Dauerhafte Erwerbsminderung - wie Sinn finden?

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    • Dauerhafte Erwerbsminderung - wie Sinn finden?

      Ich weiß seit heute, dass ich dauerhaft erwerbsgemindert bin. Da ich nie richtig erwerbstätig war, ist das für mich einerseits eine große Erleichterung, weil ich das Gefühl hatte, im Jobcenter nur auf Unverständnis gestoßen zu sein, aber andererseits auch eine enorme Belastung, weil ich wahrscheinlich bis zum Ende meines Lebens arm und bedürftig bleiben werde.

      Für mich stellt sich jetzt natürlich die Frage, wie ich meine Tage sinnvoll ausfülle, und das möglichst mit wenig Geld - auch abseits von Erwerbsarbeit, weil ich kaum mit anderen Menschen zurechtkomme und mich soziale Interaktion stark erschöpft.

      Wenn Ihr in einer ähnlichen Situation seid: Wie habt ihr das alles gemeistert? Ich bin 32 und habe noch ein langes Leben vor mir.
    • Ich denke als erstes solltest du dein denken ändern .
      Wo oder wie kannst du dich ,Dir gemäß einbringen . Dein Grund ist ja jetzt gesichert . Essen trinken Dach über den Kopf . Das ist die Gelegenheit zu schauen was macht DIR Freude ?
    • Du könntest deine Arbeitskraft und Zeit nutzen um Wertschöpfung für dich selbst zu betreiben. So verringerst du auch deine erlebte Armut.
      Einfachstes Beispiel könnte ein Garten zu Selbstversorgung sein. Darin kannst du Unmengen Obst, Gemüse und Kräuter anbauen, die du dir sonst gar nicht leisten könntest und erhöhst damit deine Lebensqualität. Angeln, Jagen, Tierzucht und Schlachterei wären weitere Möglichkeiten der Subsistenz. Oder du könntest ein Handwerk erlernen, das dir entweder direkt oder durch den Verkauf von Produkten im Internet einen Mehrwert bringt, z.B. Stricken, Nähen, Backen, Schreinern, Schnitzen, Malerei oder ähnliches.
      Meine Beträge spiegeln meine aktuelle Meinung wieder, die ich mir auf Grundlage der vorliegenden Information höchstwahrscheinlich ohne referenzierende Prüfung der entsprechenden Fachliteratur gebildet habe. Es handelt sich dabei nicht um Tatsachen, den allgemein anerkannten Stand des Wissens oder Diagnosen. Die Meinung wird geäußert, wenn sie für mich die Wahrscheinlichste aller erdachten Thesen ist. Ich erkläre damit keine absolute Sicherheit der Aussage.
    • lolligo.virgo wrote:

      weil ich wahrscheinlich bis zum Ende meines Lebens arm und bedürftig bleiben werde.

      Eines ist sicher, du weißt nicht, was die Zukunft bringt. Das weiß keiner.
      Du kannst mit der Art zu denken allerdings etwas verändern. Etwas als wahrscheinlich zu betrachten birgt großes Potential es in dein Leben zu ziehen, um es zu erfahren.
      Es ist möglich, dass du arm und bedürftig auch bis zum Lebensende sein kannst. Wahrscheinlich ist es allerdings nicht, denn nur Veränderung ist konstant.

      Bedürftigkeit und Armut sind eher ein Privileg als eine Schmach.
      Versuche dich frei von eigenen Beurteilungen zu machen, das hilft ungemein.
      Es wird dir wie von selbst eine Idee(oder auch viele) kommen, was du gerne tun möchtest. Es entwickelt sich. Habe Geduld mit dir. Lerne wieder auf dein Bauchgefühl zu hören. Übe dich im Lauschen, was begehrt dein Herz ?
    • lolligo.virgo wrote:

      , aber andererseits auch eine enorme Belastung, weil ich wahrscheinlich bis zum Ende meines Lebens arm und bedürftig bleiben werde.
      Ich kann deine Sorgen verstehen, auch wenn ich nicht in deiner Situation bin!
      Erwerbstätigkeit spielt in diesem Land eine besonders große Rolle und außerdem gibt es Struktur und Kontakte.
      Zudem ist man mit sehr wenig Geld beschränkt, das ist einfach so. Das Leben ist mehr als Essen und ein Dach
      über dem Kopf.
      Als Tipp, um dich aufzubauen, empfehle ich dir das Buch "Ich, Birgit, Psychotherapeutin und Autistin".
      Sie ist mit 40 auch nicht mehr arbeitsfähig und muss ihren Sinn aus anderen Dingen ziehen - zB Ehrenamt.

      Ist denn der Grund für die Verminderung dein Autismus? Denn ich habe oft das Gefühl, dass Autisten einfach
      als arbeitsunfähig abgestempelt werden, obwohl sie was tun könnten, wenn sie die richtige Unterstützung und
      Toleranz am Arbeitsplatz hätten.
    • Hast du Spaß daran, zu malen, zu schreiben, Musik zu machen?

      Fallls ja, dann hast du jetzt richtig viel Zeit, das Interesse auszubauen - und vielleicht wird irgendwann sogar eine dauerhafte Tätigkeit daraus.
      I have my books
      And my poetry to protect me
    • Bist Du in irgendwo in der Selbsthilfe aktiv? Könnte darüber perspektivisch vielleicht diese Ausbildung etwas für Dich sein, und anschließend eine (Minijob- oder Teilzeit-)Tätigkeit als Peer-Arbeiter? Darüber hättest Du dann eventuell auch die Möglichkeit, Kontakte mit Menschen in ähnlicher Situation zu knüpfen. Auch dazu könnte ich Selbsthilfe sehr empfehlen. EX-IN setzt sehr auf Gruppendynamik und soll bewusst nicht zu "verkopft" sein, insofern passt der Ansatz eher nicht für die Autisten, die schnell "besserwisserisch" wirken und dazu neigen, in Gruppen "anzuecken" (für mich wäre das beispielsweise in der jetzigen Form nichts, obwohl ich den grundsätzlichen Ansatz großartig finde). Aber es gibt Autisten, die den Kurs erfolgreich absolviert haben. Leider ist es auch nicht immer ganz einfach, das finanziert zu bekommen, aber auch das haben manche selbst aus der Rente heraus geschafft. Käme halt auch darauf an, wie engagiert das Ausbildungszentrum in Deiner Nähe ist, und ob sie willens wären, sich da individuell für Dich einzusetzen.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • @lolligo.virgo
      in was für einer gegend lebst du denn?
      ich lebe in der stadt. das ist manchmal schwierig wegen der ganzen reize usw. ABER es ist in meiner situation auch ein großer vorteil, da es hier sehr viele möglichkeiten gibt. es gibt soziale zentren, in denen man tagessturkturierende angebote wahrnemen kann, etwas ehrenamtlich zu machen gibt es auch in hülle und fülle (RW).
      ich gehe regelmäßig zu sportlichen aktivitäten, wandern, radfahren, kreative sachen, mittagessen gibts im sozialen zentrum auch sehr günstig, ich kann ein näh-angebot nutzen, an der VHS gibt es für menschen mit wenig geld vergünstigungen, so dass auch dies erschwinglich ist. in der hiesigen biliothek kann man neben büchern auch sehr viele andere sachen ausleihen und nutzen.
      man kann hier, wenn man möchte, sehr viele dinge tun egal ob allein oder in gemeinschaft. die frage ist eher herauszufinden, was man eigentlich will und dann die notwendigen schritte zur umsetzung zu gehen. hättest du dafür hilfe?
    • Puk wrote:

      Angeln, Jagen, Tierzucht und Schlachterei wären weitere Möglichkeiten der Subsistenz.
      Solche Sachen sind so weit ich informiert bin sehr teuer.
      Jagd ist super teuer (ich stand mal für ein paar Jahre mit einer Jägerin aus dem Schwarzwald in Kontakt die mir mal erklärte wieviel so eine Ausbildung kostet)
      - ausbildung mehrere tausend Euro
      - Hundeführung (ich bin mir nichtmal sicher ob man in der Jagdausbildung sowas mit machen MUSS aber Hunde SIND teuer)
      - Waffen etc, Waffenschein auch nochmal mehrere tausend euro
      - pachtung für Reviere
      - Schießerlaubnis auf bestimmte "Stücke" (das bezahlt man an den dem das Land gehört)
      - Gebühren für das erlegte Stück (das wird an die Kommune oder Staat bezahlt)
      - für den Verkauf an Fleisch und ggf Häute bekommt man nicht wirklich viel (gerben von Häuten ist auch teuer)
      - Entsorgen von Überresten oder ganzen Tierkörpern (nicht alles was man jagd kann man auch essen)

      Beim Angeln sieht das nicht anders aus mit den Kosten.

      Tierzucht ist noch günstiger aber auch hier ist es so wenn man Vereinen beitritt, das man Mitgliedsgebüren zahlen muss, die Tiere kosten auch oft nicht wenig, besonders sowas wie Geflügel braucht Voliären die man bauen muss, für die man viel Land braucht.
      Das was du beschreibst ist nur dann günstig möglich wenn man schon ein Haus mit großem Garten/Landbereich besitzt (nicht mietet) und wenn möglich ländlich lebt oder am Stadtrand, sonst kann man diese Tiere nicht gescheit halten.
      Selber Tiere schlachten und ausnehmen ist auch sicher nicht jeder manns sache.
      Kaninchenhaltung ist noch relativ anspurchslos aber die Tiere müssen auch von was leben und ich finde persönlich, diese Außenställe wo die Tiere wenig platz und keinen Freilauf haben ist auch nicht okay. Auch wenn das Platz spart und man keine große Wiese/Garten braucht.

      Puk wrote:

      Oder du könntest ein Handwerk erlernen, das dir entweder direkt oder durch den Verkauf von Produkten im Internet einen Mehrwert bringt, z.B. Stricken, Nähen, Backen, Schreinern, Schnitzen, Malerei oder ähnliches.
      Sowas halte ich eher für realistisch da es kaum etwas kostet.
      Für die meisten Dinge die man handwerklich machen kann, gibt es Video-tutorials. Ich habe so zB Gerben oder Tiere präparieren und auch noch ein paar andere Dinge gelernt, aber ich bin handwerklich auch nicht so ungeschickt.
      Handwerkliche Sachen liegen auch nicht jedem.
    • Einen Sinn kannst nur du selber für dich finden. Wir können dir nur Tipps geben.
      Wenn du einen PC hast (der muss nicht mal gut sein) dann werde doch Virtueller-Online-Fluglotse auf www.ivao.de :-D
      Ziemlich günstig wären sicher auch Spieletreffs. Du bringst dann halt nur Uno oder so ein günstiges Kartenspiel für 5 Euro mit.
      Als richtiges Hobby könntest du auch in den ganzen Maker-Spaces als Lehrer und Unterstützer tätig werden, falls du im Löten, Programmieren, o.ä. gut bist.
      Oder besuche regelmäßig Tiere im Tierheim und spiel oder geh Gassi mit denen.

      Ich weiß, es ist ziemlich schwer sich zu beschäftigen wenn man kein Geld hat. Aber es gibt bestimmt noch mehr Dinge, die sich finden lassen.
    • Naja, ich bin zwar nicht dauerhaft Erwerbsgemindert aber wohl auf gutem Wege dazu das es noch länger so ist oder eventuell bald auch so ist.
      Womit ich zu kämpfen habe, ist "ähnlich" mit dem was du beschreibst.
      Was mir bisher "gut" hilft, ist das ich mich ehrenamtlich engagiere.
      Grüße aus der Pegasus Galaxie. :)
    • Wie wäre es mit einem Studium?
      Ein Fach das dich interessiert aber wenig besucht ist?
      Ich bin seit 6 Jahren aus dem Berufsleben raus, und ein Zweistudium war die Beste Idee die ich je hatte. Man hat Struktur, Abwechslung, und kann das Hirn ein wenig anstrengen.
      Ich studiere Romanistik (Französisch und Spanisch). Englisch wäre mir lieber gewesen das ist aber für meinen Geschmack zu überlaufen. In französischer Linguistik waren wir letztes Semester z.B. nur 7 im Seminar, in den Übungen sind meist so um die 10, Max. 20 Leute.
      Sonst halt ein Fernstudium, wenn du so gar nicht reden willst.
      You’ll stop caring what people think about you when you realize how seldom they do.
    • Ich habe auch schon mit der Idee gespielt ein Studium aufzunehmen, aber ich fürchte mich davor, mich mit so vielen jungen Leuten (inklusive den Professoren) nicht wohl zu fühlen. Fernstudium ist entweder unbezahlbar, zu weit weg, oder es entspicht nicht mein Interesse.
      Irgendwie finde ich es aber auch schade, das ich mich nicht so recht traue, vielleicht bringt ein Präsenzstudium ja doch positive Erfahrung .

    • Gluon wrote:

      Ich habe auch schon mit der Idee gespielt ein Studium aufzunehmen, aber ich fürchte mich davor, mich mit so vielen jungen Leuten (inklusive den Professoren) nicht wohl zu fühlen. Fernstudium ist entweder unbezahlbar, zu weit weg, oder es entspicht nicht mein Interesse.
      Irgendwie finde ich es aber auch schade, das ich mich nicht so recht traue, vielleicht bringt ein Präsenzstudium ja doch positive Erfahrung .
      Mehr als dir nicht gefallen kann es ja nicht. Und dann hörst du eben wieder auf. In den (Literatur) Vorlesungen sind auch immer „richtige“ Altersrentner dabei, dafür muss man nicht eingeschrieben sein. Das wäre eine Möglichkeit einfach mal reinzuschnuppern.
      Ich war man Anfang auch sehr nervös und kam mir komisch vor unter den ganzen Kindern, inzwischen (ab WS 5. Semester) komme ich aber gut zurecht. Private Kontakte ergeben sich natürlich nicht (außer WhatsApp Gruppen zu studienrelevanten Themen), aber das ist ja auch nicht Sinn der Sache.
      Die Professoren sind übrigens deutlich älter, die Mitarbeiter allerdings eher in meinem Alter bzw. ein paar Jahre jünger. Mir macht das nichts.
      You’ll stop caring what people think about you when you realize how seldom they do.
    • Danke für die Rückmeldung @Zebra
      Das stimmt aufhören kann ich immer noch. Wahrscheinlich mache ich mir zu viele Gedanken, dass es an meinem Selbstbewusstsein kratzt, wenn ich dann doch aufhöre. Literatur ist ja eigentlich so gar nicht meins, da kann ich mir schon vorstellen, dass da auch mehr Ältere sind. Ich habe ja noch ein wenig Zeit, die Einschreibfristen für die freien Studiengänge laufen schließllich noch, vielleicht kann ich mir noch einen Ruck geben, denn wenn ich es nicht ausprobiere, weiß ich auch nicht, ob es was ist.

    • Ich finde, dass eine dauerhafte Erwebsminderung einerseits ein sehr harter Brocken ist (RW), andererseits aber auch die Chance bietet, einen ganz anderen Blick auf das bisher verbrachte Leben zu werfen und auf die Selbstverständlichkeiten wie z. B. Leistungsorientierung oder Zielorientierung zu werfen, die in unserer Gesellschaft zur Selbstverständlichkeit geworden sind.
      Man hat (gerade) dadurch vielleicht auch die Möglichkeit, sich persönlich weiterzuentwickeln, so dass man lernt (vielleicht kann man es auch schon), sich Wertschätzung entgegenzubringen, ohne irgendwelche Leistungen in welcher Form auch immer zu erzielen. Das ist ja ein radikal anderes Menschenbild. Man achtet sich, weil man es gut mit sich meint und möchte, dass es einem gut geht und weniger, weil man dies und das erreicht hat. Man kann lernen, seinen Wert weniger von äußeren Dingen (nicht nur materiellen Dingen, sondern auch Konzepten und Lebensplänen) abhängig zu machen, als vielmehr von seinem eigenen Erleben und Wohlfühlen im Moment. Wenn man das durch so eine dauerhafte Erwerbsminderung lernen könnte, wäre dieser 'Schicksalsschlag' ja fast schon ein Segen (ohne die sehr belastende Situation verharmlosen zu wollen).

      Insofern bräuchte man gar keine Konzepte oder Alternativen (wie Ehrenamt, Studium etc.), um sich trotz 'fehlender Arbeit' gleichwertig zu fühlen. Velleicht ist es interessant, die Situation auszuhalten und zu warten, bis sich die eigenen Bedürfnisse in eine Richtung entwickeln.

      Ich denke aber, dass es nicht grundsätzlich falsch ist, sich solche Alternativen zu suchen. In meinem Fall habe ich aber gemerkt, dass es für mich der falsche Weg ist, weil ich bei diesen Alternativen auch wieder überfordert war, da ich daran die gleichen Maßstäbe (Perfektionismus, 150% geben, auf ein Ziel hinarbeiten) anwenden wollte und das halte ich so nicht durch.

      Ich liste trotzdem mal Ideen auf, die evtl. noch nicht genannt wurden
      • sich selbstständig machen mit Dingen, die keine großen Investitionen erfordern und Spaß machen und etwas Gewinn abwerfen
      • sich weiterbilden (Selbststudium, ohne einen konkreten Abschluss anzustreben)
      • sich als Aufgabe nehmen, dass es einem selbst gut geht (soweit das ohne viel Geld möglich ist. Ansonsten ggf. Zuverdienst, um sich auch schöne Dinge gönnen zu können, die Geld kosten)
      • komplett aussteigen und so leben, wie man immer leben wollte
    • Zebra wrote:

      Mehr als dir nicht gefallen kann es ja nicht. Und dann hörst du eben wieder auf. In den (Literatur) Vorlesungen sind auch immer „richtige“ Altersrentner dabei, dafür muss man nicht eingeschrieben sein. Das wäre eine Möglichkeit einfach mal reinzuschnuppern.
      Das stimmt. Aber ich halte es dennoch für wichtig, sich genau zu überlegen, aus welcher Motivation heraus man ein Studium aufnimmt und was man sich davon erwartet oder erhofft. Meiner Vermutung nach ist es nicht im schlimmsten Fall unschädlich. Es kann durchaus sehr frustrieren und depressiv machen, wenn man sich zwischen den jungen Menschen wie der absolute Alien vorkommt. Wenn man gesiezt und behandelt wird wie die "richtigen" Altersrentner, bzw. die Leute nicht wissen, in welche Gruppe man nun einzuordnen ist. Wenn man sich da einfach überall fremd vorkommt, auch vor den wissenschaftlichen Mitarbeitern, die im gleichen Alter sind wie man selbst (oder jünger), aber aufgrund der Lebenssituation findet man keine gemeinsame Ebene. Es kann auch triggern, an einem Ort zu sein, wo man schon einmal war (damit meine ich jetzt nicht zwingend die gleiche Uni, sondern die Uni an sich als Raum), wo andere Zukunftspläne machen, man selbst mal Pläne und Ziele hatte, und überall wird man nun mit Themen und Chancen konfrontiert, für die für einen selbst "der Zug abgefahren" ist. Das kann alles trotzdem funktionieren, gut sogar, aber ich denke, dafür braucht man ein "Standing", eine klare Situation. Entweder, man weiß sehr genau, was man damit will, hat klare Ziele und realistische Perspektiven, zu denen auch ein spätes Studium passt, damit kann man allen gegenüber sicher auftreten, oder man hat wirklich "abgeschlossen", und sieht sich in einer Situation wie die Altersrentner. Alles, was dazwischen ist, wo man keinen klaren Weg hat und sich doch noch eine Neuorientierung wünscht oder erhofft, stelle ich mir schwierig vor.

      Wichtig ist meiner Einschätzung nach auch ein gutes privates soziales Umfeld. Wenn man sich von der Uni Kontakte wünscht, wird man in der Situation wohl eher enttäuscht werden. Und nicht zuletzt halte ich das Bologna-System mit seinen verschulten Strukturen für ältere Studenten für weniger barrierefrei als das alte System. Für geeigneter halte ich Masterstudiengänge, aber da ist in Deutschland die Auswahl leider klein, die meisten Master sind konsekutiv zu einem ganz bestimmten Bachelor-Studiengang, und die nicht konsekutiven (Weiterbildungs-)Master sind zumeist berufsbegleitend, sehr teuer und auch die Auswahl ist gering. Da ist die Situation beispielsweise in Großbritannien viel besser für Quereinsteiger, dafür sind die meisten Studiengänge aber auch recht teuer.

      Gluon wrote:

      Fernstudium ist entweder unbezahlbar, zu weit weg, oder es entspicht nicht mein Interesse.
      Das ist auch ein schwieriges Thema. "Blended Learning" finde ich nicht schlecht, aber diese Studiengänge sind zumeist tatsächlich sehr teuer. Ein reines Fernstudium wiederum liegt auch längst nicht jedem, auch manche Autisten wünschen sich persönlichen Austausch.
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      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • @Leonora Du hast es sehr schön auf den Punkt gebracht, was auch meine Gedankengänge zum Thema Studium in meiner Situation sind. Ich denke Philosophie wäre noch ein Studiengang, wo man selbst als "Methusalem" noch einsteigen kann, ohne in Erklärungsnöte für seine Zukunftspläne zu gelangen.

    • Leonora wrote:

      ....sStuation findet man keine gemeinsame Ebene. Es kann auch triggern, an einem Ort zu sein, wo man schon einmal war (damit meine ich jetzt nicht zwingend die gleiche Uni, sondern die Uni an sich als Raum), wo andere Zukunftspläne machen, man selbst mal Pläne und Ziele hatte, und überall wird man nun mit Themen und Chancen konfrontiert, für die für einen selbst "der Zug abgefahren" ist. Das kann alles trotzdem funktionieren, gut sogar, aber ich denke, dafür braucht man ein "Standing", eine klare Situation. Entweder, man weiß sehr genau, was man damit will, hat klare Ziele und realistische Perspektiven, zu denen auch ein spätes Studium passt, damit kann man allen gegenüber sicher auftreten, oder man hat wirklich "abgeschlossen", und sieht sich in einer Situation wie die Altersrentner. Alles, was dazwischen ist, wo man keinen klaren Weg hat und sich doch noch eine Neuorientierung wünscht oder erhofft, stelle ich mir schwierig vor...
      ja, es muss klar sein, dann kommt man durch ...sonst ist es evtl nicht einfach.
      Sogar beim BFD war mir gemischt zumute, obwohl auch Ältere da waren.


      Leonora wrote:

      Wenn man sich von der Uni Kontakte wünscht
      Da hatte ich nichtmal viele , als ich jung studierte. Es lag aber an mir.
      Mir reichte es, in dem großen Systm zusammen mal ein Referat zu schreiben oder so.
      Ich braucht immer Alleinseinpausen.

      Mein Papa hingegen hat noch Buddhismus studiert eine Zeitlang. Ihm macht das mit dem Alter weniger aus,
      evtl weil er seit jeher im Sport junge Damen trainiert hatte.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”

      (Sylvia Boorstein)

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