Die Meinung anderer ist Autisten total egal

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    • Leonora wrote:

      Ich halte die Aussage auch für völligen Blödsinn. Das mag auf einige Autisten zutreffen, aber die halte ich eher für eine Minderheit.
      Ich glaube selbst, dass bei einigen Autisten, die sagen, dass ihnen die Meinung anderer am Arsch vorbeigeht, eigentlich hinter der Fassade es doch nicht so egal ist. Wenn jemand große Probleme in der Interaktion mit anderen hat und chronisch sehr schlechte Erfahrungen macht, dann kann ich ein Stück weit verstehen, wenn daraus ein geladenes "Ist mir so was von egal, was andere meinen!" wird. Ich könnte mir schon vorstellen, dass sich im direkten vertraulichen Gespräch dann, zumindest bei einigen, zeigen würde, dass diese "stur-starre" Haltung eine Funktion, eine Art "Selbstschutz" hat. Vielleicht meinst du mit "Nicht selten ist das dann vielleicht auch ein Resultat der Erfahrung, immer wieder "anzuecken", bis man irgendwann resigniert." etwas Ähnliches, das in diese Gedankenrichtung geht?


      Leonora wrote:

      Ansonsten kann es manchmal auch so wirken, als wäre Ablehnung autistischen Menschen gleichgültig, weil sie sie nicht immer bemerken. Wenn sie es dann verspätet bemerken, sich manche Situationen vielleicht erst nachträglich erschließen können, kann das sehr schmerzhaft sein.
      Ich könnte mir anbei vorstellen, dass das auf manche so wirkt, weil manche mit dem Ausdruck von den gesellschaftlich erwarteten Reaktionen (→ Gefühle zeigen/ausdrücken) etwas geizen. Wenn ich an die jungen Jahre denke, da wurden Situationen von anderen sicherlich auch manchmal gleichgültig interpretiert. Aber "outside" und "inside" ist da eine starke Diskrepanz gewesen. Ließen sich earthquakes, brimstone and fire, thunder and lightning in solchen Momenten technisch messen, dann würde man sehen welch eine Erschütterung manchmal hinter der Fassade stattfand, auch wenn es nach außen vielleicht wie eine Scheißegalmentalität wirkte. Ich denke da gab es auch deutliche Probleme mit dem Ausdruck von Stimmungen und Feelings. :roll:


      Leonora wrote:

      Und dann gibt es noch die Menschen, mit denen man zwanghaft interagieren muss, wie Kollegen etc. Die wären einem vielleicht grundsätzlich egal, aber man muss doch einen Weg finden, um mit ihnen auszukommen. Kann schon anstrengend genug sein. Und so "kaltschnäuzig", dass einem etwa Mobbing am Arbeitsplatz egal ist, sind die wenigsten.
      Ja. Ich denke, dass der Bezug zu den jeweiligen Menschen von Bedeutung ist. Weil dort, wo Alltagsmenschen jemanden komisch/merkwürdig finden, da würde ich sagen, dass dort dann auch öfters eine Scheißegalmentalität zu beobachten ist. Da wird schon deutlich unterschiedlich behandelt und umgegangen mit Menschen. Bei manchen Autisten ist es sicherlich gar nicht mal so selten so, dass sie nicht den einzelnen merkwürdigen Kauz sehen, sondern gar nicht mal so selten von merkwürdigen, oft schwer durchschaubaren Menschen, regelrecht umzingelt sind. Daher zeigt sich möglicherweise etwas deutlicher, was sich bei anderen Menschen ebenso finden lässt, wenn sie auf Menschen stoßen, die ihnen ein Rätsel sind.

      Ansonsten spielt sicherlich auch eine Rolle, welche Autisten man meint. Afaik sollen etwa 50 Prozent der Autisten im ASS eine sehr schwere geistige Beeinträchtigung haben und viele von ihnen sind auf dem Sektor der Kommunikation nur schwer, kaum oder nahezu gar nicht erreichbar. Es wird oft vermutlich ungeklärt bleiben was sich wirklich in diesen Köpfen in einer Situation abgespielt hat. Ich denke, dass diese Fälle eben auch nach wie vor einen deutlichen Einfluss auf "Autist" (Gesamtbild) haben.

      Ich vermute, dass sich bei den Menschen, die man heute in AS/HFA (teils in atypisch) schubladisiert, häufig doch eher recht viel im Kopf abspielt. Diese Vermutung basiert auf mittlerweile über zehn Jahre Forum. :roll:
      In letters of gold on a snow white kite I will write "I love you"
      And send it soaring high above you for all to read
    • Shenya wrote:

      Ich habe im Forum auch schon öfter gelesen, dass Leute z.B. nicht mit anderen zusammen essen wollen, weil sie sich beobachtet fühlen, oder dass manche Schwierigkeiten haben, irgendwo vorbeizulaufen, wo Leute zuschauen könnten. Oder sich nicht trauen, etwas zu tun, weil sie Angst haben, es könnte falsch sein. Ich denke nicht, dass das nur sozialphobisch ist, sondern schon auch ein bisschen mit dem Autismus zu tun hat. Dann ist aber auch klar, dass solche Menschen sich eher zu viele Gedanken darüber machen, welche Meinung andere über sie haben könnten.
      Das kann ich nur bestätigen. Bei Nicht-Autisten lässt sich das auch in der Schule beobachten, wenn z.B. der Lehrer etwas erklärt, niemand hat es offensichtlich verstanden, aber es traut sich auch keiner eine Frage zu stellen, da sich niemand blamieren will oder zu schüchtern ist. Dieser Effekt wirkt sich halt auch auf Situationen aus in denen man selber denkt man würde sich blamieren oder etwas dummes tun.
      Entscheidung. Das Problem ist die Entscheidung.
      - Matrix Reloaded, Neo
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    • Vielleicht ist das auch der Eindruck, den NAs bekommen, wenn man als Autist Sachen sagt oder Dinge tut, die "unangemessen" sind, das aber in dem Moment einfach nicht bemerkt? Mir passiert sowas immer mal wieder, obwohl ich in der Regel wirklich sehr bemüht bin, das zu vermeiden. Ich merke dann erst später (mancnmal viel später...), dass ich was gesagt / getan habe, was als irgendwie "unpassend" wahrgenommen worden sein könnte. Leider merke ich es auch nicht mal immer, teilweise wurde mir Monate später sowas nebenbei "unter die Nase gerieben", was mich dann total fertig macht, denn es ist mir meistens nicht egal, wie ich wahrgenommen werde.
      Es darf genau so sein.
    • Ich denke dass das vielleicht auch daher kommt, wie etwas auf andere wirkt. Meine Mimik ist z.B. sehr reduziert, und dadurch wirke ich oft teilnahmslos. Den Vorwurf "dir ist immer alles egal" habe ich schon recht oft gehört, dabei stimmt das nicht. Ich interessiere mich jetzt nicht immer brennend für die Probleme von Anderen, es ist mir aber auch nicht alles egal. Es wirkt aber so.
      Life is now
    • Ich persönlich nehme die Meinung anderer für wichtiger, als wahrscheinlich die meisten NAs die ich kenne.

      Shenya wrote:

      Ich habe im Forum auch schon öfter gelesen, dass Leute z.B. nicht mit anderen zusammen essen wollen, weil sie sich beobachtet fühlen, oder dass manche Schwierigkeiten haben, irgendwo vorbeizulaufen, wo Leute zuschauen könnten. Oder sich nicht trauen, etwas zu tun, weil sie Angst haben, es könnte falsch sein. Ich denke nicht, dass das nur sozialphobisch ist, sondern schon auch ein bisschen mit dem Autismus zu tun hat. Dann ist aber auch klar, dass solche Menschen sich eher zu viele Gedanken darüber machen, welche Meinung andere über sie haben könnten.
      Genau so ist es bei mir!
      Immer wenn ich mich nicht "attraktiv/schön" fühle, habe ich Schwierigkeiten einkaufen zu gehen, oder allein mit der Bahn zu fahren. Ich fühle mich beobachtet und denke, dass andere Menschen schlecht über mich denken.
      Wenn ich dann tatsächlich mal für mehrere Sekunden angeguckt werde, fängt mein Herz an zu rasen, mein Gesicht wird rot und ich muss so schnell wie möglich aussteigen...
      Zu zweit oder in einer Gruppe ist es allerdings problemlos möglich, da ich nicht die ganze (angebliche) Aufmerksamkeit bekomme.

      Lustigerweise wird mir zwar oft gesagt, dass ich attraktiv bin.. aber das hilft meinem Selbstbewusstsein leider nicht wirklich viel. :lol:

      The post was edited 2 times, last by Kelopa ().

    • Ms.Shield wrote:

      Genau diesen Satz : ,, Die Meinung anderer ist Autisten komplett egal" habe ich nun schon öfter im Internet gelesen. Aber wie ist das bei euch? Macht ihr euch gar keine Gedanken, was andere über euch oder allgemein denken?
      Ich mache mir nicht viele Gedanken darüber, aber komplett verneinen kann ich die Frage ,ob es mir egal ist , auch nicht. Und ihr? :)
      Es kommt auf die Situation und die Menschen hinter den Meinung an :d

      Die Meinung von Menschen aus meinem nahen Umfeld (RW)ist mir auf keinen Fall egal, ich sage aber auch manchmal, wenn ich nur eine bestimmte Meinung hören möchte "Ich möchte keine Kritik oder ich möchte ein positives Feedback haben" :lol: .

      Wenn mir dann mal eine Meinung von meinem nahen Umfeld missfällt, dann kann ich auch erstmal etwas knatschig sein, dann muss ich diese Meinung eine gewisse Zeit verarbeiten und dann kann es auch dazu kommen, dass ich dann sage: okay ich habe das erstmal sacken lassen (RW) und ja du hast Recht oder ich muss X oder Y nochmal überdenken! Solche Selbstreflektion braucht dann aber etwas Nachdenkarbeit.

      Menschen mit denen ich zwangsweise zu tun habe, wie Schule, Uni, Arbeit die keine Freunde sind, da ist es mir solange man zweckgebunden zusammenarbeiten nicht ganz egal, was deren Meinung ist.

      Bei mir spielt auch die eigene Gemütslage eine Rolle, wenn ich einen sehr schlechten Tag hatte, sehr viel Stress und Ärger, dann stören mich auch andere , unterschiedliche Meinungen :lol: , wenn die andere Meinung dann noch zu einem Themenbereich ist, den ich dann, in dem Moment nicht thematisiern möchte ist, dann ist mir die Meinung nicht egal sondern sie stört mich.

      Dann habe ich keine Lust mich mit der Meinung auseinanderzusetzen und ich möchte am liebsten bildlch gesehen mir Augen und Ohren zuhalten können und "lalala" rufen.

      Ich habe in meiner langjährigen Forenerfahrung die Erkenntnis gewonnen, dass Autisten oft sehr empfindlich auf Meinungen von anderen reagieren und durchaus auch Dinge reininterpretieren. Das Autisten de Meinungen anderer komplett egal sind, nein das kann ich nicht sagen.
      ~Die Liebe allein versteht das Geheimnis, andere zu beschenken und dabei selbst reich zu werden.~
    • Shenya wrote:

      Wenn ich mir überlege, wie sich Autisten verbiegen, um sich angepasst zu verhalten, dann glaube ich nicht, dass die Meinung anderer völlig egal ist. Das ist vielleicht Wunschdenken mancher.
      Interessantes Thema, da ich erst kürzlich mit einer Bekannten darüber sprach, die keine Autistin ist (aber immerhin
      hochsensibel) und ich finde, es ist schwierig zu erklären.
      Einerseits will ich ja nicht komplett außerhalb der Gesellschaft stehen und diese besteht leider zum größten Teil
      aus Nicht-Autisten, andererseits ist mir die Meinung anderer bezüglich mir selbst in den meisten Punkten egaler als
      es bei den meisten NTs der Fall ist.
      Ich vertrete auch echt manchmal eine Meinung, die gesellschaftlich als seltsam angesehen wird, aber deshalb bleibe
      ich trotzdem dabei.
      Nicht egal ist es mir, wenn ich etwas nicht weiß oder so, also als dumm dastehen könnte (ich habe da perfektionistische
      Anwandlungen), aber ich würde zB immer meine Meinung vertreten, auch wenn alle gegen mich sind und ich dann ja
      als Außenseiterin dastehe. Ich mache Dinge, die ich nicht mit mir vereinbaren kann oder als sinnlos erachte, nicht, nur
      weil man es so macht.
      Ich habe schon als Kind nicht bzw. kaum geschaut "was ziehen die anderen an, womit spielen sie etc." und das ist bei
      den meisten NTs definitiv anders. Die sind viel damit beschäftigt, andere zu beobachten und Dinge genauso zu machen,
      so funktionieren ja alle modischen Dinge. Und ich denke, da sind viele Autisten nicht so anfällig dafür.
    • Ich würde das für mich so differenzieren:

      Wenn ich bewusst gegen eine soziale Regel (d.h. etwas, was "man tut") verstoße, dann ist mir die Meinung meiner Umwelt ziemlich egal. Wenn ich z.B.
      alte Sachen anziehe, von denen ich weiß, dass sie nicht mehr modern sind. Wenn ich ungeschminkt und ohne Schmuck zur Arbeit gehe. Wenn ich nicht zur Weihnachtsfeier meines Arbeitgebers gehe, weil ich keine Lust dazu habe. Wenn ich einem Bekannten ausweiche, obwohl er mich bemerkt hat. In all diesen Fällen ist es mir egal, was andere von mir denken, und ich würde auch nicht mein Verhalten ändern, nur weil andere meinen "das macht man so, was sollen die Leute denken".

      Nur wenn ich versehentlich gegen soziale Regeln verstoße, die ich eigentlich einhalten wollte, ist es mir nicht egal. Wenn ich z.B. den Geburtstag einer guten Freundin vergesse, der ich eigentlich gratulieren wollte. Oder wenn ich versehentlich das T-Shirt auf links gedreht trage, ohne es zu merken.
      I have my books
      And my poetry to protect me
    • Mir ist es NICHT egal, was andere über mich denken. Da ich es aber gewohnt bin, mich allein durchzukämpfen und auf mich zu schauen, wird es schon sehr "egoistisch" ohne dass sagen würde, dass ich das so bin.
      Aber meine eigene Meinung ist in vielen Bereichen schon sehr festgefahren.
      Wohingegen ich die Klappe halte in Dingen, wo ich mich nicht auskenne und es mir erklären lasse....

      Ergo: Würde sagen im Bezug auf mich stimmt es nicht.
    • Bibi Blocksberg wrote:

      Ich glaube damit ist gemeint, dass Autisten pro und contra abwägen, genau überlegen und dann eine Entscheidung treffen bzw. sich eine Meinung bilden. Autisten sind keine Mitläufer, die „mit dem Strom schwimmen“, sie stehen auch zu Ihrer Meinung und vertreten sie.
      Gemeint sind meinem Verständnis nach eben jene Fälle, in denen es so ist. Nur darf man den Satz nicht wörtlich nehmen, denn kein Autist verhält sich immer so; es ist diese Neigung, die eingefangen wird: "Wenn man sich eine eigene Meinung gebildet hat, dann können andere erst Mal sagen was sie wollen."
      Achtung, eigene Sprache!

      The post was edited 1 time, last by Eurich Wolkengrob ().

    • Hyperakusis wrote:

      Ich glaube selbst, dass bei einigen Autisten, die sagen, dass ihnen die Meinung anderer am Arsch vorbeigeht, eigentlich hinter der Fassade es doch nicht so egal ist.
      Das denke ich bisher auch, bzw. aber allgemein und nicht nur auf Autisten bezogen. Den wenigsten Menschen (deutliche Minderheit) sind andere Meinungen komplett egal.

      Bei mir sieht es eher so aus, dass ich in der Regel keinen Wert darauf lege was andere von mir denken. Ich kann sie idR sowieso nicht umstimmen.
      Selbst wenn ich ihnen alles faktisch belege und erkläre, sagen sie vielleicht aha okay bilden sich dann eh wieder ihre Meinung dazu bzw. haben sie nie geändert.
      Es gibt bei mir nur sehr wenige Meinungen, auf die ich Wert lege.
      Der Rest ist mir zwar nicht egal, aber bedeutet mir nicht viel (siehe Erklärung).
      Grüße aus der Pegasus Galaxie. :)