Erkennen "durchschnittliche" Psychologen Spektrumstörungen?

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    • ZeroLifeSkills wrote:

      Kann es sein, dass Psychologen auch über Jahre Autismus nicht erkennen und stattdessen alle möglichen psychischen Störungen diagnostizieren?
      Zumindest für die Vergangenheit stimmt es, sonst hätte ich meine Diagnose nicht erst mit 57 Jahren erhalten, nachdem ich vorher viele unterschiedliche, sich teils widersprechende, Diagnose bekam.
      ~ Es ist kein Zeichen von Gesundheit, an eine von Grund auf kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein. ~
    • FruchtigBunt wrote:

      Ich würde noch hinzufügen: "und das was sie erkennen wollen"
      Das ist leider wahr. Frage am besten , was das Thema ihrer Abschlussarbeit war. Auf diese Weise kam ich nämlich schon zu einer dissoziativen Identitätsstörung. x(
      "Asperger ist eine unsichtbare Behinderung." "Oh, sieht man dir gar nicht an." "Ähhh....genau" :irony:
    • Rhianonn wrote:

      FruchtigBunt wrote:

      Ich würde noch hinzufügen: "und das was sie erkennen wollen"
      Das ist leider wahr. Frage am besten , was das Thema ihrer Abschlussarbeit war. Auf diese Weise kam ich nämlich schon zu einer dissoziativen Identitätsstörung. x(
      Das meinte ich. Sie erkennen nur, was sie kennen. Abschlußarbeit Thema, das kennen sie und das ERkennen sie dann. Egal ob es passt oder nicht. Da fühlen sie sich sicher. Ist auch ein psychologischer Faktor bei Psychologen.
    • Ich bin auch über 15 jahre lang durch das psychiateriesystem "gegeistert" und wurde auf vielfältige weise falsch und fehldiagnostiziert bevor jemand neues meine akte nicht zur hand hatte und dann ein "moment mal" kam.
      obwohl in der zwischenzeit mehrere menschen die diagnose bestätigt haben, kommt mir deswegen immer noch manchmal der gedanke, dass es trotzdem falsch sein könnte. ich glaube, dies liegt aber neben meiner allgemeinen unsicherheit auch eben an diesen ganzen fehldiagnosen. wenn ständig jemand was anderes sagt, wieso sollte "dieses" dann richtig sein? (der Besuch von therapie- und selbsthilfegruppen hilft mir darüber hinweg. im gegensatz zu den anderen diagnoseversuchen erklärt sich hier nämlich alles und nicht nur teile)
    • Ich denke, dass diese Frage nicht mit "Ja" oder "Nein" beantwortet werden kann, auch wenn es mir genauso

      kastenfrosch wrote:

      Ich bin auch über 15 jahre lang durch das psychiateriesystem "gegeistert" und wurde auf vielfältige weise falsch und fehldiagnostiziert bevor jemand neues meine akte nicht zur hand hatte und dann ein "moment mal" kam.
      ergangen ist. Es kommt auch darauf an, inwieweit das Gegenüber dazu bereit ist über den Tellerrand (RW) zu blicken und vom üblichen diagnostischen Weg abzuweichen.
      Meine Therapeutin tut das, auch ohne eine "richtige" Diagnose.
      Es hat sich viel getan in den letzten Jahren, das Spektrum ist größer geworden, die Kriterien haben sich gewandelt, die Ausbildung und Fortbildung von Therapeutinnen kann da einfach noch nicht mithalten. Das soll keine Entschuldigung, sondern nur eine Erklärung sein.
      Und egal aus welchem Grund eine Therapie begonnen wird, wichtig ist es in jedem Fall, dass die "Chemie" zwischen den Beiden stimmt.
      Es gibt nichts Schöneres, als dem Schweigen eines Dummkopfes zuzuhören. Helmut Qualtinger
    • Letztendlich hängt ja immer von fünf Dingen
      ab, was jemand erkennt.
      1. Das Wissen, dass da etwas ist wo man hinsehen und das ansehen kann.
      2. Dem ein " könnte eine Relevanz haben" zuzuschreiben.
      3. Bereit sein, dieses NEU mit dem bisherigen gemeinsam zu denken.
      4. Bisherige Vorstellungen zu ändern.
      5. Die Selbstsicherheit, das auch zu tun. Was ja auch bedeutet, zu sehen, wie oft und wir lange und bei wie vielen man das vorher nicht gemacht hat.

      Tja, und wer kann schon locker damit umgehen, vorher "dumm gewesen und alles falsch gemacht" zu haben? NTs kriegen ja auch viel ab. Psychologie/Psychiatrie wird selten von "total glücklichen Kindern aus besten Familien/Erizehungsbedingungen" studiert.

      Oder anders, auch die sind Menschen und funktionieren wie Menschen mit menschlichen Abwehrstrategien zu "neu", das sich "unangenehm anfühlt", die zu überwinden wären.Welches NEU dann aber die Abwehr in Gang setzt und warum ist individuell unterschiedliche.

      Ich glaube, hier haben manche Aspies die Idee, NTs, und vor allem Fachmenschen, wären nicht damit konfrontiert.
      Sowas ist aber allgemein menschlich.
      Die Themen, die Menge, die Intensität und die unterscheiden sich. Die Abwehr-Strategien im Umgang damit von wegsehen, nicht wahrhaben wollen, anklagen, projizieren, usw. sind die gleichen.
      Die Wege, über diese hinwegzukommen, auch.
      Was dann immer erst mal auch "neu und unangenehm" aushalten wollen bedeutet.

      Ich versteh jeden, der das nicht will :d
      "AS? Sie wirken gar nicht so" -"Danke für die Bestätigung und Anerkennung all der geleisteten Arbeit, die dahinter steckt :) ".
    • Leseratte wrote:

      ZeroLifeSkills wrote:

      Kann es sein, dass Psychologen auch über Jahre Autismus nicht erkennen und stattdessen alle möglichen psychischen Störungen diagnostizieren?
      Zumindest für die Vergangenheit stimmt es, sonst hätte ich meine Diagnose nicht erst mit 57 Jahren erhalten, nachdem ich vorher viele unterschiedliche, sich teils widersprechende, Diagnose bekam.
      Vielerorts wird das auf absehbare Zeit nicht anders sein. Wie es sich traf, hatte ich in den letzten Monaten dreimal Gelegenheit, mich mit Leuten zu unterhalten, die vor kurzem ihren Bachelor oder Master in Psychologie gemacht haben bzw. gerade in der Endphase des Studiums waren. Zwei hatten an unterschiedlichen norddeutschen Unis studiert, eine in Süddeutschland. Übereinstimmend meinten alle, dass Autismus in ihrem Studium kaum vorkam. Eine erwähnte ein Lehrbuch mit Prüfungswissen, wo das Thema einmal gestreift wurde. Die Auflage war aktualisiert, die Passagen über Autismus aber noch identisch mit Uralt-Ausgaben und auf dem Stand der frühen 1980er. Wenn man sich für Autismus interessiert, muss man sich vermutlich gezielt eine Uni mit entsprechendem Forschungsschwerpunkt aussuchen, und auch dann haben in großen Fachbereichen nicht alle Lehrenden dort auch nur Basiswissen darüber. Anders ist das in Pädagogik und - nicht überraschend - in Sonderpädagogik, da werden inzwischen wohl die meisten irgendwann damit konfrontiert.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • Zumindest interessieren sich mehr Menschen aus den entsprechenden Studiengängen dafür.
      Wie man ja an den Anfragen hier sehen kann.
      Nur dass die dann leider manchmal unfreundlich empfangen werden und gleich die volle Packung abkriegen/RW, was sie alles falsch machen.
      "AS? Sie wirken gar nicht so" -"Danke für die Bestätigung und Anerkennung all der geleisteten Arbeit, die dahinter steckt :) ".
    • Was Soziale Arbeit betrifft, kenne ich nur eine Uni genauer. Da kommt es - auch laut Auskunft Studierender - so gut wie gar nicht vor, obwohl auch das so wichtig wäre.
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    • Rhianonn wrote:

      FruchtigBunt wrote:

      Ich würde noch hinzufügen: "und das was sie erkennen wollen"
      Das ist leider wahr. Frage am besten , was das Thema ihrer Abschlussarbeit war. Auf diese Weise kam ich nämlich schon zu einer dissoziativen Identitätsstörung. x(
      Offen gesagt, ähneln sich alle Störungen zu großen Teilen, man findet überall Überschneidungen, Verbindungen.
      Und wenn man etwas konstruieren will, dann schafft man das auch easy, ist ja nur die Psyche und Beweise gibt es keine.

      Autist guckt sich die rotierende Wäsche in der Waschmaschine wie hypnotisiert an und ist nicht ansprechbar - ganz klarer Fall von Dissoziation. :irony:
      Ein Mensch mit sozialer Phobie fühlt sich minderwertig und versucht positive Seiten an sich zu finden und betont sie mantraartig - eindeutig ein Narzisst. :irony:
      Ein ADHSler versucht gegen sein Chaos mit Struktur zu kämpfen und schreibt sich alles auf Zettel und zwingt sich, Ordnung zu halten - Zwangsstörung, what else? :irony:
      Ein Depressiver hat keine Hoffnung mehr und sieht keinen Sinn mehr in nichts, sein Gesichtsausdruck ist leer - schizoid! :irony:
      Ein traumatisierter Mensch versucht, nicht wieder verletzt zu werden und vertraut anderen nicht mehr - paranoid! :irony:

      Diese ganze Maschinerie ähnelt schon regelrechter Willkür.
      Man kann nur hoffen und "beten", dass man auf einen Diagnostiker trifft, der wirklich die Wahrheit finden will und unvoreingenommen ist.
      Das sind aber so ziemlich in jedem Arbeitsfeld die Wenigsten.
      Die meisten kümmert nur ihr Gehalt und dass sie nicht verklagt werden, wobei auch eine Klage kaum Aussicht auf Erfolg hat gemessen an den Hürden, die an das Verschulden gestellt werden.
      „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“
      (Aristoteles, griechischer Philosoph, 384 - 322 v. Chr.)
    • Leonora wrote:

      Anders ist das in Pädagogik und - nicht überraschend - in Sonderpädagogik, da werden inzwischen wohl die meisten irgendwann damit konfrontiert.
      Wobei es da dann vermutlich vorwiegend um Kinder im (Grund)schulalter mit Autismus gehen wird. :roll: Ich habe den Eindruck, dass man sich in diesen Gebieten wenig auf Erwachsene mit Autismus fokussiert. Selbst die Literatur bezieht sich da vorwiegend auf Kinder.

      So wie du das mit den Bachlor- und Master-Lehrinhalten schilderst, bestätigt das meine Vermutungen. Von daher denke ich, dass jemand, der sich speziell für das Thema interessiert (und keinen Abschluss in Psychologie hat) und sagen wir mal 20 aktuelle (letzte 5 Jahre) Fachbücher zu dem Thema gelesen hat, durchaus mehr von Autismus verstehen kann, als jemand mit Bachelor oder Masterabschluss in Psychologie, auch wenn diese Person schon in diversen Kliniken etc. hospitiert hat, es sei denn, die waren wirklich auf Autismus spezialisiert und die Person hat sich dann auch intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt.

      Die Frage ist, wie viel Wissen man über Autismus bei der eigentlichen 'Weiterbildung' zur Psychologischen Psychotherapeutin' mitbekommt. Da durchläuft man ja auch nochmal einige Stationen und legt Prüfungen ab. Vermutlich kommt es aber stark auf die eigenen Interessen an.
    • Das mit den Fehldiagnosen im Vorfeld habe ich sehr oft gelesen.
      Allerdings frage ich mich öfters, ob mit AS wirklich die Endstation erreicht wurde?
      Denn eine hohe Fehlerquote wäre theoretisch weiterhin möglich und wahrscheinlich.
      Vermutlich wird es immer dabei bleiben: So ganz absolut sicher weiß man es nicht.
      In letters of gold on a snow white kite I will write "I love you"
      And send it soaring high above you for all to read
    • Von den erwähnten Psychologiestudenten und -absolventen macht eine gerade berufsbegleitend die Psychotherapeuten-Ausbildung. Sie meinte, an ihrem Institut kommt Autismus auch nicht vor. Meines Wissens nach besteht ein großer Teil der Ausbildung aus der Reflexion und Analyse eigener aktueller Fälle, weshalb man das auch nur berufsbegleitend machen kann. Insofern wäre es prinzipiell wohl möglich, einen Schwerpunkt im Bereich Autismus zu setzen. Fraglich nur, ob man dann entsprechende Mentoren und Mitauszubildende findet, die das angemessen begleiten können.
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    • Natürlich wird Autismus auch falsch diagnostiziert. Besonders, wenn man sich nicht genügend Zeit nimmt, um alle Pro- und Contra Punkte abzuwägen und auszuwerten.
      Generell wird jedenfalls meist nur das gesehen was der Diagnostiker sehen will und kann, s.o.
      Wenn man dann auch keine wirklich starken Anhaltspunkte für Autismus hat, dann wird die Sicherheit in gleichem Maße ausfallen und eine Unsicherheit bleibt, gerade was die Absenz von Auffälligkeiten in der Kindheit angeht.
      „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“
      (Aristoteles, griechischer Philosoph, 384 - 322 v. Chr.)
    • FruchtigBunt wrote:

      Wobei es da dann vermutlich vorwiegend um Kinder im (Grund)schulalter mit Autismus gehen wird. Ich habe den Eindruck, dass man sich in diesen Gebieten wenig auf Erwachsene mit Autismus fokussiert. Selbst die Literatur bezieht sich da vorwiegend auf Kinder.
      Ja, das stimmt. Prinzipiell ist die Sonderpädagogik ja auch für Erwachsene zuständig, aber das ist da eher ein Randbereich.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • Leonora wrote:

      Ja, das stimmt. Prinzipiell ist die Sonderpädagogik ja auch für Erwachsene zuständig, aber das ist da eher ein Randbereich.
      Bisher war es ja so, dass Betroffene entweder zufällig aufgrund Herkunft und Glück ihre Nische fanden
      von Kind an in Einrichtungen waren
      sich überlastet durchs Leben quälten
      krank wurden/psychisch krank wurden/sich suizidierten
      auf der Straße landeten.

      weil nicht mal die Idee da war, dass es AutistInnen gibt, die nicht schon als Kind so massiv auffallen bzw viele Ideen, was AutistInnen angeblich nicht können bzw nicht lernen können.
      Womit dann das auf anderen Wegen und mühsam Gelernte als Gegenbeweis gewertet wurde.

      Das hat sich ja schon etwas geändert. Auch wenn es nur wenige und nicht immer so geeignete Angebote gibt, es sind mehr als vor zwei Jahren.
      Es gibt mehr gesellschaftliches Bewusstsein dafür.

      Die Entwicklung hier ist sehr ähnlich wie die zu Trauma. Heute bieten viele Kliniken Traumatherapie an. Vor 5 Jahren stand das Wort bundesweit nur bei einer handvoll Kliniken auf der homepage.
      Jahre davor wurde Trauma maximal zu Soldaten und Erlebenden von Naturkatastrophen gedacht.
      Jegliche Therapie war auf "wieder zum funktionieren bringen" ausgerichtet, wo das nicht klappte war auch hier wieder das "stell dich nicht so an, du willst ja nur nicht".
      Folgen emotionalen Missbrauchs gab es nicht, das war "zu empfindlich, nicht abschließen wollen...."
      Wenn allgemein die Gesellschaft die Reaktionen auf Gestört werden in der eigenen Seelen den Betroffen als deren innere Störung, mit der sie andere stören, weil sie nicht mehr funktionieren, zuschreibt, wieso sollte das zu Asperger anders sein?
      "AS? Sie wirken gar nicht so" -"Danke für die Bestätigung und Anerkennung all der geleisteten Arbeit, die dahinter steckt :) ".
    • Happy to be wrote:

      Bisher war es ja so, dass Betroffene entweder zufällig aufgrund Herkunft und Glück ihre Nische fanden
      von Kind an in Einrichtungen waren
      sich überlastet durchs Leben quälten
      krank wurden/psychisch krank wurden/sich suizidierten
      auf der Straße landeten.
      Ja, das vermute ich leider auch. Als vor einigen Jahren der Fernseh-Zweiteiler "Der kalte Himmel" lief, über einen autistischen Jungen in den 1960er Jahren, überlegte ich, dass, je nachdem, wie sein Weg weiter verlaufen wäre (ich fand den Film recht realistisch und überraschend gelungen), er genauso gut hätte Professor werden, in der Psychiatrie oder in einem Heim für Menschen mit geistigen Behinderungen landen können. Gerade die auf den ersten Blick "unauffälligen" Hochfunktionalen enden sicher gar nicht so selten im Suizid.

      Happy to be wrote:

      weil nicht mal die Idee da war, dass es AutistInnen gibt, die nicht schon als Kind so massiv auffallen bzw viele Ideen, was AutistInnen angeblich nicht können bzw nicht lernen können.
      Womit dann das auf anderen Wegen und mühsam Gelernte als Gegenbeweis gewertet wurde.
      Das ist ein ganz großes Problem. Anpassung und Leistungen werden teilweise quasi noch "bestraft".

      Happy to be wrote:

      Das hat sich ja schon etwas geändert. Auch wenn es nur wenige und nicht immer so geeignete Angebote gibt, es sind mehr als vor zwei Jahren.
      Es gibt mehr gesellschaftliches Bewusstsein dafür.
      Ja. Aber für die spätdiagnostizierten Hochfunktionalen noch immer viel zu wenig.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.