"Videothek" im Kopf, sehr gutes Langzeitgedächtnis

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    • "Videothek" im Kopf, sehr gutes Langzeitgedächtnis

      Entschuldigt, dass gleich noch ein Thema hinterher kommt, ich fröne heute mal wieder meiner Logorrhoe... :fun:
      Ich habe es ja in einem anderen Thema kurz angesprochen, ich kann mich extrem gut an Vergangenes erinnern. Dabei "fotografiert" mein Gehirn nicht, sondern es fertigt kurze "Videoclips" an, die ich beliebig oft und nach Belieben abrufen kann. Dabei habe ich allerdings keinerlei Einfluss darauf, welche Szenen "aufgenommen" werden, es sind sowohl schöne als auch traurige oder sehr unschöne Momente darunter. Allerdings überwiegen die unschönen Erinnerungen. Meine ältesten Erinnerungen reichen bis vor meinen 3. Geburtstag, was mir manch ein Psychiater (selbst ein leitender Oberarzt der Psychiatrie war darunter :m(: ) einfach nicht glauben wollte. Durch ein wenig Recherche im Internet kam ich aber schnell zu der Erkenntnis, dass ich hiermit nicht alleine bin.

      Interessanterweise kann ich mich in der Umgebung, die in meinem Hirn als Clip existiert, gedanklich frei bewegen. Ich kann durch den Raum gehen und sämtliche Gegenstände beschreiben, so, wie sie tatsächlich damals dort lagen. Das wirklich Interessante daran ist aber: Wenn ich gedanklich über beispielsweise den blauen Stubenhocker am Fenster streichele, kann ich das tatsächlich auf eine gewisse Art und Weise auf meiner Handinnenfläche spüren. Auch erinnere ich mich an Gerüche und rieche diese tatsächlich gedanklich. Ich weiß nicht wie ich das beschreiben soll, das ist so furchtbar schwer zu erklären. Es ist fast so, als wäre ich da. Nicht mehr hier, sondern tatsächlich in der Vergangenheit, nur nicht mehr so klar, sondern schemenhafter.

      Vielleicht kann man solch eine "Fähigkeit" ja dazu nutzen, sich einen inneren Zufluchtsort aufzubauen, auf den man zurückgreifen kann, wenn alles einmal wieder zu viel wird (was verdammt oft der Fall ist). Was meint ihr? Ich dachte, wenn mich einer verstehen kann, dann seid ihr das, denn:

      Ich denke, hier gibt es bestimmt noch mehr Leute, die diese Fähigkeit haben. Erzählt doch mal, wie das bei euch ist.

      PS.: Das wäre vielleicht auch noch wichtig zu erwähnen: Mein Kurzzeitgedächtnis ist hingegen wie ein Sieb. (RW) Ich müsste jetzt ernsthaft überlegen, was ich heute morgen gegessen habe. Das ist jetzt schon nicht mehr in meinem Gedächtnis vorhanden. :?

      The post was edited 2 times, last by coeur noir ().

    • Sowas ähnliches, kurze Clips, die ich wieder und wieder "durchlebe" (durchleben kann). Allerdings ohne die Möglichkeit, mich darin zu bewegen, dafür mit dem "Kurzzeit-Sieb", wie du es auch beschreibst.
      Bei (Rück-) Fragen bitte mit @ anschreiben, sonst übersehe ich das. -- Wie das Land, so die Witze: Platt. -- Selbsthilfegruppe Öffentlicher Dienst
    • Bei mir ist das wie bei @muetzentraeger. Ich kann mich auch an Dinge erinnern, die sich dann sozusagen vor mir wieder abspielen und ich zusehen kann. Nur kann ich mich aber eben auch nicht bewegen, weder nehme ich Gerüche wahr. Welche Situationen gespeichert werden kann ich auch nicht bestimmen. Ausser , wenn ich Dinge für die Schule lerne habe ich ab und zu das Glück, dass ich mir meine Lernzettel in der Klausur bildlich vorstellen kann. Zwar nicht alles, aber einige Teile schon. Kurzzeitgedächtnis ist aber definitiv auch vorhanden.
    • Ja ich sehe auch alles wie einen Film und meine Eltern sind erstaunt an was ich mich alles erinnern kann. Das zu können kann ein Geschenk sein weil man auch in schönen Erinnerungen so verweilen kann als wäre man in die Zeit zurückgereist. Das mit dem Berühren kenne ich bei mir nicht, aber das mit den Gerüchen passiert bei mir auf andere Weise. Wenn ich zum Beispiel etwas rieche dass mich an vergangene Zeiten erinnert kann ich diese Erinnerung sehen wie ich es sonst auch kann aber zusätzlich auch noch diesen Geruch riechen.

      Leider gibt es aber auch negative Dinge. Schlimme Erinnerungen speichere ich nämlich genauso ab und oft, meistens wenn ich abends im Bett liege, spielen sie sich immer und immer wieder in meinem Kopf ab und muss sie somit immer wieder aufs Neue erleben.
    • Ich kenne das mit haptischen Eindrücken und Geruch und Geschmack. ..bestimmte Szenen enthalten all dies. ...und wenn ich z.b alte Fotos sehe , weiß ich, wie die Gegenstände darauf sich anfühlen , wie meine Mama roch ; ......und wie der rote Lolli duftete und schmeckte , ist wieder in den Sinnen, auch mein erfreutes Gefühl dazu.
      Der Geruch damals vom Stoppelfeld und das Gefühl an den Füßen darauf. Das etwas unangenehme Gefühl, als wir etliche Kartoffelkäfer absammeln mussten.

      Wie mein erster Freund abschätzig anmerkte :das tut man nicht....Als ich voll kindlicher Freude über den ersten Schnee in dem Winter ein Muster darauf lief. .. und ich ihn ungläubig ansah.

      Wiederum anderes ist total weg aus der Erinnerung.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”


      (Sylvia Boorstein)
    • coeur noir wrote:

      Dabei "fotografiert" mein Gehirn nicht, sondern es fertigt kurze "Videoclips" an, die ich beliebig oft und nach Belieben abrufen kann.
      Krass, das habe ich auch, genauso. Ich habe das schon bei mehreren Psychiatern angesprochen, weil ich wissen möchte, was da passiert. Die Antworten waren immer, es hätte etwas mit der besonderen Art der Verarbeitung zu tun. Eigentlich logisch.

      Ich kann z.B. manchmal noch Wochen später sagen, wie viele Leute in einem Cafe wo saßen. Wenn ich von irgendeinem neuen Ort nach Hause komme, habe ich den neuen Ort noch eine ganze Weile als Video nebenher laufen. So, als würde mein Hirn etwas hochladen- in einem nicht allzu schnellen Netz. Ich finde diese Parallelwelten dann immer sehr anstrengend.
    • Auch ich habe diese kurzen Clips im Kopf. Die erste dieser Erinnerungen kann ich auf mein drittes Lebensjahr "belegen". Evtl. gibt es da eine Erinnerung, die noch etwas älter ist. Auch den ungefähren Zeitraum müsste ich noch raus bekommen. Bewegen kann ich mich darin auch nicht.

      Steuern, was ich so abspeicher, kann ich nicht. Das scheinen alles Momente zu sein, die mich irgend wie stärker "berührt" haben. Z.B.
      kritische Situationen / beinahe Unfälle beim Autofahren, Momente in denen ich angespannt / verwundert / beeindruckt war oder es mir wirklich gut ging.

      Mein Kurzzeitgedächtnis ist auch erschreckend löchrig. "Mal eben Werkzeug aus dem Keller holen..." Auf dem Weg in den Keller schweifen meine Gedanken schon wieder ab... Dann stehe ich oft im Keller in der Werkstatt und frage mich, was ich denn jetzt überhaupt holen wollte... :m(: Allerdings weiß ich ganz genau, was ich zum Frühstück gegessen habe. Ich esse eh jeden Morgen das gleiche. :lol:


      EDIT: Gerüche oder haptische Erinnerungen habe ich beim "Abspielen" der Clips nicht. Allerdings lösen Gerüche manchmal Erinnerungen mit "automatischem Abspielen" aus.

      The post was edited 1 time, last by H. M. Murdock ().

    • H. M. Murdock wrote:

      Allerdings weiß ich ganz genau, was ich zum Frühstück gegessen habe. Ich esse eh jeden Morgen das gleiche
      Auch so. Mein Kurzzeitgedächtnis ist ein Totalausfall, vor allem, wenn ich mir etwas merken soll, was mich nicht wirklich interessiert- und da gibt´s einiges.

      Ich habe ein ganz schlechtes Allgemeinwissen. Wie heißt welcher Politiker und welches Amt hat der? Was ist das für ein Baum?......boah. Peinlich! Ich finde es furchtbar, so etwas nicht zu wissen, aber ich kann es mir nicht merken. Dafür kann ich ganz schnell mal ein komplexeres Word Problem lösen und weiß den Inhalt von Packungsbeilagen von Medikamenten, sobald ich den "Waschzettel" gelesen habe- obwohl ich es mir gar nicht merken will.
    • Ani wrote:

      Ich habe ein ganz schlechtes Allgemeinwissen. Wie heißt welcher Politiker und welches Amt hat der? Was ist das für ein Baum?......boah. Peinlich! Ich finde es furchtbar, so etwas nicht zu wissen, aber ich kann es mir nicht merken. Dafür kann ich ganz schnell mal ein komplexeres Word Problem lösen und weiß den Inhalt von Packungsbeilagen von Medikamenten, sobald ich den "Waschzettel" gelesen habe- obwohl ich es mir gar nicht merken will.
      Das geht mir ganz genauso. Vor allem das mit den Politikern führt oft zu peinlichen Situationen, denn anscheinend MUSS man wissen, wer aktuell Wirtschaftsminister ist oder so. Ich glaube ich kann mir das nicht merken, weil das für mich nicht relevant ist.
      Mit Bäumen und Blumen geht es mir auch so. Ist mir ja auch im Prinzip egal, wie die heißen, ändert ja nichts.

      Mit Soziologie habe ich spannende Erfahrungen gemacht: Im Grundstudium konnte ich mir in den Soziologie-Seminaren nichts merken, als ich mir soziologische Inhalte dann autodidaktisch aneignen musste, um per Prüfung zu einem höheren Abschluss zugelassen zu werden ging es plötzlich total leicht in meinen Kopf. Unabhängig davon, dass ich kein auditiver Lerntyp bin, sehe ich bestätigt, was ich mal las, nämlich, dass Autisten überdurchschnittlich gut Sachen lernen können für die sie sich interessieren und unterdurchschnittlich gut Dinge, die sie nicht interessieren.
      Surprised by the joy of life.
    • Ich danke euch allen für eure Beiträge, @muetzentraeger, @Ms.Shield, @Gedankenkarussell99, @Linnea, @Ani, @H. M. Murdock und schließlich noch @Surprised.

      Ich dachte mir schon, dass es hier einige Autisten und Autistinnen gibt, die ein sehr gutes Gedächtnis haben.

      Gedankenkarussell99 wrote:

      Schlimme Erinnerungen speichere ich nämlich genauso ab und oft, meistens wenn ich abends im Bett liege, spielen sie sich immer und immer wieder in meinem Kopf ab und muss sie somit immer wieder aufs Neue erleben.
      Das belastet mich auch oft. Dann lenke ich mich mit meiner Lieblingsmusik ab. Es hilft aber nicht immer.

      Linnea wrote:

      Ich kenne das mit haptischen Eindrücken und Geruch und Geschmack. ..bestimmte Szenen enthalten all dies. ...und wenn ich z.b alte Fotos sehe , weiß ich, wie die Gegenstände darauf sich anfühlen , wie meine Mama roch ; ......und wie der rote Lolli duftete und schmeckte , ist wieder in den Sinnen, auch mein erfreutes Gefühl dazu.
      Der Geruch damals vom Stoppelfeld und das Gefühl an den Füßen darauf. Das etwas unangenehme Gefühl, als wir etliche Kartoffelkäfer absammeln mussten.
      Ich musste jetzt erstmal googeln was denn "haptische Eindrücke" sind. Danke für den Hinweis, so nennt man das also.

      H. M. Murdock wrote:

      Auch ich habe diese kurzen Clips im Kopf. Die erste dieser Erinnerungen kann ich auf mein drittes Lebensjahr "belegen". Evtl. gibt es da eine Erinnerung, die noch etwas älter ist. Auch den ungefähren Zeitraum müsste ich noch raus bekommen. Bewegen kann ich mich darin auch nicht.
      Ich kann den Erinnerungen das Jahr zuordnen, allerdings nicht das genaue Datum auf den Tag genau. Die in meinem Eingangspost beschriebene Erinnerung stammt aus dem Jahr 1995. Die Wohnung, die ich zum Teil beschrieben habe, existiert in meinem Kopf als Erinnerung. Somit kann ich durch sie gedanklich hindurch laufen. Ich sehe immer noch die Anordnung sämtlicher Küchengeräte, gegenüber das Schlafzimmer mit besagtem blauen Hocker, der blauen Tagesdecke mit großem rosa Kissen auf dem Bett, gegenüber des Bettes der Spiegelschrank mit ovalem großen Spiegel und links davon ein Kleiderschrank usw. Ich könnte sogar noch jedes einzelne Spielzeug in meinem Zimmer benennen sowie die Farben der Kisten, in denen diese verstaut waren.

      Ani wrote:

      Ich habe ein ganz schlechtes Allgemeinwissen. Wie heißt welcher Politiker und welches Amt hat der? Was ist das für ein Baum?......boah. Peinlich! Ich finde es furchtbar, so etwas nicht zu wissen, aber ich kann es mir nicht merken. Dafür kann ich ganz schnell mal ein komplexeres Word Problem lösen und weiß den Inhalt von Packungsbeilagen von Medikamenten, sobald ich den "Waschzettel" gelesen habe- obwohl ich es mir gar nicht merken will.
      Mein Allgemeinwissen ist auch nicht das Beste. Ist es leider auch noch nie gewesen. Ich habe mich leider nie für Baumarten interessiert, um bei deinem Beispiel zu bleiben und daher blieb das, ganz wie bei dir, einfach nicht im Gedächtnis. Allerdings könnte ich dir alle 151 PokéMon aus Staffel 1 aufzählen, das ist hängengeblieben... :m(: :oops:

      Surprised wrote:

      dass Autisten überdurchschnittlich gut Sachen lernen können für die sie sich interessieren und unterdurchschnittlich gut Dinge, die sie nicht interessieren.
      Das hatte ich sogar mal irgendwo gelesen und ich kann das aus meiner Sicht nur bestätigen.
    • coeur noir wrote:

      Ich danke euch allen für eure Beiträge, @muetzentraeger, @Ms.Shield, @Gedankenkarussell99, @Linnea, @Ani, @H. M. Murdock und schließlich noch @Surprised.

      Ich dachte mir schon, dass es hier einige Autisten und Autistinnen gibt, die ein sehr gutes Gedächtnis haben.




      Das belastet mich auch oft. Dann lenke ich mich mit meiner Lieblingsmusik ab. Es hilft aber nicht immer.
      Bei mir ist es manchmal auch irgendwie umgekehrt. Manchmal machen mir schöne Erinnerungen so gute Laune, dass ich mir Musik anhöre. Bei schlechten Erinnerungen habe ich leider keine Methode gefunden was man dagegen machen könnte.
    • Gedankenkarussell99 wrote:

      Bei mir ist es manchmal auch irgendwie umgekehrt. Manchmal machen mir schöne Erinnerungen so gute Laune, dass ich mir Musik anhöre. Bei schlechten Erinnerungen habe ich leider keine Methode gefunden was man dagegen machen könnte.
      Wie gesagt, ich versuche, schlechte Erinnerungen mit Musik zu verarbeiten. Ich höre dann meistens melancholische Lieder. Ich habe aber auch die Erfahrung gemacht, dass ich das besser nicht in einer Depression tun sollte, da mich das dann noch trauriger macht. Positive Gefühle sind so eine Sache bei mir, sie überfluten mich schnell, ich habe auch Probleme sie richtig zu deuten (spüre ich jetzt gerade Freude, Glück oder Aufregung? Ich kann das schlecht auseinander halten). Ich kann mich aber am ehesten bremsen indem ich fröhliche Musik höre, so komme ich dann, meistens, irgendwann im Laufe des Tages wieder runter.
    • Ich hätte gern solch ein Gedächtnis. Meines ist, was erlebtes betrifft, weitestgehend statischer Natur. Ich erinnere mich nicht, bzw. nur sehr, sehr begrenzt an Szenen. Ich weiß, dass Dinge passiert sind, ohne dass ich die Situation noch einmal aufrufen kann. Umfangreiche Einzelheiten, welche mit der Situation zu tun haben, kann ich selten abspeichern.
      Dafür ist mein Gedächtnis für akustische Reize und mein Vorstellungsvermögen von Klängen hervorragend. Entsprechend erinnere ich mich auch besser an Stimmen, als an Gesichter, welche ich kaum abrufen kann.
      Im Jahr kommen mehr Menschen durch Esel ums Leben, als durch Flugzeugabstürze.
    • coeur noir wrote:

      Vielleicht kann man solch eine "Fähigkeit" ja dazu nutzen, sich einen inneren Zufluchtsort aufzubauen, auf den man zurückgreifen kann, wenn alles einmal wieder zu viel wird (was verdammt oft der Fall ist). Was meint ihr?
      In der Art wie ich mich erinnere gibt es viel (geschätzt 80%) Ähnliches. Die beiden wesentlichen Unterschiede für mich sind: Ich kann nichts "Nachfühlen(-tasten)" oder "Nachriechen" - meine "Kontrolle" bei diesen Erinnerungen bezieht sich auf die visuelle Ebene. Ich kann quasi die Pausetaste drücken und mich dann umsehen. Oder begrenzt alternative Varianten durchspielen. Oder mehrere miteinander kombinieren, um mich durch einen Ort zu bewegen.
      Der zweite Unterschied (keine Ahnung, ob relevant) ist, dass auch mein Kurzzeitgedächtnis gut ist.

      Der Punkt, auf den ich hinaus will: Ich kann dies dazu nutzen, einen "Zufluchtsort" zu erschaffen. Konkret: Wenn ich eigentlich schlafen will, aber meine Gedanken wie irre kreisen (RW), dann hilft es mir manchmal, mir vorzunehmen, wieder einen Ort aus der Vergangenheit zu rekonstruieren. Der Ausgangspunkt ist dabei eine lebhafte Erinnerung. Dann drücke ich die Pause-Taste (sozusagen) und versuche mich Stück für Stück (RW) entlang vergrabener Erinnerungen von dort weg in den Rest der Wohnung, des Hauses, der Stadt und wieder zurück zu bewegen.
      Of course I talk to myself! :nod: Sometimes I need expert advice. :prof:
    • Zombie Boy wrote:

      Dafür ist mein Gedächtnis für akustische Reize und mein Vorstellungsvermögen von Klängen hervorragend. Entsprechend erinnere ich mich auch besser an Stimmen, als an Gesichter, welche ich kaum abrufen kann.
      Meine Lieblingslieder sind in meinem Kopf ebenfalls abgespeichert und ich kann sie nach belieben geistig wiedergeben. Ich denke aber, dass das nichts Ungewöhliches ist, ein NT-Freund von mir kann das auch. Der merkt sich Lieder auch ohne Probleme. Gesichter kann ich mir ungewöhlich gut merken, obwohl ich las, dass manche oder sogar viele Asperger-Autisten hiermit Probleme haben. Selbst wenn sich jemand stark äußerlich verändert hat, ein wenig verkleidet ist oder gealtert ist fällt mir an dem ein oder anderen Gesichtszug auf, wer es ist. Als ich meinen Mann darauf hinwies, dass der Darsteller von Dave aus Alvin und die Chipmunks der selbe Schauspieler ist wie der aus "My Name is Earl", war er sehr überrascht. Es war ihm nicht aufgefallen, mir schon. ;)
    • Digital_Michael wrote:

      Der Punkt, auf den ich hinaus will: Ich kann dies dazu nutzen, einen "Zufluchtsort" zu erschaffen. Konkret: Wenn ich eigentlich schlafen will, aber meine Gedanken wie irre kreisen (RW), dann hilft es mir manchmal, mir vorzunehmen, wieder einen Ort aus der Vergangenheit zu rekonstruieren. Der Ausgangspunkt ist dabei eine lebhafte Erinnerung. Dann drücke ich die Pause-Taste (sozusagen) und versuche mich Stück für Stück (RW) entlang vergrabener Erinnerungen von dort weg in den Rest der Wohnung, des Hauses, der Stadt und wieder zurück zu bewegen.
      Genau so hab ich mir das vorgestellt. Einfach wieder an schöne Orte aus der Kindheit erinnern, die einem einst Sicherheit gaben. Vielleicht wäre das eine geeignete Methode, um sich, wenn mal wieder alles zu viel wird, zu entspannen.
    • coeur noir wrote:

      Einfach wieder an schöne Orte aus der Kindheit erinnern,
      Ein kleiner Unterschied, soweit es mich betrifft: Streiche das Wort "schöne". Ich nehme eine - nennen wir es mal: lebendige - Erinnerung; egal ob gut oder schlecht. Die friere ich ein (RW) und dann beschäftige ich mich damit, den Raum zu erweitern - mit anderen, weniger präsenten Erinnerungen. Alles mit dem Ziel, mich wie in einer virtuellen Welt quasi frei im Raum (ohne Zeit) bewegen zu können. Auch alle neuen Bilder auf dem Weg friere ich ein (also: ich wehre mich dagegen, den Moment nochmal zu erleben). Das bindet bei mir soviel Konzentration, dass es mich beruhigt.
      Of course I talk to myself! :nod: Sometimes I need expert advice. :prof:
    • coeur noir wrote:

      Zombie Boy wrote:

      Dafür ist mein Gedächtnis für akustische Reize und mein Vorstellungsvermögen von Klängen hervorragend. Entsprechend erinnere ich mich auch besser an Stimmen, als an Gesichter, welche ich kaum abrufen kann.
      Gesichter kann ich mir ungewöhlich gut merken, obwohl ich las, dass manche oder sogar viele Asperger-Autisten hiermit Probleme haben.
      Wenn es wirklich sosehr viele Asperger-Autisten wären, die Probleme mit Gesichterunterscheidung/-wiedererkennung haben, dann wäre dies wohl Teil der Diagnosekriterien, ist es aber nicht. - Es gibt jedoch Prosopagnosie als eigenständige Diagnose, und sie kommt wesentlich häufiger als Asperger-Autismus vor, die meisten Betroffenenen sind auch nicht autistisch.

      Ich selbst habe ebenfalls ein ausgeprägt gutes (überdurchschnittliches) Gedächtnis für Gesichter. Jedoch gibt es auch Gesichter, die für mich einfach zu uncharakteristisch sind und die ich mir darum nicht so gut merken kann - selbst jemand aus der Verwandtschaft gehört zu jenen, jedoch sehe ich ihn auch sehr selten. Zudem habe ich auch ein größeres Interesse an der Vielfalt des Aussehens von Menschen, z.B. rate/analysiere ich gerne anhand von Bildern, aus welchem Land jemand wohl stammt.

      Mein Langzeitgedächtnis für viele Facetten des Lebens betrachte ich als kümmerlich (leider), so fällt es mir sehr schwer, bereits nach relativ kurzer Zeit noch irgend etwas von Fernsehserien in Erinnerung zu behalten, obwohl diese mich teilweise sehr "gefesselt" hatten.

      Wenn mich etwas hingegen in besonderem Maße interessiert, dann habe (hatte) ich ein extrem gutes Gedächtnis (nun gut, mit zunehmendem Alter auch nicht mehr ganz so); zu Gymnasialzeiten galt ich als "wandelndes Wörterbuch"; eine Lehrerin äußerte sich mal vor der Klasse in der Weise auf mich bezogen, daß sie so jemanden wie mich in ihrer ganzen Lehrerkarriere noch nie erlebt habe! Wie jedoch schon erwähnt, trifft das inzwischen nicht mehr so richtig zu; manches scheint sich mit dem Älterwerden zu verlieren/abzubauen, wie z.B. auch meine frühere Synästhesie (etwa meine Farbassoziationen zu Geschmacksrichtungen oder Konsistenzen von Speisen).

      The post was edited 1 time, last by sempron ().

    • coeur noir wrote:

      Wie gesagt, ich versuche, schlechte Erinnerungen mit Musik zu verarbeiten. Ich höre dann meistens melancholische Lieder. Ich habe aber auch die Erfahrung gemacht, dass ich das besser nicht in einer Depression tun sollte, da mich das dann noch trauriger macht. Positive Gefühle sind so eine Sache bei mir, sie überfluten mich schnell, ich habe auch Probleme sie richtig zu deuten (spüre ich jetzt gerade Freude, Glück oder Aufregung? Ich kann das schlecht auseinander halten). Ich kann mich aber am ehesten bremsen indem ich fröhliche Musik höre, so komme ich dann, meistens, irgendwann im Laufe des Tages wieder runter.
      Bei mir macht mich bei schlechten Erinnerungen Musik noch trauriger und verbinde dann die Musik die ich gehört habe mit dieser Erinnerung. Ja ich kann das auch schwer auseinanderhalten ich merke halt nur dass ich mich sehr glücklich fühle und manchmal bin ich auch dann total aufgedreht. Dann höre ich auch die ganze Zeit Musik und ja bei mir dauert es auch oft bis zum nächsten Morgen bis ich wieder runterkomme.
    • sempron wrote:

      Wenn es wirklich sosehr viele Asperger-Autisten wären, die Probleme mit Gesichterunterscheidung/-wiedererkennung haben, dann wäre dies wohl Teil der Diagnosekriterien, ist es aber nicht. - Es gibt jedoch Prosopagnosie als eigenständige Diagnose, und sie kommt wesentlich häufiger als Asperger-Autismus vor, die meisten Betroffenenen sind auch nicht autistisch.
      Das stimmt, darüber habe ich noch nie nachgedacht. Es ist tatsächlich kein Diagnosekriterium. Danke für die Beschreibung, ich glaube, ich informiere mich mal ausführlicher über Prosopagnosie, das hat mich irgendwie neugierig gemacht.