Autistischer Schüler träumt im Unterricht

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    • Autistischer Schüler träumt im Unterricht

      Ich habe eine Frage, die mich selbst nicht betrifft. Eine Freundin ist Nachhilfelehrerin und unterricht einen autistischen Schüler (12 Jahre) alt. Sein Name ist I. Und zwar gibt es öfters Probleme, dass er anfängt zu träumen oder kein Interesse an einzelnen Fächern, z.B. Mathematik, zeigt. Dabei kann I., wenn er will, gut mitarbeiten.

      Gibt es eine Strategie, wie damit umzugehen ist? Dass er sich während der Nachhilfestunde konzentriert? Bislang habe ich im Internet nichts darüber gefunden. In der letzten Stunde hatte meine Freundin ihm Kekse mitgebracht und dann hat alles funktioniert, aber das geht natürlich nicht jedes Mal.

      Ich selber kann dazu aus Erfahrung nichts sagen. In der Schule hatte ich in der Regel gute Noten und das Asperger-Syndrom wurde bei mir erst viel später diagnostiziert.

      The post was edited 2 times, last by Windtänzerin: Name des Schülers auf Anfangsbuchstaben verkürzt. ().

    • Heißt er wirklich so oder ist das nur ein Deckname? Der Name ist nämlich ganz schön selten und wenn einer seiner Klassenkameraden das hier zufällig liest, ist die Hölle los :roll:

      Zum Thema: Wenn es mit Bestechung funktioniert, könnte er es theoretisch auch ohne hinbekommen. Er muss sich also einfach dran gewöhnen, dass der Unterricht nicht zum Träumen da ist. Mit einem Belohnungssystem müsste das eigentlich funktionieren.
      Verrückt ist der, der immer die gleichen Dinge tut, aber andere Ergebnisse erwartet.
      Im Übrigen bin ich der Meinung, dass das Teilnehmer-Limit von Privatkonversationen verdoppelt werden sollte.
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    • Emerald wrote:

      In der letzten Stunde hatte meine Freundin ihm Kekse mitgebracht und dann hat alles funktioniert, aber das geht natürlich nicht jedes Mal.
      Hat er die Kekse während der Nachhilfestunde essen dürfen, oder hat er sie als Belohnung hinterher bekommen?

      Mein Sohn kann sich manchmal auch besser konzentrieren, wenn er etwas zum Knabbern nebenbei hat (Obst- und Gemüseteller). Ich erkläre es mir so, dass bei schwerem Stoff ja auch das Gehirn mehr Nahrung braucht, vielleicht hilf ihm auch das Kauen an sich, und er hat sich auch schon ausdrücklich selbst mit seinem Lieblingsobst für die letzten paar Aufgaben belohnt. Wenn die Sorge ist, dass die Kekse zu ungesund sind, vielleicht würde eine gesündere, aber trotzdem schmackhafte Knabberei auch dauerhaft funktionieren (Wassermelone, Kirschen und Erdbeeren kommen hier z.B. immer gut an)? Ansonsten spricht meiner Ansicht nach nicht viel gegen das "Versüßen" der lästigen Nachhilfestunden, auch durch Kekse.
    • Turtle wrote:

      Ich erkläre es mir so, dass bei schwerem Stoff ja auch das Gehirn mehr Nahrung braucht, vielleicht hilf ihm auch das Kauen an sich
      Ich kann z.B. besser zuhören, wenn ich nebenbei was mit den Händen mache, z.B. irgendwas male oder so. Vielleicht ist es einfach die körperliche Bewegung, die den Unterschied macht, sodass Kauen den gleichen Zweck erfüllt :idea:
      Verrückt ist der, der immer die gleichen Dinge tut, aber andere Ergebnisse erwartet.
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    • Morgenstern wrote:

      Vielleicht ist es einfach die körperliche Bewegung, die den Unterschied macht, sodass Kauen den gleichen Zweck erfüllt :idea:
      Dass Kauen beim Konzentrieren helfen soll, habe ich schon häufiger gehört. :roll: Manche Lehrer haben uns "damals" sogar ausdrücklich erlaubt, im Unterricht Kaugummi zu kauen. :o
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      Hier gibt es nichts zu sehen, bitte gehen "Sie" weiter.
    • Abendstern wrote:

      Morgenstern wrote:

      Vielleicht ist es einfach die körperliche Bewegung, die den Unterschied macht, sodass Kauen den gleichen Zweck erfüllt :idea:
      Dass Kauen beim Konzentrieren helfen soll, habe ich schon häufiger gehört. :roll: Manche Lehrer haben uns "damals" sogar ausdrücklich erlaubt, im Unterricht Kaugummi zu kauen. :o
      Hmm, vielleicht sollte ich mir das beim Fahren zunutze machen :roll:
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    • Nachhilfe ist ja nochmal eine zusätzliche Arbeit neben Schule oder Hausaufgaben machen, insofern würde ich eine Extrabelohnung nicht schlecht finden. :d

      Man kann ja auch Obst anbieten, das wurde ja schon genannt, bei mir hatten solche kleinen "Bestechungen" immer sehr positive Wirkung. :d

      Ich bin auch sehr schnell unterzuckert und wenn man viel nachdenken muss, dann braucht das Gehirn auch viel Nahrung :d
      ~Die Liebe allein versteht das Geheimnis, andere zu beschenken und dabei selbst reich zu werden.~
    • @Emerald

      Für mich klingt das eher nach ADS, als nach Autismus. Die Themen "Desinteresse" kenne ich von Autismus her nicht so und habe darüber auch noch nichts gelesen. Das liegt aber vielleicht auch daran, dass ich vorwiegend Literatur zur Behandlung von erwachsenen Autisten lese und nicht von Kindern. Vielleicht ist es weniger ein Desinteresse sondern kommt von etwas anderem?
      "Träumen" kann auch auf Unterforderung oder Überforderung hinweisen.

      Wenn man der klassischen Autismus-Therapie folgt, ist die Konditionierungs-Technik (Kekse geben :m(: :shake: ) gar nicht so schlecht. Ich würde dann aber eine weniger schädliche Technik auswählen und schauen, was der Junge gerne mag und dann z. B. so ein Token-System einführen (das wird z. B. in manchen Büchern für autistische Kinder empfohlen). Für jedes gute Verhalten bekommt das Kind einen "Token" (warum die Token heißen weiß ich nicht, das ist einfach nur ein Punkt bzw. ein Chip oder irgendwas, das man dann sammeln und zählen kann) und wenn es mehrere Token hat, bekommt es etwas, was es gerne mag. Ich halte nichts von diesen Zuckerbrot- und Peitsche-Spielen, aber die sollen bei Kindern recht gut funktionieren.

      Man könnte auch in Erfahrung bringen, was das Kind gerne macht und dann z. B. nach 10 Minuten lernen eine Pause einlegen und dann darf das Kind die Sache machen (z. B. eine Spielfigur anders hinsetzen oder rumrennen oder sowas. Ich kenne mich damit nicht gut aus). Damit könnte man das Kind dann motivieren und sagen "wenn du jetzt 10 Minuten die Matheaufgaben mitmachst, darfst du danach mit ActionMan spielen" etc.
      Wie gesagt finde ich das aber keine gute Technik, ein Kind so zu erpressen.

      Man könnte besser versuchen, herauszufinden, wie man die Inhalte am Besten aufbereitet, so dass es das Kind interessiert. Also ob es ein visueller, auditiver, taktiler Lerner ist und dann die Aufgaben so umgestalten. Und eben möglichst wenig Frontallernen, sondern aktiv tun lassen und mitbestimmen lassen (wobei ich nicht weiß, ob der Junge gerne selbst mitbestimmt).
      Ich würde das Lernen so gestalten, dass es Spaß macht oder Interesse weckt und sich das Kind deshalb dem Lernen zuwendet. Alles andere finde ich nicht in Ordnung (aber ich kann auch die Ängste der Eltern und Erzieher verstehen, die die Meinung vertreten, dass ein guter Schulabschluss wichtig für den weiteren Lebensweg ist und man deshalb das maximal Mögliche fordert vom Kind).
    • @FruchtigBunt
      Auch für Asperger-Kinder ist Desinteresse an diversen Fachthemen typisch - ähnlich wie bei ADS.

      Zum Beispiel nachzulesen in "Adlerblick & Tunnelsicht - Tipps für Lehrer im Umgang mit Schülern mit Autismus"

      @Emerald
      Ich hatte das Buch damals gekauft und der Lehrerin meines Sohnes gegeben, damit sie sein Verhalten besser verstehen kann. Vielleicht findet Deine Freundin da ein paar brauchbare Ratschläge - das Buch ist weder dick noch teuer und beschreibt ganz gut, wie Kinder mit Asperger/HFA ticken und was man tun kann, um ihnen den Schulbesuch zu erleichtern.
      Es ist nicht Dein Job mich zu mögen - sondern meiner...
    • Ich fürchte auch, das ist AS-typisch - bei den Fächern, an denen man kein Interesse hat, schaltet das Gehirn einfach ab, und man nimmt nichts auf. Mit "kann gut mitarbeiten, wenn er will", hat das leider wenig zu tun, denn auch mit viel gutem Willen lässt sich das nicht überwinden. Vermutlich arbeitet er gut mit, wenn ihn etwas interessiert.
      Ich weiß leider nicht, was man dagegen tun könnte.
      I have my books
      And my poetry to protect me
    • Bitteleise wrote:

      bei den Fächern, an denen man kein Interesse hat, schaltet das Gehirn einfach ab, und man nimmt nichts auf. Mit "kann gut mitarbeiten, wenn er will", hat das leider wenig zu tun, denn auch mit viel gutem Willen lässt sich das nicht überwinden. Vermutlich arbeitet er gut mit, wenn ihn etwas interessiert.
      oder wenn er sich eben selber motiviert und sich selber gut begründet, warum ..besteht eine Chance der Überwindung zumindest bei AS, auch HB, welch ja das Lernen lernen müssen oft. .

      Ellewoods2017 wrote:

      Auch für Asperger-Kinder ist Desinteresse an diversen Fachthemen typisch - ähnlich wie bei ADS.
      ja.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”

      (Sylvia Boorstein)
    • FruchtigBunt wrote:

      Die Themen "Desinteresse" kenne ich von Autismus her nicht so...
      Ich kann da nur für mich als VA sprechen. Meine Hausaufgaben haben immer eeeeewig gedauert. Bei Themen die mich nicht interessiert haben war alles andere interessanter. Aus dem Fenster gucken, mit den verschiebbaren "Reitern" des Kalenders spielen, irgend was malen, mit dem Drehstuhl im Kreis drehen oder rauf und runter fahren usw. :m(: Waren es aber Themen die mich interessierten, dann haben die Hausaufgaben auch lange gedauert, weil alles möglichst perfekt und ausführlich sein sollte. Ich musste meine Hausaufgaben später dann im Esszimmer machen, da ich da unter Kontrolle war und nicht rumtrödeln konnte...

      Ich muß ehrlich zugeben, ich wüsste nicht, wie man mich damals hätte motivieren können die langweiligen Hausaufgaben zügig zu machen... 8o
    • @Ellewoods2017
      Danke für den Hinweis :thumbup:
      Vielleicht hole ich mir das Buch auch mal, um zu wissen, wie das Fachleute bzw Pädagogen sehen.
      Ich hätte als grobe Kategorien gesagt
      • Eigeninteresse aktivieren
      • Konditionieren
      • auf Bedürfnisse des Kindes eingehen
      Es würde mich interessieren, ob es noch weitere Ansätze (nicht: einzelne konkrete Methoden) gibt.
    • Könnte es sein, dass der Schüler einfach überlastet ist und sich ausklinkt, also mit seiner "Träumerei" einen meltdown vermeidet?
      Hat er gerade auf die weiterführende Schule gewechselt? Das ist für viele Kinder eine große Umstellung, und ich habe eine NT- Nachhilfeschülerin , die einfach nachmittags nur erschöpft ist. Sie war auf einer Dorfgrundschule und geht jetzt auf ein Gymnasium mit ca. 1000 Schülern.
      "Asperger ist eine unsichtbare Behinderung." "Oh, sieht man dir gar nicht an." "Ähhh....genau" :irony:
    • Ging's bei den Hausaufgaben um ein Thema, dass mich interessierte, waren die meistens in Nullkommanix fertig. Aber wehe, das Thema interessierte mich nicht. Dann dauerte das ewig, bis die Hausaufgaben fertig waren. Dann konnte ich mich da einfach nicht drauf konzentrieren. Für mich waren die Hausaufgaben aber etwas einfacher zu machen, wenn ich dabei Musik hören und Kaugummi kauen konnte. Keine Ahnung warum, aber mit Musik und Kaugummi kann ich mich auch heute noch viel besser konzentrieren als ohne. Kekse oder so wären bei mir kontraproduktiv gewesen. Ich hätte nämlich so lang rumgequengelt, bis ich alle Kekse bekommen und aufgegessen hätte. Und dann hätte ich trotzdem ewig für die Hausaufgaben gebraucht. :oops: :lol:
      "Je weniger wir Trugbilder bewundern, desto mehr vermögen wir die Wahrheit aufzunehmen."
      Erasmus von Rotterdam
    • Ich habe das Problem irgendwann für mich so gelöst, dass ich bei den Fächern, an denen ich kein Interesse hatte, meinen Einsatz auf ein Minimum beschränkte (so dass ich mich notenmäßig einigermaßen über Wasser halten konnte, aber mehr nicht), und meine ganze Energie in die Fächer gesteckt habe, an denen ich Freude hatte.

      War sicher keine perfekte Lösung, hat aber viel Spaß gemacht.
      I have my books
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