Sensorische Wahrnehmungs-Veränderungen mit Alter

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    • Sensorische Wahrnehmungs-Veränderungen mit Alter

      Hallo,

      Ich frage mich, wie sich bei euch die Wahrnehmung und Sensibilität mit zunehmendem Alter verändert hat (also Kindheit, Jugend, 20er und so weiter). Gab es Veränderungen? Wurde es besser oder schlechter bzw. mehr oder weniger? Wann war es am schlimmsten?

      Ich habe irgendwo gelesen, dass es bei jemandem mit dem "Alter" schlimmer wurde und frage mich, wie häufig das ist. Dass es anders herum, also abschwächt mit zunehmendem Alter, vorkommt, habe ich auch schon öfters gehört.

      Ich würde gerne eure Erfahrungen hören!
      Ich selbst hatte als Kind zwar schon Eigenheiten und Dinge, die mir aufgefallen sind, aber nicht in so einem Grad, dass es andere mitbekommen hätten. In den letzen Jahren (bin jetzt 20) habe ich definitiv einen Anstieg an Sensibilität bemerkt, sodass mich doch im Alltag viele Dinge stören und ich mich zurück ziehen muss.
      Dies würde ich aber nicht ausnahmslos auf veränderte "autistische Wahrnehmung" schieben. Bitte nicht falsch verstehen. Ich weiß nicht, womit es zusammenhängt und würde es gerne herausfinden.

      Vielen Dank schon mal für eure Antworten!
    • Ich habe das Gefühl wie ich alles um mich herum wahrnehme war schon immer gleich, aber die Art wie sehr es mich belastet hat sich verändert. Zum Beispiel als Kind hat es mir gereicht zum Beispiel nach dem Indoor Spielplatz wo es auch laut ist dass wir abends dort rausgehen und ich dann einfach die Stille genieße um all das was ich dort erlebt habe zu verarbeiten. Jetzt zum Beispiel habe ich das Gefühl ich betrete einen Supermarkt und werde nahezu von all den Eindrücken erschlagen. Es ist schwer zu erklären. Also ich habe das Gefühl, dass ich als Kind das besser ausgehalten habe wenn es sehr viele Eindrücke habe. Klar habe ich mich oft zurückgezogen wenn es laut ist oder bin wenn wir zu lange schon im Laden gewesen sind ausgerastet. Aber jetzt habe ich das Gefühl dass es mir so bald ich so eine Situation betrete schon direkt zu viel ist obwohl ich das ja eigentlich genauso erlebe wie früher

      Vielleicht liegt das auch daran dass die Erwartungen an einen Erwachsenen höher sind und ich deswegen dauerangespannt bin nicht aufzufallen und mir deswegen alles zu viel wird oder sich schlimmer anfühlt.
    • @Gedankenkarussell99

      Du hast das sehr gut beschrieben und ich glaube, ich verstehe sehr gut, was du meinst.
      Es stimmt, die Wahrnehmung an sich hat sich tatsächlich nicht verändert, sondern die Belastung. Ich habe das früher auch alles wahrgenommen, aber habe es besser aushalten können. Dass die Belastbarkeit sinkt, weil die Erwartungshaltung steigt, macht auch Sinn.

      Danke, du hast das formulieren können, was in meinem Kopf in Stücken verstreut war :d
    • Ich bin noch nicht mal 25 und hab das Gefühl, dass der Supermarkt jedes Mal lauter wird. Gleichzeitig lässt das Gefühl in den Fingerspitzen total nach, ich merke nur noch sehr heiß oder sehr kalt
      Ich kann gut Mitmenschen umgehen
    • Hallo,

      ich war als Kind und Jugendliche extrem sensibel,
      hatte das dann mal recht erfolgreich im Griff
      und bin jetzt wieder da, wo ich angefangen habe.

      Mein Eindruck: Im Alter werde ich eher wieder so, wie ich als Kind war. 8o
      Bin jetzt 55.
      "Asperger ist eine unsichtbare Behinderung." "Oh, sieht man dir gar nicht an." "Ähhh....genau" :irony:
    • Geht mir ein bisschen ähnlich.
      Wobei ich starke Gefühle früher etwas "normaler" genommen habe..nicht im Vergleich mit anderen, aber mit mir jetzt.
      Es können aber auch verschiedene Erfahrungen all der Jahre beteiligt sein, die..hm..eine gewisse Naivität doch etwas beinträchtigt haben
      auch in guten Bereichen.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”


      (Sylvia Boorstein)
    • Mir geht's auch so, dass ich als Kind/Teenager viel mehr Reize aushalten konnte, als jetzt als 40-jähriger. Was mich früher nicht sonderlich gejuckt hat, raubt mir heute den letzten Nerv. Ich will lieber gar nicht wissen, wie das dann mit 60 oder gar 80 Jahren ist. 8o
      "Je weniger wir Trugbilder bewundern, desto mehr vermögen wir die Wahrheit aufzunehmen."
      Erasmus von Rotterdam
    • Da habe ich Zweifel, denn um wirklich weise und gelassen sein zu können (und nicht nur erschöpft und resigniert) braucht man ja auch passende Rahmenbedingungen. Leider können die meisten User hier wohl auch nicht mit passenden Unterstützungssystemen rechen. Die werden meinem Eindruck nach gemeinsam mit denen erwachsen und entwickeln sich, die in den letzten zehn Jahren oder so als Kinder diagnostiziert wurden.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • Ich habe nicht den Eindruck, dass sich meine Reizempfindlichkeit mit den Jahren verändert hat. Durch eine Psychische Erkrankung nehme ich allerdings seit einiger Zeit ein Neuroleptikum, durch das Medikament bin ich jetzt weniger empfindlich. Dadurch konnte ich z.B. die tägliche Fahrt zur Arbeit in den Öffis gut verkraften ohne jedesmal einen Overload zu bekommen.
      Ist da wer?
    • Loony Moony wrote:

      @Gedankenkarussell99

      Du hast das sehr gut beschrieben und ich glaube, ich verstehe sehr gut, was du meinst.
      Es stimmt, die Wahrnehmung an sich hat sich tatsächlich nicht verändert, sondern die Belastung. Ich habe das früher auch alles wahrgenommen, aber habe es besser aushalten können. Dass die Belastbarkeit sinkt, weil die Erwartungshaltung steigt, macht auch Sinn.

      Danke, du hast das formulieren können, was in meinem Kopf in Stücken verstreut war :d
      Ja das stimmt und ergibt für mich auch sehr viel Sinn! Trotzdem werde ich das Gefühl nicht los dass unsere heutige Welt immer hektischer und schneller wird und das finde ich auch sehr schwer auszuhalten wenn so viel um einen herum passiert und alles so schnell gehen muss und kaum noch jemand sich Zeit nimmt für gewisse Dinge.