Wie geht ihr mit plötzlichen Enttäuschungen um?

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    • Wie geht ihr mit plötzlichen Enttäuschungen um?

      Erinnert ihr euch noch an den Artikel mit dem autistischen Jungen der einen Anfall im Freizeitpark bekommen hat, weil er die Spidermanachterbahn nicht fahren konnte, auf die er sich so lange gefreut hatte.

      Genauso fühle ich mich auch. Ich habe Stiche im Bauch und möchte schreien und so.

      Und das geht nicht weg. Jetzt muß ich mit diesen Gefühl in der Arbeit rumhängen und wahrscheinlich wird mir das den Abend versauen und vielleicht kann ich nicht schlafen.

      Nein, ich bin kein Schwarzseher, eher Optimist, ich spreche hier nur von Erfahrung.

      Wie geht Ihr damit um? Also wenn es so richtig schlimm ist.
      ADHS & Autismus.
    • Gar nicht gut. Ich bin in solchen Fällen den ganzen Tag schlecht drauf.

      Ging mir gerade gestern so - wir hatten einen Kurzurlaub im Oktober geplant, an einem ganz bestimmten Ort, in einem ganz bestimmten Hotel.
      Und dann wollte ich gestern buchen und das Hotel ist schon ausgebucht.

      Es war eigentlich belanglos (wir könnten theoretisch auch woanders hinfahren bzw. auf diesen Kurzurlaub verzichten), praktisch war ich für den Rest des Tages einfach nur sauer und enttäuscht, weil der Plan nicht funktionierte.
      I have my books
      And my poetry to protect me
    • Wenn's richtig schlimm ist und ich zuhause bin, verklopp ich die Matratze. Da kann ich nichts kaputt machen, mich nicht verletzen, laut ist es auch nicht und ich werd meinen Frust los. Ansonsten schimpf und fluch ich rum wie ein Kesselflicker, lauf hin und her und fuchtel mit den Armen. Und manchmal schrei ich auch. So 'ne Art Urschrei. Das hilft auch ganz gut. Das kündige ich auch vorher an, sonst wissen die Leute ja nicht, was los ist. Ich muss die negativen Gefühle in solchen Situationen einfach rauslassen, sonst krieg ich 'nen Meltdown. Manchmal hilft das alles aber auch nicht und ich krieg trotzdem einen. :?
      "Je weniger wir Trugbilder bewundern, desto mehr vermögen wir die Wahrheit aufzunehmen."
      Erasmus von Rotterdam
    • Also ich bin dann sehr gereizt und deutlich empfindlicher in Sachen Umgebungsreize. Ich weiß noch gut, als ich in einer Klausur durchgefallen bin, für die ich wochenlang gelernt hatte. Joa dann müsste ich ins Einkaufszentrum Geschenke besorgen. War gar keine gute Idee, da es mir dann im Zentrum plötzlich zu viel wurde und ich es auch nicht mehr bis zuhauae unterdrücken konnte. Die Folge davon war, dass ich da der Kassiererin ganz schön unfreundliche Sprüche an den Kopf geworfen hatte. Das Netteste war noch was von wegen "nah schlafen wir schon wieder im Stehen?" 8o Muss ich nicht nochmal haben.

      Rusty Mike wrote:

      Wenn's richtig schlimm ist und ich zuhause bin, verklopp ich die Matratze. Da kann ich nichts kaputt machen, mich nicht verletzen, laut ist es auch nicht und ich werd meinen Frust los.
      Beneidenswert. In solchen Situationen zerlege ich mein Lego oder wenn es ganz extrem wirt wische ich das Notebook vom Tisch. Früher "lernte" mein Handy auch mal fliegen und landete an der Wand. Wobei ich dafür so einen Knetball habe, den es dann erwischt.

      Rusty Mike wrote:

      Ansonsten schimpf und fluch ich rum wie ein Kesselflicker, lauf hin und her und fuchtel mit den Armen. Und manchmal schrei ich auch. So 'ne Art Urschrei.
      Ja das kommt mir sehr bekannt vor. Allerdings habe ich das in letzten Jahren ersetzt durch eine Art Mischung aus Hundeknurren und entnervtes Gestöhne.

      Rusty Mike wrote:

      Ich muss die negativen Gefühle in solchen Situationen einfach rauslassen, sonst krieg ich 'nen Meltdown. Manchmal hilft das alles aber auch nicht und ich krieg trotzdem einen. :?
      Ja das kenne ich auch gut. Wobei ich das Immerhin noch so steuern kann, dass mir das dann abends Zuhause passiert und nicht in der akuten Situation.
      Wenn man auf eine Party geht, gibt es immer ein Risiko.

      The post was edited 1 time, last by flori1994 ().

    • Normalerweise bin ich in so einer Situation stundenlang frustriert und kann an nichts anderes mehr denken. Das Beste ist meiner Meinung nach eine Art von Ablenkung, bei der man den Kopf freibekommt, z. B. draußen eine Runde joggen oder Fahrrad fahren.
    • Mir hilft es ausgedehnte Spaziergänge in der Natur zu machen, so kann ich mich von Gedanken lösen, da neues/anderes ins Bewusstsein strömt. Zusätzlich hilft es mir bewusst die Sinne zu benutzen, also an Blumen riechen, Baumrinden betasten oder einfach nur Geräusche lauschen(am besten mit geschlossenen Augen).
    • Ich bin was Enttäuschungen und Rückschläge angeht, sehr leicht frustriert und verunsichert. Dass ich High Sensitiv bin, kommt natürlich noch besonders erschwerend hinzu.
      Das war schon immer so und wird sich wahrscheinlich auch nicht ändern. Ach was schreibe ich da, es wird sich nie ändern..
      Ich kann mich bei sowas nicht beruhigen und denke den ganzen Tag an nichts anderes. Erst vorhin hatte ich bei einer Ärztin, die in Vertretung meiner Hausärztin war
      ein solches Erlebnis der Wut und Enttäuschung und der Resignation. Es ging um ein Attest das ich brauche, das sie mir ausstellen sollte. Sie wollte es nicht.
      Das hat in völliger Resignation und Mutlosigkeit geendet. Jetzt habe ich eben mit meiner Mutter telefoniert, die hat mir wieder Mut gemacht und mich aufgebaut.
      Sie macht das immer so und das tut mir sehr gut. Ich kann nach Telefonaten oder Gesprächen mit ihr wieder klar denken und Mut fassen.
      Deshalb mache ich mir schon seit Jahren immer wieder Gedanken darüber, was ich mache, wenn sie eines Tages mal nicht mehr ist.
      Dann würde mir eine ganz wichtige Stütze fehlen, ich weiß gar nicht, wie ich das auffangen und bewältigen soll. Da kommt noch eine ganz große Aufgabe auf mich zu.
      Ich weiß nicht, ob ich die Aufgabe bewältige. Ich denke, dass ich daran zerbrechen werde.

      Was ich noch habe, ist eine ASB. Da gehe ich einmal die Woche zum Gespräch hin und alles was mit Behören zu tun hat, mit dem dazugehörenden Papierkrieg, mache
      ich auch mit dem ASB Anbieter zusammen.
      Ich hoffe sehr, dass die mir auch eine Hilfe sind, wenn meine Mutter mal verstirbt.
      Mit dem Hausverkauf und der Beerdigung, das muss ja alles ich machen, weil ich alleine bin.
      Wenn ich daran denke, kommt mir das kalte Grausen..
      Da war kein Licht, und die im Dunkeln sieht man doch. Der Zeiger bricht,
      verlorene Zeit bewegt sich noch.
      (Rosenstolz)

      Ich wurde geboren auch wenn ich nicht wollte, ich werde sterben auch wenn ich nicht will, so lasst mich wenigstens leben wie ich will.
    • Mich überwältigen Enttäuschungen ziemlich stark und ich werde dabei meist sehr wütend (ich vermute, dass dahinter das Gefühl von Traurigkeit steckt. Mit Wut ist für mich leichter umzugehen, als mit Trauer). Ich würde behaupten, dass ich mich bei Enttäuschungen nicht mehr wirklich im Griff habe und auch stunden- oder tagelang davon gefangengenommen werden kann. :( Das ist eins der Beispiele dafür, dass Emotionen bei mir voll durchschlagen.

      Vermutlich bin ich teilweise selbst auch mit schuld daran, weil ich mir bei manchen Ereignissen vorher dann ausmale und auch daran glaube, dass die ganz so verlaufen werden und überhaupt nicht auf die Idee komme, dass es nicht so geschehen könnte. Wenn es dann anders geschieht, reißt mir das vollkommen den Boden unter den Füßen weg und ich bin einfach nur noch wie paralysiert. :roll:

      Ich kann aber auch von (für andere Menschen) totalen Nebensächlichkeiten sehr enttäuscht sein, beispielsweise wenn ich zu einer Eisdiele gehe und mir da ein Eis holen will und dann hat die Eisdiele aus irgendeinem Grund an dem Tag geschlossen und da hängt ein Schild "heute geschlossen". In solchen Fällen könnte ich dort die Scheiben einschlagen. Das geht aber vermutlich mehr in Wut, als in Richtung Enttäuschung.

      Mich hat z. B. mal eine mir sehr wichtige Person nicht zu ihrem Geburtstag eingeladen. Das hat mich sehr enttäuscht und unendlich tief gekränkt. Ich war noch Wochen danach in diesem Zustand der Enttäuschung/Kränkung und 'kann' diesen Zustand heute immer noch fühlen. Wenn es mir eh schlecht geht, falle ich wieder komplett in diesen Gefühlszustand zurück. Irgendwie kann ich Enttäuschungen nicht gut abhaken, aber ich glaube, dass das für Menschen mit ASS auch symptomatisch ist. Das las ich erst neulich.

      Für mich (und meine Mitmenschen) macht es das sehr anstrengend. Denn ich verhalte mich da ja tatsächlich manchmal wie ein kleines Kind und habe dann auch schon angefangen zu heulen, wenn ich z. B. an dem Tag mit dem Partner in die Sauna wollte und dann war das wegen irgendeiner blöden Umstellung kein allgemeiner Saunatag mehr, sondern nur ein "Frauensauna-Tag". Ich bin dann so enttäuscht, dass ich deswegen weinen kann und es fühlt sich für mich dann auch an, als würde die Welt zwar nicht untergehen, aber schon so etwas wie kurz davor. :roll: :?
    • Ich kann mich schon mittlerweile , wie Michael schreibt, mit der Zeit ablenken oder umfokussieren.
      Aber erst haut es mich aus den Socken und ich weine und schimpfe.
      Gut geht das im Auto , da geht auch laut.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”

      (Sylvia Boorstein)
    • Linnea wrote:

      Ich kann mich schon mittlerweile , wie Michael schreibt, mit der Zeit ablenken oder umfokussieren.
      Aber erst haut es mich aus den Socken und ich weine und schimpfe.
      Gut geht das im Auto , da geht auch laut.
      Ich bekomme Angst vor dir :fun:

      Bei mir kommt es drauf an, wie groß die möglichen Konsequenzen sind. Wenn viel davon abhängt, belastet es mich schon sehr. Wenn ich sehr verzweifelt bin (nicht so oft), nehme ich mein Bedarfsmedikament (einmalig). Dann geht’s.
    • Ganz, ganz schlecht. Wenn ich allein und zuhause bin, werde ich wütend/traurig und weine oder rede sehr laut mit mir selbst. "War ja wieder klar, ...."

      Wenn ich unterwegs bin oder andere dabei sind, schaffe ich es oft, mich irgendwie zurückzuhalten, aber meine Laune ist dann im Keller und ich bin angespannt. Passieren dann weitere Dinge, die ich nicht mag, wird es immer schlimmer, bis ich mich dann zurückziehe.
    • Vielen Dank für eure Antworten. Es hilft mir sehr, wenn ich sehe, dass es anderen auch so geht.

      Bitteleise wrote:

      Es war eigentlich belanglos
      Das ist auch ein interessanter Punkt, so "aspietypisch". Von aussen kommen die Sachen wie belanglose Kleinigkeiten vor, aber für einen selber bricht die Welt zusammen.
      Irgendwie habt ihr alles zusammengefasst was ich dazu schreiben könnte.

      Rusty Mike wrote:

      Und manchmal schrei ich auch. So 'ne Art Urschrei.
      Das hilft mir auch. Mittlerweile schreie ich in Kissen, weil die Nachbarn mich sicher eh schon für bekloppt halten. (Ausbrüche, Selbstgespräche)

      Ewig suchender Michael wrote:

      so kann ich mich von Gedanken lösen,

      Linnea wrote:

      wie Michael schreibt, mit der Zeit ablenken oder umfokussieren
      Das versuche ich immer. Manchmal klappt es sogar. Aber oft leider nicht.
      ADHS & Autismus.
    • Es bringt mich zunächst aus dem Gleichgewicht.
      Meine ganze Tagesplanung ist kaputt.
      Adrenalin oder was auch immer strömt durch mein Gehirn und ich kann an nichts anderes denken. Ablenkung schwer.
      Was versteht ihr eig unter Schreien, dass ihr laut redet oder wie ein Baby laute Laute von euch gebt, die sprachlich keinen Sinn machen, also meinem Begriff von "Schreien"?
      „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“
      (Aristoteles, griechischer Philosoph, 384 - 322 v. Chr.)
    • Ich kenne das auch mit dem sehr enttäuscht sein. Geht mir jetzt gerade auch so. Enttäuscht und verzweifelt irgendwie. Ich versuche das dann meist damit zu regulieren, dass ich Dinge tue, die mir gut tun. Also ich trinke süße Getränke, die ich mag, esse Kuchen, ziehe meine Lieblings-Herumlümmel-Kleidung an, mache meine Lieblingsmusik an usw.
      Ich glaube bei der Geschichte mit dem Kind im Freizeitpark durfte das Kind sich dann auch in einem Laden was aussuchen oder so. So mache ich es also im Prinzip auch.

      Gustav Ganz wrote:

      Jetzt habe ich eben mit meiner Mutter telefoniert, die hat mir wieder Mut gemacht und mich aufgebaut.
      Das tut mir auch gut, mit Leuten telefonieren, die mitfühlen. Geteiltes Leid ist halbes Leid heißt ja der Ausspruch.

      FruchtigBunt wrote:

      Denn ich verhalte mich da ja tatsächlich manchmal wie ein kleines Kind und habe dann auch schon angefangen zu heulen, wenn ich z. B. an dem Tag mit dem Partner in die Sauna wollte und dann war das wegen irgendeiner blöden Umstellung kein allgemeiner Saunatag mehr, sondern nur ein "Frauensauna-Tag". Ich bin dann so enttäuscht, dass ich deswegen weinen kann und es fühlt sich für mich dann auch an, als würde die Welt zwar nicht untergehen, aber schon so etwas wie kurz davor.
      Kenne ich auch total gut.

      FruchtigBunt wrote:

      Irgendwie kann ich Enttäuschungen nicht gut abhaken, aber ich glaube, dass das für Menschen mit ASS auch symptomatisch ist.
      Das Gefühl habe ich auch.
      Surprised by the joy of life.
    • rowdy wrote:

      Wie geht Ihr damit um? Also wenn es so richtig schlimm ist.
      Mit dem Gefühl einer starken Enttäuschung, so selten mir das auch passiert, kann ich nur ganz schlecht umgehen, das gibt sofort einen emotionalen Overload. Wenns mies läuft, bin ich dann tagelang schlecht gelaunt. Am Anfang können durchaus auch Weinkrämpfe mit im Spiel sein. Da helfen bei mir nur Ablenkung und Musik und Schololade :d
      Verrückt ist der, der immer die gleichen Dinge tut, aber andere Ergebnisse erwartet.
      Im Übrigen bin ich der Meinung, dass das Teilnehmer-Limit von Privatkonversationen verdoppelt werden sollte.
      Dieser Beitrag wurde bereits 7 mal editiert, zuletzt von Abendstern (Vor einem Moment) aus folgendem Grund: Beitragsqualität runtergeschraubt
    • rowdy wrote:

      Also wenn es so richtig schlimm ist
      Helfen mir nur noch absolute Ruhe und die Abwesenheit von Menschen und Anforderungen. Ich verkrieche mich dann in mein Büro oder meine Wohnung, rede mit niemandem mehr und kann auch niemanden in meiner Nähe ertragen. Das kann je nach Schweregrad der Enttäuschung Stunden oder Tage dauern.
    • Coocy wrote:

      rowdy wrote:

      Also wenn es so richtig schlimm ist
      Helfen mir nur noch absolute Ruhe und die Abwesenheit von Menschen und Anforderungen. Ich verkrieche mich dann in mein Büro oder meine Wohnung, rede mit niemandem mehr und kann auch niemanden in meiner Nähe ertragen. Das kann je nach Schweregrad der Enttäuschung Stunden oder Tage dauern.
      Jep. So geht es mir auch.Wobei es sich bei mir auf Stunden begrenzt. Immerhin kommt in solchen Fällen abends so oder so der Knall. Glücklicherweise ist der nicht annähernd so schlimm wie in den Fällen, in denen ich von jemandem getriezt werde, bis es knallt.
      Wenn man auf eine Party geht, gibt es immer ein Risiko.
    • Coocy wrote:

      rowdy wrote:

      Also wenn es so richtig schlimm ist
      Helfen mir nur noch absolute Ruhe und die Abwesenheit von Menschen und Anforderungen. Ich verkrieche mich dann in mein Büro oder meine Wohnung, rede mit niemandem mehr und kann auch niemanden in meiner Nähe ertragen. Das kann je nach Schweregrad der Enttäuschung Stunden oder Tage dauern.
      Ich bin so froh, ein Einzelbüro zu haben. Die spätere Generation soll Gruppenbüros bekommen. Aus Platzmangel.
    • Cloudactive wrote:

      Was versteht ihr eig unter Schreien, dass ihr laut redet oder wie ein Baby laute Laute von euch gebt, die sprachlich keinen Sinn machen, also meinem Begriff von "Schreien"?
      Bei mir ist's in diesem Zusammenhang ein einzelner, lauter Schrei (so ein "Argh!" halt), mit dem ich den Frust, die Wut und die Enttäuschung rausschrei. Ansonsten bedeutet schreien bei mir aber sehr lautes reden.
      "Je weniger wir Trugbilder bewundern, desto mehr vermögen wir die Wahrheit aufzunehmen."
      Erasmus von Rotterdam