Das "Innere Team" bei Autisten

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    • Das "Innere Team" bei Autisten

      Hallo,

      vielleicht kennen manche von euch die Ansätze bezüglich des „Inneren Teams“ nach Friedemann Schulz von Thun. Falls nicht und bei Interesse daran: amazon.de/Miteinander-reden-Ba…65587508&s=gateway&sr=8-5

      Ich finde das mit dem "Inneren Team" total hilfreich und wende das an, wenn ich in Situationen nicht durchblicke und nicht weiterweiß. Ist so ein bißchen do-it-yourself Therapie für mich.

      Jedenfalls habe ich nun einen Text von Brit Wilczek, die Psychotherapeutin ist und gerade „Wer ist hier eigentlich autistisch?“ veröffentlicht hat, entdeckt: cx-services.com/htx12/teile18.…ogramm_detail&DETAIL=W072 Darin schreibt sie: "Eine zentrale Rolle spielt dabei in vielen Teams ein Mitglied, das als „Hüter der Würde“ auf Situationen reagiert, welche die Würde in Frage stellen."

      Das trifft bei mir zu 100% zu und ich wollte mal fragen, ob auch ihr das kennt? Dass für euch was total schlimm ist, weil ihr euch in eurer Würde verletzt fühlt?
      Surprised by the joy of life.
    • Hier: Brit Wilczek - Wer ist hier eigentlich autistisch?: Ein Perspektivwechsel
      wurde auch schon darüber gesprochen. Wobei ich glaube, dass jeder Mensch eine Verletzung seiner Würde schlimm findet... aber vielleicht unterschiedlich darauf reagiert. Kurz gesagt: Ich glaube, der Satz, "...dass für euch was total schlimm ist, weil ihr euch in eurer Würde verletzt fühlt" in der Allgemeinheit auf nahezu jeden Menschen zutrifft.
    • Ich bin eher die "Hüterin der allgemeinen Werte nach der Menschenrechtskonvention" sowie des Einhaltens selbst gegebener Regeln, die eben nicht nur für andere gelten dürfen während man für sich selbst dann Ausnahmen zulässt und sich die Legitimation dafür zusammenkonstruiert aus dem beliebten "weil die anderen...die so böse...".

      Ausnahmen bestätigen nicht die Regeln, sondern sagen nur "die Regel gilt eben doch nicht, wir tun nur so, und wer sich an was zu halten hat, ist eine Frage der Macht und der vorhandenen Mittel, diese Machtmittel willkürlich für die jeweiligen eigenen Interessen gegen andere einzusetzen "

      Das muss gar nicht mich betreffen.

      Zum Glück habe ich einen kleinen Rahmen, in dem das sogar gewünscht ist und auch manchmal eingefordert wird mit "schhau mal drüber", aber überall sonst muss ich dann mit, auch machmal heftigem, "Gegenwind" rechnen
      "AS? Sie wirken gar nicht so" -"Danke für die Bestätigung und Anerkennung all der geleisteten Arbeit, die dahinter steckt :) ".
    • Surprised wrote:

      Das trifft bei mir zu 100% zu und ich wollte mal fragen, ob auch ihr das kennt? Dass für euch was total schlimm ist, weil ihr euch in eurer Würde verletzt fühlt?
      Kann mich hier wohl einreihen.
      Erster Schultag auf dem Berufskolleg war eine Totalentgleisung weil ein Mitschüler irgendwas (weiß nicht mehr was genau) aber abfälliges gesagt hat und ich den voll zur Schnecke (RW) gemacht hab und der Lehrer meine Reaktion nicht verstand. Ich wollte von anfang an klar machen das ich mich nicht schlecht von anderen behandeln lasse, nach meinen vorriegen Erfahrungen wo ich immer irgendwie irgendwann gemobbt wurde wenn ich in eine neue Klasse kam, wollte ich es diesesmal nicht soweit kommen lassen, also hab ich den ernsthaft ermahnt und sagte dem Lehrer dann das wir hier doch keine Kleinkinder mehr sind und auch in späteren Arbeitsverhältnissen solches Verhalten nicht mehr gebilligt wird sonst würde man es doch schwer haben.
      So damals meine Logik.
      Heute weiß ich das es scheinbar völlig normal ist auch an Arbeitsplätzen andere zu mobben und wegzuekeln :m(:
      Ich frage mich wozu man eigentlich in einem Team arbeitet. Eine Firma besteht aus mehreren leuten die zusammen halten sollten, sonst ist eine gescheite Arbeit bzw ein gutes Ergebniss doch garnicht zu erwarten und darum geht es doch am ende, um Geld zu verdiehnen, was nur geht wenn man den Kunden glücklich machen.
      Keiner arbeitet anständig oder gut wenn sich die Leute in der Firma nur gegenseitig transalieren.
      Es gibt auch andere Firmen aber in manchen Firmen scheint Mobbing normal zu sein, es muss unter 10 Leuten ja nur ein A*** dazwischen sein der sowas macht und wenn es wie in der Regel so ist, keiner sich hinter das Opfer stellt, wird das gebilligt oder sogar mitgemacht...
      In der Firma wo meine Mutter arbeitet war das einmal auch der Fall, da musste fast die komplette Belegschaft gefeuert werden.
    • Happy to be wrote:

      Ich bin eher die "Hüterin der allgemeinen Werte nach der Menschenrechtskonvention" sowie des Einhaltens selbst gegebener Regeln, die eben nicht nur für andere gelten dürfen während man für sich selbst dann Ausnahmen zulässt und sich die Legitimation dafür zusammenkonstruiert aus dem beliebten "weil die anderen...die so böse...".

      Ausnahmen bestätigen nicht die Regeln, sondern sagen nur "die Regel gilt eben doch nicht, wir tun nur so, und wer sich an was zu halten hat, ist eine Frage der Macht und der vorhandenen Mittel, diese Machtmittel willkürlich für die jeweiligen eigenen Interessen gegen andere einzusetzen "
      So geht es mir auch. Aber ich hätte das nicht so gut formulieren können wie du.

      Happy to be wrote:

      Zum Glück habe ich einen kleinen Rahmen, in dem das sogar gewünscht ist und auch manchmal eingefordert wird mit "schhau mal drüber",
      Wow! In welcher Branche bist du denn tätig? Oder ist das nur bei euch so? Ich hatte das auch mal an einem Arbeitsplatz, das war echt gut.

      RegenbogenWusli wrote:

      In der Firma wo meine Mutter arbeitet war das einmal auch der Fall, da musste fast die komplette Belegschaft gefeuert werden.
      Also die mobbende Belegschaft wurde gefeuert? Dann war das ja gewissermaßen ein "Happy End".
      Surprised by the joy of life.
    • @Surprised

      es handelt sich um eine kleine Nische in den sozialen Bewegungen - denn auch da wird ja oft mit zweierlei Maß gemessen. Während andere anderes "leisten" ist das eben eher mein Beitrag, und andere "Leistungen" kommen vo mr eher sporadisch, so alle Jubeljahre mal.

      In meinem Job habe ich das allerdings auch konsequent gelebt. Wer von mir erwartet, dass ich Kommunikationstechnniken lehre oder jemanden coache, der zum eigenen Vorteil Ungerechtigkeiten installieren will bzw die einsetzen will, um Machterwerbswillen zu verschleiern, da lehne ich den Auftrag einfach ab.
      Leider sind diese meist die zahlungskräftigen mit "Connections"".
      Tja, und so wurde ich nie "reicht und berühmt" :fun:

      Ich kenne es aus Betrieben, dass sowohl Mobber wie gemobbte entlassen werden.
      Doe Mobber, klar warum.
      Aber auch die gemobbten, da diese meist so viele Stärungen entwickelt haben, so empfinndlich geweorden sind, dass sie in immer Mobbing hineinsehen, weil bei jedem Ähnlich gelich aall diie Gefühle aus dem Mobbing mit hoch kommen, wirken und dann deren REakktionen bestimmen.
      Ein Grund, warum jemand, der gemobbt wurde, sehr schnell wieder in sowas landet.
      Denn hier sehen sich dann ja die, die gar nicht mobben, sondern nur etwas anmerken, eine Kritik haben, oder nur so eine Bemerkung machen, ungerecht verurteilt - was dann dort wieder Abwehrreaktionen hervorrufen kann....

      Ich würde mir wünschen, dass Betriebe sich mal an ihre eigene Firmenphilosiphie wrklich halten und sofort bei den ersten Anzeichen eingreifen, anstatt abzuwarten, bis es "zu viel" wird - denn jedes bisschen ist schon zu viel.
      "AS? Sie wirken gar nicht so" -"Danke für die Bestätigung und Anerkennung all der geleisteten Arbeit, die dahinter steckt :) ".
    • Surprised wrote:

      Also die mobbende Belegschaft wurde gefeuert? Dann war das ja gewissermaßen ein "Happy End".
      Ja richtig, aber auch nicht ganz. Die gemobbte wurde auch entlassen, ich weiß aber nicht mehr warum. Bis auf 2 Leute (meine Mutter war eine davon) wurden alle durch neue Leute ersetzt.
      Die Cheffin von meine Mutter ist echt correckt, ich weiß nicht wie ich das sonst ausdrücken soll. ich kenne sie selber auch, war damals immer mit im Laden wenn ich Samsatgs meine Mutter besuchen durfte und warten musste bis sie frei hat. Sie hat meine Mutter auch öfter mal mit dem Auto wohin gefahren und anderes Dinge.
      Sie arbeitet jetzt schon fast 20 jahre in dem Salon.
      Das liegt aber auch denke ich daran das der Laden gut geht. Sie hat einen Mann der sich mit Marketing gut auskennt, der hatte den Laden richtig bergauf gebracht denn zuerst lief er eher mittelmäßig. Jetzt läuft der so gut das die sogar zwei weitere Läden aufgemacht haben. Die Chefin beklagt sich leider nur sehr oft darüber das es schwer ist gute Mitarbeiter zu finden.
      Inzwischen hat sich das wohl etwas eingespielt. Die haben zwei dunkelhäutige, eine Türkin und noch ein paar andere neben meiner Mutter die jetzt schon länger da sind. Vorher haben die oft die Leute nicht halten können. Es waren oft Leute die einmal da waren und dann einfach nicht mehr kamen, oder eine Ausbildung abbrachen aus diversen Gründen (war nichts für sie, zu ansträngend, eine konnte nicht rechnen bzw sich nichts merken, eine wurde schwanger etc...) und manche waren eingeladen, kamen aber nie. Sie sagte einmal das man vom Arbeitsamt geschickte Leute vergessen kann, da war nie einer dabei der es ernst meinte, die hätten sich beschwert das sie tatsächlich was tun müssen.
    • @Surprised

      Ich finde es interessant, sich allgemein zu überlegen, was das "innere Team" bei Autisten sein könnte (falls man das so pauschal sagen kann). Ich kenne den Begriff "inneres Team" allerdings nicht von Schulz von Thun, aber ähnliche Ansätze beispielsweise aus der Schematherapie und Ego-State-Therapie.

      Surprised wrote:


      Darin schreibt sie: "Eine zentrale Rolle spielt dabei in vielen Teams ein Mitglied, das als „Hüter der Würde“ auf Situationen reagiert, welche
      die Würde in Frage stellen."


      Das trifft bei mir zu 100% zu und ich wollte mal fragen, ob auch ihr das kennt? Dass für euch was total schlimm ist, weil ihr euch in eurer
      Würde verletzt fühlt?
      Bislang las ich noch nichts speziell von einem Anteil in Bezug auf die Würde, aber ich finde diesen Ansatz extrem interessant. Auf mich trifft das auch 100% zu (neben vielen anderen Anteilen wie beispielsweise "Selbstbestrafer", "Perfektionist", "einsames Kind"(ich weiß den genauen Ausdruck nicht mehr) etc.). Ich würde sogar fast behaupten, dass ich ein relativ friedfertiger Mensch bin, bis.... ja, es könnte sein, bis ich mich in meiner Würde bedroht fühle oder wenn irgendetwas ungerecht zugeht oder sich widerspricht. Das mit der Würde ist in jedem Fall auch ein gewichtiger Grund.

      Wenn ich der Meinung bin, dass mich jemand nicht mit Respekt behandelt (mir z. B. also nicht glaubt und die Worte im Mund verdrehen will oder mich gering schätzt oder mich pauschal abwertet, weil ich einer bestimmten Personengruppe angehöre oder sich vordrängelt), dann könnte ich explodieren und bekomme teilweise so starke Impulse, dass ich am liebsten handgreiflich werden würde.

      Was bedeutet das nun für dieses innere Team? Hast du auch gelesen, wie man damit umgehen kann bzw. was dieser Anteil braucht? Wut (auch wegen verletzter Würde) deutet ja darauf hin, dass man etwas braucht.

      Hier einige Ideen:
      • In diesem Fall würde es doch Sinn ergeben, wenn man nach außen kommuniziert, dass man sich in seiner Würde nicht so verletzen lässt, oder?
      • Man könnte möglicherweise auch üben, genauer hinzuschauen, ob da wirklich die eigene Würde in Gefahr ist oder ob man nur überreagiert (dann wäre die Frage, wie man solche Überreaktionen eindämmen kann)
      MIch würde vor allem interessieren, woher das Gefühl der verletzten Würde kommt. Es scheint z. B. bei mir nicht erst in der jeweiligen Situation zu entstehen, sondern es wird etwas viel Tiefschichtigeres und Älteres angetriggert. Auch das hat möglicherweise nicht direkt etwas mit Autismus zu tun. Ich könnte mir aber vorstellen, dass viele Menschen mit ASS würdelos behandelt wurden, indem man ihnen die eigenen Wahrnehmung abzusprechen versuchte und sie nicht ernst nahm. Wenn so häufig auf der Würde herumgetrampelt wird, wird man dann möglicherweise sehr feinfühlig dahingehend oder ist es vielleicht vorher schon sehr sensibel, was die eigene Würde betrifft.

      Hat jemand Ideen, wie das Gefühl der verletzten Würde entstehen könnte? (außer dadurch, dass man immer falsch eingeschätzt wurde?) Ich wurde und werde z. B. extrem oft unterschätzt, was auch erheblich an meiner Würde kratzt.
    • FruchtigBunt wrote:

      Was bedeutet das nun für dieses innere Team? Hast du auch gelesen, wie man damit umgehen kann bzw. was dieser Anteil braucht?

      FruchtigBunt wrote:

      In diesem Fall würde es doch Sinn ergeben, wenn man nach außen kommuniziert, dass man sich in seiner Würde nicht so verletzen lässt, oder?

      Man könnte möglicherweise auch üben, genauer hinzuschauen, ob da wirklich die eigene Würde in Gefahr ist oder ob man nur überreagiert (dann wäre die Frage, wie man solche Überreaktionen eindämmen kann)

      FruchtigBunt wrote:

      MIch würde vor allem interessieren, woher das Gefühl der verletzten Würde kommt. Es scheint z. B. bei mir nicht erst in der jeweiligen Situation zu entstehen, sondern es wird etwas viel Tiefschichtigeres und Älteres angetriggert. Auch das hat möglicherweise nicht direkt etwas mit Autismus zu tun. Ich könnte mir aber vorstellen, dass viele Menschen mit ASS würdelos behandelt wurden, indem man ihnen die eigenen Wahrnehmung abzusprechen versuchte und sie nicht ernst nahm. Wenn so häufig auf der Würde herumgetrampelt wird, wird man dann möglicherweise sehr feinfühlig dahingehend oder ist es vielleicht vorher schon sehr sensibel, was die eigene Würde betrifft.
      Du hast spannende Fragen und gute Ideen!

      Ich sehe das im Prinzip genauso wie du. Ich habe auch (noch) keinen Weg gefunden damit umzugehen, wenn ich mich in meiner Würde verletzt sehe, doch der Ansatz, der für mich persönlich am ehsten trägt ist ein religiöser. Also ich gehe davon aus, dass Gott mich geschaffen hat, so wie ich bin und dass Er mich liebt und für mich da ist, egal wie andere mich sehen, und dass Er für mich sorgen wird. Das gibt mir Halt. Es gibt so eine Stelle in der Bibel, wo die rhetorische Frage "Was können Menschen mir antun?" gestellt wird. Und ich merke, dass im Endeffekt Menschen (in unseren Breitengraden) kaum etwas von dem zerstören können, was mir wirklich viel gibt.

      Bildlich gesprochen gibt es bei mir drei Schichten: Die Oberfläche, die für andere sichtbar ist, die tiefere Schicht und der Kern. Das was ich eben beschrieb empfinde ich im Kern. Doch ich kenne es nur zu gut, dass die Oberfläche und die tiefere Schicht verletzt werden.
      Surprised by the joy of life.
    • Surprised wrote:

      Ich habe auch (noch) keinen Weg gefunden damit umzugehen, wenn ich mich in meiner Würde verletzt sehe, doch der Ansatz, der für mich persönlich am ehsten trägt ist ein religiöser. Also ich gehe davon aus, dass Gott mich geschaffen hat, so wie ich bin und dass Er mich liebt und für mich da ist, egal wie andere mich sehen, und dass Er für mich sorgen wird. Das gibt mir Halt. Es gibt so eine Stelle in der Bibel, wo die rhetorische Frage "Was können Menschen mir antun?" gestellt wird. Und ich merke, dass im Endeffekt Menschen (in unseren Breitengraden) kaum etwas von dem zerstören können, was mir wirklich viel gibt.
      Oh. Ich habe keinen Glauben, aus dem ich Kraft und Zuversicht ziehen könnte. Ich finde es irgendwie bewundernswert, wenn man glauben kann.

      Was du zu den drei Schichten schreibst, habe ich in ähnlicher Form auch schon gelesen. Dass es einen Kern gäbe, der nicht verletzt werden könne. Ich hatte mal in einem religilös angehauchten Buch gelesen, dass es Menschen gibt, die trotz schwerer Misshandlungen in ihrem Kern unversehrt geblieben seien, aber ich glaube das irgendwie nicht. Sie sind möglicherweise resilienter als andere, aber dass schlimme Dinge nicht bis zu diesem Kern vordringen können und dass dieser unversehrt bleibt, das kann ich mir nicht vorstellen und für mich ist das irgendwie so, als würde man vorgeworfen bekommen, dass man sich eben nur hätte besser in diesem Kern schützen müssen. :| Ein schlimmes Ereignis erschüttert einen doch durch und durch. Aber vielleicht sehe ich das auch nur so, weil mir dieser sichere Kern fehlt, da sich bei mir wegen dieser Bindungstraumatisierungen wohl nie wirkliches Vertrauen (in die Welt, in andere Menschen, in mich selbst) entwickeln konnte. Vielleicht ist es so, dass bei allen traumatisierten Menschen dieser Kern in Mitleidenschaft gezogen wurde und bei denjenigen, die die Sachen aus diesem Kern draußen halten konnten, entwickelten sich keine Traumafolgestörungen. :roll:

      Um deine Idee aufzugreifen: Ich habe keine Ahnung, ob ich es schaffen kann, in mir so einen Kern zu schaffen, in dem die Würde erhalten bleibt, egal, wie Menschen mit mir umgehen oder was mir widerfährt. Und wie das geht, weiß ich leider auch nicht. Die Idee finde ich trotzdem interessant, sich so einen Bereich neu zu schaffen. Dass man sich denkt: "auch wenn mir andere Menschen durch ihre Taten bisher gezeigt haben, dass dieser Bereich in mir nicht existieren darf --> ich entscheide, dass es diesen Bereich gibt." Vielleicht geht das doch. Es klingt so banal und wenn man den Schritt geschafft hat, wirkt es vermutlich auch banal, aber dort erstmal hinzukommen, ist vermutlich sehr schwer. Denn man muss ja alles über den Haufen werfen, was einem bisher so als "Realität" verkauft wurde und permanent gegen Trigger ankämpfen.

      Da das aber nur noch am Rande etwas mit Autismus zu tun hat, sollte ich das besser irgendwo anders überlegen. Vielleicht gibt es ja noch mehr Literatur zu diesem inneren Team speziell bei Autisten? :roll: Ich kann dazu leider nicht so viel beitragen.
    • FruchtigBunt wrote:

      Was du zu den drei Schichten schreibst, habe ich in ähnlicher Form auch schon gelesen. Dass es einen Kern gäbe, der nicht verletzt werden könne. Ich hatte mal in einem religilös angehauchten Buch gelesen, dass es Menschen gibt, die trotz schwerer Misshandlungen in ihrem Kern unversehrt geblieben seien, aber ich glaube das irgendwie nicht. Sie sind möglicherweise resilienter als andere, aber dass schlimme Dinge nicht bis zu diesem Kern vordringen können und dass dieser unversehrt bleibt, das kann ich mir nicht vorstellen und für mich ist das irgendwie so, als würde man vorgeworfen bekommen, dass man sich eben nur hätte besser in diesem Kern schützen müssen. Ein schlimmes Ereignis erschüttert einen doch durch und durch.
      Ich habe mich mal etwas mit Märtyrern und Widerstandskämpfern beschäftigt und ich hatte den Eindruck, dass recht viele davon religiös waren. Aber das mag daran liegen, dass zu deren Lebzeiten eben fast jeder religiös war. Ich denke relevant ist auf alle Fälle, dass Menschen schon früh positive Bindungserfahrungen machen konnten, hinzu kommt dann vielleicht wirklich der hilfreiche Glaube, dass es etwas Größeres gibt, dass da irgendwo ein "Mehr" an Sinn ist. In meiner Sprache ist das Gott, doch andere nennen das Naturgeist, Universum oder sonst wie. Ich vermute weil ihnen dies Kraft, Vertrauen und Hoffnung gibt, schließen sich Menschen z.B. in paganen Wegen zusammen, die es jetzt eher nicht so mit den christlichen Kirchen haben.

      FruchtigBunt wrote:

      Um deine Idee aufzugreifen: Ich habe keine Ahnung, ob ich es schaffen kann, in mir so einen Kern zu schaffen, in dem die Würde erhalten bleibt, egal, wie Menschen mit mir umgehen oder was mir widerfährt. Und wie das geht, weiß ich leider auch nicht. Die Idee finde ich trotzdem interessant, sich so einen Bereich neu zu schaffen.
      Bei mir ist das zum Teil ziemlich konkretistisch. Also mir ist es wichtig, dass ich in meiner Wohnung bleiben könnte, selbst wenn ich mal auf Sozialhilfe angewiesen sein sollte, dass ich mir den Eintritt ins Schwimmbad leisten kann, dass ich in den Wald kann und es gelegentlich mal ein Stück Kuchen gibt. Das sind Dinge, die mir viel Freude bereiten und viel geben. Das wärmt und stärkt den Kern.


      FruchtigBunt wrote:

      Da das aber nur noch am Rande etwas mit Autismus zu tun hat, sollte ich das besser irgendwo anders überlegen.
      Naja, hat schon viel mit dem Thema des Threat zu tun, denke ich.
      Um auf Innere Team zurückzukommen: Wenn ich mich richtig erinnere, war eine Idee von Schulz von Thun, dass die einzelnen Teammitglieder miteinander ins Gespräch kommen und sich stärken. Und bei mir ist das dann wohl das Teammitglied, das sagt "Was können Menschen dir antun?"

      FruchtigBunt wrote:

      Da das aber nur noch am Rande etwas mit Autismus zu tun hat, sollte ich das besser irgendwo anders überlegen.
      Surprised by the joy of life.

      The post was edited 1 time, last by Surprised: Versucht Zitatdoppelung rauszukriegen, hat technisch nicht geklappt. :-( ().

    • Surprised wrote:

      FruchtigBunt wrote:

      Um deine Idee aufzugreifen: Ich habe keine Ahnung, ob ich es schaffen kann, in mir so einen Kern zu schaffen, in dem die Würde erhalten bleibt, egal, wie Menschen mit mir umgehen oder was mir widerfährt. Und wie das geht, weiß ich leider auch nicht. Die Idee finde ich trotzdem interessant, sich so einen Bereich neu zu schaffen.
      Bei mir ist das zum Teil ziemlich konkretistisch. Also mir ist es wichtig, dass ich in meiner Wohnung bleiben könnte, selbst wenn ich mal auf Sozialhilfe angewiesen sein sollte, dass ich mir den Eintritt ins Schwimmbad leisten kann, dass ich in den Wald kann und es gelegentlich mal ein Stück Kuchen gibt. Das sind Dinge, die mir viel Freude bereiten und viel geben. Das wärmt und stärkt den Kern.
      Hm, dann machst du dich aber stark abhängig vom außen. Denn was tust du, wenn du diese Dinge nicht mehr tun kannst, weil der Staat eben seine Gesetze so macht oder die Marktwirtschaft dazu führt, dass man sich das alles nicht mehr leisten kann? Dann würde ja diese Würde flöten gehen. :? Ich finde es gut, wenn man sich solche Dinge leisten kann und ich glaube, dass man dadurch Selbstwert aufbauen kann, aber ich glaube nicht, dass das eine stabile Grundlage für die eigene innere Würde ist, weil es mir zu sehr vom Außen abhängig wäre. Das ist mir zu bedrohlich, denn mal angenommen, hier würde alles zusammenbrechen und ich müsste aus der Wohnung raus und unter der Brücke oder Notunterkunft leben und Essen aus den Müllcontainern holen, dann würde ja meine Würde sofort zusammenbrechen. Das wäre schlecht. Also ich suche eine Art Würde in diesem inneren Kern, den man schaffen kann, damit das selbst bei solchen Ereignissen unangetastet bleiben würde. :| Ich denke aber vermutlich wieder viel zu theoretisch.

      Surprised wrote:

      FruchtigBunt wrote:

      Da das aber nur noch am Rande etwas mit Autismus zu tun hat, sollte ich das besser irgendwo anders überlegen.
      Naja, hat schon viel mit dem Thema des Threat zu tun, denke ich.Um auf Innere Team zurückzukommen: Wenn ich mich richtig erinnere, war eine Idee von Schulz von Thun, dass die einzelnen Teammitglieder miteinander ins Gespräch kommen und sich stärken. Und bei mir ist das dann wohl das Teammitglied, das sagt "Was können Menschen dir antun?"
      Ah okay. Dann soll man in dem Moment, wo man glaubt, nur aus diesem "würdeverletzten Teil" zu bestehen, sich vergegenwärtigen, dass man auch noch aus anderen Teilen besteht, in dem man eine Distanz schafft zu dem würdeverletzten Teil, indem man die anderen Teile auch zu Wort kommen lässt. Hm. Das könnte sein. Ich finde die Idee ganz gut, den würdeverletzten Teil dann zu fragen "Was können Menschen dir antun?". Aber bei mir ist es immer so, wenn ich in so einem Meltdown oder Trigger oder wie man das auch nennen will, drin bin, wo ich meine Würde so bedroht sehe, dass ich mich dann fühle, als sollte ich vernichtet werden. Das würde dieser Teil dann vermutlich auch sagen. Ob das dann trotzdem hilfreich wäre, weiß ich nicht. Aber vielleicht würde der andere Teil dann sagen "nein, diese Menschen werden dich nicht vernichten. Sie mögen böse oder unaufmerksam sein, aber sie werden dich nicht vernichten." :| Ob der würdeverletzte Teil das dann glaubt, ist die andere Frage.
      Der Ansatz ist aber gut, finde ich.

      Man kommt dadurch womöglich aus dieser Ohnmacht raus und merkt, dass man noch aus etwas anderem als diesem würdeverletzten Teil besteht. Ich glaube, ich spalte mich in solchen für mich schlimmen Alltagssituationen (jemand drängelt sich vor etc.) eben oft auf und verliere den Bezug zu den "gesunden Anteilen". In dem die einzelnen Teile miteinander 'sprechen' (in Gedanken oder laut), könnte man versuchen, die Einheit wieder herzustellen. Das macht man, soweit ich weiß, in einer Traumatherapie. Ich denke, es kann nicht falsch sein, das auch selbst zu üben.

      The post was edited 1 time, last by FruchtigBunt ().

    • filipendula wrote:

      Hier: Brit Wilczek - Wer ist hier eigentlich autistisch?: Ein Perspektivwechsel
      wurde auch schon darüber gesprochen.
      Weiß eigentlich jemand, ob das Innere Team auch im Buch von Brit Wilczek behandelt wird? Weil ich habe mir inzwischen das Buch gekauft, konnte beim ersten Durchblättern nichts entsprechendes entdecken und habe gerade keine Zeit, um alles zu lesen.
      Surprised by the joy of life.