Angstgefühl bei Kritik und Nicht- Rechthaben ?

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    • Angstgefühl bei Kritik und Nicht- Rechthaben ?

      Das war eigentlich ein Gespräch im Thread "Du weißt, dass du ein(e) Asoie bist" , da würde es aber von vielen überlesen werden.
      Es ging darum , dass viele Aspies Recht behalten wollten , egal, ob das Thema belanglos ist.

      Ich schrieb :


      Rhianonn wrote:

      dass das Rechthaben nicht umbedingt der Grund ist, sondern eher ein seltsames Gefühl der Panik , wenn das eigene rigide Denken aufgebrochen wird.

      wenn du aus dem gleichen Grund auch keine Kritik abkannst . Es geht nicht darum, gut dazustehen oder sich nix sagen zu lassen oder sich selbst für super zu halten - sondern das Gefühl ist ANGST.



      Und @Happy to be schrieb darauf folgende Überlegung:

      Happy to be wrote:

      @Rhianonn
      Ich vermute, wenn das eigene Denken der einzig sichere Halt ist, den man als solchen auch empfindet, das einzige, dem man wirklich trauen kann, dann ist alles, was nur fragt, oder hinterfragt, gefühlt lebensbedrohlich.

      Wenn das "so wie bisher" hat überleben lassen, ist "anders/auch anders" DAS, was hier was "wegnimmt" an Überlebenssicherheit. Klar dass dann Angst entsteht.

      Happy to be wrote:

      Das ist einer der Gründe, warum Autismus manchmal mit Narzissmus verwechselt wird, und umgekehrt. Äußerlich ja ähnlich in der Wahrnehmung anderer.

      Mir hat, als mir das mit dem "gefühlt lebensbedrohlich" bewusst wurde geholfen, mir klar zu machen, dass ja auch dieses "mal anders durchdenken" immer noch MEIN Denken ist, mit dem ich das mache, incl. Überlebensgarantie.
      Mantra"Ich sterbe nicht, wenn ich das auch mal so durchdenke, weil ich denke, wie ich denke".

      Hat nur was Übung gebraucht, bis ich mir das auch gefühlt geglaubt hatte. Und dann noch was, bis auch das vegetative Nervensystem begonnen hat, das zu glauben und immer weniger "Alarm"-Hormone ausgeschüttet hat..
      Manchmal ist mir trotzdem erstmal noch was schlecht, da muss das VN halt noch was nachlernen

      Bei mir ist es zumindest so, dass Kritik oder eine "Diskussion verlieren" ein überwältigendes Vernichtungsgefühl auslösen kann, als würde ich den Boden verlieren, auf dem ich stehe. Mit anderen Menschen hat das nicht viel zu tun.

      Ist das bei euch auch so?
      Sind viele Autisten " Cogito ergo sum" - "Ich denke, also bin ich." ?
      "Asperger ist eine unsichtbare Behinderung." "Oh, sieht man dir gar nicht an." "Ähhh....genau" :irony:
    • Ist auch anders herum.
      Ich bin, also denke ich. :nod:

      Mich hat früher dieses denk nicht so viel, denk nicht mehr drüber nach, du denkst falsch, so kann man das nicht denken, deine Denkfehler, usw massiv getriggert.Denken ist ein wesentlicher Teil meines Seins. Mindestens die Hälfte davon, ich vermute aber mal es sind 85% :d

      Ohne Denken bzw etwas nach-zu-denken, wenn gedankenlos gemacht, ist das doch der Zustand einer Amöbe :d

      Edit: Ich kann gar nicht so viel denken wie ich möchte :d
      rein körperlich bedingt, und dann all das was dazwischenkommt,
      "AS? Sie wirken gar nicht so" -"Danke für die Bestätigung und Anerkennung all der geleisteten Arbeit, die dahinter steckt :) ".

      The post was edited 1 time, last by Happy to be ().

    • Rhianonn wrote:

      Bei mir ist es zumindest so, dass Kritik oder eine "Diskussion verlieren" ein überwältigendes Vernichtungsgefühl auslösen kann, als würde ich den Boden verlieren, auf dem ich stehe. Mit anderen Menschen hat das nicht viel zu tun.
      Da stellt sich dann aber wirklich die Frage, inwiefern sich das einzelne Symptom vom entsprechenden Symptom bei Narzismus unterscheidet. Also für Nsrzisten löst das ja auch en Vernichtungsgefühl aus, weil es nicht ihrem Selbstbild entspricht Unrecht zu haben. Da sind andere Menschen auch nur Statisten.
    • Rhianonn wrote:

      Ist das bei euch auch so?
      Nein. Schließlich hat niemand immer recht. Jeder irrt sich mal. Ich weiß auch nicht, was daran schlimm sein soll, wenn man sich mal irrt. Ist doch gut, wenn andere einen dann darauf hinweisen. Lieber unsanft auf die richtige Bahn geschubst, als ungewarnt in den Abgrund gelaufen.
      Ich bin nicht auf der Welt, um zu sein, wie Andere mich gern hätten.
    • Zodd wrote:

      Rhianonn wrote:

      Bei mir ist es zumindest so, dass Kritik oder eine "Diskussion verlieren" ein überwältigendes Vernichtungsgefühl auslösen kann, als würde ich den Boden verlieren, auf dem ich stehe. Mit anderen Menschen hat das nicht viel zu tun.
      Da stellt sich dann aber wirklich die Frage, inwiefern sich das einzelne Symptom vom entsprechenden Symptom bei Narzismus unterscheidet. Also für Nsrzisten löst das ja auch en Vernichtungsgefühl aus, weil es nicht ihrem Selbstbild entspricht Unrecht zu haben. Da sind andere Menschen auch nur Statisten.
      Es macht einen Unterschied, ob das Vernichtungsgefühl daher kommt, dass die Bestätigung des grandiosen Selbstbildes "verweigert" wird....was dann auch die enorme Wut auf die verweigernden Statisten erklärt, die als Feinde/Angreifer gesehen werden

      Oder ob bewusst ist, dass es sich um einen inneren Prozess handelt, an dem niemand anderes Schuld ist, der allein in einem abläuft und spüren lässt, dass hier "etwas" eigentlich völlig normales einen in den Zustand des Überlebenskampfes triggert.
      "AS? Sie wirken gar nicht so" -"Danke für die Bestätigung und Anerkennung all der geleisteten Arbeit, die dahinter steckt :) ".
    • Ich bin leider völlig kritikunfähig. Kritik löst bei mir ein Gefühl von Bedrohung aus. Eine Diskussion zu verlieren ist für mich eher ein sehr "unbefriedigendes" Gefühl, ich kann das gar nicht richtig beschreiben. Es fühlt sich für mich so ähnlich an als wäre noch etwas unerledigt.

      Im Kindesalter MUSSTE ich IMMER das letzte Wort haben. (RW) Egal ob das dann in Streit ausartete. Die Konsequenz interessierte mich nicht im geringsten.
    • Happy to be wrote:

      Oder ob bewusst ist, dass es sich um einen inneren Prozess handelt, an dem niemand anderes Schuld ist, der allein in einem abläuft und spüren lässt, dass hier "etwas" eigentlich völlig normales einen in den Zustand des Überlebenskampfes triggert.
      Bei mir ist das eher so. Als würde ich mich irgendwie auflösen.


      coeur noir wrote:

      m Kindesalter MUSSTE ich IMMER das letzte Wort haben. (RW) Egal ob das dann in Streit ausartete. Die Konsequenz interessierte mich nicht im geringsten.
      Das hat man mir immer gesagt. Und ich habe nie genau verstanden, was daran schlimm sein soll.
      Ich hatte das letzte Wort, weil ich immer mehr Erklärungen nachschob und es ist heute nimmer noch nicht so klar , warum das garnicht gewünscht wird:
      Musst du immer das letzte Wort haben!
      "Asperger ist eine unsichtbare Behinderung." "Oh, sieht man dir gar nicht an." "Ähhh....genau" :irony:
    • Das blöde ist, wenn man recht hat, und auf der anderen Seite steht ein Narzisst mit der Haltung
      "Ich hab immer recht und sollte ich mal nicht recht haben, hab ich trotzdem recht, denn ich hab immer recht. Und wo nicht, sucht er dann ganz schnell was anderes, wo man mal nicht recht hatte und macht daraus den "Beweis" auch jetzt nicht recht zu haben, da andere nie recht haben...außer wenn sie ihm recht geben.

      Oft haben auch NTs, die dem lange ausgesetzt waren, egal ob als Kind oder später, dieses "bodenlos im Übelebenskampf"-Gefühl.

      Von außen sieht es dann ähnlich aus, innerlich geht was ganz anderes ab.
      "AS? Sie wirken gar nicht so" -"Danke für die Bestätigung und Anerkennung all der geleisteten Arbeit, die dahinter steckt :) ".
    • coeur noir wrote:

      Ich bin leider völlig kritikunfähig. Kritik löst bei mir ein Gefühl von Bedrohung aus. Eine Diskussion zu verlieren ist für mich eher ein sehr "unbefriedigendes" Gefühl, ich kann das gar nicht richtig beschreiben. Es fühlt sich für mich so ähnlich an als wäre noch etwas unerledigt.

      Im Kindesalter MUSSTE ich IMMER das letzte Wort haben. (RW) Egal ob das dann in Streit ausartete. Die Konsequenz interessierte mich nicht im geringsten.
      Das hängt bei mir davon ab ob ich recht oder unrecht habe: Wenn ich unrecht habe, dann muss ich nicht fas letzte Wort haben, dann bin ich einfach nur geknickt und es ist mir sehr peinlich und sehr schwer zu ertragen. Wenn ich aber recht habe und der andere erkennt das nicht an dann will ich auch das letzte Wort haben und bin sauer.
      Und ich bin selbst im emotionalen Zustand immer noch für sachliche und rationale Argumente empfänglich. Das ist immer ziemlich faszinierend, meine Freundin sagt etwas was mich verletzt, weil ich die Gründe wieso sie das gesagt haben kann alle verletzend finde und dann argumentiert sie logisch wieso sie das gesagt hat und der Weg ist dann nicht gemein, dann sind meine negativen Gefühle von dem einen Moment zum anderen Weg. Ein negatives restgefühl bleibt, weil ich bei meiner Interpretation unrecht hatte und das mich ein bisschen wütend macht, aber das kann ich gut im Zaum halten.
    • Es gibt aber auchg Kritikangst, wenn man als Kind ständig klein gemacht und abgekanzelt wurde. Wenn bei Widersprechen Gewalt ausgeübt wurde.
      Dann ziehen die Kinder irgendwann den Kopf ein......und das begleitet sie bis ins Erwachsenenalter.

      Auch sogar, wenn sie wissen, ihre Argumenation stimmt....bleibt Bangigkeit vor Reaktionen.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”


      (Sylvia Boorstein)

      The post was edited 1 time, last by Linnea ().

    • Happy to be wrote:

      Das blöde ist, wenn man recht hat, und auf der anderen Seite steht ein Narzisst mit der Haltung
      "Ich hab immer recht und sollte ich mal nicht recht haben, hab ich trotzdem recht, denn ich hab immer recht. Und wo nicht, sucht er dann ganz schnell was anderes, wo man mal nicht recht hatte und macht daraus den "Beweis" auch jetzt nicht recht zu haben, da andere nie recht haben...außer wenn sie ihm recht geben.
      Das scheint aber andersrum dann je nach Autist aber genauso ein problem zu sein, also wenn der Narzist recht hat und der Autist unrecht, der aber da snicht akzeptieren kann, weil er dann ein vernichtungsgefühl empfindet.
    • Ja, du hast es gut beschrieben, es fühlt sich an, als ob einem der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Ähnlich einer Ohnmacht. Jegliche Art von Kritik ist bei mir in der Lage, diesen Zustand direkt auszulösen, auch wenn es berechtigte Kritik ist. Es ist nicht so, dass ich recht haben möchte, sondern dass ich mich in meinem Sosein durch Kritik gedemütigt fühle.
      Zum Denken kann ich sagen, dass das Denken an sich sich aus Angst heraus entwickelt hat.
    • @Zodd
      der Unterschied ist, der Narzisst kriegt, wenn er sehen muss, dass er Unrecht hat, den "Ich töte dich" - Todesblick.
      Der Autist kriegt den "Ich löse mich auf und sterbe"- Blick.

      Narzisst sucht sich dann andere, macht es genau wie vorher, wird immer besser und subtiler, andere ins Unrecht zu setzen, selbst wo sie recht haben,
      Autist kämpft weiter gegen innere Auflösung, sucht einen anderen eigenen Umgang in sich damit bzw andere Wege-was meinst du denn, was mit ein unbewusster Hinter-Grund war, Kommunikationstrainerin zu werden? :d
      oder er gibt irgendwann auf mit "ich kann einfach nicht" und kritisiert sich selbst dauernd, tlws. bis zur seelischen Vernichtung - der eigen Narzi im Kopf.
      "AS? Sie wirken gar nicht so" -"Danke für die Bestätigung und Anerkennung all der geleisteten Arbeit, die dahinter steckt :) ".
    • Linnea wrote:

      Auch sogar, wenn sie wissen, ihre Argumenation stimmt....bleibt Bangigkeit vor Reaktionen.
      Das wäre einleuchtend, wenn es so wäre. Ich habe aber keine Angst vor Reaktionen , sondern eher Angst, nicht mehr zu existieren.
      Wenn es NICHT um mich geht , kann ich sogar ziemlich mutig sein .


      Ewig suchender Michael wrote:

      es fühlt sich an, als ob einem der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Ähnlich einer Ohnmacht. Jegliche Art von Kritik ist bei mir in der Lage, diesen Zustand direkt auszulösen, auch wenn es berechtigte Kritik ist.
      so ist es bei mir zumindest.


      Happy to be wrote:

      Der Autist kriegt den "Ich löse mich auf und sterbe"- Blick.
      Wobei ich sagen muss, ich kenne dieses Gefühl wirklich , im Shutdown. Das fühlt sich an, als würde mein Ich die Koharenz verlieren und auseinanderfließen.

      Wie gesagt, ich glaube, dass bei heftigen Reaktionen von vielen Autisten eher Panik dahintersteht als Streben nach Macht über andere ( was die Motivation für einen Narzissten ist)
      Klar ist auch, dass das nach außen sehr unsympathisch, rechthaberisch und dominant wirken kann.
      "Asperger ist eine unsichtbare Behinderung." "Oh, sieht man dir gar nicht an." "Ähhh....genau" :irony:
    • Ich kann sogar sehr gut mit Kritik umgehen, wenn das Gegenüber mit seiner Formulierung bei sich bleibt und bin dann meist sogar dankbar, spüre Nähe zum anderen, weil ich etwas Ehrliches von ihm über unsere Beziehung erfahre und die Gelegenheit habe, selbst zu entscheiden, ob ich etwas zu unserer Beziehung beitragen möchte oder nicht.

      Alles andere werte ich als Übergriff (ohne das Gefühl, eine Wahl zu haben) und schieße innerlich blitzschnell hoch (Rw). Wenn ich dann noch zusätzlich diversen Reizen ausgesetzt bin, "überrollen" mich meine starken Gefühle regelrecht. Das mündet dann oftmals in einen Zustand der puren Verzweiflung.

      Beispiel: Du bist immer so empfindlich - ok, was bitte soll ich dagegen tun?
      Das überfordert mich einfach nur, weil ich mich handlungsunfähig fühle.
      Soll ich mich weniger empfindlich machen vielleicht?

      Also generell alles, was mit "Du bist" beginnt, ist schwer anzunehmen für mich - im Übrigen auch positive Kritik, die mit "Du bist" beginnt.

      Wobei ich sagen muss, dass ich selbst oft positive Kritik in dieser Form äußere.. Darüber werde ich mir noch mal Gedanken machen. Das fühlt sich auch jedes Mal falsch an, wenn ich solche Äußerungen tätige.
    • Rhianonn wrote:


      Bei mir ist es zumindest so, dass Kritik oder eine "Diskussion verlieren" ein überwältigendes Vernichtungsgefühl auslösen kann, als würde ich den Boden verlieren, auf dem ich stehe. Mit anderen Menschen hat das nicht viel zu tun.

      Ist das bei euch auch so?
      Sind viele Autisten " Cogito ergo sum" - "Ich denke, also bin ich." ?

      In meiner Kindheit kannte ich dieses "Vernichtungsgefühl" sehr gut, aber nur aus Situationen, in denen ich im Recht sah. Heute ist das besser geworden. Insbesondere wenn die Motive meines "Gegners" etwa in seinen Autoritätsansprüchen begründet waren und ihm eine inhaltliche Auseinandersetzung egal war, bin ich nie von meinem Standpunkt abgewichen, ungeachtet der Konsequenzen. (Bis zu einem gewissen Grad tue ich das heute immer noch und sehe es grundsätzlich als richtig an, das zu tun.) Ich wollte dann auch das letzte Wort haben, da ich ja die besseren Argumente hatte. Und oft auch ein Ziel, das mir wichtig war.

      Als Beispiel: Auf einem Wandertag in der Schule im Wald wollte ich nebenbei Pilze am Wegesrand sammeln, da es mein Spezialinteresse war und ist. Der Lehrer untersagte es mir mit immer fadenscheinigeren Gründen wie Ich könnte ja giftige Pilze sammeln, ich würde den Pilz schädigen oder ich würde zu weit zurückfallen. Ich widerlegte etwa eine halbe Stunde lang immer vehementer jeden davon, bis mir schließlich ein Verweis erteilt wurde. Dass es dem Lehrer darum ging, von seiner Position aus gruppendynamischen Gründen nicht abweichen zu wollen, war mir vollkommen fremd. Mir ging es nur um die Sachebene. Ich habe erst am Abend von meiner Familie erfahren, wieso meine guten Argumente wirkungslos blieben. Das hat eindeutig zu Verzweiflung und einem Vernichtungsgefühl geführt, und so etwas ist mir häufiger passiert.

      Wenn ich eine Diskussion zu einem Thema verliere, das mir wichtig ist und bei welchem ich mir meines Standpunktes sicher bin (also auch eines der Themen, über die ich regelmäßig lange Zeit nachdenke), würde ich mittlerweile nicht mehr von Angst sprechen wollen. Wenn ich bemerke, dass die Standpunkte meines Diskussionsgegners korrekt sind, überlege ich intensiv über die Folgen dieser Erkenntnis, bis ich entweder den Fehler in meinen eigenen Vorstellungen korrigiert oder den Fehler in der gegnerischen Argumentation gefunden habe; beides ist mir schon mehrmals passiert. Das war auch schon immer so. Dass es hingegen zu Angst führt, wenn jemand berechtigt mein Denken hinterfragt, ist mir noch nie passiert. Hinterfragen von allen möglichen Ansichten hat für mich ohnehin eine große Bedeutung, da möchte ich auch wissen, wenn ich falsch liege. Ein rigides Weltbild liegt mir fern. (Was nicht heißt, dass ich manche Standpunkte nicht immer beibehalten werde, wenn sie berechtigt sind.) Bemerke ich während einer Diskussion, dass ich Unrecht habe, muss ich nicht das letzte Wort haben und gebe ziemlich schnell auf.
      Was ich einmal als beängstigend empfand, waren Diskussionen, bei denen ich richtig lag, aber rhetorisch hoffnungslos unterlegen war. Ich wollte unbedingt Fehler richtigstellen, konnte es aber nicht, weil meine Überzeugungskraft nicht ausreichte, was mich zum Verzweifeln brachte. Insbesondere bei mir wichtigen Themen. Angst war jedoch nicht meine Hauptemotion in solchen Fällen, eher Verzweiflung. Auch über diese Diskussionen habe ich lange nachgedacht - aber nicht, um die Felher in meinem Denken zu finden. Mir ging es um die Fehler in meiner Argumentation. Aber auch diese Angst habe ich seit mehreren Jahren hinter mir gelassen. Zum einen, weil ich mir Theoriewissen und praktische Erfahrung angeeignet habe und mittlerweile ein passabler Debattierer bin, wodurch die Niederlagen abnahmen. Zum anderen wich die Angst der Resignation, als mir immer bewusster wurde, wie verbreitet falsche bis hin zu bösartige Einstellungen weltweit sind - und wie schwierig es ist, Menschen mit Argumenten zu erreichen. Insbesondere da Argumente deutlich weniger Einfluss als das soziale Umfeld auf die Gewissensbildung eines Menschen zu haben scheinen. Diese Erkenntnis hält mich aber nicht davon ab, weiterhin immer vehement zu debattieren, negative Konsequenzen ebenso wenig.
    • Wenn sich Kritik darauf bezieht, dass ich etwas nicht richtig getan habe (eine Maschine falsch bedient, für einen Vorgang zu lang gebraucht, einen Termin vergessen usw.), dann kann ich recht gut damit umgehen und habe auch eine weitgehende Einsicht in meine Fehler. Zur Not hilft dabei ein zu mir selbst gesagtes "Der Chef ist halt ein A*" oder sonst etwas, was der Kanalisierung meines Ärgers dient.

      Ganz anders ist es, wenn die Kritik von Menschen kommt, die mir nahestehen, wenn diese Menschen bei ihrer Kritik an mir vielleicht auch einmal ihrer Wut auf mich verbal freien Lauf lassen, und noch schlimmer ist es, wenn ich mich ungerecht behandelt fühle. Möglich ist dann, dass ich selbst verbal zurückschlage, in jedem Fall aber ist die Folge, dass ich mich total zurückziehe, mein Alleinsein zelebriere, für Tage, früher auch für Wochen (obwohl ich gleichzeitig darunter leide), und nicht weiß, wie ich aus dem Ganzen wieder herauskomme.

      Seit ich Therapie mache, ist mein Umgang mit der zweiten Art von Kritik deutlich besser geworden. Ich kann besser verstehen, was an meinem Verhalten andere zu ihrer Kritik, selbst wenn sie mit Überreaktion verbunden ist, veranlasst hat.
      Mein Grundgesetz = "Ein Grundgesetz, in dem Humanität, Teilhabe und Glücksstreben noch expliziter festgeschrieben stehen."
      (Jagoda Marinic, Frankfurter Rundschau vom 23. Mai 2019, dem 70. Jahrestag des GG der BR Deutschland)
    • Rhianonn wrote:

      Happy to be wrote:

      Oder ob bewusst ist, dass es sich um einen inneren Prozess handelt, an dem niemand anderes Schuld ist, der allein in einem abläuft und spüren lässt, dass hier "etwas" eigentlich völlig normales einen in den Zustand des Überlebenskampfes triggert.
      Bei mir ist das eher so. Als würde ich mich irgendwie auflösen.

      Rhianonn wrote:

      Sind viele Autisten "cogito ergo sum". - "ich denke, also bin ich"
      Ich bin in einem anderem Thread zum Thema "Zwänge" darauf gekommen, dass mit meinem Körperschema, also der Verortung und Stabilisierung im Raum etwas nicht stimmt und es deutet sich für mich an, dass das auch bei anderen Autisten so sein könnte.
      Von daher kann ich mir vorstellen, dass für Menschen mit ASS das Denken tatsächlich die Existenz sichert, weil man sich dadurch erst wahrnimmt. Gibt es dann "Probleme" in diesem Denkprozess, so hängt daran die ganze Existenz, weil die Gedanken ja der Bezug für das eigene Sein sind (sofern die Theorie stimmt). Bei NT ist das Denken vermutlich nicht so mit der eigenen Existenz verwoben, also dass diese mit dem Erfolg des Denkens steht und fällt, sondern diese Menschen haben über das Körperschema gelernt, sich im Raum Stabilität zu geben. Sie müssen sich dazu nicht an Gedanken als Orientierung klammern.

      Für mich ist diese Theorie schlüssig. Ich wundere mich, dass nur bei autistischen Kindern sensorische Integration angeboten wird, aber das Thema Körperschema und entsprechende Heilmethoden bei Erwachsenen mit ASS überhaupt keine Rolle spielt.

      Ich kenne dieses Gefühl, mich aufzulösen und zugehörige Gefühle von Kontrollverlust und Ohnmacht. Vor allem dann, wenn ich der Meinung bin, jemand hätte etwas falsch verstanden bzw würde fehlerhaft und unfair argumentieren. Es belastet mich extrem. Ich will zukünftig in die Richtung mit diesem Körperschema arbeiten, damit ich die Gedanken nicht mehr brauche, um mich zu stabilisieren und damit ich hoffentlich irgendwann auch nicht mehr diese Todesangst wegen so lächerlicher Dinge bekomme.

      Ich dachte immer, das käme von dem Traumata, aber mittlerweile glaube ich, es liegt am nicht ausgebildeten Körperschema. Ob das nun wegen Autismus oder Traumatisierung nicht ausgebildet wurde, weiß ich nicht. Vielleicht wegen beidem (Trauma: fehlende Spiegelung und Rückmeldung und Kontakt durch Eltern >Körperschema bildet sich nicht richtig aus. Asperger: Die wenigen Rückmeldungen kamen bei mir falsch an bzw meine Wahrnehmung wurde negiert > Körperschema bildet sich nicht richtig aus).

      Ich finde diese Entdeckung phänomenal :] Leider habe ich erst ein paar Übungen dazu gefunden, aber ich möchte eine Körpertherapie beginnen, um mich weiter damit zu beschäftigen.

      The post was edited 2 times, last by FruchtigBunt ().

    • @Happy to be
      deine Zitate :
      Oder ob bewusst ist, dass es sich um einen inneren Prozess handelt, an dem niemand anderes Schuld ist, der allein in einem abläuft und spüren lässt, dass hier "etwas" eigentlich völlig normales einen in den Zustand des Überlebenskampfes triggert.

      Mich hat früher dieses denk nicht so viel, denk nicht mehr drüber nach, du denkst falsch, so kann man das nicht denken, deine Denkfehler, usw massiv getriggert.Denken ist ein wesentlicher Teil meines Seins. Mindestens die Hälfte davon, ich vermute aber mal es sind 85%
      - verstehe ich sehr genau, ich habe wirklich fünf jahre ermittlungen gegen mich als sozialhilfebetrüger gut mit denken überstanden, jetzt bin ich mehr als rehabilitiert, habe neurologen und psychologen , alles bestätigt, dass ich den ganzen ablauf richtig, also logisch durchdacht habe. trotzdem hatte ich noch nie so eine scheiss angst vor einem angriff auf mein denken, sei es mit medis, ich muss auch mal wieder mehr schlafen x( , oder von innen, keine ahnung
      klar nerv ich meine umwelt wenn ich mir nicht helfen lassen will, aber erst muss ich über mich mehr bescheid wissen und angst ist halt schlecht für den IQ, soviel hab ich davon nicht zu vergeben :roll: