Erkennen "durchschnittliche" Psychologen Spektrumstörungen?

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    • Erkennen "durchschnittliche" Psychologen Spektrumstörungen?

      Uuuund mal wieder eine Frage. Ich weiß nicht, wieso ich immer wieder über dieses Thema nachdenken muss. Fast zwanghaft. Was heißt fast, es IST zwanghaft und es nervt.

      Kann es sein, dass Psychologen auch über Jahre Autismus nicht erkennen und stattdessen alle möglichen psychischen Störungen diagnostizieren? Ich meine, ich bin mit 11 zum ersten Mal zu einer Psychologin, jetzt bin ich 27 und war fast die ganze Zeit über in Behandlung. Mit c. 24 kam die AS-Diagnose von einer Uniklinik, nachdem erstmal eine Psychologin einen Verdacht geäußert hat. Aber.. kann das wirklich so lange nicht erkannt worden sein, obwohl ich bei einigen unterschiedlichen Psychologen war? Und das zu diesem Zeitpunkt 13 Jahre lang? Ich habe auch als Kind schon normalen Augenkontakt gehabt und ich kann gut über meine Gefühle reden und diese beschreiben; ich zeigte kein Desinteresse an anderen Kindern und kein auffälliges, aggressives Verhalten. Also die "typischen" und auffälligeren Symtpome hatte ich nicht. Hab ich auch jetzt nicht. Ich dachte, Psychologen müssten doch zumindest so viel über das Thema wissen, um es zu erkennen, wenn sie damit konfrontiert sind, oder nicht? Immer wieder kommen mir deswegen Zweifel, ob ich nicht rein psychologische Probleme habe, da ich ja zB. auch gemobbt worden bin und ein narzisstisches Elternteil habe, das mich sehr verunsichert und verletzt hat. ... Ich kann es nicht leiden, kein festes, sauberes Ergebnis zu haben, das man das nicht so nachweisen kann wie eine körperliche Krankheit.. oder eine mathematische Formel.

      Tut mir Leid, falls ich nerve, mich lässt das einfach nicht los.
    • ZeroLifeSkills wrote:

      Ich dachte, Psychologen müssten doch zumindest so viel über das Thema wissen, um es zu erkennen, wenn sie damit konfrontiert sind, oder nicht?
      Nein, denn im Studium wird Autismus meines Wissens nur kurz abgehandelt. Das langt höchstens um Interesse zu wecken. Wer dann die ein oder andere Fortbildung zu dem Thema besucht hat, der kommt vielleicht auf die Idee, dass man das auf AS prüfen könnte. Aber selbst dann muss man an jemanden geraten, der eingesehen hat, dass er das nicht schnell mal eben machen kann, sondern einen Spezialisten hinzuziehen muss.
    • ZeroLifeSkills wrote:

      Kann es sein, dass Psychologen auch über Jahre Autismus nicht erkennen und stattdessen alle möglichen psychischen Störungen diagnostizieren?
      Ja, natürlich.
      Der erste gibt eine Einschätzung - und die anderen schreiben die Diagnose dann nur noch ab. Gaaanz selten passiert es mal, dass ein Psychologe/Psychiater sagt : Moment nal, kann doch nicht stimmen , was der Kollege schreibt - ich rolle den Fall nochmals auf." - das passiert meist nur in Spielfilmen.
      Manchmal ist der Patient aber auch renitent und hartnäckig, erkennt die Diagnosen nicht an und forscht auf eigene Faust weiter ( so wie ich(. Das scheint aber auch selten zu sein.

      Autismus existiert erst seit Anfang der 90er Jahre im ICD in Deutschland und da auch mit vielen Vorurteilen: männlich, Mathe-Freak, spricht nicht, kein Augenkontakt . Bedeutet, ältere Psychiater sind wirklich nicht drin in der Materie, wenn sie sich nicht fortgebildet haben.

      Und jüngere kommen nicht darauf, wenn man schon erwachsen und einigermaßen angepasst ist.


      ZeroLifeSkills wrote:

      Ich meine, ich bin mit 11 zum ersten Mal zu einer Psychologin
      Haben deine Grundschullehrer nichts bemerkt?
      "Asperger ist eine unsichtbare Behinderung." "Oh, sieht man dir gar nicht an." "Ähhh....genau" :irony:
    • @ZeroLifeSkills
      Ich denke, dass es nicht nur möglich, sondern sehr wahrscheinlich ist, das die Durchschnittspsychologin/psychologe Asperger nicht erkennt. Ich habe die Diagnose (sogar zweimal) und höre selbst jetzt von Psychiatern nach einem Blick auf das Gutachten und einem Blick auf mich (nachdem die Person mich ungefähr zwei Minuten 'kennt'): "Asperger? Sie? So sehen Sie nicht aus." Und nach weiteren zehn Minuten Nicht-Zuhören steht am die Diagnose Asperger nicht auf der Rechnung, sondern aus der Luft gegriffen allgemeine andere Diagnosen. Und das nach einer Viertelstunde Gespräch.
      Insofern sind die Vorurteile und das Unwissen von Ärzten oft stärker als die Realität.

      Es könnte doch sein, dass du Asperger hast und weitere psychische Erkrankungen, oder? Manchmal kann nicht alles mit dem Asperger erklärt werden und es sind auch nicht immer nur Komorbitäten. Auf Asperger können sich Traumatisierungen sozusagen 'aufsatteln' oder aber aufgrund der Lebensgeschichte andere "Störungen" parallel dazu entstanden sein.
    • TalkativeP wrote:

      ZeroLifeSkills wrote:

      Ich dachte, Psychologen müssten doch zumindest so viel über das Thema wissen, um es zu erkennen, wenn sie damit konfrontiert sind, oder nicht?
      Nein, denn im Studium wird Autismus meines Wissens nur kurz abgehandelt. Das langt höchstens um Interesse zu wecken. Wer dann die ein oder andere Fortbildung zu dem Thema besucht hat, der kommt vielleicht auf die Idee, dass man das auf AS prüfen könnte. Aber selbst dann muss man an jemanden geraten, der eingesehen hat, dass er das nicht schnell mal eben machen kann, sondern einen Spezialisten hinzuziehen muss.
      Also die, die den Verdacht hatte, hat wohl schon mit autistischen Kindern und Erwachsenen gearbeitet, wenn auch in den USA. Andere meinten Sachen wie "Ich hatte schon mal einen Autisten in Behandlung und der war gaaaaanz anders als du, der hat kaum geredet, hat mich nicht angesehen und und und.."

      Rhianonn wrote:



      ZeroLifeSkills wrote:

      Ich meine, ich bin mit 11 zum ersten Mal zu einer Psychologin
      Haben deine Grundschullehrer nichts bemerkt?
      Also, dass ich gemobbt und abgelehnt wurde, das haben sie bemerkt, aber sie haben es nicht so eng gesehen. "Es sind doch nur Kinder.", hat eine Lehrerin zu meiner Mutter gesagt. Ansonsten weiß ich nicht viel. Ich hatte eine Zwangsstörung, vielleicht haben sie die bemerkt, ich war anfangs aufgeweckt und wurde immer ruhiger und ängstlicher, vermutlich aufgrund des Mobbings. Dass ich Anschluss gesucht habe, das haben sie auch bemerkt. Lehrer mochten mich recht gerne, weil ich brav war. Da die Kinder mich nicht mochten, habe ich öfter den Kontakt zu Lehrern gesucht und eine davon hat das auch angenommen. Sie war wie eine Freundin für mich.

      Grübler_1988 wrote:


      ZeroLifeSkills wrote:

      Mit c. 24 kam die AS-Diagnose von einer Uniklinik,
      Ich bekam die AS-Diagnose mit 27, viele andere Autisten erst viel später. Es ist nicht ungewöhnlich, falsche Diagnosen zu erhalten, wenn man nicht bei Spezialisten vorstellig war.
      Ich dachte, vor allem Frauen kriegen ihre Diagnose erst spät, aber es gibt wohl auch Männer. Hattest du davor andere Diagnosen oder gar keine?
    • ZeroLifeSkills wrote:

      Kann es sein, dass Psychologen auch über Jahre Autismus nicht erkennen und stattdessen alle möglichen psychischen Störungen diagnostizieren?
      Ja. Ich könnte mir auch vorstellen, dass das zumindest beim klinischen Befund auch viel damit zu tun hat, dass der eben subjektiv ist und der einzelne Diagnostizierende vielleicht eine ganz andere Vorstellung davon hat, was auffällig ist, als sein Kollege. Zudem können viele Symptome auch zu mehreren "Störungsbildern" passen.
      Ich bin mir auch nicht sicher, ob es immer so hilfreich ist, dass das Kind einen Namen kriegt (RW), vielleicht wäre es manchmal besser, wenn es beim Deskriptiven (Beschreibenden) bliebe und für den Grad der Behinderung eher die Konsequenzen des Symptomatik benannt werden würden. (Da wäre man auch näher am ICF dran, vgl. de.wikipedia.org/wiki/Internat…ng,_Disability_and_Health )
      Surprised by the joy of life.
    • ZeroLifeSkills wrote:

      Ich dachte, vor allem Frauen kriegen ihre Diagnose erst spät, aber es gibt wohl auch Männer. Hattest du davor andere Diagnosen oder gar keine?
      Es gibt auch viele spätdiagnostizierte Männer. Vor meiner AS-Diagnose hatte ich von einer Psychotherapeutin die Diagnose "Anpassungsstörung" erhalten. Anpassungsstörung ist aber lediglich eine Verlegenheitsdiagnose, da sie sich auf alle möglichen psychischen Störungen beziehen kann.
    • FruchtigBunt wrote:

      @ZeroLifeSkills
      Ich denke, dass es nicht nur möglich, sondern sehr wahrscheinlich ist, das die Durchschnittspsychologin/psychologe Asperger nicht erkennt. Ich habe die Diagnose (sogar zweimal) und höre selbst jetzt von Psychiatern nach einem Blick auf das Gutachten und einem Blick auf mich (nachdem die Person mich ungefähr zwei Minuten 'kennt'): "Asperger? Sie? So sehen Sie nicht aus." Und nach weiteren zehn Minuten Nicht-Zuhören steht am die Diagnose Asperger nicht auf der Rechnung, sondern aus der Luft gegriffen allgemeine andere Diagnosen. Und das nach einer Viertelstunde Gespräch.
      Insofern sind die Vorurteile und das Unwissen von Ärzten oft stärker als die Realität.

      Es könnte doch sein, dass du Asperger hast und weitere psychische Erkrankungen, oder? Manchmal kann nicht alles mit dem Asperger erklärt werden und es sind auch nicht immer nur Komorbitäten. Auf Asperger können sich Traumatisierungen sozusagen 'aufsatteln' oder aber aufgrund der Lebensgeschichte andere "Störungen" parallel dazu entstanden sein.
      Hier gibt es nicht viele Stellen, an die man sich wenden kann, wenn man sich fragt, ob man autistisch ist oder nicht. Die erste, die ich angerufen habe, war komplett ausgebucht, die zweite war ein ganzes Stück weg von hier, über eine Stunde Fahrt. Schade, dass es nicht mehr davon gibt.

      Als ich vom Verdacht sprach, lächelte mich mein Hausarzt an und sagte "Also Sie wirken nicht autistisch auf mich.", als ich die Diagnose bereits hatte, sagte eine Ausbilderin "Nein, das glaube ich nicht, dass Sie das haben." Lag vielleicht daran, dass es zu dem Zeitpunkt noch andere autistische Auszubildende gab, bei denen es viel offensichtlicher war. Sie waren nicht sehr beliebt, weil unangepasst - die männlichen. Bei dem einzigen Mächen weiß ich es nicht. Aber sie war auch auffällig, hat oft laut mit sich selbst geredet. Und einer ist schwerbehindert, eher so, wie man sich den "typischen" Autisten vorstellt. Man denkt, er ist blöd, aber er liebt Zahlen und versteht auch Rechnungen etc. sehr gut. Wenn er sich konzentiert, ist er nicht ansprechbar, er würde am liebsten ständig rechnen, er redet, aber ist sehr sehr schwer zu verstehen. Er sagt immer dasselbe, hat einen festen Tagesablauf und kommt manchmal zu nah an einen ran. Und sabbert... Ist aber lieb und wirkt immer fröhlich.

      Das ist die Vermutung. Ich habe neben der Asperger-Diagnose noch "Angst und depressive Störung, gemischt" und "Rezidivierende Depression". Es gab hier auch schon Threads zum Thema Autismus und Trauma, wie ähnlich sie sind und ob autistische Menschen schneller traumatisiert werden als andere.
    • ZeroLifeSkills wrote:

      er redet, aber ist sehr sehr schwer zu verstehen.
      Solche habe ich auch kennen gelernt, allerdings kam mir nicht die Sprachmelodie oder Sprechweise abnorm vor, sondern die Stimme an sich...
      Klang wie kurz nach einer Mandel-OP, falls man weiß was ich meine.
      „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“
      (Aristoteles, griechischer Philosoph, 384 - 322 v. Chr.)
    • ZeroLifeSkills wrote:

      Kann es sein, dass Psychologen auch über Jahre Autismus nicht erkennen und stattdessen alle möglichen psychischen Störungen diagnostizieren?
      Pauschal würde ich sagen: Ja, kann sein.
      Erfahrungsgemäß würde ich sogar sagen, dass die Wenigsten sich mit mehr als nur Depressionen und Ängsten auskennen.
      Das kann man auch gut anhand der angegebenen Qualifikationen von Psychologen bei etwaigen Portalen zur Suche nach Psychotherapeuten erkennen.
      Es gibt in meiner Stadt vielleicht ca. 8 Psychologen die sich damit "auskennen", wenn auch u.a. nur einen Autisten mal in Therapie hatten und das dann als Fähigkeit durch Erfahrung auf ihrer Seite preisen. XD
      „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“
      (Aristoteles, griechischer Philosoph, 384 - 322 v. Chr.)
    • ZeroLifeSkills wrote:

      Als ich vom Verdacht sprach, lächelte mich mein Hausarzt an und sagte "Also Sie wirken nicht autistisch auf mich.", als ich die Diagnose bereits hatte, sagte eine Ausbilderin "Nein, das glaube ich nicht, dass Sie das haben." Lag vielleicht daran, dass es zu dem Zeitpunkt noch andere autistische Auszubildende gab, bei denen es viel offensichtlicher war. Sie waren nicht sehr beliebt, weil unangepasst - die männlichen. Bei dem einzigen Mächen weiß ich es nicht. Aber sie war auch auffällig, hat oft laut mit sich selbst geredet.
      Inzwischen denke ich dass es nicht wichtig ist ob man "Asperger" "hat" oder nicht. Was wichtig ist ist dass man weiß wie man selber funktioniert und ob eventuelle Mängel oder Einschränkungen von den Traumen kommen die man erlitten hat oder ob sie angeboren sind, des weiteren ob sie behandelbar sind oder ob man damit leben muss und sie umschiffen, sozusagen.

      Als Mensch der sich reflektieren kann und irgendwie empathisch ist (einigermaßen zumindest), denke ich nicht dass ich unbedingt will dass ich oder andere mich als AS-Fall einstufe(n). Vor Jahren hat mein damaliger Therapeut mich vorteilhaft verglichen mit einem anderen AS-Fall bei dem gar keine Einsicht bestand und dessen Therapeut verzweifelt war wegen der Unfähigkeit dieses Aspies sich zu reflektieren. So will ich nicht sein und so bin ich nicht.

      Diese Woche hat mir eine Krankenschwester (mit der ich mich früher gut verstanden hatte und die mir gesagt hatte letztes Jahr dass sie meine Stimme mag) gesagt am Telefon dass es so lange gewesen wäre dass wir uns nicht gesehen hätten dass sie nicht mehr weiß wie ich aussehe. Ich habe angefangen ihr zu beschreiben wie ich aussehe aber sie hat mich unterbrochen. Es war offensichtlich nicht so gemeint ihrerseits (dass sie nicht mehr weiß wie ich aussehe) sondern war eine Art Redewendung die ich nicht erkannt hatte ("Ich weiß nicht mehr wie Sie aussehen"). Mit solchen Sachen habe ich Schwierigkeiten und dann denke ich dass die Diagnose stimmt. Auch weil ich ziemlich "anders" bin im sozialen Bereich und wegen vielen anderen Sachen.

      Was ich erlebe ist dass ich es nicht mag wenn jemand meine Diagnose nicht glaubt (passiert nicht aber ich denke immer es könnte passieren) und dass ich es auch nicht mag wenn jemand die Diagnose als gerechtfertigt ansieht, weil ich doch irgendwie normal bin vom subjektiven Empfinden her obwohl ich es wahrscheinlich doch nicht bin weil in dem Fall wäre alles leichter als es ist.

      Was ich sagen wollte bevor ich abgeschweift bin ist dass es nicht wichtig ist on man AS "hat" oder "autistische Züge" oder sogar gar nichts. Falls man komische Eigenschaften hat oder Einschränkungen dann hat man sie, ob es AS ist oder nicht. Mein Psychiater und der sozialpsychiatrische Dienst wissen dass ich eine AS Diagnose habe. Irgendwie denke ich dass es hilft dass sie das wissen aber ich bin mir nicht sicher. Der große Vorteil könnte sein dass wenn man eine AS Diagnose hat dann wird es nicht nach irgendwelchen psychologischen Gründen gesucht warum man etwas anders lebt als vielleicht empfehlenswert wäre falls man könnte (das heißt, wenn man kein AS hätte) sondern es wird eher akzeptiert dass man so ist wie man eben ist.

      The post was edited 1 time, last by Unbewohnte Insel ().

    • ZeroLifeSkills wrote:

      Uuuund mal wieder eine Frage. Ich weiß nicht, wieso ich immer wieder über dieses Thema nachdenken muss. Fast zwanghaft. Was heißt fast, es IST zwanghaft und es nervt.

      Kann es sein, dass Psychologen auch über Jahre Autismus nicht erkennen und stattdessen alle möglichen psychischen Störungen diagnostizieren? Ich meine, ich bin mit 11 zum ersten Mal zu einer Psychologin, jetzt bin ich 27 und war fast die ganze Zeit über in Behandlung. Mit c. 24 kam die AS-Diagnose von einer Uniklinik, nachdem erstmal eine Psychologin einen Verdacht geäußert hat. Aber.. kann das wirklich so lange nicht erkannt worden sein, obwohl ich bei einigen unterschiedlichen Psychologen war? Und das zu diesem Zeitpunkt 13 Jahre lang?
      Ja klar. Siehe

      Rhianonn wrote:



      Autismus existiert erst seit Anfang der 90er Jahre im ICD in Deutschland und da auch mit vielen Vorurteilen: männlich, Mathe-Freak, spricht nicht, kein Augenkontakt . Bedeutet, ältere Psychiater sind wirklich nicht drin in der Materie, wenn sie sich nicht fortgebildet haben.
      Und warum gibt es denn die jahrelangen Wartezeiten bei den Unikliniken? Weil sich zuwenig Leute damit auskennen, als dass man den Strom entzerren könnte.
      "In das Popcorn, das Sie gerade essen, hat wer reingepisst!" (Kentucky Fried Movie)


      "Sind Sie Polizisten?" "Nein, Ma'am. Wir sind Musiker!" (The Blues Brothers)
    • Hallo ZeroLifeSkills,

      ja, das Psychologen Autismus-Spektrum-Störungen über Jahre nicht erkennen, kann ich dir aus eigener leidvoller Erfahrung bestätigen. Ich bin seit dem neunten Lebensjahr in psychologischer/psychiatrischer Behandlung. Ich wurde sehr vielen Psychologen vorgestellt und auf Vieles getestet - auch auf ADHS, unter anderem. Ich habe ein sehr gutes Langzeitgedächtnis und kann mich erinnern, dass einer dieser Psychologen schon auf der richtigen Spur war (RW), aber letzten Endes doch keine eindeutige Diagnose gestellt hat, weil er sich offensichtlich nicht ganz sicher war. Ich kann mich noch gut an seine Worte erinnern: "Es könnte sein, dass sie jetzt gerade einfach nur schüchtern ist." Irgendwann dann hat man mich, weil man scheinbar nicht mehr weiter wusste, einfach mit Pimozid und später dann mit Antidepressiva behandelt. Die erlösende Diagnose kam dann erst 2013, als mein damaliger Hausarzt die Vermutung äußerte (anhand von Beobachtungen, aber auch von Gutachten aus der Kindheit) ich könnte Autistin sein. Diese Vermutung sollte sich dann später anhand einer fachmännischen Diagnose bestätigen.
    • Surprised wrote:

      Ich bin mir auch nicht sicher, ob es immer so hilfreich ist, dass das Kind einen Namen kriegt (RW), vielleicht wäre es manchmal besser, wenn es beim Deskriptiven (Beschreibenden) bliebe und für den Grad der Behinderung eher die Konsequenzen des Symptomatik benannt werden würden. (Da wäre man auch näher am ICF dran, vgl. de.wikipedia.org/wiki/Internat…ng,_Disability_and_Health )
      Ich tendiere auch immer mehr zu dieser Einstellung, dass man beim Beschreibenden bleiben sollte, insbesondere um mögliche Hilfen und Lösungswege zu finden. In Hinblick auf den Grad der Behinderung aber ist es doch schon so, dass die Einschränkungen bei der Teilhabe (das Beschreibende) berücksichtigt werden und nicht die Diagnose. Das ist ja dann somit schon umgesetzt. Ich habe in meinem Antrag sogar die ICF-Codierungen benutzt. Bei der künftigen VersorgungsmedizinVO soll das eventuell sogar gefordert werden, die EInschränkungen nach ICF zu codieren. Somit wird es bereits im Bereich des GdB so gehandhabt, dass die Namen bzw. Diagnosen weniger wichtig werden.
      Ich würde mir das auch bei der Behandlung mehr wünschen. Denn nun habe ich zwar die Diagnose 'Asperger', aber entweder kommt dann direkt einer und sagt, ich sähe nicht so aus und hätte das nicht und werde dann nicht entsprechend danach behandelt oder es wird gleich abgewunken und gesagt, dass man mit Autisten keine Erfahrung hätte. Vielleicht wäre es manchmal einfach hilfreich, wenn die Behandler zuhören würden, was man für Probleme hat und sich schildern lassen, wovon das kommt (die autistischen Hintergründe oder in meinem Fall zusätzlich Traumatisierungen schildern) und dann könnte die/der TherapeutIn schauen, wie man mit diesen speziellen Symptomen, die auf die geschilderten Ursachen vermutlich zurückzuführen sind, umgehen könnte.
    • ZeroLifeSkills wrote:

      Als ich vom Verdacht sprach, lächelte mich mein Hausarzt an und sagte "Also Sie wirken nicht autistisch auf mich.", als ich die Diagnose bereits hatte, sagte eine Ausbilderin "Nein, das glaube ich nicht, dass Sie das haben."
      :shake: :thumbdown: Ich finde das so schrecklich und das ist ähnlich zu dem, was mir mehrmals schon passiert ist.

      Wie kann man beispielsweise aus der Tatsache, dass man als Ausbilderin vermutlich maximal eine Handvoll Autisten kennt, ableiten, dass man nun generell wüsste, wie Autisten sind? An der Stelle denke ich mir wirklich, dass viele Menschen einfach ziemlich dumm oder ziemlich überheblich sein müssen, sonst würden solche irrsinnigen Einschätzungen nicht vorkommen :shake:

      Die Menschen (auch viele Behandler) haben offenbar ein grobes Bild von Autismus und stellen sich dann den hochbegabten Savant vor oder jemanden mit Mutismus, weil sie dahingehend mal etwas aufgeschnappt haben oder einfach, weil sie glauben, dass ein Autist so wäre. Und dann denken sie, sie wären damit qualifiziert, Autisten (innerhalb von 5 Sekunden Blickdiagnose :shake: ) zu diagnostizieren. Das ist doch absurd. :thumbdown: Vor allem scheint ihnen überhaupt nicht bewusst zu sein, dass sie mit solchen Aussagen fast schon das Leben von Menschen zerstören können. Manch einer lässt sich vielleicht von so einem Satz abwimmeln und glaubt, dass der Arzt/die Ärztin es ja wissen müsse und schließt Autismus als Erklärung für sich dann aus. :|

      Wenn ich noch einmal so eine dumme Antwort von einem Arzt bekomme wie "so sehen Sie gar nicht aus", nehme ich mir vor, die Frage zu stellen "Wie viele Autisten haben Sie denn schon gesehen und wie sahen die aus?" oder "Wie sehen Autisten denn aus?" Dann würde ich auch gerne mal fragen, ob die Person schonmal etwas von Statistik gehört hat und wie viele Autisten sie glaubt treffen zu müssen, um durchschnittlich daraus ableiten zu können, wie Autisten aussehen bzw. wirken. Ich denke, dass das Auftreten schon Hinweise geben kann, aber man kann damit doch nicht eine bereits von einem Fachmann/Fachfrau erstellte Diagnose einfach so wegwischen, weil man nach 5 Sekunden Blickdiagnostik glaubt, die Person müsse etwas anderes haben.

      Nur kann ich mir dann schon denken, dass das Gespräch damit eskaliert, weil ich damit ja die Kompetenz der Behandler in Frage stelle. Aber vielleicht muss man das dann einfach tun, egal wie 'autistisch' und 'falsch' das angeblich ist. Denn wenn man sich so einen Blödsinn nur anhört, verhindert man damit auch ein Stück weit, dass so ein Blödsinn weiterhin von Behandlern auch anderen Menschen mit Verdacht auf Autismus 'erzählt' wird.

      Wenn bei mir die Diagnose mit so einem dummen Satz wie "Nein, das glaube ich, so sehen Sie nicht aus" angezweifelt wird, rege ich mich weniger deswegen auf, weil die Diagnose angezweifelt wird, sondern darüber, aufgrund welcher Schlüsse die Diagnose nicht geglaubt wird. Da merke ich dann direkt, dass ich mit so einem Menschen eh mit Diskussionen nicht weiter komme und jeder Versuch, darzulegen, warum die Diagnose Autismus korrekt ist (es könnte gut sein, dass das Asperger hinter den traumatischen Dingen untergeht und das würde ich dann z. B. darlegen), dann nur als Ausdruck einer anderen Störung und als Abwehr etc. betrachtet wird. :| Mit voreingenommenen und nicht reflexionsfähigen Behandlern, die glauben alles besser zu wissen, kommt man da nicht weiter.

      The post was edited 1 time, last by FruchtigBunt ().

    • Erkennt der durchschnittliche Hausarzt oder Internist eine Schweinefleischeiweißallergie, die in Kombination mit Laktoseintoleranz und Glutenunverträglichkeit auftritt, was schon Folgen hatte, die sichtbar sind?

      Jede der Ursachen kann ähnliche Symptome auslösen, aber nicht alle auslösen müssen.
      Jedes Symptom kann eine der Ursachen haben, oder sogar von was ganz anderem noch herkommen.
      Die Ursachen können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Die einen vertragen gar keine Milchprodukte, die anderen ein bisschen oder es zeigt sich erst, wenn sie zu viel davon abkriegen, individuell unterschiedlich.
      Der Umgang damit, das individuelle Schmerzempfinden, Strategien im Umgang damit, bisherige Kompensationstechniken, die Bewertung und Selbstbewertung damit bisher und die psychischen Folgen können auch wieder völlig unterschiedlich sein. Die Reaktionen der Umwelt darauf und die Folgen daraus auch.
      Kann jemand erkennen und sagen und traut sich das "Ich mag/Vertrag keine Milch" und die anderen sagen "ok" und berücksichtigen das, finden es sogar selbst heraus, oder sagen sie "Stell doch nicht so an/das ist gut für dich" oder zwingen sogar, Milch zu trinken, das Brot zu essen und den Schweinebraten, weil "man" das so macht und klagen einen an, wenn man kotzt, und verurteilen dafür?

      Da ist dann, auch psychiatrisch, nach ein paar Jahren alles drin von Anpassungsstörung über Depression, Angststörung, Phobie, Psychose an möglichen Diagnosen. Mit Symptomen, die alle einen guten Grund haben, als Schutzfunktion. Nur VOR was anderem, aber nicht unbedingt als Zeichen FÜR etwas.

      ÄrztInnen/PsychiaterInnen und PsychologInnen sind nun mal keine "Götter in weiß" :d
      "AS? Sie wirken gar nicht so" -"Danke für die Bestätigung und Anerkennung all der geleisteten Arbeit, die dahinter steckt :) ".
    • ZeroLifeSkills wrote:

      Kann es sein, dass Psychologen auch über Jahre Autismus nicht erkennen und stattdessen alle möglichen psychischen Störungen diagnostizieren?

      Zumindest, dass das Asperger-Syndrom nicht erkannt wird, das dürfte öfters so sein. So wie ich mal gehört habe, gab es vor Jahren erstmals Weiterbildungen, wo das Thema aufgegriffen wird.
      Psychologen ist so eine Sache. Vor allem im alten Forum wurden Psychologen von vielen nicht akzeptiert, sondern lediglich einige spezialisierte Fachleute.

      Ansonsten sollte man vielleicht auch die Entwicklung von AS in Deutschland berücksichtigen. Erst um die Jahrtausendwende gab es Hinweise im Ärzteblatt und so. Das Asperger-Syndrom blieb aber weiterhin viele Jahre relativ unbekannt. Ich würde sagen, dass die Bekanntheit 2010 deutlich anstieg und auch die Medien in diesem Jahr verstärkt eingestiegen sind.


      ZeroLifeSkills wrote:

      Als ich vom Verdacht sprach, lächelte mich mein Hausarzt an und sagte "Also Sie wirken nicht autistisch auf mich.", als ich die Diagnose bereits hatte, sagte eine Ausbilderin "Nein, das glaube ich nicht, dass Sie das haben." Lag vielleicht daran, dass es zu dem Zeitpunkt noch andere autistische Auszubildende gab, bei denen es viel offensichtlicher war.

      Ich hätte jetzt gedacht, dass es vor allem daran lag, was du selbst beschrieben hattest:

      Also die "typischen" und auffälligeren Symtpome hatte ich nicht. Hab ich auch jetzt nicht.


      Ich vermute, dass viele Menschen mit "autistisch" bzw. "Autismus" etwas sehr Schwerwiegendes verbinden, genauer gesagt diese Begriffe in ihrer direkten Bedeutung verstehen.

      dwds.de/wb/Autismus
      In letters of gold on a snow white kite I will write "I love you"
      And send it soaring high above you for all to read