Der Redewendungs-Nachfrage-Thread

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    • FruchtigBunt wrote:

      Oh. Ist das wirklich so? Ich hatte auch immer gedacht, dass es bedeutet, dass der Augapfel dann mit besonders viel Tränenflüssigkeit bedeckt wird und es dann aussieht, als hätte man getrunken (dann 'schwimmen' die Augen wohl auch so).
      Das dachte ich auch. Aber wenn die Schleimhäute/Lider "glasig" sind, warum sagt man dann glasige Augen???

      Sowas Nervt mich dann wieder an Redewendungen. :m(:
    • Abendstern wrote:

      Die meisten Menschen lernen Redewendungen genauso, wie man auch einzelne Wörter und "normale" Phrasen / gängige Formulierungen lernt - nicht durch Nachschlagen in irgendeiner Liste, sondern durch "Zuhören und Abgucken". Über die wörtliche Bedeutung einer neu gelernten Formulierung wird dabei gar nicht erst nachgedacht. Daher stören sich die meisten Menschen dann auch gar nicht an möglichen Widersprüchen zwischen wörtlicher und tatsächlicher Bedeutung.
      Ich halte diese Erklärung für sehr plausibel. Zumindest bei mir ist es tatsächlich so, dass ich mir immer Gedanken darüber mache, wenn ich eine neue Regel erklärt bekomme oder mir jemand etwas anderes erklärt oder wenn ich etwas so mitbekomme. Die Begründung "das wird halt so gemacht" kann ich z. B. nicht annehmen, ich muss immer genau wissen, WARUM etwas so gemacht wird, wie es gemacht wird und wenn es im Widerspruch zu anderen Erklärungen steht, werde ich unruhig.
      Wieso glauben denn die meisten Menschen vieles unhinterfragt, was sie hören? (mal angenommen, die obige These würde stimmen). Ist es so, dass Asperger besonders wenig Vertrauen in andere Menschen haben oder warum plappert man solche Dinge nicht einfach nach und warum denken (oder nicht mal das) sich die meisten Menschen dazu eher sowas wie "wird schon stimmen, wenn das die anderen auch so verwenden"? :roll:
    • FruchtigBunt wrote:

      Zumindest bei mir ist es tatsächlich so, dass ich mir immer Gedanken darüber mache, wenn ich eine neue Regel erklärt bekomme oder mir jemand etwas anderes erklärt oder wenn ich etwas so mitbekomme. Die Begründung "das wird halt so gemacht" kann ich z. B. nicht annehmen, ich muss immer genau wissen, WARUM etwas so gemacht wird, wie es gemacht wird und wenn es im Widerspruch zu anderen Erklärungen steht, werde ich unruhig.
      Geht mir zwar eigentlich auch so... Aber meine Muttersprache habe ich ja trotzdem nicht durch stumpfes Vokabellernen und Auswendiglernen von Kunjugations- / Deklinationstabellen u. ä. gelernt... :roll: Und ganz bestimmt nicht mit der Bedingung "zu jedem Wort möchste ich erst mal eine Erklärung von einem Sprachwissenschaftler, wie genau es eigentlich entstanden ist"... :roll:
      D. h. ich kann auch auf die "intuitive" "NT-Art" lernen... Und ich denke, gerade beim Erlernen der Muttersprache geht es doch wirklich allen so, oder? :roll:

      FruchtigBunt wrote:

      Wieso glauben denn die meisten Menschen vieles unhinterfragt, was sie hören? (mal angenommen, die obige These würde stimmen). Ist es so, dass Asperger besonders wenig Vertrauen in andere Menschen haben [...]?
      Ich würde nicht unbedingt sagen, dass "NTs" weniger Dinge hinterfragen / mehr Vertrauen in andere haben o. ä... Ich denke, Autisten haben einfach einen höheren Hang zum "Systematisieren". Manchmal ist das von Vorteil, aber bei so "belanglosen" Dingen wie Redewendungen eben eher nicht.
      (Wobei... es lassen sich dadurch viele gute Witze konstruieren, auf die ein "NT" vielleicht nicht so schnell kommen würde... :d )
      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Morgenstern (Vor einem Moment) aus folgendem Grund: Beitragsqualität hochgeschraubt. - Man wird ja wohl noch blubbern dürfen...
    • Manchmal werden Redewendungen ja auch als Stilmittel verwendet, weil das z. B. von den meisten Menschen als eleganter, taktvoller oder auch lustiger empfunden wird als wenn man auf eine direkte Art und Weise sagt, was man denkt. Wenn jemand z. B. stirbt, dann kann man ja auch sagen, diese Person “hat ins Gras gebissen“, “ist nicht mehr unter uns“, “lebt nicht mehr“ etc. In solchen Fällen sage ich lieber “diese Person ist tot“ oder “diese Person ist gestorben“. In anderen Fällen benutze ich dagegen bevorzugt Redewendungen, weil ich damit klarer kommunizieren kann. Ein Beispiel wäre “diese Person ist nicht mehr ganz dicht“. Hier weiß jeder direkt, was gemeint ist, und es ist mMn einfacher als zu versuchen, das irgendwie ohne Redewendung zu kommunizieren, bspw. “ich kann das Verhalten dieser Person nicht nachvollziehen und halte es für völlig unsinnig/unangemessen“ oder so ähnlich.
    • Ich finde, die Schwierigkeiten mit Redewendungen werden immer ein wenig übertrieben, oder zumindest kann ich sie nicht nachvollziehen.
      Auch Nichtautisten müssen die Bedeutung einer Redewendung einmal im Leben lernen, genauso wie Autisten. Hellsehen können die nämlich auch nicht. Schwierigkeiten kann es mal geben, wenn, wie schon jemand erwähnt hat, der Kontext nicht beachtet wird, also das Verständnis gerade nicht weit genug ist, um zu erfassen, dass etwas wörtlich genommen keinen Sinn ergibt. Weitergehende Schwierigkeiten mit Redewendungen haben möglicherweise stärker beeinträchtigte Autisten, bei Hochfunktionalen kann ich mir das nicht so recht vorstellen, dass das ernsthaft Probleme im Leben macht. Selbst wenn, lässt es sich ja recht schnell aufklären.

      Ich persönlich benutze gerne sprachliche Bilder, daher mag ich auch Redewendungen und benutze sie, und schaffe sogar meine eigenen Redewendungen, wenn es nichts passendes gibt, wie ich etwas ausdrücken kann. Vielleicht wurde die ein oder andere Redewendung von einem Autisten erfunden, der etwas bildlich vor sich sah und versucht hat, das in Worten auszudrücken....
      ....oder generell von Menschen mit bildlichem Denken, egal ob Autist oder Nichtautist. Ich denke, bildliches Denken ist für Redewendungen schon erforderlich.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Shenya wrote:

      Ich finde, die Schwierigkeiten mit Redewendungen werden immer ein wenig übertrieben

      Ich weiß nicht, ob die Schwierigkeiten mit Redewendungen "immer ein wenig übertrieben" werden.

      Für mich selbst kann ich sagen, dass es bei mir trotz meines Alters (54) und meiner Funktionalität (hochfunktional) immer noch oft zu Missverständnissen kommt, wenn Redewendungen verwendet werden. Ich dachte, dass ich überhaupt keine Probleme mit dem Verständnis von Redewendungen habe, weil ich viel lese und sehr viele Redewendungen kenne. Aber immer mal wieder bemerke ich, dass ich trotz Kenntnis der Redewendungen sehr wohl große Lücken im Verständnis habe und das kann tatsächlich zu (in meinen Augen) ernsthaften Problemen führen, die sich leider nicht in jedem Fall schnell aufklären haben lassen.

      Ein aktuelles Beispiel: Als mir jemand sagte, es sei seine Aufgabe, „den Finger in die Wunde zu legen„, übersetzte ich das für mich mit: Diese Person wird mich wiederholt auf einen wichtigen Punkt hinweisen. Erst nachdem ich jemand anderem ca. vier Wochen danach davon erzählt hatte, klärte der mich über die wahre Bedeutung der Redensart auf. Also wurde mir viel zu spät bewusst, dass ich etwas Wichtiges falsch verstanden hatte. Denn gemeint war, dass dieser jemand das Selbstverständnis hatte, er habe die Aufgabe und damit ein Recht darauf, mich deutlich und auf unangenehme Weise auf ein von ihm erkanntes Übel hinweisen zu dürfen.
      Das von der Person erkannte Übel war nicht einmal eines. Mein als Übel identifizierte Verhalten resultierte aus meiner autistischen Reaktion auf für mich unpassende Lösungsvorschläge. Ich diskutierte zwar etliche Male mit der Person, stellte aber nie in Frage, ob es tatsächlich deren Aufgabe war, mich wiederholt auf diese wichtige Sache hinzuweisen. Wenn ich die Redensart von Vorneherein richtig übersetzen hätte können, hätte ich deren Aufgabenverständnis sofort in Frage stellen können, denn diese Person hatte die Pflicht, mich in jedem Fall! wertschätzend zu behandeln. Ich habe mich also vier Wochen zu lang abwertend behandeln lassen, was mir ganz und garnicht gutgetan hat, weil sich erst dann herausstellte, dass ich wieder mal eine Redewendung nur unzureichend übersetzt hatte.
      21 is only half of the answer.
    • SD_Aspie wrote:

      Als mir jemand sagte, es sei seine Aufgabe, „den Finger in die Wunde zu legen„, übersetzte ich das für mich mit: Diese Person wird mich wiederholt auf einen wichtigen Punkt hinweisen.
      Ich glaube, das Problem lag da nicht so sehr an der Redewendung. Wenn du deren Bedeutung nicht kennst, bist du genauso ahnungslos wie ein NA, der sie nicht kennt.
      Das Problem war eher, dass du 1. dich vier Wochen lang abwertend behandeln lassen hast, ohne dich zu wehren bzw. 2. Kritik als Abwertung empfunden hast.

      Den Finger in die Wunde zu legen, heißt nämich nicht, jemanden ständig abzuwerten, sondern es bedeutet, auf Schwachstellen hinzuweisen, auch wenn es unangenehm ist. Wenn es wirklich abwertend war, dann hättest du dich unabhängig von der Bedeutung der Redewendung früher wehren dürfen. Manche Leute haben auch Spaß daran, andere mit ihren Schwachstellen zu konfrontieren, das sind dann eher Sadisten oder eben unangenehme Zeitgenossen.
      Alles wird galaktisch gut.

      The post was edited 1 time, last by Shenya ().

    • Es wird aber meist verwendet, um auf Schwachstellen hinzuweisen, die bereits bekannt sind oder so offensichtlich, dass man sie längst bemerkt haben muss. Womöglich wird auch längst an einer Lösung gearbeitet, aber alle paar Minuten beschwert sich Jemand neues über das Problem und hält den Problemlöser von der Arbeit ab.
      _,.-o~^°´`°^~o-.,_Ich ess Blumen...,.-o~^°´`°^~o-.,_
      Im Übrigen bin ich der Meinung, dass das Teilnehmer-Limit von Privatkonversationen verdoppelt werden sollte.
    • Shenya wrote:

      Das Problem war eher, dass du 1. dich vier Wochen lang abwertend behandeln lassen hast, ohne dich zu wehren bzw. 2. Kritik als Abwertung empfunden hast.

      Den Finger in die Wunde zu legen, heißt nämich nicht, jemanden ständig abzuwerten, sondern es bedeutet, auf Schwachstellen hinzuweisen, auch wenn es unangenehm ist. Wenn es wirklich abwertend war, dann hättest du dich unabhängig von der Bedeutung der Redewendung früher wehren dürfen. Manche Leute haben auch Spaß daran, andere mit ihren Schwachstellen zu konfrontieren, das sind dann eher Sadisten oder eben unangenehme Zeitgenossen.
      Stimmt natürlich auch. Ich habe zwar gesagt, dass die Person mich abwertet, aber sie hat behauptet, dass ich das falsch sehe. Es sei keine Abwertung, nur weil ich mich abgewertet fühlen würde, wäre das nicht das, was tatsächlich passiert, sondern es sei ihre Aufgabe, "den Finger in die Wunde zu legen". Ich denke inzwischen, dass die Person zu den unangenehmen Zeitgenossen zu zählen ist und bin froh, mich nicht mehr mit ihr auseinandersetzen zu müssen.
      21 is only half of the answer.
    • Garfield wrote:

      Womöglich wird auch längst an einer Lösung gearbeitet, aber ... beschwert sich Jemand ... über das Problem und hält den Problemlöser von der Arbeit ab.
      Genau. Ich arbeitete an einem für mich gangbaren Lösungsweg. Mich immer wieder auf das Problem hinzuweisen, hatte mir dabei auch nicht geholfen.
      21 is only half of the answer.