Was für schlimme Erfahrungen habt ihr in eurer Schulzeit gehabt?

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    • Also ich für meinen Teil kann über die Schulzeit (und wenn sie noch so unangenehm war) eigentlich nur grinsen. Immerhin habe ich dort, das bislang Wichtgste überhaupt gelernt: Es gibt auch ganz schöne Dreckssäcke und ohne Durchsetzungsfähigkeit sieht man schnell alt aus. (RW) Nachdem ich übrigens diese Technik aus dem Viedeo einmal angewand hatte, lies mich die Klasse in Ruhe. Teilweise akzeptierten sie mich sogar.
      Wenn man auf eine Party geht, gibt es immer ein Risiko.
    • HCS wrote:

      Die heutige Oberstufe mit den aufgelösten Klassenverbänden ist für Aspies vermutlich im Allgemeinen weniger günstig (was das Soziale angeht),
      Ich war gerade froh, dass es keine Klassenverbände mehr gab. Ich fand es viel schwieriger, mit immer den gleichen Leuten zusammen zu sein. In der Oberstufe gab es bei mir noch eine heftige Mobbingphase, wäre die nicht (in einem großen Jahrgang) größtenteils auf einen Kursus beschränkt gewesen, ich weiß nicht, ob ich weiter hätte zur Schule gehen können. Auch in der Oberstufe war ich größtenteils Außenseiterin, aber durch den großen Jahrgang war das etwas "diskreter". Eine kleine Schulklasse (unter 20 Schülern) mit gutem Klima kann ich mir allerdings auch als angenehm vorstellen.


      HCS wrote:

      Wie gut oder schlecht es einem ergeht, hängt auch heute noch in allererster Linie von den Lehrern ab, und da kann man natürlich Pech oder Glück haben. Auch Lehrer ist insofern ein ganz normaler Beruf, als es wie bei Maurern, Steuerberatern, Friseusen und Fußballprofis gute, mittelmäßige und schlechte gibt - alles andere wäre auch erstaunlich.
      Ja, genau. Wie sehr es von den Lehrern abhängt, ob man sich in der Schule wohlfühlt, das habe ich sehr intensiv erlebt, mit großer Bandbreite. Auch das Ausmaß, in dem Mobber eine Chance haben, hängt stark von den Lehrern ab.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • flori1994 wrote:

      Nachdem ich übrigens diese Technik aus dem Viedeo einmal angewand hatte, lies mich die Klasse in Ruhe. Teilweise akzeptierten sie mich sogar.
      Mein Neffe (auch AS) hat das Thema Mobbing mittels eines Judokurses (der ihm als Therapie empfohlen worden war) erledigt - es reichte aus, das größte und stärkste Großmaul einmal auf den Boden zu befördern, danach traute sich keiner mehr. Ist halt nicht jedem möglich, ich bezweifle bei meinen motorischen Defiziten, dass ein Judokurs entscheidend weitergeholfen hätte. Und wenn das Mobbing nicht primär in physischer Gewalt besteht, bringt es natürlich auch nichts, weil man dann als der Angreifer dasteht.
    • Auch mein Vater (der meiner Einschätzung nach ziemlich sicher auch im Spektrum war) hat sich in der Grundschule erfolgreich gegen Mobbing (das damals noch anders genannt wurde) gewehrt, indem er bei Raufereien im Wortsinne zurückgeschlagen und dabei meistens gewonnen hat. Allerdings hatte er längst nicht so deutliche motorische Schwierigkeiten wie ich (er war als Kind und Jugendlicher auch im Sportverein). Später auf dem Gymnasium wurden die "Rangordnungen" jedoch auch unter Jungen nicht mehr physisch ausgehandelt, da hatte er es merklich schwerer.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.

      The post was edited 2 times, last by Leonora ().

    • Ich habe lange darüber nachgedacht ob das, was in meiner Schulzeit (überwiegend Gymnasium, an die Grundschule kann ich mich kaum erinnern) passiert ist als Mobbing bezeichnet werden kann. Denn eigentlich (und das lese ich hier überwiegend im Forum) ist Mobbing für mich wohl eher physische Gewalt zu anderen, offenes Beleidigen und Dinge, die dem Opfer in irgendeiner Weise deutlich gesagt/gezeigt wurden.

      Bei mir war eher das Gegenteil der Fall, ich wurde nie körperlich angegriffen, auch kann ich mich nicht daran erinnern, dass jemand mir je ins Gesicht gesagt hätte, dass ich doof/dick oder was auch immer wäre. Allerdings war ich auch nie wirklich Mitglied der Klasse. Ich wurde nicht zu Geburtstagen oder anderen Dingen nach der Schule eingeladen. In den Pausen war ich immer allein, auf Fahrten (für mich die Hölle, ich habe immer versucht nicht mit auf Klassenfahrten zu gehen) war es genauso, ich war nie Teil der Unternehmungen und stand abseits. Falls ich dann doch mal bei einer der Cliquen stand, wusste ich nie wirklich was ich sagen sollte oder worüber sie geredet haben und wollte, dass der Unterricht wieder weiterging.

      Ich hatte viele Fehlstunden, grade in der Oberstufe, und bin oft einfach nachhause gegangen, habe mich aber in dem Sinne nicht wirklich einsam gefühlt, sondern war froh, wenn ich wieder die vertrauten vier Wände um mich hatte. "Freundinnen" (eher: Bekannte) hatte ich nur wenn es zweckgebunden war. Z.B. hatte ein Mädchen einen PC und wir haben stundenlang davor gesessen und ich habe ihr beim Spielen zugeguckt, was anderes wollte ich aber nicht mit ihr machen.

      Ich hasse meine Schulzeit, immer noch, sie ist für mich mit riesigem Stress und großen Unsicherheiten verbunden, aber seit dem Asperger-Verdacht frage ich mich, ob es so vielleicht nicht besser war. Ich glaube es war eine Mischung von stummer (?) Ablehnung seitens meiner Klasse und meinem eigenen Verlangen nach Abstand.
    • Ich weiß jetzt nicht, was du unter Mobbing verstehst. Aber sich gegen einen Angriff auf ein geschütztes Rechtsgut zur Wehr zu setzen, ist immer in Ordnung. Fragt sich nur, ob man mit seinem Mittel nicht über das Ziel hinausschießt. Dich darf z.B. niemand schlagen, beleidigen, .. Dagegen darfst du dich wehren. Das nennt sich Notwehr. Es gab mal einen Rüpel-Prinzen (den gibt es immer noch...), der hat einem Fotografen die Kamera aus der Hand geschlagen, nachdem dieser aufgefordert wurde, keine Fotos zu machen. Die Kamera war kaputt. Es kam zum Gerichtsverfahren und der Prinz hat Recht bekommen. Der durfte das. Da kann man mal sehen, wo körperliche Maßnahmen akzeptabel sein können.

      ---

      Also wenn du dich mit dem gewählten Mittel wehren darfst, dann darf man dich auch nicht dafür bestrafen.

      The post was edited 1 time, last by Thimor ().

    • HCS wrote:

      Und wenn das Mobbing nicht primär in physischer Gewalt besteht, bringt es natürlich auch nichts, weil man dann als der Angreifer dasteht.
      Jep. Deswegen wandte ich die Technik auch nur zur Selbstverteidigung an. Der Typ meinte, er müsse mir seinen Füller in die Hand stechen. Sowas lasse ich mir nicht gefallen.

      Cloudactive wrote:

      Ist es gerecht, dass jemand bestraft wird, wenn er sich körperlich gegen Mobbing wehrt?
      Hängt von der Situation ab. Wenn er jemanden verkloppt, der nur nen blöden Spruch machte, ist es meiner Meinung nach gerecht. Anders sieht es aus wenn er selbst körperlich gemobbt wird. Da ist es ungerecht. Körperliche Gewalt sollte das Ultima Ratio bleiben.
      Wenn man auf eine Party geht, gibt es immer ein Risiko.
    • Ich glaube, Mobbing fängt da an..auch bzgl dummer Sprüche....wo es wiederholt wird. Meist dann von mehreren.
      Aber es kann einen auch ein Einzelner mobben.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”


      (Sylvia Boorstein)
    • Cloudactive wrote:

      Ich finde es ungerecht, dass so jemand bestraft wird.
      Es ist ungerecht.
      Aber die Mobber reden sich oft raus : "Ä#ääh, es war doch nur Spaß und dann schlägt dieser Psycho richtig zu....."
      Als ich später Lehrerin war, habe ich ioft gesagt:
      "Spaß ist immer nur, wenn es alle lustig finden." Und zur Mobbing- Zielperson: "Fandest du das lustig? Nein.... also lasst es bleiben."
      "Asperger ist eine unsichtbare Behinderung." "Oh, sieht man dir gar nicht an." "Ähhh....genau" :irony:
    • Rhianonn wrote:

      Aber die Mobber reden sich oft raus : "Ä#ääh, es war doch nur Spaß und dann schlägt dieser Psycho richtig zu....."
      Als ich später Lehrerin war, habe ich ioft gesagt:
      "Spaß ist immer nur, wenn es alle lustig finden." Und zur Mobbing- Zielperson: "Fandest du das lustig? Nein.... also lasst es bleiben."
      :thumbup:
      „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“
      (Aristoteles, griechischer Philosoph, 384 - 322 v. Chr.)
    • Ich finde körperlich wehren sollte man sich nur dann, wenn man auch körperlich angegriffen sind. Dann sollte man dafür auch nicht bestraft werden weil man sich ja nur verteidigt.
      Man sollte aber auch eine gewisse Schwelle dabei nie übertreten, es geht ja nur um Verteidigung, das bedeutet man schlägt andere in die Flucht und nicht man "erschlägt" andere, also selber zum Täter werden ist für mich ein No-go. Wenn ich mich körperlich wehren musste, hab ich immer darauf geachtet.
    • Ich habe "unschöne" Erfahrung in der Schulzeit gemacht, die man wohl inzwischen als Mobbing bezeichnen würde.
      Lange Zeit galt das in der Therapie (mit) als Ursache für meine zwischenmenschlichen Schwierigkeiten. Ich habe lange schon gesagt: Es war umgekehrt. Ich wurde nicht unsicher, weil ich ausgegrenzt wurde, sondern: Ich wurde ausgegrenzt, weil ich unsicher (und auch sonst 'anders') war.
      Ich habe allerdings keine Worte gehabt, um eine erwachsenen Person von meinen Schwierigkeiten zu erzählen. Da hätte schon jemand auf mich zugehen und sehr gezielt und sehr geduldig fragen müssen. Und: Ich habe vor einem Schulwechsel mehr Angst gehabt, als vor dem Mobbing.
      Rollt ein Ball um die Ecke Gurke und fällt um.
    • Cael wrote:

      Ich habe lange darüber nachgedacht ob das, was in meiner Schulzeit (überwiegend Gymnasium, an die Grundschule kann ich mich kaum erinnern) passiert ist als Mobbing bezeichnet werden kann. Denn eigentlich (und das lese ich hier überwiegend im Forum) ist Mobbing für mich wohl eher physische Gewalt zu anderen, offenes Beleidigen und Dinge, die dem Opfer in irgendeiner Weise deutlich gesagt/gezeigt wurden.
      Ich glaube, es gibt unterschiedliche Definitionen von Mobbing. Die engste Definition meint ein strategisches, koordiniertes Verhalten mehrerer gegen eine einzelne Person, mit dem Ziel, sie loszuwerden. Das trifft hauptsächlich in der Arbeitswelt zu, kommt aber auch in Vereinen oder Freundeskreisen vor. Ich persönlich finde diese Definition etwas eng und bin der Meinung, dass der Begriff auch für Ausgrenzungsverhalten, das nicht gleich auf "Loswerden" zielt und/oder das nur von einer einzelnen Person ausgeht (sofern es von anderen hingenommen und geduldet wird), angebracht ist. In der Schule etwa geht es zumeist ja gar nicht um ein direktes "Rausekeln" und auch am Arbeitsplatz gibt es Konstellationen, wo manche einen Kollegen oder Untergebenen als "Sündenbock" oder "Fußabtreter" durchaus gerne behalten wollen. "Hänseln", "Ärgern" etc. sind da als Begriffe meiner Ansicht nach einfach zu harmlos. Und wie gesagt, auch Einzelne können mit Duldung anderer durchaus Mobber sein - es kommt eben auf ihre soziale Stellung innerhalb der jeweiligen Gemeinschaft an. Auch Ausgrenzungverhalten, das sich nicht direkt konkret "festmachen" lässt, etwa in "Tuscheln", "Sticheln", über eine Person einfach dauernd negativ Reden, Augenverdrehen, wenn sie etwas sagt, Schweigen, wenn sie den Raum betritt oder ähnliches, kann, wie ich finde, als "Mobbing" bezeichnet werden. Und nicht zuletzt gibt es Ausgrenzungsformen, die sich zwar nicht unter "Mobbing" summieren lassen, aber nicht unbedingt weniger schädlich sind. Es gibt keinen Anspruch auf Freundschaft oder auch nur Gemeinschaft. Ein Kind, das keine Freunde hat, zu keinem Geburtstag eingeladen wird, dem die anderen Kinder absagen, wenn es sie einlädt etc., das wird dadurch noch nicht gemobbt. Von keinem kann man konkret verlangen, mit einer bestimmten Person befreundet zu sein, auf Freundschaft gibt es keinen Anspruch. Dennoch können die Langzeitfolgen ähnlich schlimm sein, und die Grenzen zu dem, was ich als wirkliches Mobbing verstehe, sind zumindest fließend (wenn sich kein einziges Kind bereit zu näherem Kontakt zu einem bestimmten Kind findet, dann oft deshalb, weil dieses Kind als "Außenseiter" gilt und merklich negativ beurteilt wird).

      Cael wrote:

      Ich glaube es war eine Mischung von stummer (?) Ablehnung seitens meiner Klasse und meinem eigenen Verlangen nach Abstand.
      Das ging mir über Teile der Schulzeit und auch daneben bei organisierten außerschulischen Aktivitäten und später nach der Schule in unterschiedlichen Kontexten genauso. Ansonsten war meine Schulzeit sehr "gemischt". In der Grundschule war ich über eine "Ankerfreundin" randständig in die Klasse integriert. Aber sie hatte auch nicht immer Lust auf mich, und ich hatte immer Angst, dass sie mal nicht mehr mit mir befreundet sein will (meine Mutter sorgte durch gemeinsame Aktivitäten etc. dafür, dass die Freundschaft erhalten blieb). Zeitweise kam es auch mal vor, dass sie sich mit anderen gegen mich "verbündete" und mich mobbte (ich erinnere mich an eine Situation, wo die Mädchen draußen ihre Jacken tauschten und ich sie dann miteinander verwechselte). Aber wir haben uns dann immer wieder "vertragen". Später hatte ich Zeiten, wo ich eher in Zweckgemeinschaften war bzw. am Rande in einer "Clique". Zwischenzeitlich war ich auch mal ganz allein, etwa in manchen Kursen in der Oberstufe (wir waren ein sehr großer Jahrgang, und nicht in jedem Kurs hatte ich Kontakte). Es gab auch mehrfach Episoden mit offenem Mobbing, teilweise auch mit Duldung der Lehrer (die allerdings insgesamt keine Autorität in meiner Klasse und eher Angst vor ihr hatten). Auch in den Zeiten, wo es oberflächlich gut lief, war ich mir immer bewusst, dass ich mich anstrengen und bewusst darauf achten musste, nicht ganz allein dazustehen. Wirklich eskaliert ist es selten, doch auch in den "guten Zeiten" stand ich mehr am Rande, als mir bewusst war, das wurde mir bei Auseinandersetzungen in der Schulzeit ebenso deutlich wie bei einem Gespräch mit einer "Freundin" Jahre später.
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    • Thimor wrote:

      Cloudactive wrote:

      Ich finde es ungerecht, dass so jemand bestraft wird.
      Du findest es _immer_ ungerecht? Ganz egal, wie der sich gewehrt hat? Also auch wenn die Nase gebrochen ist für einen dummen Spruch? Ist das so richtig von mir verstanden?
      Ich kann Cloudactive da durchaus zustimmen. Kinder haben oft sehr schnell die "wunden Punkte" von Autisten raus und wissen, wie sie einen Autisten provozieren und zum "Ausrasten" bringen können. Dann fängt mancher Autist dann vielleicht als Erster an, andere zu schlagen, und steht dann auch vor Erwachsenen als der Aggressor da. Zudem können Autisten, bei denen die Motorik mit betroffen ist, ihre Kraft oft weniger als andere Kinder einschätzen und dosieren und verletzen andere nicht selten unbeabsichtigt schlimmer als die geschickteren Gleichaltrigen. Schon Hans Asperger schreibt darüber. Mit Pech kann ein autistisches Kind dann als aggressiv und verhaltensgestört eingeschätzt werden und sich (auch durch ungeeignete pädagogische Interventionen) eine ungute Eigendynamik entwickeln.

      Mya wrote:

      Und: Ich habe vor einem Schulwechsel mehr Angst gehabt, als vor dem Mobbing.
      Dito. Obwohl ich in der Zeit zwischen der 8. und 10. Klasse mehrfach über einen Schulwechsel nachdachte. Ich habe mich dann bewusst entschieden, zur 11. Klasse auf eine Oberstufe in einem anderen Stadtteil zu gehen, wo aus meiner Schule kaum jemand hinging. Das wollte ich bewusst als Neuanfang, aber eben zu einem Zeitpunkt, wo nicht ich "die Neue" war, sondern ohnehin neu gemischt wurde. Die Entscheidung war rückblickend richtig, obwohl ich in der Oberstufe auch wieder Außenseiterin war.
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