Wie fühlt es sich für euch an wenn euer kopf mal frei von all diesen reizen ist?

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    • Wie fühlt es sich für euch an wenn euer kopf mal frei von all diesen reizen ist?

      Hallo Community

      Ich hoffe nicht das jemand schon davor zu dieser frage einen thread gestartet hat.
      Ansonsten möchte ich euch erklären was im meinem kopf vorgeht wenn ich zu starken reizen ausgesetzt bin. Soweit ich von mir behaupten kann habe ich keine besondere probleme mit meinen augen,dem geschmackssinn oder dem geruchssinn aber mein tastsinn scheint etwas schwächer ausgeprägt zu sein.
      (Meine mutter meinte ich hätte mal ein bügeleisen das noch heiß war angefasst ohne die hand zurückzuziehen!!!) . Vorallem habe ich gemerkt das meine ohren empfindlich gegen lärm sind oder wenn zu viele geräusche meiner umgebung auf mich einprasseln(was eh beides zusammen allgegenwärtig vorkommt :cry: ) . Ich bekomme dann von zu vielen reizen in den meisten fällen mittelstarke bis sehr starke pochende drückende kopfschmerzen und werde schnell müde. Es fühlt sich im meinem kopf so an als wäre ich bei 40 grad celsius draußen gewesen. Ein glühend heißes fiebriges schwindelgefühl was mich schläfrig macht.(dank ohropax ist das jetzt kein so großes problem mehr :!: :d )







      Wenn ich aber meine 2 stündigen waldspaziergänge im wald mache ( in der wüste geht es jawohl kaum :irony: ), den würzigen nadelbaum duft einatme,die singvögel zwitschern höre, den modrigen waldboden rieche und das rauschen der laubblätter im wind höre dann fühlt es sich im meinem kopf kühl,leicht und klar an. Meine negativen gefühle verschwinden und in mir kehrt dann die eiserne ruhe ein. So fühlt es sich bei mir an wenn ich den ganzen reizen entkomme kann :nod: !

      Wie schaut es eigentlich bei euch aus wenn ihr von zu vielen reizen "erschlagen" werdet?

      Wie fühlt es sich bei euch an wenn ihr keine oder nur wenige reizen ausgesetzt seid?
    • Wenn es zu viele Reize sind kann es sein dass ich aggressiv werde und mir „die Sinne durchdrehen“ (sorry kann das nicht so gut in Worten beschreiben) also es passiert dann dass ich die Dinge um mich herum sehr schwer registriere weil alles auf mich einprasselt. Das was ich dann höre ist ein einziges durcheinander und manche Dinge „springen mir einfach ins Auge“zum Beispiel so kleine Details. Also dieser Zustand ist sehr schwer zu beschreiben.

      Aber zum Beispiel im Wald fühle ich mich sehr beruhigt und habe auch sowas wie eine innere Ruhe und finde es auch schön zum Beispiel Vögel zwitschern zu hören.
    • Ich schalte zunächst in einen "Scheuklappen"- oder "Tunnel-Modus", wo ich versuche, zu fokussieren und auszublenden, das kann ich aber nur schlecht und sehr begrenzte Zeit und nur, wenn ich vorher sehr ausgeruht bin, und rutschte dann in die Überforderung, wo alles auf mich einprasselt, akustisch, visuell, taktil, olfaktorisch, das würde ich auch mit "durchdrehen" bezeichnen, weil alles gleichzeitig und wie ein Wirbelsturm auf mich einwirkt und mitreißt, ich erstarre dann innerlich, muss eigentlich weinen, will das aber nicht in einer für andere "normalen" Situation vor anderen, spüre, wie in mir, im Kopf Druck ensteht, und funktioniere dann irgendwie in einem Automatik-Modus ganz notdürftig und wie ein Computer, also nachdenken funktioniert dann nicht mehr, ich gebe unpassende Antworten, wo ich Satzbausteine anderer wiederhole und ähnliches. Wenn ich endlich aus der Situation rauskann, breche ich regelrecht zusammen und muss dann stundenlang "abtauchen", indem ich irgendwo sitze oder liege und vor mich hin starre. Regelmäßig bekomme ich dann 8 bis 24 Stunden später eine Migräne.
    • Akkustisches durcheinander führt bei mir recht schnell zu einem Gefühl der Orientierungslosigkeit, mit einem ziehenden Schmerz in der Stirn.
      Ignoriere ich das, intensivieren sich hören, riechen, fühlen und die Farbwahrnehmung verändert sich. Tagsüber verblasst sie, nachts wird sie intensiver (Lichtquellen).
      Ignoriere ich das weiterhin, kann es dazu kommen, dass ich alles wie in einer Blase Wahrnehme, wobei die Reize sich in der Blase befinden und die Blase wie eine Sphäre meinen visuellen Horizont bildet. Ab diesem Moment ist alles leere Information, ohne Bezug zueinander, das Fühlen verschwindet in diesem Moment ebenso wie der Bezug zu meinen Erinnerungen und Gedanken eingeschränkt ist. Als Kind lag mein Fokus in diesen Momenten auf "nicht verloren gehen", was sich in der Pubertät dann in Richtung "nicht Auffallen, um jeden Preis funktionieren" gewandelt hat.
      Danach brauche ich dann viel Schlaf, am besten sofort nachdem ich wieder in einer reizärmeren Umgebung bin, und habe am nächten Tag meist noch eine extrem intensivierte Wahrnehmung und verfluche Menschen und ihre Versuche "gut" zu riechen, indem sie sich mit synthetischen Gerüchen einsauen...

      Glücklicherweise gibt es noch einige fließende Veränderungen dazwischen, es ist also keine unvorhersehbare Überraschung. Ich musste jedoch erst lernen, dass ich mich dem nicht aussetzen MUSS und dass ein Rückzug völlig legitim ist, auch wenn mein Umfeld es nicht verstehen kann und mit dummen Sprüchen reagiert.


      Der Wald dagegen ist ein faszinierender Ort mit differenzierbaren Geräuschen, welche nicht einfach da sind, sondern eine Position auf meiner inneren Karte darstellen.
      Gerüche haben einen Ursprung, sie sind natürlich. Der Boden ist kühl und abwechslungsreich, passt zur vorherrschenden Vegatation.
      Wald ist Ordnung, anstatt Chaos! Diese Ordnung scheint sich auf mein inneres zu übertragen. Ich bin entspannt, meist gedankenlos im Jetzt. Ohne Störfaktoren.
      Hätte ich die Möglichkeit, würde ich im Wald leben...

      Ohropax habe ich inzwischen immer dabei und nutze daheim, z.B. zum Staubsaugen oder auch beim Spielen mit den Kindern oder zum Schlafen einen Kapselgehörschutz.
      Er ist aber eher Mittel zum Zweck um länger funktional bleiben zu können. Ich mag ihn aber nicht besonders weil er ebenfalls in meine Orientierung eingreift und sich meine Schritte dann wie Godzilla anhören...
    • Silas 2001 wrote:

      Ein glühend heißes fiebriges schwindelgefühl, was mich schläfrig macht.
      das ist voll die passende Beschreibung, finde ich :nod:

      dazu kommt bei mir noch, dass ich dann meistens aggressiv werde und nicht mehr alles um mich herum wahrnehme :? (ähnlich wie Gedankenkarusell99 das beschreibt)

      wenn ich wenigen Reizen ausgesetzt bin, bin ich entweder recht gedankenlos oder irgendwie euphorisch :lol:
      aber so ein waldspaziergang, wie viele das beschreiben, bringt mich nicht runter. manchmal beruhigte es mich, wenn ich mit einem pferd entspannt im wald geritten bin. aber ich denke, das liegt zum großteil am pferd und der ruhe dort und dass die sonne dort nicht so krass scheint.
      so ein spaziergang hingegen würde mich mit der zeit irgendwie aggressiv machen, weil man viel zu langsam voran kommt :lol: :lol:
      Was ich brauch' ist ein Pinguin mit Übergewicht, der für mich das Eis bricht, denn ich kann das nicht! ~Jennifer Rostock
    • Silas 2001 wrote:

      (Meine mutter meinte ich hätte mal ein bügeleisen das noch heiß war angefasst ohne die hand zurückzuziehen!!!)
      In einen der Aspie Bücher meiner Mutter stand, dass Autisten ein anderes Schmerzempfinden haben. Ich weiß nicht ob da genau stand, dass es dauert bis der Reiz wahrgenommen wird, aber als ich immer vom brennend heißen Tee getrunken habe, meinte sie, dass steht im Buch, dass Autisten -wie soll ich sagen- schmerzen kurz länger aushalten können. Vielleicht auch wirklich weil der Reiz länger braucht um anzukommen oder weil man das besser aushalten kann.


      sorry off topic . ist mir nur so aufgefallen
      ADHS & Autismus.
    • Silas 2001 wrote:

      Wie schaut es eigentlich bei euch aus wenn ihr von zu vielen reizen "erschlagen" werdet?
      Das Denken wird immer langsamer und kommt schlimmstenfalls zum Stillstand.
      Die innere Unruhe wird immer stärker. Es fühlt sich wie ein Vulkan an, der gleich ausbrechen will.

      Silas 2001 wrote:

      Wie fühlt es sich bei euch an wenn ihr keine oder nur wenige reizen ausgesetzt seid?
      Einfach normal.
      Wobei völlige Stille auch nicht gut ist, dann wird der Tinnitus immer lauter.
      Ebenso völlige Dunkelheit. Dann kommt Panik auf, weil ich nicht mehr jederzeit weiß, wo ich bin.
      _,.-o~^°´`°^~o-.,_Ich ess Blumen...,.-o~^°´`°^~o-.,_
      Im Übrigen bin ich der Meinung, dass das Teilnehmer-Limit von Privatkonversationen verdoppelt werden sollte.