Dauer der Klage auf Schwerbehinderung vor dem SG

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    • Beispiel: ich las gerade in der Tabelle zum "Global Assassment of Functioning", dass ich keinen der Punkte, die für eine ernste/schwere Störung sprechen, nachweislich voll erfülle, aber viele teilweise bzw. nicht nachweisbar voll:

      Nun, man kann nicht sagen, dass ich keine Freunde habe, ich habe meinen Partner, auch wenn er durch meine Behinderung belastet und meine Beziehung chronisch gefährdet ist, außerdem ist er - neben meinem Vater - der einzige Sozialkontakt. Zusätzlich kann man nicht sagen, dass ich arbeitsunfähig (/unfähig, eine Arbeitsstelle zu behalten) bin, denn mein aktueller Job ist mit 18 Stunden pro Woche halbwegs machbar. Dass er mich sehr belastet, ich schon mehrfach wegen akuter psychischer Überlastung krankgeschrieben wurde, aus zig anderen Jobs wegen meiner Symptome rausflog und nur sehr gedehnt studiere, jede Anwesenheit in der Uni hochgradigen Stress bedeutet und ich schon viele Kurse abbrach, weil ich sozial überfordert war, muss aber doch auch Berücksichtigung finden? Auch Suizidgedanken liegen vor, auch verletze ich mich selbst - aber die beiden Punkte sind wohl schwer zu "beweisen", mit Ritzen/Schneiden wäre es einfacher.
      Mit "stärker behindernd" ist diese Störung definitiv nicht korrekt beurteilt.
    • FruchtigBunt wrote:

      Höre dich doch mal um, wie viele Schwerbehinderte ihren GdB gleich auf Anhieb bekommen haben
      Hier ist schon mal eine. Man liest allerdings in Foren naturgemäß mehr von denjenigen, die dieses Glück nicht hatten, einfach, weil es dann mehr Fragen gibt, mehr Unzufriedenheit und mehr Mitteilungsbedürfnis. Das verzerrt das persönliche empirisch-statistische Gefühl natürlich schon.
    • @filipendula
      Ich sehe das anders. Wenn du Professionelle aus dem Bereich der Patientenvertretung bzw. Sozialrechtskundige fragst, wirst du ähnliche Erfahrungswerte erhalten. In der aktuellen VdK Ausgabe und Dutzenden Zeitungsberichten kann man lesen, dass in Deutschland mitlerweile Anträge auf GdB, Rente, Reha, Hilfsmittel etc. fast prinzipiell von den Ämtern erst einmal abgelehnt werden.

      @Capricorn
      Was sollen denn behördeninterne Statistiken zu Anträgen und Widersprüchen aussagen. Was meinst du, wie viele Bescheide fehlerhaft sind, obwohl der Patient keinen Widerspruch einlegt, weil er/sie keine Ahnung hat und glaubt, dass das Amt schon richtig entschieden haben wird bzw weil die Personen keine Ahnung haben, dass und wie sie sich wehren können und Widerspruchsfristen versäumen. Du kannst also aus der Anzahl von Widersprüchen überhaupt keine direkten Schlussfolgerungen auf die Korrektheit der Entscheidungen ziehen, sondern allenfalls Tendenzen ableiten, in die aber auch ganz andere Dinge mit hineinspielen, als allein die Fehlerhaftigkeit eines Bescheides. :prof:

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    • Lissy wrote:

      Wird es wohl als behindernd betrachtet, wenn man einen Schlafrhythmus hat, nach dem man erst um 14 Uhr aufsteht?
      Das würde ich ganz sicher nicht erwähnen, weil es mit ziemlicher Sicherheit so ausgelegt würde, als sei man zu faul zum Aufstehen, wobei ich zugebe, dass ich selbst in die Richtung denke, wenn jemand nicht unbedingt Schicht arbeitet. Man kann doch an der Schlafhygiene arbeiten und mit Licht und regelmäßigen Strukturen den Schlaf-Wach-Rhyrhmus steuern. Wieso ist es dir nicht möglich, den ein paar Stunden vorzuverschieben?
    • Lissy wrote:

      Beispiel: ich las gerade in der Tabelle zum "Global Assassment of Functioning",
      Kann mir jemand sagen, was das für ein Dokument ist und welche Relevanz das in einem SGB9-Verfahren hat? Ich kann mich nicht erinnern, schon mal davon gehört zu haben und stützte mich bei meinem Antrag nur auf ICF.
    • FruchtigBunt wrote:

      Lissy wrote:

      Wird es wohl als behindernd betrachtet, wenn man einen Schlafrhythmus hat, nach dem man erst um 14 Uhr aufsteht?
      Das würde ich ganz sicher nicht erwähnen, weil es mit ziemlicher Sicherheit so ausgelegt würde, als sei man zu faul zum Aufstehen, wobei ich zugebe, dass ich selbst in die Richtung denke, wenn jemand nicht unbedingt Schicht arbeitet. Man kann doch an der Schlafhygiene arbeiten und mit Licht und regelmäßigen Strukturen den Schlaf-Wach-Rhyrhmus steuern. Wieso ist es dir nicht möglich, den ein paar Stunden vorzuverschieben?
      Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, warum das nicht geht, aber wenn ich morgens aufstehe (unabhängig davon, wie lange ich geschlafen habe), bin ich wie gerädert, meist den ganzen Tag über. Das war schon schuld an vielen Fehlzeiten zu Schulzeiten. Und vor drei Uhr kann ich sehr schwer einschlafen, bin meist viel zu unruhig. "Struktur" ist für mich ohnehin ein erhebliches Problem, nicht nur den Tagesablauf betreffend, das spräche bei mir wohl wieder deutlich gegen Asperger. Mein Psychiater meinte, ADHS bedinge Nachtaktivität, vielleicht hängt es damit zusammen?
      Im Schichtsystem arbeite ich übrigens auch, idR bis nachts ;)
    • @Miami
      Bitte, gern (leider). Dafür tauscht man sich hier ja aus.

      Melatonin hat zumindest am Anfang geholfen.

      Ich glaube aber, dass die Stressoren deutlich stärker wirken als das Einschlafhormon x(

      @Lissy
      Klingt interessant, hab's dem Junior mal weitergereicht.
      Tipps von mir werden aber in der Regel ignoriert, erst wenn's jemand anderes auch sagt, ist es plötzlich von Interesse!

      Vielleicht wäre Melatonin was für dich?
      Wenn Wahlen etwas verändern würden, wären sie verboten :evil:

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    • Sorry, dass ich das Thema noch mal aufgreife :oops: Aber wen es nervt, der muss es ja nicht lesen. ;)

      Die Gegenseite kam nun "zum Zug" und argumentierte (erneut), dass anhand dessen, was mein Psychiater geschrieben hatte, nicht von einer "konstanten, therapieresistenden schweren Störung" auszugehen sei; außerdem, was ich sehr wichtig fand, dass meine Komorbiditäten (wenn ich das denn richtig verstehe) keine Berücksichtigung fänden! Ich zitiere: "Nach den Vorgaben der VersMedV soll das Funktionssystem Gehirn einschließlich Psyche im Allgemeinen zusammenfassend beurteilt werden. Im Falle psychischer Komorbidität ist die Bewertung jeder einzelnen psychischen Störung und eine dann folgende höhere GdB '-Beurteilung der psychischen Gesamtstörung nicht vorgesehen. Im Funktionssystem Psyche erfolgt die GdB-Bewertung in der. Regel anhand der resultierenden Einschränkürigen der Eriebnis- und "Gestaltungsfähigkeit," der resultierenden sozialen und beruflichen Anpassungsschwierigkeiten. Die im Befund des Psychiaters (Bl. 8 d. A.) beschriebenen Einschränkungen sind nicht vergleichbar mit konstanten, therapieresistenten schweren psychischen Störungen. Um Wiederholungen zu vermeiden, wird nochmals auf die gutachtliche Stellungnahme vom ... verwiesen."

      Es wurde ein Fragebogen übersandt, auf dem ich meine bisherigen Arzt- und Krankenhausbesuche auflisten soll. Daraus, dass ich aufgrund meiner Ärzteaversion, die sicherlich ebenfalls bereits als krankhaft zu werten ist, erst seit meinem 24. Lebensjahr und nur bei ausgewählten, vertrauenserweckenden, mich ernstnehmenden Ärzten wegen meiner Behinderung in Behandlung bin, könnte man mir einen Strick drehen ("Es bestand doch gar kein Bedarf! Und jetzt plötzlich jammern, um Kindergeld zu kassieren" o.ä.). Und es obliege alleine dem Gericht, ob ein Gutachter hinzugezogen wird. Mit anderen Worten, ich kann mich nicht dagegen wehren, dass man einfach behauptet, das Versorgungsamt hätte recht, anhand dessen, was mein Psychiater geschrieben hatte, sei ein GdB von 40 angebracht, und keinen Gutachter einschaltet? :m(: Mein Psychiater weiß ja nicht einmal detailliert von meinen vielen gescheiterten Jobversuchen, die deutlich für einen GdB von 50-70 sprächen! Und von meinem massiven Stress im aktuellen Job. Und vom Nichtvorhandensein von Sozialkontakten außer meinem Partner (Labilität, kleiner Streit mit meinem Freund -> existenzielle Angst, bald komplett allein dazustehen). Und davon, dass ich den Kontakt zu meiner Familie abbrach, weil ich mich von ihr "gehasst fühle". Und von meinen >50% Fehlzeiten in der Oberstufe (fast 100% davon unentschuldigt), deretwegen ich eigentlich die Abiturzulassung gar nicht hätte erhalten dürfen und die aus meinen sozialen Ängsten und Depressionen resultierten und mir einen schlechten Abiturschnitt bescherten. Vielleicht mag mein Glaube an Gerechtigkeit naiverweise stark sein, aber es darf doch nicht wahr sein, dass man mir womöglich gar nicht die Chance gibt, meine Probleme ausführlich darzulegen? (Die Zeit bei meinem Psychiater ist immer stark limitiert - natürlich kennt er nicht meine gesamte Lebensgeschichte und alle erlittenen Einschränkungen)

      Oder bewerte ich das Schreiben über, und es wird bei Diskrepanzen zwischen dem Gesagten beider Parteien doch zu einer Begutachtung kommen?

      The post was edited 1 time, last by Lissy ().

    • Natürlich wird die Gegenseite regelmäßig sagen, dass alles richtig gemacht wurde.

      Ich würde zumindest annehmen, dass bei anhaltender Diskrepanz das Gericht ein Gutachten in Auftrag geben wird. Ob es dann auch ein GUTachten wird, "steht auf einem anderen Blatt" (RW) Und ob deine Weißkittelaversion sich dabei nachteilig für dich auswirkt, vermag ich nicht zu beurteilen. Ich würde es aber nicht ausschließen.
      "In das Popcorn, das Sie gerade essen, hat wer reingepisst!" (Kentucky Fried Movie)


      "Sind Sie Polizisten?" "Nein, Ma'am. Wir sind Musiker!" (The Blues Brothers)
    • thelord wrote:

      Natürlich wird die Gegenseite regelmäßig sagen, dass alles richtig gemacht wurde.

      Ich würde zumindest annehmen, dass bei anhaltender Diskrepanz das Gericht ein Gutachten in Auftrag geben wird. Ob es dann auch ein GUTachten wird, "steht auf einem anderen Blatt" (RW) Und ob deine Weißkittelaversion sich dabei nachteilig für dich auswirkt, vermag ich nicht zu beurteilen. Ich würde es aber nicht ausschließen.
      Danke für deine Antwort.

      Es stimmt durchaus, dass mein Psychiater die relevanten Punkte fast alle nicht erwähnte - weil er sie nicht wusste. Ich bin ja seit einem Jahr erst bei ihm in Behandlung, meine Termine dauern meist nur 10 Minuten.

      Habe ich denn in dem Fall, dass das Gericht ein Urteil "nach Aktenlage" (ohne neues Gutachten) fällt, die Option einer Revision o.ä.?
      Und es sollte doch verständlich sein, dass ich als soziophober, exzentrischer Mensch, der nicht einmal stressarm telefonieren kann, mit Eltern, die keinerlei notwendige medizinische Maßnahme einleiteten (s. total schiefe Zähne) und selbst so weltfremd waren, dass fast alle Außerfamiliären als "böse" galten, nicht früher ärztliche Hilfe in Anspruch genommen habe... ich hatte jahrelang absolut keine gleichaltrigen Kontakte und war trotz wohl offensichtlich "guter Intelligenz" nur auf einer Hauptschule, hatte dort und auch im Abitur sehr viele Fehlzeiten :nerved: Sorry, hier im Forum kann dafür natürlich niemand etwas, aber es regt mich wieder massiv auf...
    • Lissy wrote:

      Sorry, dass ich das Thema noch mal aufgreife :oops: Aber wen es nervt, der muss es ja nicht lesen. ;)

      Die Gegenseite kam nun "zum Zug" und argumentierte (erneut), dass anhand dessen, was mein Psychiater geschrieben hatte, nicht von einer "konstanten, therapieresistenden schweren Störung" auszugehen sei; außerdem, was ich sehr wichtig fand, dass meine Komorbiditäten (wenn ich das denn richtig verstehe) keine Berücksichtigung fänden! Ich zitiere: "Nach den Vorgaben der VersMedV soll das Funktionssystem Gehirn einschließlich Psyche im Allgemeinen zusammenfassend beurteilt werden. Im Falle psychischer Komorbidität ist die Bewertung jeder einzelnen psychischen Störung und eine dann folgende höhere GdB '-Beurteilung der psychischen Gesamtstörung nicht vorgesehen. Im Funktionssystem Psyche erfolgt die GdB-Bewertung in der. Regel anhand der resultierenden Einschränkürigen der Eriebnis- und "Gestaltungsfähigkeit," der resultierenden sozialen und beruflichen Anpassungsschwierigkeiten. Die im Befund des Psychiaters (Bl. 8 d. A.) beschriebenen Einschränkungen sind nicht vergleichbar mit konstanten, therapieresistenten schweren psychischen Störungen. Um Wiederholungen zu vermeiden, wird nochmals auf die gutachtliche Stellungnahme vom ... verwiesen."
      War nicht auch ADHS dabei? Bei Autismus sind die komorbiden psychischen Störungen jedenfalls ausdrücklich als gesondert zu berücksichtigen genannt.

      Lissy wrote:

      Habe ich denn in dem Fall, dass das Gericht ein Urteil "nach Aktenlage" (ohne neues Gutachten) fällt, die Option einer Revision o.ä.?
      Berufung.
      Aber das wird ein Gutachten geben.
    • Waspie wrote:

      Lissy wrote:

      Sorry, dass ich das Thema noch mal aufgreife :oops: Aber wen es nervt, der muss es ja nicht lesen. ;)

      Die Gegenseite kam nun "zum Zug" und argumentierte (erneut), dass anhand dessen, was mein Psychiater geschrieben hatte, nicht von einer "konstanten, therapieresistenden schweren Störung" auszugehen sei; außerdem, was ich sehr wichtig fand, dass meine Komorbiditäten (wenn ich das denn richtig verstehe) keine Berücksichtigung fänden! Ich zitiere: "Nach den Vorgaben der VersMedV soll das Funktionssystem Gehirn einschließlich Psyche im Allgemeinen zusammenfassend beurteilt werden. Im Falle psychischer Komorbidität ist die Bewertung jeder einzelnen psychischen Störung und eine dann folgende höhere GdB '-Beurteilung der psychischen Gesamtstörung nicht vorgesehen. Im Funktionssystem Psyche erfolgt die GdB-Bewertung in der. Regel anhand der resultierenden Einschränkürigen der Eriebnis- und "Gestaltungsfähigkeit," der resultierenden sozialen und beruflichen Anpassungsschwierigkeiten. Die im Befund des Psychiaters (Bl. 8 d. A.) beschriebenen Einschränkungen sind nicht vergleichbar mit konstanten, therapieresistenten schweren psychischen Störungen. Um Wiederholungen zu vermeiden, wird nochmals auf die gutachtliche Stellungnahme vom ... verwiesen."
      War nicht auch ADHS dabei? Bei Autismus sind die komorbiden psychischen Störungen jedenfalls ausdrücklich als gesondert zu berücksichtigen genannt.

      Lissy wrote:

      Habe ich denn in dem Fall, dass das Gericht ein Urteil "nach Aktenlage" (ohne neues Gutachten) fällt, die Option einer Revision o.ä.?
      Berufung.Aber das wird ein Gutachten geben.
      Ja, genau. ADHS wird, wie ich das verstehe, als "Hauptdiagnose" verstanden, "depressive" und "Angststörung" als Komorbidität; mein Psychiater wandte sich noch einmal ans SG und schrieb, dass es sich um gesonderte Erkrankungen handele, eine gemischt ängstlich-depressive Störung sowie eine ängstlich-vermeidende PS. Eine Autismusdiagnose habe ich noch gar nicht, aber ich habe Frau Dr. Nedjat aus Münster kontaktiert und hoffe, dass ich noch Antwort (und vielleicht eine Diagnose, obwohl ich die Kriterien nach ICD-10 fast alle nicht zu erfüllen scheine...) erhalten werde. Leider sind auch meine Panikattacken und Tics noch nicht erwähnt worden - auch habe ich gar keinen Depressionstest mehr gemacht, der in diesem Thread erwähnte Beck'sche Depressionstest ergab jedenfalls selbst bei kritischer Betrachtung der Symptome eine (beginnende) schwere Depression :nerved:

      Kann das Gericht Berufung verunmöglichen? Oder habe ich die Chance sicher?