Nur autistische Züge, da Kommunikation unauffällig?

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    • Nur autistische Züge, da Kommunikation unauffällig?

      Hallo,

      ich bin gerade knapp an einer Asperger-Diagnose vorbeigeschrammt und habe nur "autistische Züge". Die Begründung war, dass ich im sozialen Bereich nicht auffällig genug wäre, also ich könnte Blickkontakt halten, ich würde im Gespräch mitschwingen und ich könnte ein schwieriges Gespräch am Telefon führen so mit Kritik äußern und so.

      Jetzt würde ich gerne von denen von euch, die eine sichere Asperger-Diagnose haben wissen, ob ihr besonders das mit dem Telefonat könnt oder nicht. Ich habe ja schon öfter gelesen, dass viele von euch das nicht können.

      Ja, ich kann sowas, aber es strengt mich schon sehr an, auch der Augenkontakt über längere Zeit und besonders, wenn mir derjenige oder diejenige etwas Kompliziertes erklärt. Aber zumindest habe ich das anscheinend inzwischen so gut drauf, dass es normalerweise im Alltag gar nicht auffällt, glaube ich.

      Grüße
      Biene Maja
    • Ich vermeide Telefonate, wo es nur geht. Wenn ich doch mal telefonieren muss, vergesse ich die Hälfte von dem, was ich sagen wollte, falle meinem Gesprächspartner unbeabsichtigt dauernd ins Wort und vor allem kann ich mir einfach nicht merken, was mein Gesprächspartner mir gesagt hat. Sowie ich aufgelegt habe, habe ich die Hälfte schon wieder vergessen. Telefonieren funktioniert nur halbwegs gut, wenn ich das Gespräch vorher genau durchgehe. Ich kann mir während des Telefonats leider auch keine Notizen machen, da ich entweder nur zuhören oder nur Notizen machen kann. Beides gleichzeitig funktioniert einfach nicht. Deswegen ist die schriftliche Kommunikation der von mir klar bevorzugte Kommunikationsweg. Da kann ich aller Ruhe den Text formulieren, weiß, wann ich mit dem Antworten dran bin, kann mir meine Antwort in aller Ruhe überlegen und ich kann jederzeit nachlesen, was mein Gegenüber gesagt hat.
      Ich bin nicht auf der Welt, um zu sein, wie Andere mich gern hätten.
    • Hallo BieneMaja
      ja so etwas ist sehr ärgerlich gerade wenn es um solche Einschätzungen geht.
      Mir geht es eigentlich Genau so ich kann inzwischen Telefonieren aber das war ein ganzes Stück Training bis es nun so klappt und es ist anstrengend und oft eine sehr große Überwindung gerade wenn ich wo zum ersten mal anrufe.
      mir wurde oft gesagt ich könne niemals Autist sein da ich gute kommunikative Fähigkeiten habe, ja die habe ich aber die mir auch erarbeitet.
      und ich habe Trotz solcher Zweifler nun meine Diagnose, Daher gebe nie auf das ziel kommt über kurz oder lang.
      daher lass dich bitte nicht entmutigen und wenn es echt nur an diesen Eigenschaften festgemachte wurde so würde ich dir empfehlen such dir doch eine andre stelle und erklär da das nächste mal vorher das dir das nicht leicht fällt sondern es schon belastende Arbeit ist und wohl nun soweit trainiert ist.
      es gibt so viele Autisten die ihre Diagnose erst auf den 2 oder 3 versuch endlich bekommen haben.
      Gruß Lindwurm
    • Windtänzerin wrote:

      Ich vermeide Telefonate, wo es nur geht. Wenn ich doch mal telefonieren muss, vergesse ich die Hälfte von dem, was ich sagen wollte, falle meinem Gesprächspartner unbeabsichtigt dauernd ins Wort und vor allem kann ich mir einfach nicht merken, was mein Gesprächspartner mir gesagt hat. Sowie ich aufgelegt habe, habe ich die Hälfte schon wieder vergessen. Telefonieren funktioniert nur halbwegs gut, wenn ich das Gespräch vorher genau durchgehe. Ich kann mir während des Telefonats leider auch keine Notizen machen, da ich entweder nur zuhören oder nur Notizen machen kann. Beides gleichzeitig funktioniert einfach nicht. Deswegen ist die schriftliche Kommunikation der von mir klar bevorzugte Kommunikationsweg. Da kann ich aller Ruhe den Text formulieren, weiß, wann ich mit dem Antworten dran bin, kann mir meine Antwort in aller Ruhe überlegen und ich kann jederzeit nachlesen, was mein Gegenüber gesagt hat.
      Da geht s mir ähnlich,
      wobei ich in all den Jahren mit H4 und allinerziehend gelernt hab, halberlei Gespräche mit Ämtern zu führen,
      wenn es sein muss. ....aber vorbereitet.
      Mit meinen guten Freundinnen kann ich reden, aber das kommt dennoch selten vor.
      Da dann lieber Livekontakt oder schreiben übers Handy.
      Auch mit den Söhnen oder meinem Papa.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”


      (Sylvia Boorstein)
    • Windtänzerin wrote:

      Wenn ich doch mal telefonieren muss, vergesse ich die Hälfte von dem, was ich sagen wollte, falle meinem Gesprächspartner unbeabsichtigt dauernd ins Wort und vor allem kann ich mir einfach nicht merken, was mein Gesprächspartner mir gesagt hat. Sowie ich aufgelegt habe, habe ich die Hälfte schon wieder vergessen.
      Da ich bei meiner Arbeit regelmäßig telefonieren muss und auch die von dir genannten Probleme habe, habe ich mir mittlerweile ein für mich geeignetes Telefonat-Verhalten angewöhnt.

      Das konnte ich erst, nachdem ich erkannt habe, wo meine Probleme beim Telefonieren überhaupt liegen bzw. woher sie rühren und es klappt auch nicht immer - ist der Gesprächspartner sehr aufgeregt oder unfreundlich oder lässt sich partout nicht ausbremsen, dann werde ich so nervös, dass ich das Gespräch nicht mehr anständig führen kann.

      Was ich jedenfalls immer erstmal versuche, ist folgendes:

      - (wenn ich selbst anrufe:) vorher Stichpunkte und ggf. bildhafte Darstellung machen von dem, was ich abklären will; mehrere Möglichkeiten vorwegnehmen bzgl. der Antwort, die ich erhalten könnte, so dass ich auf verschiedene Antworten reagieren kann

      - selbst so langsam wie möglich reden - das animiert den anderen oft, auch langsamer zu werden

      - Wenn der andere zu schnell zu viele Informationen von sich gibt, dann sage ich z.B. "Moment bitte" - Ich sage mittlerweise sogar sehr häufig im Gespräch "Moment bitte", und wenn der andere es nicht hört, weil er weiterredet, dann sage ich es noch einmal etwas lauter. Oder ich warte, bis die andere Person ausgsprochen hat (wenn es ein Redeschwall ist) - weil dann ist bei der anderen Person erstmal die Luft raus und ich kann sagen: "So, nochmal langsam ..." und mir dann die Informationen EINZELN geben lassen.

      Dieses "Moment bitte" (oder eine ähnliche Formulierung) wirkt meistens. Dann sage ich auch: "So, ich muss mir das kurz notieren." Dann wiederhole ich, was gesagt wurde.

      Ich bin da mittlerweise wirklich rigoros. Früher hab ich mich von Gesprächspartnern am Telefon teilweise überrollen lassen und hab dann aufgelegt und wusste manchmal überhaupt nicht, worum es ging bzw. hatte sämtliche wichtige Informationen verpasst oder nur brüchstückhaft erfasst. Was bei der Arbeit Mehrarbeit bis hin zu Ärger bedeuten kann.

      Jetzt führe/lenke ich meistens das Gespräch (muss dazu sagen, dass wir bei der Arbeit mal an einem Seminar über das Führen von Telefonaten teilgenommen haben, aus welchem ich echt vieles lernen konnte!).

      Also ganz wichtig: die Gesprächsführung übernehmen und IMMER WIEDER um eine Pause bitten, Gesagtes wiederholen, sich Notizen machen. Der andere muss damit leben. Er oder sie wird deswegen nicht einfach auflegen. Man muss also keine Angst davor haben, im Gegenteil hab ich so gute Erfahrungen gemacht in der letzten Zeit, dass mich das viel selbstsicherer am Telefon macht.
    • Vielen Dank für eure Antworten! Interessant, wie unterschiedlich das ist.

      @Lindwurm: Danke fürs Mutmachen :) Ja, ich habe vor und wurde darin jetzt bestätigt, dass ich es nochmal bei einer anderen Stelle versuche.

      Ich hatte bei den Terminen schon gesagt, dass ich mir den Blickkontakt und auch die anderen kommunikativen Fähigkeiten über Jahre antrainiert habe. Wenn der Diagnostiker aber nichts beobachten kann, dann gibt's eben keine Diagnose, fertig. Er hat sogar zugegeben, dass er noch nicht so viel Erfahrung hat und noch mit den erfahreneren Kollegen sprechen müsste. Klar, jeder fängt mal an, aber von denen hat keiner mit mir geprochen.

      Es war ziemlich krass für mich, weil ich zuerst die Diagnose bekommen hatte, wenn auch nur knapp. Und dann nach zwei Wochen telefonisch mitgeteilt bekommen habe (aber wohl auch nur weil ich mich wegen etwas anderem nochmal per E-Mail gemeldet hatte), dass man mir die Diagnose nun doch nicht geben könne! Dank meiner antrainierten Fähigkeiten, konnte ich das Telefonat aber angemessen führen, was dazu geführt hat, dass man sich darin bestätigt sah, dass ich keine Autistin sein könnte. Innerlich war ich aber total sauer und in meinem Kopf war Chaos :x
    • BieneMaja wrote:

      Es war ziemlich krass für mich, weil ich zuerst die Diagnose bekommen hatte, wenn auch nur knapp. Und dann nach zwei Wochen telefonisch mitgeteilt bekommen habe (aber wohl auch nur weil ich mich wegen etwas anderem nochmal per E-Mail gemeldet hatte), dass man mir die Diagnose nun doch nicht geben könne!
      So ging es mir auch! Allerdings aus anderem Grund. Der Diagnostiker sagte mir, dass bei mir für AS die Punkte beim Diagnosekriterium "stereotype Verhaltensweisen / Spezialinteressen" nicht genügen würden, er mir aber trotzdem Asperger diagnostizeren würde. Grund: Es gäbe für "mein" Testergebnis die Diagnose "soziale pragmatische Kommunikationsstörung", die gäbe es allerdings nur in den USA und noch nicht in Deutschland und deshalb würde er mir AS diagnostizieren.

      Dann erhielt ich das Gutachten und was stand drauf? "soziale pragmatische Kommunikationsstörung" - ???
    • Lefty wrote:

      BieneMaja wrote:

      Es war ziemlich krass für mich, weil ich zuerst die Diagnose bekommen hatte, wenn auch nur knapp. Und dann nach zwei Wochen telefonisch mitgeteilt bekommen habe (aber wohl auch nur weil ich mich wegen etwas anderem nochmal per E-Mail gemeldet hatte), dass man mir die Diagnose nun doch nicht geben könne!
      So ging es mir auch! Allerdings aus anderem Grund. Der Diagnostiker sagte mir, dass bei mir für AS die Punkte beim Diagnosekriterium "stereotype Verhaltensweisen / Spezialinteressen" nicht genügen würden, er mir aber trotzdem Asperger diagnostizeren würde. Grund: Es gäbe für "mein" Testergebnis die Diagnose "soziale pragmatische Kommunikationsstörung", die gäbe es allerdings nur in den USA und noch nicht in Deutschland und deshalb würde er mir AS diagnostizieren.
      Dann erhielt ich das Gutachten und was stand drauf? "soziale pragmatische Kommunikationsstörung" - ???
      Das ist ja auch seltsam :? Hast du das dann so hingenommen?
    • Ja. Ich hab eine zweite Diagnostik machen lassen, bei einer Ambulanz, die in der Zwischenzeit neu gegründet worden war in meiner Stadt. Da wurde mir am Ende gesagt, es könne fast alles an Auffälligkeiten/Problemen etc. mit dem AD(H)S erklärt werden.
    • “Nicht Mitschwingen”, verstehe nie, was damit gemeint ist.

      @BieneMaja
      Ich hatte “Autismus-Spektrum-Störung”, auch nicht im ICD enthalten, bin dann zu einer anderen Stelle und bekam dann Asperger-Syndrom mit Schlüssel.
      Es ist mir nichts Neues, dass Pfuscher Diagnostiken durchführen und dann erklärt er noch offen (immerhin ehrlich!), dass er sich nicht auskennt.... Such dir eine richtige Stelle oder setze einen Beschwerdebrief auf, indem du erläuterst, dass du eine richtige Diagnostik haben willst.
      Das muss nicht heißen, dass es bei dir auch so ist, aber unbekannt ist sowas im Forum nicht.
      „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“
      (Aristoteles, griechischer Philosoph, 384 - 322 v. Chr.)
    • Also ich kann Blickkontakt halten, wenn ich bewusst dran denke. Ansonsten schaue ich anderen nur kurz ins Gesicht.

      In Gesprächen bin ich wohl auch weniger auffällig. Im Bericht steht ich war freundlich, höflich und eloquent. Meine Mimik schien unauffällig. Allerdings benutze ich wohl wenige Gesten, um gesagtes zu unterstreichen.
      Ein differenzierter Einsatz von Mimik, Gestik und Blickkontakt scheint nur eingeschränkt möglich zu sein.

      Ich denke, das macht deutlich, dass man teilweise ganz genau hinschauen muss, um Auffälligkeiten zu erkennen.
      In meinem Fall nicht mal ein Arzt, sondern ein Therapeut eines Autismus Instituts.

      Telefonate, in denen ich Kritik äußern soll/muss fallen mir extrem schwer.
      Auch andere Telefonate vermeide ich lieber, wenn es geht.
      Ich schreibe dann lieber eine E-Mail.
    • Ich hab jetzt nicht so das Problem mit dem Telefonieren. Ich spiel das Ganze im Gedanken durch, notier mir den groben Ablauf und zieh das dann auch so durch. Ich fall meinem Gegenüber dann zwar dauernd ins Wort oder stopp ihn, weil ich mir was aufschreiben muss, aber das ist mir egal. Ich glaub, die meisten Leute, die mit mir telefoniert haben, denken anschliessend: "Was war das denn für ein unfreundlicher Idiot?". :m(: :lol:
      "Je weniger wir Trugbilder bewundern, desto mehr vermögen wir die Wahrheit aufzunehmen."
      Erasmus von Rotterdam
    • BieneMaja wrote:

      Die Begründung war, dass ich im sozialen Bereich nicht auffällig genug wäre, also ich könnte Blickkontakt halten, ich würde im Gespräch mitschwingen und ich könnte ein schwieriges Gespräch am Telefon führen
      Wenn das die entscheidenden Kriterien sind... Also: Blickkontakt kann ich ohne aufzufallen (allerdings mit mehreren Gesprächspartnern nicht ohne darüber nachzudenken) - da sagte der Psychiater gleich "aber das werden Sie gelernt haben" (ja, wurde uns damals noch anerzogen); meine Tochter kann es auch, das wurde bei der Diagnostik ausdrücklich erwähnt und war doch kein Hindernis. "Im Gespräch mitschwingen" - was immer das heißen soll - keine Ahnung. Telefonieren: macht mir nur in Ausnahmefällen Probleme, nämlich wenn es potenziell kontrovers wird, oder wenn ich mit Leuten telefonieren muss, die ich flüchtig kenne, aber wo ich nicht recht weiß, wie die andere Person auf meinen Anruf reagieren wird. Mit ganz Fremden (z.B. Behörde) oder nahestehenden Personen - kein Problem. Was mir aber immer wieder passiert: trotz guter Argumente und in der Sache guter Position lasse ich mich von sehr offensiven Gesprächspartnern zuverlässig überfahren, vor allem, wenn ich mit dem Angriff nicht oder nicht so gerechnet habe. Da nützt dann Blickkontakt bzw. telefonieren können nix. Da brauche ich einfach zu lange, um meine Gedanken neu zu sortieren und dann dagegenhalten zu können.
    • Ich verstehe unter "Mitschwingen" u.a. das, was hier angedeutet wird:

      fliedner.de/de/seelische_gesun…ergruende_richter_neu.pdf

      Zitat hieraus:

      "
      Kaum spontanes/unreflektiertes Mitschwingen mitgeteilter Emotion, eher synthetisch (eingeübt) oder sogar gar nicht wahrgenommen.

      "


      Es wird auch hier nicht weiter erklärt; aber ich folgere daraus, daß es wohl um ein Erkennen und entsprechendes Reagieren auf das emotionale Verhalten des Gegenübers geht. Also wenn der Gesprächspartner z.B. bei einem kleinen Scherz grinst, daß dann auch der andere (man selbst) ebenfalls mitgrinst; wenn das Gegenüber plötzlich ernst wird, daß man selbst dies feststellt und mit dem eigenen Lächeln z.B. aufhört und auf das ernste Thema eingeht.

      Auch zu merken, wenn das Gegenüber von etwas, was der andere lang und breit erzählt, ohne zum Punkt zu kommen, genervt oder gelangweilt ist, und dann z.B. entsprechend sein Verhalten abzuwandeln und zum Schluß zu kommen, das könnte wohl auch zu diesem Aspekt der Schwingungsfähigkeit (oder des Fehlens derselben) gehören.

      Das ist zumindest meine Deutung; vielleicht ist aber dies nur ein Teil des Gemeinten.



      Hier steht auch noch etwas zur "Schwingungsfähigkeit" bei Autisten versus Hochsensiblen:

      dieloewenfamilie.de/hochsensib…s-gibt-es-zusammenhaenge/

      Zitat:
      "
      • Autisten haben kaum Schwingungsfähigkeit. D.h. sie können Gefühle von anderen nicht deuten oder wiedergeben. HS Kinder nehmen Emotionen und Stimmungen anderer Menschen intensiv wahr und reagieren sehr fein auf diese.
      "

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