der Anwalt aber die Lust verlieren?

      M.E. haben die Landessozialrichter aber mehr Respekt vor Anwälten als vor Rechtsbeiständen des VdK.
      When you're hot, you're hot - and when you're not, you're not (Jerry Reed)

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    • Ja, die Schreiben hatte ich beide schon eingereicht.

      Danke, ich werde mich gegen eine Ablehnung auf jeden Fall wehren.

      Auch werde ich meinen Therapeuten noch einmal darauf ansprechen

      (etwas knapp, bin unter Zeitdruck)


      Danke, falls möglich, bleibe ich dann bei dem Anwalt

      Gerade bin ich psychisch so instabil, dass es wahrscheinlich für die Klage super wäre, mich einweisen zu lassen, aber gut, Angst vor Untersuchungen etc....
    • Lissy wrote:

      ...dann muss ich wohl die Sorge haben, dass die Richterin nicht sonderlich kompetent ist :m(:
      Es könnte auch sein, dass die damit einfach nur versuchen, ihr Arbeitsvolumen zu dezimieren. Die Gerichte sollen ja mittlerweile seit einigen Jahren extrem überlastet sein und die Besetzung von neuen Richterstellen wird auch eher merkwürdig betrieben.
      Oftmals sind dann andere Dinge wichtiger, als inhaltlich korrekte Entscheidungen zu treffen. Ich hatte mich mal damit beschäftigt, welche Verfahren von Gerichten (bzw. der Staatsanwaltschaft?) eingestellt wurden und war entsetzt darüber. Inhaltlich war das meiner Meinung nach nicht zu rechtfertigen. Ich glaube deshalb nicht mehr daran, dass Gerichte gerechte Entscheidungen treffen.


      Lissy wrote:

      Ehrlich, ich hatte einen siebundzwanzigseitigen Widerspruch und ein dreizehnseitiges Schreiben für meinen Gutachter verfasst - die darin geschilderten Symptome sind in jedem Fall mehr als ausreichend für mittelgradige soziale Anpassungsschwierigkeiten.
      Ich habe den Eindruck, dass du dich kaput machst damit. Ich glaube, du wirst die Gerechtigkeit, die du suchst und die dir zusteht, nicht im Außen erhalten können bzw. nur unter so extremem Kampf gegen Windmühlen, dass ich mich an deiner Stelle fragen würde, ob es dir das wert ist. Das kostet doch so viel Energie, die du vielleicht besser in die Aufstockung des Nebensjobs investieren könntest, so dass du genug Geld für das Studium hast und nicht mehr auf das Kindergeld bzw. BaföG angewiesen bist, was du ja ursprünglich begehrtest.

      The post was edited 1 time, last by FruchtigBunt ().

    • @Lissy

      Dein merkwürdiges Gutachten geht nicht nur zum Richter /Richterin am SG, sondern auch zum ärztlichen Dienst deines Versorgungsamts (Bzw. der Nachfolgebehörde. In NRW sind seit 2008 ja alle 11 Versorgungsämter aufgelöst und deren Aufgaben den Kommunen zugeschustert worden. Seitdem läuft natürlich alles besser :sarcasm: ).

      Wenn das Sozialgericht schon signalisiert, dass es kaum Erfolg für deine Klage sieht, wird der ärztliche Dienst (befragt von der Klagevertretung deiner Heimatkommune) wahrscheinlich keine andere Entscheidung treffen als zuvor.
      Genau genommen sollten die dort aber auch eine ärztliche Stellungnahme verfassen und daraufhin wird die Klagevertretung wiederum ans SG schreiben, weshalb sie dabei bleiben, die Klage zurückzuweisen.

      Dieses Hin- und Hergeschreibe muss dir bzw. deinem Anwalt auch zugeschickt werden. Dann könnt ihr bereits zu diesem Zeitpunkt auf die Schludrigkeiten im Gutachten hinweisen.
      Und auf die Tatsache, dass die Stellungnahme deiner Kommunenvertreter ans Gericht auf falschen bzw. zum Teil unrichtigen/unvollständigen Angaben im Gutachten beruht.
      When you're hot, you're hot - and when you're not, you're not (Jerry Reed)

      "Man sieht nur mit der Lupe gut" - Prinzessin Petronia (ihr in den königlichen Mund gelegt von Katharina Greve)
    • Capricorn wrote:

      Jep.
      Ist so.
      Vor zwei Jahren habe ich einem anderen Antragsteller mal zuliebe nachgewiesen, dass der Gutachter in seinem Fall nachgewiesenermaßen die VersMedV falsch ausgelegt hatte.
      Das hat die Richterin nicht beeindruckt.
      Sie sei keine Ärztin und müsse (sic!) daher ihrem Gutachter folgen. Auch wenn der die VersMedV falsch interpretiere.
      Die weit verbreitete, aber falsche Auffasung unter Richtern. Sie haben die Gutachten kritisch zu prüfen, nachzufragen und insbesondere auch den Parteien die Möglichkeit zu geben, nachzuvollziehen, warum der Sachverständige zu seinem Ergebnis kommt. Tun sie das nicht sondern schreiben einfach "Der Sachverständige sagt", dann ist das genau genommen ein Entzug des gesetzlichen Richters.

      Capricorn wrote:


      Aus seiner Sicht macht er den Job super. Er führt ihn zielstrebig einem vorläufigen Ende zu.
      Vor dem LSG werden diese Fälle aber doch intensiver auseinander genommen.
      Deshalb nochmal: Geh' vors LSG.
      Stimmt im Bezug auf das LSG leider nicht.
      Vergleiche ich mal das bei mir ergangene Urteil vom SG mit dem vom LSG, dann hat das SG "nur" geschrieben, dass der Gutachter dies und jenes sagte, während das LSG sich auch und trotz offensichtlicher Widersprüche dem Gutachter anschloss, das aber damit ergänzte, dass es a) falsche Behauptungen aufstellte was meine Mitwirkung anging, b) Beweisanträge mit vorweggenommener Beweiswürdigung ablehnte, c) den Stand der Wissenschaft selbst (also ohne Sachverständigen) bewertete, das dazu noch grob falsch, schon auf eienr rein sprachlichen Ebene, d) das Fragerecht an den Sachverständigen verwehrte, e) Simulantentum unterstellte bzw. das von der Beklagten übernahm, f) die Chronologie völlig verdrehte, g) elementare Rechtsprechung des BSG und des BVerfG ignorierte, mir damit sogar weniger Rechte anerkannte als sie jeder Kinderschänder und NS-Mörder noch hat.
      Eine Garantie für ein rechtsstaatliches Verfahren ist auch das LSG nicht. Es gibt keinen Rechtsstaat, es ist reiner Zufall ob man ordentlich behandelt wird oder ob eine Quasi-Euthanasie (durch Treiben in den Selbstmord) betrieben wird.
      Auf Richter ist jedenfalls kein Verlass.

      @Lissy
      Der Gutachter darf befragt werden, da ist es dann sinnvoll ihn auch ruhig hart ranzunehmen, Widersprüche, Unklarheiten und Abweichungen von der VersMedV anzugehen.
    • Waspie wrote:

      Die weit verbreitete, aber falsche Auffasung unter Richtern. Sie haben die Gutachten kritisch zu prüfen, nachzufragen und insbesondere auch den Parteien die Möglichkeit zu geben, nachzuvollziehen, warum der Sachverständige zu seinem Ergebnis kommt. Tun sie das nicht sondern schreiben einfach "Der Sachverständige sagt", dann ist das genau genommen ein Entzug des gesetzlichen Richters.
      Richter sind Richter und sonst nichts.
      Um ihre völlig normalen "Wissenslücken" zu kompensieren, ziehen sie Fachleute hinzu, die Experten auf den Gebieten sind, um die es geht.
      Manchmal sind diese Experten leider "Torfnasen", das ist doof, aber so ist es nunmal.
      Aber Richter können nichts anderes tun, als sich auf die Einschätzung der Sachverständigen zu verlassen.
      Ansonsten könnte es ja auch folgendermaßen sein:
      Der Sachverständige sagt: "GdB 70 ist das Mindeste, was vergeben werden muss!".
      Der Richter sagt: "Nö, das sehe ich völlig anders! Ich entscheide auf GdB 20!".
      Dann wäre das Geschrei aber auch wieder riesengroß.
      Mit anderen Worten: Egal, was passiert, es gibt Geschrei, wenn das Urteil nicht dem entspricht, was man will.

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    • Lissy wrote:

      Ehrlich, ich hatte einen siebundzwanzigseitigen Widerspruch und ein dreizehnseitiges Schreiben für meinen Gutachter verfasst
      Auf Masse kommt es dabei nicht an.

      Lissy wrote:

      die darin geschilderten Symptome sind in jedem Fall mehr als ausreichend für mittelgradige soziale Anpassungsschwierigkeiten
      Wenn das in jedem Fall so ist, dann wirst Du in jedem Fall auch mindestens GdB 50 erhalten. Dann musst Du Dir doch gar keine Sorgen machen?!

      Lissy wrote:

      Und es widerstrebt mir massiv, dass ich den Richter nicht einmal anschwärzen kann, weil er seinen Job nicht richtig macht.
      Wenn jeder den Richter anschwärzen könnte, weil er mit dem Urteil nicht einverstanden ist, dann würde das System endgültig und komplett zusammenbrechen.
      Aber es gibt doch die Dir bekannte Möglichkeit, das nächsthöhere Gericht mit der Prüfung des Urteils zu beauftragen. Das ist doch ein akzeptabler Ersatz für "anschwärzen".
      Natürlich ist dann irgendwann mal "Ende Gelände". Da die Welt nur sehr begrenzt nach dem "Pipi Langstrumpf-Prinzip" funktioniert, muss man sich eben damit abfinden, dass man nicht alles kriegt, was man will.

      Lissy wrote:

      Was tue ich, falls ich die Klage verliere und der Anwalt keine Lust mehr hat?
      Entweder einen anderen Anwalt suchen und -falls möglich- zur nächsten Instanz gehen oder akzeptieren, was entschieden wurde.

      The post was edited 1 time, last by zaph ().

    • zaph wrote:

      Waspie wrote:

      Die weit verbreitete, aber falsche Auffasung unter Richtern. Sie haben die Gutachten kritisch zu prüfen, nachzufragen und insbesondere auch den Parteien die Möglichkeit zu geben, nachzuvollziehen, warum der Sachverständige zu seinem Ergebnis kommt. Tun sie das nicht sondern schreiben einfach "Der Sachverständige sagt", dann ist das genau genommen ein Entzug des gesetzlichen Richters.
      Richter sind Richter und sonst nichts.Um ihre völlig normalen "Wissenslücken" zu kompensieren, ziehen sie Fachleute hinzu, die Experten auf den Gebieten sind, um die es geht.
      Manchmal sind diese Experten leider "Torfnasen", das ist doof, aber so ist es nunmal.
      Aber Richter können nichts anderes tun, als sich auf die Einschätzung der Sachverständigen zu verlassen.
      Nö, sie können die Einschätzungen überprüfen. Zum Beispiel können die prüfen, ob alle Tatsachen berücksichtigt wurden. Oder ob die Tatsachen mit der Bewertung übereinstimmen, z.B. wenn sich bei unveränderten Tatsachen die Bewertung ändert (keine Sozialkontakte (Tatsache); heute Behinderung, früher nicht (Bewertung)) . Und natürlich zumindest grob prüfen, ob Richt- und Leitlinien angewandt wurden. Dazu mehr hier.
    • Waspie wrote:

      Nö, sie können die Einschätzungen überprüfen. Zum Beispiel können die prüfen, ob alle Tatsachen berücksichtigt wurden. Oder ob die Tatsachen mit der Bewertung übereinstimmen, z.B. wenn sich bei unveränderten Tatsachen die Bewertung ändert (keine Sozialkontakte (Tatsache); heute Behinderung, früher nicht (Bewertung)) . Und natürlich zumindest grob prüfen, ob Richt- und Leitlinien angewandt wurden.
      Okay, dann kann man sich auch die Kosten für den Sachverständigen sparen.
      Vielleicht wäre "Würfeln" sowieso die bessere Methode.

      Waspie wrote:

      Dazu mehr hier.
      Nein, so wichtig ist mir das Thema nicht.
    • Waspie wrote:

      Eine Garantie für ein rechtsstaatliches Verfahren ist auch das LSG nicht. Es gibt keinen Rechtsstaat, es ist reiner Zufall ob man ordentlich behandelt wird oder ob eine Quasi-Euthanasie (durch Treiben in den Selbstmord) betrieben wird.
      Auf Richter ist jedenfalls kein Verlass.
      Kommt jetzt ein wenig hart formuliert 'rüber, hat aber leider einen wahren Kern.

      Wobei ich aus Erfahrung in NRW grundsätzlich schon sehe, dass das LSG genauer prüft.
      Exakt der LSG-Richter, der in Vorträgen genau das Gleiche behauptet - nämlich eine unabhängige, neue Sachverhaltsüberprüfung durch das LSG - hat in meinem eigenen Verfahren sehr ähnlich gehandelt wie von dir, @Waspie, beschrieben. Tja....

      Eine professionelle Gutachtenprüferin aus Bayern hat -zig Gerichtsgutachten wissenschaftlich untersucht und in sehr erheblichem Prozentsatz fehlerhafte Gutachten gefunden.
      Sie hat auch feststellen können, dass "gute, alte Bekannte" aus dem Kreis der möglichen Gerichtsgutachter gerne immer wieder neu beauftragt werden, egal wie schlicht und spekulativ deren Schlussfolgerungen in ihren Gutachten waren.
      Sie hat ferner in einem Interview gesagt, dass es für Kritiker*innen immer schwierig sein wird, sich Gehör zu verschaffen, weil man ja damit einen Finger auf eine schmerzhafte Wunde (RW) legen würde: Folgten die Angesprochenen den Kritikpunkten, müsse man zugeben, dass Urteile aufgrund fehlerbehafteter Gutachten gesprochen worden seien. :evil:
      When you're hot, you're hot - and when you're not, you're not (Jerry Reed)

      "Man sieht nur mit der Lupe gut" - Prinzessin Petronia (ihr in den königlichen Mund gelegt von Katharina Greve)
    • Lissy wrote:

      Und es widerstrebt mir massiv, dass ich den Richter nicht einmal anschwärzen kann, weil er seinen Job nicht richtig macht.

      zaph wrote:

      Wenn jeder den Richter anschwärzen könnte, weil er mit dem Urteil nicht einverstanden ist, dann würde das System endgültig und komplett zusammenbrechen.
      Das sind zwei unterschiedliche Gründe.
      Zaph, du vermischst sehr häufig unabhängige Dinge miteinander.

      Aber so wichtig ist mir das Thema nicht.
      When you're hot, you're hot - and when you're not, you're not (Jerry Reed)

      "Man sieht nur mit der Lupe gut" - Prinzessin Petronia (ihr in den königlichen Mund gelegt von Katharina Greve)