geplante Handlungen unbedingt ausführen müssen, Handlungen müssen "abgeschlossen" sein

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    • Lefty wrote:

      Was bedeutet denn Konfrontation bei Zwängen? Es nicht tun?
      Zwänge basieren öfters auf Ängsten. Wenn diese Klar definiert sind, kann man eine Konfrontation damit machen.
      Bei dem was ich gesehen hatte (war mal eine Dokumentation über "schwere" Zangsstörungen und Fälle, wurden die Patienten den Zwängen ausgesetzt aber durften sie nicht machen.
      Hat angeblich geholfen, aber das ist bei jedem anders.
      Grüße aus der Pegasus Galaxie. :)
    • Der Atikel "Zum Zusammenhang zwischen Körperschema und sozio-emotionalem Verhalten bei umschriebenen Entwicklungsstörungen der Wahrnehmung und Motorik" ist recht interessant. Es hat nun doch geklappt, den zu öffnen. Ich weiß nicht, ob man aus den wissenschaftlichen Artikeln hier zitieren darf. Falls das erlaubt ist, würde ich es gerne tun und die Infos mit euch teilen.
    • Handlungen muss ich auch zum Ende bringen und kann sie nicht einfach unterbrechen, außer in einem Notfall. Ich kann auch so lange nicht aufs Klo, bis ich mit meinen angefangenen Aufgaben fertig bin oder zumindest sinnvolle Zwischenschritte zum Ende bringe als Kompromiss. Das schreibe ich der exekutiven Dysfunktion zu. Die exekutiven Funktionen sind für Planung, Organisation, Ordnung usw zuständig.
      Wenn ich Dinge nicht zu Ende bringe oder nicht so wie ich es geplant habe, kostet es mich viel Energie, einen neuen Plan zu erstellen (es muss sich stimmig in meinen Tag fügen) oder wieder zu der Aufgabe zurückzukehren, wenn ich unterbrochen wurde. Ich bin zu sehr damit beschäftigt, mein Leben zu ordnen und so auf mich zuzuschneiden, dass ich keinen Overload Bekomme. Da mein Körpergefühl in diesem Zustand Selbstmordgedanken in mir aulöst, setze ich viel daran. Alles was mich Energie kostet, führt mich in diesen Zustand mit diesem untragbaren Körpergefühl, sofern ich keinen Raum zur Erholung finde. Unfreiwillige Planänderungen sind deswegen auch immer für kurze Zeit ein Drama, aber sobald ein anderer Plan erstellt ist, bin ich wieder die entspannte LailandaDemia.
    • Interessantes Thema.
      Diesen starken Wunsch, etwas Begonnenes "abzuschließen/zu beenden" habe ich auch.
      Deswegen ist Gruppenarbeit für mich auch so schlimm. Wenn jemand anders plötzlich übernimmt, was ich begonnen habe. Und ICH kann es nicht wirklich abschließen.
      Oder wenn Dinge so in der Schwebe bleiben. Über Wochen. Weil Gruppenmitglieder sich nicht melden und es nicht vorangeht. Da würde ich dann am liebsten, meinem ersten Impuls folgend, alles hinschmeißen. DAS wäre dann zumindest auch eine Form von Abschließen. zwar auch unbefriedigend, aber immer noch besser als dieses vage ……………….. Es würde meinen inneren Anspannungszustand beheben.

      Bei Kleinigkeiten im Alltag habe ich den Wunsch auch. Der läuft her so im Hintergrund ab und ich muß es nicht zwanghaft tun. Es würde sich besser anfühlen, wenn. Aber wenn nicht, kann ich auch damit umgehen. Aber eine gewisse Restspannung bleibt und ich registriere die Situation sehr wohl. Wo andere nichtmal drüber nachdenken würden.

      Zusatz: was mich wahnsinnig macht ist wenn auf e-mails nicht geantwortet wird in denen ich eine konkrete Frage gestellt habe. Das kann ich 1.nicht verstehen dass jemand darauf nicht antwortet und 2. ist die Sache dann für mich ständig vakant. Und sehr stressig.

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    • Kaspar wrote:

      Zusatz: was mich wahnsinnig macht ist wenn auf e-mails nicht geantwortet wird in denen ich eine konkrete Frage gestellt habe. Das kann ich 1.nicht verstehen dass jemand darauf nicht antwortet und 2. ist die Sache dann für mich ständig vakant. Und sehr stressig.
      Das geht mir auch so. Erlebe es häufig, dass Emails bzw. Nachrichten entweder einfach komplett ignoriert werden (selbet wenn es als Reaktion ist auf einen Brief bei dem stand man solle sich bei weiteren Fragen oder Ähnlichem gerne melden) oder dass ich etwas längeres schreibe mit mehreren Fragen und Aussagen und darauf dann mit einem Einzeiler geantwortet wird, der das meiste komplett ignoriert. Und wenn derjenige dann auch nochmal dahinterschreibt bei weiteren Fragen könne ich mich gerne melden, würde ich ihm am liebsten in die Fresse hauen!

      Übrigens: Zieht bloß nicht nach Japan um, dort ist es Teil der Kultur, dass man jemandem nicht durch eine negative Antwort (z. B. Ablehnung eines Anliegens / eines Vorschlags / einer Bewerbung oder sonstwas, was quasi das Wort "nein" oder "nicht" in irgendeiner Form als Antwort beinhaltet) vor den Kopf stoßen möchte sondern dann lieber gar nicht antwortet. Das gilt auch für den Schriftverkehr. Da weiß man dann ja nie, ob die Antwort noch kommt oder ob nie eine kommen wird.
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.
    • @Lex
      Das erleben übrigens auch einige NTs als durchaus unangenehm. Nicht nur wir. Wir aber wohl im verstärkten Maße.

      Meinst Du, dieses NICHT antworten ist dann eigentlich, so wie in Japan, die "höfliche" abschlägige Antwort? Oder sowas wie: "Boah, Du nervst.", aber das will man nicht antworten?
    • Eher Letzteres. Oder anders gesagt: Den Leuten ist es oft auch einfach zu viel Arbeit, ausführlicher zu antworten. Das kann selbst nach einem Erstkontakt / Erstemail der Fall sein. Beispielsweise wenn es um Geschäfte geht und man das Gefühl hat das ist ohnehin kein gut betuchter potentieller Kunde, wozu sich dann die Mühe machen ihn bei Laune zu halten. Knappe Antworten sind eine Art, jemanden abzuwimmeln. Und manchmal auch das Ergebnis von bereits zu faul / zu bequem zum Lesen sein. Denke manche meinen es reicht nur den ersten Satz zu lesen und dann darauf zu antworten.

      Selbst bei sehr kurzen Nachrichten, die ich schrieb, wurde mitunter nur auf eines von drei Themen bzw. Sätzen / Anliegen eingegangen.

      Das ist Bequemlichkeit der Leute. Denke Höflichkeit steckt da hierzulande eher selten dahinter wenn überhaupt. Und wenn dann nicht im offiziellen Bereich (z. B. Reaktion auf Bewerbungen) sondern eher im privaten (z. B. Ignorierung einer Einladung eines Freundes / Verwandten (die z. B. per Email erfolgte), damit man so tun kann später als hätte man sie übersehen / überlesen.)

      Autisten kann es besonders kirre machen, wenn sie auf eine bestimmte Information bzw. Kommunikation gewartet haben (bei der auch noch ein gewisser Zeitdruck aufgrund von äußeren Faktoren gegeben ist) und die dann einfach nicht kommt, sie den Leuten alles aus der Nase ziehen und immer wieder nachbohren müssen oder gar noch ausführlicher begründen, warum sie die Information und / oder Antwort und / oder das Gespräch so dringend benötigen, was alles aber nur zur Folge hat, dass die Person noch genervter wird und am Ende hat es dann böse Konsequenzen für den Autisten, z. B. indem er aus etwas wichtigem (Arbeitsplatz oder Ausbildungsstelle oder was auch immer) rausgeschmissen wird.

      Ist natürlich möglich, dass das auch im Leben von Nichtautisten vorkommt, aber da kenne ich mich nicht so aus. Da Nichtautisten seltener irgendwo rausfliegen oder für psychisch krank gehalten werden, vermute ich mal sie verhalten sich anders. Sonst würde man auf das Verhalten von Autisten nicht wie auf abweichendes Verhalten reagieren (und es entsprechend ahnden / tadeln) sondern sich problemlos in sie reinversetzen und es so als völlig vernünftiges, logisch nachvollziehbares Verhalten einstufen und somit keinen Anlass für solch drastische Reaktionen sehen sondern den Fehler eher bei sich suchen.

      Hinzu kommt noch, dass NTs gerne aus Bequemlichkeit Dinge versimplifizieren, sich also z. B. aus komplexen Informationen nur ein einziges Element rauspicken, auf das sie sich stützen, ohne zu merken, dass sie es aus dem Zusammenhang gerissen haben und so alles verfälscht haben.

      Ein Beispiel dafür: Ein bekannter Betreiber einer Wildtieraufzuchtstation bekommt einen Anruf von Leuten, die ein hilfsbedürftiges Krähenküken gefunden haben. Er bietet an, es zu übernehmen, sie bestehen aber darauf, es selbst aufzuziehen. (Wahrscheinlich, weil sie es so niedlich finden und sie sich keine Gedanken machen, dass es in einer Station, wo es z. B. auch Volieren zur Vorbereitung auf die Auswilderung gibt, vielleicht besser aufgehoben wäre). Sie wollen von ihm nur wissen, was sie dem Küken füttern sollen. Er zählt einige natürliche Beutetiere auf, die das Küken für seine Ernährung benötigt (z. B. Mäuse) und erwähnt nur am Rande, dass wenn nichts geeignetes im Haus ist man notfalls zur Überbrückung auch kurzzeitig Hundefutter füttern können. Die Leute bedanken sich und legen auf. Einige Zeit streicht ins Land. Da rufen die Leute verzweifelt erneut an und beklagen sich, dass die inzwischen herangewachsene Jungkrähe gar nicht fliegen lernt. Es zeigt sich, dass die Flügelknochen völlig schief und krumm gewachsen sind usw. Er fragt, was sie der Krähe gefüttert haben. Sie antworten: "Hundefutter..." Dergleichen erlebt er häufig.

      Es stimmt schon, dass Autisten sich auch oft auf Details stürzen, aber sie bemühen sich auch, komplexe Zusammenhänge zu erfassen. Zum Beispiel würde ein Autist mit Tieren als Spezialgebiet (wie ich es bin) früh lernen, dass sogar, wenn man ein Futter dem Tier füttert, das auf der Verpackung steht (z. B. Kaninchenfutter an Kaninchen, Hundefutter an Hunde und so weiter) das nicht immer heißen muss, dass man dem Tier damit guttut, sondern diese Wörter halt von Menschen draufgedruckt wurden ohne das Tier vorher zu fragen und die tatsächlich benötigte Ernährung des Tiers vielleicht etwas aufwändiger ist.

      Und solche Autisten begreifen auch leicht, dass beispielsweise Kaninchen keine Hasen sind, obwohl sie ähnlich wie Hasen aussehen und auch mit ihnen verwandt sind, und dass Menschen aus biologischer Sicht auch zu den Tieren (genauer gesagt Säugetieren) zählen, ohne dass man darauf mit großer Empörung reagieren muss, da es eine rein sachliche Information ist und da die Art, wie Menschen sich von Tieren abheben, hauptsächlich in ihren eigenen Köpfen geschieht und meist mit einem übermäßigen Maß von Überheblichkeit gewürzt ist, wie sich beispielsweise bereits anhand früher Bibeltexte ersehen lässt.

      Also ja, viele mögen es gerne so simpel wie möglich. Besonders auch auf ihrem Arbeitsplatz. Autisten hingegen sind oft sehr eifrig bemüht, allem gerecht zu werden und alles richtig zu machen. Und erleiden dadurch oft nach einigen Jahren Arbeit einen Burnout.

      Für mich ist es selbstverständlich und ein Ding der Höflichkeit auf alle Fragen zu antworten. Wenn jemand das nicht tut, finde ich das ausgesprochen provozierend.

      Ich weiß noch wie ich einmal regelrecht ausgefragt wurde, mir das schon unangenehm wurde, teils auch knapp geantwortet habe aber immer weiter nachgebohrt wurde. Das waren sehr private Themen bezogen auf meine Autismussymptome und wie ich damit umgehe und was sich ändern könnt eauf welche Art usw. Und irgendwann bekam ich plötzlich Vorwürfe zu hören, dass ich viel zu viel Zeit beanspruche und es nicht immer um mich gehen solle. Es hieß dann ich hätte sagen sollen ich möchte nichts mehr sagen und selbst dafür sorgen sollen, dass nun jemand anders befragt wird. Das fand ich sehr seltsam, denn außer mir waren nur zwei andere Teilnehmer da und der Gruppenleiter, der sich ja jederzeit einem anderen Teilnehmer hätte zuwenden können. Doch stattdessen wurde die Schuld bei mir gesucht und ich wurde rausgeschmissen. Das verstehe wer will. Vielleicht war das Problem, dass sie mir einfach nicht angemerkt / angesehen haben, dass ich mich unwohl fühle und eigentlich nichts mehr sagen möchte. Bei einem NT hätten sie das wohl gemerkt und so von sich aus das Thema bzw. die Person, die im Fokus ist, gewechselt. Von mir zu erwarten dass ich von mir aus weiß, was sie erwarten und eigentlich wollen, statt auf ihre Worte / Fragen einzugehen, war zu viel erwartet von mir als Autistin.

      Anderes Beispiel: Ich sollte mal für eine Gruppe (gemischte Gruppe aus normalen und geistig behinderten Menschen) einen kleinen Bericht darüber schreiben, was meine Gruppe an dem Tag gemacht hat. Die, die vor mir schrieben, hatten sich teils nur auf eine Tageszeit bezogen, doch das erschien mir nicht ganz korrekt / wenig informativ. Ich habe also mir die Mühe gemacht in knappen Worten (wie gewünscht auf englisch) zu schreiben, was wir am Morgen gemacht haben, was wir Nachmittags gemacht haben und was wir am Abend gemacht haben. Obwohl das für meine Verhältnisse ein ausgesprochen kurzer Text war (wenn ichs recht entsinne, habe ich jede der drei Aktivitäten mit nur einem Satz beschrieben + Begrüßung + Abschiedsworte), kam eine negative Rückmeldung nach dem Motto der Text sei zu lang gewesen und daher für die geistig Behinderten zu schwer gewesen, statt mir für meine Mühen zu danken. Da fühlte ich mich sehr vor den Kopf gestoßen. Verstehe auch selbst heute nicht ganz, wieso geistig Behinderte nur ganz kurze Texte lesen / verstehen können, zumal der Text von der Formulierung her sehr simpel war und eben auch nicht wirklich all zu lang. Kurz gesagt: Wenn generell nur eine unserer drei Aktivitäten Erwähnung finden soll, hätte man mir das doch vorher sagen können. Aber es wurde nichtmal erwähnt vorher, dass es negativ bewertet werden würde, wenn der Text ein paar Zeilen mehr hat.

      Ähnlich wie damals in der Grundschule, wo ich extra vorher fragte, ob ich eine lange oder eine kurze Geschichte schreiben soll, die Lehrerin meinte "egal" und ich dann anfing einen Roman zu schreiben, weil sie es nicht für nötig hielt zu erwähnen, dass nur ein sehr sehr kurzer Zeitraum für die Aufgabe vorgesehen ist und die Geschichte zudem auf ein Täfelchen passen muss, auf das nur wenige Sätze passen. Hätte sie sich für einen Moment klargemacht, dass ich trotz meines jungen Alters intellektuell bereits in der Lage bin, komplexe wirklich lange Texte zu schreiben, hätte sie mich wohl darauf hingewiesen möglichst kurz zu schreiben. Sie wusste, dass ich gut im Schreiben bin. Ich musste dann meine "Geschichte" vorlesen bzw. vorlesen lassen, die gar keine Geschichte war sondern nur eine mitten drin abbrechende Einleitung, woraufhin mein Mitschüler meinte er würde die Geschichte nicht verstehen. Das war sehr erniedrigend / unschön / peinlich für mich. Die kürzeste Geschichte war von einer meiner Mitschülerinnen und bestand nur aus einem einzigen Satz. Sowas wie: "Momo rollt den bunten Ball hin und her." Ich denke aber bei ihr damals war das keine Bequemlichkeit sondern sie konnte es wirklich noch nicht besser.
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.

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    • @Lex

      Früher habe ich dann auch lange mails geschrieben um zu erfahren, warum ich keine Antwort auf meine mail bekomme.
      Daraufhin bekam ich auch keine Antwort. Letztendlich waren die Leute von mir angenervt. Und ich nervlich am Boden.
      Heutzutage beiße ich die Zähne zusammen … schreibe keine mails mit Fragen hinterher.... und bin nervlich am Boden. Der Unterschied. Die Anderen sind nicht genervt von mir. Oder zumindest nur ein bißchen. SO kann und möchte ich aber nicht mehr kommunizieren.

      Ich schrieb unlängst noch einmal (ein letztes Mal) jemandem, dass es mir nicht gut tut, wenn ich auf eine mail mit einer konkreten Frage keine Antwort bekäme. (Es ging dabei um ein Projekt. Also um eine wirklich wichtige Frage. Zumindest für mich. Weil es mir wichtig ist, dass das Projekt gelingt.) Dass es mir sogar gesundheitlich schaden würde. .. Tja. … Keine Antwort.
      Dann, auf nochmalige Nachfrage und Erklärungen meinerseits nach weiteren 2 Wochen ohne Antwort, ein Dreizeiler. "Schnuckel, alles wird gut." :m(:
    • Lex wrote:

      Erlebe es häufig, dass Emails bzw. Nachrichten entweder einfach komplett ignoriert werden (selbet wenn es als Reaktion ist auf einen Brief bei dem stand man solle sich bei weiteren Fragen oder Ähnlichem gerne melden) oder dass ich etwas längeres schreibe mit mehreren Fragen und Aussagen und darauf dann mit einem Einzeiler geantwortet wird, der das meiste komplett ignoriert.
      Das hasse ich wie die Pest! Besonders ausgeprägt ist das bei meiner Schwester. Z.B.: ich erzähle ihr etwas und habe zusätzlich zwei Fragen. Sie geht auf das, was ich erzählt habe, ein, aber die Fragen bleiben unbeantwortet. Oder sie beantwortet eine Frage, die andere nicht. Dann muss ich nachhaken: "Ich hatte dir noch die Frage gestellt, ob... - kannst du das noch beantworten?" Oder ich wiederhole die Frage einfach, in der Annahme, dass sie es gar nicht merkt, dass ich sie doppelt gestellt habe, weil sie sie beim ersten Mal gar nicht gelesen, also überlesen, hat. Dann komme ich mir immer pedantisch vor, aber was soll lich machen? Ich stelle grundsätzlich viele Fragen, weil ich es nicht mag, wenn ich etwas nicht genau weiß oder zweifle, ob ich etwas richtig verstanden habe oder weil ich Ungewissheiten ausräumen möchte. Ich fürchte, dass ich dadurch sehr anstrengend bin :(

      Lex wrote:

      Autisten kann es besonders kirre machen, wenn sie auf eine bestimmte Information bzw. Kommunikation gewartet haben (bei der auch noch ein gewisser Zeitdruck aufgrund von äußeren Faktoren gegeben ist) und die dann einfach nicht kommt, sie den Leuten alles aus der Nase ziehen und immer wieder nachbohren müssen oder gar noch ausführlicher begründen, warum sie die Information und / oder Antwort und / oder das Gespräch so dringend benötigen
      Ganz genau! Auch das hasse ich wie die Pest, und ich habe dann auch das Gefühl, dass es nicht mein Verschulden ist, wenn die andere Person genervt ist, denn er oder sie ist doch derjenige, der nicht rechtzeitig antwortet, sodass ich mich gezwungen sehe, nachzubohren. Dieses "alles aus der Nase ziehen müssen" - diesen Ausdruck verwende ich dann auch gern, weil es mich anstrengt und nervt, dass es so schwer ist, klare und rechtzeitige Antworten zu erhalten.
      Ich hab das Problem aber eher im privaten Bereich als im beruflichen. Bei der Arbeit betrifft es mich eher, wenn es um Personelles - also für mich wieder Privates - geht. Wenn ich auf eine Bestätigung für etwas warte und die Vorgesetzten sich Zeit lassen, sodass ich nicht frühzeitig planen kann.

      Lex wrote:

      Für mich ist es selbstverständlich und ein Ding der Höflichkeit auf alle Fragen zu antworten. Wenn jemand das nicht tut, finde ich das ausgesprochen provozierend.

      Ich weiß noch wie ich einmal regelrecht ausgefragt wurde, mir das schon unangenehm wurde, teils auch knapp geantwortet habe aber immer weiter nachgebohrt wurde. Das waren sehr private Themen bezogen auf meine Autismussymptome und wie ich damit umgehe und was sich ändern könnt eauf welche Art usw. Und irgendwann bekam ich plötzlich Vorwürfe zu hören, dass ich viel zu viel Zeit beanspruche und es nicht immer um mich gehen solle. Es hieß dann ich hätte sagen sollen ich möchte nichts mehr sagen und selbst dafür sorgen sollen, dass nun jemand anders befragt wird.
      Auch das kenne ich. Wenn mir eine Frage gestellt wird, dann habe ich das Gefühl, antworten zu müssen. Deshalb sind mir manche Fragen auch sehr unangenehm, weil ich sie nicht beantworten will, aber auch nicht weiß, wie ich die Antwort umgehen kann - andere Menschen finden da gute Wege, der Antwort auszuweichen, ich nicht. Mir bleibt dann nur, zu sagen: "Darüber möchte ich eher nicht reden." oder ähnliches.

      Das Ausgefragtwerden habe ich auch erlebt, als ich privaten E-Mail-Austausch mit einer Frau hatte, die weder AS noch VA ist. Ich "musste" auf alles, was sie schrieb, eingehen, "musste" jede Frage beantworten, und es wurde immer mehr, was sie schrieb und die Fragen wurden teilweise sehr unangenehm für mich. Weil die Option, auf etwas nicht einzugehen, für mich nicht existierte, hat mich dieser Austausch immer mehr unter Druck gesetzt, bis ich am Ende wütend wurde und Vorwürfe gemacht habe.
      Sie sagte dann auch, ich müsse doch nicht auf etwas antworten, worauf ich nicht antworten will und ich müsse doch nicht auf alles eingehen. Das hat mich ziemlich verwirrt.

      Und gleichzeitig war ich irritiert gewesen, wenn sie auf Fragen von mir, die für mich vollkommen okay waren (sonst hätte ich sie ja nicht gestellt), gar nicht oder ausweichend antwortete. Da hab ich dann auch nachgehakt und bekam die Antwort, dass das ja wohl zu privat sei und sie ja nicht auf alles antworten müsse.

      Ich geb ihr da mittlerweile recht. Ich habe aus diesem Austausch etwas gelernt. Halt z.B. das oben Genannte: dass ich auch mal sagen kann: ich will darüber nicht reden. Wohl fühle ich mich trotzdem nicht dabei, wenn ich etwas gefragt werde, das ich nicht beantworten will oder wenn jemand mir eine Frage nicht beantwortet.

      Kaspar wrote:

      Ich schrieb unlängst noch einmal (ein letztes Mal) jemandem, dass es mir nicht gut tut, wenn ich auf eine mail mit einer konkreten Frage keine Antwort bekäme. (Es ging dabei um ein Projekt. Also um eine wirklich wichtige Frage. Zumindest für mich. Weil es mir wichtig ist, dass das Projekt gelingt.) Dass es mir sogar gesundheitlich schaden würde. .. Tja. … Keine Antwort.Dann, auf nochmalige Nachfrage und Erklärungen meinerseits nach weiteren 2 Wochen ohne Antwort, ein Dreizeiler. "Schnuckel, alles wird gut." :m
      Da wird endlich geantwortet und dann sowas, da würd ich durchdrehen!

      Lex wrote:

      An die Gefühle appellieren bzw. Gefühle darlegen habe ich auch mitunter versucht. Hat nie was gebracht.
      Dito. Allerdings muss ich zugeben, dass ich die Gefühle der anderen ja auch meist nicht gut nachvollziehen kann und auch keine Rücksicht nehme, deshalb kann ich den anderen keinen Vorwurf machen.

      Wenn ich mit einer Frage keine Ruhe gebe, weil mir die Antwort nicht schnell genug gegeben wird oder weil mir die Antwort zu unpräzise ist (ich sprech jetzt wieder vom privaten Bereich), dann nehme ich ja auch keine Rücksicht darauf, dass die andere Person vielleicht nicht anders antworten kann oder will, dass sie vielleicht nicht einmal versteht, worum es mir überhaupt geht :(
    • Lefty wrote:

      Da wird endlich geantwortet und dann sowas, da würd ich durchdrehen!
      @Lefty
      Ja. Ich war auch kurz davor. :(
      Dann allerdings habe ich mir gedacht: "Die ticken doch nicht ganz sauber."
      Ich habe es in meinem Kopf für mich jetzt abgeschlossen. Leider werden sie, wenn es "brennt", doch wieder auf mich zukommen und dann muß es alles wieder ganz schnell gehen. Ich weiß noch nicht, wie ich dann reagiere. Ob ich es vielleicht auch mal mit "nicht antworten" probiere. Aber dann rifen sie mich an. Weil sie nicht locker lassen und es nicht aushalten können, keine Antwort zu bekommen. Verrückte NTs.
    • Kaspar wrote:

      @Ob ich es vielleicht auch mal mit "nicht antworten" probiere.
      Wie oft schon hab ich mir Ähnliches aus Trotz vorgenommen - und hab's dann keine Sekunde lang durchgehalten :lol:

      Ich mag übrigens diesen Ausspruch "nicht ganz sauber ticken", weil das so herrlich NICHT zusammen passt :o
    • Sämtliche der obigen Beiträge könnten von mir stammen, da ich ähnliche Probleme habe.

      Lefty wrote:

      Weil die Option, auf etwas nicht einzugehen, für mich nicht existierte, hat mich dieser Austausch immer mehr unter Druck gesetzt, bis ich am Ende wütend wurde und Vorwürfe gemacht habe.
      Sie sagte dann auch, ich müsse doch nicht auf etwas antworten, worauf ich nicht antworten will und ich müsse doch nicht auf alles eingehen. Das hat mich ziemlich verwirrt.

      Und gleichzeitig war ich irritiert gewesen, wenn sie auf Fragen von mir, die für mich vollkommen okay waren (sonst hätte ich sie ja nicht gestellt), gar nicht oder ausweichend antwortete. Da hab ich dann auch nachgehakt und bekam die Antwort, dass das ja wohl zu privat sei und sie ja nicht auf alles antworten müsse.
      Das finde ich auch vollkommen unverständlich.

      Wenn mir jemand eine Frage stellt, gehe ich davon aus, dass das einen Grund hat und die Person an einer Antwort interessiert ist, weil daraus wiederum Schlüsse gezogen werden. Deshalb bemühe ich mich, diese Antwort abzuliefern. Mir ist es auch fast unmöglich, Fragen abzuwehren. Mittlerweile ist mir bewusst, dass das erlaubt wäre, aber ich bekomme es dennoch kaum hin. Für mich ist es so, dass zu einer Frage die Antwort gehört, dann ist der Vorgang abgeschlossen.

      Ich selbst stelle Fragen ja auch nicht aus Jux und Dollerei, sondern weil ich damit einen bestimmten Zweck verfolge. Der Zweck bleibt auch meist bestehen (es sei denn, es hat sich inhaltlich etwas geändert, was die Frage und die Antwort obsolet werden lässt), so dass es keinerlei Veranlassung gibt, auf die Beantwortung der Frage dann zu verzichten. Und dann hake ich eben meist so lange nach, bis entweder eine Antwort kommt oder ich einen Zusammenbruch bekomme. :m(: :shake:

      Dass es Menschen egal ist, wenn sie auf ihre Fragen keine Antworten bekommen, kann ich nicht verstehen. Ich habe den Verdacht, dass die Herangehensweise zum "Fragen stellen" vielleicht bei NT und Menschen mit ASS unterschiedlich ist. Vielleicht stellen NT Fragen, nicht um Antworten zu erhalten (die man für die Lösung für ein Problem braucht), sondern um damit eine Beziehung herzustellen oder irgendeinen Aufhänger für irgendetwas anderes zu haben? Oder ihnen sind die Ergebnisse ihrer Arbeit wirklich vollkommen egal. Das stelle ich immer häufiger in öffentlichen bzw. privaten Institutionen fest.