Die Meinung anderer ist Autisten total egal

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    • Die Meinung anderer ist Autisten total egal

      Genau diesen Satz : ,, Die Meinung anderer ist Autisten komplett egal" habe ich nun schon öfter im Internet gelesen. Aber wie ist das bei euch? Macht ihr euch gar keine Gedanken, was andere über euch oder allgemein denken?
      Ich mache mir nicht viele Gedanken darüber, aber komplett verneinen kann ich die Frage ,ob es mir egal ist , auch nicht. Und ihr? :)

      The post was edited 2 times, last by Ms.Shield ().

    • Schwierig, Meinung kann ja viele Bereiche umfassen. Ich würde das "aus dem Bauch heraus" (RW) wie folgt beantworten:

      Bereich 1, persönliche Meinung über jemanden (also mich):
      Ich sage immer, es sei mir egal, was die Leute von mir denken, wenn ich mit seltsamen Shirt-Motiven rumrenne oder was in ungewöhnlichen Farben trage ("Ein Kerl, der Pink trägt?"). Wenn ich das näher betrachte, ist das aber eine unzulässige Verallgemeinerung - bei allen Leuten, die ich eh nur einmal treffe, ist es mir herzlich egal. Bei Leuten, mit denen ich viel zu tun habe (Verwandtschaft, Freunde, Kollegen, Nachbarn) ist es mir keinesfalls egal, da denke ich schonmal tagelang darüber nach, wie was rübergekommen sein könnte, was die von mir denken könnten. Da schreibe ich schonmal ne Woche nach einem plötzlichen Abbruch einer Chat-Konversation eine Nachricht, dass ich die nicht abgebrochen hätte, weil uninteressant, sondern warum-auch-immer.

      Bereich 2, politische Meinung:
      Hängt von der Meinung ab. Im Prinzip ist es mir egal, was andere für eine poltiische Meinung haben. Das einzige, wo mir das nicht egal ist, sind Positionen, die rückwärtsgewandt (Frauenbild der 1950er) oder irgendwie eine gruppenbezogene Feindschaft enthalten, weil ich diese für höchst problematisch und gefährlich für die Gesellschaft halte.

      Bereich 3, berufliche Meinung/Fachmeinung:
      Hier ist mir tatsächlich wichtig, was andere meinen, weil ich eine fachlich möglichst korrekte Arbeit abliefern möchte. Dafür müssen auch mal unterschiedliche fachliche Meinungen zusammengeführt werden, dementsprechend können sie mir auch nicht egal sein. Natürlich gibt es auch da extreme (Außenseiter-) Positionen, die man vernachlässigen kann, aber zumindest einmal bedenken sollte man sie.

      Irgendwie schwirrt in meinem Kopf noch ein vierter Bereich herum, irgendwas mit Geschmack, aber das kann ich nicht so ganz fassen. Geht tendenziell in die Richtung "persönliche Meinung".
      Bei (Rück-) Fragen bitte mit @ anschreiben, sonst übersehe ich das. -- Wie das Land, so die Witze: Platt. -- Selbsthilfegruppe Öffentlicher Dienst
    • Das klingt zu übertrieben. Wenn mir alle Meinungen egal wären, dann wäre mir Rassismus ja auch egal.
      Ich vermute, es ist mit der Aussage etwas anderes gemeint, ungefähr so: "Autisten achten wenig darauf, was andere Leute in der momentanen Situation denken." Ich kann mich damit identifizieren. Mir fällt es schwer, instinktiv anzunehmen, andere Leute in meiner Umgebung hätten Meinungen oder Wünsche. Ich habe das Gefühl, dass ich es schlussfolgern und mir bewusst machen muss. Aber dann bin ich in der Regel ratlos, was in ihnen vorgeht. Und wenn ich vergesse darauf zu achten, dann wirkt es so, als wäre es mir egal.
      "Igitt, die Muse hat mich geküsst." ~ ein autistischer Künstler
    • Ms.Shield wrote:

      , Die Meinung anderer ist Autisten komplett egal

      Ms.Shield wrote:

      Macht ihr euch gar keine Gedanken, was andere über euch denken?
      Das sind zwei verschiedene Aussagen. Was andere über mich denken, ist mir tatsächlich weitgehend egal. Was sollen sie auch anderes denken, außer "Der spinnt".
      Die Meinung anderer zu anderen Themen ist mir nicht pauschal egal. Wie stark sie mich interessiert, ist situationsabhängig und schwankt im Bereich von "gar nicht" bis "muss ich unbedingt wissen".
    • Ms.Shield wrote:

      Genau diesen Satz : ,, Die Meinung anderer ist Autisten komplett egal" habe ich nun schon öfter im Internet gelesen.
      In welchem Zusammenhang war das denn?

      Wenn ich mir überlege, wie sich Autisten verbiegen, um sich angepasst zu verhalten, dann glaube ich nicht, dass die Meinung anderer völlig egal ist. Das ist vielleicht Wunschdenken mancher.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Shenya wrote:

      Ms.Shield wrote:

      Genau diesen Satz : ,, Die Meinung anderer ist Autisten komplett egal" habe ich nun schon öfter im Internet gelesen.
      In welchem Zusammenhang war das denn?
      Wenn ich mir überlege, wie sich Autisten verbiegen, um sich angepasst zu verhalten, dann glaube ich nicht, dass die Meinung anderer völlig egal ist. Das ist vielleicht Wunschdenken mancher.
      Gelesen habe ich es schon öfter im Zusammenanhang mit den Merkmalen von Autisten.

      Genau das Gleiche dachte ich mir auch.
    • sepia wrote:

      Das klingt zu übertrieben. Wenn mir alle Meinungen egal wären, dann wäre mir Rassismus ja auch egal.
      Das fällt unter "gruppenbezogene Feindschaften", im wesentlichen sind das für mich die Punkte/Themen, die v.a. bei Rechtsextremen gängig sind. Fremdenfeindlichkeit, Homofeindlichkeit, Antisemitismus, etc. pp. Was mir im politischen Bereich egal ist, sind die Meinungen von den eher linken Parteien über die sogenannte "Mitte" bis zu den Konservativen - eben mit den auch bei diesen Gruppen vorkommenden Einschränkungen.
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    • Ich glaube damit ist gemeint, dass Autisten pro und contra abwägen, genau überlegen und dann eine Entscheidung treffen bzw. sich eine Meinung bilden. Autisten sind keine Mitläufer, die „mit dem Strom schwimmen“, sie stehen auch zu Ihrer Meinung und vertreten sie.
    • ich merk an mir wenn mich ein Thema interessiert das ich zwar meinen Senf dazugeben kann, aber auf andere antworten schlecht eingehen kann. Ich hab sowieso ein Problem mit schreiben, mir kommst irgendwie vor, das ich den Weg der Kommunikation vergesse, es wird immer schwieriger für mich etwas zu schreiben was ich auch im Kopf erfass, ich denke zu schnell vor und das schreiben ist irgendwie zu langsam.
    • Ms.Shield wrote:

      Genau diesen Satz : ,, Die Meinung anderer ist Autisten komplett egal" habe ich nun schon öfter im Internet gelesen.
      Ich finde diesen Satz schwer zu interpretieren.
      Für mich liest sich das so, als meinte der Autor, das in einem Gespräch jemand was sagt und seine meinung vertritt, einem Autisten das komplett egal ist.
      Also quasi auch die Meinung eines anderen nicht selber vertreten kann/will oder diese nicht respektiert.
      In diesem Fall muss ich sagen das das zumindest bei mir totaler Unsinn ist.
      Aber ich bin auch ein mensch dem Respekt anderen gegenüber wichtig ist. Ich stimme nicht immer mit der meinung anderer überein, aber ich zwinge mich aktiv dazu diese trotzdem zu respektieren. Vielleicht liegt das aber auch daran das ich weiß wie blöd es ist, von anderen nicht respektiert zu werden oder sogar missachtet weil ich anderen egal bin.

      In einem anderen Kontext gesehen (und ich vermute das es das auch so gemeint hat) zB wenn andere sich über den Kleidungsstil eines Autisten, sein Aussehen, sein ungewöhnliches Verhalten lustig machen und damit ihre Meinung ihm gegenüber zum ausdruck bringen (man kennt das hier sicher auch sehr viel, meine Jugend war voll von solchen Momenten) dann ist Autisten das oft egal.
      Hier in diesem Beispiel würde ich das aber auch nicht immer sagen.
      Ich glaube das hat etwas mit dem schweregrad der Anpassungsprobleme zutun. Je mehr man betroffen ist, desto weniger Gedanken macht man sich darüber was andere denken und setzt seinen eigenen Willen mehr durch weil der einem viel wichtiger ist, als das was andere denken oder von einem erwarten.
      Ich würde diesen oben zitierten Satz daher eher umformulieren in "Vielen Autisten ist es nicht gelegen, die Erwartungshaltungen anderer zu erfüllen, weil diese nicht zu ihnen und ihrem Charakterbild passt" Mit anderen Worten "Ich bin halt nicht so wie ihr, warum soll ich dann versuchen so zu sein?"
      Mir war es selbst oft auch ein Rätsel warum andere sich verstellen und verstecken. Nur um ihrendeinem Leithammel zu gefallen?
      Ich fand das dumm und bescheuert.
      Andere weniger stark betroffene Autisten scheinen das besser durchschaut zu haben als ich, haben es versucht, kamen sich dabei auch bescheuert vor, aber es sollte halt dem Zweck des Miteinanders dienen, wärend ich garnicht kapierte das ein Miteinander ohne diesen Krampf nicht funktionieren wird. Aber glücklich sind sie damit scheinbar auch nicht geworden, sonst würden sie wohl nicht des öfteren hier negativ darüber berichten.
      Vielleicht ist es auch abhängig davon wie sehr man Sozialkontakte will, denn ums biegen und brechen sowas zu erzwingen, scheint der Druck doch so enorm zu sein das man solche Strapazen dafür inkauf nimmt.
    • ich habe nun 50 Jahre Übung darin mich so hinzubiegen dass ich gesellschaftlich einigermaßen passe und nicht besonders und zudem negativ auffalle. Ich checke viel gegen ob ein Verhalten gesellschaftlich passt. Wenn mir irgendwas egal wäre würde ich so einen Aufwand nicht betreiben.

      Mir ist wirklich egal wie es andere machen, ich will es richtig machen. Das gilt auch für den Beruf. Da sind mir dann auch andere Meinungen ebenfalls wichtig es sei denn ich weiß es schon im Vorfeld besser.

      Denke ich über die Welt nach, angefangen bei Trump und aufgehört beim Klimawandel kann es mir nicht egal sein, denn auf dieser unserer Erde lebe ich nun mal

      wenn ich so resümiere .. mir ist eigentlich gar nichts egal
    • Ms.Shield wrote:

      Genau diesen Satz : ,, Die Meinung anderer ist Autisten komplett egal" habe ich nun schon öfter im Internet gelesen.
      Im Internet wurde über die Jahre so vieles über Autisten geschrieben. Ich halte von solchen Totalaussagen in der Regel nicht allzu viel. Mir ist das oft zu pauschal, zu dünn, zu realitätsfern. Jemand kann doch unmöglich wissen wie jeder Autist in einer Sache denken wird, sich verhalten wird, was ein Autist tun würde oder was er niemals tun würde. Von daher wirken Artikel im Internet auf mich nicht allzu glaubwürdig/überzeugend, wenn jemand meint über alle Aspies/Autisten (aber auch pauschal über "NTs") Bescheid zu wissen.

      Im Hinblick auf diesen Satz im Zitat denke ich mir ansonsten noch, dass es einen Unterscheid macht, ob "andere" für engvertraute/akzeptierte/wichtige Personen steht oder ob "andere" eher für wildfremde Menschen steht (→ Nähe und Distanz zu Menschen im Alltag).

      Ich denke so ein Forum und seine Threads zeigt, dass dieser Satz nicht ganz zutreffend ist. :roll:
      In letters of gold on a snow white kite I will write "I love you"
      And send it soaring high above you for all to read
    • Hyperakusis wrote:

      Im Internet wurde über die Jahre so vieles über Autisten geschrieben. Ich halte von solchen Totalaussagen in der Regel nicht allzu viel. Mir ist das oft zu pauschal, zu dünn, zu realitätsfern. Jemand kann doch unmöglich wissen wie jeder Autist in einer Sache denken wird, sich verhalten wird, was ein Autist tun würde oder was er niemals tun würde. Von daher wirken Artikel im Internet auf mich nicht allzu glaubwürdig/überzeugend, wenn jemand meint über alle Aspies/Autisten (aber auch pauschal über "NTs") Bescheid zu wissen.
      Ja, genau. Ich halte die Aussage auch für völligen Blödsinn. Das mag auf einige Autisten zutreffen, aber die halte ich eher für eine Minderheit. Nicht selten ist das dann vielleicht auch ein Resultat der Erfahrung, immer wieder "anzuecken", bis man irgendwann resigniert. Ansonsten kann es manchmal auch so wirken, als wäre Ablehnung autistischen Menschen gleichgültig, weil sie sie nicht immer bemerken. Wenn sie es dann verspätet bemerken, sich manche Situationen vielleicht erst nachträglich erschließen können, kann das sehr schmerzhaft sein.

      Hyperakusis wrote:

      Im Hinblick auf diesen Satz im Zitat denke ich mir ansonsten noch, dass es einen Unterscheid macht, ob "andere" für engvertraute/akzeptierte/wichtige Personen steht oder ob "andere" eher für wildfremde Menschen steht (→ Nähe und Distanz zu Menschen im Alltag).
      Natürlich. Und dann gibt es noch die Menschen, mit denen man zwanghaft interagieren muss, wie Kollegen etc. Die wären einem vielleicht grundsätzlich egal, aber man muss doch einen Weg finden, um mit ihnen auszukommen. Kann schon anstrengend genug sein. Und so "kaltschnäuzig", dass einem etwa Mobbing am Arbeitsplatz egal ist, sind die wenigsten.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • Die Meinungen anderer sind mir in der Regel nicht egal, überfordern mich aber sehr oft einfach. Nicht, weil sie zu kompliziert sind, sondern weil sie bei mir einen Prozess auslösen der oft einfach nur kräfteraubend ist. Denn ich will diese Meinung verstehen und in dem Moment, wo sie entgegen meiner eigenen Meinung steht, muss ich die andere erstmal zerlegen und analysieren bis sie mir logisch erscheint. Dabei spielt es für mich keine Rolle, ob ich dieser Logik nun zustimme oder nicht, solange ich in irgendeiner Weise verstehen kann, warum die andere Person so denkt, kann ich diese Meinung erst einmal ganz normal für mich annehmen und tolerieren. Schwierig wird es erst dann, wenn diese Person mit mir über dieses Thema/Meinung reden möchte, dann mache ich meistens oft zu und versuche aus der Situation zu entkommen, da es in den meisten Fällen darauf hinausläuft, dass mich diese Person von ihrer Meinung überzeugen will und nicht aufgibt, bis ich ihr zustimme. Da kommt dann vieles in mir hoch, denn ich habe mein Leben lang gehört ich denke komisch, habe seltsame Ansichten und mache eh immer alles irgendwie falsch, irgendwann kann und will ich dann einfach nicht mehr zuhören und schon gar nicht diskutieren.
    • Ich habe im Forum auch schon öfter gelesen, dass Leute z.B. nicht mit anderen zusammen essen wollen, weil sie sich beobachtet fühlen, oder dass manche Schwierigkeiten haben, irgendwo vorbeizulaufen, wo Leute zuschauen könnten. Oder sich nicht trauen, etwas zu tun, weil sie Angst haben, es könnte falsch sein. Ich denke nicht, dass das nur sozialphobisch ist, sondern schon auch ein bisschen mit dem Autismus zu tun hat. Dann ist aber auch klar, dass solche Menschen sich eher zu viele Gedanken darüber machen, welche Meinung andere über sie haben könnten.
      Alles wird galaktisch gut.