YouTube-Videos des VKM Aachen

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    • YouTube-Videos des VKM Aachen

      Der eine oder andere von euch hat vielleicht schon mitbekommen, dass der VKM Aachen in Kooperation mit Alexianer Aachen ein Projekt gestartet haben, das zum Ziel hat, mit Hilfe von Kurzfilmen über "unsichtbare Behinderungen" aufzuklären und Verständnis dafür zu fördern. In zwei dieser Filme, die auf YouTube zu sehen sind:



      ist das Asperger-Syndrom Thema. Dargestellt wird ein Asperger-Autist auf einer Party bzw. eine Asperger-Autistin bei einem Bewerbungsgespräch.
      Die Rückmeldungen, die ich bislang zu diesen Videos gehört habe, waren ganz überwiegend negativ in dem Sinne, dass zwar die Absicht gutgeheißen wird, die Umsetzung aber kritisiert wird. Auch auf mich wirkte die Darstellung (durch offenbar selbst nicht autistische Schauspieler) extrem und Klischees über Autismus bedienend. Beide Charaktere erschienen in meinen Augen, vorsichtig ausgedrückt, nicht gerade als "Sympathieträger". Mich würde euer Eindruck interessieren, nicht zuletzt, da wir dabei sind, als Interessenvertretung autistischer Menschen an die Filmemacher heranzutreten und unsere Sicht der Dinge einzubringen; es soll nämlich nicht bei YouTube-Videos bleiben, sondern das ist als groß angelegte Kampagne gedacht, die bald auch in die Kinos kommen soll; bevor das aber passiert, würden wir da, wie gesagt, gerne einwirken, da eine Reihe von Autisten und Autistinnen, die den Film gesehen haben, deutlich geäußert haben, dass das nicht so unkommentiert gesendet werden kann und eher geeignet ist, dem Anliegen von Akzeptanz und Inklusion autistischer Menschen zu schaden.
    • Schwierig, denn zum einen ist der Klischeevorwurf naheliegend. Auf der anderen Seite fand ich die Twists zum Ende, die die Situation positiv auflösen, durchaus gelungen. Es soll wohl also eher ein Spiel mit den Klischees sein, aber ob andere das auch so sehen?
      "In das Popcorn, das Sie gerade essen, hat wer reingepisst!" (Kentucky Fried Movie)


      "Sind Sie Polizisten?" "Nein, Ma'am. Wir sind Musiker!" (The Blues Brothers)
    • Also ich hab das erste Video eben angeschaut und mir fiel auch auf, dass irgendwie Merkwürdigkeiten sehr betont sind. Die Person wird sehr begriffstutzig dargestellt, was meiner Meinung nach in dieser Dimension bezogen auf das Alter nicht so typisch ist und passt. Das Ding mit dem Blickkontakt wird übertrieben dargestellt, zumal afaik ein flüchtiger, aber auch ein starrender Blickkontakt, wenig kommunikative Augen realistischer wären. In dem Video ist erkennbar, dass die Menschen bereits nach den allerersten Interaktionen eine Merkwürdigkeit wahrnehmen. Und genau das ist so schnell und einfach imo oft nicht der Fall. Denn vielmehr existieren fortlaufend Erwartungshaltungen, die sich am "normalen" Menschen orientieren, was die Dinge eben zum Hardcore macht.

      Ich glaube, dass es schwierig ist in einem, vor allem 3-Minuten-Video, ein authentisches Bild abzuliefern. Denn über lange Strecken würde durchaus auch dazugehören, dass dem Unwissenden nichts auffällt, was er mit Behinderung in Verbindung bringen würde. Die Extremmomente sind imo nicht repräsentativ für die meiste Zeit und so könnte ein Eindruck entstehen, dass Aspies so sind, wie es im Video dargestellt wird.

      Aber das sind nur so Gedanken. Ich will das Projekt sonst nicht niedermachen oder so. Die Produktion ist ansonsten ganz gut und hebt sich von Do-it-yourself-Smartphone-Filmungen ab. :)
      In letters of gold on a snow white kite I will write "I love you"
      And send it soaring high above you for all to read
    • Das erste macht mich schnell sauer...das mit dem Hören der Schritte kenne ich, aber dass sie beim Bewerbunggesprächen vorher nicht lernte, zu begrüssen und der Auffordrung zu folgen sich hinzusetzen, ist peinlich dargestellt.
      Ich habe da erstmal abgebrochen.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”


      (Sylvia Boorstein)
    • Ich denke, dass AS eine Komplexität und mitunter auch Subtilität aufweist, dass man dem im Rahmen von 3-4 Minuten Videoclips prinzipiell nicht gerecht werden kann.
      Die Absicht mag ja gutgeheißen werden, aber es besteht hier mMn die Gefahr, dass ein "Bärendienst" erwiesen wird.
    • Ich finde die Videos nicht schlecht. Die Herausforderung ist, neurotypische Menschen innerhalb weniger Minuten auf eine mitunter *unsichtbare* Störung aufmerksam zu machen. Und das in einem Video, also über die Sicht. Da ist man geradezu gezwungen, zu verdichten und zu übertreiben, um die Botschaft rüberzubringen. Und dadurch treten Klischees hervor. Die NTs bzw. die Situationen in den Videos sind zum Teil aber auch sehr klischeehaft. Bei dem Anmacher mit der Sonnenbrille ist es besonders deutlich. Oder dass im Bewerbungsgespräch gefragt wird, was man auf eine einsame Insel mitehmen würde oder welches Tier man gerne wäre. Daraus folgere ich, dass bei diesen Kurzvideos die Übertreibung als Stilmittel gebraucht wird.

      Die Intention der Videomacher ist wahrscheinlich nicht, Autismus möglichst realistisch in seinen vielen Facetten zu zeigen. Dazu bräuchte es deutlich längere Videos, die dann nur Leute ansehen, die sich ohnehin gezielt für Autismus interessieren. Ich nehme es so wahr, dass es darum geht, auf den Punkt gebracht zu zeigen, dass NTs generell etwas Positives entgehen könnte, wenn sie ihr Gegenüber allzu schnell negativ bewerten und meiden, sobald es gegen gängige Kommunikationsnormen verstösst. Ich vermute, dass vor allem die Grund-Message "Seltsames Verhalten, könnte aber ein interessantes Innenleben dahinter sein" beim Zuschauer im Gedächtnis hängen bleibt. Und das finde ich okay.

      Beim Schauen des ersten Videos beispielsweise dachte ich während des ersten Teils, dass das Publikum nun eine sehr eingeschränkte Sichtweise auf Autismus bekommen müsste. Da ging ich noch davon aus, dass es sich um ein realistisch gedachtes Aufklärvideo handelt, das beim Zuschauer eine Art Mitleid erzeugen soll. Ab der Schlüsselszene ("War nicht ganz korrekt" mit diesem Blick) wird das aber imo aufgebrochen und ein starker Kontrast zum vorherigen Teil erzeugt. Zuerst ist die Protagonistin passiv (muss die Reize erdulden) und nicht kompentent (in Bezug auf die sozialen Normen), dann wird sie überraschenderweise auf einmal die Kompetenteste im Raum (hinsichtlich der gefragten Arbeitsleistung). Das Video zeigt zwar nichts Repräsentatives (weder auf Autisten noch auf Bewerbungsgespräche bezogen) und kann natürlich ein stereotypes Bild vermitteln (von Autisten und/oder Bewerbungsgesprächen). Es ist aber auch möglich, dass die Zuschauer nur die Grundbedeutungen mitnehmen: Schwierigkeiten im sozialen Bereich, aussergewöhnliche und mitunter störende Reizwahrnehmung, aber auch besondere Fertigkeiten. Und das stimmt ja bei vielen Autisten.
    • Für mich müsste deutlicher werden, dass die Videos ironisch überzeichnen wollen (vorausgesetzt sie wollen das tatsächlich). Für mich ist das nicht so eindeutig, und ich würde erwarten, dass es auch nicht für NTs so eindeutig /zweifelsfrei ist :?
      Besser würde ich kurze Clips finden mit authentischen Situationen und echten Autisten. Ggf. mit einer kurzen Erläuterung des Autisten im Anschluss, worin da gerade sein Problem bestand. Dieses Forum bietet doch geradezu eine Fundgrube an Ideen...
    • Erster Film: sie wirkt sehr zickig, unsympathisch, irgendwie wegen der Stimme.
      Was mir sonst noch auffiel war, dass zb die Schritte der Chefin, das Eingießen des Wassers ins Glas, das Knabbern am Salzgebäck usw eben mit Hall und laut dargestellt wird, aber die Stimmen des Gesprächs selbst nicht. Ich nehme das anders wahr, es hallen nicht nur einzelne Geräusche sondern wenn dann auch die Stimmen.

      Zweiter Film: Fand ich ganz ok.


      Dass Klischees verwendet werden ist imo vernünftig, denn die Besonderheiten werden eben illustriert. Wenn sie ganz normale Menschen zeigen würden, würde der Zuschauer (der sich nicht auskennt), ja gar nicht verstehen was dieses Asperger nun sein soll und wo der Unterschied zu anderen Menschen wäre.
    • Linnea wrote:

      aber dass sie beim Bewerbunggesprächen vorher nicht lernte, zu begrüssen und der Auffordrung zu folgen sich hinzusetzen, ist peinlich dargestellt.
      Ich habe da erstmal abgebrochen.
      Ich auch. Vielleicht schaue ich mir später den Rest noch an aber ich fand es zu peinlich dass die Frau nicht wusste dass sie die Hand schütteln sollte und sich hinsetzen. Wenn sie so eingeschränkt ist, wie kam sie überhaupt zu einem Bewerbungsgespräch? Wo ist ihr Betreuer?
    • Obwohl, das mit dem Geschichtenerzählen aus der ersten Video kenne ich auch und zwar ziemlich extrem. Ich weiß auch nie wo ich anfangen sollte und erzähle erst den ganzen Hintergrund, was immer weiter zurückführt bis ich mein ganzes Leben und die ganzen Rahmenbedingungen erzählt habe. Erst diese Woche hat jemand mich gefragt auf einem Event beim Sozialpsychiatrischen Dienst wo es viele Tier aus Lateinamerika gab (Al Pakas, die wie kleine Llamas sind) was mich nach Deutschland ursprünglich gebracht hätte und ich hatte keine Ahnung wo ich anfangen sollte und mitten in der Geschichte habe ich mir doch überlegt dass es vielleicht nicht so gemeint war dass ich ein vollkommenes Verständnis vermitteln sollte der ganzen Ursachen die dazu geführt hatten und wann. Ich hätte was ganz einfaches sagen können und müssen. Das passiert immer. Man erzählt viel zu viel und kommt nie richtig zu dem was gefragt wird.
    • Unbewohnte Insel wrote:

      [...] auf einem Event beim Sozialpsychiatrischen Dienst wo es viele Tier aus Lateinamerika gab (Al Pakas, die wie kleine Llamas sind) was mich nach Deutschland ursprünglich gebracht hätte und ich hatte keine Ahnung wo ich anfangen sollte [...]
      Stammst du aus Südamerika oder wie ist das gemeint mit nach Deutschland bringen?

      Ich habe auch immer große Probleme, dass ich nicht weiß, welche Information nun wichtig ist und welche nicht und erzähl dann viel zu viel und "verhedder" mich manchmal total weil ich dabei vergesse, wo ich eigentlich drauf hinaus wollte (das ist dann wohl vom ADHS)
    • kastenfrosch wrote:

      Unbewohnte Insel wrote:

      [...] auf einem Event beim Sozialpsychiatrischen Dienst wo es viele Tier aus Lateinamerika gab (Al Pakas, die wie kleine Llamas sind) was mich nach Deutschland ursprünglich gebracht hätte und ich hatte keine Ahnung wo ich anfangen sollte [...]
      Stammst du aus Südamerika oder wie ist das gemeint mit nach Deutschland bringen?
      Ich habe auch immer große Probleme, dass ich nicht weiß, welche Information nun wichtig ist und welche nicht und erzähl dann viel zu viel und "verhedder" mich manchmal total weil ich dabei vergesse, wo ich eigentlich drauf hinaus wollte (das ist dann wohl vom ADHS)
      Nein, ich stamme aus Europa (Nordwest). Die Tiere stammen aus Südamerika, nicht ich. Wenn man mit mir redet merkt man aber dass ich einen Migrationshintergrund habe, wegen des Akzents.
    • Ich finde die Videos ganz okay. Es ist wahnsinnig schwierig, unsere Weltsicht den NTs zu erklären, genau wie umgekehrt. Jeder Schritt dahin ist begrüßenswert. Die Bewerbungssituation fand ich auch relativ krass, so was übt man doch vorher, selbst wenn man nicht autistisch ist. Und dass Leute, die einem die Hand entgegen strecken, ein Händeschütteln erwarten, ist wohl auch jedem Autisten bekannt. Insofern fand ich es etwas unrealistisch, aber vielleicht muss man überzeichnen, um Sachverhalte eingängig darzustellen. Es würde mir auch niemand glauben, dass ich Berührungen nicht mag, wenn ich dauernd händeschüttelnd durch die Gegend laufe. Dennoch tue ich es, wenn es absolut wichtig ist, das wäre z.B. bei einem Vorstellungsgespräch der Fall. Schwierig!

      Die Party-Szene finde ich mega merkwürdig. Die Gastgeberin wird doch wohl gewusst haben, wer alles kommt und dass da jemand dabei ist, der nicht massenkompatibel ist? Die Message, dass es aber doch immer jemanden gibt, der sich Mühe gibt und Sympathie entwickelt, finde ich aber wiederum gut.

      Was ich gut fand, war die Verdeutlichung der Sinneswahrnehmungen, das könnte man noch ausbauen. Die Fragen, die die NTs stellen, sollten noch eindeutiger "unsinnig" (vom autistischen Standpunkt) sein, damit man merkt, dass der Autist nicht zu doof ist, das zu kapieren, sondern es eben völlig wörtlich nimmt. Die Frage "haben Sie gut her gefunden" z.B. fand ich jetzt nicht allzu eindeutig, bzw. die richtig autistische Antwort wäre wohl "ja, sonst wäre ich ja wohl nicht hier" - aber das würde ja nun auch wieder keiner sagen, also ist so etwas nicht geeignet, das wörtliche Verstehen gescheit zu illustrieren, da war die Partysituation (auf den Arm nehmen) schon ein wenig eindeutiger. Es ist aber auch ganz oft so, dass Leute das für absichtlich witzig halten, wenn man etwas wörtlich nimmt.
      Nicht das schwarze Schaf ist anders, die weissen sind alle gleich.
      (Gefunden auf Facebook)
    • Aspielle wrote:

      Was ich gut fand, war die Verdeutlichung der Sinneswahrnehmungen, das könnte man noch ausbauen.
      Mich hat das eher genervt und es erinnert mich sehr an das moderne Kino, wo man solche Dinge öfters hervorhebt. So wie im ersten Video: Das Eingießen eines Getränks. Das Schlabbern des Getränks. Für mich nichts, was ich jetzt im Zuge von AS hervorheben/betonen würde. Die sensorische Sensibilität war für mich nie DAS Problem. Das Problem war schon vielmehr das soziale Ding, die Kommunikation, das Mitschwingen mit anderen bei stark eingerschränkten Interessen... aber eben auch nicht so wie im ersten Video dargestellt. Dort wird ja quasi binnen Sekunden gezeigt, dass man die Person merkwürdig findet und es würde mich wundern, wenn man mit so einer Feststellung jemanden einstellen würde.
      In letters of gold on a snow white kite I will write "I love you"
      And send it soaring high above you for all to read